Band 3 (HiG)
Empfangen vom
Herrn durch Jakob Lorber.
Nach der 1.
Auflage 1993.
Eine nach der
Urschrift durchgesehene Textsammlung des Lorber-Verlages.
Lorber Verlag –
Hindenburgstraße 5 – D-74321 Bietigheim-Bissingen.
Alle Rechte
vorbehalten.
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by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.
Die Musik. – 2. Mai 1840 um die Mittagszeit.
[HiG.03_40.05.02,01]
So ihr wollt wissen, was die Musik ist, so merket, was Ich euch sage, so wird
euch klar werden manches, so nicht Musik, sondern Handlung der reinen Liebe ist
in sich selbst – ohne der Hinzutat der Weisheit, sondern wie es ist in der
Liebe in ihrer Blindheit. –
[HiG.03_40.05.02,02]
Siehe, ihr habt kein reineres Bild als die Musik (welche besser blinde Liebe
heißen sollte) von der reinen Liebe in Mir, welche ist ein Zusammenfluß der
sieben Geister der Gottheit, welche sich da vereinen in der gegenseitigen
Begegnung ihres steten ruhigen Wallens.
[HiG.03_40.05.02,03]
Und diese Begegnung gebiert den Ton siebenfach nach der Beschaffenheit des sich
selbst begegnenden Geistes, und der Ton wächst dann von dem Grundton fort und
fort durch alle sieben Geister, und so hat dann jeder Geist seinen eigenen Ton
nach der Ordnung der euch bekannten Leiter.
[HiG.03_40.05.02,04]
Und da aber ein jeder der sieben Geister durchdringt alle sieben, so sind auch
alle sieben in jedem einzeln vorhanden und ergießen sich dann alle wieder
einträchtig und wohlklingend ineinander, welches dann ist die große Wonne der
Gottheit in ihrer Liebe.
[HiG.03_40.05.02,05]
Und so ist der Ton dann eine Schwingung, und diese Schwingung durchzittert die
Geister, und die Geister erkennen sich, und das Erkennen gibt sich kund nach
dem Verhältnisse der Schwingungen, und die Schwingungen werden wahrgenommen in
der Liebe gemeinschaftlich, und diese Gemeinschaft ist dann die rechte
Harmonie. Und wenn sodann in dieser großen reinsten Harmonie die Liebe wonnig
erbebt, so strömt dann dieses Erbeben zurück in die Gottheit, und da gibt es
dann ein Gedränge, und in diesem Gedränge erwärmen sich dann die Geister und
entzünden sich dann in der Liebe, und dieses Entzünden ist das Licht, und in
diesem Lichte werden erkannt die zahllosen Formen, welche entstehen aus den
Schwingungen.
[HiG.03_40.05.02,06]
Nun wißt ihr, was der Ton und die Musik ist, wie sie entsteht und wozu sie und
was sie ist. Und also ist sie euch auch gegeben als ein geheimes Zeichen
schweren und großen Inhalts, das erst ganz gelöst werden kann in der reinsten
Liebe zu Mir; und also sollt ihr sie auch lernen betrachten und gebrauchen und
genießen in der Darbringung eures allerhöchsten Ruhmes und eures allertiefsten
Dankes zu Mir, daran ja nichts Unreines mehr kleben soll.
[HiG.03_40.05.02,07]
Aber wie wird diese Gabe aus den allerhöchsten aller Himmel von euch
gebraucht?! – O der großen Schande; Ich habe euch gezeigt durch Männer das
Reine in Oratorien und Sinfonien, – ihr aber übergoldet damit Schmeißhaufen und
tretet sie dann gar mit Füßen. Daher bedenket, was die Musik und wozu sie ist!
– und entheiliget nicht die Wonne in Mir. – Ich die reinste Liebe in Gott
Jehova Amen, Amen, Amen. – – –
Worte aus der
Weisheit. – 25. Mai 1840.
[HiG.03_40.05.25]
Jakob Lorber bat den Herrn um einige Worte aus Seiner Weisheit.
[HiG.03_40.05.25,01]
Daher soll deine Neugierde gestillt werden; aber sehe zu, was dein Verstand
begreifen wird aus Meiner Weisheit, die nie ein geschaffener Geist im
geringsten Teile je erforschen wird ewig. So aber dir dein Herz schwer werden
wird, dann gedenke, daß Ich nur durch Liebe zugänglich bin und ewig nie in der
Weisheit Meines Verstandes. –
[HiG.03_40.05.25,02]
Das sind aber Worte Meiner Weisheit !!! – – –
[HiG.03_40.05.25,02]
I. Ich bin und bin nicht, Ich war und war nicht, und Ich werde sein und nicht
sein die Ewigkeit ein Punkt unendlich eine Linie aus der Mitte der Enden ohne
Enden mit Enden ohne Enden groß wie ein Nichts und klein wie die Unendlichkeit.
– – –
[HiG.03_40.05.25,02]
II. Ich bin eine Vielheit im Nichts und bin nichts in der Vielheit, Ich bin ein
unendliches Nichts, und die Unendlichkeit ist ein Nichts in Mir ewig in der
Zeit und zeitlich in der Ewigkeit, damit Ich nicht Alles bin um Alles zu sein,
und bin blind im Angesichte aller Dinge aus Mir, neben Mir und in Mir, damit
ich Alles sehe, das Große klein und das Kleine groß, da es ist und nicht ist
durch und durch!!! – – –
[HiG.03_40.05.25,02]
III. Ich bin ein Gott ohne Gott, Ich bin die Liebe ohne Liebe, Ich bin die
Weisheit ohne Weisheit, ein ungeschaffenes Geschöpf in den Geschöpfen, die
nicht geschaffen sind, und doch sind um geschaffen zu werden zu Nichts, um zu
sein Etwas, und um Etwas zu sein, um Nichts zu werden durch Mich in sich und in
sich ohne Mich, damit Ich sei Alles, um nichts zu sein, und Nichts sei, um
Alles zu sein. So ist der Mensch, daß er nicht sei, um etwas zu sein in Mir ohne
Mich aus Mir, damit er lebe und kein Leben habe um zu leben ewigzeitlich und
zeitlichewig, räumlich ohne Raum, und unräumlich im Raume!!! – – –
[HiG.03_40.05.25,03]
Da hast du jetzt drei Worte Meiner Weisheit; aber denke nie darüber nach, da
alles dieses für deinen Verstand ewig unerfaßbar bleiben wird. Denn so wenig du
die Erde je wirst wie einen Ball in deine Hand nehmen und mit den Sonnen
spielen wie mit Erbsen, – um noch viel weniger wird je ein geschaffener Geist
diese drei Worte erfassen in ihrer ganzen Tiefe. Du brauchst dir deswegen auch
nichts daraus zu machen; denn das Unmögliche ist selbst Mir unmöglich. Ich
Jehova Die ewige Weisheit Gott Der Allerheiligste, Der Allerhöchste. Amen!!!
Die Erlösung. –
15. Juni 1840.
[HiG.03_40.06.15,01]
Das ist eine Frage an den L., H.1, H.1, S., welche sie tief in sich gehend in
aller Ruhe ihres Herzens beantworten sollen, damit dann auch ihnen geöffnet
werde ein kleines Pförtchen in die geheimen Gemächer ihrer Liebe, zu erkennen
sich und Meine Liebe, und zu erbrennen in derselben gewaltig zu Mir, der Ich
nur allein die Seele erlösen kann durch die Wiedergeburt des Geistes, und durch
denselben dann der ganzen Kreatur.
[HiG.03_40.06.15,02]
Das aber ist die wichtigste und größte Frage: Wie bedingt das mosaische Gesetz
die Freiheit des Willens durch Liebe, durch Liebe die Wiedergeburt, und durch
die Wiedergeburt das ewige Leben? Warum war die Erlösung nötig an der Seite des
mosaischen Gesetzes, da zur Wiedergeburt nichts als die Haltung des Gesetzes
aus reiner Liebe zu Mir benötiget wird? Was ist somit die Erlösung, und
inwieweit ist sie für den Menschen, und wie kann er Teil daran nehmen? –
[HiG.03_40.06.15,03]
Die Beantwortung dieser Frage wird jedem sehr schwer werden, der nur seines
Verstandes Schärfe daran abzustumpfen wird versuchen; wer aber erbrennen wird
in der Liebe und aller Demut zu Mir, der wird die volle Antwort finden treu in
seines Herzens Kämmerlein. Meinem armen schwachen Knechte Jakob aber werde Ich
die volle Beantwortung geben, damit ihr dann vergleichen könnt die eurige und
prüfen euer Herz und die Tiefe der Gemächer der Liebe darinnen. Ich der große
Meister in allen Dingen Amen. –
Antwort. (Die
Erlösung.) – 17. Juni 1840.
[HiG.03_40.06.17,01]
Das ist die volle Antwort auf die von Mir am Montag gegebene größte und
wichtigste Frage, deren Größe und Wichtigkeit erst in dieser gegenwärtigen
Beantwortung leuchtend ersichtlich wird. –
[HiG.03_40.06.17,02]
Es ist nötig, damit die Antwort vollends eingesehen werden möchte, daß da
gezeigt werde das Wesen des Menschen in dessen Natur- und geistiger Sphäre,
ohne welche Vorkenntnis es umsonst wäre zu predigen, da das Ganze an den Geist
nur gerichtet ist, der aber bei euch noch nicht lebend, sondern auf dem Wege
ist, lebend in der Liebe, welche dessen Mutter ist, zu werden. Und damit eurem
Geiste die erste Regung gegeben werde, gab Ich euch auch eben diese Frage, an
welcher das Leben des Geistes, dessen Wiedergeburt, und sodann erst das ewige
Leben in der allerhöchsten Freiheit beruht.
[HiG.03_40.06.17,03]
Seht, der Mensch ist zusammengesetzt aus einem naturmäßigen Leibe, der da ist
ein Gefäß, darinnen sich durch die verschiedenen Organe eine lebendige Seele
ausbilde; denn im Entstehen durch die Zeugung wird nur das alleinige Wesen des
Leibes konstruiert. Und erst im siebenten Monate, wenn schon das leibliche
Wesen organisch, wenn auch noch nicht ganz der Form, doch aber all den Teilen
nach ausgebildet wird durch das vegetative Leben der Mutter, – so erst wird in
der Gegend der Magengrube ein für eure Augen nicht wahrnehmbares, vom Zeuger
herrührendes Bläschen, darinnen die Substanz der Seele enthalten ist, geöffnet
und teilt sich dann dem ganzen Organismus durch die Verbindung der Nerven mit,
umwandelt dann ein in allen Nerven vorfindliches magnetisches Fluidum in die
seinige und dringt dann in aller elektrischen Schnelle bald auch in alle
übrigen Organe, namentlich aber zuletzt erst in die Herzmuskeln, was gewöhnlich
erst am siebenten Tage, bei einigen manchmal etwas später erst geschieht.
[HiG.03_40.06.17,04]
Dann fängt ganz langsam das Herz an sich auszudehnen durch die allmähliche
Füllung der Seelensubstanz, und wenn es so nach und nach voll geworden ist
gleich einer elektrischen Flasche, so entladet es sich dann in die Adern durch
eine obere Kammer. Dieses entladene Fluidum teilt sich dann allen dort
befindlichen Säften mit und zwingt sie in alle Gefäße und so auch dann die in
den Gefäßen selbst vorhandenen Säfte zur Bewegung wieder in die Venen und durch
dieselben wieder zum Herzen zurück, während welcher Zeit das Herz schon wieder
geladen wird und die dahin kehrenden Säfte alsogleich wieder weiterbefördert.
[HiG.03_40.06.17,05]
Und so beginnt dann der Pulsschlag und die Zirkulation der Säfte und etwas
später des daraus hervorgehenden Blutes. Dadurch nun bildet sich durch den
derart bewirkten beständigen Verkehr und Austausch der Säfte und zwar den des
Blutes die Masse des Leibes – und durch die in den feinen Säften enthaltene
Substanz die Solidität der Seele elektro-organisch aus. Und wenn dann auch der
Magen vollends ausgebildet wurde zur Aufnahme von gröberen Säften aus dem Leibe
der Mutter zuerst, zur Unterstützung der an die Bestimmung verwendeten Säfte
und des Blutes, dann wird der Mensch abgelöst von den Nährbanden im Mutterleibe
und wird geboren in die Außenwelt, begabt mit fünf naturmäßigen äußeren Sinnen,
um aufzunehmen die Sinnenwelt oder eigentlich die verschiedenen Substanzen, als
des Lichtes, des Schalles, des Geschmackes, des Geruches und endlich des
allgemeinen Gefühles, welches alles nun bestimmt ist, auszubilden die Seele und
nach deren Bedürfnis wachsen zu lassen den Leib, was dann mehrere Jahre
nacheinander geschieht. Und so sind nun zwei Menschen in einem, nämlich zuerst ein
materieller und in dem ein substantieller.
[HiG.03_40.06.17,06]
Hier merket wohl auf, – gleich ungefähr drei Tage vor der Geburt aber wird aus
der allerfeinsten und zugleich solidesten Substanz der Seele in der Gegend des
Herzens ein anderes unendlich feines Bläschen gebildet, und in dieses Bläschen
wird ein einst böse gewordener Geist, der da ist dem Wesen nach ein Funke der
göttlichen Liebe, hineingelegt; gleichviel ob der Körper männlich oder weiblich
ist, so ist doch der Geist ohne geschlechtlichen Unterschied und nimmt erst mit
der Zeit etwas Geschlechtliches an, welches sich durch die Begierlichkeit
kundgibt.
[HiG.03_40.06.17,07]
Nun ist aber dieser Geist noch tot, wie er schon in der Materie seit langen und
langen Zeiten war. Da nun die Seele ein imponderables, substantielles Wesen
ist, einfach und somit unzerstörbar, und ihre Nahrung erhält durch die Sinne
des Leibes durch ihre nun nach und nach vollends ausgebildeten Sinne – als da
sind: gleich den Ohren die Vernunft, gleich den Augen der Verstand, gleich dem
des Geschmackes das Behagen der empfangenen Eindrücke des Schalls und des
Lichtes, dann gleich dem Geruche die Wahrnehmung von Gut und Böse und endlich
gleich dem allgemeinen Gefühle das Bewußtsein des naturmäßigen Lebens in ihr,
welches bewirkt wird durch die beständigen Evolutionen der Säfte und von diesen
absorbierten Substanzen –, so wird dann die Seele fähig zu denken, welches
Denken eigentlich durch die Zirkulation der feinsten Substanzen in ihren den
des Leibes entsprechenden Organen bewirkt wird.
[HiG.03_40.06.17,08]
Wie aber zuvor die Säfte des Leibes zirkulierend die Wesenheit der Seele
ausbildeten durch die ihr von der Außenwelt zugeführten Substanzen, ebenso soll
und wird durch die Zirkulation der feinsten Substanzen in deren Organen der in
dem Bläschen eingeschlossene Geist genährt so lange, bis er selbst reif wird,
das Bläschen zu zersprengen und somit auch nach und nach alle Organe der Seele
zu durchdringen – und wie die Seele im Leibe, so auch er in der Seele ein
vollkommener dritter Mensch zu werden durch die Nahrung aus dem Denken der
Seele, was auf folgende Weise geschieht:
[HiG.03_40.06.17,09]
Der Geist nämlich hat eben auch wie der Leib und wie die Seele entsprechende
geistige Organe – als gleich dem Gehöre und der Vernunft die Empfindung oder
die Wahrnehmung, gleich dem Lichte und dem Verstande den Willen, gleich dem
Geschmacke und dem Behagen der empfangenen Eindrücke des Schalls und des
Lichtes die Aufnahmefähigkeit alles Welttümlichen in entsprechenden Formen,
gleich dem des Geruchs und der Wahrnehmung von Gut und Böse die Einsicht von
Wahrem und Falschem und endlich gleich dem allgemeinen Gefühle und dem
Bewußtsein des naturmäßigen Lebens die aus diesem allen hervorgehende Liebe.
[HiG.03_40.06.17,10]
Und wie nun die Kost des Leibes ist durch all die Sinne, so ist auch die der
Seele und endlich auch die des Geistes. Ist die allgemeine Kost schlecht, so
wird am Ende alles schlecht und somit auch verwerflich; ist aber die allgemeine
Kost gut, so wird am Ende auch alles gut und annehmbar. Nun seht, das sind
einmal die natürlichen Bestandverhältnisse zwischen Leib, Seele und Geist. Nun
fragt sich, was da eine schlechte und was da eine gute Kost ist? –
[HiG.03_40.06.17,11]
Seht, alles Weltliche ist schlecht, weil es den Geist wieder zur Welt wendet,
aus deren Todeskerkernacht Ich ihn der Materie entriß und gelegt habe in das
Herz der Seele, damit er da wieder lebend und geläutert werde von allem
sinnlich naturmäßig materiell Weltlichen, und damit er da endlich fähig würde
zur Aufnahme des Lebens aus Mir. So nun ihm aber gereicht wird schlechte Kost,
so wird er wieder weltlich, sinnlich und endlich materiell und dadurch tot wie
vor der Geburt, – so auch die Seele mit dem Leibe, da sie dadurch selbst ganz
leiblich geworden ist.
[HiG.03_40.06.17,12]
Wird nun aber gegeben dem Geiste eine gute Kost, welche ist Mein geoffenbarter
Wille und die Vermittlung durch die Werke der Erlösung – oder Meine Liebe im
Vollbestande durch den lebendigen Glauben, so wird in dem Herzen des Geistes
ein neues geistiges Bläschen gestaltet, in welchem ein reiner Funke Meiner
Liebe eingeschlossen wird. Und wie es früher ging bei der Zeugung der Seele und
aus derselben der des Geistes, ebenso geht es auch mit dieser neuen Zeugung des
Heiligtums. Wird es nun vollends reif, dann zerreißt diese heilige Liebe die
lockeren Bande des Gefäßes und strömt dann wie das Blut des Leibes oder wie die
feinsten Substanzen der Seele oder wie die Liebe des Geistes in alle Organe des
Geistes über, welcher Zustand dann die Neugeburt genannt wird, so wie der der
Einlegung dieses Lebensbläschens genannt wird die Eingeburt.
[HiG.03_40.06.17,13]
Und siehe, zu gleicher Zeit aber werden auch von der Hölle schon bei der
Zeugung, besonders wenn diese als sündhaft auf rein tierische Befriedigung
abgesehen war, eine Menge höllischer Liebe-Bläschen in der Gegend des Wanstes
und der Geschlechtsteile gelegt, welche dann auch mit Meiner Liebe fast zu
gleicher Zeit ausgeboren werden – wie die Raupen im Frühjahre, wenn die Wärme
der Sonne kommt, so auch diese Brut durch die aufgehende Wärme Meiner
göttlichen Liebe im Geiste des Menschen.
[HiG.03_40.06.17,14]
Seht, daher kommen denn auch die Versuchungen, da ein jedes dieser ausgebornen
Wesen der Hölle unablässig Versuche macht, irgend wo nur immer möglich ins
Leben der Seele einzugreifen. Und wenn dann der Mensch nicht kräftig mit der
neugebornen Liebe aus Gott selbstwillig den Bestien entgegentritt, so strömen
dann sie verheerend in alle Organe der Seele und setzen sich da gleich
saugenden Polypen fest an den Stellen, da der Geist einfließen soll in die
Seele, und verhindern so der Seele die Aufnahme des Lebens aus dem Geiste und
so auch durch ihn das der göttlichen Liebe. So nun der Geist sieht, daß er sich
nicht erweitern kann, um eine Fülle des neuen Lebens aus Gott in sich
aufzunehmen, so zieht er sich wieder zurück in sein stummes Bläschen – und so
in ihm auch noch um so mehr Meine Liebe, die da ist der Gott in den Menschen.
[HiG.03_40.06.17,15]
Und ist das in dem Menschen vor sich gegangen, dann wird er wieder rein
naturmäßig und überaus sinnlich, und auch verloren, weil er nicht weiß, daß
solches in ihm vorgegangen ist, da diese Bestien ganz gemächlich wohltuend
anfangs die Sinne des Menschen bestechen und ihn so nach und nach ganz
gefangennehmen, so daß er von allem, was des Geistes ist, lediglich nichts mehr
weiß, hört, sieht, schmeckt und riecht und empfindet. Das ist dann eine
Trübsal, dergleichen vom Anfange bis zum Zeitpunkt der Gegenwart nicht war –
und auch hinfort nicht mehr sein wird, wenn der Mensch nun seine Zuflucht zu
Gott nimmt äußerlich durch Beten, namentlich Meines Gebetes, durch Fasten und
Lesen des Wortes aus der Schrift und dadurch eine große Sehnsucht bekommt,
befreit zu werden aus der großen Trübsal.
[HiG.03_40.06.17,16]
Und hat der Mensch das ernstlich genommen, da er sieht in sich der finsteren
Zweifel große Menge, so fange Ich dann an, von außen her zu wirken als ein
Überwinder des Todes und aller Höllen durch die Werke der Erlösung und gebe
dann dem Menschen aus Meiner Erbarmung Kreuz und Leiden nach Meiner Weisheit.
Dadurch werden dann dem Menschen die Welt und ihre Freuden so bitter, daß er
einen baren Ekel davor bekommt und sich zu sehnen anfängt nach der Befreiung
aus dem Leben der Leiden. Und sieh, da nun dadurch diese Bestien keine Nahrung
in der Seele mehr bekommen von der sündevollen Außenwelt, so werden sie dann
schwach und vertrocknen beinahe ganz in den Organen der Seele und geraten
dadurch ganz in einen sich unbewußten Zustand.
[HiG.03_40.06.17,17]
Da aber nun die außenwirkende seelenerlösende Barmliebe Jesu Christi in die
kranken Organe sowohl des Leibes als auch der Seele einzufließen anfängt und
erleuchtet die Organe und macht wahrnehmen der Seele in sich als mahnendes
Gewissen der Sündenbestien Unzahl, dann erschrickt die Seele, was sich durch
die Beklemmung des Herzens und auch wie durch eine innere Zusammenschnürung der
Brust in der Magengegend kundgibt, und bittet dann in diesem demütigen
Schmerze, welcher sich durch die wahre Reue ausspricht, zu Gott in der gekreuzigten
Liebe um Gnade und Erbarmung, – und siehe, dann gewahrt es der Geist und fängt
wieder an sich zu regen im Bläschen, dahin er sich zurückgezogen hat.
[HiG.03_40.06.17,18]
Dann werden dem Menschen durch die Barmliebe Gottes die Gesetze Mosis stark ins
Gedächtnis ernst mahnend gerufen vom ersten bis zum letzten und wird ihm
aufgetragen die strengste Befolgung derselben, damit er sich demütige und
verleugne bis in den innersten Grund, und zwar aus derselben Ursache, als wie
eine Wäscherin ihr Tuch so lange balgend in die engsten Gewinde preßt, damit ja
selbst die kleinsten Schmutzteile durch das innehaftende Wasser beim Entweichen
sollten mitgenommen werden, was so oft wiederholt wird, als nur noch irgendeine
Trübe am Wasser bemerkt wird. Dann erst wird eine solche Wäsche unter die
Strahlen der Sonne gegeben, damit dieselben noch den letzten Tropfen des
Schmutzes verdunstend hinwegnehmen, so daß er dann von den reinen Winden nach
allen Seiten vernichtet verweht werde.
[HiG.03_40.06.17,19]
Und seht, so sind die Gesetze Mosis aus Gott der Zahl nach 10, die eine Zahl
Gottes ist, und zeigen, daß der Mensch zuerst glauben muß, daß Ich bin, so er
in die Trübsal geraten ist, daß er dann vor Mir die höchste Achtung habe, ja
daß er sogar glaube, daß er schuldig ist, aus den sieben Tagen den angeratenen
Sabbat zu wählen und denselben zu heiligen in der Ruhe als einen wahren Ruhetag
des Herrn, damit er sich lerne verleugnen und immer tiefere und tiefere Blicke
in sich zu tun, um dadurch zu erkennen seine Einwohner und sich dann an Mich zu
wenden, damit Ich sie auf die obenbesagte Art vernichte und austreibe aus
seiner Seele Organe.
[HiG.03_40.06.17,20]
Und hat er sich bis dahin gedemütigt tief unter Meiner Größe Macht und Stärke,
so kommt es nun auf das Wäschebalgen an – das ist und wird verstanden durch
genaue Haltung der sieben noch übrigen Gebote, wodurch er sich sogar tief unter
seinesgleichen erniedrigen soll, und soll gefangennehmen alle seine bösen
Begierden, und solle brechen ganz und gar seinen Willen und untertan machen
alle seine Begehrungen und selbst die leisesten Wünsche seines Herzens Meinem
Willen; dann werde Ich kommen mit der Liebe und erwärmen die Wohnstätte seines
Geistes, wie eine Henne ihre noch nicht ausgeborenen Küchlein. Und seht, dann
wird der Geist, der sich früher schon hatte zu regen angefangen, durch die
Wärme der göttlichen Liebe neu wieder ausgeboren und strömt wieder alsobald in
alle Teile der gereinigten Seele über und schlürft begierig die außenwirkende
Barmliebe aus den gereinigten Organen der Seele in sich, wodurch er dann
kräftiger und kräftiger wird.
[HiG.03_40.06.17,21]
Und so nun dann die Liebe Meiner Erbarmung eingedrungen ist in die Tiefe seines
Herzens, allwo noch das gar außerordentliche Bläschen der göttlichen Urliebe
ruht, dann springt neu das rein göttliche Bläschen wieder, in dem verschlossen
war das große Heiligtum der Liebe des ewigen heiligen Vaters, angeregt von der
Liebe des Sohnes, die da nun erlösend gereinigt hat die Seele – und strömt
dann, sich mit dieser ganz intim vereinend, alsobald in großer Klarheit gleich
einer aufgehenden großen Sonne in den ganzen Geist über und somit auch in die
Seele und durch diese auch in das gänzlich abgetötete Fleisch. Sodann wird der
Mensch lebendig durch und durch, und dieses totale Lebendigwerden ist dann die
Auferstehung des Fleisches.
[HiG.03_40.06.17,22]
Und so dann nun alles durchdrungen wird vom Vater, so wird dann der Sohn vom
Vater aufgenommen in den Himmel, das ist in das Herz des Vaters; der Sohn aber
nimmt den Geist des Menschen, und dieser die Seele, und die Seele aber den
Leib, das ist, den euch schon bekannten Nervengeist, denn alles übrige sind nur
Exkremente desselben.
[HiG.03_40.06.17,23]
Und so nun dann der Vater, das ist, die Liebe des Vaters waltend im Menschen wird,
dann wird's licht im selben Menschen, da die Weisheit des Vaters nie getrennt
ist von dessen Liebe, – so wird dann auch der Mensch wie voll Liebe, voll
Weisheit und Macht und dadurch nun vollends wiedergeboren in aller Liebe und
Weisheit. – Seht nun, welche Mühe, Langmut und große Geduld es Mich allezeit
kostet, aus Tausenden kaum einen erlösen zu können, und wie oft werden selbst
von einem solchen Meine Bemühungen verkannt, verachtet, geflucht und mit Füßen
getreten, – und seht, doch lasse Ich nie ab, euch beständig zuzurufen: Kommet
alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken! –
[HiG.03_40.06.17,24]
Doch den Tauben und Blinden ist hart predigen. Da sie sich in die Trübsal der
Welt in vollstem Maße gestürzt haben und dadurch ihre Erde, welche ist ihr
Fleisch, beschmutzt haben mit dem Fluchkote der stinkenden Hölle, welcher
Gestank ist eine wahre Pestilenz der Seele, so muß Ich allzeit wieder eine
Sündflut aus den Himmeln regnen lassen, worunter verstanden werden die bitteren
Werke der Erlösung. Und ist dadurch dann wieder ganz gewaschen worden das
fluchbesudelte Erdreich der Seele, und sind durch die Winde der Gnade wieder
ausgetrocknet worden die Sümpfe und Moräste, dann erst ist wieder eine
Möglichkeit vorhanden, euch wieder predigen zu können die Wege zum Leben aus
Mir.
[HiG.03_40.06.17,25]
Und so Ich euch nun schon eine geraume Zeit predige, so folget Meiner Stimme
und kehret zurück in den Stall Meiner geliebten Lämmer, damit Ich euch werde
führen als der alleinige gute Hirt auf der Weide des Lebens und ihr Mir dann
Wolle gebet, so weiß wie der Schnee, und Ich euch daraus dann bereiten werde
ein Kleid, welches euch schmücken wird in alle Ewigkeit. –
[HiG.03_40.06.17,26]
Und nun betrachtet weiter den Verfolg dieser Meiner beantwortlichen Lehre und
sehet:
[HiG.03_40.06.17,27]
Wenn aber ein Landmann hat einen kleinen Baumgarten und sieht, daß die Bäumchen
darinnen sind lauter Wildlinge, dann denkt er sich, was soll ich tun? Reiße ich
sie aus der Erde, so wird mein Garten leer werden, und so ich auch dafür andere
hinsetze, so werden es anfangs auch nur Wildlinge sein, und vielleicht nicht
einmal so kräftig wie die schon bestehenden. Somit will ich also diese
sorgfältig reinigen von all dem bösen Gewürm und deren Nestern und will und
werde dann zur rechten Zeit suchen edle Zweiglein von guten Bäumen darauf zu
pfropfen. Und so werden diese Wildlinge, die sonst frisch und kerngesund sind,
mit Hilfe von Oben gewiß noch alle zurecht kommen, die mir dereinst noch gewiß
sicher recht viele gute, süße und edle Früchte bringen sollen. Und seht den
klugen Landmann, da er tut, wie er sich weise gedacht hatte, und erhält dafür
schon in wenigen Jahren eine reiche, freudenvolle Ernte.
[HiG.03_40.06.17,28]
Und seht, ihr Eltern seid lauter solche Landleute, auf deren irdischem oder
leiblichem Grunde durch die sorglose hurenartige Weise in aller Unzucht Sodoms
und Babels gänzliche und lauter Wildwüchse der Hölle entstanden sind. Daher sollt
ihr hernach doppelten Eifers diese Gesträuche reinigen von all dem tausenderlei
Ungeziefer, welches darin besteht, daß ihr die größte Sorgfalt verwendet auf
all die Wünsche und Begehrungen, welche alle aus dem innewohnenden
Höllengeziefer ihren Ursprung nehmen – und vertilget dieselben alle durch die
wahre, von Mir euch schon klar angezeigte Weise, und beschneidet gleich
anfänglich auch schon die nutzlosen Seitentriebe des öfter gut scheinenden,
aber doch stets das Leben des Stammes schwächenden Eigenwillens, so werdet ihr
bald einen gesunden und kraftvollen Stamm erzügeln. Und so dann die Zeit des
Pfropfens kommen wird, das da ist die Bekanntmachung und Einpfropfung des aus
Meiner höchsten Liebe ergangenen Gesetzes durch Moses, so werdet ihr unter
Meiner kräftigen Mithilfe gewiß sicher erwarten können, daß eure auf diese Art
gereinigten und sorgfältig gepflegten Wildlinge gewiß kräftig Meinen Willen
ergreifen werden, nachdem ihnen der ihrige zuvor gänzlich benommen wurde, und
werden aus demselben in kürzester Zeit in überüppiger Fülle die schönsten und
wunderherrlichsten Früchte bringen aller Art, so ihr sie dazu eifrig noch
begießen werdet mit dem Wasser des Lebens, damit ihre Häupter bald recht hoch
zum Himmel emporwachsen möchten, wodurch sich dann ihr geistiger Gesichtskreis
selig erweitern wird und sie dann stets mehr und mehr Gnadenlichtes einsaugen
werden, welches in großer Fülle beständig ausströmt aus der Gnadensonne, welche
entstanden ist durch das Werk der Erlösung, aus deren Lichte und Wärme alle
Kreatur erst neu und endlich vollends wiedergeboren werden kann zum ewigen
Leben.
[HiG.03_40.06.17,29]
Das aber ist die Erlösung, daß erkannt werde der heilige Vater und die Liebe,
die – die ganze Welt sühnend und wieder heiligend – am Kreuze blutete und selbst
den Missetätern durch den letzten Lanzenstich ins Herz der ewigen Liebe die
heilige Pforte zum Lichte und zum ewigen Leben öffnen ließ. Und wie da einer
sehend ward und lebendig im Glauben und in der Liebe, so können alle sehend und
lebend werden im Glauben, welches ist der wahre Anteil an der Erlösung, damit
dann das Bläschen der ewigen Liebe befruchtet werde von neuem durch die
Strahlen der Gnadensonne und aufgehe in euch die alte Liebe des Vaters durch
die Werke des Sohnes in aller Kraft und Macht des allerheiligsten Geistes aus
Beiden in der reinen Liebe eures wiedergeborenen Herzens.
[HiG.03_40.06.17,30]
Was übrigens das Werk Meiner Erlösung bedeutet und ist, so sage Ich euch: Fürs
erste ist es das allergrößte Werk der ewigen Liebe, da hierdurch Ich der
Allerhöchste in aller Fülle Meiner Liebe und in der unendlichen Fülle Meiner
Gottheit selbst Mensch, ja euch allen sogar ein Bruder wurde, die ganze Masse
der Sünden der Welt auf Meine Schultern nahm und so die Erde reinigte vom alten
Fluche der unantastbaren Heiligkeit Gottes; fürs zweite ist es die Unterjochung
der Hölle unter die Kraft Meiner Liebe, die früher nur in der Macht der
zornergrimmten Gottheit stand und somit entfernt war von allem Einflusse Meiner
Liebe, welche aber ist die furchtbarste Waffe gegen die Hölle, da sie das
allerblankste Gegenteil derselben ist, wodurch dieselbe auch schon bei der
liebevollen andächtigen Nennung Meines Namens in eine ganze Unendlichkeit
zurückgetrieben wird; und endlich fürs dritte ist sie die Eröffnung der Pforten
des Himmels und ewigen Lebens und der getreue Wegweiser dahin; denn sie
versöhnt euch nicht nur wieder mit der Heiligkeit Gottes, sondern sie zeigt
euch, wie ihr euch vor der Welt erniedrigen müßt, so ihr wollt erhöhet werden
von Gott. Sie zeigt euch ferner, alle Verspottung, Leiden und Kreuz aus Liebe
zu Mir und euren Brüdern zu ertragen in aller Geduld, Sanftmut und Ergebung
eures Willens, – ja sie lehret euch eure Freunde auf den Händen tragen und eure
Feinde zu segnen mit der göttlichen Liebe in eurem Herzen. –
[HiG.03_40.06.17,31]
Da nun also die Welt aber nichts ist als die blanke Außenform der Hölle und die
durch die Erlösung wieder gesegnete Erde auf diese Art zum abermaligen Träger
der Hölle würde, so hat sich die Welt über die Erde erhoben und wohnt in hohen
Gebäuden im Glanze der Selbstsucht, des Selbsttruges, der Eigenliebe,
Prachtliebe, Wollust, des Wohllebens, des Reichtums, des Geizes und des Wuchers
und der allgemeinen eigennützigen Herrschsucht. Damit nun aber die Erde nicht
schmählich wieder beschmutzt werden möchte, so ist sie gewaschen und geheiligt
worden durch das Blut der ewigen Liebe. Und wenn auch irgendwo die Schlange
sich ihres Unrates entledigt entweder durch Kriege oder durch Rechtshändel,
oder durch Räubereien, oder durch Unzucht, Hurerei, Gottesleugnung und
Ehebrecherei, naturmäßig und geistlich, – so wirkt dann alsogleich die
erlösende Sündflut der gekreuzigten Liebe durch Erweckung von Männern und
Sehern Gottes, die dann wieder den Unrat der Schlange vertilgen von der Erde,
nachdem sie denselben aufsuchen und in die Vorratskammern der Weltgroßen
werfen. Dann ergötzet sich das Weltherz an solchem Schatze, – aber Meine Kinder
müssen dann eine kleine Zeit Not leiden, da die Erde auf diese kurze Zeit
unfruchtbar wird. So sie aber dann sich flüchten unter Mein Kreuz und hören
Meine Stimme reden vom neuen Leben durch den Mund oder durch die Feder Meiner
Seher und begießen das mager gewordene Erdreich fleißig mit dem Wasser aus dem
Brunnen Jakobs, dann wird die Erde gleich wieder gesegnet und trägt Früchte von
der allerschönsten Art, – und diese Früchte sind dann wieder der Anteil am
großen Werke der Erlösung, vollbracht am Kreuze.
[HiG.03_40.06.17,32]
Schließlich muß Ich euch, namentlich den Eltern, diesen Meinen göttlich väterlichen
Rat noch hinzufügen, daß ihr eure Söhne ja nicht eher ehelichen lassen sollet,
und wären sie auch in allem weltlichen Erhaltungsvermögen dazu wohl versehen –
sei es im Amte oder Habe, bevor sie nicht wenigstens zur Hälfte wiedergeboren
worden sind, damit dann ihre Weiber durch sie geheiligt werden möchten, um
gesegnete Früchte zur Welt zu bringen, die da bald selbst ein Segen des Himmels
einer ganzen großen Generation leicht werden, wodurch ihr euch dann ein großes
Reich gleich dem des Abraham in den Himmeln gründen werdet, worüber ihr euch
freuen werdet ewig mehr und mehr über die stets sich mehrenden Herrlichkeiten,
hervorgehend aus eurem gesegneten Samen.
[HiG.03_40.06.17,33]
Eure Töchter aber gebet Meinen Söhnen, die da sind gekommen aus Meiner Liebe zu
euch und haben auf der Welt Mich wohl erkannt, und haben sich ziehen lassen von
Meiner Liebe und leiten von Meiner Weisheit, und allezeit hören Meine Stimme
und ihre Augen geheftet haben nach Meinem Herzen. Dadurch werdet ihr Mich zum
segnenden Schwiegervater eurer Töchter machen. Und Ich sage euch, da ihr Mich
dadurch gemacht habt zum nächsten Anverwandten, so könnet ihr euch wohl leicht
von selbst denken, daß Ich Meine Mitschwieger dereinst nicht werde zugrunde
gehen lassen; und so Ich sage, daß sie in Meinem Hause wohnen werden und an
Meiner Haustafel speisen sollen allezeit und gewiß große Freude haben mit den
überschönen Enkeln Meiner lieben Söhne und ihrer durch sie gesegneten Töchter,
und so sie an Meiner Vaterhand geführt werden in alle Meine Reiche und da
schauen werden Meine großen Herrlichkeiten, – dann erst werden sie es fassen,
was das heißen will, Mich zum Mitschwieger zu haben!!! – – –
[HiG.03_40.06.17,34]
Nun sehet, das ist eine vollständige Beantwortung. Sie ist zwar nicht gelehrt,
aber was viel mehr ist, sie ist euch aus der Quelle der ewigen Liebe und
Weisheit eures heiligen überguten Vaters in aller ewigen Wahrheit treu gegeben
gleich einem großen Lichtstrome, einer großen Sonne am hohen Morgen
entströmend, der euch durch und durch leuchten wird, so ihr ihn erst nach und
nach ganz aufgenommen haben werdet in euren noch ziemlich unerhellten Herzen,
was ihr um so deutlicher empfinden werdet, so ihr eure noch sehr schwachen
Antworten dagegenhalten – und daraus gewiß klar ersehen werdet, wie viel euch
noch mangelt, und wie tief ihr schon in euch gedrungen seid. –
[HiG.03_40.06.17,35]
Endlich sage Ich euch aber noch, daß eure Antworten tiefer sind als eure
Herzen; denn Ich habe sie, eurem besseren Teile angemessen, euch unbewußt in
euer Herz gelegt. An Meiner Antwort werdet ihr erst das Wahrzeichen finden, so
ihr dadurch in eurer Antwort einen tieferen Sinn entdecken werdet, als welchen
seichteren ihr hineinzulegen gedachtet. – Das aber wird euch ein sicheres
Zeichen sein, wie tief Ich in euch und wie seicht ihr noch in Mich gedrungen
seid.
[HiG.03_40.06.17,36]
Darum kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, denn Ich will euch
alle erquicken und vollmachen mit Meiner Gnade Amen. Ich die ewige Liebe und
Weisheit Amen, Amen, Amen. – – –
Der Engel. – 23.
Juni 1840.
[HiG.03_40.06.23,01]
Hier will Ich euch ein erhabenes Nebenwort geben, damit ihr sehen sollet die
Größe eines Fünkchens Meiner ewigen Liebe unendliche Stärke, Macht, und der
Gottheit urewige Kraft und Heiligkeit in Mir, und dadurch aber auch eure euch
so heilsame Nichtigkeit in allem, was ihr seid, tut, macht, denkt, schreibt und
dichtet aus euch. Zugleich aber sollet ihr auch daraus ersehen, was ihr werden
könnet durch Mich.
[HiG.03_40.06.23,02]
Doch, was Ich euch hier sagen werde, sollet ihr vernehmen in einem bescheidenen
Liede nach des Himmels höchster Weise. Und werden da auch der Rede erhabenste
Formen gestalten den Neubau einer Überweltgröße, so sollet ihr das nicht, wie
bei menschlichen Liedern, für einen poetischen Schwung halten; denn bei Mir
gibt es keinen solchen, sondern nur die allerreinste Wahrheit, und Mein Name
ist schon für sich der allerhöchste Schwung alles Singens.
[HiG.03_40.06.23,03]
Nun folget das Lied, und das Lied ist ein Engel, und der geht aus Mir, und
bringt euch eine gute und übergroße Botschaft, wie da folget:
[HiG.03_40.06.23,03]
1 / An aller Welten Sonnen fernstem großen Morgen stand / ein großer Engel,
streckend seine nackte Riesenhand / in Meiner Weltenschöpfung endlos tiefer
Tiefen Mitte, / und wollte eine Sonne da aus ihrem Leuchtgebiete / gleich einem
Herzen kühn aus aller Welten Mitte reißen / und sie dann, gleich so einer Nuß,
in seinem Mund zerbeißen.
[HiG.03_40.06.23,03]
2 / Und dieses tät er bloß, um zu versuchen seine Kraft, / die er sich hat aus
Meiner Liebe gar getreu verschafft. / Doch dachte er bei sich nach wohlgeratner
Engelsitte: / „Was soll ich das versuchen, da ja unter meinem Tritte / schon
mehr als Millionen solcher Sonnentrümmer ruhn, / deshalb will ich besinnen mich
und etwas Größ'res tun.
[HiG.03_40.06.23,03]
3 / „Ich will daher mein Auge drehen hin zum großen Morgen / und da für meine
Sehe hellsten Glanzes Strahlen borgen, / um zu erschauen dann aus aller Welten
nicht'gem Staube, / bevor noch wird ein solches Stäubchen kurzer Zeit zum
Raube, / ein Stäubchen, welches einst das Allerhöchste hat getragen, / Des
Namen wir mit unsrer Zunge nicht zu sprechen wagen.
[HiG.03_40.06.23,03]
4 / „Denn will ich Großes sehen, um mich selbsten zu erbauen, / so kann ich ja
in meiner großen Brüder Werkstatt schauen, / wo sie in aller Liebe eine
Ruhestätte planen / für ausgedienter Welten-Reste tote Riesenmanen, / wie auch
der Alle fernbegrenzte große Hülsengloben, / in deren jeder Milliarden Sonnen
sind geschoben.
[HiG.03_40.06.23,03]
5 / „Auch ist das Messen dieser Räume eine wahre Lust, / da dann vergrößert
wird die kleine Welt in unsrer Brust. / Was sind sonst tausend solcher Alle
meiner Augen Blicken, / da selbes Milliarden solcher Globen nicht entzücken? –
/ Wohl aber sind die Räume zwischen dieser Hülsen Heeren / zu messen eine Lust
in ihres Lichtes tiefen Meeren.
[HiG.03_40.06.23,03]
6 / „Denn wenn man so von einer Hülse hin zur andern mißt / und da der großen
Ferne wegen seiner selbst vergißt / und denkt: Wie klein doch so ein Räumchen
gegen einen Funken, / der aus des Herrn Auge ist als Weltenstoff gesunken! – /
o dann möcht' ich zum kleinsten aller Weltenstäublein werden, / ja selbst, so
möglich wäre, gar ein Menschenkind auf Erden! –
[HiG.03_40.06.23,03]
7 / „Und so ich ferner denke über Gottes ew'ge Größe / und so vergleiche meines
Engelwesens nicht'ge Blöße, / so steigt dann tief aus meines weiten Herzens
Lebensgrunde / ein großer Lichtgedanke mir zu einer großen Wunde, / daß ich dem
Herrn auch nicht im Kleinsten je werd' gleichen, / solang selbst Weltengloben
meiner Größe müssen weichen!
[HiG.03_40.06.23,03]
8 / „O was ist aller Wesen Engels-Größe, Macht und Stärke, / so sie nicht
schauen kann des Herrn kleinste Liebeswerke! / Was nützt, mit starren Blicken
messen die Unendlichkeit / und zählen aller Globen Heere in die Ewigkeit, – /
wenn man sich dadurch Gott doch niemals nähern kann und wird, / und so das
Größte aller Größen durch die Größ' verliert. –
[HiG.03_40.06.23,03]
9 / „O dann fall' nieder ich auf meine Knie und rufe laut, / so daß vor meiner
Stimme einer Welten-Unzahl graut: / O großer Gott in Deiner Himmel unermessnen
Höhen, / erhöre gnädig eines Engels, Deines Dieners Flehen! – / Ich möchte gar
so gerne Deiner Liebe Wohnung sehen / und wie da meine toten Brüder wieder auferstehen!
[HiG.03_40.06.23,03]
10 / „O nimm mir meine Größe, Herr! und mach' mich möglichst klein, / damit ich
da, wo Deine Kinder, könnt' bei ihnen sein / und zeigen da von Deiner Allmacht
großen Dingen – / und dann mit ihnen froh von Deiner heil'gen Liebe singen /
und als ein Bruder führen sie nach Deinem heil'gen Willen / und leiten sie in
unsrer Weise liebend stets im stillen!
[HiG.03_40.06.23,03]
11 / „Und ist auch Deine Liebe stets den Kleinen zugewandt, / so denk – auch
ich ging klein dereinst aus Deiner Schöpferhand / und wurde groß als
Weltenlenker ja nach Deinem Willen / und führte, wie Du siehst, dieselben stets
nach Deinen Zielen; / daß ich ein wenig groß gedacht hab' jüngst von meiner
Kraft, / dafür, o Herr, hast Du mich ja schon liebevoll bestraft! –
[HiG.03_40.06.23,03]
12 / „Nun wende wieder Deine Barmherzigkeit zu mir / und mache mich zum
Menschen auf der kleinen Erd' dafür, / damit auch ich so klein, wie sie, Dich
einst dürft' ‚Vater‘ rufen / von den Dir wohlgefäll'gen allerg'ringsten Gnadenstufen!
/ O Herr! Erhöre Deines großen Dieners fromme Bitte / und mach' mich klein und
setze mich in Deiner Kleinsten Mitte!“ –
[HiG.03_40.06.23,03]
13 / Und sieh, so hörte Ich des großen Engels Klageworte / erschallen laut, daß
seiner Stimme Ton ins Herz Mir bohrte, / und ließ darauf durch eines sanften
Donners fernes Rollen, / so einem Echo ähnlich, seine Bitte wiederholen – / zum
Zeichen, daß Ich seine Wünsche alle wohl vernommen, / und bin denselben, wie
sich zeigen wird, zuvorgekommen.
[HiG.03_40.06.23,03]
14 / Denn während er noch betend lag auf seinen breiten Knien, / hab' Ich schon
einem Weibe hier die hohe Gnad' verliehen / und hab' in ihr für einen Menschen
schon gelegt den Samen, / bevor zu Meines Engels Ohr gedrungen ist das Amen; /
und als das große Amen er vernommen in den Räumen, / so sah er auch die Erde
schon zu seinen Füßen säumen!
[HiG.03_40.06.23,03]
15 / Und sieh, da nahm die Erde er behutsam in die Hand / und drückte einen Kuß
auf dieses Mir so teure Pfand. / Und als er dieses hat getan in liebendem
Entzücken, / so lag die Erde auch schon ganz enthüllt vor seinen Blicken – /
und sah zugleich ein Weib gar schön, die ihm entgegenkam, / und sah, wie sie
als Mutter ihn sogleich ins Herz aufnahm. –
[HiG.03_40.06.23,03]
16 / Und als er nun im Herzen seiner Mutter sich bewegte, / da er die
Engelsarme liebend aus demselben streckte, / da kam ein andres Weib, die
Engels-Mutter zu begrüßen, / und wie's mit deren Frucht wohl stünd', das wollte
sie auch wissen. / Eh' aber noch die letzte öffnen konnt' zum Gruß den Mund, /
so sprach in erster schon der Engel laut und gab ihr kund:
[HiG.03_40.06.23,03]
17 / Indem im Herzen er auf diese Weise hat begonnen / zu reden an: „O Mutter!
Sieh die Mutter aller Sonnen, / sie trägt in ihrer Brust, was alle Himmel nicht
umfassen! – / Daher, o Mutter, sollst dich nicht von ihr begrüßen lassen! /
Denn Der mich einst zum großen Weltenlenker hat gemacht, / hat eben freundlich
mich aus ihrem Herzen angelacht.“
[HiG.03_40.06.23,03]
18 / Und als die Mutter klar im Herzen solches hat vernommen, / ward sie von
Füßen bis zum Kopf ganz durch und durch beklommen. / Da merkte es die Mutter
Meines Leibes reinstem Wesen / und konnt' ihr selbst nicht ein so großes Rätsel
lösen. – / Und sieh, da fing die Liebe Gottes sich in ihr zu regen / und
sprach: „Johannes, schweige noch von Meiner Mutter Segen!
[HiG.03_40.06.23,03]
19 / „Es kommt gar bald die Zeit, in der vor Mir du werdest gehen, / um zu
bereiten Meine Wege und ein Land zum Stehen. / Da wirst du viele taub' und
blinde Menschenkinder finden, / und denen erst sollst du von Meiner Ankunft
laut verkünden, – / daß Ich als Gottes Lamm gekommen bin in ihren Plagen, / um
aller Menschen Sünden schuldlos treu für sie zu tragen!
[HiG.03_40.06.23,03]
20 / „Und wie du groß warst auch in deiner Engels-Wirkungssphäre, / so war doch
jene Größ' ein Tröpfchen kaum zu der im Meere, / in welcher sich dein Herr, vor
Dem die Weltenräume beben, / als Bruder dir zu sehen gibt in schwacher Menschen
Leben, / damit das Schwache möcht' durch Meine Lieb' gestärkt erstehn, / wenn
auch die Welten alle einst durch Meine Macht vergehn!“ –
[HiG.03_40.06.23,03]
21 / Und sieh, da fing vor Freuden an im Mutterleib' zu hüpfen / Johannes, da
er sah mit – – – Nichts sich Meine Größe knüpfen. / Maria aber, Meines Leibes
Mutter reinsten Herzens / bemerkte es gar bald, wie die Elisabeth voll Lebens /
errötete, da sie gedachte ihres Alters Standes / und auch der Sitte alter
Weiber des Gelobten Landes.
[HiG.03_40.06.23,03]
22 / Da sprach Maria ganz gerührt in ihrer lichten Seele: / „Elisabeth, du
schämst dich ja auf dieser heil'gen Stelle? – / Bedenk, was uns geworden ist
von Gottes höchsten Gnaden, / das soll sich nimmer rot in allzu großem Schame
baden; / denn was in deinem Leibe hüpft vor übergroßen Freuden, / ist groß vor
meinem Leben – darum freue dich bescheiden!“
[HiG.03_40.06.23,03]
23 / Elisabeth, sich wohl gemahnend vor Marias Höhe, / gedachte wohl, wie es
mit ihr und mit Marien stehe – / und fiel darob auf ihre Knie nieder vor der
Reinen / und fing vor übergroßen Freuden liebend an zu weinen / und sprach: „O
Mutter voll der Gnaden, sei hoch benedeiet / und deine Frucht, durch welche
wird die Welt vom Fluch befreiet. –
[HiG.03_40.06.23,03]
24 / „Denn was ich trage unter meinem Herzen, ist gar klein; / wie könnt' es
auch, und wär' es weltengroß, noch etwas sein / vor deiner Gnade, deren Größe
alle Himmel nicht / umfassen mögen und ertragen ein so helles Licht, / das
noch, wenn alle Sonnen schwinden, allen hell wird lichten, / die treuen Herzens
sich nach seinen Wegen werden richten.
[HiG.03_40.06.23,03]
25 / „O Gott! Woher kommt mir wohl diese unbegrenzte Gnade, / daß die Mutter
meines Herrn mich über steile Pfade / besucht, nicht scheuend hoher Berge
Zinnen, noch die Ferne!? – – / Es leuchten wohl ganz unbegreiflich hell die
lieben Sterne / am hohen Himmel dort, und auch dem Laub der fetten Palmen /
entsäuselt, ganz verständlich mir, ein Lob in hohen Psalmen!
[HiG.03_40.06.23,03]
26 / „O Mutter! nun begreif' ich erst in meinem Herzen klar, / die ganze große
Erde bringet dir ein Opfer dar, / was recht und billig ist, da niemand es
begreifen wird, / wie uns, dem armen Volke, die wir schwach und ganz verwirrt,
/ in unsrer Nacht der Sünden konnt' ein solches Wunder werden: / Der Herr, Gott
Abrahams, nimmt an die menschlichen Beschwerden!“
[HiG.03_40.06.23,03]
27 / Und sieh, da trat Maria hin zur Mutter des Johannes / und sprach:
„Elisabeth! – am wüsten Ufer des Jordanes / wird das, was du im Herzen trägst,
zur Stimme eines Rufers / und wird da ebnen Steige längs des Flusses stein'gen
Ufers, / er wird, wie da geschrieben steht, der Engel sein des Herrn / und wird
zur Wassertauf' die Buße streng vom Volk begehrn.
[HiG.03_40.06.23,03]
28 / „Und so, o glaube mir, wird anfangs nur durch ihn bestimmt / erkannt das
Lamm, das aller Welt die Sünden hinwegnimmt. / Und da wird auch geschehen, daß
der Herr von ihm auf Erden / im Wasser unter offnem Himmel wird getaufet
werden. / Da werden er und viele, die da horchten seinen Lehren, / ein großes Zeugnis
von dem Lamme aus den Himmeln hören.
[HiG.03_40.06.23,03]
29 / „Und werden sehen da den Geist vom Himmel niedereilen / und selben
leuchtend überm Haupte unsres Herrn weilen, / und werden sehen Gott sich mit
dem Menschen vollends einen, / damit befreiet würd' die Welt von aller Sünden
Peinen! – / damit auch, der mühselig und beladen ist geworden, / befreiet werde
aus der Hölle und von deren Horden.
[HiG.03_40.06.23,03]
30 / „Und nun, Elisabeth, vernehme heiter noch zum Schluß / aus meinem Herzen
einen dir noch unbekannten Gruß: – / ‚Johannes, Mein getreuer Engel aus des
Lichtes Sphären! / Wie einst die Sonnen du nach Meiner Ordnung mußtest kehren,
/ so sollst du bald die Herzen Meiner Kinder Mir bereiten / und mutig wie ein
Löwe gegen alle Höllen streiten.
[HiG.03_40.06.23,03]
31 / „‚Denn sieh, von allen, die geboren waren und noch werden, / war keiner
größer je, wie du, von Mir gesandt auf Erden; / denn alle Väter und Propheten
in dem heil'gen Lande / hab' Ich erwecket aus der kleinen Engel Liebesstande. /
Du aber bist gekommen in das kleine Israel – / ein Fürst der Engel, leuchtend
mit dem Namen Michael!
[HiG.03_40.06.23,03]
32 / „‚Doch sieh, und wer auch klein wird heißen einst in Meinem Reiche, / wird
größer sein wie du als Fürst ohn' allem Maßvergleiche! / Und willst du groß
auch werden, wie die kleinsten Kinder hier, / so mußt auch du wie sie geboren
werden neu aus Mir; / denn sieh, von nun wird jeder Engel müssen hier auf Erden
/ gleich Mir dem Schöpfer wohl ertragen menschliche Beschwerden.
[HiG.03_40.06.23,03]
33 / „‚Und wer sich scheuen wird, zu wandeln Meiner Liebe Wege, / und nicht
betreten wird der Engel harte schmale Stege, / der wird, wie du dereinst, nur
tote Weltenbahnen schlichten; / doch einer neuen Schöpfung Lebensfülle Anker
lichten, – / o sieh, wird nimmer einem urgeschaffnen Engelsgeiste / gegeben,
als nur dem, der an dem Kindertische speiste,
[HiG.03_40.06.23,03]
34 / „‚den Ich auf dieser Welt den Kindern reichlich geben werde. / Mein
reicher Tisch wird sein, o höret ohne Angstgebärde! – / ein schweres Kreuz auf
dieser Erde, da ein Makelfreier / den Menschen lichten wird der Höllennächte
Sündenschleier / und waschen wird die Erde von dem Kot der Satansbrut / mit
seinem unter bittrem Leiden still vergossnen Blut. –
[HiG.03_40.06.23,03]
35 / „‚Durch dieses werden Menschenkinder vollends neugeboren – / und Engel
nur, wenn sie Mein Kreuz sich haben frei erkoren / und sind aus ihrem alten
Himmel auf die Erd' gestiegen, / um da für sich, wie Ich für all', die Hölle zu
besiegen. / Dadurch erst werden sie dann Mir und Meinen Kindern gleich, / zu
nehmen gleich den Kindern das von Mir bereit'te Reich.‘
[HiG.03_40.06.23,03]
36 / „Und nun spricht ‚Amen‘ Gott in meines Herzens Lebensfülle, / und jedes
Wort, das nun geflossen ist in aller Stille, / sei dir ein großes Siegel der
Verschwiegenheit und Treue / von dem, was dir gesagt nun ward aus meines
Herzens Freie. / Denn sieh, durch mich gab dir der Herr zu merken Seinen
Willen, / so auch behalte ihn und handle, ihm getreu, im stillen.“ –
[HiG.03_40.06.23,03]
37 / Und sieh, nachdem Maria dieser Rede gab den Schluß, / da bot Elisabethen
sie die Hand zum Abschiedsgruß / und ließ die Hochbetagte so in stiller Andacht
ruhn – / und eilte schnell nach Haus, um wieder Gutes da zu tun. – / Und als
des halben Weges sie gegangen war am Morgen, / so fing sich Joseph nun daheim
für sie gar stark zu sorgen.
[HiG.03_40.06.23,03]
38 / Er ließ die Arbeit stehn und sattelte die Eselin, / um seinem Weibe,
seines Herzens reiner Königin, / entgegen eil'gen Laufes über Ebnen, Berg' und
Graben, / auf Mich vertrauend, wohl bepackt mit Früchten, sorglich traben. /
Doch eh' Mein lieber Joseph sich erfertigt hat zur Reise, / da hielt Maria ihn
gefangen schon in ihrem Kreise, –
[HiG.03_40.06.23,03]
39 / den sie geschlungen hat mit ihren überweichen Armen / um ihn, der sich
gesorgt für sie, mit ihrer Lieb' zu warmen. / Und Joseph, als er dies gewahrte,
fing er an zu weinen, / denn er ward freudetrunken ja nun wieder bei der
Seinen, / die er erst jüngst aus Furcht verlassen wollt' in reiner Liebe, / da
er nicht konnt' begreifen Meines Segens frühe Triebe! –
[HiG.03_40.06.23,03]
40 / Dieselbe drückt nun Joseph treu an seine weite Brust, / ganz eingedenk der
hohen Gnad' in ihr – und wohl bewußt, / was ihm erst kurz vorher ein Engel hat
getreu verkündet, / indem er sagte: Joseph! fürchte nicht, die dir verbündet /
ganz rein von Oben ward; denn was in ihr lebendig ist, / von Gott gezeugt,
sollst Jesus heißen du, das ist der Christ. –
[HiG.03_40.06.23,03]
41 / Darum war auch der reine Joseph sehr ergriffen, / da er nun sah Mariam
voll von höchsten Gnaden triefen / und sah die hohe Reise-Müde liebend ihn
umfangen – / und hörte, wie die Engel hohe Psalmen um sie sangen; / in seiner
Liebe engem Kreise sah er sich verschlungen, / von aller Engel weiten Reih'n
als Glücklichster besungen.
[HiG.03_40.06.23,03]
42 / Da fiel aus großer Liebe nieder er vor Meiner Gnade / und preis'te seinen
Gott in dieser neuen Bundeslade / und sprach: „O Herr, nimm gnädig auf die
Arbeit meiner Hände / und gib mir altem Manne Kraft als eine Gnadenspende, /
damit ich Dir und Deiner Mutter schaffen könnte treu / ein nahrhaft Brot in
aller Liebe, ganz von Schulden frei! –“
[HiG.03_40.06.23,03]
43 / Und was er treu von Meiner Gnad' sich traulich hat erbeten, / ward ihm
gewährt in allen Orten, die er mußt' betreten. – / Nun seht, Ich gab euch hier
in dieses Liedes rechten Zeilen / gar deutlich zu verstehen, wo ihr gerne sollt
verweilen, / so werd't auch ihr erfahren Meiner Engel weises Trachten / und
werd't wie sie gar bald die Weltengröß' um euch verachten. –
[HiG.03_40.06.23,03]
44 / Was würde euch wohl nützen selbst ein noch viel größ'res Wesen / als des
euch schon bekannten Engels, – könnt' es euch erlösen? / Und könnt' es euch
wohl aus des Todes harten Banden reißen? / Denn seht die großen Welten dort in
ihren Bahnen gleißen / und sagt, wozu die toten Massen einem Geiste wären? – /
Ich sag': zu nichts, als nur den Tod im weiten Kreis zu mehren!
[HiG.03_40.06.23,03]
45 / (Und nun macht eure Augen auf und horchet mit dem Herzen, / da ihr schon
wißt, daß ich in Liedern selbst nie pfleg' zu scherzen, / so will Ich euch noch
hier ein übergroß Geheimnis lichten / und so in euch des Irrtums Allergrößtes
rein vernichten, / euch zeigen Meiner Wunder Größtes klar in reinsten Zügen, /
damit ihr sehet, wie die Großen sich gar sehr betrügen.)
[HiG.03_40.06.23,03]
46 / (Nun seht, vor der Erlösung war die Hölle bis zur Liebe / des großen
Gottes vorgedrungen gleich dem tücken Diebe, / der so bei sich gar heimlich
dächt': Könnt' ich ins Haus nur schleichen, / ich würd' mein Ziel ohn' große
Müh' gar sicherlich erreichen! / Ist nur die Liebe mit der List von ihrem Sitz
vertrieben, / das andre wird sich fügen dann nach unserem Belieben. – –)
[HiG.03_40.06.23,03]
47 / (Die Liebe aber merkte solcher Räuber tückes Sinnen / und wußte weise
ihrer List aus Liebe zu entrinnen. / Die Erd', vom Satan meistverhaßter Platz,
ward auserkoren / von Mir, um auf derselben alles, was da war verloren, / durch
Meine Kleindarniederkunft getreulich wiederfinden / und so in Meiner Liebe da
ein neues Reich zu gründen. –)
[HiG.03_40.06.23,03]
48 / (Und da der Satan gar gewaltig sich geirret hat, / da ward's ihm bange, da
er nicht vollführen konnt' die Tat, – / und sieh, da suchte er Mich auf in
aller Schöpfung Räumen / und fand als Menschen Mich allhier bei Meinen Kindern
säumen. / Da dachte er Mich Schwachen – durch Versuchungen zu locken; / doch
nur ein Blick von Mir hat seine Macht gebracht ins Stocken!)
[HiG.03_40.06.23,03]
49 / Denn seht, vor Meiner Werdung durch das Barmwort zum Fleische, / ihr
könnt' es glauben, denn Ich red' zu euch ohn' alle Täusche, / war Mein' und
aller Geister Wohnung über allen Sternen / erhaben, ja für euch in unbegreiflichst
großen Fernen, / und war dadurch die ganze Welt, um euch es zu erschließen, /
gleich einem Schemel unter Meiner Gottheit heil'gen Füßen. –
[HiG.03_40.06.23,03]
50 / So ging denn auch von Meiner allerhöchsten heil'gen Höhe / durch aller
Geister Heere in die Welten Meine Sehe, / so auch Mein Wort ward stets getragen
nur von einem Engel, / um irgend einer Welt dadurch zu zeigen ihre Mängel / und
auch zu offenbaren irgend einem frommen Manne / der ew'gen Liebe da noch sehr
geheim gehaltne Plane. –
[HiG.03_40.06.23,03]
51 / Nun sehet und begreifet wohl des Satans Zorntücken! – / In seinem
Zorngrimm hat er Mich wollen ganz erdrücken, / und schlüg's ihm fehl, so würd'
er Mich von einer Ewigkeit / zur anderen verfolgen bis in die Unendlichkeit. /
Dadurch hätt' er zum Herrscher aller Welten sich bestimmt / und hätt' auch
alles, was da lebt, nach seinem Fluch gestimmt. –
[HiG.03_40.06.23,03]
52 / Und so er das erreichet blind in seinem Wahne hätte / und hätt' verdrängt
der Gottheit Lieb' aus ihrer heil'gen Stätte, / so hätt', bedenkt es wohl, die
Gottheit sich ergrimmt entzündet, / und all's vernichtend dann sich neu mit
ihrer Lieb' verbündet; / sodann wär' ewig nie mehr irgend was erschaffen worden
/ und all's Vernicht'te blieb' erstarrt in Gottes ew'gen Norden! –
[HiG.03_40.06.23,03]
53 / Allein als solches schon die Gottheit hat bei sich beschlossen, / da
dauerte der Liebe, daß sie ganz in Leid zerflossen, – / und sieh, da merkte es
die Gottheit stark in ihrer Mitte / und sprach zu Mir: Wozu das Leiden, und
wozu die Bitte? / Soll Meine Heiligkeit noch länger allen Teufeln dienen? /
Daher will morgen Ich an dem Zerstörungswerk beginnen! –
[HiG.03_40.06.23,03]
54 / Und sieh, da sprach die Liebe in den Zeiten, die ihr kennet, / da
Abrahams, des Frommen, euch von Moses wird erwähnet: / „O Vater! Hab' Erbarmen
mit den Kindern Deiner Liebe, / und laß besiegen ihr durch Demut alle bösen
Diebe / und gründen Dir, o Vater, eine neue heil'ge Stätte / und so zerstören
aller Teufel böser Rotten Kette! –
[HiG.03_40.06.23,03]
55 / „Denn sieh, o Vater! tief in Meines Herzens inn'rem Grunde, / es sei den
Völkern auf der Erde heute noch zur Kunde, / will Ich, o Vater, eine heil'ge
Stätte Dir bereiten, / will Selbst gen alle Macht des stolzen Höllenfürsten
streiten, / will alle unsre Feind' besiegt zu unsren Füßen legen, / und keine
Macht soll je die Heiligkeit in Dir anregen. –
[HiG.03_40.06.23,03]
56 / „Ich Selbst will nun hinab zur Erde schmalsten Weges gehen / und da aus
eines Weibes Leibe als ein Mensch erstehen, – / und will als solcher wohl in
aller Demut engsten Bahnen / geduldig unsre Kinder treu an Deinen Namen mahnen,
– / und will in Meinem Blut die sündbefleckte Erde sechten / und waschen sie –
und sichten dann das Gute von dem Schlechten.
[HiG.03_40.06.23,03]
57 / „Und wenn dann so gereinigt wird vom alten Satansfluche / die Erd' und
aufgezeichnet wird in einem heil'gen Buche / von menschgewordnen Engeln Deiner
Gnade heilig Wort, / so werd' Ich alles, was verloren war, an Stell' und Ort /
versammeln – unter einem Dach die Schafe Meiner Herde / und sorgen, daß dann
nur ein Hirt und eine Herde werde.
[HiG.03_40.06.23,03]
58 / „Und dann, o Vater, will Ich einen neuen Himmel gründen / und eine neue
Erde makellos und frei von Sünden / aus Meines Herzens liebevollster, heilerfüllter
Tiefe; / dann soll das Böse fort unendlich fallen in die Riffe / des endlos
großen Raumes, der erfüllt von Deinem Grimme / in Ewigkeit wird bleiben. –
Hör', o Vater, Meine Stimme! –“
[HiG.03_40.06.23,03]
59 / Und sieh, da sprach der Vater stark aus allen Schöpfungsräumen: / „Und
willst Du, Mein geliebtes Wort, zum reinsten Menschen keimen, / so mußt dazu
nach Meinem Will'n Dich recht und bald entschließen, / willst Du nicht sehen
morgen schon die Welt ins Nichts zerfließen; / denn Ich bin müd' geworden von
der Würmer tollen Sünden, / darum sollst heute noch der Erde Deine Ankunft
künden!
[HiG.03_40.06.23,03]
60 / „So sende denn dahin der Engelgeister Legionen, / ja sende sie in aller
Welten finstre Regionen / und lasse fegen da die Erd' von allem Kot der
Schlange, / und wasche sie durch Pest und Krieg vom sündigen Anhange, / damit
in Dir des Vaters Heiligkeit erkennet werde / von einer anfangs kleinen, doch
getreuen Lämmerherde! –
[HiG.03_40.06.23,03]
61 / „Und so dann, was als Liebe Du in Mir nun hast gesprochen, / vollbracht
wird sein – und alle Macht der bösen Nacht gebrochen, / dann will Ich kommen
und die Wohnung Mir bereitet schauen. / Und wird sie sein erbaut in Meiner
Heiligkeit Vertrauen, / dann will Ich ja in aller Fülle Meiner Heiligkeit / die
Wohnung nehmen da – ein Gott in alle Ewigkeit! –
[HiG.03_40.06.23,03]
62 / „Die Hoffart und die Lüge aber sollen ewig fallen / dem endlos' Raum
entlang tief unter aller Welten Allen, / wo nichts als Meines Grimmes ew'ge
Zornfluten wallen / und statt der Liebe Meines Fluches ew'ge Donner hallen, /
dahin soll fallen allen Reichtums nicht'ger Schlangensamen; – / das muß
geschehen, Mir dem Gott, der heilig, heilig, – Amen!“ – –
[HiG.03_40.06.23,03]
63 / Und sieh, wie da beschlossen,ward auch vollends ausgeführt, / was Ich
schon oben treu in aller Kürze hab' berührt, – / nun seht, der Engel dieses
Liedes ist zu euch gekommen / und hat euch, wie dereinst, die Sünd' durch eure
Buß' benommen / und zeiget euch das Lamm der Welt sich eurem Herzen nahen; / so
hebt empor das Herz, und seht, was einst die Völker sahen! –
[HiG.03_40.06.23,03]
64 / Und seht, was die Apostel, eure Brüder, wollten sehen / und doch nicht
sahen, ihre toten Brüder auferstehen, / die heil'ge Stadt herniedersteigen,
Meine Sonne strahlen, / und höret Worte voll des Lebens überall erschallen, – /
bereitet eure Herzen, freuet euch, die ihr beklommen / noch seid in Sünden,
seht, Ich bin zu euch herabgekommen! –
[HiG.03_40.06.23,03]
65 / Ja Ich, hört Völker, Ich der Vater in dem Menschensohne! / Ich komm' zu
euch und all Mein Reich mit Mir für euch zum Lohne, – / denn ausgeronnen ist
die Zeit, gebrochen ist die Macht, / Ich hab' in Meinem Herzen Meines Bundes
wohl bedacht; – / so freut euch, die nach Mir ihr habet sehnsuchtsvoll
verlanget, / seht auf, wie hoch schon dort am Morgen Meine Sonne pranget! –
[HiG.03_40.06.23,03]
66 / Der Vater – denkt! – der Vater hat das Lied an euch gerichtet, / hat je
ein solches, denket, suchet, auch ein Mensch gedichtet? – / Versucht – und
prüfet euch, wie weit wohl euer Wissen reichet / und eurer Hände Werk,
versucht, ob's wohl dem Meinen gleichet! / Und so in diesem Lied vernehmen
werd't ein heil'ges Wehen, / da denket, daß vor eurer Türe große Dinge stehen!
–
[HiG.03_40.06.23,03]
67 / O laßt den Engel ja nicht unverrichtet von euch scheiden / und hört sein
Rufen, wie er euch ermahnt zur Buß' bescheiden; / so hört ihr Tauben, seht ihr
Blinden Meinen großen Engel – / Johannes das Gewissen ist, euch zeigend eure
Mängel. / Wer treu befolgen wird die Stimme seines inn'ren Rufers / in seines
kahlen Lebens Strome, starrer Sünden Ufers:
[HiG.03_40.06.23,03]
68 / Verruchte Wüstensteppen werden Rosen gleich erblühen, / und statt der
Wassertaufe wird die Taufe Meiner Mühen / sogleich erleuchten seines Irrsals
höllenfinstre Pfade; / und dann wird gleich erschauen er nach seiner Liebe
Grade / die große Wirkung überströmend dann aus Meiner Gnade, / aus der
geöffneten des neuen Bundes heil'ger Lade! –
[HiG.03_40.06.23,03]
69 / Die Lade war versiegelt bis zur heut'gen Lebensstunde; / es half vorhin
kein Rechnen auf dem ganzen Weltenrunde, / um zu erschließen, was Ich Mir bis
jetzt hab' vorbehalten, – / und nun seht, wie die Wunder alle sich vor euch
entfalten, / wie dieses alles nun geschieht durch Meiner Liebe Walten; / o
Kinder, seht durch Mich in euch nun alles neu gestalten! –
[HiG.03_40.06.23,03]
70 / Und sagt und sprecht, woher so große Dinge mögen kommen? – / Und habt doch
einmal so ihr Meine Liebe wahrgenommen / und habt begriffen Meines heil'gen
Geistes sanftes Wehen / und habt gesehen Meine Bäume voll im Safte stehen, /
dann Kinder, kniet nieder, freuet euch und singet alle – / und auch ihr Völker
in den Sternen, Meiner Gottheit Halle:
[HiG.03_40.06.23,03]
71 / O großer, ew'ger, heil'ger Vater! Ehre, Preis und Ruhm / komm' Dir von uns
entgegen rein aus Deinem Heiligtum; / in unsren Herzen hat es Dir gefallen
einzunehmen / für Dich, o großer Gott, die kleine Wohnung Deiner Liebe; / so
segne denn dies kleine Land und dessen heil'ge Triebe, / und laß den Segen, so
wie uns, auch alle wohl vernehmen.
[HiG.03_40.06.23,03]
72 / O mög' es Dir, Du bester Vater, wohlgefallen hier, / damit Du bleiben
möchtest da in uns denn für und für. / Wie gut bist Du, o Vater! wer könnt'
Deine Lieb' ermessen! – / Du kommst, uns arme Sünder, statt ganz wohlverdient
zu strafen, / nur zu erquicken und in uns die Herzen umzuschaffen! / Daher
werd' nie von uns Dein heil'ger Name je vergessen!
[HiG.03_40.06.23,03]
73 / O Vater! Heil'ger Vater, höre unser kindlich Flehen, / Du lieber Vater Du,
laß auch die Toten auferstehen! / Du weißt ja, lieber Vater, wer am Tod der
Brüder schuldet! – / Daher laß, bester Vater, wie bei uns Du ließ'st geschehen,
/ auch dort, o liebevollster Vater! Gnad' für Recht ergehen! – / Denn Du hast
ja für sie so gut wie für uns all' geduldet. – – – Amen.
Nachwort. (Der
Engel.)
[HiG.03_40.06.23,04]
Da habt ihr nun den Engel, wie er leibt und lebt in euch und außer euch, in Mir
und außer Mir. Höret allezeit seine Stimme in euch; denn zuvor Ich komme, kommt
allezeit Mein Johannes mit der Zuchtrute in der Hand und einer sehr scharfen
Stimme in der Brust, – wie die Stimme des großen Predigers in der Wüste. Aber
habt ihr euch bekehrt durch eine wahre ernste Buße, dann erst folgt das große
Abendmahl vor dem großen Tage der Erlösung, und endlich die Auferstehung von
dem Tode Amen, – das sagt euer liebevollster heiliger Vater Amen, Amen, Amen.
Zum Gedicht „Der
Engel“. – 13. Juli 1840.
[HiG.03_40.07.13]
Dieses Wort des Herrn ist im Hauptwerk ‚Die Haushaltung Gottes‘ (Band 1, Kap.
34, Vers 37) enthalten. Das auf den ‚Engel‘ bezügliche Wort erfolgte vier Tage
früher als das an Carl Ritter von Leitner gerichtete Nebenwort vom 17. Juli
1840 (‚Himmelsgaben‘, Band 1, S. 51).
[HiG.03_40.07.13,01]
Bevor Ich euch noch in dieser Meiner Haushaltung weiterführen werde, will Ich
euch kurz etwas bezüglich Meines Engels sagen, – namentlich aber denjenigen,
welche fast in jeder Zeile einen sogenannten Grammatikalanstand genommen haben
der Welt wegen. Da ihr Herz dabei nicht schalkhaft ist, so sollen sie, wo Mein
schwacher Geheimschreiber Meines neuen Wortes irgendein N-Strichel zu viel oder
zu wenig gemacht hat zufolge einer in ihm schon alten, unaufmerksamen
Gewohnheit, es nach ihrer Einsicht ergänzen, so auch das Unorthographische und
die I-Tüpfel; aber wer es da wagen würde, auch nur ein Wort zu versetzen oder
einen besseren Reim zu suchen oder irgendeinen abgängigen Fuß unnotwendig zu
suchen, den werde Ich mit ärgerlichen Augen ansehen. Suchet nicht das Wort im
Sinne, sondern den Sinn im Worte, wollt ihr zur Wahrheit gelangen; denn im
Geiste ist die Wahrheit, aber nicht in der Wahrheit der Geist, was unmöglich
sein könnte, da der Geist frei ist und jeder Regel voranging, Wahrheit aus sich
schöpfen lassend. Da ihr das schon sogar von euren Genies sagt, warum sehet ihr
hernach Meinen Geist mit gar kritischen Augen an, als wenn euch ein Schulknabe
irgendein schlechtes Pensum gegeben hätte zur Korrektion! – Daher, so jemand
glaubt, Ich tauge mit dem Kleide nicht in die Welt, der behalte Mich daheim; es
wird aber jedem verdienstlicher sein, Meiner Schrift eine aus ihr entnommene
Regel hinzuzufügen als eine Weltkritik, – denn viel seliger ist Geben als
Nehmen! Dieses verstehet wohl! Amen. –
Ein kleines
Notabene. – 21. Juli 1840 um die Mittagszeit.
[HiG.03_40.07.21]
Hier zur rechtfertigenden Korrektion ein kleines Notabene.
[HiG.03_40.07.21,01]
So Ich euch dumm nenne, so heißt das in der Entsprechung soviel als: Ihr habt
das Vollmaß Meiner Liebe – und seid blind im Lichtmeere Meiner großen Gnade,
gleich einer Nachteule oder auch gleich einem Arrestanten, der nach 30 Jahren
aus des Kerkers dickster Nacht ans helle Tageslicht gekommen ist; welcher
Zustand ‚die Dummheit‘ heißt, so wie derjenige ‚dumm‘ ist, der sich in einem
solchen Zustande befindet. – Und Ich sage: Wohl euch, da ihr würdig seid, von
Mir dumm genannt zu werden; denn wahrlich sage Ich euch, wer nicht zuvor dumm
wird in Meiner lichten großen Gnade, der wird nimmer schauen Meine heilige
Stadt! Er müßte denn zuvor dumm werden in aller Liebe und Demut Amen. –
[HiG.03_40.07.21,02]
Eine gleiche Bewandtnis hat es mit dem Unsinne, welches besagt: So jemand seine
weltlichen Sinne mehr und mehr abgezogen hat von der Welt und die geistigen
Sinne noch nicht völlig erschlossen sind, dann befindet sich der Mensch im
Zustande des Unsinns, was die Welt dann eine ‚Narrheit‘ nennt. Doch Ich aber
sage: Freuet euch, wenn euch euer großer heiliger Vater Unsinnige nennt, denn
dann wisset, daß Mein Reich sehr nahe zu euch gekommen ist! Denn wahrlich sage
Ich euch: Bevor jemand nicht unsinnig geworden ist in Meiner Barmliebe, wird er
in Mein Reich nicht eingehen zum Leben. –
[HiG.03_40.07.21,03]
Daher seid froh und über die Maßen fröhlich, so Ich euch dumm und unsinnig
nenne, und hebet eure Häupter empor und sehet Meinen Geist schweben ob
denselben! – O überglücklich seid ihr, die Ich so benenne; denn das ist der
große Segen eures Vaters, in dem ihr alle das ewige Leben finden werdet.
[HiG.03_40.07.21,04]
Aber traurig sei der, von dem Ich wegbleiben werde mit dieser Meiner großen
Gnadenbenennung; denn da hat er auch sein Kinderrecht bei Mir verloren und wird
dereinst ein strenges Gericht vor dem Angesichte Gottes zu bestehen haben! –
Doch Meine Kinder werden nur das selige Gericht Meines liebevollsten
Vaterherzens schmecken, Amen.
[HiG.03_40.07.21,05]
Wohlverstanden – das sage Ich euer liebevollster, heiliger Vater Amen, Amen,
Amen. – – –
Der Fels am
Schloßberg. – 26. Juli 1840, 1/2 9 Uhr vormittags.
[HiG.03_40.07.26]
Der erzählende Fels befindet sich am Schloßberg zu Graz rechts vom gotischen
Wohngebäude im vormals Dr. Gödl'schen Garten; man gelangt zu ihm durch ein
Hinterpförtchen in der Nähe eines kegelförmigen Türmchens. Man überblickt von
diesem Felsen aus die westliche Gegend von Graz. – Fünf Personen schrieben
gleichzeitig, was der Fels aus Jakob Lorber sprach: C. L., S., And.h., D., Ans.
H.
[HiG.03_40.07.26,01]
Nach der Rechnung der menschlichen Zahl war die Erde sieben Millionen Jahre vor
der Schöpfung des Menschen gegründet und kreiste wirre in dem Raum um die
mattschimmernde Sonne; sie war ein Wasserball, in dessen Mitte sich nach dem
Willen des Schöpfers nach und nach eine feste Masse zu bilden anfing. Und diese
feste Masse vermehrte sich durch die ihr innewohnende Anziehung mehr und mehr,
so zwar, daß nach und nach schroffe, ungeteilte kristallartige Spitzen über die
Oberfläche des Wassers zu ragen anfingen. Dadurch wurde die Erde immer schwerer
und schwerer vermöge des Nahrungsstoffes, den sie aus der Barmliebe Gottes zog
(doch, worin diese Kost bestand, ist es nicht an der Zeit kundzugeben).
[HiG.03_40.07.26,02]
Und als nun die Erde auf vielen und vielen Seiten anfing, in ihren Festen über
die Fläche der Wasser zu ragen, da fingen Winde an zu wehen über dieselbe und
fingen die Wogen an zu überspülen die harten Klippen, lösten dadurch Teile und
Teile ab und setzten dieselben als weiche Teile in die Klüfte der großen
Kristalle ab. Nun erst war die Erde nach und nach fähig zur Aufnahme der
Vegetation der Kräuter, Gräser, Gesträuche und Bäume, und zwar zuerst
derjenigen unter dem Wasser und dann erst derjenigen auf den Festen der Erde;
welcher Alleinzustand des Pflanzenwachstums über siebzigtausend Jahre gedauert
hatte. Dann erst begann die Schöpfung der untersten Tierklassen und sodann
immer von 2000 bis 2000 Jahren eine Stufe höher, bis endlich die große Zeit zur
Schöpfung des Menschen herankam, welche vielmehr eine Entbindung desselben aus
der Materie war.
[HiG.03_40.07.26,03]
Jedoch nach dem Verlaufe von einigen Jahren wurde der Mensch Gottes Geboten
ungehorsam, wodurch in dem Grimme der Gottheit die ganze sichtbare Schöpfung
bis auf kleine Stücke der Erde beinahe gänzlich im Feuer und Sturme Gottes
aufgelöst wurde, so daß vom Mittelpunkt der Erde bis zur Oberfläche derselben
auch nicht ein Stein beisammenblieb, sondern zerbröckelt wurde in kleine und
kleine Stücke. Und selbst diese Stücke würden vernichtet worden sein, wenn sie
nicht von der Liebe zusammengehalten worden wären.
[HiG.03_40.07.26,04]
Da die erbarmende Liebe dann mit der Gottheit wieder eins wurde durch eine
vermittelnde Darstellung aus ihrem innersten Grunde, so gefiel es der Gottheit
wieder, aus dem unendlichen Welten-Chaos Welten und Erden und Sonnen zu bilden;
jedoch behielt die ganze Schöpfung der Zerstörung deutlich leserliche Spuren
und Merkmale an sich, wie ich euch mich hier in eurem Angesichte zeige. Jedoch
eintausendachthundert und eben auch 40 Jahre nach der Schöpfung (des Menschen),
gleich der Zahl nach der Menschwerdung des großen Gottes bis zu eurer jetzigen
Zeit, seht, da war dieses Land oder vielmehr der ganze Erdteil, den ihr Europa
nennet, noch größtenteils unter den stürmenden Fluten des Meeres begraben, –
jedoch Gottes Liebe sah das Zukünftige in großer Klarheit vor sich und wußte
wohl, daß von dieser Zeit an nach einer ebenso langen Zeit die Menschen sich
sehr und sehr vermehren werden. Da zündete sie meilentief unter der Erde mit
dem Feuer ihrer Liebe die Erde hie und da, größere und kleinere Teile
derselben, und das Feuer brannte gewaltig und hob die festen Schichten, sie
auseinanderreißend, in die Höhe. Und da das Feuer durch die innewohnende Kraft
Gottes sich immer größere und größere Räume machte unter den Schichten der
Erde, so arbeitete sich das Feuer an vielen Stellen furchtbar gewaltig bis zur
Oberfläche herauf und schleuderte da Massen auf Massen über den Spiegel der
Fluten und zwar nach allen möglichen Richtungen. (Wohlgemerkt, dieses geschah
um die besagte Zeit, nämlich 1840 Jahre nach der Schöpfung des Menschen.)
[HiG.03_40.07.26,05]
Und seht, wie ihr die Richtungen der Berge auf diesem Festlande jetzt sehet, so
könnt ihr euch auch die verschiedenen Strömungen des unterirdischen Feuers
denken; denn da zog die große Liebe des Herrn kreuz und quer in den Tiefen der
Erde und bereitete für die zukünftigen Menschen eine fruchtbare Wohnstätte.
Jedoch nicht gleich zur selben Zeit wie alle diese großen Erhöhungen, die ihr
jetzt hier sehet allenthalben hoch über die Ebenen emporragen, habe ich meinen
Ursprung genommen, sondern um beinahe tausend Jahre später, als die Überfülle
der Wässer sich nach und nach in die geöffneten Tiefen der Erde verlor und an
diesem Punkte, da ihr mich emporragen sehet, die Ebene nur noch mit dem Wasser
überdeckt war.
[HiG.03_40.07.26,06]
Da befand sich 2000 Klafter tief unter der Erde noch ein festes Gestein, und es
senkte sich die Liebe des Herrn auch in die Mitte desselben. Es war zwar nur
ein kleiner Funke dieses göttlichen Kraftfeuers, aber er war stark genug, um
diese Massen, wie ich bin vor eurem Angesichte, aus der Tiefe emporzuheben und
sie in der gegenwärtigen Höhe über die Fluten ragen zu machen. Jedoch nicht auf
einmal entstand ich, wie ich jetzt bin, sondern nach wiederholten solchen
göttlichen Kraftausbrüchen. Freilich in kleinerem Maßstabe bin ich entstanden
und zu stehen gekommen an der Stelle, da ihr mich sehet, wie auch dieser ganze
Berg, von dem ich ein kleiner Teil bin, welchen Berg die Menschen jedoch vor
nicht gar langer Zeit um einige Klafter niederer gemacht haben. Denn an der
obersten Stelle ragten fast in einem Kreise sehr hohe und steile Felsen empor,
welche später durch die Menschen zerstört wurden, um eine mehr ebene Oberfläche
auf diesem Berge zu gründen. Selbst ich, ein unterer Teil des Berges – zwar
noch von Urzeit hier stehend, habe so manches an meiner früheren Form sowohl
durch die Zeit wie durch die Hände der Menschen erlitten; denn vor mehreren
tausend Jahren spülten die Wogen des Meeres noch an meiner Stirn, ja es hauste
sogar manches Ungetüm des Meeres in meinem Schoße.
[HiG.03_40.07.26,07]
Allein nach dem Willen des Schöpfers geschah in den Tiefen der mittäglichen
Gegenden der Erde eine große Erhöhung des Festlandes auf dieselbe Art durch das
Feuer der göttlichen Liebe aus der Tiefe der Erde. Seht, da sank dann das Meer
allmählich in diesem Lande, so zwar, daß hier nur noch große Seen, die ihr
Binnenmeere nennt, bestehen geblieben sind. Und sodann geschah es, nachdem
diese Binnenmeere einige hundert Jahre bestanden hatten, daß der Herr aus
Seiner barmliebevollen Fürsorge den einen ganzen mittägigen Teil, den ihr jetzt
Amerika nennet, hat auf diese Art über die Fläche der Wässer treten lassen, daß
diese Binnenmeere so hoch über die eigentliche Fläche des Meeres zu stehen
gekommen sind, daß die Schwere der Wässer, die eine Sehnsucht nach ihrem
Ursprunge hatten, sich den Weg durch die weicheren Teile der Berge zu öffnen
anfing.
[HiG.03_40.07.26,08]
Und seht, da brausten dann, als die Wässer die Weichen der Berge zerrissen, 500
Jahre lang große stürmische Fluten an mir vorüber; denn was ihr jetzt das obere
Land nennet, dort wurde in der Gegend, da ihr eine Brücke über den Fluß gemacht
habt und auf dem Berge ein altes Schloß steht, ein Berg, der um 100 Klafter
höher war, als er jetzt zu sehen ist, von der großen Masse des Wassers
durchgebrochen. Die Fluten des Oberlandes ergossen sich dann in den großen See,
dessen Fluten meinen Fuß umspült hatten und erhoben dieselben wieder bis an
meine Stirne und mehrten das Wasser so sehr, daß ein Berg, der einige Stunden
weit von hier im Unterlande – an dem ebenfalls später ein Schloß erbaut wurde
und ein Markt steht – links und rechts zerrissen wurde. Und die Fluten bahnten
sich den Weg auf die nämliche Weise fort und fort; wo immer sie einen
Widerstand fanden, zerrissen sie die Weichen desselben und füllten mit
denselben die Vertiefungen aus, die früher in dem Meere waren.
[HiG.03_40.07.26,09]
Wie hoch diese Fluten gegangen sind, werden euch noch überall die Spuren der
losgelösten Steine zeigen, welche durch das untere Fortrollen eine gerundete
Form angenommen haben. Die erste Flutung ging hoch über meinem Haupte, und erst
nach einem Jahrhundert hat der Strom eine Niederung erhalten und ging dessen
Spiegel bis zu mir herauf. Und wieder nach einem Jahrhundert fiel er so nieder,
daß er nur ein Klafter über die ganze Ebene, die ihr von mir aus seht, von
einem Berge zum andern ging. Und wieder nach einem Jahrhundert verlor sich der
Strom so sehr, daß er nur die dreißigmalige Breite des gegenwärtigen Flusses
hatte.
[HiG.03_40.07.26,10]
Und als auch die Berge vollkommen mit Bäumen und Gräsern bewachsen wurden, da
verlor sich ein verfolgtes Menschengeschlecht in dieses Land und wohnte auf den
Höhen, die da noch nicht Berge, sondern ‚Tauren‘ hießen. Und als dieses Volk
durch ein späteres nachziehendes entdeckt wurde, bekam es erst den Namen als
Bergbewohner, welches Volk endlich wieder durch ein anderes, stärkeres Volk,
welches vom Abende herkam, aus seinen Sitzen vertrieben wurde; und es blieben
nur noch wenige auf den fast unzugänglichen Höhen wohnen bis auf die heutige
Zeit. Und so ist heute schon ein drittes Volk mehr denn tausend Jahre in diesem
Lande.
[HiG.03_40.07.26,11]
Jedoch ich, wie ich dastehe, war durch lange und lange Zeiten ein sehr
gefürchteter und gefährlicher Punkt in diesem großen Strome, denn an mir
arbeiteten die Fluten mutwillig und schienen furcht- und grauenerregend jedem,
der mich von ferne anblickte. Und als später die Menschen des Oberlandes eine
Art Schiffe erfunden haben, welche aus einigen aneinander befestigten Bäumen
bestanden, da waren von denen nur wenige so glücklich, die nicht an meiner
Stirne den Untergang gefunden hätten; denn obschon die Fläche des Stromes
meinen Fuß bespülte, so schlugen aber doch dessen Wogen, den Sterblichen Grauen
erregend, bis an meine Stirn empor. Und diese Gegend, die ihr jetzt so reizend
und schön findet, war damals ein Schrecken den Menschen. –
[HiG.03_40.07.26,12]
Erst zu den Zeiten, als da eine große Stadt, Rom genannt, erbaut wurde,
verminderten sich die Fluten des Stromes allmählich, und die Brandung an diesem
kleinen Berge wurde immer geringer und geringer; und so verlor sich endlich das
Wasser an meiner Morgenseite ganz und gar, und nur zu seltenen Malen erhob sich
die Flut bis zur Höhe meiner Morgenseite, was ihr jetzt das ‚Glacis‘ nennt. Und
so bin ich denn dadurch – als auch das bis zu diesen Zeiten aus meinem Inneren
hervorlodernde Feuer aufgehört hatte – den Menschen zugänglich geworden.
[HiG.03_40.07.26,13]
Da nun mein Scheitel frei war von allen Gesträuchen und Bäumen, so benützten
mich die später in dieses Land einfallenden Römer zu einem Punkte, von dem aus
sie über diese ganze Fläche ihre Beobachtungen machten, und suchten auch
dadurch Wege auf, um in das Oberland zu kommen, welches damals nicht mehr den
Namen der Bergbewohner hatte, sondern Norea, auch Noricum geheißen hat, das
heißt, Menschen, die auch schon die Ebenen bewohnt und sich auf die Füße der
Berge gemacht haben, da deren Scheitel unwirtbar geworden waren, weil die
damaligen Fluten ihnen alles Erdreich abgespült und dasselbe in die Tiefen oder
an die Füße der Berge angelehnt hatten.
[HiG.03_40.07.26,14]
Seht, ich bin Zeuge gewesen, wie diese Oberlands-, auch schon
Unterlandsbewohner dieses Landes von dem verwegenen römischen Volk auf das
grausamste sind besiegt worden. An meiner Stirne selbst fanden mehr denn
hundert Kinder, von ihren eigenen Müttern an mich geschleudert, den Tod.
Jedoch, was bei mir nur im kleinen vor sich ging, davon würden euch größere
Felsen im Oberlande wie auch im Unterlande die größten schauerlichsten
Beispiele erzählen können. Doch ich als ein plumper Stein bin nicht berufen und
bestimmt, euch einen Geschichtsschreiber zu machen, und will euch lieber noch
ein wenig meine eigene Umgebung näher beleuchten, soweit mein Gesichtskreis
reicht.
[HiG.03_40.07.26,15]
Daß dieser ganze, jetzt sogenannte Murboden nur ein aufgeschwemmtes Land ist,
davon könntet ihr euch dadurch überzeugen, so ihr 100 Klafter, stellenweise
wohl auch 1000 Klafter tief graben würdet, allwo ihr mehrere meiner Kameraden,
welche durch das Feuer in die Fluten geschleudert worden sind, finden würdet.
Auch würdet ihr da, könntet ihr dieses ganze angeschwemmte Land abheben, nichts
als lauter Klüfte und Felsen entdecken, in welchen ihr viele versteinerte
Ungetüme des Meeres antreffen würdet.
[HiG.03_40.07.26,16]
Jedoch an diesen Stellen – als die Linie ist da oben, wo das alte Schloß steht,
bis auf den gegenseitigen Berg – würdet ihr gleich auf den Stein kommen, da
früher ein Gebirgsrücken unter den Fluten war. Da weiter unten, wo ihr einige
Zeit lang Steine gebrochen habt – in der Linie, da ein kleiner Berg an der
Fläche sich befindet, an welchem ihr das Zeichen des Kreuzes aufgerichtet habt,
und in dieser Linie fort bis an den übrigen Berg, den ihr ‚Plabutsch‘ nennt,
dürftet ihr auch nicht so lange graben, um auf den Stein zu kommen. So auch
mehrere Stunden unten, da wo jetzt ein Markt steht, den ihr Wildon nennt,
würdet ihr auch links und rechts bald Stein finden. Aber auch selbst noch an
jenem Teile dieses Murbodens, an welchem Täler in denselben münden, würdet oder
könntet ihr ebenfalls auch bald auf Gestein kommen, welches mit denselben Insignien
des Meeres bezeichnet ist hie und da, deren ich schon früher erwähnt habe. Und
solche Stellen könnte ich euch nach der ganzen Länge des Flusses zu Hunderten
anzeigen.
[HiG.03_40.07.26,17]
Jedoch sollet ihr noch einen Blick auf diese kleineren und größeren
benachbarten Berge werfen, und da sollt ihr wissen, daß noch nicht mehr als
höchstens 2000 Jahre verflossen sind, als diese meine kleineren und größeren
Brüder noch in vollen Flammen gestanden sind. Und es gibt in diesem Lande auch
nicht einen Berg, der nicht ursprünglich auf diese Weise entstanden wäre.
[HiG.03_40.07.26,18]
Nur einzig und allein in eurem Wiegenlande, welches ihr Asien nennt, finden
sich noch Urgebirge, welche unmittelbar gleich nach der Hauptzerstörung zur
Wohnung den begnadigten Menschen angewiesen waren. Hier in diesem Lande aber,
so ihr euch die Zeit und die Mühe nehmen würdet, so würdet ihr auf einer hohen
Alpe, die von hier aus zwischen Mittag und Abend liegt, auch noch Steine
finden, die bei der großen Zerstörungsszene, welche nach dem Fehltritte des
ersten Menschenpaares erfolgt ist, hierher geworfen wurden, und auch Massen von
mehreren Planeten finden, die wesentlich unterschieden sind von meiner Art.
[HiG.03_40.07.26,19]
Dies ist nun alles, was ich euch sagen kann und sagen darf aus meiner
natürlichen Sphäre. Und um das Weitere, Tiefere und geheimnisvolle Wesen sollt
und habt ihr euch nicht zu kümmern; denn diese Geheimnisse liegen in der Tiefe
der göttlichen Erbarmung und gehen euch wenig oder gar nichts an, – sondern
dies habt ihr alles von der Gnade des Herrn zu erwarten, insoweit es euch not
tut zur Veredlung und Unsterblichmachung eures frei gemachten Wesens, Amen.
[HiG.03_40.07.26,00]
(Die Rede endete 15 Minuten nach elf Uhr Vormittag.)
Eine Parabel. –
9. August 1840. Fortsetzung.
Im Weingarten
des Andr. H., bei Maria Schnee, nächst dem Kloster der Karmeliterinnen. – J. L.
spricht. – K. G. L., S., D., Andr. H. und Ans. H. schreiben.
[HiG.03_40.08.09,01]
Schließlich gebe Ich euch noch ein kleines Notabene (1) bezüglich einer Untat,
die hier vor 30 Jahren verübt wurde. (2) Doch sollt ihr davon keinen weiteren
Gebrauch machen. (3) Ein Besitzer dieser Realität hatte ein rechtmäßig nach
eurem Rechtssystem ihm angetrautes Weib, (4) mit welchem Weibe er einer ihm
wohlgefälligeren Hure wegen in dreijähriger Zwietracht lebte. (5) Er hatte ein
Haus in der Stadt und war ein Bürger daselbst; (6) ließ aber seiner Unzucht
halber sein Weib mit einem Kinde allhier wohnen. (7) Und da er durch seine
liederliche Lebensweise sein Vermögen vergeudet hatte, da wollte er das
Vermögen der Frau oder des Weibes angreifen, (8) da ihn die reizende Hure nicht
mehr erhören wollte in seinem durch sie verarmten Zustande.
[HiG.03_40.08.09,02]
(9) Daher kam er nun eines Tages heraus und quälte sein Weib unablässig, daß
sie ihm ihr Vermögen einräume. (10) Da dieses sie aber nicht tun wollte, auch
unter gar keiner von ihm erheuchelten Bedingung, (11) so glaubte er, endlich
solches durch eine Mißhandlung aus ihr herauszupressen.
[HiG.03_40.08.09,03]
(12) Es war gerade fast um die jetzige Zeit des Jahres und um die neunte Stunde
abends, als er sie zu mißhandeln anfing; (13) jedoch sie wehrte sich eben auch
so gut, als sie nur immer konnte. (14) Da dieses alles nichts half, so nahm er
einen Strick, warf selben seinem Weibe um den Hals und würgte sie, (15) in der
Meinung, sie werde von der Todesangst genötigt, ihm ihr Vermögen vermachen.
[HiG.03_40.08.09,04]
(16) Allein sie hatte den festen Entschluß gefaßt, in ihrer frommen Einfalt
ihres Herzens eher zu sterben, als ihn in seiner Hurerei zu unterstützen. (17)
Deshalb hat er sie auch bis in die Mitte der Nacht gewürgt, allwann sie unter
vielen Schmerzen sich Mir anbefehlend ihren Geist aushauchte.
[HiG.03_40.08.09,05]
(18) Als er nun sah, daß sie wirklich tot war, (19) so erschrak er, daß er auf
eine Zeitlang seine Besinnung verlor. (20) Endlich aber faßte er aus Furcht vor
dem Gericht den pfiffigen Entschluß: (21) nahm Licht, Krampe und Schaufel, (22)
machte eine 5 Schuh tiefe Grube, (23) warf sie hinein, wie sie angezogen war,
(24) und verscharrte sie daselbst, (25) und zwar das alles gerade unter der
Weinpresse, (26) da am wenigsten jemand hingelangen konnte. (27) Seinen
Bekannten aber log und erzählte er trauernd vor, daß ihm sein Weib abhanden
gekommen sei.
[HiG.03_40.08.09,06]
(28) Es wurden wohl auch von dem damals sehr lauen Gerichte nur auf sein
Begehren hie und da briefliche Nachforschungen angestellt; (29) allein die Tote
war unter den Sterblichen freilich nicht mehr ausfindig zu machen. (30) Und
diese Tat hat zu dieser Zeit um so leichter können verheimlicht werden, (31) da
man, wie ihr zu sagen pflegt, ohnedies in diesem Lande nicht recht gewußt
hatte, wer der Herr oder der Diener, oder wer der Koch oder der Kellner ist.
[HiG.03_40.08.09,07]
(32) Nun da habt ihr auch diese Begebenheit. (33) Jedoch was die Namen dieser
Personen betrifft, daran soll euch wenig gelegen sein; (34) denn in Meinem
Buche ist alles aufgezeichnet, (35) und auch der Flügel einer Mücke geht ewig
nicht verloren. Amen. Ich die ewige Weisheit Amen.
[HiG.03_40.08.09,08]
Notabene. Diese Zeilen enthalten Großes; aber sie sind hart zu kauen. Darum
sparet eure Zähne – und übereilt euch nicht an dieser Nuß – nur noch eine
kleine Zeit, bis die Zähne stark werden. Amen. Ich die ewige Weisheit amen,
amen, amen.
Erklärung der
Parabel. – vernommen am 24. August 1840
[HiG.03_40.08.24,01]
(1) Notabene besagt: Merke wohl; wenn Ich nun sage: notabene, so will Ich
dadurch nicht die Aufmerksamkeit auf irgend ein lange verübtes Verbrechen von
euch leiten, sondern nur die Gelegenheit und die Ähnlichkeit eines solchen auf
euch nützend anwenden. – Untat zeigt hier euer erstes Weltleben, welches große
wohlbezügliche Ähnlichkeit hat auf euren Geist. Hier besagt eure doppelte
Gegenwart, nämlich naturmäßig und geistig; – 30 Jahre bezeichnen einen
zurechnungsfähigen Zustand eurer Seele, der das Tor des Lebens wie das des
Todes geöffnet wird, welches besteht in der Erkenntnis von Gut und Wahr und
Böse und Falsch. Verübt bezeichnet, Falsches in sich aufnehmen und daraus
schlecht handeln; – die halbvergangene Zeit besagt, daß ihr noch nicht in der
Ordnung seid. –
[HiG.03_40.08.24,02]
(2) Besagt fürs erste, daß an der Parabel kein natürlicher Gerichtswert ist,
und fürs zweite aber, daß Ich euch eure Fehltritte nachgesehen habe. –
[HiG.03_40.08.24,03]
(3) Der Besitzer ist euer Weltverstand im Sinne der Parabel; das Kirchliche aus
dem Worte wird unter Realität verstanden, die Religion unter Weib; rechtmäßig
nach Rechtssystem heißt: nach der Billigkeit der äußeren Form; angetraut
besagt: ans Herz gebunden durch den freien Willen. –
[HiG.03_40.08.24,04]
(4) Notabene, ob der Ans. H. nichts merkt, wo es eigentlich hinaus will? –
Welttum ist die Hure; wohlgefällig besagt hier Sinnliches und
Fleischlichweltliches der Eigenliebe, Zwietracht gewaltiges Schwanken. Lebte
heißt, sich zuständlich befinden, Weib wie oben. –
[HiG.03_40.08.24,05]
(5) Ein Stadthaus ist die Weltphilosophie; ein Bürger daselbst besagt: der
Philosophie anhängen, und zwar namentlich der sehr schlechten Kantischen.
[HiG.03_40.08.24,06]
(6) An der Welt hängen heißt: Unzucht treiben; Unzucht halber besagt somit, aus
Liebe zur Welt. Das Weib mit dem Kinde besagt das Kirchliche samt der
Werktätigkeit als Frucht des Glaubens. Allhier besagt ebenfalls das gegenwärtig
Kirchliche; wohnen bezeichnet soviel als: unbeachtet bestehen. –
[HiG.03_40.08.24,07]
(7) Liederliche, tatlos sein aus dem Worte; Lebensweise besagt einen
unbehaglichen Zustand daraus; Vermögen vergeuden heißt: ganz los werden von
allem Geistlichen. Vermögen des Weibes angreifen besagt: Kirchliches lüften,
insoweit es nicht zusagt der Eigenliebe, und zwar aus Unmut. –
[HiG.03_40.08.24,08]
(8) Besagt: man kommt mit der Weltweisheit zu keiner Ruhe und Hure oder die
Welt einem nirgends mehr stichhält. Verarmter Zustand besagt die Blindheit
durch das Welttum. –
[HiG.03_40.08.24,09]
(9) Kommen heißt, bei sich beschließen; Tag überhaupt: irdische Zeit
hinsichtlich eines inneren Irrlichtzustandes. Quälen besagt: eines nach dem
andern verwerfen; unablässig heißt: ohne alle Rücksicht. – Vermögen einräumen
besagt: die Kirche umgestalten wollen nach seiner Ansicht und Bequemlichkeit. –
[HiG.03_40.08.24,10]
(10) Besagt: die Unmöglichkeit einsehen, wie wenig da mit allem Räsonieren zu
erzwecken ist unter was immer für einer tollen Verstandesknifferei, – da Mein
Wille stärker ist als die schwache Schnur des Weltverstandes; woher dann auch
oft zweckwidrige Gebete und Anrufungen zur Erreichung ihrer Absichten, die ein
solcher für die besten hält, da er Meine wohlberechneten Wege nicht kennt. – –
[HiG.03_40.08.24,11]
(11) Besagt: gänzliche Mißachtung und Verkennung innerer Schätze; dadurch
ferner das sich selbst Schuld- und Schadloshalten aus seiner inneren, besseren
Überzeugung, freilich nur aus eigener Idee, und durch das Sichfinden in anderen
Ideen der großen Ähnlichkeit wegen. –
[HiG.03_40.08.24,12]
(12) Die jetzige Sommerszeit bezeichnet einen ähnlichen hitzigen Gemütszustand.
Das Jahr besagt das naturmäßige Leben des Menschen, die neunte Stunde abends
bezeichnet den kläglichen Zustand alles Äußerlichen in dieser Parabel – und
zeigt dadurch den Übertritt der Dämmerung in die wirkliche Nacht. Mißhandeln
wie oben, wie auch anfangen.
[HiG.03_40.08.24,13]
(13) Besagt das innere Erwachen des Gewissens und das Sträuben desselben.
[HiG.03_40.08.24,14]
(14) Besagt Hartnäckigkeit des Gewissens; einen Strick nehmen heißt: sich mit
Trugschlüssen beschwichtigen. Selben dem Weibe um den Hals werfen und sie
würgen besagt: sein Gewissen bezüglich alles Kirchlichen, unter dem man sich in
politischer Hinsicht notwendig befindet, gänzlich ersticken wollen; denn unter
Hals werden kirchliche Staatsverhältnisse verstanden, – würgen besagt: sich mit
Widerwillen an das Staatskirchliche aus politischen äußeren Rücksichten halten.
–
[HiG.03_40.08.24,15]
(15) In der Meinung besagt: glaubenslosen Zustand; Todesangst bezeichnet den
Zustand näher; Vermögen vermachen besagt: sich losmachen von allen inneren
Vorwürfen und sehen, aus dem Kirchlichen Weltliches zu gewinnen. –
[HiG.03_40.08.24,16]
(16) Besagt: nach näherem Prüfen gewahr werden, daß solch Kirchliches weder
fürs eine noch fürs andere taugt; daher lieber ganz weg mit all dem Plunder.
Fromme Einfalt des Herzens bezeigt Geistliches – und Hurerei wie oben;
unterstützen besagt: zweckdienlich sein. –
[HiG.03_40.08.24,17]
(17) Besagt: gänzliche Neutralisation des Gewissens. Mitternacht, innerer,
beinahe atheistischer Zustand. Schmerzen, fruchtlose Bemühungen des Gewissens.
Sich Mir anbefehlen heißt: verstummen; den Geist aushauchen heißt: sich völlig
zur Ruhe legen. –
[HiG.03_40.08.24,18]
(18) Besagt kurzen zufriedenen Zustand. – –
[HiG.03_40.08.24,19]
(19) Erschrecken besagt: gänzliches Sichlosreißen von allem Geistlichen und
sich sozusagen über alles hinaussetzen; Zeitlang, unbestimmte Dauer des
Zustandes; seine Besinnung verlieren heißt: vom Geistigen nichts mehr wissen
noch ahnen. –
[HiG.03_40.08.24,20]
(20) Endlich besagt hier: das Gefühl des Todes in sich; Entschluß fassen heißt:
sich eine Richtung geben; aus Furcht vor dem Gerichte besagt: aus zeitlich
politischen Rücksichten; pfiffig besagt: weltklug. –
[HiG.03_40.08.24,21]
(21) Besagt: Verstand, Wille, Liebe des weltlich Ansehnlichen wie sich
äußerlich Nützliches Hervorbringenden, und da ist Licht: weltrichterliche
Fähigkeit, fleißiges Verharren; Schaufel: weltliche Hilfe durch was immer. –
[HiG.03_40.08.24,22]
(22) Besagt verhältnismäßige Klugheit darin aus polizeilichen Rücksichten; denn
wie Zolle ein geistiges Maß bezeichnen, so bezeichnen Schuhe das Maß in
welttümlichen Rücksichten, so eben auch die Zahl 5; Grube bezeigt eine
Sicherung. –
[HiG.03_40.08.24,23]
(23) Besagt: sich verwahren durch Juridisches vor ketzerischen Mutmaßungen von
kirchlicher Seite aus polizeilicher Engbrüstigkeit. –
[HiG.03_40.08.24,24]
(24) Besagt: Kirchliches vermengen mit Weltrichterlichem und es als solches
ansehen, um es bloß juridisch zu gebrauchen. –
[HiG.03_40.08.24,25]
(25) Besagt: geistlichen Staatsdruck. Gerade bezeichnet: aus Staatsrücksichten;
unter bezeichnet: politisches Gesetz; Weinpresse bezeichnet: durch Kirchliches
Staatsrichterliches bekräftigen fürs Volk.
[HiG.03_40.08.24,26]
(26) Besagt die tiefste Politik, wo der Staat am kitzligsten ist des Volkes
wegen und sorglos sündigen kann, auf die Dummheit desselben rechnend. –
[HiG.03_40.08.24,27]
(27) Besagt die Belletristik; lügen und trauernd erzählen heißt: schöngeistig
tun, – sein Weib abhanden kommen heißt: Kirchliches oder die Religion in die
Belletrie versetzen. –
[HiG.03_40.08.24,28]
(28) Besagt öfteres Nachdenken bei sich selbst und das Befragen juridischer
Taktik über den eigentlichen Zweck der Religion. Laues Gericht: die Schwäche
des juridischen Gewissens; auf Begehren besagt: aus eigener Weltnot; hie und da
bezeichnet soviel wie dann und wann; brieflich besagt hier: wenig lebendig
bekümmert; Nachforschungen anstellen besagt: manchmal Blicke in sich tun. –
[HiG.03_40.08.24,29]
(29) Die Tote besagt: das einmal erloschene Gewissen in allem Kirchlichen;
unter den Sterblichen heißt: unter dem Weltwißtümlichen; ausfindig zu machen
heißt: geistlich zu beleben. –
[HiG.03_40.08.24,30]
(30) Besagt: Dieser Zustand blieb um so leichter unangeregt von etwas
Kirchlichem; –
[HiG.03_40.08.24,31]
(31) weil Kirchliches und Politisches ineinandergeschmolzen war, so
entschuldigte eines das andere, oder es sprach eines dem andern das Urteil, –
und war eins wie das andere, da kein Geistiges inne war, schlecht und ohne zu
etwas nütze. –
[HiG.03_40.08.24,32]
(32) Dieses besagt: wieder geistiges Wachwerden durch Meine Gnade, da gerade
keine große Bosheit hinter dem Falschen steckte. –
[HiG.03_40.08.24,33]
(33) Besagt das Äußerliche der Kirche und deren Diener und ihr Name.
[HiG.03_40.08.24,34]
(34) Besagt: Im Geiste werdet ihr alle Dinge erkennen. –
[HiG.03_40.08.24,35]
(35) Besagt: Da hat noch das Allergeringste eine gar große Bedeutung. – Amen.
Der Weg zur
Wiedergeburt – Verhaltensregeln. – 15. August 1840, abends.
[HiG.03_40.08.15,01]
Hier gebe Ich euch ganz kurze Verhaltungsregeln, welche genau und wohl zu
beachten sind, so ihr wollt sicher vor allen Nachstellungen der Welt sein und
auch den kürzesten Weg einschlagen, um baldmöglichst zum Besitz Meiner Gnade
und daraus zur völligen Wiedergeburt zu gelangen. Diese Regeln aber sind
geordnet folgende:
[HiG.03_40.08.15,02]
Erstens muß jedweder was immer für ein politisches Gesetz seinem ganzen äußeren
Wesen nach aufs genaueste befolgen und sich jeden prüfenden Druck wohl gefallen
lassen; denn es besteht nirgends eine Macht als nur in Mir und durch Mich.
Alles ist Mir untertan entweder (selten) bewußt oder (meistens) unbewußt; denn
da herrschen gute und harte Fürsten je nach dem Verhältnisse des Lebens der
Untertanen, denn das alles hängt von Mir ab. Wenn aber irgend unter dem Volke
alle Laster noch gang und gäbe sind, wie bei euch im hochverdammlichen Grade es
der Fall ist, wie sollte Ich euch uneigennützige Regenten geben, welche noch
mehr Hurenfutter unters Volk kommen ließen, damit die Menschen dann völlig
ersöffen in aller Unzucht? Wehe daher jedem Aufwiegler; der soll nicht nur
alsogleich mit dem zeitlichen, sondern auch mit dem ewigen Tode bestraft
werden.
[HiG.03_40.08.15,03]
Denn Herrscher stehen zu hoch, als daß sie aus sich sein könnten, was sie sind
dem Volke; und da ist keiner etwas ohne Meinen gerechten Willen, und es ist der
gute und sanfte ein Trost und der harte und habsüchtige eine gerechte Geißel in
Meiner Hand. Wer ihm widerstrebt, der setzet sich wider Meine Geißel und wird
hart löcken gegen den Stachel. Jedoch wer da lebt in Meiner Liebe und daraus
fließenden Gnade, dessen Rücken wird nie unter den scharfen Hieben Meiner
Geißel bluten, sondern er wird erstarken wie eine Eiche unter dem harten Wehen
der stürmenden Winde. Wohl aber dem reinen Wiedergebornen; denn der wird eine
große Wonne finden in den großen Ausflüssen Meiner Liebe.
[HiG.03_40.08.15,04]
Mein Reich ist nicht von dieser Welt, daher gebet dem Kaiser, was sein ist, und
Mir, was Mein ist – nämlich euer Herz in gehorsamer, reiner Demut. Um alles
übrige kümmert euch nicht, denn Ich euer Vater bin ja mitten unter euch. Daher
seid gehorsam eurem Fürsten; nehmet willig ohne Murren das leichte Kreuz auf
eure Schultern und folget, euch selbst verleugnend, in aller Liebe und Sanftmut
Mir nach, so werdet ihr leben und lebendig machen in Meiner Gnade, was ihr nur
immer anblicken werdet in Meinem Namen Amen. –
[HiG.03_40.08.15,05]
Zweitens: Was die äußere herrschende Kirche betrifft, so steht jeder ihr einverleibte
Glaubensuntertan in den nämlichen Verhältnissen zu ihr, solange er ihres
äußeren Glaubens hinsichtlich aller ihrer Anordnungen ist, wie die Untertanen
zu ihrem Fürsten, nur mit dem Unterschiede, daß eine Desertion nicht wie im
Staate sträflich, sondern straflos zu tolerieren ist. Jedoch aber setze Ich
hinzu, daß Ich den mit zornigen Augen ansehen werde, welcher seine irdische
Glaubensmutter verlassen wird, und es soll ihm dereinst nicht viel besser
ergehen als einem wahnsinnigen Selbstmörder. Denn da ihr einen Leib habet,
durch welchen die ersten Eindrücke zur Seele gelangen und dieselbe nähren, so
muß es ja auch eine äußere Speisekammer geben, was die äußere Kirche ist, damit
durch dieselbe euer böser Leib durchgebrochen und bearbeitet werde gleich einem
Kinde im Mutterleibe. Wer nun seinen Mutterleib aber zu früh verläßt, saget,
was wird oder was kann aus einem solchen werden? – Gehorsam und Demut ist die
Nahrung der Seele zur Wiedergeburt des Geistes. So euch aber die Römische
solches lehrt und das ganz vorzüglich, was treibt euch dann weg von eures
Leibes Glaubensmutter? –
[HiG.03_40.08.15,06]
So bleibe denn ein jeder getreu seiner Kirche, und sei Mir ein Römischer 99 mal
gesegnet, so er entspricht im Gehorsame seiner Kirche, und jeder andere nur einmal,
da er ein eigenliebiger Rechtler ist, da keine Demut und ganz entsetzlich wenig
Liebe herausschaut. Wahrlich sage Ich euch, es wird nicht leicht jemand zu
Meinem lebendigen Worte gelangen in irgendeiner Sekte, als nur in der römischen
Kirche, allda Gehorsam und die äußerste Demut über Hals und Kopf nach Meinem
Willen gepredigt wird. Was aber die Zeremonien in ihr betrifft, so soll sich
niemand daran stoßen; denn da ist für den Lebendigen alles lebendig, für den
Reinen alles rein, dem Gehorsamen alles recht und dem Demütigen alles
geheiligt. Nur eine Sau wälzt sich im Schlamme und sucht Lebensluft im eigenen
Kote wühlend. Und so wird der Tote alles tot finden und voll Schmutzes, während
der Reine mit ganz anderen Augen schauet.
[HiG.03_40.08.15,07]
Wie kann aber jemand rechten über die Verhältnisse der Kirche und des Staates,
der in Meinem Lichte sich zu sein wähnt? Meint er denn, daß Ich nicht so viel
Einsicht und Macht habe, Verhältnisse zu ändern, so sie nicht zusagen möchten
Meinem Willen? O solche Richter stehen tief unter einem auch nur schwachen
Gläubigen, so sie meinen, daß Ich ihres richterlichen Beistandes benötigte! –
Wahrlich sage Ich euch, solche Dinge sind Mir ein Greuel. Denn da geschieht
alles zur rechten Zeit, und Ich allein bin der Richter aller Dinge und
Verhältnisse, denn Ich allein bin heilig und liebegerecht, – ihr alle aber seid
Lügner und voll Hurerei. Daher folget eurer Kirche in ihrem Begehren, und
lasset eure Herzen von Mir ziehen, dann werdet ihr sehr bald zum Leben der Gnade
und dadurch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen und eure äußere Kirche
beleben in eurem Leibe amen.
[HiG.03_40.08.15,08]
Drittens: Was die Zeremonie betrifft, so liegt an dieser weder etwas
Beseligendes, noch eben auch etwas gerade Tötendes. Da in der Welt alles unter
einer gewissen Zeremonie geschieht, was da ein Prozeß genannt wird, so kann
auch die Kirche in ihrer Äußerlichkeit ganz wohl Zeremonien haben. Nur soll
niemand darinnen etwas Verdienstliches suchen, das da tauge zum ewigen Leben,
denn da hilft nichts als ein zerknirschtes demütiges Herz, voll von Meiner
Liebe und Gnade, – was dann die lebendige Kirche in euch ist, in und durch
welche erst die tote Kirche lebend und voll tiefen Sinnes wird – entweder so
oder so, vom Tode erstehend oder vom Leben in den Tod zurücksinkend. Das heißt:
Ihr könnt entweder durch den Gehorsam in ihr in die Demut und dadurch zur Gnade
und durch die Gnade zur Wiedergeburt gelangen, oder ihr könnt euch in die tote
Zeremonie begraben gleich den Heiden und so zugrunde gehen in ihrem eitlen,
hilfelosen Geflimmer.
[HiG.03_40.08.15,09]
Denn wie ein Baum wächst, Äste und Zweige treibt, dann Knospen, Blätter, Blüte
und in derselben weibliche und männliche Staubfäden, was mit der Zeit alles
wegfällt als wert- und nutzloses Zeug, damit die Frucht frei und wirksam
gedeihe in aller Kraft ihrer geordneten Wesenheit – das ist auch der Fall bei
der zeremoniellen Kirche. Würde sich jemand nun hermachen und alles zusammen
essen, so würde er zugrunde gehen bei solch unreifer Kost; sondern da ist nur
die reife Frucht segnend genießbar, obschon nicht selten auch schon in der
Blüte sich öfter heilsame Kräfte bewähret haben, die euch in so manchen
Krankheiten ganz gut zustatten gekommen sind. – Nun seht, diese vegetativen
Vorgänge sind gleich der toten Zeremonie; aber müßt ihr nicht sagen: Sie sind
der Ordnung wegen doch notwendig, denn wenn die Bäume blütenleer stehen, wird
wenig Frucht zum Vorschein kommen?
[HiG.03_40.08.15,10]
Die jüdische Kirche war eine vorbildende, rein zeremonielle, als Blätter und
Blüte zur lebendigen Frucht des Wortes der ewigen Liebe. Nun frage Ich: War sie
nicht recht, wenn sie war, was sie hat sein müssen? Wenn euch Kinder gegeben
werden, womit wollt oder könnet ihr sie Mich und Meinen Willen besser als eben
durch Hilfe der zeremoniellen Anschauung erkennen lehren? –
[HiG.03_40.08.15,11]
Ihr alle seid anfangs nichts als Juden und Kinder und bedürfet daher sehr wohl
kirchlicher Zeremonie, solange ihr noch Kinder seid, nur – was sich von selbst
versteht – hat es bei derselben nicht zu verbleiben; sondern wer die
Elementarklasse durchgemacht hat, der trete in eine höhere Klasse und lerne da
lesen und schreiben und endlich rechnen in Meiner Liebe und handeln in der
Gnade Meiner Weisheit. Und dessen Herz liebend rein geworden ist, der komme
dann in Meine Schule, in der er erst zum ewigen Leben gelangen wird durch die
Wiedergeburt. Wer aber, sein Inneres unbeachtend, an der Zeremonie
hängenbleibt, die an sich tot ist, der wird selbst tot werden, da er so dumm
finster war, in äußeren sinnlichen Mitteln den Zweck zu suchen, was der größte
Unsinn ist, ja ein Unsinn, der an die krasseste Tollheit grenzt. Wenn jemand
ein Kind samt dem Bade wegwirft, so ist er ein toller Narr; wer aber das Kind
unbeachtend verwirft und das Bad behält, der ist schon tot aus seiner
abergläubischen Bosheit. Der Weise aber behält das Kind mit der Wanne und
schüttet nur das Bad weg – das Kind, da es eine lebendige Frucht ist, und die
Wanne, um das Kind noch öfter baden zu können.
[HiG.03_40.08.15,12]
Daher, so ihr aber wollt wahre Kinder Meiner Liebe und Gnade werden, so laßt
euch nicht von der Blüte ärgern; denn sehe die Blüte aus, wie sie wolle, was
kümmert euch das? Denket an die Frucht, so wird euch auch die Blüte geheiligt
erscheinen, da ihr wißt, daß es bei den Blättern und der Blüte nicht zu
verbleiben hat. Aber so jemand zur Frucht gediehen, so fehlet er nicht, wenn er
sich öfter umsieht und da die Werdung seines geistigen Lebens wohl achtend
durchgeht; wohl aber ist Mir der nicht angenehm, der, seine Kinderschuhe
verachtend, sich gleich einem Geier stolz erhebt und dann von schwindelnden
Höhen mörderisch die bescheidenen Taubenhäuser anblickt und gierig auf deren
Fall hinsieht, um dadurch etwas zu gewinnen!
[HiG.03_40.08.15,13]
Denket, daß ohne Meine Zulassung nichts geschieht und ewig nichts geschehen
kann, so wird euch augenblicklich alles ganz anders vorkommen! Jeder Mensch hat
zwar die volle Freiheit seines Willens; aber die Führung der Völker ist Mein
Werk. – Dieses habe Ich euch gesagt, damit ihr volle Ruhe haben möget in eurem
Herzen, ohne welche ihr zu nichts Höherem tüchtig werden möget. Die Ruhe des
Sabbats sei euch der höchste Segen; denn die wahre Liebe ist ein schwangeres
Weib, die Ruhe nötig hat in ihrer Entbindung! – Darum sage Ich euch dieses,
damit ihr die volle Ruhe habet in Mir, eurem Vater, der da allzeit heilig,
heilig, heilig ist in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten Amen. –
[HiG.03_40.08.15,14]
Viertens: Ein ferneres Verhältnis ist das Lesen der sogenannten verbotenen
Bücher. Hier sage Ich nicht, ihr sollet sie gar nicht lesen, so sie euch in die
Hände kommen, sowenig Ich jemandem untersage, den Namen des Lügenfürsten
auszusprechen und wo es not tut, seiner warnend zu erwähnen. Aber nun fraget
euch selbst, wozu euch all das schon Gelesene dient! Was steht in den Büchern,
die vom stolzen Menschenverstande herrühren? Ich sage euch, nichts als Unsinn
und über Hals und Kopf tolles Faselzeug, und hat kein nütze, sondern hat euren
Kopf angestopft mit allerlei Irrlicht und euer Herz mit allerlei Unrat und euch
dadurch vielfältig verschlossen und finster gemacht euren Geist. Oder saget:
Tut der recht, wenn Ich ihm zurufe: Komme zu Mir, so du mühselig und beladen
bist, Ich will dich erquicken; bitte, so wird es dir gegeben; suche, so wirst
du es finden, und klopfe an, so wird dir aufgetan; wenn Ich ihm noch ferner
zurufe: Was du immer den Vater in Meinem Namen bitten wirst, wird Er dir geben
unverzüglich, und suche vor allem Mein Reich, alles andere wird dir eine freie
Zugabe werden! –
[HiG.03_40.08.15,15]
Wie ist's denn aber, so ihr dieses wisset und doch nicht zu Mir kommet, damit
ihr es von Mir empfangen möget und lernen von Mir die großen Wege Meiner Gnade
und das ewige Leben empfangen aus Meiner Hand, – es ist denn, daß ihr Mich,
gleich euch, für einen baren Lügner haltet, oder haltet Mich für so harthörig
und hartherzig, euch zu geben Mein lebendiges Wort, und lasset euch lieber von
der Welt etwas vorlügen und verhungern in ihrer Tollheit, als daß ihr im
Vertrauen aus wahrer Liebe zu Mir kämet und empfinget da die Wahrheit alles
Lebens und Seins aus dem Urborne, statt zu suchen das Leben im Tode. O ihr
Narren, Ich gebe euch das Brot des Lebens, und ihr wollt beißen in die harten
toten Steine; Ich rufe euch laut zu, zu Mir zu kommen, und ihr rennet tollen
Hunden nach und gebärdet euch wie sie. Ich schreie über einen Nachtwächter euch
Tag und Nacht eure Ohren voll, allein ihr verleget euer Ohr mit ganzen Ballen
von unratvollen Büchern, damit ihr ja von Meiner Stimme nichts vernehmen
möchtet, und suchet gleich Schlaftrunkenen das Leben auf den geschwärzten
geleimten Lumpen! Welcher Ausdruck sollte da wohl bezeichnen solche Narrheit? O
Ich sage, ihr werdet in Ewigkeit über eure Tollheit weinen, daß ihr, das Gold
mißachtend, das Blei erwählt habet, während euch so viel des Edlen geboten
wird! – –
[HiG.03_40.08.15,16]
Daher leset wenig, aber betet desto mehr, so werde Ich zu euch kommen und euch
in einer Minute mehr geben, als alle Bibliotheken der ganzen Welt aufzuweisen
haben, – wovon Ich euch schon hoffentlich so manche sehr stark sprechende
Beweise gegeben habe.
[HiG.03_40.08.15,17]
Bekümmert euch daher auch wenig über das Verbot der Bücherfreiheit; denn vor
dem Ich das große Buch Meiner ewigen Gnade aufgeschlagen habe, der wird das
Lesen verbotener Schriften ganz wohl entbehren können, da Mein Buch sich nach
keiner Weltzensur richtet; denn es wird allzeit im Herzen der Getreuen
aufgeschlagen, wohin kein Weltzensorblick zu dringen vermag und auch keine
Schranken gezogen werden ewig Amen. –
[HiG.03_40.08.15,18]
Fünftens: Was aber jedoch die Heilige Schrift betrifft, so soll darinnen lesen,
der eines einfältigen Herzens ist und hat da ein gehorsames und folgsames
Gemüt; und soll es nicht lesen aus Vorwitz oder Neugierde, denn da wird er
finden den Tod kleben am Buchstaben, sondern der es liest, der soll es lesen
als einen Wegweiser zum lebendigen Worte und danach handeln – und soll auch
nicht grübeln und forschen darinnen, sondern danach alsogleich leben und in der
Liebe zu Mir emporwachsen. Alsdann wird ihm zur rechten Zeit gegeben werden die
Erkenntnis und wird in seinem Herzen enthüllt werden des Geistes und des ewigen
Lebens himmlischer Sinn, gerade wie es bei dir, Meinem Knechte, der Fall ist,
da du noch nie dieses heilige Buch ganz durchgelesen hast und bist doch ein
Professor der Professoren darinnen in jedem Punkte desselben durch Meine Gnade
geworden. Das aber, was du bist und verstehst, kann jedem werden, so er nicht
nach eitlem Wissen trachtet, sondern nur nach der Erkenntnis Meiner Liebe und der
daraus fließenden Gnade in und durch die fromme, demutvolle Einfalt seines
Herzens.
[HiG.03_40.08.15,19]
Ebenso verhält es sich auch mit jenen mystischen Schriften, deren Lesen euch
ebensowenig fruchtet und nützet, als irgendein dummer, eselhafter und saudreckvoller
Roman, der sich allzeit ganz wohl mit einer Schlammpfütze vergleichen läßt,
wenn ihr davon in euch zu keiner Überzeugung gelangen könnet; denn mit all dem
beschweret ihr nur euer Gedächtnis als das Maul eures hochmütigen Verstandes.
Statt ihn für Liebe und Weisheit hungrig und durstig zu machen, füttert ihr ihn
nur mit allerlei Dreck und benehmet ihm dadurch den Appetit nach der Speise des
Lebens. O ihr abermaligen Narren!
[HiG.03_40.08.15,20]
Ich bin die Heilige Schrift lebendig und Leben gebend, Ich bin der beste
Ausleger derselben und bin zugleich der allertiefste Mystiker! – Daher leset
wenig, aber handelt danach, dann wird euch alles werden. Denn das Senfkörnlein
ist klein, aber es kann da ein gar großes Gewächs daraus werden, unter dessen Zweigen
sogar die Vögel des Himmels Wohnung nehmen werden Amen. –
(Der Weg zur
Wiedergeburt. – Fortsetzung am 18. August 1840.)
[HiG.03_40.08.18,21]
Sechstens: Was die Priester betrifft, da sage Ich: Es gibt deren mehrerlei;
darunter es nur äußerst wenige gibt, so diesen Namen verdienen. Denn es gibt
solche, die da Priester sind des Ansehens und der Macht wegen, die da anekelt
an ihnen selbst Meine große Armut und gänzliche Machtlosigkeit in weltlichen
Dingen, da Ich nicht wollte ein Fürst, sondern nur ein Retter der Welt sein.
Und es gibt andere, die da Priester sind der geistlichen Kastenwürde halber.
Diese maßen sich an, allein die Kirche zu sein, und verdammen dann aus
eifersüchtiger Willkür alles von Mir durch irgendeinen armen Fischer Ausgehende
und lehren Meinem Willen schnurstracks entgegen und sagen, ihren Bauch weit
aufblähend: Ich offenbare Mich niemandem als nur der Kirche, welche sie zu sein
wähnen. Auf diese schändliche Art versperren sie dann auch vielen Tausenden und
Tausenden die Türen zu Meinem lebendigen Worte.
[HiG.03_40.08.18,22]
Wahrlich sage Ich euch, diese verräterische Art ist Mir ein Greuel; denn sie
ist Mein Feind, da sie sich ärgert Meiner herablassenden Liebe zu den Sündern
wegen. Ich aber sage euch: Diese werden nie ein anderes Wort von Mir vernehmen
als das große: Weichet von Mir, ihr Verfluchten, denn Ich habe euch niemals
erkannt; denn ihr waret allzeit Verächter Meines lebendigen Wortes und
widerstrebtet allzeit dem heiligen Geiste! Mein geschriebenes Wort belegtet ihr
mit der ewigen Verdammnis, damit sie euch erwarte. Ihr hattet Mich zum Lügner
gemacht, denn es steht geschrieben: „Wer Meine Gebote hält, der ist's, der Mich
liebt; wer aber Mich liebt, der liebt auch Den, der Mich gesandt hat, nämlich
den heiligen Vater, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung nehmen bei ihm und
Uns ihm selbst offenbaren.“ Das habe Ich zu jedermann geredet; allein ihr
fluchet und lästert diese Meine allzeit ewig wahre Verheißung und widerstrebet
darinnen Meinem heiligen Geiste; darum treffe euch ewig Mein Fluch, denn ihr
seid sicher allzeit Diener des Satans gewesen. Darum weichet von Mir und
empfanget den Lohn von dem, dem ihr gedient habt in seiner Kapelle, die er sich
errichtet hat an der Schwelle Meines Heiligtums!
[HiG.03_40.08.18,23]
Seht, das sind die sogenannten Priester der geistlichen, gotteslästerlichen
Kastenwürde.
[HiG.03_40.08.18,24]
Wieder gibt es andere, die Priester werden ihres Bauches wegen, um auf einer
sogenannten guten Pfründe sich recht mästen zu können. Diese Art hat keinen Geist
und ist um eine fette Sau oder um einen gemästeten Ochsen für alles zu
gebrauchen. Vor solchen Priestern ekelt es Mir, denn deren Gott ist ihr Bauch,
und das Gegrunze ihrer fetten Schweine, das Geblöke ihrer Schafe und Ziegen,
das Gebrüll ihrer feisten Kühe und wohlgemästeten Ochsen ist ihnen tausendmal
lieber, als zu hören Mein lebendiges Wort, welches ihnen gewiß ganz verzweifelt
ungelegen käme, so Ich es sie wollte vernehmen lassen. Sie haben aber in dieser
allein belebenden Hinsicht auch wirklich nichts zu besorgen, da Ich den
Schweinen nie pflege Meine Worte als Perlen vorzuwerfen. Und für den schlechten
Dienst, den sie Mir verrichteten, werden sie etwa doch gut genug bezahlt worden
sein, da Ich ihnen um fast nichts im Überflusse gab, wonach ihr Herz so
sehnsuchtsvoll durchs ganze Erdenleben gedürstet hat. Da sie so genügsam waren,
so sollen sie auf solche Bauchstrapazen sich denn auch nach dem Erdenleben in
die ewige Ruhe des Todes legen und warten alldort, bis die letzte Sonne
verglimmen wird, auf die Auferstehung ihrer Fleischmasse und ihres Bauches!
[HiG.03_40.08.18,25]
Wieder gibt es andere, die da Priester sind des Geldes wegen. Diese erteilen
dann Ablässe ums Geld und verkaufen den Himmel nach Jochen, Klaftern, Schuhen
und Zollen; doch sind sie mit der Hölle und dem sogenannten Fegefeuer viel
freigebiger als mit dem Himmel. Wenn ihre Kassen leer geworden, da halten sie
Hölle und Fegfeuer recht weit offen, und wer da keinen Ablaß kauft oder sonst
recht viele Messen zahlt, der wird ohne Gnade und Erbarmung hineingeworfen,
damit es dann wieder etwas zu erlösen gibt, nämlich recht viele klingende
Seelen – und zwar aus der Hölle die Füchse und aus dem Fegfeuer die Schimmel. –
– –
[HiG.03_40.08.18,26]
Seht, solche zerreißen sich fast das Maul auf ihren Kanzeln und schlagen mit
den Händen wie Besessene herum, um dadurch noch irgend einen letzten Groschen
aus seiner Ruhe in der Tasche eines Bettlers aufzuschrecken und ihn zu fangen
in ihre verdammnisvollen Schlingen. Solche eifrige Beförderer Meines Wortes
werden einst sehr viel Lohn erhalten; da soll ihr Himmel sein ein goldenes
Herz, eine silberne Seele und ein kupferner Leib, und so viel Leben in diesen
toten Metallen ist, ebenso viel sollen sie auch haben ewig.
[HiG.03_40.08.18,27]
Wieder gibt es andere, die da sind förmlich asketische Gleisner und Heuchler,
um dadurch das Augenmerk eines Hirten auf sich zu ziehen, sich in seine Gunst
zu setzen und dadurch sich bald möglichst in den Besitz irgend einer sehr
namhaften Pfründe versetzt zu sehen. Diese drehen sich fast die Augen vor
lauter Andacht und Demut aus; ihren Leib biegen sie fast allzeit bis zur Erde
nieder; verrichten ihr Opfer außerordentlich langsam, und ihre Lippen bewegen
sie fast immer, als wenn sie beteten, reden kaum mit halber, stets gebrochener
Stimme; wenn sie Meinen Namen aussprechen, da bringen sie sich fast um; sie
fasten und beobachten das Äußere des Äußeren wegen auf das pünktlichste vor den
Menschen, – jedoch bei sich lachen sie über alles, und ihr Herz ist fest wie
ein Stein, so daß sie vor lauter Andacht der armen Brüder gar nicht gewahr
werden, die knapp an ihnen vorbei flehend ziehen. Und wie sie taten als Kapläne
und wollten dadurch bald Pfarrherren werden, so tun sie als Pfarrherren, um
Dechanten zu werden; und sind sie solche geworden, dann ist ihr Augenmerk auf
eine glänzende Domherrenstelle gerichtet, und so weiter bis zur Bischofswürde;
und selbst da schwebt ihnen noch immer der Kardinalshut vor den Augen, wo nicht
gar die Tiara selbst. – Was aber Mich in der Wahrheit betrifft, um das haben
sie sich nie gekümmert. Von Meinem lebendigen Worte wollten sie nie etwas
wissen und versetzten Mich – als das Leben alles Lebens – lieber mit Haut und
Haaren in die tote Zeremonie und hatten einen förmlichen Abscheu vor der
Heiligen Schrift.
[HiG.03_40.08.18,28]
Seht, solche Schleicher gibt es besonders jetzt sehr viele in der römischen
Kirche. Sie sind zwar Priester, die dem Volke gerade kein Ärgernis geben, aber
sie bringen auch nur äußerst wenig gute Früchte, da ihr Wort ist gleich einer Frucht,
da kein Lebenskern innen ist und geht verfaulend zugrunde in der Erde, welche
ist: die Herzen des Volkes. Ich lasse solche öfter erreichen ihr Ziel, während
Ich nie ermangeln lasse innere Mahnungen, die ihnen beständig zurufen: Nehme
dein Kreuz auf deine Schulter und folge Mir nach, so wirst du leben und
wahrhaft beleben die toten Herzen deiner dir anvertrauten Herde! – Statt aber
das anzuhören und danach zu tun, kaufen sie lieber, wenn es noch gutgeht, ein
sogenanntes Kruzifixlein, hängen oder nageln es irgendwo an und blinzeln vor
demselben dann und wann, so sie jemand sieht, mit ihren frömmelnden Augen; doch
wenn es auf sie ankäme, hätte das Kruzifixlein lange gut ruhen. Und auf diese
leichtere Art halten sie ihre zarten Schultern frei. Auch senden sie sogar
inbrünstige Gebetlein, teils schriftlich unters Volk, vielfältig aber auch bei
sich aus dem Stegreife um die baldige Abrufung irgend eines würdigen,
verdientermaßen Höherstehenden aus purer Nächstenliebe – durch irgendeinen
Heiligen – zu Mir.
[HiG.03_40.08.18,29]
O seht, auch diese Art ist Mir ein Greuel. Diese werden einst sehr große Augen
machen, wenn sie sehen werden, welche merkwürdige Scheusalsgestalt ihr Leben
jenseits nehmen wird.
[HiG.03_40.08.18,30]
Und noch wieder gibt es andere, die da geiler sind als Hunde und Böcke und da
treiben Unzucht aller erdenklichen Art und verscharren ihre Kinder oft lebendig
in die Erde, um nicht bei irgendeinem würdigen Bischofe in einem
verabscheuungswürdigen Lichte zu erscheinen, wie auch vor dem viel besseren
Volke, dem er als ein leitendes wahres Ungetüm gegeben wurde. – Ich sage, diese
werden einst sehr stark links zu stehen kommen; wahrlich mit ihnen sollen einst
der Huren brennende Kleider gefüttert werden.
[HiG.03_40.08.18,31]
Und dergleichen mehrere gibt es noch eine Menge, die da alle Priester heißen;
allein Ich habe sie noch nie als solche erkannt, besonders aber in den
Klöstern, wo sie oft aus lauter Bruder- und Nächstenliebe miteinander leben wie
wilde Hunde und Katzen und jeder dem andern oft jeden Bissen abneidet.
[HiG.03_40.08.18,32]
Jedoch gibt es doch auch wieder Priester, die da wohlverdienen diesen
segenvollen Namen. Diese sind freundlich und liebevoll gegen jedermann. Was sie
haben, geben sie den Armen. Sie verdammen niemanden, sondern sie suchen nur
sorgfältig zu retten das Verlorne. Sie trösten die Betrübten, sie beherbergen
die Fremden und geben ihnen ein weiches Lager und legen sich selbst aus wahrer
Liebe einen Stein unter ihr geheiligtes Haupt. Sie lassen sich keine Opfer
zahlen, sondern sagen zu dem, der solches tun möchte: Bruder, das Opfer ist
heilig und von unschätzbarem Werte; denn es stellt das große Werk der Erlösung
im Glauben und in der Liebe wieder lebendig dar. Daher kann es nicht bezahlt
und zum Wohle eines einzelnen verrichtet werden, sondern wie durch die Macht
der großen Erlösung alle können und sollen wiedergeboren werden zum ewigen
Leben, so eben wirkt auch die Kraft des von Christus Selbst zu dem Zwecke
eingesetzten Opfers. Daher opfere deine Gabe zuvor als Hilfe einem armen
Bruder, und hast du dann noch etwas erübrigt, so bringe es getreu und lege es
auf den Altar des Herrn und bete für deine Feinde; dann wird der große Herr
dein Opfer im heiligsten Opfer aus meinen Händen mit Wohlgefallen ansehen und
dir geben, was dir not tut.
[HiG.03_40.08.18,33]
Seht, das ist Mir ein wahrer Priester, dessen Opfer Mir unendlich angenehm ist.
Wahrlich sage Ich euch, da gehet hin und höret seine Predigt, denn nicht ein
Wort ist sein, sondern lebendig Mein! O dieser aber wird bald erfahren, wie
groß der Lohn wird, der seiner harret, – wahrlich sage Ich: Er wird bei Mir,
seinem heiligen Vater, wohnen ewig! – Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen; an
ihren Werken aber werdet ihr sie leicht erkennen, wie einen Baum aus seiner
Frucht. –
[HiG.03_40.08.18,34]
Seht, hier habe Ich euch gezeigt die ganze Krankheit des römischen
Priestertums, wie sie sind an und für sich; doch sage Ich, das alles geht euch
wenig an und – kehre ein jeder vor seiner eigenen Tür und nie vor der seines
Nächsten und am allerwenigsten vor der eines Priesters, sondern seid allzeit
willig und gehorsam und laßt euch von dem Schlechten nicht ärgern und verführen
durch sein Beispiel, sondern befolget als Kinder die Lehre, die da doch sein
muß im katholischen Geiste recht, – und soll auch Unkraut sogar
dazwischengekommen sein, so wird es zu seiner Zeit schon vertilgt werden. Und
rechtet nicht über die Wege eines solchen Priesters; denn Ich, der wahre
Rechter, sitze einem solchen schon ohnehin auf dem Genicke, und ehe er sich's
versehen wird, wird ihm dasselbe gebrochen werden. Nur lasset euch von
niemandem als Ohrenbläser gebrauchen; denn verflucht sei ein Postenträger und
Draschler, denn er ist gleich dem bösen Sämanne, der da Unkraut unter den
Weizen mengte. Der schlechte Priester wird einst rechten für sich und für euch;
ihr aber werdet rechten nach eurem Gehorsam und wahrer demütiger Nächstenliebe
nur für euch selbst.
[HiG.03_40.08.18,35]
Daher sollet ihr euch selbst darum nicht stoßen an der Kirche der Priester
wegen, da es darunter doch auch recht viele redliche und getreue gibt. – Am
wenigsten aber sollet ihr euch stoßen an irgend einem Bischofe. Da ein solcher
schon höhersteht und vorsteht einem Volke, so könnet ihr euch auch schon
ziemlich gut denken, daß er nicht ganz allein dasteht, sondern daß jeder seiner
Schritte und Worte und Taten von Mir sehr genau gezählt wird; und es soll durch
ihn doch allzeit der äußere Stand der Dinge in guter Ordnung erhalten werden.
[HiG.03_40.08.18,36]
Doch was euer Inneres betrifft, so wißt ihr ja ohnedies, daß es da allzeit nur
auf euch selbst ankommt und hernach auf Meine Gnade, welche euch weder ein
Engel des Himmels noch irgendein Bischof, noch wer immer geben kann, sondern
zunächst ihr euch selbst durch die wahre Liebe zu Mir und den Nächsten durch
genaue Haltung der Gebote – oder als Sünder durch eine ernstliche Buße.
[HiG.03_40.08.18,37]
Denn aus allem, was ihr tut, leuchte Meine und des Nächsten Liebe heraus.
Kümmert euch also wenig und denket gar nicht um einen schlechten Priester, und haltet
brüderliche Gemeinschaft in allem Guten unter euch, so werde Ich zu euch kommen
und euch lebendig machen durch und durch. Liebet, die euch hassen und
verfolgen, und segnet durch Gebete die, welche euch fluchen und verdammen; dann
werdet ihr anfangen, große Wirkungen Meines Lichtes in euren finsteren Herzen
wahrzunehmen Amen. – –
[HiG.03_40.08.18,38]
Siebtens: Was schließlich noch die sogenannte Ohrenbeichte und die sieben
heiligen Sakramente betrifft, so sage Ich euch und bitte euch sogar, stoßet euch
nicht daran, gebrauchet alles gerecht und im rechten lebendigen Sinne, so
werdet ihr leben! Denn da ist dem Rechtler nichts recht, dem Gerechten aber
alles gerecht und heilig; sogar das Nest eines Vogels wird seinem Herzen ein
Lob entlocken, und doch ist es nur ein totes Nest eines Vogels. Um wieviel mehr
könnet ihr euch denken, daß Dinge, so da errichtet worden sind zu eurer
Heiligung, nicht aus der Luft gegriffen werden, – sondern da hängt es allzeit
von euch ab, wie ihr sie gebrauchet.
[HiG.03_40.08.18,39]
Wer da beichtet und bekennet seine Sünden dem Priester, der hat dadurch seine
Sünden öffentlich vor der Welt bekannt, und es wird ihm dereinst ein solches
Bekenntnis nachgesehen werden, so er hinfort nicht mehr sündiget. Wer aber
sündigt nach wie vor der Beichte, der hat die Beichte zu einer Sündensparkasse
gemacht, die ihm dereinst zur Hölle hohe Zinsen tragen wird. – Daher, wer da
beichtet und wahre Buße wirket und sofort nicht mehr sündigt, der tut ja sehr
recht; jedoch wer das alles für so ganz null und nichtig hält, der wird sich
einst sehr täuschen, denn er wird eine Kluft finden, über die er schwerlich je
wird springen können.
[HiG.03_40.08.18,40]
So ihr aber saget: Hätten wir es wie zu den Zeiten der Apostel, dann würden wir
gewiß ganz andere Menschen sein, da wir mit eigenen Händen (gleich einem
Judas!) könnten in die Schüssel greifen! – Allein Ich sage aber, diese schrieen
aus vollem Halse nach einem geregelten Gottesdienste und einer sichtbaren
Besserungsanstalt gleich dem israelitischen Volke nach einem Könige, während
sie oft wie Wölfe und Bären bei ihren Abendmählern zu raufen gekommen sind.
[HiG.03_40.08.18,41]
So Ich euch nun gegeben habe Regel, Ordnung und System, was ist es denn, das
euch darinnen nicht zusagt? – Gebrauchet es gerecht, und achtet es, wie ihr es
habt, und wünschet euch es nicht anders; denn wie schon gesagt, am Äußerlichen
ist wenig gelegen, sondern alles an euch, wie ihr es nehmet! So gut es sein
kann und wahr, so schlecht aber kann es auch sein und falsch, wenn ihr es so
gebrauchen wollet oder nicht. Wenn aber unter der Sonne heilsame und giftige
Kräuter wachsen, so denket: Es liegt nicht an der Sonne, so oder so, sondern
allzeit an der jeweiligen innern, entweder guten oder schlechten Beschaffenheit
der Pflanze, ob da Segen oder Gift. – Daher liegt es allezeit an euch, ob gut –
oder schlecht – Amen. Ich euer lieber Vater Amen, Amen, Amen. – – –
Das aber ist der
kürzeste Weg zur Wiedergeburt.
[HiG.03_40.08.18,42]
Zwar steht es mit dem gerechten Menschen in dieser Hinsicht wie mit einem
Baume, dessen Frucht auch nicht auf einmal reif wird, sondern nach und nach;
aber wenn der Frühling lau und heiter war und der Sommer anhaltend warm, mit
kleinen Regen abwechselnd, so saget ihr: Dieses Jahr werden wir eine Frühreife
haben. – Seht, ebenso ist es bei euch, wenn ihr eure Jugend heiter in sanfter
Liebe zu Mir zugebracht habt, dann wird auch der Sommer allbelebend warm
werden, abwechselnd mit Gnadenregen vom Himmel, und ihr könnet versichert sein,
daß der ewige goldene Herbst zur ewigen Reife der unsterblichen Frucht nicht
mehr ferne sein wird. Denn soweit jemand von Mir wiedergeboren sein will,
soweit muß er seine Sünden erkennen und selbe zu seiner Demütigung öffentlich
bekennen, das ist: ernstlich durch die Beichte äußerlich, und innerlich Mir,
und muß Mich bitten um Vergebung, wie es in Meinem Gebete angezeigt ist, und
muß gleich einem Petrus wahre Reue und Trauer und Angst empfinden und weinen
über den so unschätzbaren Verlust Meiner Gnade, und muß sich den
allerernstesten Willensvorsatz machen, ja in alle Ewigkeit nicht mehr sündigen
zu wollen.
[HiG.03_40.08.18,43]
Dann muß er sich ganz fest vornehmen, mit der Welt ganz zu brechen, und sich
ganz Mir übergeben und in seiner Liebe eine große Sehnsucht haben nach Mir –
und muß in dieser großen Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und allen
Geschäften in ihr zurückziehen und wenigstens 7 Viertelstunden lang bei
verschlossenen Türen und Fenstern weder beten noch etwas lesen, sondern er muß
diese Zeit in der völligen Ruhe, bloß nur sich in seinem Innersten mit Mir
beschäftigend, zubringen. – Und allzeit aber, sooft sich jemand in diese Ruhe
begeben hat, soll er folgende kleine anregende Rede halten in seinem Herzen an
Mich im allerfestesten Ernste und sagen:
[HiG.03_40.08.18,44]
Herr! – Hier bin ich. Ich ließ Dich, o liebevollster heiliger Vater, lange
warten, da Du mir schon seit meiner Kindheit unablässig zugerufen hast: Komm zu
Mir, Ich will dich erquicken! – Nun, o Vater, ist die Zeit gekommen, daß sich
mein Ohr geöffnet und mein sonst starrer Wille ganz in den Deinigen ergeben hat
voll Demut und Gehorsam vor Dir, wie auch nach Deinem Willen zu allen meinen
besseren Brüdern. Daher komme Du, mein allerliebster Jesus, zu mir und erquicke
meine kranke Seele mit dem Balsam Deiner unendlichen Liebe; laß mich finden
meine große Unbild in Deinem bitteren Leiden und Sterben; lasse mich sehen die
heiligen fünf Wundmale und erkennen darinnen meine große Missetat! O Jesus, Du
Überwinder des Todes und der Hölle, komme zu mir und lehre mich Deinen Willen
erst recht verstehen; lehre mich erkennen mein völliges Nichts und Dein Alles!
[HiG.03_40.08.18,45]
O Du mein süßester, liebevollster Jesus, Du Herr aller Heerscharen, komme zu
mir Armem, – komme zu mir Schwachem, – komme zu mir Blindem, – komme zu mir
Taubem, – komme zu mir Aussätzigem, – komme zu mir Gichtbrüchigem, – komme zu
mir Lahmem, – komme zu mir Krummem, – komme zu mir Besessenem, – ja o mein,
mein, mein allerliebster Jesus! komme, komme, komme zu mir Totem und laß mich
nur anrühren Dein heilig Kleid, so werde ich leben. – Herr, lasse Dir ja nicht
Zeit, denn ich habe Deiner unendlich nötig; ich kann ja nicht mehr ohne Dich
sein, da Du mir Alles und alles andere aus Liebe zu Dir zunichte geworden ist!
Ohne Dich kann ich nicht mehr leben; daher, o mein liebster Jesus, komme
alsobald zu mir! – Doch wie allezeit, so geschehe auch diesmal Dein heiliger
Wille Amen. –
[HiG.03_40.08.18,46]
Nach dem begebet euch zur Ruhe und wachset in der Sehnsucht und Liebe zu Mir.
So ihr das nur eine kurze Zeit üben werdet, so sage Ich: Ihr werdet bald
blitzen sehen und donnern hören; aber dann erschrecket nicht, und werdet auch
nicht ängstlich; denn nun komme zu jedem Ich erst als Richter unter Sturm,
Blitz und Donner, und hernach erst in sanftem, heiligen Wehen als Vater! –
[HiG.03_40.08.18,47]
Wer da will im wahren Sinne eine sogenannte Generalbeichte verrichten, der wird
vieles vorhaben, weil dazu mehr Demut und Selbstverleugnung erfordert wird. –
Das heißt, sehr wohlgemerkt, es muß dabei ein Totalvorsatz sein, nicht mehr zu
sündigen, und muß das heilige Abendmahl im lebendigen Glauben aus reinster
Liebe zu Mir genommen werden; dann erst werden sich wunderbare Wirkungen
desselben in euch augenblicklich verspüren lassen, welche sich alsobald in
übergroßer, unbegreiflicher Freude und himmlischer Wonne kundgeben werden.
[HiG.03_40.08.18,48]
Seht, das ist der kürzeste und wirksamste Weg zur reinen Wiedergeburt, in
welcher allein das ewige Leben zu gewinnen ist. Jeder andere Weg dauert länger
und ist unsicherer, da es sehr viele Diebeswege gibt, allwo hinter dem
Straßengebüsche arglistige Diebe, Räuber und Mörder lauern; wer da nicht wohl
gepanzert ist und bewaffnet kreuz und quer, der wird hart ans Ziel gelangen. –
Bedenket wohl, wer Der ist, der euch das sagt! –
[HiG.03_40.08.18,49]
Daher meine Ich, statt der weltlichen Ressourcen und Unterhaltungen und sehr
schmutzigen Gesellschaften könntet ihr füglich Meine Ruhe und Sabbat-Ressourcen
wählen und da umsonst ohne Entrée euch mit Mir unterhalten und das andere Entrée
zu etwas Besserem verwenden! –
[HiG.03_40.08.18,50]
Was meint ihr, was da besser wäre und Mir um desto wohlgefälliger? Denn seht,
wie Ich schon zu den Aposteln einst gesagt habe: daß niemand zweien Herren
dienen kann, – daher bedenket wohl, wer daran euch mahnt Amen. – Ich euer
heiliger Vater von Ewigkeit bin es Selbst Amen, amen, amen. – – –
[HiG.03_40.08.18,51]
Und ich Knecht sage Halleluja, Ehre und Preis und Ruhm Gott in der Höhe als dem
Vater, Sohn und Heiligen Geiste Amen. –
(Siehe dazu das
Beiwort vom 20. Aug. 1840, „Himmelsgaben“, Bd. 1 (HiG.01_40.08.20))
Größe der
Schöpfung und der Liebe Gottes. – 5. September 1840.
[HiG.03_40.09.05,01]
Kubischer Inhalt der Erde. Ihr Durchmesser 1720 Meilen; somit ist ihre
Peripherie 5160 Meilen. Ihre Oberfläche wäre demnach das Produkt des
Durchmessers und der Peripherie, somit 8875200 Quadrat-Meilen Oberfläche der
Erde. Zum Kubus erhoben mit dem Durchmesser macht 15265344000 Kubik-Meilen als
ganzer Inhalt der Erde. Macht in Kubik-Klaftern 976''982016'000000000000 /
Kubik-Zolle der Erde 364''''734 279'''587568''000000'000000 / Kubik-Linien
137'''''172733''''875252'''338664''000000'000 000.
[HiG.03_40.09.05,02]
Es sollen genommen werden auf eine Kubiklinie 10 nackte Greiskörner, so macht
das für den Inhalt der ganzen Erde:
1371'''''727338''''752523'''386640''000000'000000
[HiG.03_40.09.05,03]
Es soll aber nun noch ein jedes Greiskorn in eine Million Teilchen zerteilt
werden, welches Teilchen schon so klein wird, daß es nur unter dem schärfsten
Mikroskope noch ganz leise wahrgenommen wird. Sonach besteht die ganze Erde
aus: 1371''''''727338'''''752523''''386640'''000000''000000'000000
[HiG.03_40.09.05,04]
Seht, diese Rechnung habe Ich Meinem Knechte eingegeben, um euch zuerst die
Erde mechanisch in die kleinsten Teile zu zerteilen, ohne welche Zerteilung ihr
unmöglich von der totalen Enthüllung euch irgend eine richtige Vorstellung je
machen könntet.
[HiG.03_40.09.05,05]
Wolltet ihr nun noch die Sonne auf die Weise zerteilt haben, so müßtet ihr noch
die Produkte überall mit 1000000 vervielfachen, das heißt, ihr hättet da nur
überall 6 Nullen anzuhängen, und es wird euch der ganze Inhalt derselben
bekannt sein, insoweit es euch not tut; denn es kommt da nicht auf eine
sogenannte mathematische Genauigkeit an, welche nur Mir allein bekannt ist,
sondern nur auf die größtmögliche Annäherung.
[HiG.03_40.09.05,06]
Daraus könnt ihr dann euch eine ganz gute Anschauung verschaffen, für wie
vieles Ich zu sorgen und aus Liebe beständig zu wachen habe; denn es hängt da
die weise Erhaltung des Kleinsten, wie dadurch des Größten, von der mächtigen
Ordnung ab – und da hängt die Erhaltung des Ganzen von der Erhaltung auch nur
eines einzigen Atomes ab. Ja, Ich sage euch, so jemand imstande wäre, zu
vernichten auch nur eine Monade, die ganze sichtbare Schöpfung würde bald
zunichte werden. Jedoch ist das nur Gott möglich, so Er die Liebe nicht hätte,
– aber im Vollbesitze dieser will und kann daher auch nicht handeln Ich gegen
Meine Liebe, welche Liebe Meine eigentlichste göttliche Ordnung ist, außer und
ohne welche nie etwas hätte erschaffen werden können und auch nur den
trillionsten Teil einer Sekunde lang bestehen.
[HiG.03_40.09.05,07]
Seht, daher gab Ich euch nun diese Rechnung und zeigte euch die große Zahl
einer Milliarde, – und Ich sage euch, in eine Sonnenhülsenglobe sind wirklich
eine Milliarde Sonnen geschoben (siehe ‚Der Engel‘). – Nun denket ein wenig nach
über das weite Revier des Todes! – Denket euch aber noch hinzu, daß erstens von
einer Globe bis zur andern eine Milliarde Globen Platz hätten, und denket euch
ferner, daß eine Milliarde Milliarden solcher Globen erst Eins ausmachen, und
daß ferner Meine Zahlen der Schöpfung fortwachsen, und daß die ganze
Unendlichkeit so gearteter Schöpfungszahlen in Meiner Hand gleich einem
Tautropfen ruht, und daß es solcher Tropfen wieder zahllose gibt, – so wird
euch einleuchten, wie groß Ich, wie groß Meine Sorge und wie groß erst Meine
Liebe sein muß, die dieses alles wie einen Punkt erhält und Leben haucht über
alles nach Bedarf des Seins! –
[HiG.03_40.09.05,08]
Seht, Ich bin ein gar großer Vater, der sehr vieles hat, und Meine lieben
Kinder sollen dereinst über ein Kleines nicht zu kurz kommen! – Wohlgemerkt! –
die Mich lieben – denn Mein Haus hat viele Wohnungen Amen. Das sage Ich, der
große heilige Vater amen amen amen.
Die Größe des
Menschenherzens. Gefühl und Verstand. – 16. Oktober 1840.
[HiG.03_40.10.16,00]
Ein kurzes Beiwort zur Darstellung des Südpols.
[HiG.03_40.10.16,01]
Sehet, klein zwar ist das Herz des Menschen, aber desto größer der Horizont
seiner Gefühle, so jemand ist in der Kraft des Glaubens aus der reinen Liebe zu
Mir. Ich sage euch, es ist kein Ding so verborgen, daß es nicht von den
Strahlen des reinen Gefühls erreicht werden möchte; und haben dann die reinen
Strahlen des Gefühls irgend etwas erfaßt, so fraget euch selbst, ob es noch
möglich wäre, die Sache anders zu erfassen, als sie an und für sich wirklich
ist und besteht.
[HiG.03_40.10.16,02]
Ganz anders verhält es sich freilich mit den Verstandesmenschen. Diese haschen
mit dieser kurzen Hand (des Verstandes) nach allen Dingen, gleichwie unmündige
Kinder nach dem Monde und anderen sehr ferne gestellten Sachen. Diese Menschen
ziehen dann ihr Gefühl in ihren engen Verstand und lassen es dann in diesem
hochmütig herumtappen gleich einem Blinden, der sich niedergesetzt hat auf
einen mit Hieroglyphen übermeißelten Steinblock und auf demselben herumgreift,
ohne daß ihm auch nur eine leise Ahnung zulispeln möchte, daß das lauter
Hieroglyphen sind, und noch weniger, daß diese Schrift eine geheimnisvolle
entsprechende Sprache ist aus den hellen Strahlen des reinen Gefühls.
[HiG.03_40.10.16,03]
Sehet, so verhält es sich auch mit diesen Meinen euch gegebenen Mitteilungen
und Offenbarungen Meiner Gnade. So ihr sie mit den Strahlen eures Gefühls
prüfen und beleuchten werdet, so wird euch deren Wahrheit alsobald einleuchtend
werden, und ihr werdet euch alsobald finden, als wenn die Sache euch wie lange
bekannt gewesen wäre. Mit dem Verstande aber besehen, wird es euch immer mehr
und mehr zu befremden anfangen; denn wie gesagt, der Verstand hat nur sehr
kurze Arme, welche noch dazu sehr schwach sind, und vermögen daher große Dinge,
so sie ihnen auch sehr nahe wären, nicht zu erreichen, noch weniger aber ferne
Sachen zu erreichen, sie dann an sich zu ziehen – und dann gar Sonnen in ihr
enges Schneckenhaus zur blinden Betastung ihres genotzüchtigten Gefühls zu
schieben.
[HiG.03_40.10.16,04]
Sehet, das geht durchaus nicht. Und da der Verstand aber mit der Zeit doch
gewahr werden muß, daß solches unmöglich ist, da wird er zornig, läßt alles
stehen, räumt alles unnötige Zeug aus seinem Schneckenhause und genügt sich in
seinen eigenen Abstraktionen, verabschiedet endlich sogar das genotzüchtigte
Gefühl und wird kälter denn der Nordpol selbst und fängt an, sich selbst in
seiner allerhöchsten Dummheit als einen Gott anzustaunen, wo nicht gar selbst
anzubeten, da er es endlich so weit gebracht hat, daß er zu wissen anfängt, daß
er nichts weiß, und in diesem Nichtwissen doch alles zu wissen wähnt. Das ist
denn hernach der größte Triumph, ja ein Triumph, für welchen das harmloseste
Kind keinen Heller gäbe – und jedem noch so geringen Engel davor ekelt.
[HiG.03_40.10.16,05]
Daher sollet auch ihr euren Verstand unter den Gehorsam des reinen Gefühles im
lebendigen Glauben aus der Liebe zu Mir vollends gefangennehmen, so werdet ihr
alle Dinge schauen, wie sie sind; und dann erst werdet ihr klar und deutlich
einzusehen anfangen, wo die ewige Sonne der Wahrheit und Wirklichkeit leuchtet.
[HiG.03_40.10.16,06]
Dieses Wenige sei euch gesagt, damit ihr in der Zukunft merken sollet, mit
welchem Maßstabe Meine Offenbarungen zu bemessen sind Amen. Das sage Ich, der
große Meister in allen Dingen, Amen, Amen, Amen.
Das Streben der
Liebe nach Vereinigung. Bewahrung der Individualität. – 17. Oktober 1840,
nachmittags.
[HiG.03_40.10.17,01]
So schreibe noch ein Beiwort, und dieses Beiwort erhelle noch so manchen
dunklen Winkel des Südpols. –
[HiG.03_40.10.17,02]
Was die anziehenden Kräfte anbelangt, so entsprechen diese der Liebe, die stets
hungert nach friedlicher Vereinigung, und was sie einmal ergriffen hat, nicht
mehr ausläßt, sondern ihren ergriffenen Gegenstand so lange von allen harten
Teilen reinigt, daß sogar das kleinste Stäubchen Sandes hinaus muß vom
lieberfaßten Gegenstande, damit der Gegenstand werde weich durch und durch –
wie die Liebe selbst, um dadurch der möglichst innigsten Vereinigung fähig zu
sein.
[HiG.03_40.10.17,03]
Daß sich dieses aber so verhält, könnet ihr ja sehr leicht daraus ersehen, so
ihr beachtet ein liebendes Paar, welches sich gegenseitig erfaßt und sich so
lange und enge aneinander preßt und drückt, wie es nur immer möglich ist. Und
bestünde nicht zwischen beiden die feindliche abstoßende Materie, wie Haut,
Fleisch und Knochen, so würden sich die zwei Liebenden bis zu einem Punkte
vereinen; und wenn dann erst Liebende sich geistig vollends glichen, so würde die
Einswerdung noch nach einer größeren Intimität streben.
[HiG.03_40.10.17,04]
Sehet, daher sind von Mir aus stets weise Schranken gesetzt in allem und jedem,
damit trotz aller Liebe demungeachtet nie eine Individualität die andere zu
sehr verschlinge. Und diese Maßregeln als Schranken sind die abstoßenden Kräfte
in allem und jedem. Daher geschieht es selbst bei den Engeln im demutvollsten
allerhöchsten Unschuldshimmel, daß ihrer großen Liebe Zustandswechsel
zugelassen werden zur stetigen Verwahrung ihrer Individualität; sie haben eine
ähnliche Bewandtnis geistig wie die Abspannung und Mattwerdung des Fleisches
nach einem Zeugungsakte. Und wäre dieses alles nicht so von Mir eingerichtet,
und das alles zwar aus Meiner ewigen Ordnung heraus, so würde endlich alles
Fleisch und aller Geist zugrunde gehen. Denn die Liebe für sich hätte kein Ziel
und kein Maß, und möge sie schon wie immer geartet sein, welches alles euch
erst bei den späteren Enthüllungen der Geisterwelt, des Himmels und der Hölle
klar und vollkommen deutlich gezeigt werden wird, und zwar wenn alle schon
tiefer werden in sich gedrungen sein, das heißt: bis ins Zentrum ihres Lebens
aus Mir. –
[HiG.03_40.10.17,05]
Nun sehet, genauso verhält es sich zwischen den Erden und der Sonne, welche
Weltkörper nur dem Auge des Fleisches als solche erscheinen. Doch wer sie da
beschauen könnte mit den Augen des Geistes, der würde alsobald statt der
Weltkörper entsprechende Geister in den verschiedensten Liebe-Abstufungen
erschauen – in jedem Tropfen Wassers, der Luft, des Äthers; ja in einem
Sandkörnchen würde er ganze Vereine von gleichliebenden und dadurch
gleichgesinnten Geistern entdecken. Ja er würde endlich gewahr werden, daß er
selber ganz angestopft und umlagert von lauter Geistern ist, die mit ihm liebeverwandt
sind, und würde auch in der Sonne erdverwandte Geister, und so auch umgekehrt,
erblicken.
[HiG.03_40.10.17,06]
Seht, darauf gründet sich eigentlich alle Anziehung und Bewegung, und so auch
alle Abstoßungs-, Trieb- oder Wurfkraft. So ziehen sich denn entgegengesetzte
Pole an, weil die Liebe nur das ihr Gegenüberstehende ergreifen kann und zieht
es an sich der schönen Ähnlichkeit wegen: der Ähnlichkeit wegen deshalb, weil
die Liebe sich im Gegenstande erblickt, und schön deshalb, weil jeder
Gegenstand in seiner Absolutheit eine gewisse Rundung annimmt, durch welche er
seinem Primitivwesen angenehm wird, da dieses die Leere empfindet, da sich ein
Teil seiner Liebe absolut gemacht hat. Und wie das Primitivwesen empfindet
seine Leere, so eben auch empfindet das absolute Wesen sein selbstiges
unbeständiges Alleiniges und hat nicht eher Ruhe, als bis es sich wieder
vereinigt hat mit der Primität. Werden dann aber gegen solche Vereinungen
gewisse Schranken gezogen, so entstehen daraus polarische wie auch geschlechtliche
Unterschiede, die doch beständig das Einungsbedürfnis empfinden und sich
immerwährend nachstreben.
[HiG.03_40.10.17,07]
Und wie es sich also verhält mit der Liebe, so verhält es sich mit dem
Gegensatze, da das Selbst sich abstoßt und verabscheut, da es ein abstraktes
Gleiches ist und sich daher so wenig einen kann wie ein gleiches Faß mit dem
andern.
[HiG.03_40.10.17,08]
Sehet, dieses Wenige und Viele sei euch wieder ein kleines Flämmchen; nehmet es
auf in euer Herz, damit es euch erhellen möchte noch so manche dunkle Stellen
des Südpols der Erde, ganz besonders aber des fleischlichen Südpols eurer Liebe
Amen. Ich, die ewige Liebe und Weisheit Amen, Amen, Amen, der da heißet Jesus
Jehova amen.
Anfrage wegen
des „siebenten Jüngers“. – 24. November 1840. Nachmittag.
[HiG.03_40.11.24]
Wie haben wir uns gegen den vermeintlichen „siebenten Jünger“ zu benehmen, da
er Deine ihm von uns vorgehaltene Ermahnung für eitles Menschenmachwerk hält
und der falschen Meinung ist, wir wollten seiner los werden, da es nur unser
aufrichtiger Wunsch ist, ihn näher an uns zu ziehen und für Dein heiliges Reich
mit Deiner kräftigen Beihilfe zu gewinnen? –
[HiG.03_40.11.24,01]
Was den sehr Schwachen betrifft, so seid alle ganz unbesorgt; dieser sehr
Schwache wird sich in euch mit der Zeit schon wiederfinden. So aber der Wille
schwach ist, so ist er schwach in allem; wenn er aber nur willig ist in seiner
Schwäche, da werde Ich ihn ja wohl mit der Zeit stark machen! – Nehmet auf euch
den sehr Schwachen und machet ihn fest durch eure Liebe; dann werde schon Ich
kommen und stark machen, was schwach ist.
[HiG.03_40.11.24,02]
Liebet, vertrauet und glaubet fest, denn darin liegt das große Geheimnis alles
Gelingens für euch. Mehr braucht ihr für diesmal nicht, sondern alles zu seiner
Zeit und nichts vor derselben. Amen, das sage Ich der allein Heilige Amen Amen
Amen. – – –
Anfrage wegen
des sehr Schwachen. – 2. Dezember 1840. Nachmittag.
[HiG.03_40.12.02]
Herr! Bester, heiligster Vater! Was soll da mit dem sehr Schwachen werden, der
da nicht anerkennen will Deiner ewigen Liebe süße Mahnung und suchet
Rechtfertigung vor der Welt und fängt an, ein Verräter zu werden Deiner
geheimen inneren Gnade, die doch nach Deinem Willen bis zur Zeit Deines
Gefallens möchte verborgen gehalten werden? Wir alle bitten Dich in unserer
demutvollen Wissenschaft über unsere große Schwäche und Unlauterkeit unseres
Herzens, daß Du uns anzeigen möchtest, was da ferner geschehen solle, damit
Dein heiliger Name nicht möchte entheiliget werden vor den Menschen, die da
leben der Welt und nicht dem Geiste. – O Vater, erhöre gnädigst unsere Bitte
Amen! –
[HiG.03_40.12.02,01]
So schreibe! Sehet, das sind die Folgen, wenn nicht genau nach Meiner
Vorschrift gehandelt wird. Warum tatet ihr nicht, wie es angeordnet war? Daher
sollet ihr bei allem, was ihr tut, allzeit darauf sehen, was es für Folgen
haben könnte, so ihr nur im geringsten abweichet, nach dem zu handeln, wie Ich
es euch doch allzeit genau gebe! – Ihr wisset ja, daß Ich nur raten und
erleuchten kann und mag, aber niemals einen freien Menschen zu etwas nötigen;
sondern da geschehe, so er es annehmen will!
[HiG.03_40.12.02,02]
Was aber habt ihr mit dem zu tun, den Ich nicht kenne? Für den habe Ich nichts
gegeben. Habe Ich jemandes Namen berührt? Sehet, wie hätte Ich es für den gegeben?
– Hättet ihr aber gehandelt nach der Vorschrift, so hättet ihr wohl erfahren,
wer darunter zu verstehen ist; denn Ich wäre da alsobald in jedem von euch
aufgetreten und hätte euch wohl gezeigt den sehr Schwachen, und ihr hättet ihn
auch alsogleich wohl erkannt. Und wäre der auch, den ihr vermeintet, zugegen
gewesen, so hätte er sich nicht einmal gewagt, ein solches Heiligtum auf sich
zu beziehen; und hätte er sich auch hie und da getroffen gefühlt, so hätte es
dann gedient zu seiner Besserung, und er wäre binnen kurzer Zeit gewonnen
gewesen. Allein so ist es, wenn jemand nicht genau befolgt Meinen Rat und Meine
Ordnung. Es geht dann alles unter, und es wird der gute Same am Wege zertreten,
daß er keine Frucht bringe!
[HiG.03_40.12.02,03]
Jetzt fragt ihr freilich, was da zu tun? Ich sagte ja letzthin: Liebe, Sanftmut
und Geduld wird alles wieder gutmachen; und was Ich euch damals sagte, das sage
Ich euch auch heute, nur mit dem Beisatze, daß der vermeintliche sehr Schwache
nicht ist der, den ihr meintet, noch seid es ihr, – sondern Ich Selbst bin es
in euch und nehme unter diesem Bilde alle eure Mängel auf Mich, um sie für euch
zu tragen, zu leiden und zu sterben und zu töten dadurch eure Schuld in Mir, –
dann wieder, den Tod besiegend, in euch zu erstehen als Überwinder des Todes
und der Hölle, welche Auferstehung im Menschen die eigentliche Wiedergeburt
ist. Ich Selbst aber wäre dadurch der siebente Jünger durch die Wiedergeburt
unter euch geworden, das heißt, in der großen Verständlichkeit eures Herzens.
Denn seht, das Bild ist euch darum also gegeben, als enthielte es förmlich die
Lebensgeschichte eines euch bekannten Menschen, wenn auch der Tat nach nicht
gänzlich, wohl aber dessen Gemütszustande gemäß, was auch bei euch jedem selbst
am meisten zu beachten ist, das heißt, bei jedem für sich selbst.
[HiG.03_40.12.02,04]
Daß aber dieses also gegeben ist, hat, wohlgemerkt, den Grund: Ihr wißt, daß
all das Böse und Falsche herrührt von den im Menschen wohnenden argen Geistern,
die sämtlich danach streben, den Willen des Menschen für sich zu gewinnen, um
sich mittels desselben auch endlich seiner Liebe zu bemächtigen, – wodurch dann
der Mensch selbst ein Eigentum der Hölle würde und auch sehr häufig wird, wenn
er nicht sorgsam acht gibt auf sein mahnendes Gewissen, welches dadurch im
Menschen entsteht, daß Ich alsobald nach der Tat das Herz zuschnüre – und somit
die Liebe oder das Leben im Menschen verwahre, daß es die argen Geister nicht
an sich reißen können. Daher und darum dann auch die Unlust nach der Tat und
die Reue als ein im Herzen geschrieben gefundenes Wort aus Meiner Liebe, die
solches bewirkt hat im Menschen.
[HiG.03_40.12.02,05]
Wenn nun aber jemand sich wohl zu kehren nach Meinem Worte äußerlich und
innerlich hat angefangen, so werden diese Geister tückisch und still im
Menschen und warten nur eine günstige Gelegenheit ab, allwo sie sich vereint
wie in einem Aufruhr dann erheben würden, so sie merkten, daß Ich da käme
offenbar zum Menschen. Daher lenke Ich des schadenfrohen argen Gesindels Aufmerksamkeit
durch eine äußere entsprechende Gleichnisgabe, worin sich aber heimlich bei
sich jeder im Herzen wohl erkennen kann – und kann sich dann beschauen und sich
reinigen durch solche besondere Gnadengabe. Ich aber komme dann selbst – wenn
das Gesindel nach außen wohl fröhlich merkt, aber nach innen schläft – von
innen ganz geheim als ein barer Dieb, und da weiß niemand, von wannen Ich
gekommen bin und wo Ich hin will. Und nun sehet, da hat das Gesindel es mit Mir
zu tun, damit euch der zu große Kampf erspart würde, in dem ihr allzeit
unterliegen würdet, so Ich solches auf diese kluge Art nicht auf Mich nehmen
würde und euch erlösete von solcher Not. –
[HiG.03_40.12.02,06]
Daß Ich da heiße der „Sehr Schwache“, kommt daher, daß Ich da klug sein muß und
darf nicht auftreten als ein starker Held, sondern muß auftreten in der Kraft
eurer Liebe, damit dann das Gesindel über Mich herfällt und mit Mir tut, was
dereinst die Juden, Pharisäer, Schriftgelehrten und Hohenpriester taten. Ich
lasse dann auch mit Mir machen, was damals zu Jerusalem geschah, welcher
Zustand des Menschen dann auch der betrübendste ist. Aber hat dann der Mensch
sich während dieser Zeit treu und tapfer gehalten in seiner Liebe, so erstehe
Ich alsobald in großer Kraft und Herrlichkeit im Menschen, mache Wohnung bei
ihm, und so ist er dann durch diese Meine Auferstehung in ihm selbst im Geiste
auferstanden mit Mir, nimmt sich selbst ein in und durch diese Meine
Auferstehung. Und da dadurch alle seine Feinde besiegt, getötet und aus ihm
geschafft sind, so ist er dann auch vollends wiedergeboren und lebendig durch
und durch, da er das Leben alles Lebens in sich trägt. Aber freilich geht das
oft leider nicht auf einmal, sondern Ich schleiche Mich gar oft als Dieb in
euch, – aber ihr könnet nicht eine kurze Zeit wachen in eurer Liebe dann mit
Mir, und es zeigt sich da allzeit noch, daß euer Geist zwar willig, aber das
Fleisch schwach ist. Darum sollet ihr dann beten, um in der Versuchung zu
bestehen, und sich nicht zerstreuen mehr, wenn der Hirt geschlagen wird, und
nicht verleugnen den Meister gleich dem Petrus, sondern gleich dem Johannes Mir
vorsichtig bis zum Kreuze folgen und dann führen das anbefohlene Weib als die
stark hergenommene Liebe in Gewahrsam – und erwarten daselbst Meine baldige Auferstehung!
–
[HiG.03_40.12.02,07]
Sehet, nun wisset ihr alles, wie sich die Sachen verhalten. Was aber ferner
sonderheitlich das Bild aussagt, will Ich euch nächstens durch den Knecht von
Punkt zu Punkt in die Feder sagen, worüber ihr euch alle hoch erstaunen werdet.
Was aber den bewußten sehr albernen und höchst unklugen Menschen betrifft, so
habet fürs erste Geduld und Nachsicht mit seiner Narrheit, denn er ist blöden
Geistes, und saget ihm, daß ihn davon auch nicht ein Sonnenstäubchen zu eigen
angeht. Laßt ihn zu euch kommen und saget ihm, wie sich die Sachen verhalten
und daß nur ihr in eurer Meinung euch wieder einmal geirrt habt, und er somit
dadurch nicht im allergeringsten beteiliget wird. Saget ihm aber auch, daß
derjenige, der sich eher entschuldigt, als er noch bestimmt weiß, daß er der
Angeklagte ist, sich nicht selten dem Gerichte preisgibt! – Beherziget alles
dieses nun vorderhand, und machet euch bald ans Werk; alles andere wird dann
folgen. Höret und seid sanft und klug Amen. Das sage Ich der Siebente Amen Amen
Amen. –
Meinen, Meinung.
– 5. Dezember 1840, abends.
[HiG.03_40.12.05,01]
Ihr meinet öfter, und der Meinung seid ihr oft, daß Meinen so ein halbes
Glauben sei. Ihr irrt euch aber allzeit, so ihr da die Meinung zur Idee und als
ein Dafürhalten achtet. Denket, wie unrichtig müßt ihr manchen Sinn erfassen,
und wie sinnlos manchen Satz verfassen, so ihr denket: Meinen sei soviel, als
ohne Prüfung irgendein verworrnes Urteil von sich geben – oder so die äußeren
Umstände nur Wahrscheinliches verbürgen, seht, so denket ihr in eurer
unbegriffnen Meinung, nah der Wahrheit auf der Spur zu sein.
[HiG.03_40.12.05,02]
Doch höret, dieser Meinung bin Ich durchaus nicht! Ja, denket nur ein wenig
nach und leitet dieses Wörtlein richtig ab, so werdet ihr leicht doch finden,
wo und wie die kleine Zungenpflanze ist gewachsen. Kann sie je vom Glauben
hergekommen sein als halbgereifte Frucht? O ja, vom Menschenglauben wär's wohl
möglich, die da glauben, was dem Eigensinne schmeichelt und in eigener Idee die
Wahrheit wähnen oder sie am Ende dafür halten, als wenn Wahrheit dann nur
Wahrheit wäre, so auf eignem Grund und Boden sie gewachsen ist. Doch solchen
Glauben, solche Wahrheit kann das reine Herz nicht brauchen; sondern redlich
nehmen gute Gaben, gute Sagen, und dann wieder redlich geben echte Früchte,
echte Liebe, echte Wahrheit. –
[HiG.03_40.12.05,03]
Sehet, meinen aber kommt her von mein, und so ihr sagt: Ich meine, saget ihr
soviel, als wenn ihr sagen möchtet: Sehet, das ist mein Urteil, wie auch: Ich
denke das aus mir ohn' alle Rücksicht auf das Urteil eines zweiten, dritten,
vierten; sondern wie ich's hab' zuerst in mir empfunden, geb' ich es als rein
nur selbst erzeugte Ware wortgetreu von mir. Und sehet, so ihr sagen möchtet:
Höre Freund, was meinst denn du? – so habt ihr recht gefragt, wenn ihr da sagen
wolltet: Freund! was gehen dich die Urteile an, die da auf meinem Grunde sind
gewachsen? Doch so ihr saget oder wollet sagen: Freund! laß hören das Urteil,
so da gewachsen ist auf deinem Grunde – hört! – da redet baren Unsinn ihr, denn
wie soll denn ein zweiter meinen können oder aussprechen ein Urteil des ersten,
ohne es gehört zu haben als ein eignes, ohne daß es je gewachsen wäre auf
eignem Grund und Boden!
[HiG.03_40.12.05,04]
Nun, so sehet hier die deutsche Sprache, wie sie sich verbessert hat seit alter
Zeit und Sitte, da ihr wohl aus Eigenliebe noch geblieben ist das Meinen; doch
das Zeitwort deinen, seinen, das gebräuchlich war in einter Zahl, ist lange,
lange schon aus allem Kurs gekommen. Und so da denn jemand recht wollt' fügen
dieses Wort, müßt' sagen er: Ich meine, du deinst, er seint, wie auch: er
seinet. Und wie es da gibt eine Meinung dann, so soll's auch geben eine
Deinung, wie auch eine Seinung. Und obschon da jeder hat für sich die Meinung,
aber wenn er sagen soll des zweiten oder dritten Urteil – hört! – da soll er
reden von der Deinung oder Seinung, aber nicht von einer Meinung eines zweiten,
dritten oder wohl gar vierten und so weiter. Ebenso ist's auch gefehlt, so da
jemand saget: meine Meinung, da die Meinung ja schon ohnehin die
Eigentümlichkeit des Redners zur Genüge kündet – nun, wozu hernach das meine?
Unsinnvoller ist hernach die Rede erst, so jemand sagt: Deine oder seine
Meinung! Höret, solche Sprachalbernheiten gäb' es eine große Menge noch auf
eurer Zunge, ja da wäre noch gar viel zu richten und zu ebnen; aber da der
Unsinn gang und gäbe ist geworden bei den Menschen und geworden ist zur harten
Kruste um den Stamm der Völker schon seit Babels Zeiten, so wird's hart sein
gegen solche alte Narr- und Bosheit streiten!
[HiG.03_40.12.05,05]
Sprechet also wie ihr sprechet nach gewohnter Sitte, aber allzeit doch
verstehet, was ihr redet oder was von Mir zu euch geredet wird im stillen. Und
da vom Sprachirrtum allhier geredet wird, so füg' Ich schließlich noch hinzu,
daß unter allen Sprachen die französische die dümmste ist und ist die slawische
und ungarische ganz unvergleichlich besser. Denn wo eine Sprache anders wird
geschrieben und ganz anders dann gesprochen und hat doch kaum einen Laut, der
da auf eignem Grund und Boden wär' gewachsen, sehet, solche Sprachen sind meist
voll von Trug und Lügen, wie die Menschen, deren Zungen sich danach bewegen.
Solche Sprachen gleichen jenen finstren Heiden, die die Götter schnöd besiegter
Völker aufgenommen haben ins Kollegium des eignen unsinnvollsten Götterheeres
unter mehr und bald auch weniger Veränderung der Namen, ohne zu bedenken, was
der Name gründlich mochte sagen.
[HiG.03_40.12.05,06]
Sehet, und doch gibt es heutzutage Tausende und Tausende von noch viel größren
Narren unter Meinem deutschen Volke, die da ihre eigne Muttersprache rein aus
vaner Eitelkeit und Prahlerei verschlechten und verscheißen, um den andren
Narren glaubhaft gar zu machen, daß sie auch Franzosen oder gar Engländer oder Türken
seien. Hört, mit welchen Namen soll Ich solche Narren taufen?
[HiG.03_40.12.05,07]
Ja, Ich sage, o Unendlichkeit, du großes Wort, wohl würdig groß genannt zu
werden aus dem Munde Dessen, der dich ewig schuf; doch trägst du sicher nicht
in deinen ew'gen Räumen irgend eine Tafel, da geschrieben stünde solcher Narren
nimmer aussprechbarer Name, die da statt der Herzenssprache lernen reden eine
Sprache, deren sich nach Meinem Sinn der dümmste Esel schämen möchte. Doch
mein' Ich hier nicht jene, die darinnen sind geboren, oder solche, die zum
Dolmetsch sind erkoren, sondern jene nur, ihr kennt sie schon, Ich will zum
zweiten Male nimmer solcher Narren mehr erwähnen, wo ein Deutscher will zum
Deutschen gar französisch, englisch oder türkisch reden.
[HiG.03_40.12.05,08]
Dieses merkt euch alle wohl, daß Ich nur eine Sprache spreche und nur diese
eine Sprache wohl verstehe! Diese ist die Sprache eines reinen, liebevollen
Herzens, welche ist die Sprache aller Himmel, so wie aller Engel. Möchte sie
auch bald die eure werden Amen; ja, das sage Ich, der beste Meister aller
Sprachen, Amen Amen Amen. –
Der ‚Sehr
Schwache‘. (Der siebente Jünger). – 6. Dezember 1840, Vormittag von 1/2 10 bis
3/4 12 Uhr.
[HiG.03_40.12.06]
Schreibende: C. L., S., And. u. Ans. H.
[HiG.03_40.12.06]
Heute offenbarte der Herr Nachstehendes durch den Mund Seines Knechtes, nachdem
früher das Nebenwort „An den sehr Schwachen“ gelesen wurde:
[HiG.03_40.12.06,01]
Ihr werdet alle doch wohl verstehen, daß nicht Ich als das allerhöchste Wesen,
als Gott von Ewigkeit und als Vater aller Menschen, Geister und Engel solche
Dinge, wie die eben erwähnten es sind, in der Wirklichkeit selber begehe, um
Mir hernach in eurem Angesichte gleich einem Doppelgänger solche Vorwürfe zu
machen und Mich gewisserart Selbst zu ermahnen, Mich in allem diesem zu
bessern, das Ich doch niemals begangen habe. So ihr über dieses wenig Gesagte
nachdenket, – wird euch nicht von selbst die fast undenkliche Frage sich
aufwerfen: Ja, kann denn Gott auch sündigen, da Er doch Gott ist, wie in Seinem
Heiligtume so auch in Seiner Weisheit und ebenso in Seiner Liebe? Woher demnach
eine solche Beschuldigung gegen Sich Selbst? Allein, saget ihr nicht selbst,
daß Meine Wege unergründlich und Mein Rat unerforschlich ist? Ja, seht, so ist
es auch! Es hat von der ganzen Ewigkeit her noch nie jemand Meinem Rate
beigewohnt, und keines Engels Auge wird je schauen die geheimen Wege Meiner
Weisheit und Meiner Liebe.
[HiG.03_40.12.06,02]
Damit ihr aber diesen siebenten Jünger wohl begreifen möget, so will Ich auf
einen kurzen Augenblick eure Gefühle zurückführen in die große Zeit der
Menschwerdung Meiner Liebe. Und wie von dort aus alles Licht und alle Hilfe in
die Welt gekommen ist, so soll auch eben dieses Licht euch wohl erleuchten das
Inwendige einer kleinen Haselnuß, die Ich, euer Vater, in diesem siebenten
Jünger oder in dem Sehr Schwachen euren Zähnen zum Aufknacken unterschoben
habe.
[HiG.03_40.12.06,03]
So fraget auch da Meine Liebe: Du reinstes Wesen Gottes, das nie auch nur des
allergeringsten fehlerhaften Gedankens fähig ist, wie ist es und wie war es
möglich, Dich vom Vater zu trennen, um Dich mit allen Sünden und mit aller ihrer
Scheußlichkeit auf der Welt zu beladen, um Deinem Vater oder der Heiligkeit
Gottes zu erscheinen in einem ärgeren Lichte als derjenige selbst, durch den
alle Bosheit in die Welt gekommen ist? – Wie konntest Du zum Mörder aller
Mörder werden? Wie konntest Du zum Ehebrecher aller Ehebrecher werden? Wie
konntest Du zum Lügner aller Lügner werden? Ja, wie konntest Du zum größten
Verächter der Heiligkeit Gottes werden? Ja, wie konntest Du alle großen und
kleinen Sünden auf Dich nehmen vom Anfange der Welt und bis ans Ende derselben,
da Du doch die Liebe Gottes Selbst warst, und der Vater in Dir, wie Du im
Vater, und der Gott in Dir, wie Du in Gott? Und wie konnte die Gottheit vor
aller Welt aus den Himmeln bei Deiner Taufe im Jordan zu Dir sagen: Das ist
Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!? –
[HiG.03_40.12.06,04]
Sehet, ihr könnt da denken, wie ihr wollt, so werdet ihr nichts Verständliches
herausbringen. Und wird euch nicht, je tiefer ihr die Sache verfolgt, auch um
desto rätselhafter werden, so ihr das recht ans Licht ziehet und so recht tief
in euch denket, wie es möglich ist, daß gerade das allerreinste Wesen Gottes,
ja das Leben in Gott Selbst, welches ist das Leben alles Lebens und das Licht
alles Lichtes, sich wohl so arg beladen mochte mit dem Tode alles Todes und mit
der Finsternis aller Finsternis? –
[HiG.03_40.12.06,05]
Sehet, wenn ihr das begreifen könnet, so wird euch diese kleine gebotene
Haselnuß so leicht verständlich vorkommen, als wäre sie ganz enthüllt vor euer Herz
gelegt worden. Allein, das ist der große Schritt, den ein jeder in seinem
Herzen zu machen hat und helfe, der ewigen Liebe das Kreuz tragen, damit er
dereinst Teil haben möchte an dem großen Werke der bis jetzt noch immer
unbegriffenen Erlösung, der Überwindung des Todes und der Auferstehung. Darum
habet acht und begreifet zuerst dieses große Geheimnis, und ihr werdet darinnen
jede einzelne Pore des Sehr Schwachen hell erleuchtet erblicken. –
[HiG.03_40.12.06,06]
Daß die Welt von Anbeginn in allerlei Argem war, wißt ihr; – und durch wen und
wie sie in solches gekommen ist, wißt ihr auch. Aber wie die Welt in ihrem
Argen hätte bestehen können vor Gott, das ist eine andere Frage. Sehet, die
Welt war also tot in ihrer Bosheit und konnte sich somit unmöglich mehr selbst
richten nach der unantastbaren Heiligkeit Gottes. Sie mußte daher beständig aus
der Barmliebe Gottes gerichtet werden, damit sie bestehen mochte als das
wenigstens, was sie war; aber saget ihr selbst, wie ist ein gerichtetes Ding,
ist es tot oder lebendig? –
[HiG.03_40.12.06,07]
Da kann Ich euch nichts anderes sagen, als euch mit einer Frage behilflich
entgegenkommen: Ist ein Automat tot oder lebendig? Eure Antwort kann unmöglich
anders ausfallen, als daß ihr saget: Ein Automat ist tot, und seine Bewegung
ist nichts als eine künstliche Richtung des Mechanikers. Und sehet, gerade so
verhielt es sich auch mit der argen Welt vor der Erlösung. Sie war bloß ein
durch Meine Barmliebe immer gerichteter Automat. Aber so ihr einen sonst recht
possierlich schönen Automaten vor euch hättet, dem die Kunst des Bildners
sowohl, als die des Mechanikers alles gegeben hätte, daß ihm nichts abginge als
nur das selbständige Leben, um ein Mensch in aller Vollkommenheit zu sein, – ja
würdet ihr da nicht sehnlichst wünschen nicht nur das künstliche Leben diesem
Automaten, sondern ein wirkliches selbständiges Leben? Und wäret ihr fähig, wie
Ich es bin, so würdet ihr euch mit eurem Leben im Geiste selbst hineinziehen in
den Automaten und würdet somit alle seine Mängel und innerlichen Gebrechen
notwendig an euch ziehen und euch gewisserart mit denselben bekleiden.
[HiG.03_40.12.06,08]
Sehet, wie war es denn nun da zu tun, da Ich nur allein das Leben bin und das
Leben habe in und aus Mir, um der beständig zu richtenden Welt ein wahres
freies und nicht bloß mechanisches Leben zu geben?
[HiG.03_40.12.06,09]
Sehet, da mußte die Liebe sich trennen von Gott oder der urewigen heiligen
Kraft, aus der sie ewig geboren ward und die Kraft Gottes ewig aus ihr. Also
dieses ewige Leben aus sich selbst oder aus der urewigen Kraft Gottes mußte
einen Bruch machen mit Gott und mußte sich niedersenken zur toten Welt und
anziehen das Sterbliche derselben, damit das Sterbliche dadurch die
Sterblichkeit verliere und wieder frei lebendig werde in und aus dem Leben aus
Gott, welches ist das Leben alles Lebens, da Gott Selbst ist in diesem Leben
und das Leben selbst in Gott. Und so ist aber das Leben von Gott ausgegangen,
hat sich mit der Sterblichkeit des Fleisches bekleidet, damit dadurch alles Fleisch
möchte frei lebendig werden in sich durch das Leben aus Gott, wie Gott Selbst
lebendig ist von Ewigkeit durch dasselbe ewige Leben der Liebe in Sich. –
[HiG.03_40.12.06,10]
Sehet, das ist nun das große Geheimnis, warum die Liebe Gottes im Menschen sich
selbst gemacht hat zur allerartigen Verbrecherin und Sünderin, damit da nicht
nur ein Fleisch, sondern alles Fleisch mit dem Leben aus Gott durchwirket
werden mochte. Und diese nun so mit aller Schuld überladene Liebe mußte sich
dann im Gegensatze vor der Heiligkeit Gottes vermöge der an sich genommenen
allgemeinen Schuld oder Sterblichkeit eben auch bis auf den alleräußersten
Punkt aller Punkte demütigen und mußte ertragen jeden erdenklichen Vorwurf, um
dadurch sich mit Gott wieder vereinigen zu können, wie auch alles das dem Vater
oder der Heiligkeit Gottes lebendig wieder anheimzustellen, was zwar lebendig
dereinst aus Gott gegangen ist, aber sich tot gemacht hat durch die
eigenwillige und hochmütige Losreißung von Gott – oder von Seiner ewigen Ordnung.
[HiG.03_40.12.06,11]
Sehet, nachdem ihr dieses doch so ziemlich mochtet begriffen haben, so will Ich
euch nun auch ein wenig mit den Vorwürfen bekannt machen, die Mir da
notwendigerweise von der Heiligkeit Gottes gemacht wurden, damit ihr da etwas
erfahret, was die Welt bis zur gegenwärtigen Minute noch nicht erfahren hat. –
[HiG.03_40.12.06,12]
Ihr wißt, daß alles, was da erschaffen wurde in der ganzen Unendlichkeit, laut
des Zeugnisses Meines lieben Johannes durch Mich gemacht und erschaffen wurde.
Nun nehmet aber die böse gewordene Welt, die dadurch von der Heiligkeit Gottes
immer verdammt ward, daß Ich als der Hervorbringer solcher Verdammlichkeit
somit auch von der Heiligkeit Gottes diesen Vorwurf notwendig teilen mußte, da
die Welt und alles, was in ihr ist, nicht durch sich, sondern durch Mich einzig
und allein ins Dasein gerufen wurde. Da also die Welt schnurgerade entgegen war
der Heiligkeit Gottes, wie war hernach das Bestehen der Liebe, die solches
hervorgerufen hatte, das die Heiligkeit Gottes verdammen mußte, anders als ein
selbstverdammliches? – Nun denket euch all die namenlosen Taten der Menschen.
Sehet, aller dieser Taten wegen mußte Ich verdammt sein von der Heiligkeit
Gottes, weil die Taten selbst verdammt waren als Erscheinungen in der Welt, die
aus Mir hervorgegangen ist. Was war da zu tun?
[HiG.03_40.12.06,13]
Sehet, nur zwei Wege standen Mir offen, nämlich der Weg nach oben, und der Weg
nach unten, das heißt: Ich kehre zu Gott zurück, werde Eins mit Ihm und
vernichte durch die Kraft Seiner Heiligkeit alles das, was aus Mir
hervorgegangen ist – oder aber Ich trenne Mich mit allem Vorwurf beladen, mit
der höchsten Verdammlichkeit, von Gott, belebe und heilige da Meine Werke und
tue in Meiner unendlichen Demütigung Genüge der ebenso unendlichen Heiligkeit
Gottes. – Sehet, wenn Ich nicht die ebenso unendliche Liebe selbst wäre, wie
Gott die unendliche Heiligkeit selbst ist, so hätte Ich freilich das erste
getan. Allein Meine Liebe vermochte das Unaussprechliche aussprechlich zu
machen, verleugnete ihre Heiligkeit und machte sich unheilig, da sie sich
belastete mit aller Schuld, und somit auch mit des Todes schwerster Bürde.
[HiG.03_40.12.06,14]
Allein, ihr wißt die Begebenheit, als Ich in dem Garten Gethsemani an dem
sogenannten Ölberge zu Gott, von dem Ich Mich der Welt wegen getrennt habe,
betete. Sehet, da erst erwachte vollends die große Blindheit Meiner Liebe und
sah mit dem entsetzlichsten Grauen zwischen Sich und Gott die unendliche Kluft;
allda bereute Ich im Ernste, daß Ich Gott verließ und zum toten Werke Meiner
eitlen Lust Mich gewendet habe, – und damals stand die ganze Schöpfung in der
großen Schwebe zwischen Sein und dem ewigen Nichtmehrsein. Denn entweder trinke
Ich den Kelch, so besteht die Welt und alles, was auf ihr ist – oder Ich setze
den Kelch zur Seite und die Welt und alles unter ihr wird zunichte in dem
Augenblick, da Ich den Kelch zur Seite setze.
[HiG.03_40.12.06,15]
Aber sehet, eben da, wo die Liebe und das Leben in der unendlichen Entfernung
von Gott schwach geworden ist, da erbarmte sich Gott Seiner Liebe selbst,
stärkte Sie und gebot Ihr, den vorgesetzten Kelch zu leeren, und sprach
insgeheim zu Ihr: „Noch sind zwischen Mir und Dir die Extreme der Unendlichkeit
nicht berührt; daher senke Dich hinab in die äußerste Tiefe des Todes, welcher
ist die äußerste Grenze im Gegensatze zu Meiner Heiligkeit, damit Ich Dich da
wieder erfassen kann, da der ewige Kreis Meiner Heiligkeit sich schließt.“ –
Sehet, so ging Ich dann geduldig diesem Ziele entgegen, allwo Ich in dieser unendlichen
Entfernung von Gott am Kreuze ausrief: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du
Mich verlassen?“ – und ferner: „Es ist vollbracht!“ und „In Deine Hände
empfehle Ich Meine Seele“ – oder die Seele alles Lebens, oder die Seele, aus
der alles, was da ist, hervorgegangen ist. –
[HiG.03_40.12.06,16]
Sehet, nun werdet ihr, so ihr dieses ein wenig bedenket, wohl einsehen, wie Ich
bei euch Sündern der Sehr Schwache bin, und wie Ich Mir noch immer muß von der
Heiligkeit Gottes an eurer Statt in irgend einer vorgestellten menschlichen
schwachen Beschaffenheit Vorwürfe machen lassen, um euch jeden sonderheitlich
neuerdings wieder zu erlösen und einzuführen lebendig in die Heiligkeit des
Vaters. Sehet, ein solcher Mensch, dessen Ich Mich bediene und gewisserart seine
Wesenheit anziehe, um dadurch eure Mängel verhüllt zu tragen, gleicht dem Simon
von Cyrene und könnte ebenfalls großen Lohn erreichen, so er Mir willig auf
eine kurze Zeit nur hätte das Kreuz ein wenig tragen helfen. Allein der Mensch
ist schwach und fürchtet jede Last, am allermeisten aber die Last des Kreuzes;
und daher bleibt Mir denn wieder nichts anderes übrig zu tun, als was Ich
dereinst tat, nämlich für alle das Kreuz Selbst zu schleppen.
[HiG.03_40.12.06,17]
Es muß euch demnach in dem Nebenworte an den ‚Sehr Schwachen‘ ebensowenig
beirren das persönlich anpassend Scheinende, als es euch beirren möchte, so ihr
zum Beispiel die ganze Lebensgeschichte des Hohenpriesters Kaiphas oder die des
Pilatus, oder die des Iskariot, oder sogar die eines römischen heidnischen
Kaisers Nero, und anderer ähnlicher größerer und kleinerer Sünder nicht zu
gedenken, vernehmen möchtet; denn sehet, mit allen diesen Vorwürfen mußte Ich
Mich von jeher beladen lassen. Und ebenso bin Ich nun für euch wieder beladen
mit allen euren Schwächen und Mängeln und trage sie für euch in dieser euch
etwas fremdartigen Umhüllung, damit, wie ihr schon wißt, euch nicht Schaden
geschehe an eurer Seele, so ihr wissentlich, das heißt, eurem Fleische nach
gleich einem Judas Iskariot mit Mir in die geheimnisvolle Schüssel des zu
bewirkenden Lebens greifen möchtet.
[HiG.03_40.12.06,18]
So ihr aber wollt, so nehmet dieses Nebenwort unter dem Namen des ‚Sehr
Schwachen‘ zu euch; gehet es – wohlgemerkt! – in eurem Herzen von Punkt zu
Punkt durch und erkläret es euch nach dem, was ihr jetzt vernommen habt. Ich
habe euch nun gegeben den Schlüssel gleich einem Petrus zu Meinem Reiche.
Dieser ‚Sehr Schwache‘ ist Mein verhülltes Reich in euch. Eröffnet es mit
diesem Schlüssel, und ihr werdet Wunder schauen, und wahre geistige Wunder in
und an euch entdecken.
[HiG.03_40.12.06,19]
Sollte jemandem darinnen trotz alles seines Prüfens noch immer etwas verhüllt
erscheinen und hart, wie einst den Aposteln die euch bekannte harte Lehre, so
wendet euch in aller Liebe zu Mir, und seid versichert, daß Ich euch nicht im
Stiche lassen werde. Denn nun sage Ich nicht mehr: Gehet zu Meinem Knechte und
vernehmet in diesem Punkte durch seinen Mund Meine Gnade, sondern nun sage Ich:
Kommet treuen Herzens zu Mir, damit Ich Selbst euch die Gnade gebe und euer
Mund ebenfalls ausspreche das geheiligte Verständnis eures Mir zubereiteten
Herzens. Obschon es euch freisteht, sich zu erkundigen beim Knechte, so werdet
ihr aber doch aus seinem Munde nichts erfahren als das, was Ich in euch durch
eure Liebe zu Mir Selbst aussprechen werde Amen. Das sage Ich der Wahre
Siebente Amen. – – –
Ein Traum (vom
29. Dezember 1840) – 2. Januar 1841.
[HiG.03_41.01.02]
O Herr! Daß die Erzählung genau und fruchtbringend würde, sei mir armem
schwachem Knechte behilflich; denn sind auch Träume öfter nichts als leere
Schäume, so aber mögen doch immer derart Träume eine eigene Gnadenzulassung von
Dir sein, daher sie auch nicht verlorengehen sollen, sondern uns behilflich
sein in der schwachen Beschauung unseres Inwendigen und dienlich dann unserem
Herzen, damit wir stets mehr und mehr Deinen allerheiligsten Namen durch unsere
wachsende Liebe verherrlichen möchten. Darum, o Herr, sei mir behilflich und
entziehe mir nicht Dein heiligstes lebendiges Wort. Es ist in der Höhe wie in
der Tiefe ja nichts, das da nicht wäre nach Deinem Willen. So sicher auch
dieser Traum, und so geschehe denn auch allzeit Dein heiligster Wille Amen. –
[HiG.03_41.01.02,01]
Nun so erzähle und schreibe, wie Ich es dir geben werde.
[HiG.03_41.01.02,02]
Siehe, Ich will deshalb dir erzählen dein nächtliches Gesicht, damit du nicht
nötig haben möchtest, als Erzähler in der ersten Person aufzutreten und dich
selbst zu verherrlichen durch Mich, sondern daß Ich verherrlicht werden möchte
durch dich. Daher verstehe wohl, wenn Ich sage: Ich durch dich, aber derzeit
nicht du durch Mich; denn es wird niemand verherrlicht werden eher von Mir,
bevor nicht Ich durch ihn bin verherrlichet worden. Denn der Mich bekennen wird
vor der Welt, den werde Ich erst dann bekennen im Angesichte Meines Vaters, da
er dann schauen wird Meine unendliche Macht und Herrlichkeit und wird dann
selbst verherrlicht werden in dieser Meiner Herrlichkeit. –
[HiG.03_41.01.02,03]
Und nun schreibe deinen Traum! – Siehe, so träumte es dir:
[HiG.03_41.01.02,04]
Du gingst mit zwei dir wohl Bekannten und mit drei dir Unbekannten und mit dem
Ans. H. aus einem nordwestwärts gelegenen Graben etwas schräg aufwärts gegen
Südost, und zwar auf der abendlichen kegelförmigen Abdachung eines kleinen
Berges, dessen Scheitel ziemlich dicht mit jungen Nadelholzbäumen bewachsen und
von dem freien, etwas mager bewachsenen Wiesengrunde durch einen unordentlichen
und schon stark schadhaften bäurischen Staketenzaun umfangen war. Und das
geschah vorbildend um die siebente Stunde abends, und zwar um die Zeit des
Frühherbstes.
[HiG.03_41.01.02,05]
Als du mit deiner bekannten und unbekannten Gesellschaft sonach deinen Weg
knapp am Saume des Wäldchens verfolgtest, siehe, da gelangtest du alsobald
gegen Süden mit deinen Genossen an einen Punkt, allwo der ziemlich schmale und
sehr wenig betretene Doppelweg auf einmal mit allerlei Stangen, Bäumen und
Brettern verpalisadiert war, so zwar, daß darüberzukommen dir und vorbildend
allen deinen Genossen eine bare Unmöglichkeit schien.
[HiG.03_41.01.02,06]
Nun fingen deine zwei ersten bekannten Genossen an, dich etwas schmählich mit
Worten anzugreifen, indem sie sagten: Nun, du Halbprophet, du Wolken- und
Regenbändiger und wohlkonditionierter Flugmaschin-Erfinder, was siehst du nun
diese Barrikade so verblüfft an wie eine junge Kuh ein neues Tor! – Was willst
du nun machen? – Gelt, jetzt wird das Sprichwort wahr, welches also lautet: Da
stehen nun die Ochsen am Berge – und zwar unter der Leitung eines prophetischen
Esels! –
[HiG.03_41.01.02,07]
Auf welche ziemlich starke Verunglimpfung du folgende kleine Bemerkung dir
erlaubtest und sprachst: Freunde, ihr habt ja recht gesprochen, mögt ihr immer
das bleiben, was ihr euch nanntet. Aber was den prophetischen Esel betrifft, seht,
da muß ich euch schon um Vergebung bitten und getraue mich nicht, eine so große
Auszeichnung anzunehmen; denn ihr kennt sicher den Propheten, vor dem ein Esel
weissagte, und die Eselin, die den Herrn trug am Palmsonntage, – seht, daher
kann ich eine solche Auszeichnung nicht annehmen. Wäre ich vor Gott würdig, ein
solcher Esel zu sein – o Freunde, dann würde ich mit meinem großen Reiter vor
übergroßen Freuden aufspringen und mit meinen wohlgenährten Hufen euch eure
unbändigen Hörner wohl von euren Ochsenhäuptern herunterarbeiten! – Und dein
Genosse H. sprach auf diese deine Erwiderung: Fiat, et pereat cornu bovis, et
laus gloriaque maxima Domini nostri Jesu Christi orbem columque totum inhumat!
– Na, aber das heiße ich doch den Nagel mit der Demut mit einem Hieb ins Brett
treiben; aber woher haben Sie das so schnell genommen?!
[HiG.03_41.01.02,08]
Und als dein Genosse H. so geredet hatte, siehe, da traten die drei Unbekannten
hervor und sagten einhellig: Weißt du denn nicht mehr, daß dir die Gabe des
freien Fluges verliehen ist? Nun aber ist es an der Zeit, die Frevler zu
beschämen; denn sieh die wütenden Stiere, wie sie aus der Tiefe heraufrennen
und vereint dann mit diesen zwei Genossen ihre Hörnerspitzen in deinen
Eingeweiden herumwühlen möchten. Daher ergreife deinen Genossen H. und hebe
dich schnell von hier! –
[HiG.03_41.01.02,09]
Und als du solches vernommen hast unzweideutig, da ergriffst du alsobald den H.
und erhobst dich mit ihm. Die zwei Ochsen mit den wütenden Stieren aber
brüllten vergebens nach dir, da du in der Höhe frei geborgen warst. Und einer
von den Ochsen brüllte höhnisch nach dir, sagend: Seht doch, seht doch, unter
den neuen Propheten gibt es auch gar listige Vögel; wenn sie einsehen, daß ihre
Schnäbel der Gediegenheit unserer Hörner nicht stichzuhalten vermöchten, dann
fliegen sie aus lauter prophetischer Kraft auf und davon! Es ist doch
jammerschade, daß wir nicht die Sprache des Geflügels verstehen, was würden uns
diese armseligen Kernbecker, Wurmzwicker und Aasfresser schon all für herrliche
Dinge prophezeit haben!
[HiG.03_41.01.02,10]
Seht nur an den luftigen Falken, wie er uns stolz aus der Höhe mustert, als
hätte er im Sinne, einem oder dem andern von uns die Augen auszubecken! Aber
komme nur herunter, du Vogel von einem Propheten, wir werden dir deine Weisheit
schon herunterarbeiten! Oh, das heißen wir eine prophetische Kraft, wenn ein
solcher beim Anblicke von kräftigen und mutvollen Stieren sich aus lauter
göttlicher Macht gleich einem Hasen aus dem Staube macht – hahaha, das ist ein
Machtbote des Herrn, der, statt dieser Barrikaden sich zu bemeistern, nur als
ein Vogel davonfliegt! Oje, oje, oje! – –
[HiG.03_41.01.02,11]
Und als du solche listige Schimpfereien eine Zeitlang angehört hattest, da
gedachtest du Meiner und ersuchtest Mich, daß Ich dir solle Blitze senden vom
Himmel, damit du dann vermöchtest, mit diesem tödlichen Feuer die Frevler zu
vernichten. Und siehe, was vernahmst du da für eine Stimme von Oben? Lautete
diese nicht also: „Was rufst du Feuer? Das Feuer, das diese Frevler zerstören
würde, siehe, dieses Feuer würde auch dich ergreifen und samt den Frevlern
verzehren; denn im Zornfeuer Gottes kann keine Kreatur bestehen. So du aber
willst mächtig sein und stark in Meiner Gnade, dann mußt du nur segnen, wo
gegen dich geflucht wird. So du aber mächtige Flügel hast zum Fliegen, wozu
dann noch ein Feuer, in dem dein Flügelpaar untauglich zum Fliegen werden
möchte? Darum segne und fliege!“ – – Und siehe, als du solches vernommen hast
unzweideutig, da erst flogest du gegen Morgen von dannen.
[HiG.03_41.01.02,12]
Und dein Genosse H. fragte dich im raschen Fluge beständig, wohin du denn so
nun den Flug richten werdest. Allein du gabst ihm lange keine Antwort. Da er
dich aber endlich fragte, warum du ihm keine Antwort gebest, da erst sagtest
du: Wie kann ich dir antworten auf eine solche Frage? – Frage zuvor dein Herz,
was darinnen wehet für ein Wind und wohin du möchtest, so werden wir alsobald
dort sein, da deine Liebe gefesselt ist am noch ziemlich starken Taue, das am
Anker noch so ziemlich mannigfacher Welthoffnungen im Meere der Weltsorgen
befestiget ist. –
[HiG.03_41.01.02,13]
Er aber erwiderte: Höre! aber wie kann oder soll ich denn mein Weib und meine
Kinder verlassen? Sollte ich mich nicht um sie sorgen, da ich nun nicht weiß,
wie es ihnen geht? Diese Sorge ist ja meine größte Pflicht, und Gott selbst hat
sie mir auferlegt. Wer kann mir hernach verargen, wenn ich meinen
Vaterpflichten nachstrebe? Daher wisse, daß ich zu den Meinigen möchte! Bist du
mir ein wahrer Freund, so bringe mich schnell dahin, da gewiß mein Weib, meine
Pauline, und alle meine lieben Kinder mit großer Besorgnis und Sehnsucht meiner
harren! –
[HiG.03_41.01.02,14]
Darauf sagtest du dann: Nun siehe, Freund, was hätte es dir genützt, so ich dir
auch den Plan meines von Oben scharf bezeichneten Weges zum großen Orte aller
menschlichen Bestimmung auf deine wiederholten Fragen treulich angegeben hätte,
du aber wärest mir dann durch deine neuerwachte Liebe und Sorge für die Deinen
zu schwer geworden, daß ich dich nicht länger hätte in der Höhe zu erhalten
vermocht, wodurch ich dann hernach doch genötiget gewesen wäre, dich entweder
fallen zu lassen oder aber mit dir selbst zu fallen. Daher aber, da du dich nun
selbst kundgabst in deiner Hauptliebe, bist du nun auch leichter, und mein Flug
wird dich alsobald an Ort und Stelle bringen, dahin die Magnetnadel deines
Herzens weist!
[HiG.03_41.01.02,15]
Sieh Freund, noch ist die Liebe zu Gott in dir eine Liebe durch die Deinen. Sie
ist nur ein dankbares Gefühl, an dem aber auch noch so manche Sorgen kleben, da
eine solche Liebe zuerst ausgeht von deinem Herzen zum Herzen der Deinen – und
von da weg erst dankbar zum Herzen Gottes. Sieh, da wird die Liebe dann mit
allerlei Sorgen und Dingen und Sachen beschwert und dann gleichsam verkehrt;
denn da wird deine Liebe in und zu und durch die Deinen positiv polarisch und
nährt so dankbar den auf diese notwendig entgegengesetzten Pol deiner Liebe in
Gott. Aber sieh nur recht genau, ob diese Liebe der göttlichen Ordnung auch
vollends gemäß ist? –
[HiG.03_41.01.02,16]
Du fragst Mich nun freilich in deinem Herzen, ja wie sollte demnach die rechte
Liebe beschaffen sein? Siehe, darauf antworte Ich dir also: Die rechte, freie,
sorglose Liebe aber ist solcher Liebe gerade entgegengesetzt, denn sie geht vom
Herzen des Menschen zunächst in Gott über, da sie gereinigt wird durch das
sanfte Gnadenfeuer, und von da in klarem Bewußtsein und voll des höchsten
Vertrauens selbstkräftig, sorglos und frei erst zur Welt und dem Weibe und all
den Kindern wieder zurückkehrt.
[HiG.03_41.01.02,17]
Siehe, da dadurch alles in solcher Liebe Gott anheimgestellt wird, so bildet
dann der so liebende Mensch mit Gott vereint den positiven Pol und alles der
Naturwelt den negativen. Du weißt aber, daß der negative Pol ein notwendiger
und nur der positive ein freier ist. Wenn aber jemand möchte stärken durch das
Negative das Positive, siehe, welche Kraft wird da herauskommen? Es wird gerade
sein, als ob jemand möchte plus 2 und minus 2 zusammenaddieren, wo dann am Ende
nichts zum Vorscheine kommen wird. Und noch ärger aber ist es, wenn durch
solche verkehrte Liebe die unendliche Potenz Gottes negativ auftreten muß, daß
Sie gesättiget werde durch ein miserables Plus; denn dann erst kommt ein
Verhältnis heraus, welches noch viel löblicher ist, als die Summe, so jemand da
addieren möchte plus 1 und minus Unendlich, wo dann die Summe lautete: 1,
weniger als unendlichmal nichts. So aber der positive Pol unendlich kräftig ist
in und durch Gott, siehe, da ist es dann gerade, als ob jemand stärkt den positiven
Pol mit der ihm verwandten Kraft. So braucht er dann gar nicht zu sorgen für
den negativen Pol, sondern dieser wird in dem Augenblick sorglos genährt in dem
unwandelbaren Verhältnisse – je nach der Nahrung des positiven Pols.
[HiG.03_41.01.02,18]
Siehe, das mußte ich dir, mein freundlicher Genosse, erst zeigen, damit du
darob leichter wurdest und ich mit meinem Flügelpaar dich leichter bringen kann
wieder in dein Haus zu den Deinen. –
[HiG.03_41.01.02,19]
Nun siehe, als du solches ausgeredet hattest, da erst flogst du wieder weiter
gegen Südost, und zwar hinab zum Fuße eines dem früheren Berg benachbarten
Berges, auf dessen südwestlichem Abhange dann also das Haus deines Genossen H.
sich befand. Als ihr nun alldort angelangt waret, so wolltest du alsogleich
weiterfliegen. Allein dein Genosse H. bat dich so lange, und auch dessen Weib
und einige seiner Kinder, daß du bei ihnen verbleiben möchtest, und so kehrtest
du mit ihnen ins Haus.
[HiG.03_41.01.02,20]
Als du nun aber vollends die Gemächer betreten hattest, da kam alsobald jemand
zum Weibe des H. auf einen Besuch. Sie aber verließ alsobald auf eine kurze
Zeit mit Visitanten das besagte Eintrittsgemach. Der Genosse H. aber legte sich
in ein nebenanstoßendes Zimmer ein wenig zur Ruhe und ersuchte dich, dich
einstweilen wohltätig mit seinen Kindern zu unterhalten. Nachdem du nun solches
vernommen, setztest du dich alsobald an einen Tisch, als wolltest du selbst ein
wenig ausruhen.
[HiG.03_41.01.02,21]
Allein deine Ruhe währte nicht gar zu lange, denn es kam die Tochter namens
Wilhelmine, setzte sich neben dich zu Tische und machte neugierige Versuche,
mit dir ein fragendes Gespräch anzuknüpfen. Allein du machtest dich taub und
stumm und schienst auf das Mädchen nicht zu achten, worüber dann diese in einem
etwas ärgerlichen Ton, der ihr bei solchen Gelegenheiten auch ganz eigen ist,
dich etwas scharf anfassend fragte: Aber sagen Sie mir doch einmal, was ich
Ihnen denn Schlechtes getan habe, daß Sie mich weder eines Blickes noch einer
Antwort würdigen! Denn ich kann mir das nicht zusammenreimen, wie ein sonst so
frommer oder doch wenigstens als fromm gelten wollender Mann gar so ärgerlich
stolz sein könnte! – Daß ich jetzt tanzen lerne, ist denn das gar so etwas,
nachdem Sie doch wissen, daß wir das nur aus Gefälligkeit für die Tante
gewisserart tun müssen, ohne daß gerade unser Herz und Leben gar so daran
hängt, wie Sie vielleicht glauben. Und wenn Sie deshalb auf mich gerade so
ärgerlich sind, so weiß ich wirklich nicht, was ich von Ihnen halten soll! –
Ehedem versicherten Sie mir stets, daß ich Ihnen lieb wäre. Jetzt aber sehen
Sie mich gar nicht mehr an, als wenn ich durch diese Gefälligkeit gegen die
Tante schon, Gott weiß, wie schlecht geworden wäre. Ich weiß wohl, was die
Ursache ist, und sage es Ihnen gerade ins Gesicht: Es ist bei Ihnen nichts als
eine ärgerliche Eifersucht, durch welche Sie mich stillschweigend einer
Untreue, sich rächend, beschuldigen wollen, als wenn ich schon einmal, Gott
weiß, wie stark in Sie verliebt gewesen wäre, was mir bis jetzt wirklich noch
nicht einmal im Traume eingefallen wäre. Pfui, schämen Sie sich! –
[HiG.03_41.01.02,22]
Und da dich die letzte Phrase etwas ärgerlich machte, so standest du auf und
wolltest gehen. Allein, als die ziemlich dreiste Rednerin solches merkte, ergriff
sie dich bei der Hand und ließ dich bittend und weinend nicht von der Stelle,
sagend: Ich bitte Sie um Gottes willen, vergeben Sie mir, wenn ich Ihnen etwas
Ungerechtes gesagt habe, und vergeben Sie mir meine voreilige Unart! Ich sehe
schon, daß ich gefehlt habe. Bleiben Sie hier! Was würden der Vater und die
Mutter sagen, wenn Sie, mich jetzt verlassend, davongingen! –
[HiG.03_41.01.02,23]
Und du öffnetest darauf den Mund, fingst endlich an zu reden und sagtest zuerst
etwas ärgerlich: Na, das ist ja eine recht schöne Unterhaltung für den guten
Dienst, den ich durch die Gnade des Herrn meinem Freunde erwiesen habe. Nimmt
sich das zarte Töchterlein die holdselige Freiheit, mich über einen
Kurierstiefel zu putzen und auf einen solchen sonderbaren Glanz herzustellen,
daß dagegen die Anzüglichkeiten von seiten der Ochsen am Berge nur als ganz
kleine niedliche Burlesken erscheinen! Nein, das ist gar nicht übel, eine solch
zarte Unterhaltung möchte ich mir denn doch bald wieder ausbitten! Die schmiert
so mir und dir nichts einem auf die unschuldigste Weise von der Welt die
allerschönsten Grobheiten ins Gesicht, als wenn sie's gedruckt hätte und dafür
wirklich bezahlt würde! – Und damit der ganzen Geschichte am Ende die Krone
aufgesetzt würde, spuckt sie einem zu guter Letzt am Ende solcher Unterhaltung
noch quasi ins Gesicht. Ganz gehorsamster Diener, die könnte mich denn doch
ganz sonderbar gerne haben! – Meine liebe W., bei und durch solche
unterhaltende Raritäten wird's wohl mit dem Verliebtsein von meiner scharf
geputzten Seite seine wohlgeweisten Wege haben, und mir wird nicht viel anderes
zu tun übrigbleiben, als Sie für die Zukunft höflichst zu ersuchen, mich mit
derlei äußerst anzüglichen Gesprächsunterhaltungen ein wenig liebreich gütigst
verschonen zu wollen. Für diesmal aber leben Sie wohl amen. –
[HiG.03_41.01.02,24]
Siehe, da wolltest du denn wieder gehen. Allein es geschah wie früher, daß du
denn doch wieder bliebst und dich ganz langsam zum Tische wieder niederließest
und folgende Worte zu deiner Entschuldigung an die W. zu richten anfingst:
Wilhelmine! jetzt aber seien Sie ruhig und hören Sie mich an, denn wenn Sie
Mutmaßungen in sich wider mich hegen, so gestaltet zwar, daß ich offenkundig
daraus ersehen muß, daß Sie sich in Ihrem Herzen ganz grundfalsch berichtet
haben, so ist es nun meinerseits nichts mehr als eine brüderliche Pflicht, Sie
in Ihrem gewaltigen Irrtume getreu zu berichtigen. Sehen Sie mir so recht fest
ins Gesicht, ja in mein offenes gesundes Auge sehen Sie mir, und fragen Sie sich
dann selbst, ob ich denn wohl so faustdick hinter den Ohren halte! Meinen Sie
denn, ich würde Sie deshalb mit Verachtung ansehen, weil Sie derzeit etwas
gewisserart tun, was wenigstens derzeit mit meinen Grundsätzen aus reiner Liebe
zum Herrn sich nicht gar wohl vereinigen läßt? – O sehen Sie mir in mein
offenes Auge, schaut denn da wirklich etwas so Verächtliches heraus? Hätten Sie
meine Augen, so würde Ihnen gewiß ganz sonderbar zumute, so Sie Ihre Brüder und
Schwestern sähen mit verbundenen Augen frohwandeln über unabsehbaren Abgründen
und Klüften, daraus an eine Erlösung sehr schwer mehr zu denken ist für den
unglücklichen Blinden, der da hinabgestürzt ist!
[HiG.03_41.01.02,25]
So Sie jemanden sähen einen Giftbecher ergreifen, daß er ihn austränke bis auf
den letzten Tropfen des Todes, wie würde es Ihnen dann zumute, besonders wenn
Sie schon einige Spuren der tödlichen Wirkung durch die Adern des Trinkers
bemerkten! – Nun, was meinen Sie, was würde das wohl für Wirkungen auf Ihr
Gemüt bringen? Oder so Sie mit diesen meinen Augen jemanden sähen auf dem Eise
eines gefrorenen Stromes sich ganz unbesorgt herumtummeln, während die Fluten
unter dem Eise zu wachsen anfängen und die Eisdecke hier und da zu bersten
begönne, und der Mensch wegen seiner Taub- und Blindheit weder Ihre Stimme noch
das Krachen der Eisschollen vernähme, ja, und wenn Sie noch dazu bemerkten von
ferne her schon hohe Fluten über dem Eise Bergen gleich daherwogen! Fragen Sie
sich, wie es Ihnen dann zumute würde und was alles Sie dann tun möchten zur
Rettung des fröhlichen Tauben und Blinden. Würden Sie nicht sehnlichst wünschen
und beten, daß der Mensch sich nur dem Ufer nähere, daß Sie ihn ergriffen und
abzögen von solcher Gefahr, die mit jeder Minute und Sekunde drohender und
drohender wird!? – –
[HiG.03_41.01.02,26]
Aber was sind alle diese seichten Beispiele in aller ihrer Schauerlichkeit
gegen den leisesten Gedanken nur, der mir einflüstert: Siehe, dein Bruder oder
deine Schwester hat nun einen Weg betreten, der von Gott abführt und zur Welt
des Todes, ja des ewigen Todes lenkt! – Sie sagten freilich, es hänge Ihr Herz
und Leben nicht eben so sehr daran, als ich vielleicht meine. Ich aber frage
Sie: Warum hat denn der Herr den Aposteln nicht nur geboten, die Welt und ihre
Wege zu fliehen, sondern Er sagte ihnen: „So ihr in eine Stadt einkehret und
nicht aufgenommen werdet, allda bleibet nicht, sondern da ihr hineingegangen
seid, da kehret alsobald zurück, nehmet euren Frieden mit und schüttelt den
Staub vor dem Tore von euren Füßen“ (Matth.10,14).
[HiG.03_41.01.02,27]
So aber der Herr den Aposteln gebot, den ganz unschuldig scheinenden Staub
abzuschütteln, der an ihren Füßen kleben blieb, da sie doch als Seine Boten
voll heiligen Geistes in Seinem Namen eine solche Stadt betraten, was glauben
Sie wohl, liebe W., was der Herr sagen wird zum Staube, der am Fuße eines
Tänzers oder einer Tänzerin kleben bleibt, der da erzeugt wird in der
Reitschule des Satans!? – Oder lehrt uns nicht schon die Natur selbst, eine wie
geringe Portion Giftes schon hinreicht, dem Menschen das Leben zu nehmen,
während in der ganzen Natur uns auch nicht ein Mittel bekannt ist, das da eine
ebenso große Heilkraft besäße, um den Kranken ebenso schleunig gesund zu
machen, wie schnell ein Gran Giftes den Gesunden tötet? Und von einem Mittel
aber, den Toten wieder lebendig zu machen, schweigt die ganze Natur, während
sie doch zahllose tödliche in unabsehbarer Menge besitzt.
[HiG.03_41.01.02,28]
Und sehen Sie, wie uns schon der Herr durch die Natur lehrt, so lehrte Er einst
die Apostel und lehrt Seine Liebhaber noch zur Stunde im Geiste laut sprechend,
indem Er uns noch dieselben heiligen Worte beständig zuruft: „Höret, ihr
finsteren Menschen dieser Welt, Ich allein bin der Weg und das Leben, wandelt
auf Meinem Wege! Niemand kann zum Vater gelangen anderswo denn durch Mich; denn
Ich allein bin der rechte Weg und die Türe zum Herzen des Vaters – und bin das
Herz oder die ewige Liebe des Vaters Selbst.“
[HiG.03_41.01.02,29]
Sehen Sie, daraus aber geht ja doch übersonnenklar hervor, daß es somit fürs
ewige Leben nur einen Weg und nur ein Mittel gibt, weil der Herr, der ganz
allein nur der Weg und das Lebens-Mittel ist, nur ein einziger Herr, nur ein
Vater, ein Christus und ein und derselbe heilige Geist aller Macht und Kraft
und Liebe und allen Lebens ist, – während es unzählige und unendliche Scharen
der Satane und Teufel als Herren der Verdammnis oder des ewigen Todes gibt, von
denen jeglicher seine eigenen listigen Wege zum Tode führend besitzt.
[HiG.03_41.01.02,30]
Wenn man aber nun diese ewig unumstößliche Wahrheit so recht betrachtet, so
wird es hernach gewiß nicht schwer werden, zu begreifen, warum der liebevollste
Herr des Lebens die Apostel vor dem Staube gewarnt hatte, und warum sich jeder
christlich sein sollende Mensch noch unendlichmal mehr vor jenem Staube hüten
soll, der gar so unglaublich tödlich in des Satans Reitschule aus dem
vertrockneten Schlamme aller Unzucht und Hurerei und in so unglaublicher
endloser Menge aufgestampft wird mit den verächtlichsten Füßen aller Heuchelei,
alles Truges und aller erdenklichen Verführung!
[HiG.03_41.01.02,31]
O sehen Sie nun, liebe Freundin, wer mit innerer Sehe des Geistes diese
Verhältnisse so durchschaut, der braucht eben nicht verliebt zu sein, um mit
gesenktem Haupte stumm und voll oft trostlosen Mitleides den tödlichen Staub an
den Füßen seiner Brüder und Schwestern betrachtend, so manche Fragen
irgendeiner im geheimen schon ziemlich bestaubten Schwester zu überhören! – Was
Sie mir aber vom leidlichen Verliebtsein etwas scharf vorgeworfen haben, so
wäre es für mich wohl sehr schwach, wenn ich Ihnen deshalb sollte mich
rechtfertigende Einwendungen machen oder Dinge widerlegen, denen ich an anderen
feind bin wegen ihrer ruchlosen Verkehrtheit und sollte sie an mir selbst
dulden zum eigenen Verderben, da ich dann bald alles verlieren würde durch
meine eigene blinde Torheit.
[HiG.03_41.01.02,32]
Es ist aber ein himmelhoher Unterschied zwischen Liebe und dem
verabscheuungswürdigen Verliebtsein: das erste ist uns von Gott geboten, wie das
zweite unter dem Namen Hurerei uns auf das furchtbar strengste verboten ist.
Sehen Sie nun, so ich aber so wäre, wie müßte ich mich dann als ein berufener
Knecht unter den Augen des großen Herrn ausnehmen? –
[HiG.03_41.01.02,33]
Sehen Sie nun wieder, einen wie sehr gewaltigen Hieb ins Blaue Sie da gegen
mich, sich selbst ärgernd, gemacht haben!
[HiG.03_41.01.02,34]
So ich Sie aber gar oft meiner Liebe versichert habe, wie desgleichen auch
jeden anderen würdigen Bruder und jede achtbare Schwester, die mir vermöge
ihrer inneren Beschaffenheit näherstehen als manche andere, Gottes und alles
Sittliche vergessende Menschenlarven, so habe ich fürs erste nichts anderes
getan, als was ich als christlicher Mensch schuldig bin besonders der
unmündigen Menschheit, deren inneres Auge noch lange nicht geöffnet ist, daß
sie ins Herz des Bruders oder der Schwester sehen möchte, ob sich da im Ernste
wohl eine wahrhaft christliche Liebe gehaltschwer werktätig vorfindet.
[HiG.03_41.01.02,35]
Und fürs zweite aber suchte ich Sie auch dessenthalben etwas höher zu meinem
Herzen heraufzuziehen, da ich sah, daß die Empfänglichkeit für weltliche
Nichtigkeiten bei Ihnen weit vorherrschender ist als die Empfänglichkeit für
geistige Erhabenheit. Denn ich sah und sehe noch das Monument Gottes fein
beschrieben mit Seinem allerheiligsten Willen in Ihrem Herzen.
[HiG.03_41.01.02,36]
Sehen Sie, so aber jemand irgendein weltliches Denkmal gesetzt hätte und hätte
da hinein einen Stein gelegt, darauf viel Schönes und Rühmliches stünde von
Dem, dem das Denkmal gelten soll, – mit der Zeit aber fiele dieser beschriebene
Stein durch irgendein kleines Erdbeben vom Monumente, so zwar, daß er sonst
unbeschädigt mit der Schrift nach auswärts zu stehen käme am Boden. Wenn nun
aber der Stein von irgendeinem Freunde nicht alsobald hoch genug auf das
bestehende Monument gesetzt wird, sagen Sie selbst, was dürfte es da mit dem
schönen, glatten, beschriebenen Steine alsbald für eine traurige Bewandtnis
haben, so die böswillige, schadenfrohe und zerstörungslustige Welt seiner am
Boden liegend ansichtig wird? Werden sie nicht alsobald hinzueilen und ihn mit
allerlei Schändlichkeiten zu bekritzeln anfangen, so, daß gar bald von der
herrlichen Inschrift nichts mehr zu sehen sein wird, und somit diese würdige
Lebenstafel und edler Taten Marke endlich einem jeden rohen, nichtssagenden
Steine gleichen und am Ende sogar zerschlagen und gänzlich zerstört und
vernichtet wird.
[HiG.03_41.01.02,37]
Sehen Sie, auch Ihr göttliches Monument habe ich schon öfter von diesem herrlichen
Steine entblößt getroffen, denselben aber dann liegend auf dem schmutzigen
Boden weltlicher Leidenschaftskeime. Um aber diesen Stein wieder zu vereinen
mit dem Monumente Ihres Herzens und einig mit sich selbst zu machen, tat ich
als ein wahrer Freund durch eine besondere Gnade von Oben, was ich tat, aber
nicht, daß Sie mir darob Schande über mein Gesicht rufen sollen!
[HiG.03_41.01.02,38]
Und was und wie ich war vorher, so werde ich sein fürder. Aber nehmen Sie sich
ja in acht vor dem bewußten Staube und daß die besagte Tafel nicht Schaden
leiden möchte. Denn wären Sie auch, daher die Kinder Gottes sind, so sollen Sie
aber doch desto mehr gedenken, daß Sie sich jetzt auf der giftigen Welt
befinden, die mit lauter tödlicher Stickluft umgeben ist – bis zur kleinen
Stelle, da der Brunnen Jakobs Lebensluft um sich haucht Amen. –
[HiG.03_41.01.02,39]
Und siehe, als du diese von Mir dir auch im Traume eingegebene Rede vollendet
hattest, da kam das Töchterchen Julie, verfolgt von den zwei Knaben ins Zimmer,
da der Paul ein kleines schwarzes Hündchen gegen eine Türe auf sie hetzte, so
daß das Hündchen die J. beinahe in den Fuß gebissen hätte, darum du dann
aufstandest und wecktest den noch schlafenden Genossen H., der dann alsbald
herbeikam und den Knaben P. mit zwei Fingern an den Haaren faßte und ihn
strafend ein wenig schippelte. Es blieben aber die Haare, die er gefaßt hatte,
in der Hand. Als er darauf aber dieselben besichtigte, so waren diese ganz den
Haaren eines Esels ähnlich, worüber der H. zu lächeln anfing und sagte: Na, das
heiß' ich doch die Dummheit aus dem Kopfe eines unbändigen Studenten ziehen! –
Ah, diese Haare muß ich mir aufbewahren. – Bald darauf kamen alle herbei, und
du aber wurdest wach. –
[HiG.03_41.01.02,40]
Siehe, damit ist getreu dir wiedergegeben dein Traum als eine freie Zugabe zur
Bereicherung Meiner Gnade in dir und allen jenen, die ihn in ihren Herzen
fruchtbringend gleich dem besagten Steine hoch aufrichten werden, – daß sie
dadurch dann sich und die Welt in sich gar leicht werden erkennen, was gerade
jetzt um so mehr not tut, da Meine siebente und letzte Ankunft knapp vor der
Türe steht. Seht nur an den Feigenbaum, und ihr werdet es finden, daß es also
ist! (Matth.24,32. Luk.21,29)
[HiG.03_41.01.02,41]
Wer die Welt nun noch liebt und Mich neben ihr, wahrlich, wahrlich, der wird
nicht aufgenommen werden von den zweien auf dem Felde, in der Mühle und im
Bette! (Matth.24,40 f.)
[HiG.03_41.01.02,42]
Darum bewahret eure Füße vor dem Staube der Welt, damit nicht alsobald die
Pforten Meines Reiches vor euch abgeschlossen werden auf ewig. Denn so ihr
schon heiklig seid mit den frisch gewaschenen Böden eurer Gemächer, da ihr doch
voll Schmutzes seid außen und innen, um wieviel mehr werde Ich mit Meiner
heiligen Stadt es sein! Das bedenket wohl, ihr Weltbestaubten, und Wer der ist,
der solches redet amen; denn Ich, der Anfang und das ewige Omega selbst bin Es
amen, amen, amen. (Joh.4,10. Offb.Joh.1,8) – –
Die Träume. – 7.
Januar 1841.
[HiG.03_41.01.07]
O Du mein allerbester, allerliebster Herr Jesus, so Dein heiligster Wille es
wäre, möchtest Du mir denn nicht gnädig anzeigen, was denn doch eigentlich die
Träume sind, und was man davon halten soll? Denn gar oft hat der Mensch
bedeutende, oft auch unbedeutend scheinende Träume, und wenn man nicht weiß,
wie, wann, was und wodurch und warum, so würdigt man vielleicht einseitig diese
Erscheinung gar nicht oder zu wenig oder oft leichtlich zuviel. Daher, o Du
allerbester, allerliebster Herr Jesus, möchtest mir armem Sünder anzeigen auch
darinnen das rechte Verständnis! Nehme aber ja nicht ungnädig auf diese
vielleicht zu vorwitzige Frage, denn Dein Wille bleibe allzeit heilig, heilig,
heilig und über alles Deine Macht und Stärke. Daher geschehe nur Dein Wille;
denn ich möchte lieber ewig nichts wissen, als etwas, so da nicht wäre nach
Deinem allerheiligsten Willen Amen. Nur in Deinem heiligsten Namen Amen. – – –
[HiG.03_41.01.07,01]
So schreibe: // 1. / Wenn noch das Kind im Mutterleibe ruhig sauget / des
Blutes Säfte, da für es nichts andres tauget, / da saugt des Seele auch schon
Himmels reine Lüfte / und weidet sich ihr Geist auf Meiner Gnadentrifte. / Und
das der Leib dem Mutterleibe hat entnommen, / und was daselbst in Geist und
Seele ist gekommen, / das bildet sich hernach im weltlich Außenleben, / so ihm
im Mutterleibe ward von Mir gegeben.
[HiG.03_41.01.07,02]
2. / So aber du der finstren Kammer Lichtgebilde / da schauest, Bäume, Häuser,
Wesen und Gefilde, / so solches in der Kammer nirgends ist zu finden, – / nun
sieh, das ist's, worauf sich alle Träume gründen. / So sieht der Leib durchs
Auge nichts als seinesgleichen, / da seinem Lichte all der Seele Bilder
weichen. / Und wenn der Körper schlafend finster ist geworden, / so sieht die
Seele ihresgleichen dann in Horden.
[HiG.03_41.01.07,03]
3. / Wenn aber auch die Seel' zur Ruh sich hat begeben / und so dem Geist anheimgestellet
wird das Streben, / wie auch das Regen sich in eignen Lichtes Sphären, / da
kann der Geist dann auch zum Geistigen sich kehren. / Und was der Geist
geschauet hat im Vaterhause, / das kann die Seel' gewahren auch in ihrer
Klause; / und so der Leib dann wach geworden ist vom Schlafe, / gewahrt er
öfter noch des Geistes Gnad' und Strafe. –
[HiG.03_41.01.07,04]
4. / Doch ist bei Menschen, die ein weltlich Leben führen, / von reinen
Geistesträumen nie gar viel zu spüren, / da träumt die Seele nur der Welt
entnommne Dinge – / und meist, daran das Herz am Tage leidlich hinge. / Und da
sind solche leere, bunte Seelenträume / wohl nichts, als was da sind des faulen
Wassers Schäume. / Nur, wenn der kranken Seele sich oft Bilder zeigen, / sind
manchmal sie zu rütteln und zu ängsten eigen.
[HiG.03_41.01.07,05]
5. / Und es sind solcher Träume fähig selbst die Tiere, / und heller oft,
obschon entlehnt dem Nachtreviere. / Doch solcher Träume Sinn ist stets nur
wüst und öde, / voll Trug und Arg – und demnach jede Deutung schnöde. / Nur
wenn die Träume euren Erdensinn entwirren / und euch auf kurz in Meiner Gnade
Reich entführen, / dann sollt ihr merken solche Träume euch hienieden / und
fassen sie ins Herz zu eurer Seele Frieden. –
[HiG.03_41.01.07,06]
6. / Denn wenn ihr träumet so von eitlen Erdendingen, / so ist das nichts, als
was euch eure Wünsche bringen, / und was am Tage euch begehret hat im Herzen, /
das wird gar los' im Schlaf mit eurer Seele scherzen. / Doch wenn ihr oft am
Tage Meiner habt bedenket / und alles Tun und Trachten stets zu Mir gelenket, /
dann wird, wenn Leib und Seel' sich hat zur Ruh begeben, / dem Geist auf kurze
Zeit im Himmel Kost gegeben. –
[HiG.03_41.01.07,07]
7. / Nun merket das zum Schlusse noch, ihr wen'gen Treuen: / Die rechten Träume
werden stets euch wohl erfreuen; / nur wenn die Seel' im Schwanken sich
befind't auf Erden, / so wird die Himmelskost euch manchmal bitter werden. /
Denn wer noch nicht durchs Liebesfeuer ist gegangen, / dem möchte solcher
Feuerskost ein wenig bangen, / doch wer da denket: Einmal muß ich's doch
empfangen, / der wird nicht schwer zu Meinem Gnadenweg gelangen.
[HiG.03_41.01.07,08]
Dieses Wenige, wohl überdacht, wird vorderhand genügen zu wissen, was du wissen
mochtest. Doch ist in Träumen nichts Verdienstliches, noch etwas Sträfliches,
und es sind die guten und echten eine freie Hinzugabe ohne alle Rechnung. Wer
danach sich kehrt, der tut wohl; doch wer da lebt Meiner Offenbarung treu
gemäß, der tut besser, denn die Träume gebe Ich nur Meinen tauben Liebhabern.
Doch wem des Herzens geistige Ohren sind durch das Feuer der Liebe aufgetaut
und geöffnet worden, der höre nur recht fleißig in sich Mein lebendiges Wort
predigen, durch welches allein er zum Leben gelangen wird. Was aber die
Wesenheit der Träume sonderheitlich anbelangt, so wird ihrer bei der Enthüllung
des Menschen schon ohnehin ausführlich erwähnt werden, – zuerst kommt das
Kleine, dann das Große, und endlich das Allergrößte Amen. Das sage Ich, der da
angerufen wurde, Amen Amen Amen. –
Sprichwörter und
Denksprüche. – 5. März 1841. Nachmittag.
[HiG.03_41.03.05,01]
So schreibe denn einige Denksprüche und Sprichwörter. Diese soll jeder bei sich
tragen – das heißt im Herzen, denn auf dem Papiere bloß sind sie wie alles
dergleichen fruchtlos, tot und segenlos. – Siehe die Wirkung der Amulette und
anderer dergleichen Insignien; was nützen sie ohne Glauben entweder des
Spenders oder des Empfängers? – Nichts! – Ich sage aber, so der Glaube lebendig
mit der Liebe Hand in Hand gehet, wozu dann die Mittel des toten Aberglaubens?
– Ich frage: Kann außer Mir jemand oder etwas helfen? – Wozu dann der Amulette
und Skapuliere? Daher, so Ich dir und euch allen nun Denksprüche und
Sprichwörter gebe aus Mir von Oben, sollet ihr dieselben ins Leben fassen und
also bei euch im Herzen tragen, nicht aber in einen Rockzipfel gehängt oder
genäht oder in der Tasche oder auf einer Schnur. – Und also schreibe die
Denksprüche und Sprichwörter in Meinem Namen amen. –
[HiG.03_41.03.05,02]
1. Dieses Erdenlebens Schein, o Bruder, ist nicht dein; doch wohnt im Schein
ein großes Sein, – daher traue nicht dem Scheine, sondern nütze dieser
Erdenfackel matt Geflacker, daß du findest das wahre Sein in dir. –
[HiG.03_41.03.05,03]
2. Suche nicht, das da schlechter oder besser wäre auf der wirren Lebens matt
erhellten Bahn, sondern denke: Eines ist nur gut und wahr – und das bin Ich und
Meine Liebe; alles andere ist eitel, schlecht und falsch. –
[HiG.03_41.03.05,04]
3. Eine Kirche ist nur Kirche, wenn sie lehret Meinen Willen und das Leben predigt
aus der Liebe, die am Kreuze für die ganze Erde, ja für die ganze Schöpfung
blutete. – Aber eine Kirche, die sich nur segnet und alles andere verflucht,
ist ein Geizhals, der allen den Tod wünscht, damit er dann aller Habe habhaft
werden möchte. Es wird aber ein Kamel eher durch ein Nadelöhr traben, denn ein
solcher in den Himmel. –
[HiG.03_41.03.05,05]
4. Tue, was du tust, in Meinem Namen, und Meine Liebe sei die Triebfeder deiner
Glieder, so wird im festen Trauen dir gar wohl gelingen jedes deiner Werke;
aber Unzucht aller Art und Hurerei, durch diese solle nie entheiligt werden je
Mein Name. –
[HiG.03_41.03.05,06]
5. Ihr kauft zu vielen Ellen teure Zeuge, um modest zu zieren eure fleisch'gen
Gräber, und achtet dabei zwanzig Taler viel geringer als so viele Kreuzer nur,
zu spenden Meinen armen Brüdern. – Ich aber sage: Tuet solches umgekehrt, so
werdet ihr euer Leben schmücken. –
[HiG.03_41.03.05,07]
6. Wer da preiset Dichter, Künstler, Komödianten und macht Elogen eitlen
Erdenfratzen, Siegern, Feldherren, Wüterichen aller Art, wie ist dieser doch
ein großer Tor. Er umklebt den Dreck mit allerlei eitlem Zeuge und ehret so der
Braut stinkenden Unrat; so er aber ihre Stimme nur von ferne vernimmt, da
flieht er einem Wahnsinnigen gleich! Hütet euch zu treten in seine Fußstapfen!
– und wenn ihr Elogen macht, so machet sie Mir, dem großen Künstler des Lebens
und dem Feldherrn der Unendlichkeit – und ein unvergänglicher Ruhm wird euer
Anteil sein ewig. –
[HiG.03_41.03.05,08]
7. Wer aber da preist die Tänzer und die Gaukler, wahrlich, dieser ist ein
Fürst der Mörder, Hurer und Selbsttöter. Da, wo des großen Feuermeeres ew'ger
Wirbel braust hinab mit Donnerheulen in des Zorntodes ew'ge Tiefen, will Ich
solche Sänger bald auf neue Kunstentdeckungsreisen senden, – denn wer die Sünde
lobt, ist ärger denn tausend Täter. Ihr aber hütet euch, desgleichen zu
entschuldigen nur. –
[HiG.03_41.03.05,09]
8. So ihr einen Baum betrachtet, wie im Frühling er voll Blüten steht, da sagt
ihr: Wenn dies alles zur Reife kommen würde, der Baum ertrüge nimmer solche
Last! – So ist es auch mit all den guten Vorsätzen der Welt, aus denen wenige
nur zur Reife kommen, und die reifen selbst nur wilde Beeren sind! – So ihr
aber eure Blüte retten wollt am Baume eures Lebens, da müßt begießen ihn gar
emsig mit dem Wasser Meiner Liebe. –
[HiG.03_41.03.05,10]
9. Wenn du schauest ferne Dinge, zeigt ein blaues Gebirg sich dir als eine
flache Wand, doch kommst du in die Nähe, wird die flache Wand zu weitgedehnten
Ländereien. Also ist's auch mit den geistigen Dingen: wo dein Auge eins
erschaut, Ich sage dir, da sind Trillionen. –
[HiG.03_41.03.05,11]
10. Es folgt der Nacht der Morgen – Mittag diesem – Abend beiden – und die
Nacht aus allen dreien, denn so lang ist sie wie Morgen, Mittag, Abend. Wenn du
aber bist am Morgen deines Lebens, o dann frage nicht nach Mittag, Abend und
der Nacht; denn nur am Morgen kommt das Leben und schließt, besiegt, die andren
drei in sich. – Hüte dich, daß du nicht ähnlich wirst der Zeit der Welt!
[HiG.03_41.03.05,12]
11. Es steckt in jeder Pflanze auch ein andrer Same, und auf tausend Arten
Bäume reifen auch so viel verschiedne Früchte. Kennst du wohl den Nutzen aller?
– Sicher nicht. – O sieh, es artet so sich auch des Geistes Leben in den
Menschen, die da eines guten Willens sind, – die Art und Gattung, wenn sie auch
verschieden sind, macht keinen Unterschied; es fragt sich nur, wiefern da alle
nützlich sind. – Daher sollt niemanden verdammen ihr, sondern dafür
kennenlernen Meine Wege.
[HiG.03_41.03.05,13]
12a. Seid sparsam im Hause, aber außer demselben voll Freigebigkeit, so wird
eure Schwelle von schmutzigen Bettlern verschont bleiben. –
[HiG.03_41.03.05,14]
12b. Machet euer Haus zu einer Krankenherberge, so wird der Arzt bei euch aus
und ein gehen. –
[HiG.03_41.03.05,15]
12c. So ihr euch waschet, da waschet zuvor die Hände denn das Angesicht, damit
dasselbe nicht beschmutzt werde und eure Waschung darob unnütz sei. –
[HiG.03_41.03.05,16]
12d. So ihr betet, da betet nicht nach der Elle oder nach der Stunde, sondern
im Herzen voll Liebe geistig und wahr. –
[HiG.03_41.03.05,17]
12e. Die Kinder lehrt gehorchen blind, so habt auf rechten Weg ihr sie
gebracht; aber nur vergeßt der Wurzel des Gehorsams nicht, die da Meine Liebe
ist. –
[HiG.03_41.03.05,18]
12f. Da wo ihr Fünkchen seht, da sollt ihr Feuerlärmen machen, so wird die
Flamme nie das Dach ergreifen. –
[HiG.03_41.03.05,19]
12g. Haltet kleine Dinge nicht für unbedeutend; ein Fünkchen hat gar oft schon
große Städt' vernichtet.
[HiG.03_41.03.05,20]
12h. Wenn die Kinder lachen, sollt ihr weinen; wenn sie weinen, habt ihr Grund
euch zu erfreun. –
[HiG.03_41.03.05,21]
12i. Im Scherze liegt der Schmerz begraben, wie in diesem heitre Freude. –
[HiG.03_41.03.05,22]
12k. Es ist besser Hunger leiden, als mit vollem Bauche zugrunde gehen, amen,
amen, amen.
Eine Parabel. –
3. April 1841, von 6 bis 10 Uhr abends.
[HiG.03_41.04.03]
Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H. u. A. H.
[HiG.03_41.04.03]
Themen (gewählt von den drei Schwestern): Was ist die Wespe für ein Sinnbild? –
Was bedeutet der Abendstern? – Was ist die Unschuld?
[HiG.03_41.04.03]
Der Herr antwortete allergnädigst hierauf durch Seinen Knecht:
[HiG.03_41.04.03,01]
Es war einmal ein Vater, welcher drei Kinder hatte; alle drei Kinder waren
weiblichen Geschlechts. Der Vater selbst aber war ein großer Weltweiser und war
wohlerfahren in allen Erdwissenschaften wie auch in der Rechenkunst und konnte
daher wohl berechnen die Bewegungen der Gestirne. Und da er auch in der innern
entsprechenden Erfahrungswissenschaft wohlbewandert war, so wußte er auch
allerlei Deutungen aus den verschiedenen Bewegungen und Stellungen der Planeten
und anderer Gestirne zu entziffern. Diese zuletzt erwähnte Wissenschaft war
eben auch diejenige, die sozusagen sein Steckenpferd war.
[HiG.03_41.04.03,02]
Damit ihr aber dieses Gleichnis desto leichter fasset, so denket euch diesen
weltweisen Vater um dreitausend Jahre früher, als die Zahl eurer gegenwärtigen
Zeit lautet, und denkt euch noch dazu, daß dieser Mann ein Heide war, der von
Mir nicht viel mehr wußte denn ein neugeborenes Kind.
[HiG.03_41.04.03,03]
Es ereignete sich aber einmal, daß er mit seinen schon ziemlich erwachsenen
drei Töchtern in tiefster Nachtzeit aus seiner unansehnlichen Hütte trat, um an
den Konstellationen im Beisein seiner drei Töchter neue Entdeckungen im
erwähnten Deutungsgebiete zu machen. Als er auf diese Art den lichtpunktierten
Himmel zu seiner Genüge durchgafft hatte und für ihn nun nichts Neues mehr von
dem gestirnten Himmel zu gewinnen war, da wollte er umkehren und mit seiner
mageren Beute beladen in seine Hütte zurückkehren.
[HiG.03_41.04.03,04]
Allein solcher Gesinnung waren seine drei Töchter nicht. Denn da nach
desselbigen Landes Sitte nach dem Sonnenuntergange nie ein Mädchen aus der
Hütte treten durfte, so war dieser erste Anblick des gestirnten Himmels mit
einem zu großen Reize für ein sehr empfängliches jugendliches Mädchenherz
überzogen, als daß sich dasselbe so schnell von dem so prachtvoll erleuchteten
Himmel hätte trennen können. Daher auch baten die drei Töchter den Vater, nur
diesmal bis zum Sonnenaufgange in der glänzenden Halle zu verbleiben.
[HiG.03_41.04.03,05]
Es bedurfte des Bittens eben nicht gar zuviel, und der Vater gewährte seinen
geliebten Töchtern, danach sie verlangten. Wie es aber schon zu gehen pflegt,
daß die Kinder, wenn ihnen ein Finger gereicht wird, sogleich nach der ganzen
Hand greifen, so war es eben hier auch der Fall. Die Töchter begnügten sich
nicht nur mit der stummen Anschauung allein, sondern eine jede fing da alsobald
an zu fragen, wie ihr die Zunge gewachsen war und wie ihr der Sinn in aller
Wißbegierde eingab.
[HiG.03_41.04.03,06]
Und seht, wie diese Töchter ihrem weisen Vater gar so manche diamantne Brocken
haben aufzubeißen hingeworfen. Was meint ihr wohl, o liebe Kinder, um was die
erste ihren Vater hat gefragt? Die Frage war fürwahr so übel nicht, denn sie
drehte sich um nichts geringeres, als bloß um die kindlich närrische
Kleinigkeit: wer wohl diese lichten Pünktlein samt diesem weiten Himmelsgewölbe
gemacht habe. Die Antwort des Vaters war: „Meine lieben Töchter, wir haben wohl
eine Lehre, die da sagt, es solle irgendwo über allen diesen Sternen ein
mächtiges Wesen wohnen, von dem alles, was ihr sehet, solle einmal gemacht
worden sein. Allein, unter uns gesagt, das ist nur eine altertümliche Sage, die
aber keine Realität hat, denn die Wissenschaft lehrt darüber ganz etwas
anderes.“ Und wieder fragte eine Tochter: „Wie lautet denn dieses ‚ganz etwas
anderes‘?“ Der Vater antwortete: „Also, meine Lieben, daß alles dieses, was ihr
da sehet, schon von Ewigkeit her also besteht, wie ihr es jetzt sehet.“
[HiG.03_41.04.03,07]
Allein die Töchter waren mit dieser Antwort nicht zufrieden, sondern fragten
den Vater wieder, was das heiße: von Ewigkeit her. Worauf der Vater antwortete:
„Von Ewigkeit her heißt soviel, als daß ein Ding nie zu sein und zu werden
angefangen hat.“ Allein diese Antwort war für die Töchter noch unbefriedigender
denn die frühere, und somit mußte sich der Vater schon gefallen lassen, von
seinen Töchtern mit noch kritischeren Fragen gehetzt zu werden. Und so war eine
alsogleich mit der Frage fertig, welche also lautete: „Aber, lieber Vater, gilt
diese Lehre allen Dingen – oder nur den Sternen allein?“
[HiG.03_41.04.03,08]
Hier wurde der Vater schon ein wenig verlegen und wollte sich dadurch aus der
Schlinge ziehen, daß er seine Lehre nur auf die Sterne bezog. Allein, er machte
dadurch seine Lage nicht besser, denn ein anderes Töchterchen war mit einer
neuen Frage schon wieder fertig, welche also lautete: „Auf diese Art ist die
Erde nicht von Ewigkeit, wenn sich deine Lehre nur auf die Sterne bezieht.“
Hier wußte der Vater schon nichts anderes mehr zu sagen, als daß er sich
entschuldigte, in der Übereilung der Erde vergessen zu haben. Allein dieser
Scheingrund gab den Töchtern nur wieder eine neue Gelegenheit, den Vater noch
enger zu umstricken.
[HiG.03_41.04.03,09]
Und so ward alsobald wieder eine neue Frage aufgetischt, nämlich: wie denn das
zu verstehen sei, daß die Erde – die da bestehe aus Lehm, Steinen, Bergen,
Wasser, Sand und anderen allerlei gearteten Dingen – nie zu sein angefangen
habe, während doch viele Dinge auf ihr entstehen und wieder vergehen. „Ja
selbst wenn ich schon öfter ein kleines Lackchen Wasser beobachtete, wie
dasselbe von den Sonnenstrahlen zunichte gemacht wurde und mir dabei dachte,
wenn die Sonne noch heißere Strahlen zur Erde senken würde, könnte sie wohl
auch einen See vernichten, – so möchte ich doch einmal wissen, wie das zu
nehmen sein soll: daß fürs erste etwas dasein kann, was nie zu sein hat
angefangen, und wenn es aber da ist, doch vergehen kann trotzdem, daß es schon
früher von Ewigkeit dagewesen sein solle?“ – Hier war der Vater wie in einen
siebenfachen Sack eingenäht und konnte nichts anderes darauf sagen als: „Meine
lieben Kinder! Solches kann der Mensch nicht wissen!“ Und sogleich fragte
wieder eine: „Wenn aber nach deiner Lehre der weise Mensch solches nicht wissen
kann, wer soll's denn hernach wissen, wenn der Mensch schon das höchste Wesen
ist?“ Und eine andere fügte noch eine andere Frage hinzu, welche also lautete:
„Wenn nach deiner Lehre alle Bäume, Gesträuche, Pflanzen, Tiere und Menschen
sich selbst fortpflanzen, da habe ich mir manchmal auch schon den Kopf
zerbrochen, ob es denn nie Erstlinge gegeben hat? – Denn mir kommt es immer
vor: Wo nie ein Erstes war, da kann ja doch unmöglich je ein Zweites entstehen
– nicht wahr, lieber Vater? Denn also lehret uns ja deine Rechenkunst!“
[HiG.03_41.04.03,10]
Sehet, jetzt war der Vater rein fertig und wußte nichts anderes anzufangen, als
seinen Töchtern zu sagen: „Liebe Kinder, ich höre soeben ein gewaltiges Gesumse
von stechenden Wespen, ihr wißt, wie sehr ihr Stachel brennt. Daher wollen wir
diese ungebetenen Gäste nicht abwarten, sondern da soeben der Morgenstern schon
über den Horizont gestiegen ist und den nahen Aufgang der Sonne ankündigt,
wollen wir uns in unsere Hütte begeben, damit uns niemand treffe
ungebührlicherweise im Freien und noch dazu von Wespen übel zugerichtet.“ Und
sobald erhoben sie sich auch. Aber es wollte nicht recht gut vorwärts gehen,
denn als sie ihrer Hütte sich nahten, wurden sie von einem seltenen
Feuermeteore zurückgeschreckt und getrauten sich nicht auch nur hinzublicken,
da die Hütte stand; denn dieser Meteor bestand in einer blitzenden großen
Feuersäule und hatte ein außerordentlich drohendes Aussehen.
[HiG.03_41.04.03,11]
Als sich die Gesellschaft denn nun wieder an der vorigen Stelle befand, hat
sich ihre Furcht verringert, und die Töchter fragten den Vater, warum er sich
denn vor dieser Feuersäule gefürchtet habe – und ob diese Feuersäule auch von
Ewigkeit her sei? Auf welche Frage der Vater abermals die Antwort schuldig
blieb und sagte bloß von der Furcht: „Der Mensch sollte sich zwar nicht
fürchten, allein bei einer so außerordentlichen Gelegenheit fürchtet man sich
denn doch; denn es ist eine solche Furcht heilsam dem Menschen, da sie ihn von
einem Unglücke abhält.“
[HiG.03_41.04.03,12]
Er hat sich aber durch diese Erklärung in eine neue Verlegenheit geworfen, denn
sobald war eine neue Frage da, nämlich: „Woher kommt denn bei solchen
Gelegenheiten diese gute, schützende Furcht in den Menschen; denn da sie etwas
Gutes ist, kann sie doch nicht von dem ausgehen, davor sich der Mensch
entsetzt?“ – Auf diese Fragen sagte endlich der weise Vater: „Liebe Kinder!
Vermöchte der Mensch auf jede Frage eine befriedigende Antwort zu finden, so
wäre er, liebe Kinder, – ich weiß selber nicht, was er wäre! – Mehr als ein
Mensch müßte er auf jeden Fall sein.“ –
[HiG.03_41.04.03,13]
Und eine neue Frage, welche darin bestand, warum alle Sterne nicht gleich stark
glänzen und die Menschen nicht gleichviel wissen, hat den weisen Vater beinahe
zur Verzweiflung gebracht, – und endlich die Frage, welcher Unterschied
zwischen dem schönen Morgensterne und dem von ihnen schon einmal gesehenen
Abendsterne von gleich starkem Lichte wohl sein möchte, brachte den Vater zu
einer etwas ärgerlichen Beantwortung, welche also lautete: „Kein anderer, denn
der zwischen euren Fragen und eurer Unschuld.“ –
[HiG.03_41.04.03,14]
Nun, Meine lieben Kinder, in dieser Parabel habt ihr alles das erläutert,
wonach ihr gefragt habt. Ihr habt nicht um das Wesen, sondern nur um die
Bedeutung gefragt, und diese ist euch hier auch zur überfließenden Genüge
gegeben. Denket darüber im Herzen, und es wird euch alles sonnenklar werden,
amen. – Das sage Ich, euer Vater Amen. – – –
Ein Wort an Ans.
Wortemsig. – 5. April 1841, abends um 10 Uhr, nachdem Jakob Lorber die 58.
Strophe der ‚Erlösung‘ niedergeschrieben und dem Ans. H. vorgelesen hatte.
[HiG.03_41.04.05]
Ans. H. sagte zu Jakob Lorber, daß jede Tat des Herrn die größte sei, und daß
Seine Tatengröße nicht mit der Elle des menschlichen Verstandes und Herzens
gemessen werden könne; es sei die Menschwerdung des Herrn so groß wie Sein
Lehramt, und dieses so groß wie Sein Kreuzestod, und dieser so groß wie die
Sendung des Heiligen Geistes, und diese so groß wie das Wohnen des Herrn im
Herzen Seiner armen und schwachen Getreuen. – Hierauf wurden Jakob Lorber
folgende vier Verse in die Feder gegeben:
[HiG.03_41.04.05,01]
Du Emsiger im Worte mußt dich nicht in leeren Zank versinken, / O sieh, ein
schuldlos Kindlein wird die große Wahrheit treulich euch zuwinken!!! / Daher
mußt dich in nichts begründen, / Dann wirst das Große du schon finden. / Ich
Amen, Ich Amen, Ich Amen.
Unsittliche
Amtsverwaltung (Die Landratsstelle an And.H.). – 6. Mai 1841.
[HiG.03_41.05.06,01]
Schreibe nur, denn Ich weiß es schon, daß du und alle der Welt lauter
Unzüchtler und Hurer und Ehebrecher seid. – Wer da hat ein Amt, der hat es ja
der nützlichen Amtierung wegen, nicht aber etwa des Gehaltes oder der Bequemlichkeit
wegen. Sucht aber jemand ein bequemes Amt, so ist er ein Unzüchtler, da er
wohlleben möchte, ohne wohlzutun – gleich einem, der die Ehe flieht und scheut
sich zu sorgen für Weib und Kind, aber dafür aller Weiberwelt den Hof macht und
am Ende seines Fleisches Lust und Begierde sich entweder mit den schmutzigsten
Huren oder wohl durch Selbstbefleckung stillt.
[HiG.03_41.05.06,02]
Wer ein gutes Amt hat, da er recht viel Gutes wirken mag, sucht oder möchte
aber eines, in welchem wahrlich nichts denn die allerbarste Hurerei getrieben
wird, der ist gleich einem, der sich möchte von seinem Weibe darum scheiden, um
dann mit einer bedungenen Hure nach der andern sein Wesen zu treiben, ohne
darob von seinem Weibe die gerechtesten Vorwürfe anhören zu müssen. – Wer aber
sein Amt vertauschen will gegen ein anderes, hat der nicht geistig
ehebrecherische Gesinnungen? Und das noch vorzugsweise bei einem solchen Amte,
da man ist eine wahre Obrigkeit des Gesetzes, die aus Mir besteht, – mit einem
Amte, das da keine Obrigkeit, sondern nur eine Prozesse führende Behörde ist,
und das vorzugsweise nur für den Adel und Priesterstand, und hat wenig oder gar
nicht mit Meinem armen, gemeinen Volke zu tun. –
[HiG.03_41.05.06,03]
Es ist aber ein jeder Prozeß die allerbarste Hurerei, weil da das Gesetz
benützt wird zur Unterstützung der Eigenliebe, gleichwie einer benützt das
große Naturgesetz der Zeugung zur wollüstigen Frönung seiner unzüchtigen
Eigenliebe, – und es ist dann ein solcher Prozesse ausarbeitender Amtsmann
nichts denn ein Hurenunterfänger und Anmannbringer, wo es dann allzeit heißt:
Wer's Geld hat, der führt die Hure ins Bett. – Denn die advokatische Drehung,
Wendung und Benützung des Gesetzes gleicht ganz vollkommen jener schändlichen
Art, wo der Unzuchtsbuhler von seiner Hure alle möglichen Stellungen verlangt,
um dadurch zu irgendeiner neuen Reizesmacht zu gelangen, um auch eben dadurch
noch den letzten Tropfen Lebens zu verspritzen, wie ein Prozeß-Ausarbeiter des
Gesetzes letzten Machtfunken aufs Papier mit der Tinte verspritzt. –
[HiG.03_41.05.06,04]
Siehe, Mein lieber A.W., geradeso verhält es sich mit dem Amte, das du
möchtest. Ich sage dir aber, willst du recht und wohl tun, so bleibe, da du
bist; denn dein Amt ist ein altes Amt, und es ist dessen Macht und Gewalt aus
Mir; aber das andere ist Mir ein Greuel! – Willst du lange leben, so bleibe und
sorge als treuer und gerechter Richter nach dem Gesetze für das Wohl der
Untergebenen und widerrate aufs dringendste alles Prozessieren. Wenn dich aber
der Kaiser übersetzen möchte in ein anderes Amt oder du auch in der jetzigen
Stellung eine höchste Amtsstufe möchtest, so kannst du es wohl annehmen und
nach der zweiten verlangen; aber aus dir meide du die Prozesse führende
Landratsstelle. Ich werde dich überall segnen, nur da nicht, außer der Kaiser
hätte dich dazu berufen. Übrigens aber will Ich dadurch deinem freien Willen
keine Fesseln angelegt haben, denn Ich zeigte dir nur die Sache, wie sie bei
Mir steht. Findest du aber dessenungeachtet noch Beweggründe, die die Sache
rechtfertigen, so magst du immer noch tun, wie es dir behagt. Aber von der
inneren Ernte magst du dir dann nicht zu Großes versprechen; denn der Anblick
eines vorliegenden Prozesses gleicht dem einer nackten Hure, da es gewiß jedem
schwer wird, sich von unkeuschen Gedanken zu enthalten – wohlverstanden – Amen
– sage Ich – Amen, Amen, Amen.
Der Ton – die
lebende Seele des Wortes. – 18. Mai 1841. Vormittag.
[HiG.03_41.05.18]
O Herr, Mein Gott und Vater, der Du voll Liebe, Erbarmung, Langmut, Sanftmut und
Freigebigkeit bist und lässest niemanden vergebens bitten um etwas, der nur
eines ein wenig treuen und traulichen Herzens ist – siehe, Dir hat es gefallen,
mir die Musik zu geben und mich selbe von meiner Jugend auf erlernen zu lassen.
Daher möchte ich nun gerne in einem verständlichen Worte von Dir erfahren, was
fürs erste die Musik im Grunde sei, und fürs zweite: Sollte man diese mir gar
so überaus herrlich vorkommende Kunst auch, wenn man Gelegenheit hat, mit allem
Fleiße erlernen? Und endlich, welchen Nutzen fürs Leben gewährt sie? – O Herr!
sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig und nehme auf und erhöre meine
Bittfrage gnädigst und erquicke meine Seele mit einem Worte voll Lebens und
Liebe aus Dir Amen; Dein allzeit heiliger Wille Amen. –
[HiG.03_41.05.18,01]
Nun, so schreibe und schreibe und schreibe. – Der Liebe innerstes Wort, das ihr
Musik nennt, schreibe die Tiefe der Tiefen, schreibe die Macht der Mächte, die
Kraft der Kräfte! – Ich will dir geben ein Wort der Liebe, doch in einem hohen
Liede nur; denn zu hoch und erhaben ist's, danach du fragst. – Ich gebe es dir,
und dann begreife wohl, was du empfängst! – Und nun schreibe und schreibe und
schreibe ein hohes Lied, welches also laute:
[HiG.03_41.05.18,02]
1. / Es wohnt in den heiligen ewigen Tiefen der Liebe verborgen / ein nie noch
im Grunde von Engeln und Menschen geahnter Morgen; / ihr nennt es gar töricht
Musik, was als innerstes Wort sich bekundet. / Was soll denn dies schaleste
Wort, das den grundlosen Toren nur mundet? / Soll lehren es dich zu begreifen
ein Wunder der Tiefe der Liebe? – / Willst Großes du fassen, da fasse der Liebe
allinnerste Triebe!
[HiG.03_41.05.18,03]
2. / Der Ton ist die lebende Seele des Wortes, selbst Leben und Wesen; / was
wäre ein Wort ohne Ton? – Könnt's Gedanken des Herzens dir lösen? / Der
Buchstab' ist nur ein verkrüppelter Ton, ohne Klang und Bedeutung; / du kannst
mit dem Zeichen wohl schreiben das Wort nach der inneren Leitung, / doch nimmer
die Tiere von ihrem betäubenden Schlafe erwecken; / denn solches kann nur der
belebende Ton allzeit sicher erzwecken!
[HiG.03_41.05.18,04]
3. / Das innerste heilige Wort ist nur Ton ohne zungliche Trübung; / dies
heilige Wort magst du finden in rohesten Dingen ohn' Übung – / in allen
Metallen und festeren Steinen und Wasser und Erden, / in Tieren und Pflanzen,
in allen den luftigen sumsenden Herden. / Ich sage dir, horche und lausche mit
offenem Herzen und Ohren, / und du wirst bald merken, daß ohne den Ton wird
kein Wesen geboren!
[HiG.03_41.05.18,05]
4. / Und so wohnt im Tone auch einer ganz leise nur sumsenden Fliege / ein
Grund, eine Tiefe, du möcht'st sie nicht fassen! – Das Kind in der Wiege, /
fürwahr, kannst Mir glauben, es saget in seinem eintönigen Weinen /
unendlichmal Höh'res denn Salomo und all die Weisen und Reinen, – / und so auch
ein raschelndes Laub, und die sprudelnde muntere Quelle, / sie birgt in dem
plätschernden Tone des Lebens gar heil'ge Juwele!
[HiG.03_41.05.18,06]
5. / Nun denke ein wenig im Herzen doch nach – und begreife und fühle, / was
alles die Harmonie reiner gebildeter Töne verhülle! – – / besonders wenn sie
aus dem Herzen der Frommen gar reinlich entschweben; / Ich sag' dir, aus
ehernen Saiten entwinden sich zahllose Leben! / In den Oratorien und Sinfonien
und andren Gesängen / sich Leben an Leben, wie Woge an Woge, gar herrlich
durchdrängen!
[HiG.03_41.05.18,07]
6. / Möcht'st du wohl den Nutzen harmonisch gebildeter Töne erfahren? / Da
frage dich selbst nach dem Nutzen des Lebens, und du wirst gewahren / und
finden, daß nichts da wohl wichtiger sei als ein seliges Leben; / was, außer
dem Tone der Liebe, kann solches im Himmel dir geben?! / Musik ist die innerste
Sprache der Himmel, der seligsten Reinen, – / fürwahr, die sie feinden, die
Musik, die rechne Ich nicht zu den Meinen! – –
[HiG.03_41.05.18,08]
7. / Die Trägen und Feinde und die sie erwählen zu niedrigsten Zwecken, / die
werd' Ich zum inneren Leben des Geistes wohl schwerlich erwecken; / doch welche
die Herrliche achten und lieben in wonniger Freude / aus Mir und zu Mir – und
sie hätten auch manches auf schuldiger Kreide / bei Mir, wahrlich! Ich werd'
sie richten nach ihrem empfundenen Tönen; / daher mögt die Kindlein ihr
zeitlich und fleißig an solche gewöhnen! –
[HiG.03_41.05.18,09]
Aus diesem hohen Liede dürfte deine Frage wohl gelöst sein, wenn du es recht
erwägst. Denke, daß der unartikulierte Ton nichts ist und sein kann als das
allerreinste geistige Wort im höchsten himmlischen Sinne, so wird dir nach und
nach die sogenannte Musik in ihrer inneren Wesenheit immer klarer und herrlicher
werden. Rate das auch deinen Freunden und Freundinnen, und es wird für sie von
großem Nutzen sein amen. Das sage Ich, der ewige Grundton aller unendlichen
Töne, amen, amen, amen. – – –
Ursache und
natürlicher wie auch geistiger und geistig-politischer Grund der entsprechend
für diese Jahreszeit ungewöhnlich kühlen Witterung. – 19. Juni 1841, von 1/2 4
Uhr nachmittags bis 3/4 8 Uhr abends.
[HiG.03_41.06.19]
Schreibende: Andr. und Ans., Wilhelmine und Pauline H.
[HiG.03_41.06.19,01]
Ihr werdet beobachtet haben, daß sich in diesem Jahre schon frühzeitig eine
ungewöhnlich warme und trockene Witterung eingestellt hat; auch werdet ihr
bemerkt haben, daß während der anhaltend trocken-warmen Zeitperiode beständig
mehr südliche Lüfte wehten und dadurch die Luft dem Strahle der Sonne erwärmen
halfen; auch werdet ihr bemerkt haben, daß in dieser warmen Zeit sehr wenig
elektrische Wetter zum Vorscheine kamen, und daß es nach jedem dieser wenigen
elektrischen Wetter allzeit ein oder auch zwei Tage trübe blieb und auch
mitunter regnete. So jemand ein sogenanntes Barometer hat, wird sicher, wenn er
anders mit den Regeln dieses Instrumentes vertraut ist, die Erfahrung gemacht
haben, daß es in einem hohen Stande der Silbersäule so gut wie in einem
mittleren und niederen auch während des Steigens oder Fallens geregnet hat.
[HiG.03_41.06.19,02]
Sehet, so jemand alles dieses genau beobachtet hätte und hätte dabei seinen
Forschungsgeist geweckt, er würde nicht weit vom Ziele geschossen haben, da er
fürs erste sich doch wohl fragen mochte: Wohin kommt denn die immer von Süden
nach Norden strömende Luft, wohlgemerkt, wenn dieselbe von allen mittäglichen
Gegenden um die ganze Erde eben nach Norden strömt? Und die Antwort wäre
ebenfalls sehr leicht, besonders wenn man noch voraussetzt und voraussetzen
muß, daß die Luft ein gewichtiger Körper ist, welcher einer Ansammlung fähig
ist, davon euch ein jeder Blasebalg einen Lehrer abgeben kann, wie eure Lunge
selbst bei jedem einzelnen Atemzuge.
[HiG.03_41.06.19,03]
Dieser Forscher müßte nun notwendigerweise herausgebracht haben, weil die Luft
von allen mittäglichen Gegenden der Erde sich gegen Norden bewegte, daß dadurch
eben über dem bedeutenden Nordpol eine große Luftansammlung und Aufladung
stattgefunden haben muß. Sehet, was unser Forscher schon alles für richtige
Entdeckungen gemacht hat. Nun fragen wir den Forscher, so er übrigens nur ein
wenig mit den Luftdruck-Experimenten vertraut ist: Was wird denn nun geschehen,
wenn über dem eisigen Nordpole sich solche Massen der Luft übereinander lagern
und dadurch eine Schicht die andere mehr und mehr zu drücken anfängt? Und der
Forscher wird nach einem nicht gar zu langen Denken Folgendes zur Antwort
bringen: Wenn mich übrigens die Erfahrung nicht trügt, was sicher nicht
leichtlich der Fall sein wird, so muß die Aufschichtung der Luft über dem
Nordpole ja dieselbe Wirkung hervorbringen, als so man zwei große Blasebälge
mit ihren Luftausströmungsmündungen gegeneinander kehrt und an der Stelle, da
sich die beiden Luftströme hartnäckig begegnen, ein Wasser durchträufeln läßt,
wobei dasselbe alsobald zu einem Hagelkügelchen gefriert; und wenn die
gegenseitige Strömung der Luft in ihrer Heftigkeit noch vergrößert wird, man da
alsobald eine Menge kleiner Feuerfünkchen gleich den elektrischen nach allen
Seiten zucken sieht, und zwar unter einem bekannten elektrischen
Funkengeknister. Wenn demnach, sagt unser Forscher weiter, die gedrückte Luft
stets dieselbe Erscheinung und Wirkung zum Vorscheine bringt, so muß ja über
dem Nordpole vom Anfange solcher Luftansammlung an die Kälte eben auch mehr und
mehr zugenommen haben, und zwar in demselben Verhältnisse, als die unterste
Luftschicht von den sich stets mehr anhäufenden oberen Schichten mehr und mehr
gedrückt wurde. Und hat der Druck den höchsten Grad erreicht, so muß ja die
Luft sich alldort in ihrer untersten Lage ebensogut entzündet haben, wie im
kleinen zwischen den zwei großen Blasebälgen. Sehet, unser Forscher ist im
Ernste nicht uneinsichtig, denn seine Schlußfolge ist richtig.
[HiG.03_41.06.19,04]
Also war es auch in naturmäßiger Hinsicht genommen. Die Sonne hat mit ihrem
Strahle von allen Erdgegenden die Luft von Süden nach Norden getrieben, und das
darum, weil eben die Sonne in dieser frühwarmen Zeit durch ihre großen und
vielen neugebildeten Feuerkrater ihr Licht mehr denn ums Tausendfache
potenziert hat, was natürlicherweise nicht alle Jahre der Fall ist. Die Luft
häufte sich nun über dem Nordpole und bewirkte dadurch die größtmögliche Kälte,
so zwar, daß das den Nordpol umfließende Meer über hundert Meilen weiter herab
gegen Süden bis auf den Grund zu Eis geworden ist und dadurch an manchen
Stellen, wo das Meer sehr tief ist, dem Eise eine oft mehrere tausend Klafter
weitgedehnte Tiefe gab.
[HiG.03_41.06.19,05]
Nun aber muß Ich euch auf eine Erscheinung noch aufmerksam machen. Könnet ihr
euch noch des Tages erinnern, als in dem Zimmer des A. H. W. ein kleines
freihängendes Pendulum ohne alle jemandem bewußte Veranlassung zu schwingen
anfing? – Sehet, gerade um diese Zeit hat die Luftschicht über dem Nordpole
unter der naturmäßig großartigsten Explosion sich entzündet, welche Explosion
von einer solchen Heftigkeit war, daß sie mit einem Stoße beinahe das sämtliche
Eis, das den Nordpol zu hundert und hundert Meilen weit umlagerte,
zersplitterte und durch die nachfolgenden fortdauernden Entzündungen das Eis
von dem Pole in nicht selten ländergroßen Stücken in die südlicheren Gegenden
schob, davon bis jetzt einige sogar den Äquator erreicht haben. Eine solche
Explosions-Szene würde euch, so ihr derselben bloß nur zusehen und ihr groß
donnerndes Geknalle von ziemlich weiter Entfernung anhören möchtet, dem Leibe
nach unfehlbar töten; denn davon könnet ihr euch keinen Begriff machen, welche
für euch unbegreiflichen Naturkraftäußerungen allda zum Vorscheine kommen.
[HiG.03_41.06.19,06]
Fürwahr, so ihr euer ganzes Kaisertum möchtet durchaus tausend Klafter hoch mit
eurem Pulver anschütten und dann entzünden, so wäre dieses gegen eine solche
polarische Erscheinung und auch in Beziehung auf die ganze Erde gerade soviel,
als so ihr auf einem Tische ein einziges Pulverkörnchen entzünden möchtet.
Gerade in dem Verhältnisse steht die Explosionswirkung des Nordpols gegen die
des entzündeten großen Pulverhaufens, wie die Explosion ebendieses Haufens sich
verhält zu der des einzelnen Körnchens. Da ihr euch dadurch nun einigermaßen
die Explosion versinnlichen möget, so könnet ihr euch auch von dem allgemeinen
Knalle einen leisen Begriff machen, welcher von mehr denn einer Trillion
gleichzeitig bewirkter Blitze hervorgebracht wurde. Solchen Stoß empfindet die
ganze Erde, wie ihn auch empfunden hat das euch bekannte Pendulum.
[HiG.03_41.06.19,07]
Wenn ihr nun dieses zusammenfasset und danach schließet, so wird euch die gleich
darauf eingetretene Kälte in euren schon ziemlich südlichen Gegenden sicher
nicht mehr rätselhaft vorkommen. Denn wenn fürs erste die Luftmasse vom
Nordpole aus über alle oft über hundert Meilen weitgedehnten Eisfelder wieder
gegen den Äquator zu strömen anfängt und auf ihrer Rückreise auch mehrere
tausend und tausend berge- und ländergroße Stücke mit sich führt, so wird es
euch etwa doch begreiflich sein, daß die Luft also vom Norden wiederkehrend
nicht warm sein kann, als käme sie vom brennenden Äquator.
[HiG.03_41.06.19,08]
Aus diesem Grunde haben sich bei euch auch wenige elektrische Wetter
eingefunden, und das Steigen und Fallen des Silbers im Barometer ist bis jetzt
noch nicht eine Folge der inneren Erdrinde-Erhöhungen, sondern wird bloß
dadurch bewirkt, da bald eine größere und bald eine geringere Portion Luft vom
Norden sich über die Erdfläche hinzieht und dadurch vermöge ihrer größeren oder
geringeren Schwere auch das Fallen und Steigen des Silbers in der Röhre
bewirkt.
[HiG.03_41.06.19,09]
Sehet, also kann es auch allzeit regnen, mag das Quecksilber in der Röhre
stehen, wie es wolle, oder mag es fallen oder steigen, da die Luft allzeit kühl
ist und die Erdtemperatur aber warm. Und dadurch auch allzeit dieselbe
Erscheinung, die ihr im kleinen schon an euren Fensterscheiben bemerken könnet,
wenn es außen kalt wird und ihr eure Zimmer beheizet, allda sich eben auch der
Sauerstoff der kälteren Luft mit dem Stickstoffe, welcher in den Zimmern eine
Folge der Beheizung ist, verbindet und an der Scheibe als tropfbares Wasser zum
Vorscheine kommt.
[HiG.03_41.06.19,10]
Wie hoch die Luft sich über dem Nordpol angehäuft hat, möget ihr sehr leicht
aus der lange anhaltenden Abenddämmerung erkennen, vermöge welcher ihr noch
sogar gerade um die Mitternacht gegen den Norden einen bedeutenden
Lichtschimmer entdecken möget, und dieser Lichtschimmer ist nichts anderes als
die erleuchtete weitgedehnte Luftsäule über dem Norden. Wer rechnen kann nach
der Kreisbiegung und nach der Zahl der Grade von euch bis zum sogenannten
Polarkreise, der kann mit ziemlicher Sicherheit nach Meilen die Höhe der
Luftsäule bestimmen, welche sich über dem Nordpole auf dem schon bekannten Wege
aufgeschichtet hat. Vorläufig aber sage Ich euch, daß dieses Mal die Luftsäule
eine Höhe von siebentausend Meilen erreichte. Nun hättet ihr den naturgemäßen
Grund dieser Erscheinung, insoweit ihn euch auch ein wohlverständiger,
sogenannter Naturforscher hätte bekannt geben können.
[HiG.03_41.06.19,11]
Aber wie sieht es denn mit dem geistigen Grunde aus, welcher der eigentliche
Hauptgrund ist, wo ein jeder Naturgelehrte das für ihn traurige „Bis hierher
und nicht mehr weiter“ aussprechen muß?! – So ihr die Erklärung über den
Nordpol nachsehen wollt, wie auch noch manche andere sowohl aus dem Gebiete des
Mineral-, Pflanzen- und Tierreiches, namentlich aber auch jene Erklärung über
das Erdbeben, so möchte euch der geistige Grund schon so ziemlich bekannt sein.
Nur ist hier der unterschiedliche Umstand zu berücksichtigen, da für diesmal,
was freilich nur selten der Fall ist, eine allgemeine Geistergefangennehmung –
wie auch Erlösung – der lange schon im Eise des Nordens Harrenden stattgefunden
hat. Die Gefangenen sind diejenigen, die von Süden gegen Norden geführt wurden,
und darum dahin geführt wurden, weil sie ansonsten zu großes Unheil angerichtet
hätten über alle südlichen Erdgegenden.
[HiG.03_41.06.19,12]
So ihr einen Blick machen möget auf all die kriegerischen und aufrührerischen
Bewegungen all der südlichen Völkerschaften, so möchte euch der Grund solcher
allgemeinen Gefangennehmung nicht ganz undeutbar sein. Und so ihr nun saget:
Solches hat allerdings viel für sich und erscheint uns höchst wahrscheinlich,
so kann aber anderseits doch wieder nicht ebenso leicht begriffen werden, warum
denn im Gegenteile dadurch auch wieder ebenso viele stark Abgekühlte aus dem
Norden frei wurden – und wurden und werden noch bis jetzt geführt in des Südens
wärmere Gegenden, zum Teil in großen Eismassen und zum Teil in der
zurückströmenden Luft selbst. Allein hierüber sage Ich euch, daß wer das eine
begreift, kann ebenso leicht auch das andere begreifen.
[HiG.03_41.06.19,13]
Ein kleines Beispiel soll euch das Ganze aufhellen. Was meinet ihr wohl,
welches das beste Mittel sei, um Raufbolde in einer warmen Stube baldmöglichst
zu besänftigen? Ich sage euch: Begießet sie mit eiskaltem Wasser oder schaffet
sie hinaus in den Schnee, und ihr könnet vollkommen versichert sein, daß die
Abgekühlten wenigstens für diese Zeit nicht mehr Hand aneinander legen werden.
Also ist es auch im Großen der Fall. Hätte Ich nun solches nicht zugelassen und
dadurch die weltlich machthabenden Hitz- und Raufbolde durch die friedlichen
Geister abgekühlt, so wäre nun der ganze südlichere Erdkreis über Hals und Kopf
in Krieg, Aufruhr, Hunger und Pest verwickelt. So aber ließ Ich kalte Lüfte
wehen. Diese aber kühlen nicht nur eure Haut ab, sondern da sie an und für sich
nur friedliche oder doch wenigstens gefriedete Geister sind, so üben sie auch
dasselbe auf die Gemüter aus, was der kalte Wind äußerlich auf die Haut wirkt.
Wisset ihr, von wie vielen Menschen es oft abhängt, daß gegenseitig ganze
Völker in Kriege verwickelt werden?
[HiG.03_41.06.19,14]
Ihr brauchet nur einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, und ihr werdet
uranfänglich selten mehr als zwei gegenseitig hochgestellte Hitzköpfe
antreffen. Werden diese brennend, so verhalten sie sich zum Volke geradeso wie
ein Funke zu einem dürren Walde, der da hinfällt auf einen leicht entzündlichen
Körper, der alsobald lichterloh aufbrennt und in kurzer Zeit den ganzen Wald in
Brand steckt. Der Funke ist zum Beispiel irgendein brennender Minister, der
sehr zündbare Gegenstand ist entweder der Monarch selbst oder das militärische
Volk, und der dürre Wald ist das gesamte übrige Volk, welches oft körperlich und
geistig unter dem Drucke irgendeiner zu eigennützigen Regierung schmachtet. Der
raufsüchtige Minister erachtet den Krieg für höchst notwendig, natürlich
zufolge eigener Herrsch- und Gewinnsucht. Der Monarch und das kriegerische Volk
werden nicht minder vom gleichen Beweggrunde hingerissen, und das arme Volk muß
da mitbrennen, will es oder will es nicht, und sagt auch dann gewöhnlich: Hin
bin ich so oder so, – und so liegen sich dann ganze Völker durch zwei einzige
Funken mörderisch in den Haaren. Wenn aber der brennende Funke durch einen
fallenden Regentropfen noch eher gelöscht wird, bevor er den zündbaren
Gegenstand des Waldes berührt hat, bleibt da nicht der ganze Wald verschont?
[HiG.03_41.06.19,15]
Sehet, also beschaffen ist auch diese gegenwärtig anhaltend kühle Witterung und
macht, daß sich die Großen, statt gegenseitig sich zu reiben, dafür die Hände
rippeln, nicht aber ihren hitzigen Kopf, damit er desto eher aufflammen möchte.
[HiG.03_41.06.19,16]
Aus diesem nun angeführten Beispiele möget ihr wohl füglich schließen, wie Ich
gar wohl verstehe, durch jede euch bloß natürlich vorkommende Erscheinung so
manches geistige Übel hintanzuhalten. Wenn ihr aber tiefer denket, so werdet
ihr ja ohnedies in den gesamten Naturerscheinungen spottwenig Natürliches
finden, nachdem Ich als der Urheber jeglicher Naturerscheinung doch gewiß in
dem allervollkommensten Sinne jeglichen Wortes und jeglicher Bedeutung nach ein
Geist, aber keine äußere sinnliche Natur bin, welche an und für sich nichts
ist, als wie euch schon bekanntgegeben, Meine gehaltene Idee oder Mein
gefesteter Gedanke.
[HiG.03_41.06.19,17]
So ihr aber nun solches wisset, da möget ihr ja auch noch hinzu wissen und
begreifen, daß so Ich irgend Meine Gedanken in eine kleine Bewegung setze, Ich
solches nicht tue der Gedanken wegen, als wollte Ich sie gleichsam auslüften
und bewahren vor den Motten wie ein Kürschner seine Häute, sondern Ich bewege
Meine Gedanken allzeit nur derentwillen, die nun mehr als Meine alleinigen
Gedanken sind; diese sind, was ihr seid, nämlich freie, selbsttätige Wesen, die
da Meine Kinder werden sollten. So aber einer oder der andere ein guter Vater
seiner Kinder ist, führt er nicht sein ganzes Hauswesen seiner Kinder wegen und
arbeitet und wirtschaftet und denkt und spart für sie? –
[HiG.03_41.06.19,18]
So ihr, die ihr unvollkommen seid, solches tut für eure Kinder, wie möchtet ihr
denn hernach denken, Ich als der allerweiseste und allerliebevollste Vater
aller Menschenkinder werde auch nur ein kleinstes Wölkchen aus purer Unterhaltung
von den Winden durch die Lüfte tragen lassen, geschweige erst eine solche
großartige Nordpolexpedition für nichts und wieder nichts aus purer
Unterhaltung bewerkstelligen – und dadurch sein gleich euch, die ihr nur gar
oft Dinge für nichts und wieder nichts begehet und manchmal nicht unähnlich
seid den windlustigen Knaben, die eine Schlüsselbüchse laden und sich dann
ergötzen an dem dampfenden Pulverpflutscher, an dem doch nach eurer Beurteilung
gewiß nichts Ersprießliches gelegen ist.
[HiG.03_41.06.19,19]
Schließlich mache Ich euch noch bei dieser Gelegenheit auf jene bei euch
bestehende knallende und klingende Gottesverehrung aufmerksam. Solche ist nicht
zu vergleichen mit dem vom Winde getragenen Wölkchen, noch weniger mit jener
großartigen Erscheinung des Nordpols, sondern ist noch um siebenmal weniger
sagend als die Schlüsselbüchsenpflutscherei der windlustigen Knaben, welche
sich aber doch dabei wenigstens außerordentlich belustigen, – während durch
solche Meinen Namen verherrlichen sollende Knallerei und Metallschlägerei und
anderartige Klingerei sogar niemand erheitert, noch belustigt wird. Sondern
alles dieses geschieht nach einer gewissen Vorschrift wie instinktmäßig, und
der Mensch wird dadurch geradeso erbaut, wie ein Baum neben dem andern, wenn
von dem einen ein Ast abgeschlagen wird, wohlverstanden! –
[HiG.03_41.06.19,20]
Sehet, solche Erscheinungen rühren nicht von Meinen Gedanken, sondern von den
nichtssagenden der Menschen her. Damit aber diese zu solcher Gedankenrührung
gelangen möchten, die Meiner würdig ist, werde Ich wohl gar bald genötiget
sein, einen größeren Gedanken in Bewegung zu setzen! – Verstehet es wohl Amen.
Das sage Ich, der alleinig große Gedankenbeweger Amen! –
Sei unbesorgt
deiner Brüder wegen. – 26. August 1841.
[HiG.03_41.08.26]
Jakob Lorber, seiner Brüder wegen besorgt, wandte sich an den Herrn und empfing
folgendes tröstliche Wort:
[HiG.03_41.08.26,01]
Was kümmert dich der Gerechten? Laß sie wandeln ihre geraden Wege, denn Ich
sage dir: Wer da glaubt und nichts hört und nichts sieht und doch fest und
ungezweifelt glaubt, daß Ich Jesus der Christ wahrhaftig bin der Sohn Gottes
und Gott Selbst von Ewigkeit, dessen Verdienst in Meinem Namen steht höher denn
das eines Apostels, der seine Finger in Meine Wundmale legte und dann erst
glaubte, da er hat gesehen, gefühlt und gehört! Wahrlich sage Ich dir, das Lob
der gerechten Blinden ist Mir lieber denn die Danklieder der Sehenden und
Hörenden. Was ist denn schwerer, zu sehen und zu folgen dem Führer oder als
Blinder zu folgen aus Liebe Dem, den er nicht sieht und nicht hört, sondern Ihm
allein folgt durch den Glauben, durch das Vertrauen und durch die Liebe? –
[HiG.03_41.08.26,02]
Darum sei dermal unbesorgt deiner Brüder wegen; denn so gut Ich dir ein hör-,
fühl- und nicht selten innerlich sichtbarer Führer bin, bin Ich es unvernehmbar
und unsichtbar noch um so mehr deinen Brüdern. Denn für die Schwachen bin Ich
ein kämpfender und schützender Held, wie Ich den Sehenden bin ein freundlicher
Führer und Lehrer! – Seliger zwar ist das Schauen; aber höre, darum nicht
verdienstlicher denn der umschleierte feste Glaube. Darum also sei unbesorgt
Amen. –
Das Licht der
Höhen. – Geschrieben in Greifenburg, im August 1841.
[HiG.03_41.08.00,01]
Wende hin deines Auges Apfel zu den lichtumstrahlten Höhen und lese die großen
Zeichen der Allmacht deines Gottes! Wie – du bestaubter Wurm zitterst vor dem
Rauschen eines Abendlüftchens, das leise nur durch die dürren Äste morscher,
abgelebter Tannen und Fichten dahinsäuselt, und wagst es nicht zu erheben dein
lichtscheues Auge hinauf zu den heiligen Höhen?
[HiG.03_41.08.00,02]
Du freier Geist wagst es nicht?! – Im Hinterhalte doch, in der Sünde dunklen
Kammern kannst dich wohl erheben, Gewalt und Vernichtung brüten in deiner
sicher gewähnten Frechheit, und es dünkt dich groß, mit deiner faulen Lunge
Pesthauche Erden zu Atomen zu zermalmen; – da bist du frei, ja überfrei in der
großen Finsternis deines Wahns. Jedoch aufzublicken zu den lichtumstrahlten
Höhen läßt dir Wahnstarkem dein eigener dich vernichtender Höhenschwindel nicht
zu!
[HiG.03_41.08.00,03]
O Wurm, du krümmest dich umsonst, der glitzernde, dich umgebende Staub fällt
von dir, und du bist nackt in aller deiner Scheußlichkeit! Du suchest dir
mühsam ein schützendes Grab auf der weiten bluttriefenden Erde; und siehe, sie
hat all ihr gähnendes Geklüfte geschlossen und ihr Gewässer gemacht zum harten
Steine, – wo willst du denn noch hinkriechen, daß dir eine Herberge werde?
[HiG.03_41.08.00,04]
Die auf der Erde wandeln, haben dich erkannt und haben einen großen Abscheu vor
dir; meinst du wohl, du Wahngroßer, sie werden dir in ihren Gräbern Raum gönnen
zur schmählichen Rast oder dich in die alten Särge kriechen lassen, auf daß dir
unschädlich werde und dich nicht ereile das große Licht aus den heiligen Höhen
und dich nicht offenbar mache vor aller Sterne Augen? – Umsonst schlichtest du
nun den alten Frevel, entlarvt ist deine Pestpuppe, fauler Lügner die lange
Nacht hindurch; verzehre noch den schnöden Rest deiner aus dem Heiligtume
geraubten Goldkörner.
[HiG.03_41.08.00,05]
Siehe, das heilige Licht rauscht gewaltig und unaufhaltsam über die Höhen
herab; Berge zeugen mit Donnerstimmen wider dich und verschließen ihr Geklüfte
vor dir, und versiegen machen sie all ihr fruchtend Gequelle, da du sie umkriechen
möchtest. Wo ist deine Größe nun, die du dir in deiner Totenkammer geträumt
hast? Sieh, wie kleiner und stets kleiner du wirst, wie alles dich flieht,
verabscheut und sich verschließt vor dir Wahngroßem, – selbst der Rachen der
Hyänenbrut will dir kein Lob mehr spenden und treibt dich vom blutenden Lande,
und des Meeres Drache zerreißt die Segel deiner gemauerten Schiffe! Was
schreist und wimmerst du in die heiligen Lüfte, in die lichterfüllten; und der
Tiger und die Klapperschlange, sonst dein getreues Gefolge, rufen wider dich
und begehen mörderischen Hochverrat in deinen eiternden Eingeweiden!
[HiG.03_41.08.00,06]
Siehe, wie der Sonne Strahl der Pontinischen Sümpfe böse Nebelluft zerstört,
wird das Licht der Höhe dir tun, und du wirst nimmerdar wiederkehren. – Siehe,
das wirkt das Licht aus der Höhe, zeigend den Großen Tag, den Letzten, den
Unendlichen. Amen.
Ein neues Licht
im neuen Lichte. – 24. Oktober 1841. Sonntagvormittag.
[HiG.03_41.10.24,01]
Fort, fort mit euch – die Berge schwinden, die Wässer versiegen in den Tiefen;
fort, fort mit euch, die Zeit ist platt gedrückt, es weht vom zeitenlosen Sein
ein vernichtender Hauch über das matt gewordene Geklüfte der Erde, und das eisstarre
Meer gähnt dem Feuer des Zornes entgegen – fort, fort mit euch!
[HiG.03_41.10.24,02]
Das zweischneidige Schwert, das ihr auf Zions Höhen geraubet habt, befindet
sich allerschärfst wieder in der Hand der ewigen Allmacht und wird nun
geschwungen über des Tieres siebentes Haupt, damit der Drache nimmerdar fresse
das süße Blut der Unschuld, – nimmerdar verfolge das arme gerechte Weib in der
Wüste, und ihr Kind, der Herr im Worte, lebe lebendig in jedem Sandkorne den
ewigen großen Tag hindurch.
[HiG.03_41.10.24,03]
Die Erde solle gleich gestellet sein zwischen Pol und Pol, und kein Tag mehr
länger und kürzer. Ich will die Wässer zurücktreiben, ja über die höchsten
Berge will Ich Wogen auftürmen bis zu den Sternen, zu ersäufen all das Gestein,
und Feuer wird fallen bis in den Abgrund und wird da entzünden all die faulen
Gewässer und ihr Dampf sodann verpesten alles Gewürm der Erde!
[HiG.03_41.10.24,04]
Daher fort mit dir, du Drache, – wohin mit dir, du Schwerer? Ins Feuer, in dein
Feuer, in das Feuer, damit du lange gesenget hast das demütige Gras auf der
großen Wiese des Lebens und hast dafür bestreut den öden Boden mit glühenden
Steinen, auf daß sich die Ameisen unter dem Boden zu Tode schwitzen sollen.
Allein diese hart geprüfte Kreatur ist nicht ausgestorben; sie lebet, ja sie
muß leben, um dich elenden Wurm nach gerichteter Art im Staube deiner
Nichtigkeit zu zermalmen!
[HiG.03_41.10.24,05]
Es soll euch heiß werden, ihr Berge, und euch Wolken will Ich von einem Ende
der Welt zum andern hin mit Blitzen jagen und treiben in schwindelnden Wirbeln,
darum ihr Hagel zeugen sollet, zu erschlagen alles Hohnfutter für die Tiere des
Tieres und decken den glühenden Boden der Schwachen mit Eis bis zu den Sternen,
damit der Erde blinder Wahn auf ewig zum Tode erstarre. Denn Ich bin der Herr
aller Macht, Mir muß alles weichend freien Platz machen; – wenn Ich komme, wo
Ich komme, da kommt keiner mehr nach Mir, wie vor Mir keiner war und keiner
gezeigt hat den weiten Weg durch die Unendlichkeit Amen. –
Noch ein neues
Licht im neuen Lichte. – 25. Oktober 1841. Nachmittag.
[HiG.03_41.10.25,01]
Siehe ein Haus, es ist neu erbaut, am Dache ein Stein, in der Kammer ein Stein
und im Keller ein Stein. Wer da wandelt am Dache, dem wird der Stein am Wege
sein und wird ihn hindern, vorwärts zu schreiten. Wer aber wandelt in der
Kammer, in der dunklen, der wird sich hart stoßen am Steine, daß er darob ein
großes Leid tragen wird. Wer aber endlich wandelt im Keller, der da ist voll
Finsternis, der wird fallen über den Stein und wird zerschellen am harten
Steine all sein lebend Gesicht und wird sein voll Beinbrüche an Händen und
Füßen und wird nicht mehr sehen, noch greifen und halten, noch stehen, gehen
und frei wandeln können.
[HiG.03_41.10.25,02]
Wer aber Ohren hat, der höre, und wer da Augen hat, der sehe. Es wird aber
fürder sein also mit den Häusern und wird in keinem mehr sein des Bleibens. Wer
da erreicht hat ein offenes Feld, der kehre ja nicht um und kümmere sich um
keines der Häuser mehr.
[HiG.03_41.10.25,03]
Denn wer Mich bekennt, der soll Mich offen bekennen im Geiste und in aller
Wahrheit, frei ohne Haus, Fach und Dach; denn Ich habe einen großen Ekel
bekommen vor all den Häusern. Daher kein Haus mehr, da jedes ist mehr und mehr
ein Totenhaus. Ihr aber wisset, wo da ist die Wohnung des Lebens, in der allein
zu bestehen sein wird ewig. Daher suchet nicht und saget nicht: Siehe da, siehe
dort; sondern inwendig in euch kommt das Reich des Lebens, das Reich der
Himmel, die ewige Wohnstätte des Heiligen Geistes! –
[HiG.03_41.10.25,04]
Wehe all den Häusern, die da sind voll Steine, voll Dunkels und voll
Finsternis, in ihnen wohnt der Geist des Todes; aber das Leben ist frei in Mir
und muß es also auch sein in euch ewig Amen.
Auf Fragen von
Ans. H. – 28. November 1841, am 1. Adventssonntag, nachmittags.
[HiG.03_41.11.28]
J. L. forderte Ans. H. auf, Fragen zu stellen, die er im Namen des Herrn
beantworten werde.
[HiG.03_41.11.28,00]
O Herr! Was bedeutet das oftmalige, gar so tiefe Aufseufzen beim Lesen Deines
heiligen, neuen, lebendigen Wortes?
[HiG.03_41.11.28,01]
Antwort: Was bedeutet denn das leere Windaufstoßen bei einem hungrigen Magen? –
Warum schluchzen denn die Kinder, welche gerne essen, wenn sie nicht sogleich
eine erwünscht große Portion Brotes bekommen? Warum aber gibt es ihnen der
Vater nicht? –
[HiG.03_41.11.28,00]
Ist das ein guter Spruch, den ich mir aufzeichnete: Wende dich nicht ans Roß,
sondern an den Reiter?
[HiG.03_41.11.28,02]
Antwort: Es kommt nur darauf an, wie der Reiter beschaffen ist. Manchmal wäre
das Roß dem Reiter vorzuziehen. Der beste Spruch aber ist: Wende dich an den
Herrn! Denn Er ist Roß und Reiter zugleich! – – –
[HiG.03_41.11.28,00]
Nach einem Falle fühle ich gewöhnlich erst am dritten Tage die Wiederkehr
geistiger Kraft. Wie könnte ich mich schneller erheben?
[HiG.03_41.11.28,03]
Antwort: Schneller erheben? – Wenn du besser gar nicht fielest, dann ginge es
am schnellsten! – Wer aber noch schwach auf der Brust ist, der muß dann
freilich wohl eine Zeitlang keuchen, bis er sich wieder erhoben hat nach einem
widrigen Falle. Wer aber gut auf der Brust ist, der fällt nicht oder wenigstens
sehr schwer und selten, kann sich aber sogleich wieder aufrichten. Denn wie die
Brust, so die Füße! –
[HiG.03_41.11.28,00]
Ist der Prophezeiung des Bug von Milhas in den Pyrenäen zu glauben, nach
welcher das bald kommende Jahr 1842 für England und Frankreich ein sehr
verhängnisvolles sein solle?
[HiG.03_41.11.28,04]
Antwort: Wie das Volk, so die Prophezeiung, und die Prophezeiung wie das Volk.
Mehr braucht ihr nicht. Wozu für Taube eine Predigt und für Blinde ein
Drohlicht, – möchte sich wohl jemand danach kehren?
[HiG.03_41.11.28,00]
Habe ich nicht gefehlt, meinem Bruder Andrä in Deinem heiligen Namen ein
Trostwort zu verfassen in der Form, wie dein Knecht schreibt?
[HiG.03_41.11.28,05]
Antwort: So du Glauben hast und Liebe, was macht dich zweifeln? – Oder hast du
deinen Bruder mit deinem oder mit Meinem Namen getröstet? – – –
[HiG.03_41.11.28,00]
Dürfen wir dich, Herr Jesus, auch unter dem Namen Abedam anrufen?
[HiG.03_41.11.28,06]
Antwort: Seid denn auch ihr aus der grauen Urzeit? – Oder nicht vielmehr
Früchte aus der großen Zeit der Zeiten? – Wenn ihr Jesum habt, wozu dann noch
Abedam? – – –
[HiG.03_41.11.28,00]
Spiegelt nicht Deines Knechtes äußere Erscheinung Deiner unwürdigen Jünger
inneres Wesen ab?
[HiG.03_41.11.28,07]
Antwort: Es steht aber nirgends, daß der Knecht aus einer Spiegelfabrik erwählt
wurde, sondern selbst aus der Finsternis der Welt; er ist nur zum
Lichtdurchlassen gleich einem Brennglase, aber kein Spiegel. Spiegel, ja
lebendige Spiegel sollet ihr nur sein und ein guter Zunder, leicht
feuerfänglich durch die vereinten Strahlen des Brennglases! –
[HiG.03_41.11.28,00]
Kannst Du es uns verargen, o Herr, daß auch wir die größte Sehnsucht fühlen,
Dich als Asmahael, Emanuel oder Abedam unter uns zu erblicken und zu Deinen
heiligen Füßen Dir unseren kindlich-einfältigen Dank zu stammeln?
[HiG.03_41.11.28,08]
Antwort: Könnt ihr etwa solches euren Kindern? – Allein die rechte Liebe steht
höher denn alle Anschauung! Doch bin Ich schon öfter sichtbar unter euch
gewesen, doch bis jetzt habe Ich von euch in Meiner Sichtbarkeit nur ein
sparsames Almosen empfangen! – Verstehet ihr solches? – – – Ich will im Herzen
zuvor gefunden sein! –
[HiG.03_41.11.28,00]
Welches ist das sicherste Mittel, Menschen zu erkennen?
[HiG.03_41.11.28,09]
Antwort: Die Liebe – alles andere ist undurchsichtiges Glas! – – Gut
verstanden, amen.
[HiG.03_41.11.28,09]
Der bei euch, unter euch und in euch ist und lebet und euch leben machet, saget
Amen.
29. November
1841, nachmittags. (Auf Fragen von Ans. H.).
[HiG.03_41.11.29,00]
O Herr! Wie kann im Rückblick auf begangne Sünden wohl reine Seligkeit in
Deinem Reich sich finden?
[HiG.03_41.11.29,10]
Antwort: Das ist eine Frage! – Was betest du denn in Meinem Gebete, daß Ich dir
die Sünden vergeben möchte, wie du deinen Schuldnern? – Und heißt es nicht in
der Schrift, daß der Hirt neunundneunzig Schafe verließ und ging suchen das
hundertste verlorne? – Wie lautet es hernach weiter? Solches wirst du wohl
wissen! – – –
[HiG.03_41.11.29,00]
Wie sich da unterscheidet Dein alt und neues Licht, fürwahr, Du liebevollster
Herr, ich weiß es nicht!
[HiG.03_41.11.29,11]
Antwort: Solches kannst du von dir gestehen? – Gibt es denn einen alten und
neuen Gott? Wie liest du aber im Johannes vom Worte, was es sei? – Alt und neu
aber bezieht sich nicht aufs Wort, sondern auf den Menschen, der es in sich
aufnimmt. Da wird aus dem alten Menschen ein neuer, und dann ist er auch ein
Wort – und somit freilich ein neues!
[HiG.03_41.11.29,00]
Ist nicht von aller Heilmethod' die Wasserkur die beste für erkrankte leibliche
Natur?
[HiG.03_41.11.29,12]
Antwort: Ja wohl, aber besonders für leidende Naturen der Fische. Aber für
Menschen gibt es noch eine einfachere und wirksamere – du wirst es wohl
verstehen, welche Ich meine?! –
[HiG.03_41.11.29,00]
Ein mildes, kühles, heil'ges Wehen um den Kopf, ist's Deine Näh'? Gib kund mir
armem Tropf!
[HiG.03_41.11.29,13]
Antwort: Nicht das Wehen um des Leibes Kopf, ob es mild, sanft und kühlend sei,
kann dir zeigen Meine Nähe, sondern allein ein demütiges, zerknirschtes Herz.
Oder möchtest du Mich etwa gar unter die zarten Spukgeister versetzen? – Was du
empfindest, kommt von dir und den dich manchmal umgebenden Geistern besserer
Art. – – –
[HiG.03_41.11.29,00]
Die Höhen des Nordens rein, der Osten ganz verhüllt, was wollte uns denn
gestern sagen dieses Bild?
[HiG.03_41.11.29,14]
Antwort: Die Erkenntnis ziemlich rein, aber Liebe nicht gar fein – solches
zeigt dir mild dein beschautes Bild! – – –
[HiG.03_41.11.29,00]
Damit man nicht lebendig wird begraben, welch' Vorsicht sollten da die Ärzte
haben?
[HiG.03_41.11.29,15]
Antwort: Sorgst du dich darum? Wer der Welt frühzeitig stirbt, wird wohl
solches nie erleben. – Solche Vorsicht aber sollen Ärzte haben, daß sie die
Toten nicht zu schnell begraben! –
[HiG.03_41.11.29,00]
Daß endlich die Berliner Philosophen die Nacht in sich erschaun, ist's nicht zu
hoffen?
[HiG.03_41.11.29,16]
Antwort: O zu hoffen gibt es allzeit etwas – freilich nicht immer dasselbe,
auch nicht immer etwas Gutes! – Aber da von deinen Philosophen ist für diesmal
nicht gar viel zu hoffen! –
[HiG.03_41.11.29,00]
Du gingst in öde Orte, Herr, um da zu beten. Ist uns das nicht ein Wink, daß
wir desgleichen täten?
[HiG.03_41.11.29,17]
Antwort: Zu viel euch zu winken, macht den Mut euch sinken. Darum achtet nur
der Liebe, sie hat ja die besten Triebe. – Alles könnt ihr nicht tun, was Ich
tat, sondern nur soviel ihr könnt. – – –
1. Dezember
1841, nachmittags. (Auf Fragen von Ans. H.)
[HiG.03_41.12.01,00]
Du sagtest, o Herr, daß Du schon öfter sichtbar unter uns gewesen. Wir haben
Dich aber nicht erkannt. Solltest Du wieder einmal sichtbar zu uns kommen, so
sage uns gnädigst an, wie wir Dich erkennen können – ob an Deinem Blick, an
Deiner Rede oder an sonst etwas?
[HiG.03_41.12.01,18]
Antwort: Solche Frage! – An nichts als allein an der Liebe, und mit nichts als
allein mit dem Herzen. Denn ein Bettler hat und trägt keine Ordenszeichen als
allein die der blanken Armut! –
[HiG.03_41.12.01,00]
Wer Dich, Du heiliger Vater, erkannt hat und über alles liebt, hört der nicht
gleichsam auf, dem Weibe Mann, den Kindern Vater zu sein? Wird dann nicht das
Weib seine Schwester und die Töchter und Söhne seine Schwestern und Brüder?
[HiG.03_41.12.01,19]
Antwort: Solches ist dir ja ohnehin schon gesagt worden und treulich
kundgegeben! – Der Wiedergeborene aber ist ja schon im Himmel, welcher ist das
ewige Leben, welches kommt aus der Liebe und dem lebendigen Glauben daraus. –
Wie steht aber in der Schrift von den ehelichen Verhältnissen und diesen
zufolge auch von allen übrigen, wie liesest du? – Wo nur ein Vater ist, was ist
da alles andere? –
[HiG.03_41.12.01,00]
Woher kommen Scheu und Abneigung vor stolzen Reichen und Machthabenden, da man
doch im Herzen Mitleid für sie fühlt?
[HiG.03_41.12.01,20]
Antwort: Daher, woher die gegenseitige Polarität des Magnets, da sich auch die
Pole stets soweit als möglich entfernen. Dessenungeachtet aber wird doch die
Polarlinie nicht aufgehoben. Das liegt schon also in der ewigen Ordnung! –
[HiG.03_41.12.01,00]
Wenn die unschuldigen, dem Menschen zum Genuß dienenden Tiere bei ihrer Tötung
Schmerz empfinden, wäre es da nicht besser, daß der Mensch bloß von
Vegetabilien lebte?
[HiG.03_41.12.01,21]
Antwort: Wegen des Tierschmerzens wird niemand verlorengehen, wohl aber wegen
des Bruderschmerzens, so jemand dessen in seinem Herzen nicht achtet. Mutwille
aber ist sogar an Steinen sträflich, somit sicher auch an den Tieren.
Tierquäler aber sind auch dem Menschen gefährlich! –
[HiG.03_41.12.01,00]
Waren das furchtbare Gewitter und die gewaltigen Orkane, die unlängst in Rom um
die sieben Hügel tobten, nicht ein Zeichen für den Pontifex maximus?
[HiG.03_41.12.01,22]
Antwort: Was den Ort der Erde betrifft, da antworte Ich nicht. – Laß aber toben
der glühen Orkane Macht und Sonnen groß und hell die Blitze dahin Welten
zermalmend stürzen – und keines wird vernommen von den metallnen Ohren! Denn
der Pontifex ist ein metallner Götze! – Verstehe und schweige.
[HiG.03_41.12.01,00]
Werden die Völker deutscher Zunge je zu brüderlicher Einheit gelangen?
[HiG.03_41.12.01,23]
Antwort: Hier schwerlich je, aber viele jenseits; denn hier huldigen zu viele
der alten Lüge und der starren Habsucht! –
[HiG.03_41.12.01,00]
Ist es nicht ungerecht, daß in manchen Ländern, so wie bei uns, keine Juden
bleibend wohnen dürfen?
[HiG.03_41.12.01,24]
Antwort: Geht es Mir, dem Erzjuden, besser? Wo Ich nicht als Schacherartikel
diene, da berät man schon lange sich über Meinen Einlaß! Doch was am Juden
geschieht, ist ein Zeichen für sie; was aber dem Juden geschieht, das ist der
Greuel der Verwüstung, von dem Daniel spricht! –
[HiG.03_41.12.01,00]
O Herr, vergib mir den Fürwitz und sage gnädigst, wie Deine jungfräuliche
Mutter, die Mutter voll der Gnaden, aussah?
[HiG.03_41.12.01,25]
Antwort: O du weibersüchtiger Mensch, möchtest du sie nicht auch auf
irgendeinem Spaziergange halbsinnlich angaffen? – Siehe, solches ist dir nicht
vonnöten. Wenn du aber vollends rein sein wirst, dann soll auch dein Fürwitz
befriedigt werden! – Sie war durchaus schön! Verstehe. –
[HiG.03_41.12.01,00]
Dürfen wir auf die Freude hoffen, einst alle zu sehen, die Dich liebten, als Du
wandeltest auf Erden, so zum Beispiel eine Magdalena, eine Maria von Bethanien,
einen Johannes, Zachäus usf.?
[HiG.03_41.12.01,26]
Antwort: Warum hast du denn in der Frage zwei Weiber und nur auch zwei Männer
deiner Sehnsucht angeführt, während Ich doch viel mehr mit Männern denn mit
Weibern verkehrt habe? Siehe, solches ist nicht in der Ordnung. Mir ist es
lieber, daß der Mann sich erkundigt um seinesgleichen, aber den Weibern hilft
in Meinem Namen, meinst du solches nicht mit Mir? – – Die aber bei Mir wohnen
werden, warum sollen sich diese nicht sehen und erkennen? Sind sie denn nicht
auch eure Brüder und Schwestern? – – –
[HiG.03_41.12.01,00]
O Herr, warum durfte jener von bösen Geistern durch Dein Machtwort Erlöste Dir
nicht nachfolgen?
[HiG.03_41.12.01,27]
Antwort: Wegen Meiner Liebe, die ihn erhalten, nicht aber zerstören wollte,
denn ein gereinigtes Wohnhaus des Satans ist nicht sogleich fähig, dem heiligen
Geiste als Wohnung zu dienen, – denn gezwungene Erlösung ist nicht hinreichend
zum ewigen Leben, sondern nur eine freie, vom Erlösten selbst mit betätigte,
nämlich die freie Wiedergeburt! – –
Propheten und
deren Aufnahme. – 3. Dezember 1841, nachmittags.
[HiG.03_41.12.03]
Matthäus 10,41: „Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, der
wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines
Gerechten Namen, der wird eines Gerechten Lohn empfangen.“
[HiG.03_41.12.03,01]
Um aber solches im Geiste der Wahrheit zu erfassen, muß zuvor erkannt werden,
wer im eigentlichen Sinne ein Prophet ist.
[HiG.03_41.12.03,02]
Im gedehnten Sinne ist jeder Mensch ein Prophet, so er zu seinem Bruder oder zu
seiner Schwester spricht um Meiner Liebe und daraus der Verherrlichung Meines
Namens willen, der da Jesus der Gekreuzigte heißt. Denn es steht ja
geschrieben: „So jemand in Meinem Namen Bedürftigen auch nur einen Trunk
Wassers reichen wird, es wird ihm solches nicht unbelohnt bleiben.“
[HiG.03_41.12.03,03]
Also in diesem Sinne kann jeder Mensch ein Prophet sein. Wer ihn in Meinem
Namen aufnehmen wird, entweder geistig oder leiblich, der solle auch gleich dem
Propheten entweder den geistigen oder leiblichen Lohn empfangen; wer ihn aber
geistig und leiblich aufnimmt, dessen Lohn solle auch geistig und leiblich
sein, so wie des Propheten, der da spendete geistige und leibliche Gaben in
Meinem Namen.
[HiG.03_41.12.03,04]
Wer aber karg ist gegen den Propheten und hat einen metallenen Geist, dessen
Lohn auch wird sein gleich der Aufnahme!
[HiG.03_41.12.03,05]
Wer aber aufnimmt einen Propheten des Eigennutzes wegen, der hat seinen Lohn
schon genommen am Propheten selbst – und wird ihm kein anderer mehr werden!
[HiG.03_41.12.03,06]
Das also ist die Bedeutung im gedehnten Sinne dieses Textes.
[HiG.03_41.12.03,07]
Im engeren und eigentlichen Sinne aber ist nur der ein Prophet, der nicht mit
eigenem Munde, sondern aus Meinem Munde pur Meines spricht und schreibt. Wer
also diesen Propheten in was immer verleugnet, der verleugnet nicht den
Propheten, sondern der verleugnet Mich; denn da ein solcher Prophet ist, da ist
nicht er, sondern da bin Ich.
[HiG.03_41.12.03,08]
Wer also einen solchen selteneren Propheten aufnimmt, der nimmt Mich auf, wie
es geschrieben steht; – und da, ferner gesagt, Ich Selbst des Propheten Lohn
bin, so werde Ich es auch sein dem, der Mich im Propheten aufnimmt.
[HiG.03_41.12.03,09]
Jedoch solle niemand einen solchen Propheten verdingen anders, denn allein im
Namen Dessen, in dessen Namen der Prophet da ist. Wehe aber denen, die ihn
verkürzen und eigennützig verkümmern wollen; – wahrlich, das alles tun sie Mir,
nicht dem Propheten. Auf sie wird wenig des Prophetensegens fallen; am Ende
wird sie des Prophetengeistes Feuer verzehren! –
[HiG.03_41.12.03,10]
Und also verhält es sich auch mit den Gerechten. Derjenige aber ist ein
Gerechter, der da ist in der wahren Liebe zu Mir und daraus zum Nächsten im
engeren Sinne; im gedehnteren Sinne aber ist es jeder Bruder dem andern in
Meinem Namen, vorzugsweise ein um Meines Namens willen Armer und Verfolgter.
[HiG.03_41.12.03,11]
Wahrlich, deine Ungerechtigkeit solle dir des aufgenommenen Gerechten willen
nachgesehen werden; und sein Lohn solle auch der deinige sein.
[HiG.03_41.12.03,12]
Wehe aber, so du einen Gerechten aufgenommen des Eigennutzes wegen! Ich sage
dir, du wirst unter die Räuber und Mörder gezählt werden; besser wäre es, du
hättest ihn nicht aufgenommen!
[HiG.03_41.12.03,13]
Also sind diese Texte für alle Zeiten der Zeiten zu verstehen in der Tat Amen.
–
[HiG.03_41.12.03,00]
Johannes 12,27: „Jetzt ist Meine Seele betrübt. Und was soll Ich sagen? Vater,
hilf Mir aus dieser Stunde! Doch darum bin Ich in diese Stunde gekommen.“
[HiG.03_41.12.03,14]
Daß du den Matthäus nicht richtig erfassen konntest, ist begreiflich, denn du
wußtest nicht, was in der Wahrheit ein Prophet ist; aber von Dem Johannes
spricht, der sollte dir doch bekannt sein!
[HiG.03_41.12.03,15]
Wer und was ist Meine Seele? – Siehe, so du es noch nicht wissen solltest, das
ist Meine Liebe. – Konnte diese im Angesichte der treulosesten Kinder anders,
denn durch und durch betrübt sein, und das bis zum Tode, das heißt, bis zur
Nacht des Todes, welcher alle Kinder so hart gefangen hielt? –
[HiG.03_41.12.03,16]
Und ferner, da es heißt: Und was soll Ich sagen? – Was möchtest du denn sagen,
so dich alle deine Kinder verflucheten und verdammten?
[HiG.03_41.12.03,17]
Siehe, in solchen Fällen hat auch die reinste Liebe einen Stachel, wider den es
hart zu löcken ist; denn so lange hart verschmähte Liebe schmerzet nicht nur in
menschlicher, sondern auch in der göttlichen Brust! – Solches erwäge und
verstehe wohl! –
[HiG.03_41.12.03,18]
Darum denn auch nur ein Gefühl noch in der göttlichen Brust übrigblieb, nämlich
das Vatergefühl – dieses soll der Liebe ihren Stachel nehmen! – Und das
Vatergefühl rührte die verschmähte Liebe; und diese spricht dann in diesem
Gefühle: Dein Wille; – darum kam Ich Liebe ja in diese Stunde, um Ein Vater zu
sein allen, die zu Mir rufen werden: Abba!
[HiG.03_41.12.03,19]
Verstehst du nun den Text? – Also sollst du ihn verstehen und den Vater preisen
Amen.
Ströme des
lebendigen Wassers. – 4. Dezember 1841.
[HiG.03_41.12.04]
(Jakob Lorber) Heute morgen fand ich in mir: „Es geziemt sich nicht, daß der
Bräutigam die Braut wäscht; die Braut muß sich selbst waschen!“ Habe ich damit,
o Herr, nicht einen guten Fund gemacht?
[HiG.03_41.12.04,01]
Allerdings – und das kann sie auch wohl, da ihr der Bräutigam dazu ganze Ströme
des lebendigen Wassers zufließen läßt. Verstehest du solches? Siehe, auch in
dir ist lebendiges Wasser, aber gebrauchen mußt du es im ganzen Hause amen. –
Von der Trauer
um Verstorbene. – 8. Dezember 1841, morgens.
[HiG.03_41.12.08]
O Abba Emanuel! Sende aus Deinem liebevollsten Herzen durch Deinen Knecht
gnädigst ein väterliches Trostwort an unseren Bruder Carl, dessen Seele betrübt
ist über den traurigen Zustand, in dem sich sein vom Schlage gerührter Ohm
befindet! – Dein heiligster Wille Amen! –
[HiG.03_41.12.08,01]
Ja also ist es mit sehr vielen Menschen jetzt, wie es auch schon war mit
seltenen Ausnahmen von Adams Zeiten her, daß ihnen einschläfernde Tröstungen
lieber waren denn ein das innere Leben erweckender leichter Schmerz. Und also
ist es auch noch in einem gemäßigten Zustande wohl mit dir, du lieber C. L.,
doch siehe, da Ich schon für dich von dir aus, wie von deinem Bruder A. H. W.
aus um eine Tröstung angegangen wurde, so will Ich dir auch eine wahre geben
und dabei dir aber auch zeigen den stets rechten Weg zu ihr, auf welchem
wandelnd du sie nicht leichtlich verlieren wirst. Und solltest du auch solches,
da doch wird dir leicht sein das Wiederfinden derselben. – Aber Ich will dir
mit der Tröstung keinen Schlaftrank, sondern einen Wecktrank reichen, ja einen
wahren Wecktrank zum ewigen Leben!
[HiG.03_41.12.08,02]
Und so höre denn und vernimm es mit dem Herzen, was Ich, dein liebevollster
Vater, dir nun sagen werde: Siehe, so du einen Trost suchest, dann, wie
allzeit, komme du voll Liebe und Vertrauen zu Mir, deinem heiligen guten Vater,
ja zu Mir, deinem Jesus, komme, und du wirst allzeit vollkommene tröstende Ruhe
für dein leicht leidlich bewegbares Herz finden.
[HiG.03_41.12.08,03]
Daß deinem Ohm solches geschah und du darum in deinem Herzen voll ängstlicher Wehmut
bist, siehe und erkenne es in dir, solches ist Mein Wille und Meine Ordnung.
Denn wie Ich bestimmt habe die Zeitigung und danach die Zeit der leiblichen
Ausgeburt eines Kindes aus dem Mutterleibe, also nicht minder habe Ich auch die
Zeit sicher überaus liebweise vorgesehen, in welcher der lebendige Geist aus
dem Leibe des Todes genommen und vollkommen freigestellt werden sollte.
[HiG.03_41.12.08,04]
So du nun weißt, daß solches alles von Mir herrührt und auch ewig von nirgend
woanders herrühren kann denn allein von Mir – wie magst du trauern in deinem
Herzen und kleinmütig sein in deiner Seele, so du Mich, deinen und auch sicher
deines glücklichen Ohms allerliebevollsten, heiligen, allerbesten Vater kennst?
– Glaubst du etwa, der, um den dein Herz klagt, leidet irgend einen brennenden
Schmerz – oder er sei tot? O glaube es Mir treu im Herzen, der liebevollste
heilige Vater hat keine Freude an den Schmerzen der Kinder – und zu den Toten
kommt aber kein lebendiges Wort, wie auch unendlich schwerlich für die Toten,
denn allein das ihnen schon gegebene Wort, das sie richtet. Ich aber sage dir
nun lebendigen Wortes, daß dein Ohm nun zahllosmal schon glücklicher ist denn
du und alle deine noch auf der Erde totem Boden wandelnden Brüder!
[HiG.03_41.12.08,05]
Siehe, darum sollst du nicht trauern in deinem Herzen, darum Ich deinen Ohm zu
Mir nehmen will! – Oder hätte Ich ihn etwa gleich einem Cahin sollen ewig auf
der Erde mit dem toten Leibe herumsterben lassen? Oder möchtest du für dich
wohl den Fluch aus Meinem Munde vernehmen, dir sei ewig auf der Erde dem Tode
zu leben?! –
[HiG.03_41.12.08,06]
Glaube es nur recht fest und ungezweifelt, wer immer auf die Art deines Ohms
von Mir zuletzt besucht wird, der ist von einem lebendigen Feuer der Liebe
heimgesucht worden, darum auch in der Vorzeit von den Alten solche Todesart der
göttliche Streich oder der göttliche Tod benannt wurde. Ja es ist auch also,
denn der Scheidende leidet hier auch nicht den allerleisesten Schmerz und
erwacht plötzlich von diesem Erdentraumleben ins hellste Leben des Geistes
vollkommen.
[HiG.03_41.12.08,07]
Doch eines soll bei dieser Art des Übertrittes berücksichtigt werden: daß es
nämlich auch neben dieser Art eine Afterart gibt, welche durch den törichten
Genuß von allerlei Leckereien und durch die Schwelgerei im Saufen und Huren
leiblich herbeigeführt wird. Bei dieser Art aber verhalte Ich Mich wie beim
Selbstmorde; denn alle Schwelger, Lecker, Säufer und Hurer entleiben sich
selbst und sind sich auch selbst den Tod schuldig. Mit denen habe Ich nichts zu
tun, denn sie haben ja ihren eigenen Tod gemästet, damit er sie dann zur
schuldigen Danksagung schnell und kräftig in seine Arme aufnehmen solle!
[HiG.03_41.12.08,08]
Und so ist dann der Lohn der Arbeit ja auch angemessen. Doch diese Art ist kein
göttlicher Streich zum Leben, sondern ein tödlicher zum Tode und ist überaus
angstquälend und schmerzlich oft noch bis ins Grab bei vollster Gewahrung des
Todes selbst und all der vergänglichen äußerlichen Dinge.
[HiG.03_41.12.08,09]
Doch, da Ich dir in dieser Rede deinen Ohm einen Glücklichen nannte, so wirst
du doch etwa nicht das Schlimme auf deinen Ohm beziehen?! –
[HiG.03_41.12.08,10]
Ich sage dir aber: Sorge dich gar nicht und freue dich in Mir, ob dein Ohm
wieder zurückkehren wird in des Todes Haus, oder ob er schon vollends
verbleiben wird bei Mir, da er nimmer nötig haben wird, in einem Irrenhause oft
kleinmütig genug zu wohnen; denn Ich – höre es wohl und verstehe es in dir –
Ich, Ich, dein allmächtiger, liebevollster Vater, Ich, dein geliebter Jesus,
will es ja also; und wie Ich es will, wird es wohl doch sicher am besten sein?
Glaubst du es nicht also mit deinem Herzen in Mir? O glaube es, denn es ist
wahrlich also! –
[HiG.03_41.12.08,11]
Daß aber du wie andere Menschen einen Schmerz um die heimgeschiedenen nahen
Verwandten empfindest, auch solches ist in der Ordnung gegründet. Doch da wäre
ein Freudenschmerz besser denn ein undankbarer Trauerschmerz; denn der
Trauerschmerz gleicht fast jenem Neidschmerze der gerechten Kinder des Vaters,
darum er überfreudig dem wieder zu Ihm nach Hause gekehrten verlorenen Sohne
ein großes Freudenmahl bereitete! – Verstehest du solches wohl?! – – –
[HiG.03_41.12.08,12]
Der meisten Menschen Traurigkeit um die Hingeschiedenen aber ist auch zumeist
eine Gewohnheits-Traurigkeit, darum sie dann auch um die zumeist trauern, an
die sich ihr Herz auch am allermeisten schon von Jugend auf gewöhnt hatte. Es
ist aber jede alte Gewohnheit schmerzlich für den, der sie verlassen muß; wie
solle es die des Herzens nicht sein?
[HiG.03_41.12.08,13]
Aber dessenungeachtet ist die Trauer keine Tugend und wohnet näher der
Eigenliebe denn Mir. Denn wäre sie eine Tugend, so müßten die Menschen ja um
jeden hingeschiedenen Bruder und jede hingeschiedene Schwester gleich trauern,
da Ich doch allen Ein und Derselbe Vater bin. – Allein also ist es nicht, und
darum die Verwandten um die Verwandten auch mehr eine Gewohnheitstrauer denn
eine Tugendtrauer empfinden.
[HiG.03_41.12.08,14]
Ich sage aber, es fehlet niemand, wer da trauert, – doch wer Mich recht erkannt
hat in seinem Herzen, der wird nimmerdar trauern. Und so erkenne auch du Mich,
deinen allmächtigen liebevollsten Vater, Mich, deinen Jesus, im Herzen, so hast
du den sichersten Trost voll des ewigen Lebens in dir für alle Ewigkeiten gefunden
Amen. Bedenke, woher dies Wörtlein, und du wirst im Herzen freudig sein Amen. –
Kurze Blicke
über das Wesen der Eisenbahnen. – 30. Januar 1842.
[HiG.03_42.01.30,01]
Überdenke die Punkte genau, und du wirst das Arge mit verbundenen Augen sehen
und überaus leicht vollends begreifen. – –
[HiG.03_42.01.30,02]
Wie groß ist der Unterschied zwischen der armen dürftigen Menschheit und den
reichen Prassern, Wucherern, – und dann auch jenen wohl und reich Bemittelten,
welche doch noch wenigstens den hundertsten oder manchmal sogar den fünfzigsten
Teil ihres Herzens mit der Nächstenliebe ausgefüllt haben? – Ich sage dir, es
verhält sich der Unterschied kaum wie Hundert zu Eins! – Sage Mir aber, wer
wird denn gewinnen bei diesem großartigen Industriezweige? – Der übergroße Teil
der Armut und Dürftigkeit sicher nicht, auch gar nicht der jetzt besser
gesinnte Bürger des Landes, sondern einzig nur der eigenliebige, wollüstige,
prachtsüchtige Prasser im Festverbande mit dem gewinnsüchtigen Wucherer. –
Warum denn also?
[HiG.03_42.01.30,03]
Wer die Kuh bezahlt, dem gehört auch die Milch, ist schon ein uraltes
Sprichwort. – Wer baut diese Straße? – Du sagst, der Staat mit Hilfe
derjenigen, welche vorderhand schon so viel Wucherreichtum besitzen, damit sie
eine Summe, welche Ich nicht aussprechen will, dem Staate zu dem Behufe
vorstrecken. Gut! – Was muß aber der Staat entgegentun? – Du sagst: Er muß
ihnen wohlverzinsbare Schuldscheine ausgeben und nahe auf Leben, Tod, Brand und
Mord ihr klingendes Darlehen sichern. – Auch wieder gut. – Wer aber wird
endlich das große Darlehen samt den starken Zinsen zurückzahlen? – Oho, zuckst
du schon hier mit den Achseln? – Ja, du hast recht, daß du zuckst! Es wird aber
dann auch eine Zeit kommen, wo gar viele ungeheuer stark mit den Achseln und
endlich mit dem ganzen Leibe zu zucken anfangen. Und ganz besonders wird der
Magen bei vielen zu zucken anfangen und wird klagen über seine Leere!
[HiG.03_42.01.30,04]
Siehe, darum aber du mit den Achseln zucktest, will Ich dir eine Antwort geben,
und sie lautet also: Damit der Staat dann gleich einem Pilatus sich ruhigen
Gewissens die Hände waschen kann, wenn gar bald solche Bahnen wurmstichig
werden, so wird er sie schon früher bei gesünderem Holze den Händen des Wuchers
nahe ganz zu eigen übergeben müssen. – Sage Mir, welche Arme und Dürftige
werden da wohl etwas gewinnen, wo der scharfzähnige Wucher heißhungrig am toten
Gerippe nagen wird und wird auch nicht für einen hohlen Zahn mehr Fleisch daran
finden! Aber du meinst: Anfangs wird diese Kuh gleich soviel Milch geben, daß
von deren großem Überflusse auch allen wird geholfen werden können! – Ich aber
sage dir und frage dich: Sahst du noch nie, wie man zur Sommerszeit die Fliegen
fängt? – Man setzt ihnen ein köstlich duftendes Gericht vor und mischt Gift
darunter; da schwärmen dann die armen Fliegen freudig in Massen hin und essen
sich voll am köstlichen Gerichte. Was aber gleich darauf ihr Los ist, brauche
Ich dir nicht zu sagen.
[HiG.03_42.01.30,05]
Also wird es auch da gehen in äußerer leiblicher bürgerlicher Hinsicht und noch
unverhältnismäßig mehr aber erst in innerer geistiger Hinsicht! – Ich sage dir,
diese Kuh wird lediglich dem Wucher übergeben werden, welcher sie auch gehörig
ausmelken wird und wird auf den Armen nicht einmal die letzte Molke kommen.
Wohl aber wird es kommen, daß am Ende der Arme dieser Kuh wird all sein Futter
reichen müssen, so ihrer Milch stets weniger und weniger wird, damit sie wieder
für den Wucher milchreich würde! – Doch, sei versichert, diese Kuh werde Ich
nimmer segnen, darum sie ist eine Kuh im Stalle des Wuchers! –
[HiG.03_42.01.30,06]
Wie aber der Handelsmann jetzt schreit: Glückliche Länder, wo auf eisernen
Bahnen gefahren wird; ebenso wird er gar bald ein entgegengesetztes Thema
kläglich anstimmen! – Eure schönsten Ochsen werden hinausgeführt werden, ihr
aber werdet um teuren Preis an mageren Schöpsen nagen. Euren guten Wein wird
man draußen verzehren, ihr aber werdet dafür aus den Kloaken euch stärken
können um teuren Preis. Euer schönes Obst und Getreide wird man draußen
verzehren und wird euch dafür keinen Ersatz bieten. Eure holzreichen Berge
werden nackt werden; Ich aber werde darum den Winter nicht aufheben. Ihr werdet
zwar von draußen Tücher aller Art und andere Kleidungsstoffe wohlfeil und
leicht bekommen, aber die Bürger eures Landes, das nur ein ärmeres ist, werden
wehklagen, weinen und viele den Bettelstab ergreifen und viele als unfähige
Schuldenzahler in den Schuldenarresten fluchen! –
[HiG.03_42.01.30,07]
Es werden sogar viele können in kürzerer Zeit weite Reisen machen und werden
manche können mit großer Leichtigkeit anderer Städte Theater, Bälle und
dergleichen besuchen, – es wird einen wahren Zentralkonflikt der Unterhaltungen
und Belustigungen aller Art geben. Aber was und wieviel Ich und Mein Reich
dabei gewinnen werden, höre, das ist eine ganz andere Frage!!! – – – Luxus
aller Art, neue Weltbedürfnisse, Stolz, Hoffart, Pracht, böse fremde Sitten,
Unzucht, Hurerei, Gottesvergessenheit, Eigenliebe, Gewinnsucht, Fraß, Völlerei
bei den Prassern, Vaterlandsgeringachtung, Geringschätzung alles dessen, was
Mich betrifft, Kaltsinn gegen der Brüder Armut, Geringachtung sogar aller
Staatsgesetze, wenn sie sich etwa auf Gewinnbeschränkungen erstrecken sollen,
daraus Unzufriedenheit im allgemeinen! – – – Doch von den weiteren schönen
Folgen daraus – lasset uns für jetzt noch schweigen. – Die Erfahrung aber wird
euch erst die Quittung über diesen baren Empfang mit blutroter Schrift
unterzeichnet von zahllosen Armen übergeben! –
[HiG.03_42.01.30,08]
Wie demnach ein solch industriöses Unternehmen und erst vollends das Gelingen
desselben bei Mir angeschrieben ist, könnet ihr euch sehr leicht vorstellen!
[HiG.03_42.01.30,09]
Die Apostel haben Mein Wort ohne Eisenbahnen in alle Erdteile überbracht. Das
war doch sicher der allerwichtigste Artikel für jeden Menschen, dem an Mir und
am ewigen Leben etwas gelegen ist. Und Meine Erwählten kamen zu Mir und fanden
Mich sicher ohne Eisenbahnen! – Aber wer weiß, zu was alles noch die
Eisenbahnen dienen werden? – Es gibt zwar in allen Meinen Himmeln bis jetzt
noch keine Eisenbahnen, aber – es könnte leicht sein –, daß am Ende Ich Selbst
werde den Himmel also mit lauter Eisenbahnen für die Zukunft überziehen lassen,
daß er da ganz wieder metallen wird, wie er ward zu den Zeiten Noahs und Lots!
– – – Dann aber auch werde ich Meine jetzigen Lots aus den Städten führen und
den Städten geben den Teil Sodoms und Gomorras!!! – Verstehe es wohl Amen. – –
–
Drei
Schrifttexte. – 8. Februar 1842, von 4 – 7 Uhr abends.
[HiG.03_42.02.08]
Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H.
[HiG.03_42.02.08]
Apg. 12,8: Da sprach der Engel zu ihm: Gürte dich und binde dir die Sohlen an!
Er tat es. Und da sprach er zu ihm: Lege dir dein Gewand an und folge mir! –
[HiG.03_42.02.08]
Mark. 6,51: Und er trat zu ihnen in das Schiff, und der Wind legte sich. Und
sie erstaunten über die Maßen.
[HiG.03_42.02.08]
Apg. 20,10: Paulus stieg hinab zu ihm, legte sich über ihn, umfaßte ihn und
sprach: Seid ruhig, denn sehet, seine Seele ist noch in ihm!
[HiG.03_42.02.08]
Der Knecht des Herrn diktierte hierüber folgendes:
[HiG.03_42.02.08,01]
Also trägt auch manchmal, dem Auge des Menschen wie zufällig scheinend, im
Herbste ein kleiner Wirbelwind das Laub von verschiedenen Bäumen zu einem
Häufchen zusammen, – und ebenso auch kommen nicht selten sich ganz fremde
Menschen zusammen, daß es dem Außen nach den unbezweifelten Schein des Zufalls
in sich trägt; wie es auch hier den Schein des Zufalls hat, daß diese drei
verschiedenen Stellen, davon jede eines bei weitem anderen Ursprungs ist, hier
von euch, Meine lieben Kindlein, gewählt wurden. Aber es ist dem nicht also. –
Daß diese vorbenannten Blätter verschiedener Bäume durch den Wirbelwind
genötigt nun ein Häufchen bilden, die drei sich gegenseitig fremden Menschen eine
wohlfreundschaftliche Gesellschaft bilden, und also auch diese drei
verschiedenen Stellen dem Neuen Testamente entnommen wurden, dem liegt eine
schon von Ewigkeit her von Mir wohlüberdachte und wohlgeordnete Ursache
zugrunde.
[HiG.03_42.02.08,02]
Was ist wohl mehr, ein tauber Sperling auf dem Dache, ein schales Haar auf dem
Haupte oder drei mit ewigem Leben erfüllte Stellen aus Meinem Buche? –
[HiG.03_42.02.08,03]
Wenn Ich Mich aber schon um einen tauben Sperling kümmere und die schalen Haare
auf eines jeden Menschen Haupte in jedem Augenblicke genauest überzähle, damit
ohne Meinen Willen auch nicht ein Sperling vom Dache fällt und auch nur ein
Haar auf dem Haupte gerüttelt werde; um wieviel mehr wird es Mir daran gelegen
sein, was euch frommt zum ewigen Leben! – Und so lasset uns denn sehen,
inwiefern diese drei verschiedenen von euch gewählten Stellen ganz vollkommen
ordentlich zusammentaugen.
[HiG.03_42.02.08,04]
Sehet, da Mein Apostel ein Gefangener war und im Gefängnisse durch seinen
lebendigen Glauben wie durch seine große Liebe als Gefangener Mich lobte, pries
und anrief Meinen lebendigen Namen, in welchem da verborgen liegt die größte
Macht, Kraft und Gewalt, da sandte Ich sobald einen Boten des Himmels zu ihm,
auf daß er ihn befreien solle aus dem Kerker. Nun merket wohl, in einem
ähnlichen Kerker befindet sich mehr oder weniger ein jeder gute Christ, das
heißt, ein vollständiger Bekenner Meines Wortes und Meines Namens in seinem
Herzen.
[HiG.03_42.02.08,05]
Die Welt ist dieser Kerker, und in diesen finsteren Kerker sende Ich auch
unablässig erlösende Boten aus dem Himmel. Und diese Boten haben noch bis auf
diese Stunde einen und denselben Auftrag, daß sie all den Gefangenen zurufen:
Gürtet euch mit der Selbstverleugnung und bindet die Sohlen der Demut an eure
Füße, und leget dann an das Gewand der Unschuld und der Liebe, – und endlich:
Folget Mir mutig und getrost auf dem schmalen Wege und durch die enge Pforte
aus dem finsteren und todvollen Kerker der Welt! Diejenigen, welche da gleich
dem Apostel sobald folgen in allem dem Rufe des himmlischen Boten, diese werden
auch alsobald aus diesem Kerker vollends befreit werden und von ebendiesem
Boten an das Ufer des großen Meeres der Erbarmung und der Gnade geleitet
werden, da sie sehen werden große Wogen dieses Meeres an das Ufer schlagen, da
ihrer das Schiff zur Überfahrt ins ewige Leben harret. Es wird sie freilich
wohl noch eine große Furcht anwandeln, so sie sehen, wie sehr das für sie
bestimmte Schiff noch wanket über den Wogen des heiligen endlosen Meeres Meiner
Erbarmung und Gnade. Und der brausende Wind über den Wogen wird nicht minder
ihre Herzen erfüllen mit zitternder Furcht.
[HiG.03_42.02.08,06]
So sie aber dann von dem Boten geleitet das Schiff betreten werden und werden
Mich Selbst sehen zu ihnen kommen in das Schiff und sich sobald legen wird der
Wind und sich beruhigen das Meer, – wie sehr übermäßig werden sie da erstaunen,
gerade daselbst schon das allervollste und überseligste ewige Leben gefunden zu
haben, allwo sie in großer Angst und Furcht den Untergang ihres Seins wähnten.
[HiG.03_42.02.08,07]
Sehet, also hätten wir die zwei Stellen schon also aneinandergepaßt, als wären
sie schon von Ewigkeit her auf das allerinnigste miteinander verbunden gewesen.
–
[HiG.03_42.02.08,08]
So wollen wir denn nun auch versuchen, die dritte Stelle den zwei
vorhergehenden Stellen vollkommen anzupassen. Damit ihr aber solches auch
nützlicherweise verstehet, so müßt ihr vorher noch dem Zustande auf dem Schiffe
einen aufmerksamen Rückblick widmen.
[HiG.03_42.02.08,09]
Der Zustand auf dem Schiffe, und zwar im Angesichte Meiner Selbst, gleicht oder
ist vielmehr der Zustand der gänzlichen Zerknirschung vor Meiner unendlichen
göttlichen Heiligkeit. Obschon dieser Zustand für die endliche Gewinnung des
allerfreiesten ewigen Lebens unumgänglich nötig ist, so ist er aber
dessenungeachtet doch ein freilich wohl allerletzter, alles Weltliche rein
ertötender Fall in die Tiefe der eigenen Nichtigkeit, durch welchen Fall der
Mensch alles Weltliche in sich tötet, das heißt, alle Gedanken, alle Begierden,
kurz alles bis auf den letzten Heller, was ihm nur immer irgend in der Welt
sich angeklebt hatte. In diesem Zustande erscheint er dann als vollkommen tot.
Was aber macht ihn nun wieder lebend? Sehet, dasjenige, was die dritte Stelle
hier besagt: Paulus, welcher da ist ein Lehrer der Liebe – und soviel besagt
als Meine zum Leben erweckende Liebe Selbst, steigt zu ihm hinab, legt sich
über ihn, umfaßt ihn ganz, und durch und durch, und sagt dabei zu den übrigen
Furchtsamen, welche diesen letzten Fall noch nicht gemacht haben: Seid ruhig
und fürchtet euch nicht, denn sehet, seine Seele, welche erfüllet ist mit
Meinem Geiste des ewigen Lebens, ist noch vollends in ihm und wird auch fürder
und fürder verbleiben ewig im Schoße Meiner unendlichen Vaterliebe.
[HiG.03_42.02.08,10]
Und sehet, daß sich die Sache also verhält und dieser zweite und letzte Zustand
notwendig ist, könnet ihr dadurch ja deutlich erkennen, daß so jemand an dem
einen Ufer ein Schiff besteigt, er doch sicher auf ein entgegengesetztes Zielufer
fahren will. Dieser letzte Zustand aber ist das letzte Zielufer, welches jeder
dem Apostel gleich biedere Christenbruder erreichen soll; denn wer dieses
letzte Ufer nicht also erreichen wird, der wird auch nicht in Meinen Schoß
dereinst aufgenommen werden. –
[HiG.03_42.02.08,11]
Nun sehet, Meine lieben Töchterlein, wie schön und gewiß ordnungsmäßig diese
drei verschiedenen Stellen aneinandergepaßt haben, so zwar, daß sie zur
Erreichung des ewigen Lebens ewig unzertrennlich beisammenbleiben müssen, – nicht
wahr, das gefällt euch wohl?
[HiG.03_42.02.08,12]
Nun aber sage Ich auch euch: Passet auch ihr diese Stellen lebendig eurem Leben
an, dann erst werdet ihr in der Überfülle erfahren, wie überaus gut, liebevoll
und barmherzig Ich, euer wahrer, heiliger Vater es bin. Mein Segen mit euch
Amen! –
„Er muß wachsen,
ich aber muß abnehmen.“ – 13. Februar 1842. Vormittag von 9 bis 1/2 11 Uhr.
[HiG.03_42.02.13]
Schreibender: Ans. H.
[HiG.03_42.02.13]
Der Knecht des Herrn diktiert über Johannes 3,30: „Er muß wachsen, ich aber muß
abnehmen.“
[HiG.03_42.02.13,01]
Dieser Text scheint für viele ein äußerst leicht faßlicher zu sein. Allein
solches ist mitnichten der Fall. Dieser Text wird erst dann vollends begriffen,
so er bei jemandem ins tätige Lebensverhältnis übergegangen ist.
Dessenungeachtet aber soll hier doch das wahre Verständnis dieses Textes
folgen.
[HiG.03_42.02.13,02]
Um diesen Text aber gründlich zu erfassen, muß man zuerst in die Wissenschaft
seines inneren Gefühles bringen, wer vorerst der Johannes oder das Ich, und wer
diesem nach das eigentliche Er ist, das da wachsen solle, wie das Ich abnehmen.
[HiG.03_42.02.13,03]
Johannes ist das Sinnbild des äußeren Menschen, welcher da der Buße bedarf, die
an und für sich nichts anderes ist, als die lebendige Umkehrung des Menschen
von der Welt hinüber zu Gott. Also hat auch Johannes die Buße gepredigt, damit
die Menschen ihr Weltliches ablegen und das Geistige anziehen sollten. Er
selbst war das Sinnbild der strengsten Buße.
[HiG.03_42.02.13,04]
Was ist sonach bei den Menschen der Johannes? Der Johannes bei den Menschen ist
das eigentliche, recht gestaltete Ich oder das Leben des Fleisches, wenn der
Geist und die Seele noch nicht für sich, sondern für das Fleisch leben. Es
würde hier freilich wohl manchen bedünken können: solches Leben kann doch
unmöglich ein rechtes, Mir wohlgefälliges Leben sein. Allein es ist in der
Natur und Ordnung aller Dinge nicht anders möglich. Um diese Wahrheit vollends
zu erkennen, darf jeder nur seine Augen selbst zu der Pflanzenwelt hinwenden,
und er wird das Ich und das Er gar deutlich ersehen.
[HiG.03_42.02.13,05]
Betrachtet was immer für eine Blüte, – was wird wohl aus der Frucht werden, so
die Blüte nicht abnimmt und verwelkt? Sehet hier das Ich und das Er. Wenn
ferner die Blüte schon ganz abgefallen ist und der Leib der Frucht oder die
eigentliche Schale, in welcher die Frucht verborgen liegt, zunimmt und wächst,
da ist von der eigentlichen inwendigen Frucht, in welcher das Er eingeschlossen
ist, noch immer wenig zu sehen. Wenn aber die Schale als dieser zweite Leib
auch anfängt abzunehmen, also daß er verdorrt und somit tot wird, dann erst
wächst und reift in dem Verhältnisse, wie das äußere Ich abnimmt, das innere
Er, welches ist die lebendige Frucht.
[HiG.03_42.02.13,06]
Sehet nun, daß hier zuvor das Leben der Seele und des Geistes nach außen wirken
mußte, habet ihr bei der Blüte und der nachherigen Fruchtschale gesehen; daß es
aber bei diesem Leben nach außen nicht zu verbleiben hat, mochtet ihr ja wohl
bemerkt haben an dem Vergehen der Blüte und endlich auch dem der Schale. So
jemand dieses Gleichnis recht auffaßt, so wird er den Johannes wohl nicht gar
zu schwer in sich finden.
[HiG.03_42.02.13,07]
Sehet, solches aber ist der Johannes: So jemand liest das Wort vom Anfang bis
zum Ende, da hat er es doch zuvor gelesen mit den Augen, dann mit dem Munde und
also auch mit den Ohren. Sehet, so er das mit großer Aufmerksamkeit getan hat,
da waren ja Seele und Geist nach außen gerichtet und achteten auf das Fleisch,
wie dieses das Wort dem Buchstaben nach in sich aufnahm. Sehet, ist das nicht
die Blüte? Was geschieht aber hernach, so das Wort schon gelesen wurde? Sehet
nur eine Blüte an, so da anfängt ein Frühlingshauch ihre Kelche langsam zu
bewegen. Fallen da nicht die befruchtenden Stäublein von den äußeren männlichen
Blütenfäden auf die weibliche Blütenfaser, wodurch dann erst der neue
Lebenskeim zur Bildung der eigentlichen inneren Frucht in die kaum sichtbare
Entstehung der Schale gelegt wird?
[HiG.03_42.02.13,08]
Sehet, das ist die Aufnahme des Wortes in das innere Gefühlsleben. Wenn das
Wort da Wurzeln gefaßt hat, so fängt es an zu wachsen und wird größer und
größer und bildet auf diese Weise vorerst einen Leib, das ist – einen Leib der
Buße, in welchen Leib also das Alles des äußeren Leibes übergegangen ist.
Dieser Leib ist dann der eigentliche Johannes.
[HiG.03_42.02.13,09]
Aber möchte hier nicht jemand fragen, warum soll denn dieser edle Leib auch
wieder abzunehmen anfangen, und was ist das dadurch wachsen sollende Er? Sehet,
so das Wort ausgewachsen ist in dem Leben des Gefühles, was wird da rege oder
wohin zielt das Gefühl? Kann sich das Gefühl wohl selbst genügen? Oder muß es
nicht einen anderen Gegenstand haben, den es ergreift und endlich ganz in ihn
übergeht?
[HiG.03_42.02.13,10]
Damit ihr dieses wieder um so gründlicher fasset, so will Ich euch ein neues
Gleichnis geben. Eine Braut bekommt von fernem Lande ein Schreiben von ihrem
Bräutigam. Sie liest jedes Wort mit großer Aufmerksamkeit. Wie sie aber den
Brief durchgelesen hat, so hat sich auch sogleich darauf aus diesem Worte ein
Wesen in ihr gebildet – nämlich ein Gefühlsmensch gleich dem ihres Bräutigams,
in welchen Menschen nun ihr ganzes äußeres Blütenleben übergegangen ist, so
zwar, daß sie jetzt lediglich in diesem zweiten Menschen lebt, atmet, denkt und
fühlt.
[HiG.03_42.02.13,11]
Sehet, dieser Mensch ist sonach auch ein Johannes in der Braut, der sie durch
seine Bußpredigt genötiget hat, sich von aller anderen Welt abzuziehen und sich
zu vereinen mit diesem neuen Menschen in ihr. Nun aber frage Ich weiter: Wird
die Braut wohl zufrieden sein mit diesem in ihr gebildeten Menschen, welcher
doch noch immer das Ich ausmacht? Nein, sondern sie wird in diesem neuen
Menschen gar bald die lebendige Frucht der Liebe gar mächtig zu dem Er
wahrzunehmen anfangen, so zwar, daß sie ganz in diese Liebe zum Er übergehen
wird. Aus diesem Er wird sich ihr Verlangen immer lebendiger und lebendiger
nach dem eigentlichen Er aussprechen und wird nimmer ruhen, bis der wirkliche
Er gekommen ist und sie vollkommen eins mit ihm geworden ist.
[HiG.03_42.02.13,12]
Sehet, also ist es auch der Fall mit dem Worte im Menschen, da es vorher in das
lebendige Gefühl übergegangen ist. Es wird keine Ruhe in dem neuen
Gefühlsmenschen, als bis er das eigentliche große und heilige Er in sich
gefunden hat. Wenn er aber dieses Er in sich gefunden hat, saget und urteilet
selbst, wird er nicht wollen in dieses Er vollends übergehen? Sehet, solches
ist ja in der Natur aller Dinge gegründet, und es ist zwischen ihnen und den
Menschen kein anderer Unterschied, als daß bei den Dingen dieses vor sich gehen
muß, bei dem freien Menschen aber bleibt es eine willkürliche Bedingung seines
Lebens.
[HiG.03_42.02.13,13]
Und also muß das Ich ja abnehmen, damit das Er wachse im Menschen. Und wenn das
Ich nicht abnimmt, so wird alles nach außen in die Rinde, Blüte und Schale
übergehen, aber die Frucht des Lebens wird nimmerdar zum Vorscheine kommen.
[HiG.03_42.02.13,14]
Ihr möget wohl die schönsten Blumen in die Erde streuen, aber da wird nie eine
Frucht zum Vorscheine kommen, sondern sie alle werden zunichte verwesen in der
Erde. So ihr aber das reife Samenkorn nehmet und leget es in die Erde, da
werdet ihr euch ja doch sichtbar überzeugen, daß das vollkommen ganze
Außenleben in dieses Samenkorn übergehen mußte; denn wäre solches nicht der
Fall, wie möchte da aus dem Samenkorne wieder dieselbe Pflanze, dieselbe Blüte
und dasselbe frühere Alles der Pflanze, zum neuen lebendigen Vorscheine kommen?
[HiG.03_42.02.13,15]
Wenn ihr dieses recht bedenket, so werdet ihr auch diesen Text der Schrift
vollkommen gut einsehen, welcher also lautet: Wer sein Leben liebt, der wird es
verlieren; wer es aber flieht, der wird es erhalten. Also ist hier durch den
Johannes in jedem Menschen die Art und Weise gezeigt, wie das Leben zu fliehen
ist. Tut also danach, lasset auch euer Ich abnehmen, so werde auch Ich in euch
wachsen und zunehmen ins Unendliche, wie der hier zugrunde liegende Schrifttext
es euch lehret Amen. –
Versuchung des
Herrn in der Wüste – Lukas 11,1-13. – 20. Februar 1842, vormittags von 9 bis
3/4 11 Uhr.
[HiG.03_42.02.20]
Schreibender: Ans. H.
[HiG.03_42.02.20,01]
Sieh, da sind wieder sehr leichte Stellen der Schrift, und ihr verstehet sie
nicht. Warum aber versteht ihr sie nicht? Dieweil ihr noch immer mit dem großen
Wörteraufschlagbuche des Lebens, welches allein die Liebe ist, nicht umzugehen
wißt. Wenn ihr das Wesen der Liebe recht erfassen möchtet, wahrlich, bis in den
Mittelpunkt der Erde gäbe es auch nicht ein sandkörnchengroßes Plätzchen, das
sich euch nicht sobald als eine vollkommen enthüllte Welt darstellen möchte.
Allein, es ist leichter zu zerstreuen als zu sammeln; ihr auch seid noch stark
darinnen vertieft, wo die Strahlen zerstreut werden. Aber nur im Brennpunkte
ist das Wesen vollkommen vorhanden, in der Zerstreuung aber nur atomenweise.
[HiG.03_42.02.20,02]
Also ist auch das Wort durch den Buchstaben in der Zerstreuung der Welt
gegeben, in welcher Zerstreuung da wohl niemand den Brennpunkt des Wortes
ersehen kann. So aber jemand dieses zerstreute Wort in sich zu sammeln anfängt,
so leitet er dadurch alle diese zerstreuten geistigen Strahlen auf einen
gemeinsamen Punkt in seinem Herzen. Und dieser Punkt ist ein Brennpunkt und
entzündet das empfängliche Herz in der Liebe zu Mir und erleuchtet dann durch
die Flamme der Liebe das große Geheimnis Gottes in ihm selbst. Was aber ist
dieses Geheimnis Gottes? Nichts anderes als die ewige Liebe! Was aber ist diese
Liebe? Sie ist der Geist Gottes im Menschen, durch welchen allein alles Leben
kommt – und besonders das ewige Leben des Menschen. So ihr nun dieses wisset,
daß der Geist Gottes nichts anderes ist und sein kann als die ewige Liebe in
Gott, da habet ihr den wahren Brennpunkt schon in euch, mit welchem ihr die
Tiefen der Gottheit erleuchtet beschauen könnt.
[HiG.03_42.02.20,03]
Was sind denn die Tiefen der Gottheit? Das ist das zerstreute Wort Gottes in
dem Buchstabensinne vor euch, in welchem niemand ohne den Geist Gottes den
inneren Sinn oder die Tiefen der Gottheit erforschen kann. Saget ihr aber ja
doch selbst schon in weltlichen Dingen, daß die Liebe ein goldener Schlüssel
ist, vor welchem kein Schloß sicher ist. Sehet, dieses alte, in eurer Zeit
schon freilich mehr verklungene Sprichwort ist ein wahres vox populi und vox
Dei; denn die Liebe ist wahrhaft derjenige Schlüssel, mittelst welchem
jedermann sogar bis in das Zentrum Meines Herzens dringen kann.
[HiG.03_42.02.20,04]
Da wir nun dieses wissen, so lasset uns versuchen, ob dieser Hauptschlüssel
nicht auch das vorliegende Geheimnis Meines Wortes durch den Mund des Lukas
erschließt.
[HiG.03_42.02.20,05]
Vorerst aber muß eine Stelle vorangehen, damit dadurch alles andere erleuchtet
wird. Diese Stelle lautet also: „Und der Geist Gottes kam sichtbar über ihn“
(Luk.3,22; Matth.3,16; Mark.1,10). Diese wenigen Worte sind der Schlüssel zu dem
ganzen Geheimnis der vorliegenden Stellen. Also ist aber solches zu verstehen:
[HiG.03_42.02.20,06]
Bis zu dieser Zeit war Jesus ein Mensch, welchen der Vater ganz vollkommen für
Sich erzog, und dieser Mensch Jesus war der Sohn Gottes darum, weil ihn Gott
unmittelbar für Seine allerhöchste Aufnahme durch eine Jungfrau geboren werden
ließ und ihm auch von Seiner allerhöchsten Seite Selbst die gehörige Erziehung
gab. So war dieser Jesus bis auf diesen ersten Auftrittszeitpunkt weiter nichts
als ein noch unbekanntes fleischgewordenes Wort Gottes und mußte als Mensch
sich freitätig gleich jedem anderen Menschen durch die alleräußersten
Selbstverleugnungen auf das allertüchtigste vorbereiten zum bevorstehenden
Vollempfange des Geistes Gottes.
[HiG.03_42.02.20,07]
Nun eben am Flusse Jordan, da Johannes die allerstrengsten Werke der Buße
predigte, mußte auch Er Sich hinbegeben, gleich also, als wäre Er einer unter
den vielen Sündern. Und so hat Jesus als der ewig reinste Gottmensch
gewisserart Sich Selbst also gedemütigt, daß Er daselbst unter die Scharen der
Sünder trat und Sich ihnen gleich die Taufe der Buße geben ließ. Was geschieht
aber nun bei dieser Seiner ersten größten Demütigung?
[HiG.03_42.02.20,08]
Der Geist Gottes kommt sichtbar über Ihn, das heißt, die Liebe Gottes des
ewigen Vaters nimmt nun volle Wohnung im Menschen Jesus und spricht Sich auch
eben bei dieser Handlung jedermann vernehmlich aus, indem Sie von Oben die
Worte zu jedermanns Ohren sendet: „Dieser Mensch Jesus ist Mein geliebter Sohn,
an dem Ich ein Wohlgefallen habe“ – das heißt: mit welchem Ich Mich jetzt auf
ewig unzertrennlich in Eins verbinde. Diesem Menschen Jesus sollet ihr von nun
an folgen und hören Sein Wort!
[HiG.03_42.02.20,09]
Sehet, hier ist Jesus Eins mit dem Vater, so zwar, daß da zwischen Ihm und dem
Vater es keinen Unterschied mehr gibt. Und dieses vollkommene Eins ist nun ja
doch unmöglich etwas anderes als die Liebe, nicht aber irgend eine Zerstreuung;
denn die Liebe ist eine Vereinigung, welche hier doch für jedermann sichtbar
geschieht, und kann nimmer eine Zerstreuung sein, in welcher ewig nimmer eine
Einung denkbar ist.
[HiG.03_42.02.20,10]
Wenn es dann nun heißt: „Jesus wurde vom Geiste in die Wüste geführt“, so wird
das etwa doch soviel heißen als: Er wurde, von der allerhöchsten Liebe aus Sich
Selbst getrieben, in die öde, wüste Welt der Menschheit hinausgeführt. Wenn es
da heißt: „Damit Er versuchet würde vom Satan“, so ist das ja doch mit der
Voraussetzung der Liebe überaus leicht zu verstehen und heißt mit anderen
Worten nichts anderes, als daß diese ewige unendliche Liebe selbst das
Allerverworfenste aus Sich nicht ausschließt, sondern sie stellet Sich ihm dar,
damit auch dieses erkennen möchte, daß in Gott nicht die allerhöchste Hoffart,
wie seine grundirrige Idee ist, sondern nur die allerhöchste Demut wohnt.
[HiG.03_42.02.20,11]
Wodurch aber konnte eben die ewige Liebe dem Satan zeigen, daß in Ihr die
höchste Demut zu Hause ist? Diese Frage beantwortet sich von selbst, so ihr die
dem Satan zugelassenen drei Versuchungen nur einigermaßen mit dem geistig
aufmerksamen Auge beleuchtet.
[HiG.03_42.02.20,12]
Aus Liebe fastet der Gottmensch und läßt über Sich Selbst einen großen Hunger
kommen und zeigt dann bei der ersten Versuchung, daß die wahre Liebe auch bei
dem größten eigenen Bedürfnisse sich noch gar wohl verleugnen kann – und ist
ihr mehr jegliches Wort der Liebe für die Erhaltung aller geschaffenen Wesen
denn die eigene Sättigung selbst. Darum auch in der Antwort gezeigt ist: Der
Mensch lebt nicht nur vom Brote, sondern vielmehr von jeglichem Worte aus dem
Munde der Liebe Gottes.
[HiG.03_42.02.20,13]
Wer wird hier verkennen, was der Geist Gottes seinem Gegner und Abtrünnigen auf
das allerfaßlichste vorstellt, da Er ihm den Weg zur Umkehr zeigt und ihm sagt
im Geiste: Siehe, dahier ist auch der Platz für dich, nehme auf die Liebe aus
Mir und laß fahren das harte steinige Brot der Welt, so wirst auch du leben!
[HiG.03_42.02.20,14]
Und wieder bei einer anderen Versuchung, da der Gegner noch einmal die Demut in
dem Gottmenschen prüft, wird ihm entgegen bedeutet, daß auch er von der Liebe
berufen ist, in Ihr nicht die Demut zu prüfen, sondern dafür lieber selbst Ihr
zu dienen.
[HiG.03_42.02.20,15]
Und wieder bei einer anderen Versuchung wird ihm sein Werk hart verwiesen und
ihm abermals gezeigt, daß er umkehren soll und solle Gott dienen und Ihn nicht
versuchen.
[HiG.03_42.02.20,16]
Wer wird da wohl so blind sein und nicht sehen wollen, was der Geist Gottes
hier ohne die geringste Beschränkung des freien Willens Seines Gegners bewirken
wollte, nachdem Er ihm hier gezeigt hatte, daß Ihn nur die höchste Liebe zu ihm
geführt hat? Und dann aber auch ihm auf der Seite der höchsten Liebe zu zeigen,
sprach ebenfalls dieselbe Liebe, daß es nicht in der Ordnung ist und unmöglich
sein kann, daß sich Gott demütigen könnte vor einem Seiner Geschöpfe, sondern
daß solches allzeit der umgekehrte Fall sein müsse.
[HiG.03_42.02.20,17]
Wenn ihr nun dieses nur einigermaßen gehörig durchdenket, so werdet ihr ja doch
unmöglich wieder fragen können, was da verstanden wird unter dem Geiste Gottes,
und wie und warum Dieser Jesum geführt hat in die Wüste.
[HiG.03_42.02.20,18]
Wohl aber könntet ihr fragen, wie steht diese Begebenheit zu uns? Diese Frage
ist ebenso leicht zu beantworten, so ihr die Wüste eures Lebens nur ein wenig
betrachtet: wie Ich Mich von Meiner Vaterliebe in diese eure Wüste führen lasse
und da oft gar lange fasten muß und werde von euch harten Gegnern wohl öfter
als dreimal versucht und muß da lange in der größten Dürftigkeit und in der
größten Armut warten und harren, bis die Geister eures Herzens zu Engeln
werden, auf daß sie Mir dann zu dienen anfangen.
[HiG.03_42.02.20,19]
Daher beachte auch ein jeder die Worte, die in diesen drei Versuchungen an den
Satan gerichtet sind. Denn ein jeder Mensch ist zuvor ein Leibeigener des
Satans, bis er erst wird ein Eigentum Meiner Liebe. Damit er aber das werde,
komme Ich ja zu jedem in seine eigene Wüste durch den Geist der Liebe und lasse
Mich lange von ihm in allerlei versuchen, damit er dadurch Meine endlose Liebe
und allergrößte Demut erkennen solle. Wer da aber verharret gleich dem, der
Mich in der Wüste versucht hatte, was Wunder wird es sein, wenn er am Ende auch
die Worte aus Meinem Munde wird vernehmen müssen: Weiche von Mir, Satan! –
Solches beachtet wohl und überdenket es in eurem Leben, so werdet ihr das Leben
haben durch einen und denselben Geist Gottes ewig Amen. – – –
Die Fürsten Juda
und der Herr. – 26. Februar 1842, nachmittags von 4 bis 3/4 7 Uhr.
[HiG.03_42.02.26]
Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H.
[HiG.03_42.02.26]
Hosea 5,10: Die Fürsten Juda sind gleich denen, die die Grenze verrücken; darum
will Ich Meinen Zorn über sie ausschütten wie Wasser.
[HiG.03_42.02.26]
Amos 7,6: Da reuete den Herrn das auch, und der Herr Herr sprach: Es soll auch
nicht geschehen.
[HiG.03_42.02.26]
Micha 4,6: Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will Ich die Lahmen versammeln
und die Verstoßenen zuhauf bringen und die Ich geplaget habe. –
[HiG.03_42.02.26]
Hierüber gab uns der Herr durch Seinen Knecht nachfolgende Erklärung:
[HiG.03_42.02.26,01]
Damit ihr diese Texte recht vollkommen verstehen möget, welche im Ernste schon
wieder von der größten Wichtigkeit sind, so müsset ihr zuvor wissen, was da
unter den Fürsten Juda verstanden wird; und dann wieder, was da verstanden wird
unter dem Ausdruck: die Grenze verrücken.
[HiG.03_42.02.26,02]
Unter den Fürsten werden hier nicht gewisserart königliche Abkömmlinge
verstanden, sondern solche Menschen, welche Mein Wort handhaben entweder nach
prophetischer Art innerlich lebendig oder nach priesterlicher Art äußerlich dem
Buchstaben nach.
[HiG.03_42.02.26,03]
Sehet nun, Meine lieben Kindlein, wenn dann solche wie immer geartete Inhaber
Meines Wortes mit demselben vermöge ihres freien Willens in einem oder dem
anderen Stücke mit ebendiesem Meinem großen Schatze wider Meine göttliche
Absicht eigenliebig nach ihrem eigenen Gutdünken handeln, – wenn die ersten zu
Meinem Worte ihr eigenes mengen, und die zweiten den Sinn des Wortes, das da
geschrieben ist, herrschsüchtig und eigennützig in Naturmäßiges und Weltliches
verkehren, so verrücken sie die Grenzen, das heißt die Grenzen Meiner ewigen
Ordnung, darum Ich dann auch Meinen Zorn über sie ausschütte wie Wasser, so sie
sich nicht zurückbegeben in die bestimmten Grenzen der göttlichen Ordnung.
[HiG.03_42.02.26,04]
Was ist aber dieser Mein Zorn, welchen Ich über solche treulose Fürsten von
Juda oder eigennützige Handhaber Meines Wortes allzeit sicher ausschütte gleich
einer trüben Wasserflut? – Sehet, das ist die allzeit sicher eintreffende
gänzliche Blindheit ihrer Herzen, darum sie dann dastehen gleich den
Wahnsinnigen, Blinden und Tauben und mit ihrem verhärteten Herzen nicht
empfinden, mit den scheinbar offenen Augen nichts sehen und mit den Ohren nichts
hören und verstehen, was da ist des Geistes der Liebe und alles Lebens aus ihr.
So sie auch mit äußeren körperlichen Sinnen Mein geschriebenes Wort lesen, so
verstehen sie aber doch lediglich nichts davon, darum sie sind in Meinem Zorne.
[HiG.03_42.02.26,05]
Meine lieben Kindlein, in heutiger Zeit gibt es gar außerordentlich viele
solche Fürsten von Juda, – sie befinden sich noch bis auf diese Stunde in
Meiner Reue, worunter verstanden wird Meine Geduld, Milde, Sanftmut und
Erbarmung. In dem, was also Meine Reue betrifft, soll es auch nicht geschehen,
daß die Erde je also verwaist dastehen solle, da alles von Meinem Zorne
überflutet würde; denn darum stehet allhier der Herr, der da spricht aus Seiner
Reue doppelt, – einmal um anzuzeigen, daß Ich der Herr im unendlichen Sinne
Himmels und der Erde und somit der ganzen unendlichen Schöpfung geistig und
körperlich; und zum zweiten Male aber einer und derselbe Herr bin in eines
jeden Menschen einzelnem Herzen, welcher dasselbe zu Mir gekehret hat. Und also
bedeutet das zweimalige Wort Herr sowohl Meine äußere als auch Meine inwendige
Gegenwart, da die äußere gleich ist der ewigen Weisheit und die zweite gleich
der ewigen Liebe Gottes, welche da spricht im Herzen und handelt im selben und
zieht dasselbe.
[HiG.03_42.02.26,06]
Sehet, dieser zweite Herr ist es eigentlich, der da sprach und noch immer
spricht und auch soeben jetzt spricht in Seiner Reue: Es soll auch nicht
geschehen trotz der vielen Fürsten von Juda in dieser Zeit, daß Ich diejenigen
möchte als Waisen lassen, die Mich suchen, – sondern also will Ich bei ihnen
und jeglichem verbleiben bis ans Ende der Welt, das heißt bis zu der Zeit, wann
die Welt bei ihm ein vollkommenes Ende genommen hat, von welcher Zeit an er
dann zu Meiner vollkommenen, ewig verbleibenden Anschauung und Besitznahme des
unvergänglichen ewigen Lebens gelangt, welches hier besagt ist in dem dritten
von euch gewählten Texte, welcher also lautet:
[HiG.03_42.02.26,07]
Zur selbigen Zeit will Ich die Lahmen versammeln und die Verstoßenen zu Haufen
bringen und diejenigen, die von Mir geplaget worden sind. Das heißt: Zu der
weltlosen Zeit eines jeden einzelnen Menschen sollen alle seine
darniederliegenden Kräfte geweckt werden und vereinigt zu einer Kraft der Liebe
und des ewigen Lebens in ihm; und die verstoßenen und zerstreuten Begierden
sollen auf einen Haufen, das heißt, unter ein und dasselbe Dach der Liebe
gebracht werden. Und endlich die von Mir Geplagten sind die verschiedenartigen
Prüfungen und Versuchungen, welche da ganz natürlicherweise ein ewiges Ende
nehmen; denn so da in jemandem spricht und wirket der Herr und ihn lehret und
ziehet, der ist in gewisser Hinsicht doch nur ein leidender Mensch, da er sich
nicht selbst zieht, sondern von Mir gezogen wird, welches ebensoviel heißt als
geplaget werden.
[HiG.03_42.02.26,08]
Wenn sich aber der Mensch bis zu Ende seiner Welt hat ziehen lassen und ist
somit verharret bis ans Ende, sodann tritt der Herr Herr in ihn, welches da ist
die volle Erlösung, die Geistestaufe mit dem Feuer oder die vollkommene Wiedergeburt,
wodurch der Mensch vollends erfüllt wird mit Meinem heiligen Geiste in aller
Liebe, Kraft, Macht und Gewalt, darum er dann auch vollkommen Eins wird mit
Mir. – Welche Versuchungen wären da wohl noch denkbar möglich, wo doch ebenso
undenkbar möglich mehr irgendeine Schwäche im Menschen obwalten kann, und zwar
aus dem ganz einfachen Grunde, weil ein solcher wiedergeborener Mensch und Ich
vollkommen Eins sind, und er dann auch mit Meinem Paulus ausrufen kann: „Nun
lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebet in mir!“ – Christus aber ist der
Herr Herr! –
[HiG.03_42.02.26,09]
Sehet, das ist das wahre innere Verständnis dieser Texte. Überdenket es wohl
und nehmet es ja lebendig auf in euer Herz; denn es ist wahrlich nicht genug,
solches dem Außen nach zu wissen gleich den Fürsten von Juda, die da auch
sagen: Herr, Herr, – aber der Herr Herr wird nimmer in ihren Herzen einen
Einzug halten. Sondern alles dieses muß mit dem Herzen und im Herzen lebendig
gelesen und tätigst verstanden sein; alsdann erst kommt der Herr und endlich
der Herr Herr, wie im Verlaufe dieser Offenbarung gezeigt worden ist, in den
Menschen und machet ihn aus Sich durch und durch lebendig.
[HiG.03_42.02.26,10]
Tut ihr danach, so werdet auch ihr überaus sicher und gewiß, und zwar in der
kürzesten Zeit die Feuertaufe des Geistes schmecken, Amen. – Mein Segen mit
euch allen, jetzt und ewig Amen. –
Der 60. Psalm
Davids – Vers 8-14. – 3. März 1842, nachmittags von 3 bis 1/2 7 Uhr.
[HiG.03_42.03.03]
Schreibende: Marie, Wilhelmine und Pauline H.
[HiG.03_42.03.03,01]
Um solcherlei Verse zu verstehen, muß man vorerst wissen, was unter David im
Verlaufe von dessen Psalmen verstanden wird. Denn solange jemand hinter dem
David nichts als einen König des Altertums, welcher Psalmen schrieb, versteht,
so lange auch ist vom Verstehen solcher Texte durchaus nicht die allerleiseste
Rede.
[HiG.03_42.03.03,02]
So aber da jemand versteht dem geistigen Sinne nach, was da ist der David, der
versteht auch, was da besagt Sichem, das Tal Suchot, Gilead, Manasse, Ephraim,
Moab, Edom und Philistäa.
[HiG.03_42.03.03,03]
So lasset uns denn sehen, was hinter dem David steckt!
[HiG.03_42.03.03,04]
Sehet, Meine lieben Kindlein, hinter dem David steckt nicht mehr und nicht
weniger als Ich Selbst. – Nun habt ihr schon einen Schlüssel. Wie ist aber
dieses zu verstehen, daß der David zugleich ist ein Mensch wie ein jeder
andere, welcher aus Seele und Leib zusammengesetzt ist, – und wie ist er
demnach auch Ich, da er doch vor Mir gesündigt hat?
[HiG.03_42.03.03,05]
So höret denn, und wir wollen sehen, auf welche Weise Ich und der David Eins
werden; denn in diesen Versen redet doch offenbar der David zu Gott – und Gott
zu David.
[HiG.03_42.03.03,06]
Sehet und merket nun wohl: Unter dem Gesichtspunkte Davids wird verstanden die
herniedersteigende Liebe Gottes, und unter Gott wird verstanden die endlose
Weisheit des ewigen Geistes.
[HiG.03_42.03.03,07]
Da ihr nun solches wisset, so wird es nicht mehr schwer sein zu verstehen, was
der achte Vers des 60. Psalms besagt, der da lautet: Gott redet in Seinem
Heiligtume – oder Gott redet in Seiner Liebe und nicht in Seiner Weisheit,
sondern die Weisheit in der Liebe; des bin Ich froh und will zerteilen und
nicht allzusehr beachten die Weisheit, welche verstanden wird unter Sichem,
aber dafür will Ich wohl abmessen das Tal Suchot oder die wahre Demut und die
reine Liebe aus ihr; des bin Ich froh. – Es wird kaum nötig sein zu erwähnen,
wer da unter dem Ich verstanden wird, der da froh ist, oder voll Liebe, und
warum? Wegen der Einung der unendlichen Weisheit mit der ebenso unendlichen
Liebe durch die Erbarmung Gottes.
[HiG.03_42.03.03,08]
Da ihr nun den achten Vers sicher verstehet, so werdet ihr auch nicht minder
den folgenden neunten verstehen, welcher nur eine Zergliederung des ersten ist,
gleichwie auch der zehnte und der elfte es ist. Sehet, da Suchot die Demut
besagt und ihr zufolge die Liebe, in der Liebe aber die Weisheit nun als
vollkommen Eins wohnet, so wird ja etwa doch Gilead wie Manasse Mein sein, –
Gilead, die Weisheit oder das Licht, welches wandelbar ist und unstet, und
Manasse, die Liebe oder das Feuer des Lebens, welches da ist das ewig
Bleibende.
[HiG.03_42.03.03,09]
Ephraim ist die Macht Meines Hauptes, und Juda Mein Fürst. – Sehet, so ihr
dieses buchstäblich nehmen möchtet, so käme da der größte Unsinn heraus, weil
dadurch der David fürs erste einen ganzen jüdischen Urstamm, fürs zweite ein
gleichnamiges Land und fürs dritte eine gleichnamige Stadt hätte müssen
entweder in seinem Kopfe oder auf seinem Kopfe herumtragen und dazu noch mit
aller Kriegsrüstung wohl versehen. Dessenungeachtet aber wäre der also mächtige
König David dennoch dem Fürsten Juda untertänig, darum er spricht: Juda ist
mein Fürst, was ebensoviel besagt als: Juda ist mein Herr. – Sehet ihr nun
schon ein wenig ein, welcher Unsinn da aus dem Buchstabensinne herauswachsen
möchte, so da nicht ein pur geistiger Sinn zugrunde läge?
[HiG.03_42.03.03,10]
Da aber Gilead Mein ist und Manasse Mein, da ist Ephraim als das Licht der
Liebe freilich wohl die Macht aller Weisheit, welche ist Mein Haupt, und Juda
wahrhaft ein Fürst in Mir, welches da ist der Liebe lebendiges Wort von
Ewigkeit her, durch welches alle Dinge erschaffen worden sind, und welches da
durch den David mächtig sich über die Erde zu ergießen anfing. – Sehet, Meine
lieben Kindlein, ob dieser Vers, besonders von Ephraim angefangen, nicht einen
viel weiseren Sinn hat, als wie er dem Außen nach im Buchstaben erscheint?
[HiG.03_42.03.03,11]
Also wird auch im zehnten Verse unter Moab die demütigste Liebe, welche ist
gleich der Reue im menschlichen Herzen, allhier zu einem Waschtopfe; und der
Schuh, welcher ist das naturmäßige Welttümliche, wird über Edom gestreckt,
welches ist die Nacht des Todes. Und Philistäa jauchzet zu Mir – oder die
geläuterte Liebe wird Eins mit Mir. So aber die geläuterte Liebe nun Eins ist
mit dem Lichte und hat dasselbe in sich eingeschlossen, welches ist der
alleinige Führer aller Dinge, so ist hier im elften Verse eine scheinbare Frage
gestellt, darum das Licht in der Liebe verschlossen ist, nämlich: Wer will Mich
führen in eine feste Stadt? Und wer geleitet Mich bis nach Edom? Allein in
dieser scheinbaren Frage liegt schon die Antwort offenkundig da, so ihr unter
Wer Meine Liebe und unter Mich die Weisheit und unter der festen Stadt ein wohl
zubereitetes Herz verstehet, – und unter Edom aber ein Herz, welches voll
angestopft ist von Weltlichem und somit auch mit allem, was des Todes ist.
[HiG.03_42.03.03,12]
Wie es sich aber verhält mit der Frage des elften Verses, gerade also verhält
es sich mit der mehr erklärenden Frage des zwölften Verses, nämlich: Wirst Du
es nicht tun, Gott, der Du uns verstoßest, und ziehest nicht aus, Gott, auf
unser Heer? – welches soviel besagt als: Du Licht der Liebe wirst Mich führen
zur Zeit, da Ich herniedersteigen werde zur Erde; Du wirst zwar nicht ausziehen
auf der Macht des Lichtes, sondern auf Unser Heer wirst Du ausziehen, welches
ist die Macht der ewigen Liebe.
[HiG.03_42.03.03,13]
Damit ihr aber dieses recht innerlich verstehet, so mache Ich euch darauf
aufmerksam, daß so von der göttlichen Weisheit die Rede ist, diese allzeit,
wenn sie für sich allein dargestellt wird, in der einfachen Zahl genannt wird.
Die göttliche Liebe aber wird darum häufig in der vielfachen Zahl genannt, weil
alles, was da ist in der ganzen Unendlichkeit und Ewigkeit, aus Ihr
hervorgegangen ist.
[HiG.03_42.03.03,14]
So ihr nun das Vorhergehende verstehet, so wird es nicht schwerhalten, die
gleichlautenden letzten zwei Verse zu verstehen, welche nichts als eine
lebendig demütige Wiederholung des Früheren sind und also lauten: Schaffe uns
Beistand in der Not – oder: Du ewiges Licht, sei und bleibe der ewige Führer
Deiner Liebe; denn Menschenhilfe ist kein nütze – oder: Die Liebe tauget nicht
allein für sich, da jegliche Liebe ohne das heilige Licht nur eine pure, sich
selbst verzehrende Eigenliebe ist.
[HiG.03_42.03.03,15]
Daher lasse, Gott, die Liebe durch Dich alle Taten verrichten, so wird die
Finsternis als der größte Feind des Lebens auf ewig unterjocht werden. Solches
ist aber der Liebe Feind, daß sie blind ist ohne Gott. Mit Gott oder mit dem
ewigen Lichte vereinigt aber ist sie die allerhöchste Macht, Kraft und Gewalt,
welcher die ganze Unendlichkeit auf den allerleisesten Wink ewig gehorchen muß.
[HiG.03_42.03.03,16]
Schließlich sage Ich euch noch hinzu, daß diese enthüllten Verse eine doppelte
Beziehung haben, und zwar gerade also, wie sie sich beziehen auf Mich, also
auch beziehen sie sich auf jeden einzelnen Menschen. – Erfasset sie daher recht
tief, ja allertiefst in euren Herzen, so wird euch ein großes Licht in der
Nacht eures Herzens werden amen. –
[HiG.03_42.03.03,17]
Meine Gnade, Liebe und Erbarmung mit euch allen Amen.
Die vier
Evangelien über die Auferstehung des Herrn. – 27. März 1842, Ostersonntag.
[HiG.03_42.03.27]
Anfrage des C. L., dem Knechte J. L. übergeben von Ans. H.
[HiG.03_42.03.27]
Wie kann man die nachfolgenden Abweichungen in den Erzählungen der vier
Evangelisten von der Auferstehung des Herrn auf beruhigende Weise untereinander
ausgleichen wie:
[HiG.03_42.03.27]
1. hinsichtlich der Frauen, welche das Grab besuchten; Matth. 28,1. Mark. 16,1.
Joh. 20,1;
[HiG.03_42.03.27]
2. hinsichtlich der Anzahl der sichtbar gewordenen Engel und des Ortes, wo sie
saßen; Matth. 28,2. Mark. 16,5. Lukas 24,4. Joh. 20,11-12;
[HiG.03_42.03.27]
3. hinsichtlich des Umstandes, ob die Frauen, wie bei Matthäus, Markus und
Lukas, oder ob Petrus und Johannes, wie bei Johannes, zuerst in die Gruft
traten;
[HiG.03_42.03.27]
4. hinsichtlich der weiteren Mitteilung der Nachricht; Matth. 28,8. Mark. 16,8.
Lukas 24,9. Joh. 20,10.18.
28. März 1842,
am Ostermontag, Vormittag. (Die vier Evangelien über die Auferstehung des
Herrn).
[HiG.03_42.03.28,01]
Schreibe nur, schreibe! Statt am Abende soll es hier heißen: zu Ende des
Sabbats; da bei den Juden, wie ihr doch sicher wissen werdet, jeder frühere Tag
bis zum Aufgange der Sonne des nächsten Tages gedauert hatte. Das wäre sonach
gleichlautend mit den anderen dreien.
[HiG.03_42.03.28,02]
Die Zahl der Weiber betreffend aber ist keine Angabe richtig, denn es waren
ihrer sieben; nur Lukas berührt sie unbestimmt mit dem Beisatz: Und die
anderen. Und bei Johannes sagt die Magdalena zu Petrus: Wir wissen nicht, wo
sie Ihn hingetan haben. Was aber die Ursache dieser ungleichen Zahlangabe der
Weiber betrifft, so hat sie fürs erste ihren Grund in der Unkenntnis,
derzufolge die Evangelisten selbst die ganze Vollzahl nicht wußten – und fürs
zweite, auf daß die Weiber der Welt zu einem Anstoße werden sollten – und fürs
dritte, daß da niemand die Göttlichkeit Meines Wortes aus der Weiberzahl,
sondern lediglich aus der lebendigen Tätigkeit vom Grunde seines Herzens
erfahren solle! –
[HiG.03_42.03.28,03]
Was aber das von Matthäus allein erwähnte Erdbeben betrifft, so hat es damit
seine Richtigkeit auch buchstäblich, aber jedoch soll es vorzüglich geistig
genommen werden und bezeichnen die volle Erschütterung des Herzens, bevor des
Himmels Zeichen dem Menschen ankündigen sollen, daß Ich aus seinem Grabe
auferstanden bin! – Warum aber die anderen drei des Erdbebens nicht erwähnen,
hat seinen Grund, dieweil sie das besagte Erdbeben allein geistig nahmen und es
durch die gleich geschilderte Furcht der Weiber nur leise andeutend bezeichneten.
Es war aber auch eine zierlichere Redensart der damaligen Zeit, irdische Fakta
zu verschweigen und sie bloß aus dem Gemütszustande betreffender Menschen
entsprechend erkennen zu lassen. Doch an derlei Mückenfängereien liegt wenig,
alles aber an dem Tun Meines Willens! –
[HiG.03_42.03.28,04]
Was aber da bei Matthäus 28,2.3 den blitzgestaltigen und Stein wegwälzenden
Engel betrifft, und bei Markus 16,5 auch zwar einen, aber schon im Grabe
sitzenden Jüngling, und was bei Lukas 24,4 die zwei Männer in glänzenden
Kleidern und bei Johannes zwei Engel in weißen Kleidern betrifft, so hat dieser
scheinbare Widerspruch fürs erste seinen Grund, was die Zahl betrifft, darin,
daß von den höchst gewissensgebundenen ersten zwei Evangelisten nach der
altjüdischen Art nur darum eines Engels erwähnt wird, weil die zwei eine Tat
verübten und auch nur ein Wort führten. Und fürs zweite, weil nicht alle die
sieben Weiber zwei Engel sahen, sondern allein die ersten drei Benannten, die
andern vier aber nur einen, und somit dann auch ihre Aussagen vor den Aposteln
und Jüngern ungleich waren, darum dann auch Matthäus und Markus als höchst
skrupulöse Schreiber sich nicht getrauten, die vielfache Zahl zu nehmen, um
sich vor den schriftgelehrten Judenchristen nicht eines Schreibfehlers wegen
als untüchtige Schreiber bloßzugeben, darum sie nicht wüßten, wann von zwei
handelnden Wesen die einfache und wann die vielfache Zahl gebraucht werden
solle. – Lukas und Johannes aber, da sie das Wort um vieles später
niedergeschrieben haben, waren über diese Sprachkleinigkeiten hinaus und gaben
die Aussage der ersten drei Weiber vollends kund.
[HiG.03_42.03.28,05]
Und endlich liegt ein dritter Grund noch darin, daß Ich es also habe haben
wollen der blinden Welt wegen, darum sie Mich verstoßen hatte, auf daß sie sich
zu Tode stoßen solle an den Weibern und an der Zahl ihrer Weltgeister! – Und
endlich noch des geistigen Sinnes wegen, darum die bloße Hör- und Schaugier nur
einen mahnenden Geist hat zur Erweckung des Glaubens; die Liebe Magdalenas aber
ersieht auch den höheren Geist der Liebe und des Lebens, der da ist feurig und
glänzenden Kleides. – Und somit wäre auch dieser Widerspruch ausgeglichen
geschichtlich und geistig.
[HiG.03_42.03.28,06]
Was aber die ungleiche Gestalt der Engel betrifft, so entsprach diese dem
Inneren der sieben Weiber; Magdalena sah sie feurig und glänzend, die andern
aber nur mit weißen Kleidern angetan. Die Ursache ist die feurige Liebe der
Magdalena, und bei den anderen ihre stille Sanftmut und Trauer.
[HiG.03_42.03.28,07]
Matthäus gibt somit allein nur das Gesicht der Magdalena aus der schon
bekannten Ursache in der einfachen Zahl an. Markus noch skrupulöser als der
Matthäus hält sich an die Mehrheit der Stimmen zwar, aber was da die Zahl
betrifft, pflichtet er dem Matthäus bei. Lukas gibt die Aussage der Magdalena
getreu an, nur gebraucht er statt des Wortes weiß das die Sache mehr erhöhende
Wort glänzend, das heißt weiß, soviel wie schneeweiß oder blendend weiß, und
schweigt darum vom feurigen Gesicht, um die Doppelaussagen mehr in ein
gerundetes Ganzes zu bringen, – und endlich aber auch zufolge Meines Willens,
damit dadurch der Übergang vom alleinigen Glauben zur lebendig tätigen Liebe
angedeutet würde, wie solches auch wahrlich zu ersehen ist aus der Ordnung der
vier Evangelisten. Johannes spricht nur von zwei in weißen Kleidern sitzenden
Engeln. Die Ursache liegt hier lediglich im Geistigen seiner evangelischen
Ordnung nach, wodurch da angedeutet wird die Unschuld der Liebe und die
leidenschaftslose Ruhe des gewonnenen ewigen Lebens; und so verschweigt er als
der sonst allerfeurigste Schreiber das Feuer der Magdalena und somit auch ihre
weltlich leidenschaftliche Liebe zu Mir, die zwar gerecht war, aber dennoch
nicht ganz getreu der himmlischen Ordnung.
[HiG.03_42.03.28,08]
Und somit wäre auch dieser Widerspruch ausgeglichen. Und so bleibt uns nur noch
ein Widerspruch bezüglich der Engel auszugleichen übrig, und zwar der ihrer
verschiedenen Stellung.
[HiG.03_42.03.28,09]
Bei Matthäus kommen sie vom Himmel, und bekannt ursächlich in der einfachen
Zahl, wälzen den Stein vom Grabe oder vielmehr von der Türe des Grabes, und der
Engel und die Weiber gehen in das Grab. – Bei Markus ist zwar bei der Ankunft
der Weiber das Grab noch verschlossen; aber sobald gewahren sie, daß der Stein
abgewälzt wird, worauf sie dann das Grab betreten. – Bei Lukas betreten sie
eher das Grab, welches schon offen ist; sodann erst kommen die Engel und geben
den Weibern Bescheid. – Bei Johannes guckt allein die Magdalena ins Grab und
bekommt von den verschiedenorts sitzenden Engeln den tröstenden Bescheid; und
solches geschieht erst nachdem, da der von ihr geholte Petrus und unser
Evangelist Johannes schon das Grab verlassen hatten (Joh.20,10).
[HiG.03_42.03.28,10]
Die scheinbare Verschiedenheit der Aussagen rührt fürs erste, wie alle die
früheren Punkte, vorzugsweise nach Meinem Willen wegen und von der heiligen
entsprechenden geistigen und himmlischen Ordnung her, in welcher vom äußeren
Glauben bis zur innersten Wiedergeburt des Geistes die vier Evangelisten
aufeinander folgen!
[HiG.03_42.03.28,11]
Dieser Hauptursache zufolge aber dann von der verschiedenen Angabe der sieben
Weiber, da eine jede nach der Beschaffenheit ihres inneren Zustandes gesehen
hatte, entweder was da aussagt der Matthäus, Markus, Lukas oder der Johannes. –
Was aber da ausgesagt wird von den vieren, ist geschehen und gesehen worden,
aber nur mit den geistigen Augen, – diese aber sind ja allzeit gerichtet, wie
da gerichtet ist das innere Leben aus der Liebe, dieweil des Geistes Schauen nicht
ist gleich dem irdischen Schauen, da einer sieht gleich dem andern, sondern
jedweder nur sieht, was und wie es in ihm ist, und also es sich dann auch
gestaltet.
[HiG.03_42.03.28,12]
Daß die Abholung des Petrus und des Johannes nur von Johannes selbst erwähnt
wird, hat zur Ursache, weil Johannes eigens gemahnt wurde, da er auch
verschweigen wollte, diese Begebenheit beizusetzen, damit in ihm alles solle
offenbar werden zum geistigen Zeugnisse, daß die wahre innerste lebendige Liebe
alles von sich gibt und auch sogar das allerunbedeutendste Geheimnis nimmerdar
verschweigen will. Oder erprobt man auf der Welt die echte Liebe etwa nicht
schon dadurch, daß der Liebbewerber sieht auf das offene Herz seiner Gewählten;
wenn sie aber vor ihm wird heimlich tun und wird ihrer Nachbarin ins Ohr
wispeln, was wird er da von ihrem Herzen halten? – Ich sage dir: Er wird es
verfluchen und wird sich abwenden von der Treulosen!
[HiG.03_42.03.28,13]
Sehet, sonach ist ja schon wieder alles in der schönsten Ordnung. Was die ersten
drei der Mitteilung für geringfügig halten, das muß der Vollendete dennoch
bekennen und es aussagen! – Ist nun noch irgend ein Widerspruch vorhanden? –
Und also bliebe schließlich nur noch Meine Erscheinung den Weibern zu erwähnen
übrig.
[HiG.03_42.03.28,14]
Bei Matthäus erscheint Jesus nur der Magdalena und der anderen Maria, als sie
schon auf dem Wege sind zu den Aposteln und Jüngern, unweit des Grabes.
[HiG.03_42.03.28,15]
Bei Markus erscheint Er zuerst der Magdalena und wird nicht gesagt, ob Er auch
den andern erschienen ist, sondern es wird solches nur unbestimmt dadurch
angedeutet, da gesagt ist, zuerst der Magdalena, und von selbst verstanden
werden solle, hernach auch den andern.
[HiG.03_42.03.28,16]
Bei Lukas erscheint den Weibern Christus gar nicht; und Petrus eilt ohne
Johannes erst nach der Nachricht zum Grabe.
[HiG.03_42.03.28,17]
Bei Johannes kommt gar nur die Magdalena allein zu den Jüngern und sagt ihnen,
daß der Stein abgewälzt ist (Joh.20,2); – und nachdem Petrus und Johannes
wieder zurückkehren, da erst erscheint allein ihr der Herr und verbietet der
Zudringlichen die Anrührung (Joh.20,14.17) und ist da weiter von keiner andern
die Rede.
[HiG.03_42.03.28,18]
Wie alles Frühere, so hat auch dieses alles ganz besonders vorzugsweise einen
inneren, allein geistigen Grund. Was daran das Geschichtliche betrifft, so
haben eigentlich nur Magdalena zuerst und dann auch die Maria Johanna Jesum
gesehen, und zwar die Magdalena zuerst, da sie dann sogleich über Ihn herfallen
wollte, aber zurückgewiesen ward. Darauf Ihn dann erst auch die Maria Johanna
ersah und dann mit der Magdalena zu Seinen Füßen hinfiel und diese
gemeinschaftlich umfaßt wurden von beiden (Matth.28,9). Maria Jakob und die
Salome sahen zwar nichts (Mark.16,1), sondern empfanden nur die Nähe des
Geistes des Herrn. Die drei noch andern aber merkten von der Erscheinung des
Herrn nichts und waren unterwegs sogar sehr bemüht, den zweien ihr Gesicht als
ein reines Werk ihrer erhitzten Einbildung darzustellen.
[HiG.03_42.03.28,19]
Was die erste Benachrichtigung an den Petrus betrifft, so ist da wirklich nur
allein die Magdalena die Botin gewesen, und alle anderen sind im Garten
geblieben, in dem das Grab in einen Felsen gehauen war – und haben also fünfe
den Petrus und den Johannes übersehen. Und nur die Maria Johanna sah den Petrus
kommen und abgehen, aber den flinken Johannes hatte auch sie übersehen und
hätte auch den Petrus sicher übersehen, so sie nicht die fast außer Atem
daherkeuchende Magdalena sobald darauf aufmerksam gemacht hätte. Daß sich aber
weder Petrus noch Johannes lange am Grabe aufgehalten haben, erklärt sich wohl
aus der großen Furcht, welche sie da vor den Juden hatten.
[HiG.03_42.03.28,20]
So ihr nun dieses alles zusammenfasset, da kann es euch doch unmöglich mehr
schwer werden, den Grund dieser sich scheinbar widersprechenden Angaben der
vier Evangelisten mit den Händen zu greifen. Denn je nachdem die Angaben waren
von seiten der verschieden sehenden Weiber an die Apostel und Jünger, also
waren auch die Aufzeichnungen nach dem Glauben der Schreiber verschieden; denn
obschon sie unter der Leitung Meines Geistes alles dieses geschrieben haben, so
war aber ihr Wille dennoch ganz frei und so auch ihr Urteil und ihre Annahme
danach. Und so selbst ihr Wille durch die erfolgte Wiedergeburt ein gerichteter
gewesen war, da war aber demnach ja ihre Mitteilung, was noch mehr ist,
vollkommen Meinem Willen gemäß. Und so ihr dieses alles wisset, da lasset euch
durch solche Mückenklüfte nicht mehr beirren, sondern werdet dafür eifrige und
wahre Täter des Wortes, so werdet ihr gar bald an keinen Widerspruch mehr
stoßen.
[HiG.03_42.03.28,21]
So ihr aber nur bloße Hörer des Wortes seid und möchtet dasselbe unter die
träge Ordnung eures Verstandes bringen, da werdet ihr freilich gerade dort die
größten und die ärgsten Widersprüche finden, wo es sich um eure ewige
Auferstehung handelt! – Wenn ihr aber schon durchaus kritisch zu Werke gehen
wollet, da fasset zuerst die Ordnung der aufeinanderfolgenden Evangelisten und
vergleichet sie mit den vier Hauptzuständen des Menschen, das heißt, von seinem
äußersten Glauben bis zur innersten Wiedergeburt; oder da der Mensch am Abende
beginnt, durch die Nacht versuchet wird, bis dann die Morgendämmerung anbricht
und also stets zunimmt bis zum Aufgange des ewigen Lebenstages durch Johannes!
– Verstehet ihr das, so werdet ihr ewig an keine Widersprüche mehr stoßen.
[HiG.03_42.03.28,22]
Doch wer da noch irgendeinen Zweifel hätte und könnte sich nicht helfen, der
tut immer besser, so er fragt, solange jemand da ist, der mit Licht versehen
ist; es wird euch aber schon noch übel ergehen, und ihr werdet eure Untiefen
erschauen, so Ich den Leuchter hintanrücken werde. Dann erst werdet ihr alle
erfahren, wie blind ihr alle waret, daß ihr der Worte des Leuchters so wenig
mochtet achten. Wer aber kennt und versteht den Leuchter?! – O wie blind doch
aber seid ihr noch! – Warum aber seid ihr also blind? Weil in euch noch keine
Ordnung ist und also auch keine Festigkeit, darum ihr auch stets schwebet
zwischen Nacht und Dämmerung und erkennet darum auch gerade das am
allerwenigsten, wodurch ihr zur Wiedergeburt des Geistes gelangen sollet und
einzig und allein zur innersten Erkenntnis alles dessen, was des Geistes und
somit auch des ewigen Lebens ist! –
[HiG.03_42.03.28,23]
Ich aber sage euch, bis jetzt habt ihr das Wort nur gelesen, und alle eure Tat
war eine getriebene Tat durch die gewisserart göttlich magische Kraft des
Wortes an und für sich selbst. Werdet aber in der Zukunft keine getriebene
mehr, sondern freiwillige Täter Meines Wortes, und ihr werdet sofort an keine
Widersprüche mehr stoßen! Solches alles aber schreibet euch tiefst in euer
Herz, wer Der ist, von Dem diese Worte kommen an euch Grübler, so werdet ihr
leben. – Sehet aber zu, daß euch der noch gänzlich unbekannte Leuchter nicht
entrücket wird, da es euch allen dann wieder schlecht gehen möchte; denn ihr
seid bisher nur Leser, aber noch bei weitem keine Täter des Wortes. – Wisset
ihr euch aber eines alten Liedes zu erinnern, das da also anfängt:
Einst schien die
Sonne über unsrem Haupte sanft und mild, / Da floh'n vor ihrem Licht wir in die
Löcher unsrer Becher; / Doch bald verschwand dies herrlich leuchtend göttlich
Sonnenbild, / Und nun drückt uns der Nacht und alles Todes Pfeile Köcher.
[HiG.03_42.03.28,24]
Seht, das Lied des Ameisenlöwen ist nicht schlecht und paßt recht wohl auf den
Zustand des Menschen, da er ein Zweifler ist, wo er schon lange ein Seher sein
könnte. Solches also auch beachtet überaus wohl Amen; und Wer es saget amen,
amen, amen.
Die erweckende
Kraft der Liebe. – Segen eines gläubigen Vaters und einer frommen Mutter. – 10.
Juni 1842. Vormittag.
[HiG.03_42.06.10]
An den Andr. H. W.
[HiG.03_42.06.10,01]
Höre und siehe du, Mein geliebter Andr. H. W., denn Ich habe dir etwas
Tröstendes zu sagen! –
[HiG.03_42.06.10,02]
Dich hatte eine Mitteilung, welche Ich Meinem Wortschreiber zur nötigen
Beruhigung habe zukommen lassen, in ein etwas zu ängstliches Nachdenken
gebracht und hat dich zudem noch etwas kleingläubig in Rücksicht dessen gemacht,
was da anbelangt die volle Sterblichkeit der Lauen, und das vorzugsweise darum,
da du dein freilich wohl sehr weltlich gesinntes und geartetes Weib darunter
verstandest und in nicht sehr entfernten Distanzen auch deine Kinder mit ihr.
Allein Ich sage es dir, du hast wohl sehr vollkommen recht, solches zu
beherzigen. Was aber da gesagt ist in dem Beiworte an den Schreiber, so hat
aber dennoch solches nur einen allgemeinen Sinn, nicht aber, als hätte Ich
dadurch gewisserart auf dein Haus heimlich etwas abmünzen wollen.
[HiG.03_42.06.10,03]
Damit du aber solches klärlich ersehen magst, so habe gut acht auf das, was Ich
dir nun über diesen Punkt sagen werde! –
[HiG.03_42.06.10,04]
Siehe, wo immer beide Ehegatten gleich lau wären im Geiste und daher ganz in die
Materie verkehrt und sorgten auch also für ihre Kinder, da träte auch die volle
Geltung des Beiwortes an Meinen Schreiber ein. Wo aber da ist ein Gatte
gläubig, besonders wenn es der Mann ist, und voll Liebe zu Mir, da ist sein
Weib, da sie ein Fleisch mit ihm, geheiligt durch den Glauben und durch die
Liebe des Mannes, was auch wohl im umgekehrten Falle gelten kann.
[HiG.03_42.06.10,05]
Also verhält es sich auch von seiten eines gläubigen Vaters gegenüber seinen
Kindern, da sein Segen noch übergehen kann bis ins dritte, manchmal bis ins
siebente und manchmal gar bis ins siebenundsiebenzigste Glied, darum sie da
jenseits erweckt werden können durch ein überreiches Leben solch eines Vaters,
was soviel besagt, als daß sie wieder vollends belebt werden können!
[HiG.03_42.06.10,06]
Solches kann zwar auch ein sehr frommes Leben der Mutter bewirken. Allein, da
doch jedes Weib einen Mann haben muß, wenn sie Mutter werden will, so gehört
schon geschlechtlich dem Manne, mehr somit noch geistig der offenbare Vorzug! –
Ist ihr Gatte gleichen Geistes mit ihr, da sind sie ohnehin vollends eins; und
was demnach gilt vom Manne, das gilt auch von dessen Weibe.
[HiG.03_42.06.10,07]
Wenn aber der Mann wäre ungläubig, das Weib aber gläubig und fromm, da freilich
ist sie dann die Erweckerin sowohl des Mannes – so dieser samt den Kindern
allein nur lau, aber auch zugleich böse war – wie der Kinder. Bei dieser
Gelegenheit aber erstreckt sich dann der große Segen der Mutter nur bis ins
dritte Glied im ausgedehntesten Falle. Ihr Mann aber und ihre Kinder können gar
wohl erweckt werden durch ihr Leben und sind somit geheiligt durch sie; aber in
dem Falle hat dann der also geweckte und geheiligte Mann kein weiter belebendes
Vermögen in sich, sondern nur, daß er lebt im Leben seines Weibes durch ihre
Liebe zu Mir und daraus zu ihrem Gatten. Also aber ist demnach auch das Leben
des Weibes, welches an und für sich zwar tot ist durch seine Lauheit, daß es da
lebt im Leben des Mannes durch dessen Liebe zu Mir und daraus zu seinem Weibe.
Daß solch ein mitbelebtes und mitgeheiligtes Weib auch an und für sich kein
weiteres Belebungsvermögen in sich hat, sondern nur daß es lebt das Leben des
Mannes, braucht hier nicht noch ferner erörtert zu werden.
[HiG.03_42.06.10,08]
Da du aber sicher fragen würdest, wie das zu verstehen ist – wie lebt demnach
also eines in oder aus dem oder durch das andere? –, so will Ich dir ja auch
recht gerne solches vollends kundgeben, und so höre es denn:
[HiG.03_42.06.10,09]
Siehe, du hättest dein Weib sicher nie geehelicht, so du dich nicht zuvor im
Herzen verbunden hättest mit ihr. Durch diese innere Verbindung ist aber ihres
Geistes Abbild lebendig in deine Seele aufgenommen worden und lebt jetzt stets
fort in dir ganz ähnlich deinem äußeren wirklichen Weibe, nur mit dem
Unterschiede, daß, während das äußere wirkliche Weib nur der Welt lebt, ihr
Abbild in dir stets lebendiger und geistig veredelter wird durch deine Liebe,
Treue und Glauben zu Mir.
[HiG.03_42.06.10,10]
Setzen wir nun den Fall, dein äußeres wirkliches Weib stirbt dem Leibe nach vor
dir, so ist zwar zufolge ihres Welttums und ihrer Lauheit all ihr Leben
zugrunde gegangen. Sie ist da ganz vollkommen für sich für alle Ewigkeiten
gestorben, allein ihr lebendiges Abbild lebt fort in deiner verherrlichten Seele.
Du betest dann für dein verstorbenes Weib. Was geschieht dann? – Siehe, hier
geschieht dann ein wahres geistiges Wunder! – Dieses dein lebendiges veredeltes
Bild deines Weibes tritt sodann frei aus dir (was du dadurch gewahren würdest,
wenn dich fast alle Traurigkeit um dein verstorbenes Weib verlassen hätte) und
tritt zu der toten Materie des verstorbenen Weibes, durchglühet dann dieselbe
und erweckt und läutert dann deren ganz gefestete Seele und nimmt in sich auf
den verdorrten Geist und befeuchtet ihn mit seiner aus dir zwar entnommenen,
aber nun ihm schon ganz eigenen Liebe. Dadurch wird der wahrhaft tote Geist des
verstorbenen Weibes wieder belebt, geht dann ganz in das Leben deines
lebendigen Abbildes über und wird vollends eins mit ihm. Also lebt dann das
Weib ein gewisserart zweites Liebeleben aus dem Manne, was auch allerdings in
doppelt umgekehrter Hinsicht der Fall sein kann.
[HiG.03_42.06.10,11]
Was aber hier zwischen den Ehegatten der Fall sein kann, dasselbe gilt auch
bezüglich der Kinder von seiten der guten und frommen Eltern. Im Grunde aber
sind diese sonderheitlichen Erscheinungen, von denen schon Mein Apostel Paulus
Erwähnung macht, nichts anderes als ein Miniaturgemälde dessen, was Ich Selbst
im Großen, ja im Unendlichen tue, denn da wird ja auch durch Mein Ebenbild in
euch, das da ist Meine Liebe oder Christus in euch, euer toter und verdorrter
Geist wieder erweicht und belebt und dadurch wiedergeboren zum ewigen Leben,
nachdem er vorher durch das Liebefeuer ebendieses Meines Ebenbildes in euch ist
von der toten Materie ausgelöset worden, welcher Akt dann und darum eben ja die
Erlösung heißt! –
[HiG.03_42.06.10,12]
So du, Mein geliebter Andr. H. W., dieses sicher einsehen und vollends
begreifen wirst, da wirst du ja auch ebenso leicht einsehen, wie bei Mir alle
Dinge möglich sind! – Und wie Ich sogar imstande bin, nicht nur ein, sondern
tausend Kamele auf einmal durch ein Nadelöhr zu treiben!
[HiG.03_42.06.10,13]
Aber alles dessenungeachtet bleibt das Beiwort des Knechtes doch wahr, sobald
entweder beide Ehegatten lau sind oder eines ist dem andern nicht um vieles an
Lebenstugend überlegen, oder sie sind gegenseitig vorsätzlich Ehebrecher, darum
das eine nicht dem andern folgen will in allem! –
[HiG.03_42.06.10,14]
Daß aber eine Erweckung von Mir aus besser und unendlich vollkommener ist denn
eine solche Aftererweckung, das leuchtet ja schon daraus, daß Ich Selbst doch
sicher vollkommener bin, als jeder von Mir geschaffene Geist. Wie aber da jeder
von Mir Erweckte ewig abhängig bleiben muß von Mir, welche Abhängigkeit eben
ganz allein das ewige allerseligste Leben des Geistes ausmacht, – also wird
auch der Aftererweckte ewig abhängig bleiben von dem, der ihn wieder erweckt
hat, und wird daher auch nimmerdar vermögend werden, unmittelbar von Mir
abzuhängen und daher auch zu Meiner unmittelbaren Anschauung zu gelangen,
sondern nur mittelbar durch den, der ihn aus Meiner Liebe in ihm selbst erweckt
hat! – Solches sollst du recht begreifen, und es wird dir großen Trost geben in
deinem Herzen! –
[HiG.03_42.06.10,15]
Schließlich sage Ich dir noch bezüglich deiner Kinder, daß du ihnen etwas
zuviel freien Willen lässest; siehe, dazu sind sie jetzt noch bei weitem nicht
reif. Daher beuge ihn jetzt, da er sich noch beugen läßt, sonst würden sie dir
gar bald auf der Erde so manchen Kummer bereiten, was dich dann kleinmütig
machen könnte! Halte sie daher zu allem, was du sie lernen läßt, nur recht
ernstlich an und daß sie vollends gehorchen ihren Lehrern ohne Widerrede, so
wirst du bei ihnen gute Früchte erzielen. Denn in jedem Ernste liegt das Leben
des Geistes zugrunde, da Ich allzeit knapp hinter dem Liebernste einhergehe!
Solches also beachte auch, und Ich, dein lieber Vater Jesus, werde keinen aus
den Deinen zugrunde gehen lassen. Mein Segen mit deinem Geiste ewig Amen. – – –
Der Siegelring.
– 11. Juli 1842.
[HiG.03_42.07.11,01]
1. / Ein scheinbar unbedeutend, nichtig Ding / erscheint dem Aug' ein ehrner
Siegelring. / Doch wenn ein Fürst ihn trägt an seiner Hand, / hat er ein groß
Gewicht fürs ganze Land. / So ist ein Ring, den da ein Fürst getragen, / ein
großer Wert, daß selbst in spätsten Tagen / so manche Tatenforscher darum
fragen / und emsigst nach solch altem Schatze jagen!
[HiG.03_42.07.11,02]
2. / Es gibt ein Amt sogar in manchem Staat, / das da den Namen Siegelwahrung
hat. / Und dem da ist ein solches Amt vertraut, / auf den der Fürst auch sicher
Großes baut. / Nur eines Landes alterprobten Treuen / ermächtiget der Fürst
danach zu freien; / ein andrer mag sich da zu Tode schreien, / nie doch wird er
des Amtes sich erfreuen! –
[HiG.03_42.07.11,03]
3. / So mancher Fromme auch von Mose spricht: / Er war des Herrn Ring, ein
großes Licht! – / Fürwahr, er ist das noch zu dieser Stund, / ein Siegel Gottes
für den alten Bund, / den Gott in Abraham schon hat gestellet; / und was Er
diesem weislichst hat verhehlet, / hat Er, zu künden aller Welt, erwählet / den
Mose, ihn hat Er mit Sich beseelet!
[HiG.03_42.07.11,04]
4. / Wenn solches aber denn von Mose gilt / und ist in jed' Propheten Moses
Bild, / nachdem in seinem Geist da jeder spricht, / dem Volke ist ein
unerforschlich Licht! – / Wie dann so hoch denn Moses, der vergangen, / warum
da nicht nach dem, was da, verlangen, / warum an Mose nur hochachtend hangen, /
warum nicht auch, was da, also umfangen?! –
[HiG.03_42.07.11,05]
5. / So merk es denn, du eitle Gegenwart, / Ich sag es dir: Du bist in dir so
hart, / erkennest nicht bei dir den Siegelring, / er scheint dir, wie dem Aug',
ein nichtig Ding. / Doch so des Fürsten Ring du hältst in Ehren, / der sich
doch pflegt nach Weltlichem zu kehren; / o sieh, wie magst dich denn also
betören, / so schwach in Meinem Ringe Mich zu ehren?! –
[HiG.03_42.07.11,06]
6. / Ist auch an sich schon jeder Siegelring / ein nichtig, unbedeutend kleines
Ding, / so ist doch Der, der selben braucht und führt, / erhaben hoch und voll
der höchsten Würd'. / Die da demnach den Fürsten ehren wollen, / die müssen
auch dem Ringe Achtung zollen; / so aber jemand möcht' dem Ringe grollen, /
wird der nicht auch des Fürsten Ehre schmollen?!
[HiG.03_42.07.11,07]
7. / Es sei, und wär der Ring von schlechtem Erz, / gesteckt an Meinen Finger
durch das Herz; / er ist es nicht, wohl aber Der ihn trägt / doch wert, daß man
fürs Siegel Achtung hegt! – / Es soll darum da niemand weise streiten, / nicht
betend gar zu einem Ringe schreiten; / doch einem Ringe trübe Zeit bereiten, /
dadurch wird niemand viel von Mir erbeuten!
[HiG.03_42.07.11,08]
8. / Was da gesagt, dem biete niemand Trutz, / wohl aber mach' sich jeder
solch's zu Nutz! / Kannst du nicht achten, was dein Auge sieht, / wie ehren
dann, das stets dein Auge flieht? – / Wer da von Mir zum Ringe ist gestaltet, /
ist er auch gleich dem Moses nicht veraltet, / so wird durch ihn doch alles neu
umstaltet, / so da durch ihn die Lieb' der Liebe waltet!
[HiG.03_42.07.11,09]
Das ist etwas allein für dich. So du es jemandem zeigen willst, kannst du es ja
tun, Pflicht jedoch sei dir solches nicht. – Es gebührt zwar solches dir
Meinetwegen! – Für dich selbst aber doch ist es besser zu dulden und zu haben,
wie bisher, ein demütiges Herz! Darum sei es dir keine Pflicht, solches auch
sogleich den anderen mitzuteilen Amen.
Erklärung zum
Lied ‚Der Siegelring‘. – 12. Juli 1842.
[HiG.03_42.07.12]
O Herr, Du allergeduldigster Lehrer und Führer der gesamten Menschheit, siehe,
das Lied ‚Der Siegelring‘ ist im ganzen wie im einzelnen etwas zu geheimen
Sinnes. Ich verstehe es nicht, denn auf meine Person kann ich das ja nicht
beziehen; wie soll ich solches denn nehmen? O Herr, zürne nicht mir Wurme im
Staube aller Nichtigkeit vor Dir, und auch nicht, wie ich bin viel geringer
denn alle meine Brüder und Freunde und um vieles schlechter denn sie, darum ich
nun frage um solches Dich, – sondern sei mir armem Sünder barmherzig und
gnädig! Wenn es Dein heiliger Wille wäre, so könntest Du wohl ein leuchtendes
Fünklein Deiner Gnade noch hinzufügen! Aber nur – so Du es willst Amen.
[HiG.03_42.07.12,01]
So schreibe denn! – Ich sage dir: Du und der Siegelring habt miteinander nichts
zu tun, außer daß durch dich dieser neue Siegelring aus Mir gegeben wird.
[HiG.03_42.07.12,02]
Der Siegelring aber ist das Wort und nicht du, – selbst dann nicht, wenn Ich
rede durch deinen Geist mit deiner Zunge. Daher hat die ausgesprochene Achtung
auch nichts mit dir, sondern allein mit dem Worte zu tun. Damit aber jeder
solches verstehe wohl und genau, so solle er wissen, daß unter einem Propheten
nie dessen Person und Wesenheit, sondern allein Ich in dem Worte verstanden
werde. Ist aber auch das Wort selbst an und für sich Meine eigentliche
Wesenheit nicht, so ist es aber doch der euch oder auch allen anderen Menschen
geoffenbarte Wille aus Mir, dargestellt zur Beschauung entweder durch Worte aus
dem Munde eines von Mir dazu berufenen Menschen oder durch Zeichen, die er
entweder selbst aufzeichnet oder von jemand anderem aufzeichnen läßt.
[HiG.03_42.07.12,03]
Der Wille aber ist ja demnach der Siegelring, aber nicht der, der Mir dienet
selbst nur zu einem Werkzeuge!
[HiG.03_42.07.12,04]
Also ist ja das gegenwärtige Wort, welches Ich durch dich nun zur Erde
hinabsenke, der vermeintliche Siegelring, aber nicht du. Dieses ist vom selben
Finger, wie das zur Zeit Mosis. Moses aber mußte sein Angesicht verhüllen, um
anzuzeigen, daß da nicht er, sondern allein Ich im Worte und Gesetze der
alleinige Prophet es bin, und nicht er.
[HiG.03_42.07.12,05]
Wenn aber Moses solches tun mußte, wie kann es dir demnach auch nur im Traume
einfallen, den Siegelring auf deine Person zu beziehen? – Siehe, wie blind du
für dich auch noch bist trotz allem dem, was du schon vernommen hast! – Daß Ich
aber solches mehr für dich als jemand anderem gab, hast du also zu verstehen,
weil eben du selbst über so manche Gabe aus Mir nicht im reinen warst und so
manchen Punkt weniger beachtetest für dich, denn die anderen für sich!
[HiG.03_42.07.12,06]
Siehe, darum auch habe Ich den Siegelring also gestellt, daß dessen Sinn also
aussieht, als bezöge er sich auf deine Person, um dir dadurch einen neuen
Probierstein für dich selbst zu geben, auf welchem du das Gold deiner
Erkenntnis prüfen sollst, ob es probehaltig ist für das, was Ich tagtäglich
durch dich gehen lasse. Wenn aber du bei dir so manchmal den Ring getrübet
hast, welche Beute solle dir selbst dereinst denn werden aus ihm?
[HiG.03_42.07.12,07]
O siehe, das haben auch manche andere Berufene getan und haben über das
Empfangene gegrübelt, während sie es vor allem hätten ausüben sollen durch den
allerlebendigsten Glauben, und Ich habe ihnen darum ähnliche, ja noch viel
stärkere Fallen gelegt. – Welche da sich, wie du jetzt, an Mich gewendet haben,
denen habe Ich auch sobald die Lösung gegeben; die aber das auf die eigene
Person nahmen, denen ging es am Ende wie dem weisen Salomo! –
[HiG.03_42.07.12,08]
Demnach also bezeichnet der Siegelring das neue Wort, also wie es äußerlich
erscheint, das zwar niemand an sich anbeten soll, aber achten doch in allem und
jedem, darum es ist ein wahrer Siegelring an Meinen Finger der Erbarmung
gesteckt durch das Herz – oder durch Meine große Barmliebe!
[HiG.03_42.07.12,09]
Verstehe nun solches wohl, denn Ich habe es darum ja auch nur vorderhand dir
gegeben. Darum sollst du solches auch also fassen, wie dir nach jeder im
gerechten Sinne. Das sage Ich, die ewige Wahrheit und Weisheit Amen, Amen,
Amen.
Der Herr zum
Namenstag Jakob Lorbers. – 25. Juli 1842, vormittags nach 11 Uhr.
[HiG.03_42.07.25.a,01]
So gebe Ich dir denn ein Liedchen an deinem Tage, so der Welt wegen du auch
keine Gratulationsbillete empfängst. Ich meine aber, dieses Billet wird länger
dauern denn die der Welt. – Dem Offenen aber werde auch Ich allzeit offen sein
und freigebig und aufmerksam; dem Zurückhaltenden aber werde auch Ich sein ein
sparsamer Geber. Daher denke darum nicht nach, so heute niemand mochte dein
Zimmer finden an deinem Tage. – Dafür aber komme Ich doppelt zu dir, wie fürs
Ohr, also auch fürs Auge. Siehe, hier bin Ich!
[HiG.03_42.07.25.a,02]
Und so schreibe nun in dieser Meiner für dich sichtbaren Gegenwart dies
Liedchen unter dem Namen:
Des Baumes
letztes Blättchen.
[HiG.03_42.07.25.a,03]
1. / An eines Waldes dicht umstrüpptem Saum / erblickst du einen seltnen dürren
Baum, / ein Blättchen nur ganz fahl denselben ziert. / Doch nicht am Zweig
hängt mehr dies letzte Blatt, / an einer Spinne Faden nur ganz matt / so lang,
bis es ein West der Haft entführt.
[HiG.03_42.07.25.a,04]
2. / Sieh an die Welt, wie sehr dem Blatt sie gleicht, / auch sie da hängt ganz
dürr und leicht / am gleichen Faden an des Lebens Baum. / O sieh, schon regt
sich dort ein rauher West, / er führt für diese Zierd' das End, den Rest, /
schon schwirrt er um des Waldes dorn'gen Saum.
[HiG.03_42.07.25.a,05]
3. / O Baum, o Baum, du toter Rest am Wald! / Du brüstest dich mit deiner
Scheingewalt – / warum, du Tor?! Ist nicht der Tod dein Los? – / Ja tot, ganz
tot bist du, o Baum, schon lang! / Darum wird's dir vor Meiner Näh' nicht bang,
/ nicht angst in deines Grabes finstrem Schoß.
[HiG.03_42.07.25.a,06]
4. / Das letzte Blatt, ganz los von deiner Haft, / ziert dich nur noch durch eines
Fadens Kraft, / den da gesponnen hat ein schnödes Tier – / und du willst
prunken noch damit vor Mir / auf diesem alten Todesjagdrevier?! – / O sieh, der
West ist da mit großer Gier!
[HiG.03_42.07.25.a,07]
5. / Du trillerst schon, du einsam fahles Ding?! / Tust wohl daran; von Mir nur
einen Wink – / geschehen ist's, o Baum, um deine Pracht! / Magst ahnen nicht,
wer hier bei dir nun steht? / Ja, ja, der West um deine Äst' schon weht, /
nicht merken läßt er dich die große Macht!
[HiG.03_42.07.25.a,08]
6. / Wozu allhier, o West, so große Kraft? – / Ein dürres Blatt nur zwischen
Zweigen klafft, / verhängt am schwächsten Faden einer Spinn'! / Darum kannst
wehen du ganz sanft und mild, / ganz leicht wirst fertig du mit diesem Bild, /
das tot ist ganz und gar im vollsten Sinn!
[HiG.03_42.07.25.a,09]
7. / O merke, merk' auf dieses Bild, du tote Welt, / darum dich nur noch mehr
dein Wahn beseelt; / das ist dein Sein in dieser letzten Zeit! – / Vernimm den
letzten Ruf aus Meinem Mund, / kehr um zu Mir dich noch in dieser Stund, / eh'
dich ereilen wird die Ewigkeit! –
[HiG.03_42.07.25.a,10]
Höre, verstehe, folge – amen.
Schon steht im
Osten ein Stern. Das Liebelicht des neuen Wortes wird der göttlichen Liebe die
Bahn brechen. – 25. Juli 1842, nachmittags.
[HiG.03_42.07.25.b]
„Schon steht im Osten ein Stern, welcher dem Orion die Bahn brechen wird, und
das Feuer des großen Hundes wird sie alle verzehren.“ (Die Haushaltung Gottes,
Band 1, Kap. 1,12)
[HiG.03_42.07.25.b,01]
Was ist der Ost, was der Stern, was der Orion, was das Feuer, was der große
Hund? Wer sind die, welche verzehren wird des großen Hundes Feuer? –
[HiG.03_42.07.25.b,02]
Der Ost ist das innere lebendige Wort und durch dieses das wahre Verständnis
der Heiligen Schrift des Alten wie des Neuen Bundes.
[HiG.03_42.07.25.b,03]
Der Stern ist das Liebelicht in diesem Worte selbst.
[HiG.03_42.07.25.b,04]
Der Orion ist die Liebe Gottes.
[HiG.03_42.07.25.b,05]
Das Feuer des großen Hundes bedeutet die große Treue dieser Liebe, weil der
Hund ist ein Zeichen der Treue. Die aber, welche das Feuer verzehren wird oder
zuschanden machen, sind alle Weltmenschen.
[HiG.03_42.07.25.b,06]
Also heißt obiger Satz mit anderen Worten nichts anderes als:
[HiG.03_42.07.25.b,07]
Das Liebelicht des neuen Wortes wird der göttlichen Liebe die Bahn brechen, und
die Treue dieser Liebe wird alle Frevler, alle Ungläubigen und Lauen zuschanden
machen, denn der Ost ist frei, und der Stern der Liebe stehet schon hoch! –
[HiG.03_42.07.25.b,08]
Das ist das leichte Verständnis dieser etwas nur höher gestellten Worte. – Da
Ich sie aber nun noch mehr enthüllt habe, so sollen sie auch um so mehr
beachtet werden Amen!
[HiG.03_42.07.25.b,09]
Das sagt der große Orion durch Seinen großen Hund amen, amen, amen. –
Antwort auf
einige Fragen. – 4. August 1842.
[HiG.03_42.08.04]
Fragende: a) Ans. H. b) C. L. c) Elise H.
[HiG.03_42.08.04]
a) O Herr! Vor dreißig Jahren sah ich im Stifte R-n, als ich mich zu Bette
legte, einen kolossalen Mann zu Pferde in meinem Schlafgemache, worüber ich in
große Angst geriet. – War diese Erscheinung eine Täuschung, oder war es eine
wirkliche Geistererscheinung?
[HiG.03_42.08.04,01]
Antwort: Kannst du das bezweifeln? – Ich frage dich aber: Was ist wohl
verständiger und weiser, anzunehmen, daß ein vollkommenes Nichts unter der Form
deines gesehenen Ritters zu Pferde in irgendeine Erscheinung trete oder die
geschaute Form sei im Ernste etwas, das da ist ihr wahrer gehaltvoller Grund? –
[HiG.03_42.08.04,02]
Du redest von einer Täuschung! – Was ist denn eine Täuschung? – Wenn du zwei
für fünf ansiehst oder schwarz für weiß oder einen Baum für einen Turm, den
Mond für die Sonne, einen Planeten für einen Fixstern oder ein Weib für einen
Mann – siehe, das ist eine Täuschung, die ihren Grund in der Schwäche der Sinne
hat und ist daher nur eine Verkennung des geschauten Wesens, aber unmöglich
eine Anschauung des Nichts unter einer Form, was wohl der größte Unsinn ist,
den ein Mensch je nur zu denken vermag!
[HiG.03_42.08.04,03]
Daher bleibe du bei dem, was du gesehen hast, und denke, daß selbst die
Traumwesen nicht so ganz leere Nichtse, sondern recht tüchtige Etwasse sind!
Verstehe es. –
[HiG.03_42.08.04,00]
b) Ist das Wiederaufleben und die abermalige Ausbreitung des Jesuitenordens für
die Menschheit heilsam oder nicht?
[HiG.03_42.08.04,04]
Antwort: Allerdings, das heißt für die Menschheit der Jesuiten selbst. Was aber
die übrige Menschheit betrifft, da wird es mit den heilsamen Wucherprozenten
einen sehr sandigen Grund haben! Es ist übrigens auch nicht eben gerade zu
löblich, schwarz bekleidete Himmelsboten durch die Bank anzunehmen; obschon bei
Mir auch eben nicht der Rock den Mann gibt, sondern nur – wessen Geistes Kind
er ist! Verstehst du solches? O ja, du verstehst es recht wohl. –
[HiG.03_42.08.04,00]
c) „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird selig sein.“ (Römer 10, 13)
[HiG.03_42.08.04,05]
Antwort: Des kannst du vollends versichert sein trotz aller Verdammungsurteile
und Beichtspiegel römischer Mönche. Wahrlich, wer Mich anruft in seinem Herzen,
der wird nicht verlorengehen, wenn ihn nicht nur die Römlinge, sondern auch
alle anderen Sekten zugleich für alle Ewigkeiten auf das allerbitterste
verdammt hätten; denn weltliche Sekten-Eifersucht ist noch nie ein Urteil der
ewigen Liebe in Gott gewesen! – Verstehe du, Meine liebe Tochter, solches wohl
amen. –
Aufklärung über
zehn Fragen. – 6. August 1842. Nachmittag.
[HiG.03_42.08.06]
Zehn Fragen auf Verlangen des Knechtes aufgeschrieben von Ans. H.
[HiG.03_42.08.06,00]
1. O Herr! – Ich kann das nicht begreifen, daß im mosaischen Gesetz auf so
viele Handlungen die Todesstrafe festgesetzt war, und daß so manche Volksstämme
samt deren Hab und Gut von den Israeliten in Deinem Namen schonungslos vertilgt
wurden, – während Du Selbst als Jesus sprachst: Richtet nicht, auf daß ihr
nicht gerichtet werdet, verdammet nicht, auf daß ihr nicht verdammet werdet!
[HiG.03_42.08.06,01]
Antwort: Siehe, unter Moses und nach Moses dauerte der Alte Bund bis zu Meiner
Darniederkunft. In diesem Bunde war der alleinige Glaube gesetzt zur
Rechtfertigung, da die alte Liebe von Noah abwärts stets mehr und mehr in die
pure Weisheit überzugehen anfing. Und so lautete auch das mosaische Gesetz nur
auf den Glauben; die Liebe aber ist zur inneren, geheimen, gewisserart
unbewußten Bedingung allein durch den strengen Gehorsam geworden, – denn da die
Weisheit sich losgemacht hatte von der Liebe, so mußte sie auch stets und
strenge gerichtet werden, damit sie nicht treten möchte aus dem Kreise der
ewigen Ordnung. Und so war diese Periode von Moses bis auf Christus eine harte
Periode des vorbildenden Gerichtes, darum auch Ich am Ende das Gericht und
aller seiner Satzungen Bürde habe auf Mich nehmen müssen und tilgen das Gericht
und an die Stelle des kalten Glaubens wieder einsetzen die alte Liebe. Siehe,
das ist ein Grund.
[HiG.03_42.08.06,02]
Ein anderer, noch tieferer Grund des ersten Grundes selbst aber ist das, weil
damals der Fürst des Todes und der Lüge noch nicht gerichtet, sondern noch
völlig frei war! Warum, ist leicht zu erraten, denn er wollte sich selbst
damals durch des alleinigen Glaubens Weisheit und Gericht vollenden. Allein
diese seine Richtung ging in alle Abgötterei über, und so mußte von Meiner
Seite gegen sein Gericht auch wieder mit demselben Maße verfahren sein.
[HiG.03_42.08.06,03]
Siehe, darum sah es damals also grausam aus! – Da Ich aber darniederkam, da
ward er gerichtet, und die alte Liebe ward wieder zum alleinigen Gesetz. Wenn
denn nun auch Arges geschieht, so geschieht es aus dem eigen-bösen Willen der
Menschen durch dämonische Einflüsterungen; aber in Meinem Gesetz liegt kein
Grund mehr dazu. – Siehe, das ist der Grund. – –
[HiG.03_42.08.06,00]
2. Ist das Eheband ein ewig unauflösliches?
[HiG.03_42.08.06,04]
Antwort: Allerdings, wenn es aus wahrer reiner Liebe sowohl hauptsächlich in
Anbetracht Meiner, wie dann auch in Anbetracht des gegenseitigen Menschenwertes
geschlossen wurde oder wenigstens nachderhand vollends also manifestiert ward.
Ist aber solches nicht der Fall, dann hat das, was da Ehe genannt wird, für den
Himmel gar keinen Namen und Wert, aber einen oft desto stärkeren und größeren
für die Hölle! – Verstehe es jeder! –
[HiG.03_42.08.06,00]
3. Wenn ich sage, ich gehe in mich, ich will mich erforschen, – geht da der
Geist in die Seele oder die Seele in den Geist? Erforscht da die Seele den
Geist oder der Geist die Seele? Denn die Seele kann nicht in die Seele und der
Geist nicht in den Geist gehen. – Wer ist demnach hier das ‚ich‘ und wer das
‚mich‘?
[HiG.03_42.08.06,05]
Antwort: Ich sage dir aber, daß hier weder das eine noch das andere der Fall
ist, – sondern unter dem In-sich-gehen wird nur verstanden, daß da der Geist
oder die Liebe ihren freien Willen einziehe und ihn allein auf das richte, was da
ist Meines Willens. Wenn aber die Liebe dem Willen alle Zügel schießen läßt,
dann wird der Wille bald stärker denn die Liebe zu Mir und zieht dann diese
nach außen, schwächt sie – und somit auch sich selbst, als Meine Kraft nach
außen zu wirken in ihr! – In-sich-gehen heißt sonach: die Strahlungen des
Willens in sich ziehen; und sich erforschen heißt: mit der Liebe zu Mir die
Strahlen des Willens durchschauen, ob da alle zu Mir gerichtet sind! Siehe,
also ist es. –
[HiG.03_42.08.06,00]
4. Was bedeutet der vorgestern von mir auf der Höhe des Schloßberges gesehene
freudige Wirbelflug zahlloser Schwalben um den Siebenglockenturm?
[HiG.03_42.08.06,06]
Antwort: Die arg dummen Menschen der Welt, die auch ums blitzende Metall lieber
flattern als um die lebendigen Bäume des Lebens und können sich nicht trennen
von dem, was übertot ist und den ewigen Tod bringt, wie nicht selten auch
diesen Tierchen ein mit elektromagnetischem Fluidum überfüllter vergoldeter
Turmknopf. – Siehe, solches bedeutet dein geschautes Bild! –
[HiG.03_42.08.06,00]
5. Ist der Angabe einer Somnambulen Glauben beizumessen, daß einige Menschen
eine hakenförmige und einige eine kugelförmige Ausdünstung haben, und daß
erstere mehr geistlich und letztere mehr weltlich gesinnt seien?
[HiG.03_42.08.06,07]
Antwort: Die Somnambulen sehen nicht allzeit richtig. Was aber diese Angabe
betrifft, so ist sie wohl so ziemlich richtig in der Erscheinlichkeit, aber
nicht auch also in der Bedeutung. – Durch die Erscheinlichkeit werden nur die
magnetischen oder vielmehr seelischen Polaritäten, keineswegs aber die entweder
mehr geistigen oder mehr weltlichen Eigenschaften des Geistes oder des
eigentlichen Liebewillenlebens dargestellt. Daher können die Kugeln so gut
himmlisch sein wie die Häkchen; es kommt da nur auf die Liebe an! – Siehe, das
ist richtig.
[HiG.03_42.08.06,00]
6. Ist die Behauptung einer anderen Somnambulen richtig, daß jedem Menschen bei
seiner Geburt eine gewisse Zahl gegeben werde? So hätten zum Beispiel C. L. und
ich die Zahl Fünf.
[HiG.03_42.08.06,08]
Antwort: Wenn du es glauben willst, dann ist es also, wie du's glaubst, – sonst
aber wird niemand gezählt, außer nach der Größe und Stärke seiner Liebe. Diese
aber ist allezeit die Zahl Eins mit Mir! – Alles andere aber hängt am puren
Glauben. Siehe, das ist rein, gut und wahr.
[HiG.03_42.08.06,00]
7. Ist der Tod des Herzogs von Orleans wohl als ein Ereignis von so großer
Wichtigkeit anzusehen?
[HiG.03_42.08.06,09]
Antwort: Für die Welt gleichwohl, aber in den Himmeln wird selbst das Aufhören
eines Sonnengebietes für gering gehalten! – In der Zeit aber müssen ja allerlei
Zeichen geschehen; so solle auch das ein Zeichen sein, daß Ich durchaus kein
Freund einer konstitutionellen Dynastie bin. Denn wenn auf einem Wagen mehrere
Kutscher den Wagen verschiedenwillig lenken wollen, wohin wird da das Fuhrwerk
kommen? – Oder werden durch solche Lenkung die Pferde nicht scheu gemacht und
am Ende das ganze Fuhrwerk zerreißen? – Siehe, darum für solch ein Volk auch
solche Zeichen. Also ist das zu nehmen. –
[HiG.03_42.08.06,00]
8. Sagt nicht oft der Blick mehr als das Wort, und liegt nicht oft im Blicke
mehr Macht als im Worte?
[HiG.03_42.08.06,10]
Antwort: O ja, wenn durch den Blick der Geist spricht! – Also aber hättest du
fragen sollen: Ob im geistigen Worte mehr Macht liege denn im Worte der Zunge?
– So hättest du deine Frage alsogleich verstanden! – Siehe, das ist der rechte
Grund. –
[HiG.03_42.08.06,00]
9. O Herr! Wie ist die Stelle im 19. Kapitel, Verse 17 u. 18 der Offenbarung
Johannis zu verstehen: Kommet, sammelt euch zum großen Mahle Gottes, daß ihr
essen möget das Fleisch der Könige und das Fleisch der Heerführer und das
Fleisch der Starken und das Fleisch der Rosse und derer, die darauf sitzen, und
das Fleisch aller, der Freien und der Knechte, der Kleinen und der Großen?
[HiG.03_42.08.06,11]
Antwort: O du Mein lieber Freund! Solches verstehst du nicht?! – Sieh, sieh!
Das große Mahl hast du ja schon vor dir, und du kannst danach fragen wie einer,
der etwas sucht, während er es in der Hand trägt?! – Meine Liebe, diese heilige
Stadt, ist ja das große Mahl, die mit der Zeit alles Welttümliche verzehren
wird! Siehe, das ist das große Mahl Gottes, zu dem ihr soeben geladen werdet! –
Siehe, also ist der Sinn der Himmel allhier kundgetan. O Freund! Komme, komme
zu dem Mahle ganz! – – –
[HiG.03_42.08.06,00]
10. Kann ich auf jemanden, der in Frankreich ist, so einwirken, daß er von
einer Handlung dadurch abgehalten oder zu einer Handlung angeregt wird? –
[HiG.03_42.08.06,12]
Antwort: Ich sage dir, durch die Liebe und durch den aus ihr kommenden
lebendigen Glauben zu Mir nicht nur auf jemanden in Frankreich, sondern wohl
auf jemand noch viel weiter Entlegenen – und wäre er im Sirius oder noch endlos
weiter entlegen; denn mit Mir vermagst du ja alles, nichts aber ohne Mich! –
Solches wird dir sicher nicht fremd sein? – Daher liebe und glaube, so wirst du
allzeit siegen amen. – – –
Kurze
Schrifttexterklärungen. – 16. und 17. August 1842.
[HiG.03_42.08.16,00]
Ich will dir und den anderen etwas sehr Beachtenswertes geben und solle solches
stets bei sich getragen und in sich aufgenommen sein vollends; – auch den
Kindern des Ans. H. W. sei solches beschieden. Wer solches wohl beachten wird
in seinem Herzen, der wird des Lebens Gerechtigkeit haben und wird wandeln
dessen geraden Weg, der da führt voll Lichtes zu Mir! – Und so schreibe denn:
[HiG.03_42.08.16,01]
1. Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn Der
ihn gesandt hat. Johannes 13,16.
[HiG.03_42.08.16,01]
Wie ist demnach der heutige Knecht- und Apostelstand bestellt, da man den
Knechten Altäre errichtet hat und ehrt die Apostel, als wären sie mehr denn
Ich! Da man Mir ferner alle Gewalt nimmt und alle Ehre an sich reißt – und Ich
sein muß, wie der Knecht und der Apostel es wollen, aber nicht daß sie wären
nach Meinem Willen! Und betet doch dabei: Dein Wille geschehe! – Was etwa doch
solches besaget? – Heißt das nicht Gott leugnen mit jeder Faser und Fiber?! –
[HiG.03_42.08.16,02]
2. Mein Joch ist sanft, und leicht Meine Bürde. Matthäus 11,30.
[HiG.03_42.08.16,02]
Wie kommt es aber, daß sich die Menschen zur Gewinnung des Todes lieber ganze
Berge auf ihren Schultern unter dem Drucke eines eisernen Joches wollen
gefallen lassen, als nur eine Federflaume Meines Liebewillens? – Weil sie tot
sind und daher nicht merken, wie und was sie drückt! – O der entsetzlichsten
Tollheit der Welt!!! –
[HiG.03_42.08.16,03]
3. Des Menschen Sohn ist es, Christus, der da allein nur guten Samen säet.
Matthäus 13,37.
[HiG.03_42.08.16,03]
Dies beweist zur Übergenüge, wessen Geistes Kinder diejenigen sind, die da
sagen: Was nicht von einer gewissen Stadt und nicht von einem gewissen
menschlichen Oberhaupte herrührt oder wenigstens approbiert wird, ist ein Werk
des Satans! – Wenn demnach des Menschen Sohn nicht tut nach dem Willen dieser
Stadt, da Er es doch unmöglich tun kann, was ist Er sodann? – – – O Hure! Was
treibst du mit Mir für ein arges Spiel?! – – –
[HiG.03_42.08.16,04]
4. Es werden nicht alle, die zu Mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich
kommen, sondern nur, die den Willen tun Meines Vaters im Himmel. Matthäus 7,21.
[HiG.03_42.08.16,04]
So wird auch das Dominus tecum, das Dominus vobiscum und das Domine exaudi
orationem meam, also weder das tecum, noch das vobiscum und am allerwenigsten
aber das exaudi das Himmelreich bewirken! Das versteht sich von Meiner Seite
betrachtet. – Ich meine aber, solches geht nur den Herrn der Welt an; – denn
Ich sehe nur auf die Werke, aber nicht auf das Dominus tecum, – vobiscum und
auf das leere exaudi! – – –
[HiG.03_42.08.16,05]
5. Wer den Willen tut Meines Vaters im Himmel, der ist Mein Bruder, Meine
Schwester und Mutter. Matthäus 12,50.
[HiG.03_42.08.16,05]
Daher wäre viel besser zu sagen: Amate fratres als orate fratres, wodurch das
stumme Plappergebet dann als ein Werk der Liebe angesehen, alles andere
Liebetun aber für nichts geachtet wird, außer allein die Rührung des Daumens
und des Zeigefingers fürs Orate fratres! O das sind, das wären doch sonderbare
Mütter, Schwestern und Brüder?! Wahrlich, die stehen mit Mir in gar keinem
Grade der inneren Verwandtschaft! – –
[HiG.03_42.08.16,06]
6. Wer Meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der Mich liebt. Johannes
14,21.
[HiG.03_42.08.16,06]
Das heißt: Wer die Liebe hat und bleibt in der Liebe getreu und beständig, der
liebt sicher Mich und seinen Nächsten; denn das sind ja Meine Gebote, daß da
die Menschen sollen Gott über alles und ihre Brüder und Schwestern aber wie sich
selbst lieben. – Wie liebt aber da ein Bruder den andern, so er ihm ist Herr
und ein Richter? – Wie aber kann er überhaupt lieben einen Menschen als Bruder,
so er nicht zuvor den großen heiligen Vater erkennen und lieben will? Was ist
ohne Den ein Mensch dem andern? Ich sage: Nichts als ein naturmäßig moralisch
sein sollendes Lasttier, das da um den schlechtesten Sold dienen solle dem
Reichen und dadurch auch Mächtigen, und dieser dann als ein Herr und Richter
herrsche über ihn, den armen Bruder! Solche Herren und Richter aber halten doch
sicher Meine Gebote nicht, so wie dann auch die moralisch sein sollenden
Lasttiere nicht, da sie sind voll Ärgers, voll Neid und voll Rache gegen die,
welche da sein wollen ihre Richter und ihre vollkommenen Herren über Leben und
Tod. – O Greuel über Greuel! – Wahrlich, diese sollen nimmer das Angesicht des
Vaters schauen im Himmel! – Und Ich werde nie zu ihnen kommen und Mich ihnen
offenbaren! –
[HiG.03_42.08.16,07]
7. Darin wird der Vater geehrt, daß ihr viel Frucht bringet. Johannes 15,8.
[HiG.03_42.08.16,07]
Was ist die Frucht, die da soll vielfach gebracht werden, worin besteht sie? –
Die Werke der Liebe und aller Demut aus ihr sind diese Frucht, die da Mir
gebracht werden solle. – Auf welchem Baume aber solle diese Frucht wachsen, so
der ihr angehörige Baum der Liebe und des Lebens von der Wurzel aus vertrocknet
und somit völlig ausgestorben ist?! – – –
[HiG.03_42.08.16,08]
8. Das gebiete Ich euch, daß ihr euch untereinander liebet (Johannes 13,34),
[HiG.03_42.08.16,08]
aber nicht verurteilet und richtet – und dann mehr Freude habet, wenn ein
Bruder, so er sich verirrt hatte, in eine gesetzliche Strafe verfällt, statt
daß ihr euch seiner erbarmet und ihn setzen möchtet auf den rechten Weg. –
Wahrlich, so Ich geboten hätte: Beraube einer den andern und schlage ihn dann
tot, so würde solch ein Gebot sicher sehr vielen Beifall in aller Tätigkeit
gefunden haben; aber nur lieben will niemand seinen Bruder und seine Schwester!
O du überarge Welt! – Da wird viel des allerärgsten Feuers nötig sein, um dich
von deiner Härte loszumachen! – – –
[HiG.03_42.08.16,09]
9. Wenn aber das Licht, das in dir ist, eine barste Finsternis ist, wie groß
muß dann erst deine Finsternis für sich sein! Matthäus 6,23.
[HiG.03_42.08.16,09]
Das heißt, so der Mensch schon das Falsche liebt, um dadurch einen desto
freieren Spielraum für seine Bosheit zu bekommen, wie groß muß dann erst die
Liebe zum Bösen selbst sein! – Sehet, das ist die gepriesene Weisheit der Welt,
die aufgeklärte Vernunft: Regeln zu erfinden, damit unter ihnen der Mensch
desto freier sündigen könnte! – Aber Meine Regel, welche da ist die Liebe, hält
sie für läppisch und unwürdig eines Mannes, der da sein will ein vollkommener
Schüler der Vernunft, welche die Liebe tadelt und Rühmliches redet über den
Selbstmord! – O Welt! – O Greuel! – – –
[HiG.03_42.08.16,10]
10. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heißen.
Matthäus 5,9.
[HiG.03_42.08.16,10]
Wo sind wohl diese nun? Hinter den Kanonen, Schwertern und Spießen sicher
nicht. – Wo aber lebt nun ein friedsames Volk, das da im Frieden der wahren
Bruderliebe hinter Meinen Schutzwaffen miteinander lebte?! – Sondern, wo irgend
ein Friede ist, da ist er nur aus Furcht vor den Kanonen, Schwertern und
Spießen. O wie wenige leben daher nun auf der Erde, die da gerecht Kinder
Gottes heißen möchten, wie wenig Selige! – Denn alles ziehet nun mit Waffen
aus, entweder mit Waffen in der Hand oder mit spitzer und zweischneidiger
Zunge! – Wo sind sonach die Friedfertigen, wo die Seligen, wo die Kinder
Gottes?! – – –
[HiG.03_42.08.16,11]
11. Wenn das Salz dumm ist, womit soll man salzen? Lukas 14,34. Matthäus 5,13.
[HiG.03_42.08.16,11]
Dieser Fragetext gilt vorzugsweise für die gegenwärtige Zeit, wo nahe alles
Salz schal, taub und dumm geworden ist, indem man es nicht mehr aus den Bergen
der Liebe gräbt, sondern es nur aus den Kloaken der Selbstsucht bereitet. Saget
Mir doch, welchen Geschmack werden wohl die unreifen und unzeitigen Weltfrüchte
mit diesem Salze gewürzt bekommen?! – Oder läßt jetzt nicht schon fast ein
jeder Vater seine Kinder der einstig zu gewinnenden Selbständigkeit und des
damit verbundenen Brotes wegen mit diesem Drecksalze ganz durch und durch
salzen?! – Oh, es solle ihnen dereinst auch in Meinem Reiche Selbständigkeit
für ewig in großer Fülle werden! – Auch Ich werde sie also selbständig und
allein für sich zu stellen wissen, daß sich ihnen sicher nie etwas nahen wird.
Denn Ich werde sie zu Statuen machen gleich dem Weibe Lots und sie dann stellen
in ewig einsame verlassene Gegenden; da sollen sie ihr Salz der Selbständigkeit
wahren unbeeinträchtigt für ewig! – Verstehet ihr nun das dumme Salz?! – – –
18. August 1842.
Vormittag. (Kurze Schrifttexterklärungen, Fortsetzung)
[HiG.03_42.08.18,12]
12. Wenn du fastest, da salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, auf daß du
nicht prunkest vor den Leuten mit deinem Fasten. Matthäus 6,17.
[HiG.03_42.08.18,12]
Dieser vielsagende Vers taugt ebenfalls ganz besonders für diese Zeit, in der
die Gleißnerei aller Art allenthalben den höchsten Gipfel erklommen hat. Einige
laufen in die Kirchen, nur um als fromme Menschen gesehen zu werden und daß sie
darum bei einem oder dem andern Geistlichen so recht in die Gnade kommen
möchten, andere, um in der Kirche ein wenig faulenzen zu können, wieder andere,
um allda in irgendeinem Kirchenwinkel mit ihren bestellten Liebhabern
zusammenzukommen und sich da über eine oder die andere vorhabende Gelegenheit
zu sündigen gegenseitig zu verständigen. Andere wieder, um mit einem Nachbarn
oder einer Nachbarin die Menschen auszurichten oder zu sehen, mit was für
Kleidern dieser und jener oder diese und jene angetan sind. Ein anderer geht
wieder wegen seiner frömmelnden Anverwandten, um sich dadurch bei ihnen recht
in die Achtung zu setzen, damit sie ihn dann lobten und ihn manchmal auch
beschenkten. Mancher geht in die Kirche, um dadurch so manchem argen Verdachte,
der auf ihm rastet, zu begegnen. Der Beste geht allenfalls mit einem halben
Glauben, besser Aberglauben, in das Bethaus, um sich zwar seltener von Mir,
aber dennoch von irgendeinem Heiligen einen zeitlichen Vorteil zu erbitten, –
aber keiner, daß er Mir die Ehre gebe! –
[HiG.03_42.08.18,13]
Ja, es gibt noch so manche Rücksichten, warum die Menschen in die Bethäuser
rennen; nur Ich bin dabei am allerwenigsten der Grund, darum die Menschen in
die Bethäuser laufen. – Siehe, das sind lauter ungewaschne Faster und haben
kein gesalbtes Haupt! – Also fasten die Menschen auch wirklich nur aus Furcht
vor Rom, aber aus Liebe zu Mir mag niemand fasten weder in einem noch im
andern. Niemand will sich wahrhaft verleugnen, das Kreuz auf seine Schulter
nehmen und Mir nachfolgen. Es will ein jeder nur scheinen, aber nicht sein,
darum – da zum Weltdienste ja auch der Schein genügt. Wozu denn dann das
beschwerliche Sein?! – Wozu die Salbung des Hauptes, und wozu die Waschung des
Angesichtes? Denn der Welt genügt ja der Schein! – Ich bin ja ohnehin der
Niemand dabei! – Doch es wird gar bald für jedermann die Zeit kommen, da die
Ungewaschenen und Ungesalbten werden wie Spreu vom Weizen gesondert werden. Da
wird der Schein von ihnen weichen, und in ihrer Nacktheit werden sie ins Feuer
des Drachen geworfen werden. – Verstehet solches wohl!!! – – –
[HiG.03_42.08.18,14]
13. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet! Matthäus 7,1.
[HiG.03_42.08.18,14]
Ich meine, dieser Verstext steht jetzt mit noch so manchen anderen gerade also
im Buche des Lichtes und des Lebens wie ein fünftes Rad am Wagen! – Wer dieses
etwa übertrieben finden sollte, der beliebe nur die Millionen Weltgesetze und
Verordnungen durchzugehen und dann noch die zahllosen gegenseitigen
bürgerlichen Rücksichten, was alles vor den Weltgerichten abgehandelt,
beurteilt und verurteilt werden kann und sogar, politisch genommen, muß, – so
wird ihm das fünfte Rad am Wagen so klar werden wie die Sonne am hellen
Mittage. Anderer gegenseitig richterlicher Rücksichten nicht zu gedenken, da
ein Mensch dem andern ein stetiger Richter ist! – Sollte Ich etwa darum solche
fünfte Wagenräder von Texten aus der Schrift löschen? – O nein, das wird nicht
geschehen; eher sollen Himmel und Erde vergehen, ehe Ich auch nur ein Häkchen
auslösche der Bosheit der Menschen wegen! – Es werden aber eben solche Texte
dereinst die Menschheit richten und werden ihr verrammen den Weg zum Leben;
daher nichts mehr weiter vom fünften Rade! –
[HiG.03_42.08.18,15]
14. An der Frucht erkennt man den Baum. Matthäus 12,33.
[HiG.03_42.08.18,15]
Auch dieser Text gehört jetzt schon mehr in das Reich des fünften Rades am
Wagen. Du fragst: Ja, wieso denn? So höre denn: Es ist allerdings wahr, daß man
den Baum nur an der Frucht erkennt, ob er ein guter oder arger Baum ist. Sage
Mir aber, woraus man dann einen solchen Baum erkennt, der da dumm ist und keine
Früchte trägt? – Oho, wie bist du denn jetzt um eine Antwort verlegen?! –
Siehe, ein Baum läßt sich ja auch aus den Blättern erkennen; denn also erkannte
Ich Selbst den fruchtlosen Feigenbaum, welcher da der einzige war, den Ich
verflucht habe, darum er keine Früchte trug denn allein die des Scheines zur Speise
der Würmer und des Moders der Erde! – Siehe, auf diesem Baume stehet mit
eherner Schrift geschrieben das Los der jetzt lebenden lauen, fruchtlosen
Menschheit! Verstehet alle solches! – – –
[HiG.03_42.08.18,16]
15. Wessen das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Matthäus 12,34. Lukas
6,45.
[HiG.03_42.08.18,16]
Siehe, das ist der wahre Richter. Nur fragt es sich auch hier in dieser Zeit:
Von was geht denn der Mund dann über, wenn das Herz ganz leer ist zufolge der
großen Lauheit der Menschen, die sogar zum Sündigen zu träge – durch das
frühere zu fleißige Sündigen – geworden sind, geschweige, daß sie etwa dazu gar
noch gute Früchte tragen sollen? – Siehe, das ist nun eine ganz andere Frage! –
Es heißt auch: Nach deinen Werken wirst du gerichtet werden. Das ist einerlei;
wie wird denn bei denen das Gericht dann ausfallen, die gar keine Werke haben?
– Ich sage dir: Alles nach dem Scheine auf die Art des oben angeführten
fruchtlosen Feigenbaumes; denn was tot ist, das ist ja auch schon gerichtet, es
braucht da nichts als eines Fluches zur Vertilgung all der Schmarotzerpflanzen
auf den edlen Fruchtbäumen! Verstehst du solches? O ja, du verstehst es! – – –
[HiG.03_42.08.18,17]
16. Ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreiche gelehrt, ist gleich einem
Hausvater, der aus seinem Schatze Neues und Altes hervorträgt. Matthäus 13,52.
[HiG.03_42.08.18,17]
Warum denn? Weil es schon also von Ewigkeit her in Meiner Ordnung gegründet
ist, daß da schon aus jeglichem Samenkorne sowohl eine frische Frucht wie
ebenfalls wieder derselbe Same, wie er zuvor in die Erde gesäet wurde, zum
Vorscheine kommt – und ohne den älteren Baum keine neue Frucht denkbar ist.
Wenn irgend etwas entstehen soll, so muß ja doch ein Grund vorhanden sein. –
Also ist ja auch ein älteres Wort der Grund zu einem neueren und eine ältere
Lehre der Grund zu einer neuen, wie das Vorleben ist ein Grund des Nachlebens.
Solches also fasse; denn danach wird Mein Wort beurteilt in seiner
Wahrheitsfülle, ob es hat den wahren alten Grund! Verstehst du solches? – Ja,
solches mußt du vorerst am meisten verstehen! –
[HiG.03_42.08.18,18]
17. Die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geiste und in der
Wahrheit. Johannes 4,23.
[HiG.03_42.08.18,18]
Das heißt, lebendig durch die Werke der Liebe! Denn niemand kann sagen: Vater
unser, so er durch die Werke der Nächstenliebe nicht offen aus seinem Herzen
dartut, daß er alle Menschen als seine Brüder und Schwestern ansieht. Wer aber
demnach die Werke der Liebe tut, der ist es, der da im Geiste und in der Wahrheit
den Vater anbetet! Verstehet solches gar wohl und gar lebendig tief! – – –
[HiG.03_42.08.18,19]
18. Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. 2. Korinther 3,6.
[HiG.03_42.08.18,19]
Das heißt, es nützet dir kein Wissen und kein Glauben ohne Tat! Was nützt einem
Hungrigen ein Speisezettel? Ein Stück ordinärsten Brotes wiegt für ihn eine
ganze Bibliothek voll der reichhaltigsten Speisezettel und Kochbücher auf! –
Daher hängt das Leben nur am Werke selbst, nicht aber an der leeren Erkenntnis
des Werkes. Solches also besagt dieser Vers! –
[HiG.03_42.08.18,20]
19. Die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,32.
[HiG.03_42.08.18,20]
Wie und wann denn? – Wenn sie wird ein lebendiges Licht in eurem Herzen,
welches dem Feuer der lebendig tätigen Liebe entstammt! – Und dieses Licht kann
auch nur allein mit dem vollsten Rechte Wahrheit genannt werden, – sonst aber
gleicht jede mit dem Verstande begriffene Wahrheit einer gemalten Frucht, die
wohl recht schön fürs Auge ist, aber für einen hungrigen Magen ist sie eine
pure Fopperei und so gut wie eine barste Lüge. – Verstehet es! – – –
19. August 1842.
Vormittag. (Kurze Schrifttexterklärungen, Fortsetzung)
[HiG.03_42.08.19,21]
20. Wer seine Hand an den Pflug legt und zieht zurück, der ist nicht geschickt
zum Himmelreiche. Lukas 9,62.
[HiG.03_42.08.19,21]
Die Hand ist der Wille, der Pflug ist das Wort Gottes, das Himmelreich ist das
liebwerktätige Leben nach dem Worte. So da jemand das Wort Gottes zwar wohl
ergreift und tut auch zur Hälfte danach, aber zur Hälfte wendet er dasselbe ins
Weltliche und sagt: Solange ich in der Welt lebe, so lange auch muß ich mit ihr
leben. Daher kann ich auch nicht vollends brechen mit ihr, sondern bin
ihretwegen ja doch genötigt, so manches mitzumachen des Scheines halber
wenigstens, damit sie nicht dies oder jenes von mir denke oder gar laut sage!
Denn man kann die Welt ja nicht anders machen, als sie ist, und so bleibt einem
doch nichts übrig, als mit ihr das zu machen, was man gerade nicht als absolut
schlecht erkennt. Im übrigen aber kann man bei sich ja dennoch tun und denken
und glauben, was man will! – Siehe, solches aber heißt ja eben die Hand an den
Pflug legen und ihn zur Welt zurückziehen, um von ihr nur nicht gekreuziget zu
werden! –
[HiG.03_42.08.19,22]
Es fragt sich aber: Wie aber wird bei dieser Ackerung der Acker für die Saat
des Lebenssamens bestellet werden?! – Wahr ist es übrigens sicher, daß das
Zurückziehen des Pfluges einen viel weniger Anstrengung kostet als das
Vorwärtsschieben. Allein, wer solches tut, ist, wie es der Text aussagt,
durchaus nicht geschickt zum Himmelreiche; denn bevor du der Welt nicht den
letzten Heller, den du von ihr entlehnt hast, zurückgegeben haben wirst, wirst
du nicht eingehen in das Reich der Himmel! Beachtet dieses wohl und seid
vollkommene Ackerleute!
[HiG.03_42.08.19,23]
21. Das Schwerste im Gesetz ist die Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue.
Matthäus 23,23.
[HiG.03_42.08.19,23]
Sehet, das ist ein Hauptknoten, wer wird den entwirren, und wie? Denn
strenggenommen schließt die Gerechtigkeit und die ihr fest angebundene Treue ja
alle Barmherzigkeit aus, da gerecht handeln nichts anderes heißt, als dem
Gesetze getreu handeln; während barmherzig sein soviel besagt, als jemandem das
Gesetz erlassen. – Wie ist demnach aber das zu verstehen: Seid barmherzig, so
werdet ihr auch Barmherzigkeit erlangen? – Wie kann jemand barmherzig und
gerecht sein? – Ich sage euch: Nichts leichter als das; man sei gerecht gegen
sich und barmherzig gegen den Bruder, so lebt man in der vollkommenen Ordnung
Gottes und ist dadurch vollkommen gerecht, barmherzig und getreu. Solches ist
wohl zu beachten und lebendig zu verstehen! –
[HiG.03_42.08.19,24]
22. Selig ist der Knecht, wenn der Herr kommt und findet ihn (seine Pflicht)
tun. Lukas 12,37.
[HiG.03_42.08.19,24]
Es fragt sich hier, was für eine Pflicht denn? – Nichts anderes als allein nur
Meinen Willen, der da besteht einzig und allein nur in der anbefohlenen Liebe;
wodurch dann im Geiste und in aller Wahrheit lebendig gebetet wird: Dein Wille
geschehe! – Verstehet solches zum ewigen Leben! – – –
[HiG.03_42.08.19,25]
23. Man fasset Most in neue Schläuche, so werden beide erhalten (nämlich Most
und Schlauch). Matthäus 9,17.
[HiG.03_42.08.19,25]
Also kann das lebendige Wort auch nur in solche Herzen eingehen, welche durch
die Selbstverleugnung vollends neu geworden sind. Würde es sich aber künden in
den alten unratvollen und dadurch auch morschen Herzen, so würde es mit ihnen
gerade das machen, was da macht der neue Most in den alten morschen Schläuchen
– nämlich, daß er sie zerreißt und dann mit ihnen selbst zugrunde geht. Aus
eben dem Grunde solle man auch nicht die Perlen den Schweinen vorwerfen.
Solches ist ebenfalls äußerst wohl zu beachten. – – –
[HiG.03_42.08.19,26]
24. Die Weisheit rechtfertigt sich bei ihren Kindern. Matthäus 11,19.
[HiG.03_42.08.19,26]
Also ist es treu und wahr. Aber darum sollen sich diese nicht kümmern, wenn sie
von der Welt nicht verstanden werden; denn anders sind die Wege der Nacht und
wieder viel anders die des Tages. Wer am Tage wandelt, der weiß, wohin er geht;
aber die Gäste der Nacht rennen durcheinander wie Irrsinnige und weiß keiner,
warum und wohin. – Daher solle sich der Tag nicht kümmern um das Urteil der
Nacht; sondern der Tag rechtfertigt den Tag! – Solches sollet ihr auch recht
wohl verstehen. – – –
[HiG.03_42.08.19,27]
25. Wer da hat, dem wird's gegeben, daß er in der Fülle hat. Markus 4,25.
Matthäus 13,12.
[HiG.03_42.08.19,27]
Das scheint fast wie eine Ungerechtigkeit; aber dem ist nicht also. Denn es
heißt ja nur soviel als: So jemand seine kleine Kraft geübt hat und kann nun
größere Lasten tragen, der wird dadurch nicht schwächer, sondern nur
fortwährend stärker. – Wer aber seine kleine Kraft nie hatte üben wollen, der
wird alsobald noch diese Kraft verlieren, sobald er sie verwenden wird zur
Tragung einer wenn auch noch so geringen Last und wird gar bald erschöpft
hinsinken in den vollen Tod. Daher auch übet ihr beständig all die Kräfte des
Geistes, so wird er einst in der Fülle der ewigen Lebenskraft dastehen und wird
auf seinen Schultern die größten Lasten Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung gar
wohl zu tragen imstande sein. Also wird dem, der da hat, gegeben in der Fülle;
wer aber nicht hat, der wird aber auch noch das verlieren, das er hatte von
seinem Grunde aus. Verstehet ihr solches? – Ja, solches müßt ihr wohl
verstehen! – – –
[HiG.03_42.08.19,28]
26. Johannes sagte zu Mir: Meister, wir sahen einen, der trieb Teufel in Deinem
Namen aus, welcher uns aber nicht nachfolgete, und wir verboten es ihm darum,
daß er uns nicht nachfolgete. Jesus aber sprach: Ihr sollet es ihm nicht
verbieten; denn es ist niemand, der da eine Tat tue in Meinem Namen und möge
bald übel reden von Mir. Lukas 9,49.50.
[HiG.03_42.08.19,28]
Dieser Text sei dir allzeit eine Schutzwehr gegen alle Angriffe der Welt! –
Denn wer nicht wider Mich ist, der ist für Mich. Solches wirst du wohl
verstehen? – Nur eines tut not, und dieses eine ist Mein Salz und Mein Friede
in euch! Verstehet es alle wohl Amen. Das sage Ich Jesus allzeit getreu und
wahrhaftig Amen, Amen, Amen.
Über Matthäus
6,34. – 18. September 1842, nachmittags um 3 Uhr.
[HiG.03_42.09.18]
„Darum seid nicht besorgt für den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird
besorgt sein für das Seine. Genug, daß jeder Tag seine eigene Plage habe.“
[HiG.03_42.09.18,01]
Also schreibe! – Dieser Text hat zwar zunächst nur eine natürliche Bedeutung;
aber dessenungeachtet hat er dennoch einen tiefen himmlisch-geistigen Sinn,
also wie jedes Wort, das aus Meinem Munde geflossen ist, da er auch aus Meinem
Munde geflossen ist. –
[HiG.03_42.09.18,02]
Was sonach dieser über alles zu beachtende Text in der natürlichen Hinsicht
besagt, das lehrt dessen Buchstabensinn. Was er aber in himmlisch-geistiger
Weise fasset, das ist endlos groß, und es wird euren Geist eine tüchtige
Anstrengung kosten, nur einen kleinsten Teil desselben halbwegs zu erfassen!
[HiG.03_42.09.18,03]
Ihr werdet sagen: Wie kann solches wohl möglich sein? – Denn wir haben ja doch
schon so manches Schwere begriffen, – wie sollte denn gerade das also
unbegreiflich sein?! – Ich aber sage: Nur Geduld! Einige kleine anspielende
Proben werden euch davon alsogleich überzeugen, wie schwer der himmlisch-geistige
Sinn dieses Textes zu erfassen ist für jene, welche noch nicht völlig in den
Himmeln sind! –
[HiG.03_42.09.18,04]
Es gibt zwar noch viele solche Texte, aber dieser gehört zu den schwersten,
weil er pur die allerhöchste Weisheit zum Grunde hat. – Also – zur Probe:
[HiG.03_42.09.18,05]
„Sorget nicht!“ heißt soviel als: Weissaget nicht. „Für den morgigen Tag“
heißt: für die allerhöchste Weisheit des ewigen Geistes aus Gott. „Denn der
morgige Tag wird für das Seine sorgenö, das heißt: diese Weisheit benötigt
keines Helfers. – „Es ist genug, daß da jeder Tag seine eigene Plage hat!“ Das
heißt: Es genügt euch, daß da jedem mit der Liebe zum Vater erfüllten Geiste
ein wohlgemessener Teil der Weisheit nach der Stärke seiner Liebe gegeben ist!
[HiG.03_42.09.18,06]
Solches aber ist der leichter zu fassende Sinn. Aber höret nun einen andern,
der also lautet: Kümmert euch nicht um die Fülle künftiger Ewigkeiten, denn sie
sind schon erfüllt in Meinem Geiste; es ist genug, daß vor euren Augen die
Gegenwart unendlich ist! –
[HiG.03_42.09.18,07]
Sehet, dieser Sinn ist schon schwerer zu fassen in seiner Fülle. – Wir wollen
aber die Bedeutungen noch tiefer verfolgen; und so achtet ferner, was alles der
Text besagt.
[HiG.03_42.09.18,08]
Solches aber besagt er ferner: Die Liebe trage keinen Kummer um die Weisheit;
es ist genug, daß sich die höchste Weisheit um die Liebe kümmert; denn die
Liebe ist ja der Grund aller Weisheit! – Sehet, das ist in der innersten Tiefe
schon wieder schwerer zu erfassen.
[HiG.03_42.09.18,09]
Ferner: Das Leben frage nicht nach dem Tage des Todes, denn der Tod sorgt schon
für seinen Tag; euch aber genüge der Tag des Lebens! – Sehet, das ist schon
wieder um vieles tiefer!
[HiG.03_42.09.18,10]
Wir aber wollen noch tiefer dringen, und da lautet es: Brennet nicht am Tage
das Öl in der Lampe, denn der Tag hat seine Leuchte; aber in der Nacht lasset
das Öl nicht ausgehen und plaget euer Herz mit dem Schimmer der Lampe, damit in
ihm nicht ausgeht die Leuchte zum Tage des Lebens! – Sehet, um wie vieles tiefer
und schwerer schon wieder dieser Sinn liegt!
[HiG.03_42.09.18,11]
Aber gehen wir nur noch etwas weiter, es wird schon noch besser kommen; und
also heißt es ferner: Ein freies Wort suche nicht sein Wesen, denn Wort und
Wesen sind Eins; es ist aber ja ohnehin jedem Worte sein Wesen eigen! –
Verstehet ihr solches in der Fülle?! Solches wird wohl schwerhalten!
[HiG.03_42.09.18,12]
Aber höret nur noch weiter! – Eine Gabe ist gerecht, wenn der Geber ein weiser
Geber ist, seid daher nicht um die Gabe, sondern um den Geber besorgt; denn
durch den Geber wird die Gabe geheiligt! – Sehet, das ist schon wieder um
vieles tiefer!
[HiG.03_42.09.18,13]
Ich will euch aber noch einen tieferen Sinn geben, damit ihr daraus die endlose
Tiefe erschauet, welche in diesem Texte steckt; und so vernehmet denn noch,
denn also lautet es ferner: Wollet nicht Richter sein am großen Rade der
Unendlichkeit, denn es ist genug, daß da ein ewiger Richter ist; euch aber ist
gegeben ein eigenes Rad – sehet, daß dieses im Geleise des Lebens verbleibt! –
[HiG.03_42.09.18,14]
Sehet, also birgt bei solchen Texten immer ein Sinn den andern ins Unendliche
fort, und jeder enthüllte Sinn hat wieder in sich, das heißt an und für sich
wieder Unendliches. Darum kann ein solcher Text mit Recht schwer faßlich
genannt werden, weil dessen Fülle unendlich ist.
[HiG.03_42.09.18,15]
Daraus aber kann auch eben die reine Göttlichkeit und die große Wichtigkeit
solcher Texte erkannt werden, wenn sie solch Unendliches in sich bergen! –
[HiG.03_42.09.18,16]
Aus dem Grunde sollet ihr auch nicht die leichten Texte für leicht nehmen; denn
je offener irgend der Buchstabensinn sich ausspricht, desto tiefer liegt der
geistig-himmlische Sinn. Daher sollen solche Texte aber auch sorglichst selbst
dem Buchstabensinne nach beachtet werden, damit durch sie der Geist lebendig werde
für die Tiefen der Himmel! Solches bedenket überaus wohl – und Wer Der ist, der
euch solches rät durch den Knecht, Amen. –
Das Gebet des
Herrn. – 19. September 1842, Vormittag.
[HiG.03_42.09.19,01]
Schreibe heute einen würdevollen Gegenstand, nämlich den Anruf in Meinem
Gebete, der da lautet:
[HiG.03_42.09.19,02]
Vater unser, der Du bist in dem Himmel!
[HiG.03_42.09.19,03]
Solchen Anruf machen nun täglich Millionen Menschen, aber nur sehr wenige
darunter bedenken, was sie damit sagen, und noch wenigere darunter beten
solches im wahren himmlischen Sinne; und doch sollen sie ja solches im
himmlischen Sinne beten, indem der Vater im Himmel ist, zu dem sie beten.
[HiG.03_42.09.19,04]
Wie lautet aber demnach dieser Anruf im himmlischen Sinne? Es ist hier nicht
der Ort, diesen Sinn durch Entsprechungen analytisch zu zerlegen, sondern zur
Stelle will Ich euch nur in der rein himmlisch geistigen Weise zeigen – und
zwar mit den natürlichen Worten, weil ihr des Geistes Sprache nicht verstehet
–, wie solches aus dem Munde reinster Geister lautet. Und so höret denn, also
lautet es:
[HiG.03_42.09.19,05]
Ewige unendliche Liebe, die Du wohnest im Lichte Deiner Heiligkeit!
[HiG.03_42.09.19,06] Das ist eine Weise und
ein Sinn! Aus diesem aber geht folgender noch tiefere Sinn hervor, und dieser
lautet also:
[HiG.03_42.09.19,07] Leben alles Lebens, das
da wohnet in unseren Herzen!
[HiG.03_42.09.19,08] Sehet, dieser Sinn liegt
schon wieder tiefer! – Wir wollen aber noch weiter sehen, was da hinter diesem
noch Tieferes steckt. Und so höret denn, also lautet es tiefer:
[HiG.03_42.09.19,09] Mensch der Menschen, der
Du im Menschen wohnest!
[HiG.03_42.09.19,10] Sehet, um wie vieles
tiefer schon wieder dieses ist! – Aber höret nur weiter, wie es wieder tiefer
lautet:
[HiG.03_42.09.19,11] Wort alles Wortes, das
Du wohnest in Deinem Grundwesen, und wir in ihm, und dasselbe in uns!
[HiG.03_42.09.19,12] Um wie vieles tiefer
liegt schon wieder dieses! O beachtet solchen Sinn, denn in ihm wohnt die Fülle
des Heiligen Geistes! – Höret aber nur weiter und tiefer, denn allda lautet es
also:
[HiG.03_42.09.19,13] O unbegreifliche Mitte
der Unendlichkeit in aller Liebe, Kraft, Macht, Gewalt und Heiligkeit, die Du
allein umfassest Dein endlos Wesen!
[HiG.03_42.09.19,14] Weiter höret es mit
offenem Herzen; allda lautet es:
[HiG.03_42.09.19,15] Ewiger unbegrenzter
Gott, der Du wohnest im Geiste Deiner unendlichen Fülle und Klarheit!
[HiG.03_42.09.19,16] Sehet, welche Tiefe hier
waltet, und doch hat diese auch selbst hier noch kein Ende, sondern die Tiefen
der Tiefen steigern sich auch hier ins Unendliche, so daß ein jeder noch so
allervollkommenste Engel stets einen neuen und tieferen Anfang darinnen
erschauet, und sieht auch, daß da in jedem tieferen wieder an und für sich
Unendliches liegt, welches in alle Ewigkeit nicht in der Fülle wird erfasset
werden!
[HiG.03_42.09.19,17] Nun denket aber einmal
über euch, so ihr diesen Anruf samt den darauf folgenden Bitten oft genug ganz
maschinenmäßig herplappert, was sich dabei wohl die Engel denken müssen, die da
gar wohl wissen und einsehen, daß sie mit dem alleinigen Anrufe in Ewigkeiten
nicht fertig werden können in der Tiefe der Tiefen, – und was dann erst Ich,
auf den dieser Anruf gerichtet ist?! – O ihr noch stark Toten, daß euch solches
noch nie eingeleuchtet hat!
[HiG.03_42.09.19,18] Wachet nun auf, und
rufet im Geiste und in der Wahrheit: „Vater unser, der Du bist in dem Himmel!“
– so werdet ihr das Leben finden in der Tiefe wie in der Höhe; denn in diesem
Anrufe selbst liegt ja schon das ganze Gebet, und gleichet jede Bitte
demselben.
[HiG.03_42.09.19,19] Daher denket in Zukunft,
was und wie ihr betet, so wird euer Gebet erhört werden! Solches also verstehet
wohl für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten Amen. – – –
Folge Mir, willst du leben! – 17. Dezember
1842. Vormittag.
[HiG.03_42.12.17,01] Solches magst du dem N.
N. kundgeben aus Meinem Munde: Mir ist überaus ärgerlich zu sehen, so ein Mann
des Weibes Wort über sich kommen läßt. Wer sein Weib, seine Kinder, ja sogar
seine Eltern mehr liebt denn Mich, der ist Meiner nicht wert! – Wie magst du
Mich aber wollen mit der Welt einherziehen? Bin Ich nicht mehr denn alle Welt?
– Wie kann dir noch der Welt Unflat behagen, so Ich dir Kost aus allen Himmeln
darreiche? – So Ich dir rate und die Welt dir rät und du folgst dem Rate der
Welt, was bin Ich da wohl dir? Siehe, entweder einer, der nicht ist, – oder
einer, dem nicht zu trauen ist, also ein Lügner!
[HiG.03_42.12.17,02] Wenn Ich dir helfen
will, da muß Ich dir, wie jetzt, den Dreck der Welt segnen, damit du nicht
verderbest! Ist solches aber auch löblich von dir? – Und doch läßt du Mich
stets also handeln mit dir und zwingst Mich, für dich aus der Welt Dreck
heilsames reines Gold zu machen!
[HiG.03_42.12.17,03] Du weißt wohl, wie gut
und langmütig und geduldig Ich bin, so tust du solches. Aber Ich sage dir, auf
diesem Wege wirst du wenig lebendige Schätze finden, denn siehe, Ich dulde gar
vieles; aber glaube es Mir, in dieser Meiner Duldung ist gar wenig Leben
vorhanden!
[HiG.03_42.12.17,04] Ich dulde auch dein
Weib, das Mir ärgerlicher ist denn Iskariot, aber es ist trotz dieser Meiner
Duldung gar lange vom Grunde aus tot, – und dennoch magst du sein Wort über
dich erheben lassen und in großer Furcht sein Meinetwegen vor ihm! – O siehe,
was das für Dinge sind!
[HiG.03_42.12.17,05] Ich sage dir aber nun:
Habe acht, daß Mir dein Weib nicht schade! Werde ein Mann und kein Weichling
deines Weibes! Wende gänzlich ab dein Angesicht von ihrem Weltgotte und
verberge wohl Meine Sache vor des Weibes und aller deiner verdorbenen Kinder
Augen, – sonst wird sich aus der Brust des Weibes ein Orkan erheben, der Meiner
Sache bedeutend nachteilig sein könnte und Mich endlich nötigen würde, einen
gewaltigen Strich durch ihre Rechnung zu machen! –
[HiG.03_42.12.17,06] Du bist am Scheidewege –
also zwischen Mir und der Welt. Du hast den freien Willen – folge Mir oder der
Welt! Bis jetzt bist du der Welt gefolgt und hattest Meinen Rat, nun aber hast
du der Welt Rat, so folge Mir, willst du leben! Verstehe es wohl amen. – –
Mein Rat ist kein Gebot und zwingt niemanden.
– 16. Januar 1843, abends.
[HiG.03_43.01.16] Auf eine Anfrage Ans. H.
wegen Übersiedelung.
[HiG.03_43.01.16,01] Also sage Meinem
Freunde, darob er sich fragend an Mich gewandt hat: Mein Rat ist kein Gebot und
zwingt daher niemanden zu irgendeiner Handlung; aber dessenungeachtet soll ihn
der, dem er zuteil ward, nicht zu leicht nehmen, wenn er wahrhaft glücklich
fahren will.
[HiG.03_43.01.16,02] Ich habe schon zu
mehreren Malen Mein gerechtestes Mißfallen über alles Stadtleben in jeglicher Hinsicht
dargetan. Ich habe gezeigt, wie die Städte nun bereits ohne Ausnahme im
vollkommensten Antichristentume leben und nirgends mehr in denselben etwas
anderes wohnt als: Eigenliebe, Geiz, Neid, Betrug aller Art, Hurerei aller Art,
Geilheit, Sinnlichkeit, Wucher, Fraß, Völlerei, Verderbtheit aller besseren
Sitten und überhaupt aller Art Laster unerhörter Weise!
[HiG.03_43.01.16,03] Was ist da wohl
natürlicher, als daß Ich von solch einer gemeinschaftlichen Wohnstätte alles
Lasters Mein Angesicht gar ehest wegwenden werde, ja ganz gewiß völlig
wegwenden werde, und werde ein starkes Gericht über solch eine Satanswohnung
ergehen lassen! – Ob es da geheuer sein wird zu bleiben, das magst du, Mein
Freund, nun selbst beurteilen!
[HiG.03_43.01.16,04] Daher sage Ich dir:
Ziehe dich gar ehest der Stadt entlang, verlasse die Wohnung des Lasters, denn
Ich will sie gar ehestens heimsuchen mit großer Teuerung, mit großer Finsternis
will Ich sie schlagen und will sie ganz in alle Hurerei übergehen lassen, auf
daß sie ersticke im Schlamme der Nacht und ihres Mir gar ärgerlichsten
Weltlebens.
[HiG.03_43.01.16,05] Also rate Ich dir, aus
der Stadt zu ziehen; aber Ich gebiete es dir mitnichten. Ich meine aber, so
jemand von Mir weiß, daß es in einem Hause darum nicht mehr geheuer ist zu
verbleiben, da ihm der nahe Einsturz drohe, so ist er ein großer Tor, wenn er
dem Rate Dessen nicht folgen will, der es nur zu gut weiß, welch eine
Bewandtnis es mit dem Hause hat!
[HiG.03_43.01.16,06] Also führte Ich ja auch
das israelitische Volk aus Ägypten, denn Ich wußte es ja, wie es mit diesem
Lande stand. Also mußte Lot aus der Stadt, denn Ich wußte es, wie es mit der
Stadt stand. Also ließ Ich die Meinen auch alle eher aus Jerusalem entfliehen,
als Ich sie richtete, diese alte Ehebrecherin.
[HiG.03_43.01.16,07] Siehe, also ist allezeit
Mein Rat beschaffen; wer ihn befolgt zur rechten Zeit, der wird vom Gerichte
nicht gestreift werden, – denn dieses wird kommen wie ein Blitz ganz
unerwartet!
[HiG.03_43.01.16,08] Aber du fragst: Wohin
solle ich – Dir, o Vater, wohlgefällig übersiedeln? – Ich sage dir nicht:
Siehe, dahin oder dorthin! Dahin du den Sinn hast, dahin ziehe auch, und Ich
werde, dich segnend, bei dir sein und ziehen mit dir! – Ob das Land Kärnten das
rechte ist, frage nicht; so du aber dahin ziehst, werde Ich bei dir sein.
[HiG.03_43.01.16,09] Aber im Steierlande
sollst du dich nicht leichtlich irgendwo ansiedeln, dessen Herz die Stadt ist,
da du wohnst; denn wie das Herz, so auch der Leib!
[HiG.03_43.01.16,10] Kärnten, die Schweiz und
Württemberg aber sind noch immer die besten Lande. Tirol wäre auch so übel
nicht, wenn die Täler nicht so voll der Nacht wären, – aber besser ist es um
vieles denn die Steiermark und andere Lande Österreichs. Darum will Ich es auch
noch verwahren eine Zeitlang vor der kommenden Pestilenz!
[HiG.03_43.01.16,11] Was aber sollst du
deinen reichen Anverwandten sagen, so sie dich fragten, warum du solches
tätest? – Fürs erste bist du ein Herr deines Willens und kannst tun, was du
willst; fürs zweite aber ist es besser, auf Mich denn auf die Verwandten zu
hören! – Lasse den Toten den Toten begraben, du aber folge Mir!
[HiG.03_43.01.16,12] Zur Zeit aber, wann du
Meinem Rate zu folgen gedenkest, werde Ich es dir schon buchstäblich geben, was
du zu sagen hast, und es wird dich niemand hindern an deinem Mir wohlgefälligen
Unternehmen. Verlängere aber nicht zu sehr den Termin; denn Mein Geschütz ist
geladen und wohlgerichtet!
[HiG.03_43.01.16,13] Ich werde aber auch
Meine anderen Freunde beschützen. Wie? Das weiß Ich! – Also beachte diesen Rat,
so du willst amen. – –
Dr. David Friedrich Strauß. – 18. Januar
1843, abends.
[HiG.03_43.01.18,01] Siehe, solches ist
vorderhand nötig zu wissen, was der Mann ist, da es sich darum handelt,
diejenigen Texte Meines Buches näher zu bestimmen, an denen ebendieser Mann den
widersprechenden Anstoß nimmt und die Ungöttlichkeit Meines Wortes zu beweisen
strebt.
[HiG.03_43.01.18,02] Es gibt wohl derlei
Texte noch in großer Menge in Meinem Buche, die der Mann als Waffe gegen Mich
gebraucht. Allein wir werden an den Texten, welche schon vorbereitet daliegen,
zur Genüge haben, um das Wesen unseres Gegners ganz zu erschauen und somit auch
seinen großen Irrtum.
[HiG.03_43.01.18,03] Du aber fragst: Wer ist
Strauß, und warum tut er solches? – Also merke, Ich will es dir kundtun!
[HiG.03_43.01.18,04] Strauß ist ein Prophet
der Zeit und ein Prophet der Welt; ein Baumeister ist er, der aus Edelsteinen
ein großes Gebäude auf dem Flugsande der Welt – ja ein solches Gebäude erbauen
will, das da der Ewigkeit trotzen soll. Aber welch ein Widerspruch, welch eine
Torheit das ist, das wird sich eben aus den nachstehenden Texten gar klärlich
dartun. – Der Mann wird sich verbauen, er wird seine Torheit einsehen; wenn da
kommen werden Regen und Winde, so wird sein Prachtgebäude untergehen! Aber auf
dem Sande werden dann viele Sucher die edlen Steine finden, werden sie tragen
auf die Felsen und werden aus ebendiesen vorgefundenen Edelsteinen unter Meiner
Leitung ein solches Prachtgebäude aufführen, welches dann allen ewigen
Zeitenstürmen trotzen wird!
[HiG.03_43.01.18,05] Siehe, also mußte auch
ein Strauß kommen, einer der größten Gegner Meines Wortes, darum Mein Heiligtum
bis zum letzten Häkchen möchte bekämpft werden und möchte der Nacht die
äußerste Grenzlinie bestimmt werden, auf daß nun alle gelehrte Welt erschaue,
wie groß da ist der Horizont ihrer Erkenntnisse, und sie gründlich und
buchstäblich sage: Bis hierher und nun nicht mehr um ein Haar weiter! – Also
ist Strauß ja auch ein notwendiger Prophet!
[HiG.03_43.01.18,06] Es gibt aber schon eine
Menge Sammler der Edelsteine auf dem Flugsande dieses Propheten, und es steht
schon nahe vollendet ein anderes Gebäude auf einem starken Felsen! – Daher
lassen wir diesen Mann in seiner Sphäre; er ist uns nötig, denn er streut zuvor
den Samen der Nacht aus. Dieses Unkraut wird gesammelt werden und soll
verbrannt werden auf unserem Acker, damit dieser durch dessen Asche gedüngt
werde auf das vorteilhafteste.
[HiG.03_43.01.18,07] Nun wirst du hoffentlich
wissen, wer der Strauß ist und warum er solches tut! Da du aber nun solches
weißt, so ärgere dich nicht seinetwegen, denn auch er ist ein Arbeiter für Mich
und muß es sein, weil er es sein muß! – Verstehe solches sonach gar wohl amen.
20. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David
Friedrich Strauß, Fortsetzung)
[HiG.03_43.01.20,00] 4. Buch Mosis, 22.
Kapitel, Verse 28-30 ff.
[HiG.03_43.01.20,08] Wer mag dieses Bild wohl
verkennen? – Wer ist der Prophet Bileam? Und wer seine ihn zuvor allzeit willig
tragende Eselin?
[HiG.03_43.01.20,09] O wie klar liegt solches
doch vor jedermanns Augen, und doch mag es niemand recht erkennen! – Siehe,
Bileam bezeichnet alle naturmäßige Gelehrtheit der Welt, und die Eselin
bezeichnet die Natur, auf welcher alle diese Gelehrten reiten.
[HiG.03_43.01.20,10] Solange die Gelehrten
diese Eselin reiten, ihres weltlichen und eigentlich naturmäßigen Zweckes
willen, da ist dieses Lasttier stets geduldig. Wollen sie aber auf diesem
Lasttiere schmählich sich in das innere geistige Heiligtum wagen, da wird diese
Eselin stätig. Und so sie solches mit Gewalt erzwingen wollen, so wird die
Eselin auch sogleich redend und spricht: Was habe ich euch getan, darum ihr
mich also mißhandelt und wollet von mir erzwingen, was da unmöglich ist?! – Ihr
möget mich ja zerstören und zu Atomen zermalmen, so werdet ihr es über mir doch
nicht um ein Haar weiterbringen; denn nicht ich, sondern die Kraft Gottes
stellt sich hier euch entgegen und läßt euch nicht weiter, weil ihr tut, was da
ist wider Seine göttliche ewige Ordnung! – Ist es nicht also?
[HiG.03_43.01.20,11] Was tut Strauß oder der
allereigentlichste Prophet Bileam dieser Zeit? – Er reitet eben auf dieser
Eselin, um Mich vor Meinem Volke zu verdächtigen allerorts. Er will das
Lasttier, die naturmäßige Erde, zwingen, daß sie ihm dazu dienen solle, auf daß
er Mich und alle Meine Offenbarung zugrunde richte! – Aber dieses sonst
geduldige Lasttier spricht zu ihm: Bis hierher und um kein Haarbreit mehr
weiter! – So du aber verkündigen willst die Ehre Gottes, so werden dir die
Augen aufgetan werden, und dein Lasttier wird dich tragen dahin, da du reden
wirst von deinem Lasttiere das Wort Gottes und wirst verkündigen Seine Ehre! –
[HiG.03_43.01.20,12] Bileam verstand sein
Lasttier, – aber Strauß, der große Gelehrte, versteht es noch nicht! – Er wird
es aber auch so lange nicht verstehen, solange er ein naturmäßiger Reiter des
naturmäßigen Buchstabens bleiben wird. Wenn er aber bedenken möchte, daß die
Natur in sich auch noch ganz andere Kräfte birgt, welche von keiner äußeren Form
enthüllt werden können, so dürfte es ihm dann ja auch wohl klar werden, daß da
hinter der Buchstabenform des Wortes Gottes auch wohl sicher noch etwas anderes
verborgen liegt, als allein die für ihn ersichtliche tote Form!
[HiG.03_43.01.20,13] Ich meine aber, es wird
auch für ihn noch einmal die Zeit kommen, wo er sein stätiges Lasttier gleich
einem Bileam verstehen wird! Verstehet ihr nun solches? – – –
21. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David
Friedrich Strauß, Fortsetzung)
[HiG.03_43.01.21,00] Das Buch Josua, 10.
Kapitel, Verse 12-14.
[HiG.03_43.01.21,14] Wenn so manche Gelehrte
mit der Eselin Bileams besser umzugehen verstünden, so würde dieses geduldige
Lasttier ihnen auch hier den gehörigen Aufschluß gar verständlichst redend
geben, – aber dieses Tier ist nun unter dem gar groben Knittel des neuen,
allereigensinnigsten Propheten sogar maulstätig geworden und läßt sich lieber
zu Tode abknitteln, als das Maul aufzutun!
[HiG.03_43.01.21,15] Ich aber frage: Wer hat
denn die Sonne und den Mond und die Erde gemacht? – Und wer hat ihnen die
Bewegung gegeben? – Wer hat alle diese Gesetze in die Weltkörper gelegt? Ich
setze aber den Fall, ein solcher gelehrter Prophet käme in die Werkstätte eines
Mechanikers, der da gerade das Pendel einer astronomischen Uhr auf eine dem
Gelehrten noch unbekannte Weise eine Zeitlang zum Stehen brächte, da meine Ich,
es könnte wohl nichts Alberneres geben, als so der Gelehrte zum Mechaniker
sagte: Freund, wie kannst du solches tun und magst das eigentlich sich
bewegende Pendulum nicht da zum Stillstande bringen, wo es sich zumeist bewegt,
sondern greifst dafür nur ganz geheimnisvoll in das bei weitem ruhigere Werk
und bringst also auf eine mir unerklärliche Weise das eigentlich sich bewegende
Pendulum zum Stillstande?! –
[HiG.03_43.01.21,16] Was würde der Mechaniker
einem solchen allwissend sein wollenden Gelehrten wohl für eine Antwort geben?
Besonders, wenn dieser ihm darob alle mechanische Kenntnis wollte streitig
machen, da der Mechaniker einen dem Gelehrten völlig unbekannten Kunstgriff
tat, um das Pendulum zum Stillstande zu bringen. – Er würde den Gelehrten
entweder mitleidig bedauern oder würde ihm die Türe weisen! Ich meine aber, so
gut der Mechaniker sein Werk kennt, so gut werde Ich wohl auch das Meine kennen
und kann daher gar wohl in die Sonne greifen und dabei aber dennoch das sich um
die Sonne bewegende Pendulum Erde auf eine Zeit zum Stillstande bringen, ohne
daß dadurch die andere Schöpfung nur im geringsten beirrt wird.
[HiG.03_43.01.21,17] Es heißt aber ja im 14.
Verse: „Und es war niemals zuvor und darnach ein so langer Tag gewesen, als da
der Herr der Stimme eines Menschen gehorchte; denn der Herr stritt da für das
israelitische Volk.“
[HiG.03_43.01.21,18] Heißt aber das nicht
soviel als: Der Herr tat in Seiner Schöpfung der Unkenntnis mit der Ordnung der
Weltkörper eines Menschen Genüge und erfüllte in der Erscheinlichkeit den
Wunsch eines Menschen, der nicht wußte, was er sprach!
[HiG.03_43.01.21,19] Ich meine aber, wenn der
neue Bileam alles so schlecht aus Meinem Worte für Mich bemessen kann, da
könnte er ja auch also messen, wie Ich es jetzt gezeigt habe?! – Ja, er könnte
es wohl, aber sein Lasttier ist stätig geworden; darum ist er auch blind in
Meiner Sphäre! –
[HiG.03_43.01.21,20] ‚Sonne‘ aber bezeichnet
auch die Weisheit und der ‚Mond‘ die Liebe!
[HiG.03_43.01.21,21] Allein Strauß nimmt ja
nichts Geistiges an; daher wollen wir ihn auch mit dem inneren Sinne dieser
Texte verschonen! Verstehet solches also auch ihr wohl, selbst im Sinne des
Buchstabens amen. –
23. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David
Friedrich Strauß, Fortsetzung)
[HiG.03_43.01.23,00] 2. Buch Mosis, 11.
Kapitel, Vers 2, und 12. Kapitel, Vers 36.
[HiG.03_43.01.23,22] Hier frage man den
gelehrten Mann, woher denn die Könige und Fürsten das Recht haben, Steuern von
ihren Untertanen zu verlangen und woher die Priester den Zehnten? – Warum soll
der rechte Staatsbürger denn geben dem Kaiser, was dessen ist, und Gott, was
dessen ist? Warum heißt es denn: Seid der weltlichen Macht untertan; denn es
besteht nirgends eine Macht, außer in Gott. So aber einem ist Macht gegeben, so
ist sie ihm ja aus Gott gegeben, mag sie nun so oder so beschaffen sein! – Wie
mag demnach solches wohl den Mann beirren?!
[HiG.03_43.01.23,23] Ich meine aber, daß das,
was der Herr tut und getan hat, doch recht getan sein sollte, indem der Herr
doch sicher ein vollkommener Herr ist und somit ganz allein der vollkommenste
Inbegriff allen Rechtes über alle Dinge und über alle Seine Geschöpfe?! –
Sollte etwa dagegen der Mann auch etwas einzuwenden haben? So ein Nachbar zum
andern sagte: Freund! Ich verlange von dir jährlich ein Drittel deiner Ernte! –
Was wird da der Nachbar wohl sagen? – Ich sage, er wird dem also Fordernden gar
übel begegnen und wird ihn gar ernstlich fragen: Mit welchem Rechte verlangst
du solches von mir?! Ziehe ab mit solcher Forderung, so du von mir nicht willst
verderbet werden!
[HiG.03_43.01.23,24] Wenn aber der Monarch
ein Gebot veröffentlichen läßt, das da lautet: Ein jeder meiner Untertanen muß
mir künftighin die Hälfte seiner Ernte abtreten; wer sich dagegen sträuben
wird, der solle als ein Meuterer behandelt werden, und wer da nichts geerntet
hat und hat doch Haus und Grund, dem solle alles weggenommen werden, damit ich
zu meiner Hälfte komme! – warum spricht denn hier der Untertan nicht also, wie
er ehedem gesprochen hatte zu seinem Nachbarn? Du antwortest: Weil solches der
mächtige Landesherr gebietet.
[HiG.03_43.01.23,25] Gut – so aber der
Landesherr durch seine Macht ein Recht hat, sein Volk unmäßig zu besteuern, und
es getraut sich niemand, ihm ein solches streitig zu machen, da es in
brüderlich menschlicher Hinsicht doch offenbarst ungerecht ist, allda ernten zu
wollen, wo man doch ewig nie einen Kern ausgestreut hatte, – da meine Ich, daß
dem Schöpfer aller Dinge doch eher ein Recht zukommen dürfte, den Israeliten zu
sagen, daß sie das Gold und Silber der übermütigen Ägypter nehmen sollen, indem
sie ehedem diesen gar lange haben fronen müssen, als da ein Feldherr das Recht
hat, eine eroberte Stadt zu plündern?! – Daher möge sich der Mann über Meine
ewigen Alleinrechte eher besser bescheiden lassen und dann erst urteilen, ob
Meine Führungen göttlich oder nicht göttlich sind! –
[HiG.03_43.01.23,26] Übrigens besagen aber
die goldenen und silbernen Gefäße auch noch ganz etwas anderes, – allein
solches ist nicht für unseren Mann, daher bloß nur das Schwert des Buchstabens
Amen! – – –
25. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David
Friedrich Strauß, Fortsetzung)
[HiG.03_43.01.25,00] 2. Brief an die
Korinther, 11. Kapitel, Verse 13-15.
[HiG.03_43.01.25,27] Solches ist auch gut für
die Dr. Strauße.
[HiG.03_43.01.25,28] Siehe, kurzweg gesagt,
ist auch gut gesagt! – Strauße, alle gewinnsüchtigen Priester, je höheren
Weltranges, desto ärger, und das von was immer für einer Konfession, dann alle
eigennützigen und dadurch herrschsüchtigen Gesetzgeber und Machthaber nach
demselben sind lauter solche Afterapostel und gar sehr betrügende Arbeiter in
Meinem Weinberge. Gestalten sie sich auch von außen, als wären sie Meine
Apostel, so sind sie aber dennoch nichts anderes als reißende Wölfe in
Schafspelzen – oder noch mehr verdolmetscht: sie sind Satane, die sich eines
sichereren Fanges wegen zu äußeren Engeln des untrüglichen Lichtes gestalten.
Und es ist dann ja auch nichts Sonderliches, daß die Diener in der Sphäre ihrer
auszuübenden Gerechtigkeit gleich sind ihren Herren! – Ich aber sage: Ihr Lohn
wird sein nach ihren Werken!
[HiG.03_43.01.25,29] Wer aber ist besser aus
dem Terno? – Siehe, Strauße sind besser bei sich, denn die Priester und
Gesetzgeber; denn Strauße verlangen nichts für ihr Licht und für den angerichteten
Schaden, die andern aber verlangen dafür noch einen mächtigen Tribut!
[HiG.03_43.01.25,30] Wer da Arges tut, ohne
das Arge zu sehen, der ist nur ein blinder Führer des Blinden, und sein Gericht
wird mäßig sein. Wer aber da sein will ein Sehender und führt den Blinden ins
Verderben, tötet ihn und beraubt ihn dazu noch seiner kleinen Habe – das wird
etwa doch wohl ein arger Satan sein?! –
[HiG.03_43.01.25,31] Ich meine, dieses Wenige
mag dir wohl genügen, denn es ist leicht zu fassen, wie Ich es meine! – O
Priestertum, o Gerechtigkeit! Du große Trübsal der Welt bis ans nahe Ende! Dein
Lohn wird groß sein amen. – – –
26. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David
Friedrich Strauß, Fortsetzung)
[HiG.03_43.01.26,00] Evangelium Johannes, 7.
Kapitel, Verse 3-5.
[HiG.03_43.01.26,32] Solches taugt für das
Prophetentum des Dr. Strauß.
[HiG.03_43.01.26,33] Siehe, so der Herr nicht
tut nach dem Sinne, besser Unsinne der Menschen, so mag niemand an Ihn glauben.
– Sagen nicht auch jetzt die Brüder, mehr als zu Meiner Zeit, zu Mir: Mache
Dich auf von dannen, ziehe nach Judäa, auf daß auch die Jünger sehen die Werke,
die Du tust! – Wer tut denn etwas im geheimen, so er will offenbar werden? Du
tust aber solche Werke, so tue sie vor der Welt, auf daß auch Deine Jünger glauben
an Dich!
[HiG.03_43.01.26,34] Wer sind denn die
Brüder? Ein jeder, der an Mich glaubt und hört Mein Wort, der ist Mein Bruder;
denn auch Ich habe ja das Menschliche darum angenommen und wollte daher und
daraus geboren werden, daher und daraus ein jeder andere Mensch geboren wird.
[HiG.03_43.01.26,35] Glauben diese Brüder
aber völlig an Mich? – Nein, sie glauben nicht! – Warum glauben sie aber nicht?
– Weil Ich ihnen als Gott und Schöpfer wollte ein wahrer Bruder sein, und weil
Ich als solcher nicht tue nach ihrem Unsinne, darum Ich die höchste Weisheit
bin von Ewigkeit! –
[HiG.03_43.01.26,36] Was verlangen aber
dennoch die Brüder von Mir? – Sie verlangen, daß Ich Mich als Gott vor allen
Schweinen der Welt manifestieren solle! Und tue Ich solches nicht, so wollen
sie Mir nicht glauben und sagen: Was solle es da mit solch einem Gott, der sich
nicht ans Tageslicht getraut und zieht sich beständig zurück wie der Fuchs in
sein Geschleif? Sind denn nicht alle Menschen Seine Geschöpfe? – Warum treibt
Er denn Sein Wesen nur mit Einzelnen und achtet der Gesamtheit nicht? – Warum
geht Er denn nicht dorthin zu den Mächtigen, zu den Hohenpriestern, die Er doch
bis jetzt im Wohlstande geduldet hat, sondern schleicht wie ein Furchtsamer in
den verborgenen Schlupfwinkeln herum, macht da Fischer und allerlei anderes
nichtssagendes Sündergesindel zu Seinen Freunden und Brüdern und will wirken
mit ihnen? Aber diejenigen, die Er unter Donner, Blitz und Erdbeben unter Moses
zu Seinen Dienern gemacht hat, läßt Er nun sitzen, verachtet sie wohl gar,
schimpft über sie und weicht ihnen aus, wo Er nur kann! –
[HiG.03_43.01.26,37] Sehet, das ist der alte
Vorwurf, und Strauß samt der ganzen ungläubigen Welt machen Mir stets den
gleichen Vorwurf! Und dennoch will Ich Mich nicht ändern – findet ihr das nicht
sonderbar? – Ich rede mit einem aus euch, ja mit einem Sünder beständig und mag
mit den anderen nicht reden – ist das nicht wieder sonderbar? – Mir sind die
armen Lumpen lieber als die honetten Reichen, die da sind eine wahre Weltehre
und Glanzzierde! – Ist das nicht sonderbar? – Mir ist die Magdalena lieber als
die züchtigste Klostervestalin! – Ist das nicht sonderbar?
[HiG.03_43.01.26,38] Ja, es gäbe noch eine
Menge solcher Sonderbarkeiten, aber was nützt es, darüber zu räsonieren, so Mir
ein Kind lieber ist als der gelehrteste Strauß! Ich bin denn einmal also und
nicht anders. Wem Ich so nicht zusage, der soll Mich anders machen, wenn Er
kann. Ich aber werde schon für ewig so in dieser Verfassung verbleiben. Warum?
Weil es Mir gerade so am besten gefällt. –
[HiG.03_43.01.26,39] Solches verstehe ein
jeder Strauß amen.
27. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David
Friedrich Strauß, Fortsetzung)
Die Welt und der Zeitgeist.
[HiG.03_43.01.27,00] Daniel, letzte Zeit, der
Antichrist, 11. Kapitel, ins 12. Kapitel übergehend, Verse 37 und 38.
[HiG.03_43.01.27,40] Auch hier wollen wir uns
kurz fassen und zeigen mit wenigen Worten, wie es mit der Sache steht. Wer ist
der König und wer der Gott ‚Mäusim‘? – Der König ist die Welt, und der Gott
Mäusim ist der sogenannte Zeitgeist! – Wieso denn, sagest du. – So sehe denn
hin und urteile selbst, ob es nicht also ist!
[HiG.03_43.01.27,41] Achtet die gegenwärtige
Menschenwelt eines Gottes? – Ich sage dir, nicht einmal der bessere Priester
ohne Geld, das heißt, ohne Gold und Silber! – Wie sieht es denn mit der
Frauenliebe aus? – Sage Mir, welche noch so gottesfürchtige und züchtige und
dabei auch noch weiblich reizend schönste Jungfrau hat denn noch vor den
Weltmännern einen Wert ohne Geld? Wer nimmt eine arme Dirne zum Weibe? Wenn sie
will eine Hure machen, so wird sie bezahlt für die Entblößung, und will sie das
aus Liebe zu Mir nicht, da wird sie als eine Irrsinnige betrachtet und ist vor
den Augen der Welt verächtlich.
[HiG.03_43.01.27,42] Siehst du nun ein, daß
der König richtig bezeichnet ist? Und sein Gott, der Zeitgeist, lehrt den König
Gold, Silber, Edelsteine und andere Kleinodien (geldeswerte Gegenstände) zu
suchen und ihn mit denselben zu ehren! –
[HiG.03_43.01.27,43] Was aber ist die
Wesenheit dieses Gottes? – Solches besagt schon sein Name ‚Mäusim‘, nämlich:
Meineid, Eigenliebe, Selbstsucht, Ruhm, Pracht, Herrschsucht, Stolz, Verachtung
alles dessen, was der Selbstsucht zuwider ist! Kennst du nun den Gott?! –
Siehe, also ist er nun buchstäblich da vor deinen Augen!
[HiG.03_43.01.27,44] Du sagst: Ja, o Herr,
also ist es richtig bis auf ein Haar vor unseren Augen; aber was hat denn der
Strauß mit dem Mäusim zu tun? – Ich sage dir: Sehr vieles; denn in ihm
personifiziert sich ja dieser Gott von der einen Seite gerade also, wie er sich
auf der andern im gegenwärtigen hohen Priestertume personifiziert, und das ohne
Ausnahme in der ganzen Welt.
[HiG.03_43.01.27,45] Strauß leugnet Christum
durch seine Schriften, das hohe Priestertum aber durch seine Taten! – Strauß
verkauft seine Schrift oder den Nicht-Christus ums Geld; das hohe Priestertum
aber tut alles für Christus ums Geld. Ohne Geld und Ruhm aber würde es für
Christum ebensowenig tun, als wie wenig der Strauß je einen Nicht-Christus
geschrieben hätte, wenn er dafür nicht recht viel Geld bekommen hätte! – Also
Christus oder Nicht-Christus, das ist gleich, wenn er nur Geld einträgt so oder
so, da kann man für ihn ja alles tun!
[HiG.03_43.01.27,46] Und siehe, dieser
Christus oder Nicht-Christus ist der eigentliche personifizierte Mäusim oder
der allereigentlichste Antichrist! – Ich meine aber nun, du wirst die Sache
endlich einmal verstehen; verstehe aber auch, warum hier das 11. Kapitel so
stark ins 12. übergeht, wie die Nacht in den Tag, so wirst du das ganze hohe
Geheimnis enthüllt erschauen. Solches also wohl zu beachten und zu verstehen
sei euer Sinn amen.
28. Januar 1843. (Dr. David Friedrich Strauß,
Fortsetzung)
[HiG.03_43.01.28,00] Also schreibe noch ein
kurzes Nachwort zu Dr. Strauß.
[HiG.03_43.01.28,47] Du bist noch mit der in
Daniel dargestellten Frauenliebe nicht so ganz im reinen und sagest: Was hat
denn wohl die mit dem Dr. Strauß zu tun? – Ich sage dir: Sehr vieles! Wie? –
Das soll sogleich erörtert werden.
[HiG.03_43.01.28,48] Siehe, Strauß, also –
oder Nicht-Christus, ist einerlei. Nun, du hast den wahren Christus. Was sagt
aber dieser? – Du sagest: Der wahre Christus sagt: „Suchet vor allem das Reich
Gottes und seine Gerechtigkeit (welche ist die Liebe), alles andere wird euch
hinzugegeben werden.“ – „Sorget euch nicht für den kommenden Tag und fraget
nicht: Was werden wir essen, und womit werden wir uns kleiden? Denn nach allem
dem trachten ja nur die Heiden. – Sehet aber die Vögel in der Luft: sie säen
nicht und ernten nicht in die Scheunen, und der himmlische Vater ernährt sie
doch. Und die Lilien auf dem Felde, sehet sie an, sie spinnen und weben nicht,
und doch war Salomo in all seiner königlichen Pracht nicht herrlicher gekleidet
denn sie!“
[HiG.03_43.01.28,49] Du hast gut geantwortet.
Nun aber sage Mir dann: Wie verhält sich demnach dein wahrer Christus und die
gegenwärtige allgemeine Volksindustrie? – Du sagst: O Herr, das verhält sich ja
gerade wie Himmel und Hölle! – Gut bemessen, sage Ich dir, – nun aber gebe
acht!
[HiG.03_43.01.28,50] Siehe, du kennst nun und
hast den wahren alten Christus bei dir und in dir durch deinen Glauben an Ihn
und durch deine Liebe zu Ihm. Gehe aber du nun als ein lediger, noch gar wohl
heiratbarer Mann in ein noch dazu recht – sogenanntes – christliches Haus, das
da eine heiratbare Tochter hat, und halte, da du Mich völlig hast, also mit
diesem ewigen Lebensschatze allda bei den Eltern um die Hand der Tochter an. –
Was meinst du wohl, wie die Antwort auf solch eine Frage ausfallen wird? –
Siehe, Ich will sie dir buchstäblich sagen.
[HiG.03_43.01.28,51] Das Elternpaar wird zu
dir sagen: Guter Freund, es ist recht löblich und schön von Ihnen, daß Sie, der
Sie als ein übrigens ehrbarer und schätzenswerter Mann uns wohlbekannt sind,
Ihre achtbaren Augen unserer Tochter zugewandt haben. Allein Sie als ein
wohlerfahrner Mann werden sicher doch auch wissen, daß man in der gegenwärtigen
Zeit entweder etwas sein oder haben muß, um ein Weib zu erhalten. Sie aber sind
nichts und haben unseres Wissens auch nichts als allein Ihre sonst
schätzenswerten Eigenschaften, von denen sich aber bei der jetzigen Zeit
freilich wohl nichts herunterbeißen läßt. Also werden Sie als ein vernünftiger
Mann wohl auch einsehen, daß wir unser Kind unter solchen Aussichten nicht
hergeben können. Sie, die Tochter, wird wohl heute oder morgen auch ein schönes
Vermögen haben und kann daher auch nur wieder jemanden wählen, der es ihr auf
die eine oder die andere Art erwidern kann. Wir sind Ihnen übrigens sehr
verbunden und werden uns allezeit geschmeichelt fühlen, wenn Sie uns als Freund
besuchen wollen, aber nur in der gegenwärtigen Absicht nicht; denn da müßten
wir Sie im Ernste bitten, unser Haus zu meiden! –
[HiG.03_43.01.28,52] Hier hast du es buchstäblich,
und du kannst noch fragen, was der Strauß mit der Frauenliebe zu tun habe? –
Siehst du denn nicht: Wo Christus ist, da ist kein Geld; wo aber Geld ist, da
ist kein Christus! Strauß aber leugnet ja Christum, also ist er fürs Gold. Habe
du demnach Strauß oder Gold, so wirst du auch Frauenliebe haben; ohne Strauß
aber wirst du immer dieselbe Antwort bekommen!
[HiG.03_43.01.28,53] Frauenliebe ist demnach
zweifach zu nehmen: erstens, daß der Mann von Vermögen mit der nun seltensten
Ausnahme ein Weib nicht ansieht, so es ihm nicht ebenbürtig ist, d.h. entweder
dem vorteilhaften, hochgehaltenen Stande oder dem Vermögen nach; und zweitens
hat das Weib in sich selbst keine Liebe, außer die des Dr. Strauß oder auf
deutsch – Gold.
[HiG.03_43.01.28,54] Daß aber solch ein
Christentum, welches eigentlich ein allerinnigstes Brudertum sein soll, ein
ebenso gutes Christentum ist wie das, was der Strauß beschrieb, kannst du gar
leicht daraus ersehen, wenn du den wahren alten Christus vergleichest mit dem
gegenwärtigen Geld-Christus, und daß ebendieser Geld-Christus samt dem
Straußschen Nicht-Christus der allereigentlichste, wesenhaft personifizierte
Antichrist ist.
[HiG.03_43.01.28,55] Ich meine, solches
brauche Ich dir wohl kaum näher darzutun; und so sei mit dem zufrieden amen.
„Die Perlen werft nicht vor die Schweine“
(Matth. 7,6). – 7. April 1843, abends.
[HiG.03_43.04.07] O Herr, Du sprachst ja zu
den Deinen: „Die Perlen werft nicht vor den Schweinen!“ Doch ließest Du,
kostbarste Perle, zertreten Dich durch Priesterkerle?! –
[HiG.03_43.04.07,01] Ja, also ist es auch im
vollsten Ernste, aber nur muß hier gar wohl unterschieden werden, wer Ich bin –
und wer die Apostel und Jünger sind.
[HiG.03_43.04.07,02] Du bist ein Herr in
deinem Hause und kannst mit deinen Schätzen tun, was du willst, und hast
niemandem darum eine ausweisliche Rechnung zu legen, warum du also tust, wie es
dir gut dünkt. So du aber einen Knecht in deinem Hause bestellst, wirst du ihm
wohl auch die Vollmacht geben, zu tun mit deinen Schätzen, was er will, ohne
dich nur im geringsten um Rat zu fragen oder sich irgend an deine Vorschrift zu
halten?! Ich meine aber, du wirst deinem Knechte nur gar wohlpflichtigst
auftragen, daß er zu aller Zeit treulichst wache über dein Haus und jeglichen
Dieb abhalte sorgfältig, daß er nicht seine klebrige Hand lege an deinen
Schatzkasten!
[HiG.03_43.04.07,03] Wenn du aber schon also
vorsichtig handeln möchtest für dein Haus, da wird es doch etwa auch bei Mir
nicht unweise gehandelt sein, so Ich Meinen Knechten aufgetragen habe, Mein
Wort nicht den Schweinen zu predigen, da es doch der allerlebendigst größte
Schatz Meiner Liebe und Erbarmung ist!
[HiG.03_43.04.07,04] Es handelt sich demnach
nur darum, so ganz eigentlich zu wissen, wer die Schweine – und wer also die eigentlichsten
Diebe sind. – Ein Schwein treibt alles in seinen Bauch und verwendet es da
natürlich zu seiner Ernährung; also stiehlt auch ein Dieb alles, was er sich
nur immer zunutze machen kann.
[HiG.03_43.04.07,05] Das ist sicher
sonnenklar. Demnach aber sind die Priester nicht als Schweine und Diebe zu
betrachten, denn sie wollten Meine Schätze ja nicht; daher sie wohl wahre
Mörder, aber somit nicht als Schweine und Diebe Meines Wortes zu betrachten
sind! –
[HiG.03_43.04.07,06] Aber es hat zu allen
Zeiten gewisse Zauberer, Magier, falsche Propheten und eigennützige, schändlich
verschmitzte betrügerische Wundertäter gegeben. Diese konnten alles zu ihrem
gewinnlich Besten gebrauchen. Mein Wort aber, welches in sich selbst allmächtig
ist, wäre diesen Schweinen und Dieben wohl das beste Wasser auf ihre Mühlen
gewesen, wenn sie es irgend hätten bekommen können. Für diesen Fall also gab
Ich den Aposteln das Vorsichtsgebot, Meine Perlen solchen Schweinen und Dieben
nicht vorzuwerfen!
[HiG.03_43.04.07,07] Solche Schweine und
barsten Diebe aber sind auch heutzutage alle jene, welche Meine Lehre zu einem
barsten Handelsartikel machen und sich für jegliches Wort des Evangeliums
zahlen lassen und so auch die Worte des Lebens in ihren Unrat mengen, um daraus
eine neue wundertätige und sehr viel Geld eintragende Substanz zu bereiten.
[HiG.03_43.04.07,08] Blicke hin auf alle die
Wunderbilder in den nahe zahllos vielen steinernen, tönernen und hölzernen
Bethäusern; sind sie nicht alle mit Meinen Perlen unterspickt? Siehe an alle
die zeremoniellen Gegenstände; da ist aber auch nicht eines, bis zum
Kirchenstaube selbst, das da nicht mit eben den Perlen wo nur möglich kleinst
umwunden und durchwebt wäre! – Ich meine, es wird kaum nötig sein, dir mehr
darüber zu sagen.
[HiG.03_43.04.07,09] Die ersten Apostel haben
dieses Gebot auch sorgfältigst beachtet; aber bei der stets größeren
Ausbreitung des Wortes war es denn wohl unmöglich zu verhindern, daß nicht auch
auf der offenen Erde Schweine und Diebe in Meinen großen Weinberg hätten
gelangen sollen. Also war auch das Gebot in sich selbst allzeit beachtet
worden.
[HiG.03_43.04.07,10] Da aber doch auch
Schweine und Diebe lebendige Geschöpfe sind, welche auch ihren freien Willen
haben, so konnten sie auch wohl in den großen Weinberg geraten und da begehen
einen unziemlichen Raub! Sie haben daher auch nur, was sie gestohlen und
geraubt haben – aber nicht, was ihnen wäre gegeben worden.
[HiG.03_43.04.07,11] Was sie aber haben, ist
darum tot und nützet ihnen nicht zum Leben, sondern nur zum Tode, indem sie
voll der schmählichsten Unlauterkeit ihre Hände in Meine Schüssel tauchen. Wer
die Perle hat und hat sie nicht von Mir lebendig, sondern anderswoher, der ist
ein Dieb, ein Räuber und ein Schwein; diesen wäre aber auch ein Mühlstein am Halse
in des Meeres Tiefe besser, als solch eine Perle! Denn diese werden ihrem
Richter nicht entgehen, den sie doch in sich tragen.
[HiG.03_43.04.07,12] Wer es aber von Mir, dem
Vater, erlernt und das Wort hat lebendig, der hat es gerecht; aber er habe ebenfalls
acht, daß er dann die Perlen nicht den Schweinen vorwerfe! – Also ist solches
zu verstehen, und also verstehe es du, Mein Sohn, Amen. – –
Eine kurze Antwort des Herrn auf eine Frage
bezüglich der Satana und ihres Anhanges. – 3. Mai 1843.
[HiG.03_43.05.03] Frage: O Herr! Wie
behandelt denn die Satana die ihr anhängenden Geister? Haben diese Liebe zu ihr
oder Furcht vor ihr?
[HiG.03_43.05.03,01] Antwort: Auf diese Frage
kann Ich dir nichts anderes sagen, als daß die Schlange sich ganz neutral
verhält und „behandelt“ niemanden; sondern ein jeder lebt auf seinem eigenen
Grund und Boden nun. – Alle höllische Liebe aber ist inwendiger Haß, alles
Wohltun ist Eigenliebe, und jede Großmut ist der stinkendste Hochmut! Mehr
brauche Ich dir darüber nicht zu sagen, denn du kannst an dem zur Übergenüge
haben amen. –
Erklärung des 93. Psalms Davids. – 26. Mai
1843.
[HiG.03_43.05.26,01] Schreibe für heute etwas
über den 93. Psalm Davids, damit so mancher daraus ersehen solle, um welche
Zeit es nun in dieser Zeit sei. – Siehe, das ist wohl einer der kürzesten
Psalmen des Mannes nach Meinem Herzen, denn er besteht nur aus respektive fünf
Versen; aber er ist seiner Bedeutung nach gerade für diese gegenwärtige Zeit
und ihre Zukunft einer der größten Gesänge des Sängers im Geiste der ewigen
Ordnung aus Mir! – Wie aber solches gar wohl der Fall ist, soll sogleich in
aller Kürze folgen – und so schreibe und höre denn und schaue! – –
93. Psalm
[HiG.03_43.05.26,02] 1. Der Herr ist König,
und das gar herrlich geschmückt.
[HiG.03_43.05.26,02] Das heißt: Ich, der Herr
Jesus Christus, bin der alleinige Gott aller Himmel und Welten in aller
endlosen ewigen Fülle der göttlichen Macht, Kraft, Gewalt, Heiligkeit, Gnade,
Liebe und Erbarmung, welches alles ist Meine ewige Ordnung, Weisheit oder die
göttliche Gerechtigkeit. – Der Herr ist geschmückt und hat ein Reich
angefangen, so weit die Welt ist, das heißt: Ich habe Mich aus Meiner Ordnung
der Menschen der Erde erbarmt und will sie aufrichten in ihrem Geiste, und ihr
Geist soll ein Herr sein in ihrer Seele und in ihrem Fleische; – und hat es
zugerichtet, daß es bleiben soll, heißt: Ich gebe es aus den Himmeln dem Geiste
im Menschen; das lebendige Wort soll von nun an bleiben im Menschen fort und
fort, und der Tod solle keine Gewalt mehr haben. –
[HiG.03_43.05.26,03] 2. Von dem an stehet
Dein Stuhl fest; Du bist ewig! –
[HiG.03_43.05.26,03] Heißt: Von der Zeit an,
da Ich durch das lebendige innere Wort den Geist des Menschen erwecken werde,
wird Meine Liebe bleiben im Menschen, und es wird niemand der Geweckten mehr
zweifeln an Mir und Meinen Verheißungen; denn Ich werde dem Geiste zeigen die
endlosen Wunder Meiner Liebe, Weisheit, Heiligkeit und Macht in der Tiefe der
Tiefen für alle Zeiten der Zeiten bleibend.
[HiG.03_43.05.26,04] 3. Herr! Die
Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr Brausen, die
Wasserströme heben empor ihre Wellen.
[HiG.03_43.05.26,04] Heißt: Ich bin der
alleinige Gott; es werden sich zwar anfangs dagegen sträuben die Weltmenschen,
und die Weltgelehrten werden dagegen schreien und schreiben, und die Machthaber
werden mit zornigen Füßen gewaltig dagegen strampfen und werden sich dagegen
gewaltsam auflehnen.
[HiG.03_43.05.26,05] 4. Die Wasserwogen im
Meere sind groß und brausen greulich; der Herr aber ist noch größer in der
Höhe! –
[HiG.03_43.05.26,05] Heißt: Das Priestertum
der Welt wird gar mächtig dagegen zu Felde ziehen und wird verdammen mit großem
Zorne und großer Wut das neue Reich im Menschen; aber es wird sich niemand mehr
daraus etwas machen und sich kehren an das Geplärr der Elenden, da sie nur als
ohnmächtige Zornspeier plärren werden. Ich aber werde dennoch gar mächtig mit
Meiner Liebe und Weisheit aus den Himmeln im Geiste der Menschen durchdringen
und werde vertrocknen und gänzlich versiegen machen die Ströme und werde über
das Meer (priesterliches Heidentum) ausstrecken Meinen mächtigen Arm, auf daß
es ohnmächtigst erstarren solle auf ewig!
[HiG.03_43.05.26,06] 5. Dein Wort ist eine
rechte Lehre; Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses ewiglich.
[HiG.03_43.05.26,06] Heißt: Mein lebendiges
Wort im Geiste ist eine wahrhaftige Predigt, Lehre, Kirche; es ist eine
wahrhaftige, heilige Wohnstätte Gottes im Menschen, das wahrhaftige Reich
Gottes in und unter den Menschen der Erde. Dieses Wort (Heiligkeit) ist die
Wahrheit, (Zierde) der Weg und das ewige Leben in der reinen Liebe zu Mir! –
[HiG.03_43.05.26,06] Siehe, das ist die
Grundbedeutung dieses Psalmes, nach dessen Weissagung soeben die Zeit begonnen
hat und wird mächtige Fortschritte tun, wennschon anfangs im geheimen mehr.
Wenn aber in kurzer Zeit die Herzen durchwärmt und durchleuchtet werden, dann
wird aber denn auch Meine Hand einen Gewaltstreich gegen alle Welt ausführen
und erstehen machen im großen Herzensglanze die Geweckten und mit Meinem
lebendigen Geiste Getauften; und Ich Selbst werde nicht selten wieder sichtbar
unter den Meinen anzutreffen sein und werde sie bereichern mit großer Macht
über alle Dinge amen, amen, amen. –
Der Morgen. – 28. Juni 1843
[HiG.03_43.06.28,01] 1. / Hehr naht des Tages
Mutter! – Dunkelheit / umflorte eher Land und Meer; / wie herrlich strahlt sie
nun im Glanzeskleid / und spendet Freude rings umher!
[HiG.03_43.06.28,02] 2. / Mit ihr erneute
Lebenskraft erwacht, / wie regt sich alles in der Welt, / wie herrlich strahlt
die Flur in Morgenpracht, / von mächt'ger Sonnenglut beseelt!
[HiG.03_43.06.28,03] 3. / Also auch kommt der
Herr! Erst Dämmerung, / dann hell'res Morgenrot, dann Licht – / bis endlich
voller Tag, rein, frisch und jung / des Herzens dichte Nacht durchbricht.
[HiG.03_43.06.28,04] 4. / Solang am Himmel
dort die Sonne brennt, / erfreut das Herz ihr wärmend Licht – / so auch, wie
lang das Herz Mich treu bekennt, / ermangelst du der Freude nicht!
[HiG.03_43.06.28,05] 5. / Willst leben du ein
gutes Leben hier, / so sprich in deiner Brust getreu / die nächste Stroph'
lebendig stets in dir, / und diese laute also frei:
[HiG.03_43.06.28,06] 6. / „O strahl' du ew'ge
Lebenssonne doch / den ganzen Lebenstag in mir! / Gar heiter trag' ich dann
dies irdisch Joch / erquickt und hocherfreut in Dir!“ –
Ein persönliches Wort über laue Töchter. –
Nachtrag eines Nebenwortes vom Sommer 1843.
[HiG.03_43.00.00,01] Höre aber wohl! – Was da
deinem Herzen eine kleine Mißbilligung abnötigt, das hat schon seit dem Konzert
im ersten Stock Meinen völligen Abschied zuwege gebracht, weil zuvor Meine
große Mißbilligung!
[HiG.03_43.00.00,02] Siehe, so sind die
besseren Menschen gegen Mich! – Ich wollte sie zeitlich und ewig so glücklich
als möglich machen und habe ihnen darum schon übergroße Wohltaten erwiesen und
die zuverlässigsten Verheißungen gemacht. Aber weil Ich nicht schon am nächsten
Tage gab, was Ich verhieß, so suchen sie selbst sich zu entschädigen.
[HiG.03_43.00.00,03] Lassen wir ihnen aber
ihre eitel törichte Weltfreude, lassen wir ihnen ihre abendlichen Spaziergänge,
die ihnen nun um vieles lieber sind, als so sie anhören müssen noch dann und
wann Mein lebendiges Wort, so es ihnen unser Freund A. H. W. vorliest. Lassen
wir ihnen ihre römische, Mir aber über alles feindliche Priesterliebe und auch
die Liebe solcher, die ihnen solche Priester unter allerlei
Freundschaftsvorwänden zuführen.
[HiG.03_43.00.00,04] Wir beide aber werden
uns, verstehst du Mich, bei dieser Gelegenheit mit unserer Gnade und Liebe und
unserem Segen so hübsch weit zurückziehen. Und die Folge wird sie dann schon
lehren, und sie werden es erkennen, wenn schon zu spät, welchen Tausch sie
gemacht haben und Wer sie in uns beiden verlassen hat.
[HiG.03_43.00.00,05] Siehe, Ich und du sind
darum zu eifersüchtigen T-n geworden, weil wir uns unterstanden haben, den
Gewissen einige unbilligende Bemerkungen zu machen! – Von nun an aber wollen
wir das unterlassen und sie ganz ihrem Weltsinne und ihrer Heiratslust
überlassen, – daß wir aber bei derlei Hochzeiten nicht zugegen sein werden,
verstehe, des kannst du wohl versichert sein.
[HiG.03_43.00.00,06] Bisher habe Ich dem A.
H. W. geraten, daß er ihnen vorlesen möchte Mein Wort. Er hat es auch redlich
getan. – Von nun an aber rate Ich ihm solches nicht mehr, denn seine älteren
Töchter halten es insgeheim nur für eine alberne Dichtung aus dir und achten es
nicht mehr und hören es auch nur mit einem leisen Widerwillen an.
[HiG.03_43.00.00,07] So sie nicht auf das
eifrigste auf uns zugehen werden, werden wir sie lassen, wie sie sind, und
werden uns ihrer nicht im geringsten kümmern. Denn schläfrig und gelangweilt
hören sie Mein Wort an; aber desto heiterer und lebendiger sind sie in der
Gesellschaft derjenigen, die ihnen zu Gesichte stehen. Daher lassen wir sie gehen,
und wir wollen keine Sache mit ihnen haben, um nicht mehr als eifersüchtige T-n
und Fadiane vor ihnen zu erscheinen! – Verstehst du Mich? Also geschehe es
amen. – – –
Segen der Heimsuchung. – 13. Oktober 1843.
[HiG.03_43.10.13,01] Schreibe nur, schreibe,
denn Ich weiß es schon, um was es sich handelt! –
[HiG.03_43.10.13,02] Mein lieber Ans. H. W.,
siehe, die Stunde, in der du leiblich geboren wurdest, ist Mir gar wohl
bekannt. Ich habe dich damals gesegnet und segne dich jetzt wieder, auf daß du
stets gesund am Geiste wie auch nebenbei am Leibe, soviel es zu deinem Heile
vonnöten ist, verbleiben sollest. Halte aber jedoch nicht zu große Stücke auf
die Gesundheit des Leibes, denn sie schadet dem Geiste mehr, als sie ihm nützt.
[HiG.03_43.10.13,03] Sieh an eine frische
grüne Nuß auf dem Baume! Solange diese fest, frisch und grün verbleibt, so
lange auch wird der Kern nicht zeitig. Wenn aber die äußere grüne Schale
anfängt sich zu bräunen und flott und vertrocknet zu werden um die Nuß, dann
ist es ein Zeichen, daß die Nuß innerhalb der Schale reif geworden ist.
[HiG.03_43.10.13,04] Aus dem Grunde lasse Ich
die Meinen auch stets dem Leibe nach dann und wann ein wenig kränkeln, damit
sie sich ja mit der Welt nicht zu sehr vermengen sollten in einem zu gesunden
Leibeszustande. Denn ist da jemand dem Leibe nach so recht löwenmäßig gesund,
da kommt ihm nicht der leiseste Gedanke, daß er einst doch diese Trugwelt wird
verlassen müssen; denn da gefällt ihm auf der Welt alles viel zu gut, ein jedes
Blümchen, ein jeder Bissen, eine jede Dirne, eine jede Gegend, und er hat den
sehnlichsten Wunsch, nur ewig also auf der Erde zu leben, und bekommt nie das
heilige Heimweh nach dem ewigen Vaterhause im Himmelreiche.
[HiG.03_43.10.13,05] Wird aber sein Leib
krank, da erinnert sich der Mensch, daß es auf der Erde keines Bleibens sein
wird, und fängt dann und wann doch etwas ängstlich an nachzudenken, was da nach
dem Tode des Leibes etwa doch sein und kommen dürfte. Und das ist dem Geiste
schon heilsamer, als alle noch so unschuldigen Vergnügungen bei kernfrischem
und gesundem Leibe.
[HiG.03_43.10.13,06] Siehe, so du einen Sohn
in die Fremde schicken möchtest, und es ginge ihm aber dort ausgezeichnet gut,
meinst du, daß er zu dir heimkehren wird? Meinst du, er wird etwa Heimweh
bekommen nach seinem väterlichen Hause? – O nein, des kannst du wohlversichert
sein! Denn er wird sagen: Da müßte ich ein rechter Narr sein! Hier habe ich ja
alles, was immer nur mein Herz verlangt, und man ehrt mich noch obendrauf
allerorts, wo ich nur immer hinkomme. Komme ich aber nach Hause, da muß ich
wieder um jede Kleinigkeit bittend zum Vater kommen, und dann erst besinnt er
sich, lange genug, ob er mir wohl das Erbetene geben solle oder nicht. Hier bin
ich ein angesehener Herr für mich, dort zu Hause aber, an der Seite meines
Vaters, der Niemand; daher bleibe ich hier!
[HiG.03_43.10.13,07] Siehe, das ist die
buchstäbliche Äußerung desjenigen Sohnes in der Fremde, dem es zu gut geht auf
fremdem Boden! – Wird ihn der Vater auch nach Hause zitieren, so wird er aber
dennoch fürs erste nur mit großem Unwillen nach Hause sich begeben, und fürs
zweite wird er zu Hause sich also benehmen, daß es eine barste Schande sein
wird. Denn es wird ihm alles zu enge und elend und schlecht vorkommen, mit
einem Worte gesagt, er wird nimmer guttun daheim! Geht es aber einem Sohne in
der Fremde nicht am besten, sondern so ziemlich kümmerlich oder oft gar elend,
da wird er es bald machen gleich dem verlorenen Sohne! –
[HiG.03_43.10.13,08] Daher also sage auch Ich
dir heute das, auf daß du, so Ich dich mit kleinen leiblichen Unpäßlichkeiten
heimsuche, dich erinnern solltest und wissen, daß derlei leibliche
Unpäßlichkeiten lauter Handbilletchen sind, durch welche Ich Meine Kinder an ihr
väterliches Haus und an ihre Heimkehr erinnere, auf daß sie sich ja nicht in
der fremden Welt zu fest ansiedeln sollten! – Ich will dich aber darum etwa
sicher noch nicht so bald von der Fremde abrufen, sondern nur an deine Heimat
erinnern! Daß du danach alle Unannehmlichkeiten deines irdischen Lebens
bemessen sollest, das wünsche Ich, dein heiliger Vater, dir heute wie allezeit
in aller Fülle Meiner Liebe und Gnade, – beachte es darum auch lebendigst Amen.
–
Die Verklärung Mariens. – 17. Oktober 1843.
[HiG.03_43.10.17] Aus einem Nebenwort
bezüglich der Himmelfahrt Mariä.
[HiG.03_43.10.17,01] Dessenungeachtet aber
will Ich dir doch sagen, wie Maria starb. –
[HiG.03_43.10.17,02] Maria starb zwölf Jahre
nach Meiner Heimkehr zu Bethania im Hause des Lazarus, der Martha und der
Maria. Johannes allein war Augenzeuge von ihrem Hintritte; ihre Krankheit aber
war die stets wachsende Liebe zu Mir, – und die Flamme dieser Liebe hatte
Mariam aufgelöst und für ewig verklärt. Aber von einer sichtbaren Auffahrt gen
Himmel ist keine Rede; Maria war – und war nicht mehr! – Und das ist genug für
deine Wißbegierde amen. –
Der Herr schützt Sein Werk. – 29. Oktober
1843.
[HiG.03_43.10.29] O Herr und liebevollster
Vater! Wie ist der Fall mit jemandem zu nehmen, der meines Wissens ein starker
Verächter und förmlicher Widersacher Deiner heiligen, an uns gerichteten Gnade
war und sie als eine Torheit verhöhnt hat zu jeder Zeit? –
[HiG.03_43.10.29,01] Du kannst ja schreiben
ein paar Wörtchen zu deiner Ruhe! – Siehe, also pflege Ich stets Mein Werk zu
schützen! Sagte Ich dir nicht schon einmal bei der Gelegenheit, als ihr alle
ein falsches Warnungsbriefchen erhieltet, wie Ich allen jenen sofort begegnen
werde, die sich Mir ernstlich werden in den Weg stellen wollen?! – Siehe, das ist
die Art und Weise, wie Ich pflege Meine Feinde unschädlich zu machen! Vor
kurzem habe Ich einem sehr bedeutenden Feinde, der gerade auf dem Sprunge war,
Mir ganz ernstlich entgegenzutreten, seinen Lohn gegeben; das ist der zweite,
aber der solle noch etwas geselchet werden! Was Ich damit sagen will, wirst du
in der Folge verstehen!
[HiG.03_43.10.29,02] Ich aber sage dir: Wer
immer an irgend Weltlichem mehr Behagen findet denn an Mir, dem werde Ich von
nun an nur ganz kurz zusehen; kehrt er sich nicht bald um, so solle er
gerichtet sein! – Du weißt, was Ich damit sagen will! Wahrlich, wahrlich, wer
dir oder jemandem, der in Meinem Namen etwas spricht, eine nur einigermaßen
steife Widerrede tun wird, entweder offen oder heimlich, dir gegenüber oder von
dir entfernt, dem werde Ich die Zunge auf eine solche Art zu lähmen wissen, daß
er sicher nimmer mit ihr eine wie immer geartete Widerrede zuwege bringen soll!
Frage Mich aber nicht, wie! Es ist genug, daß Ich dir solches geschworen habe.
– Mein Mitleid mit Meinen Feinden ist zu Ende; daher sei ein jeder gerichtet,
der Mir widerstreben will im Kleinen wie im Großen! – Amen, Amen, Amen.
[HiG.03_43.10.29,03] Das sage Ich, der
Allgewaltige, Amen, Amen, Amen.
Ein lustig's Wörtlein für die „kleine
Martha“. – 26. Juni 1844.
[HiG.03_44.06.26,01] Schreibe nur, Ich weiß
schon, was du wieder hast. – Ich solle dir schon wieder einen
Gelegenheitsdichter abgeben? – Nun ja, da will Ich es gleichwohl tun, obschon
Mir die Maria lieber war als die Martha, aber nicht etwa irgendeine
gegenwärtige Maria, sondern die Schwester des Lazarus! – Denn die gegenwärtigen
Marien unter allerlei Ausschweifungen und Verkehrungen dieses Namens sind
ebenso ausschweifend und verkehrt wie ihre Namen! – Und so schreibe denn ein
lustig's Wörtlein!
[HiG.03_44.06.26,02] Höre du, Meine kleine
Martha! – An diesem deinem Tage Ich zu dir sage: Du bist in einer Lage, die da
ist voll eitler Plage und führst darob gleichfort Klage an jedem Tage! – Sieh,
das will Mir nicht gefallen allzumalen: wenn die Mutter klaget übern Kaffee,
dann tut's dir auch schon weh; und ist die Suppe matt, dann wirst du glatt. Es
zwicket dich ganz jämmerlich, so jemand zu dir spricht, was dich ein wenig
sticht! –
[HiG.03_44.06.26,03] Sieh, das soll nicht
sein bei Groß noch Klein, und es macht Mir oft darum ein starkes Leid, daß du
mit Waschen und mit Bodenreiben hast so große Freud! – Im Hühnermist du
manchmal ganz vergraben bist; das bringt dir manchmal wohl ein Ei, doch der
Himmel ist da nicht dabei. So was mußtest du doch einmal büßen, drum hat ein
Iltis dir die Freud' zerbissen; du hast dich da erstaunt gar stark über solchen
blut'gen Mark. Doch solch dein traurig Stutzen kam heilsam dir zum Nutzen, denn
das benahm dir deine Hühnerfreud' und Mir ob solcher deiner Freud' Mein Herzeleid!
–
[HiG.03_44.06.26,04] Nun laß auch nach in
deiner Priesterlieb', denn sie ist dir kein geist'ger Trieb; dann wirst du Mir
vor allen schier am besten wohl gefallen! – Sieh, die Geistlichkeit ist nicht
vom Fleisch befreit und macht Mir wenig Freud', drum hab' Ich's gerne nicht, so
dein Aug' nach Priestern sticht. Wende du dafür dein Herz zu Mir in Freud und
Schmerz, das wird dir nützer sein und dich um vieles mehr erfreu'n, als so
Kaplän' sich vor dir bücken und dir manchmal die Hände drücken!
[HiG.03_44.06.26,05] Es ist das freilich eben
keine Sünd'; doch ist's auch nicht der beste Wind auf deines jungen Lebens
Meer, denn er treibt das Lebensschiff oft weit umher und verliert gar oft des
Lebens Ziel, – das sag' Ich dir ganz still!
[HiG.03_44.06.26,06] Befolg' nur Meinen Rat
und lieb' Mich in der Tat, dann wirst du besser fahren; denn Ich am besten
kenne die Gefahren, die oft solcher Schiffer harren, denn wo sie sich's am
wenigsten versehen, ist's um sie auch oftmals schon geschehen! –
[HiG.03_44.06.26,07] Siehe, das sind deine
kleinen Sünden, die mußt' Ich dir verkünden. Wirst du sie künftig meiden – so
ganz fein und ganz bescheiden, werd' Ich dir nehmen alle Leiden und dir
schenken viele Freuden! Denn Ich hab' dich überlieb fürwahr, das sagte Ich zu
dir noch alle Jahr; drum sage Ich dir nun auch das wie einen ernstlich guten
Spaß! – Nimm du ihn aber ernstlich nur, er bringet dich auf gute Spur, an der
das ew'ge Leben klebet, das von allem Leide dich enthebet.
[HiG.03_44.06.26,08] Das sage Ich zu deinem
Tage: Werd' Mir ernstlich treu und frei, und fürder nicht mehr klage! Amen,
amen, amen; das sagt dein guter Vater amen. – – –
Auf eine Anfrage wegen Mitteilung der
erhaltenen Offenbarung. – 25. August 1844.
[HiG.03_44.08.25.a,01] O ja, dem, der da
dürstet, werde Trank gereicht; aber es gibt auch geistige Saufbolde, denen ist
es nicht gut, derlei zu geistige Dinge zu reichen, weil sie dann dumm und oft
böse werden wie böse Narren. Zumeist aber sollen die Perlen den Schweinen
vorenthalten werden! – –
[HiG.03_44.08.25.a,02] Wenn du aber schon
jemandem nützen willst, der dir geeignet scheint, so tust du am besten, so du
ihm mündliche Berichtigungen erteilst und ihn erst dann etwas lesen läßt oder
besser selbst vorliest, wenn du ihn vollends deines Geistes erkannt hast, denn
sonst könnte ihm das Lesen mehr schaden denn nützen!
[HiG.03_44.08.25.a,03] Predigen aber ist
besser als lesen, da es besser eindringt als etwas Gelesenes und hernach auch
haften bleibt. Den Grund wird dir die Erfahrung von allen Zeiten zeigen!
[HiG.03_44.08.25.a,04] Tue demnach auch du
gelegentlich danach, und es wird gut und recht sein amen. Das sage Ich dir, der
Ich auch geprediget habe in der großen Zeit der Zeiten amen, amen, amen. – – –
Cherubim und Seraphim. – 25. August 1844.
[HiG.03_44.08.25.b] O Herr! Was ist wohl für
ein Unterschied zwischen Cherubim und Seraphim? –
[HiG.03_44.08.25.b,01] Die Cherubim bedeuten
und sind der ewige Ausfluß der göttlichen Liebe und die Seraphim der Ausfluß
der göttlichen Weisheit; das ist der Unterschied. Darum sagte man vor alters:
Dieser ist liebeglühend wie ein Cherub und weise wie ein Seraph. – Also wird
durch die Cherubim die göttliche Liebe und durch die Seraphim die göttliche
Weisheit in ihrem gesamten grundhimmlischen Wirken verstanden. –
Nur Mein Lohn dauert ewig! – 10. Februar
1845, Greifenburg.
[HiG.03_45.02.10] An Julie Martha H. zum
Namenstag.
[HiG.03_45.02.10,01] Also magst du reden zu
der, um die du zu Mir kamst: Man sagt in der Welt: Leiern ist besser als
Feiern. Doch also soll es nicht bei Mir sein; denn bei Mir gilt das eine so
wenig wie das andere.
[HiG.03_45.02.10,02] Das Himmelreich leidet
allzeit Gewalt; die es nicht mit Gewalt an sich reißen, die werden es nicht
besitzen! Darum nützt da das Leiern so wenig wie das gänzliche Feiern. Der aber
leiert um Mein Reich, der da im weltlichen Eifer für Mich nur so viel tut, daß
er Meiner gerade nicht ganz vergißt und Mich neben der Welt mitziehen will, –
wenn er aber Meiner in Weltgeschäften oft ganz vergißt, der ist es, der da
feiert!
[HiG.03_45.02.10,03] Ich aber bin nicht, daß
Ich dem Leirer wie dem Feirer Mein Reich auf den Rücken nachwürfe; sondern wer
Mein Reich, welches da ist das ewige Leben, besitzen will, der muß es ohne
Leiern und Feiern vollernstlich angehen. Sonst wird er auch den Lohn der Leirer
und Feirer überkommen, der gleich sein wird der Ernte dessen, der den Samen am
Wege, auf Steine und unter die Dornen gesät hatte.
[HiG.03_45.02.10,04] Also magst du deiner
Freundin dieses bekanntgeben und sagen, daß das Mein einiger und ewiger Wunsch
und Wille ist, daß sie sich auch samt ihren Geschwistern nicht an das Leiern
und noch weniger an das Feiern wenden solle; denn aller Welt Sold ist gering
und dauert kurz, nur Mein Lohn dauert ewig!
[HiG.03_45.02.10,05] Was aber hast du, so du
den ganzen Tag hindurch der Welt um einige Groschen gedient hast? Ich sage dir,
der nächste Tag wird sie dir wieder nehmen, und das so fort bis ans Ende deines
Erdenlebens – und am letzten Abschiedstage von der Welt aber wirst du blanker dastehen
als eine Bethausmaus! Was dann mit dir? –
[HiG.03_45.02.10,06] Darum sammle dir
vielmehr Schätze, die weder der Rost noch die Motten zerstören und die
Erdentage nicht verzehren, so wirst du am Tage des Abschiedes, am Tage der
Auferstehung einen reichen Schatz in Meinem Reiche finden für ewig amen! Das
sagt der Herr, der Wahrhaftige für ewig amen, amen, amen. – –
Was du den Armen tust, das tust du Mir! – 11.
Februar 1845, Greifenburg.
[HiG.03_45.02.11] An Andr. H. W.
[HiG.03_45.02.11,01] Mein lieber Andr. H. W.,
was du den Armen und was du Meinem Knechte tust, das tust du wie ganz
unmittelbar Mir Selbst; denn in den Armen bin Ich Selbst arm in der Welt, und
in Meinem Knechte aber wohne Ich für euch alle wie in der Fülle der Kraft des
Wortes aus Meiner ewigen Liebe und Weisheit, die zwar in der Welt auch in der
Armut einhergeht, – wann und wo sie kommt, aber desto reicher ist im Geiste der
ewigen Liebe aus Mir!
[HiG.03_45.02.11,02] Ist diese Liebe auch
gefangen in den Kerkern der Welt, welche da sind die harten Herzen, so dient
sie aber dennoch allen zur Erlösung vom ewigen Tode. Und ist diese Liebe auch
arm vor der Welt, so gibt sie aber dennoch allen alles. Wird sie auch verachtet
und verspottet, so teilt sie aber dennoch die größten Ehren für ewig aus. Wird
sie von vielen auch gar getötet, so gibt sie aber dennoch allen das Leben. Wird
sie zerrissen und gemartert, so gibt sie aber dennoch alles vollkommen, was sie
gibt! – Für Krummes gibt sie Gerades, für Ungleiches das Gleiche, für Unebenes
das Ebene, für Bitteres das Süße, für Essig den besten Wein, für die Nacht den
Tag – und so überall das Gute fürs Schlechte und das Edle fürs Unedle!
[HiG.03_45.02.11,03] Wenn die Liebe aber
schon für Schlechtes Gutes gibt, was erst kannst du, ein Geber des Guten, von
dieser Meiner Liebe erwarten?! – Darum tue Meinem Knechte, der diese Meine
Liebe in sich hat, was er wünscht, so soll dein Lohn auch übergroß sein in
dieser Meiner Liebe im Knechte für ewig amen! – Das spricht die Ewige Liebe
amen, amen, amen. – – –
Brief an Andreas Hüttenbrenner in Graz über
den Beginn der Niederschrift des Briefwechsels Jesu mit König Abgarus – 27.
März 1845, Greifenburg.
[HiG.03_45.03.27] ... Ich will Ihnen einen
Briefwechsel zwischen dem Könige Abgarus und dem Herrn Jesus mitteilen, welcher
geschehen ist zu den irdischen Lebzeiten des Herrn. – Und so vernehmen Sie die
beiden Briefe!
[HiG.03_45.03.27,00] Der Brief des Abgarus an
den Herrn lautet also:
[HiG.03_45.03.27,01] Abgarus, Fürst in
Edessa, Jesu dem guten Heilande, der in dem Lande um Jerusalem erschienen ist,
alles Heil!
[HiG.03_45.03.27,02] Ich habe von Dir gehört
und von Deinen Gesundmachungen, wie Du sie ohne Arzneimittel und Kräuter
verrichtest. Denn die Rede geht, daß Du die Blinden sehen machst, die Lahmen
gehen, daß Du die Aussätzigen reinigst und die unreinen Geister austreibst und
diejenigen heilst, die mit langwierigen Krankheiten kämpfen, und endlich sogar
die Toten auferweckst.
[HiG.03_45.03.27,03] Nachdem ich alle diese
Dinge von Dir gehört habe, so habe ich demnach bei mir selbst geschlossen,
eines von beidem müsse wahr sein: entweder Du seiest Gott, vom Himmel
herabgekommen – oder Du, der diese Dinge tut, seiest doch zum wenigsten ein
Sohn des großen Gottes!
[HiG.03_45.03.27,04] Ich ersuche Dich daher
durch dieses Schreiben, Dich zu mir zu bemühen, um die Krankheit, die ich habe,
zu heilen!
[HiG.03_45.03.27,05] Ich habe auch gehört,
daß die Juden wider Dich murren und Dir Böses zufügen wollen. – Ich aber habe
eine zwar kleine, aber wohlgeordnete Stadt, welche für uns beide hinreichend
sein wird. Daher komme Du, mein überaus hochgeachtetster Freund Jesus, zu mir
und bleibe bei mir in meiner Stadt und in meinem Lande! Da sollst Du von
jedermann auf Händen und im Herzen getragen sein. – Ich erwarte Dich mit der
größten Sehnsucht meines Herzens!
[HiG.03_45.03.27,06] Gesandt durch meinen
getreuesten Knecht Brachus.
[HiG.03_45.03.27,00] Antwort des Herrn auf
diesen Brief des Königs Abgarus:
[HiG.03_45.03.27,01] Abgarus, du bist selig,
weil du Mich nicht gesehen und doch geglaubt hast! Denn siehe, es steht von Mir
geschrieben, daß die, welche Mich gesehen haben, nicht an Mich glauben werden,
auf daß die, welche Mich nicht gesehen haben, glauben und leben mögen in
Ewigkeit!
[HiG.03_45.03.27,02] Was aber das betrifft,
darum du Mir schriebst, daß Ich solle zu dir kommen, da Ich hier im Judenlande
verfolgt werde, da sage Ich dir: Es ist nötig, daß alles das, um dessentwillen
Ich gekommen bin in die Welt, an diesem Orte an Mir erfüllt werde, und daß Ich,
nachdem dieses alles in der Kürze an Mir erfüllt sein wird, zu Dem aufsteigen
werde, von dem Ich ausgegangen bin von Ewigheit.
[HiG.03_45.03.27,03] Sei aber geduldig in deiner
leichten Krankheit! So Ich in den Himmel werde aufgenommen sein, da werde Ich
einen Jünger zu dir senden, damit er deine Krankheit heile und dir und allen,
die bei dir sind, die wahre Gesundheit gebe!
[HiG.03_45.03.27,04] Geschrieben durch
Jakobus, einen Jünger des Herrn Jesu Christi, und übersandt durch Brachus, des
Königs Boten, aus der Gegend Genesareth.
[HiG.03_45.03.27] Liebster Freund und Bruder
im Herrn! – Ich glaube, diese Mitteilung wird Ihnen lieber sein als alle die
Schweizer Wirren, die nichts Erhebliches für den Himmel in sich bergen. –
Solche Briefe zwischen Jesum und dem Könige Abgarus sind mir noch sechs
angezeigt. – Wenn ich wieder nach Graz kommen werde, will ich sie Ihnen nebst
vielem anderen mitteilen ... J. L.
Segne die Feinde und behalte die Freunde im
Herzen. – 28. April 1845, Greifenburg.
[HiG.03_45.04.28] Anselm H. zum Namenstag.
Mein lieber, getreuer Ans. H. W., also spricht der Herr:
[HiG.03_45.04.28,01] Meine Liebe, Gnade und
Erbarmung deinem Hause allezeit; denn du bist ein emsiger Bürger Meines
Reiches, welches da ist das ewige Leben! Aber du hast manchmal ein heftig Gemüt
in deinem Hause, und zuzeiten läßt du erheitern dein Herz durch den leeren
Anblick einer schlanken Stadtdirne. Allein Ich sage dir: Das alles taugt nicht
in Meinem Vaterhause; denn an allem dem klebt irdisches Interesse der Welt, und
das taugt nicht ins Haus des Herrn alles Lebens, ins Haus des ewigen Vaters!
Darum lasse ab von dem, und du wirst Mir um viele Stufen näher kommen!
[HiG.03_45.04.28,02] Also hast du auch eine
Lust daran, aus den Zeitungen zu erfahren, was da alles in der Welt geschieht,
und machest dabei nicht selten einen Parteigänger, wünschest deiner Partei den
Sieg und der dir widrigen die Niederlage. Ich aber sage dir, daß da auch solches
nicht gut ist; denn wird deine Partei geschlagen, so wirst du voll Ärgers und
Ingrimms. Und siehe, das ist nicht ersprießlich für ein Herz, in dem Meine
Liebe wohnen soll; denn diese muß Freunde und Feinde mit gleicher Glut umfangen
– gleichwie die Sonne ihre Wärme und ihr Licht über alles ausströmt, ob es gut
oder böse ist.
[HiG.03_45.04.28,03] Siehe, alle Menschen
sind ja mehr oder weniger Sünder und sind ungerecht in ihren Urteilen. Willst
du aber gerecht sein, so muß dich der Menschen Ungerechtigkeit nicht ärgern!
Segne die Feinde und behalte die Freunde im Herzen, so wirst du Mir gleichen,
der Ich am Kreuze die segnete, die Mich gekreuziget haben! –
[HiG.03_45.04.28,04] Diese Belehrung sei dir
eine köstliche Gabe – befolge sie, so wirst du einen großen Nutzen haben
zeitlich und ewig.
[HiG.03_45.04.28,05] Meine Liebe, Gnade und
Erbarmung deinem Hause – und ein kleines Kreuzlein, das Ich dir werde zukommen
lassen aus Meiner Liebe Amen.
Meine Liebe ist das kräftigste, wahre
Heilmittel. – 15. September 1845, Greifenburg.
[HiG.03_45.09.15] An C. L. Also aber spricht
der Herr:
[HiG.03_45.09.15,01] Höre, du Mein schwacher
Sohn Meiner Gnade! Willst du zur wahren Gesundheit gelangen – wie des Geistes
und so auch zeitlich des Leibes, so salbe dein Herz fleißig mit Meiner Liebe,
Gnade und Erbarmung und räuchere deine Brust mit dem ewigen Weihrauch des
lebendigen Volltrauens zu Mir, deinem ewig lebendigen allmächtigen Vater, dann
wirst du zur wahren zeitlichen und ewigen Gesundheit gelangen!
[HiG.03_45.09.15,02] Glaube ja nicht in
deiner Brust, daß Ich dir nur durch eine gesegnete Medizin helfen kann, sondern
glaube vielmehr, daß Ich dir wie jedermann auch frei helfen kann.
[HiG.03_45.09.15,03] So du lebendig allein
bei Mir Hilfe suchst, so wirst du vollkommen gesund werden; denn da wirst du in
Meiner Liebe das kräftigste Heilmittel gegen jedes Übel in deiner eigenen Brust
tragen, welche Arznei ein alleiniges Universalmittel ist!
[HiG.03_45.09.15,04] Denn siehe, alle
irdischen Arzneien gleichen in Hinsicht ihrer Wirkung wie ein Kampf der
Höllengeister untereinander und sind daher allezeit ein wahres malum contra
malum. Meine Hilfe aber ist in jeder Hinsicht ein wahres bonum contra malum,
daher dasjenige wahre Heilmittel, durch das der Mensch allein von jeglichem Übel
aus dem Grunde für ewig geheilt werden kann!
[HiG.03_45.09.15,05] Hast du aber schon ein
zu geringes lebendiges Vertrauen zu Mir und suchst Meinen Segen mehr in der
Natur als in Mir, dem Urheber der Natur, so magst du ja die ‚evangelische
Salbe‘ gebrauchen, aber mit größter Ruhe des Gemütes, so wird es wohl auch
besser werden mit deinen Nerven, denen du nur höchst selten eine stärkende
Gebirgsluft zum Verspeisen zukommen läßt.
[HiG.03_45.09.15,06] Mache dich auf einige
Wochen von deinem Weltgeschäfte los und mache eine Reise in Meine freie
Schöpfung, das wird dich stärken in allem. Denn siehe, in den Städten der Welt
bin Ich wie ein ganz kleines, oft ganz versiegendes Bächlein, auf dem freien
Lande bin Ich wie ein Strom, und über den Bergen bin Ich wie ein Meer – und das
der Menschen wegen.
[HiG.03_45.09.15,07] Daher gehe zum Strome,
gehe zum Meere, so dir das Bächlein manchmal versiegt! Da wirst du viel Heilung
und Stärkung finden. Ich habe es euch ja allen gesagt, daß ihr gerne auf die
Berge gehen sollt. – Warum befolget ihr so wenig Meinen Rat und wollet lieber
krank als gesund sein im Geiste wie im Leibe!
[HiG.03_45.09.15,08] Meine Lehre ist allezeit
eine gar heilsame Lehre, wer sie befolgt, der wird niemals Not leiden und nie
zu klagen haben. Befolge daher auch du genau Meine Lehre! Hänge nicht zu ängstlich
an der Wohlfahrt deines Leibes, sondern sei stets volltrauig heiteren Herzens
in Meinem Namen, so wirst du gesund sein zeitlich und ewig amen – in Meinem
Namen amen, amen, amen. –
Nimm Mich zu deinem wahrsten Vater in dein
Herz. – 28. Dezember 1845, Greifenburg.
[HiG.03_45.12.28] An Elise H.
[HiG.03_45.12.28,01] Ich weiß um deinen Tag
und um den deiner Geburt, aber du weißt auch, daß Ich ein Feind des
Gratulierens bin. Darum auch sende Ich dir so spät als möglich nach deinem Tage
dieses Wörtlein und sage dir darin auch weiter nichts, als daß Ich dich recht
lieb habe! – mit welchem Wörtlein du, Meine liebe Tochter, aber auch vollends
zufrieden sein kannst.
[HiG.03_45.12.28,02] Du wirst zwar für eine
kurze Zeit ein kleines Kreuzlein überkommen, das wohl nicht mit irdischen
Diamanten besetzt sein wird, aber desto reichhaltiger an denen Meiner
Vaterliebe und Gnade wird es sein! Nimm Mich vollends zu Deinem wahrsten Vater
in dein Herz, so wirst du des Kreuzleins Bürde kaum wahrnehmen.
[HiG.03_45.12.28,03] Enthalte dich der Welt,
die nichts als Tod und Verderben feilhat, und halte fest an Meinem Herzen – und
zweifle ja nicht, daß Ich es bin, der dir das sagt, so wirst du zeitlich und
ewig selig sein in Mir, deinem Herrn und Vater! –
[HiG.03_45.12.28,04] Alle deine Sorgen und
unnötigen, dich so manchmal beklemmenden Gedanken lege nur fein auf Meine
Schultern, dann wird alles gutgehen, und wir werden allezeit zum rechten Ziele
gelangen!
[HiG.03_45.12.28,05] Aber was dich nur immer
in der Welt anlächelt, das fliehe im Herzen; denn wo du nun auf der Welt
hintrittst, Ich sage dir, da ist alles Maske, hinter welcher allerlei arges
Geschmeiß steckt! – Ich sage dir: Ärger war die Welt auch zu Noahs Zeiten
nicht, als sie jetzt in gar sehr vielen Stücken ist!
[HiG.03_45.12.28,06] Das nehme dir in aller
Liebe zu Mir so recht lebendig zu Herzen und ertrage alles geduldig und
gelassen sanft, so wirst du wachsen wie eine Zeder in Meiner Gnade!
[HiG.03_45.12.28,07] Klage aber auch nicht
über die Welt, sondern opfere alles Mir auf! Ich werde zur rechten Zeit alles
so machen und gestalten, wie es am allerrechtesten sein wird. Siehe, es hat die
Welt ihren Lauf, der Himmel den seinen, und kein Tag gleicht dem andern. Das
alles ist so in der Ordnung; denn auch an aller Welt muß die Weissagung erfüllt
werden, so wie sie an Mir erfüllet ward!
[HiG.03_45.12.28,08] Daher aber mag auch ein
jeder, der Mich liebt, in vollster Ruhe sein in seinem Herzen; denn er kann es
ja förmlich mit Händen greifen, daß da überall Meine ewige Ordnung vorherrscht.
Das Leben ist ein fortwährender Kampf; daher lasse dir den Weltkampf nicht zum
Grauen werden; denn wenn du in Meiner Liebe bist, da wirst du mit diesem Kampfe
wenig zu tun haben! – Ich allein bin für alle die Meinen der allmächtige
Kämpfer in Ewigkeit.
[HiG.03_45.12.28,09] Damit gebe Ich dir aber
auch Meinen lebendigen Segen und Meine Gnade amen. –
Ich will segnen, die du segnest! – 12.
Februar 1846, Greifenburg.
[HiG.03_46.02.12] An Julie H.
[HiG.03_46.02.12,01] Deine Freude ist
gerecht, daß Ich Mich Selbst freue in deiner Freude. Daher will Ich auch
segnen, die du segnest! – Die kleine Martha ist auch Mir recht lieb, denn ihre
Seele ist freier bei Mir denn die mancher anderen, die viel beten durch den
Mund, aber wenig durch das Herz. – Sage ihr daher, daß Ich sie recht lieb habe.
Und diese Meine Versicherung sei ihr ein teuerstes Bindband zu ihrem irdischen
Namensfeste!
[HiG.03_46.02.12,02] Was sie von Mir erbitten
wird, das will Ich ihr auch geben, so sie in der Liebe zu Mir verharren wird amen.
–
Dein Maß in Meinem Reiche. – 21. April 1846,
Greifenburg.
[HiG.03_46.04.21] An Anselm H. zum Namenstag.
[HiG.03_46.04.21,01] Du, den Ich im
Mutterleibe zu einem guten Gefäße geschaffen habe aus Lehm, Wasser und Geist,
den Ich nahm aus dem Odem Meines Herzens, siehe, Ich bin dein Gott und dein
göttlicher Vater! Was gabst du Mir zuvor darum, daß Ich dich gebildet habe? Ich
tat es frei und hatte nie einen Ratgeber, noch einen Helfer – also schuf Ich
jedes Ding, wie Dich, ohne Rat, Hilfe und Entgelt.
[HiG.03_46.04.21,02] Da aber schon Meine
Liebe und Weisheit so große Dinge tat an den Menschen, warum schätzen sich dann
die Geschaffenen unter sich? – Wer da sagt, dieser ist besser und jener
vorzüglicher, der tut Mir zuvor; denn das Urteil über ein Werk trifft den
Werkmeister und nicht das Werk.
[HiG.03_46.04.21,03] Wie tun aber die
Menschen – so ein Vater, so eine Mutter? – Sagen sie nicht: Siehe, mein Sohn,
du bist von besserer Geburt! Dir taugt die gemeine Dirne nicht zum Weibe, nimm
dir eine Ebenbürtige! Und du, meine Tochter, was hast du mit diesem Manne
niederen und dürftigen Standes zu tun? Siehe, es gibt Edle und Reiche, für die
deine Hand und dein Herz geschaffen. – Was meinst du wohl, geht diese
Klassifikation Mich, den Werkmeister, oder den Menschen, die alle gleich Mein
Werk sind, an? – Ich meine, das Urteil trifft Mich!
[HiG.03_46.04.21,04] Die Folge davon wird
sein eine große Musterung über dem Grabe; denn Ich als der ewig unendlich
Vollkommenste kann es doch nicht über Mich nehmen, daß Mich Meine Werke also
als unvollkommen schelten durch solche Urteile.
[HiG.03_46.04.21,05] Darum sage Ich dir:
Willst du auf der Erde des Himmels Vollkommenstes schauen, so schaue das
Allergeringste an, – denn das Höchste auf der Erde wird drüben das Unterste und
Elendeste sein.
[HiG.03_46.04.21,06] Willst du einen Maßstab
haben, der dir dein Maß in Meinem Reiche zeigen kann, dann suche, wer dir
gleichkommt – welchen Hauses Tochter soll dein Sohn nehmen dereinst, und von
welchem Gewichte solle der Mann für deine Tochter sein? – Frage dich aber
streng im Herzen, so wirst du es ganz genau finden, wieviel dir noch
übrigbleibt vor dem Innersten Meines Reiches. Denn da ist es nicht genug zu
sagen, siehe, mir sind alle Menschen gleich, und der Niederste ist meinem
Herzen am nächsten, sondern das muß lebendige Wahrheit sein im Geiste, umseelt
mit dem festesten Willen; dann auch ist Mein Reich im Menschen lebendig. Aber
wo noch wie immer gestaltete Grade über den Wert des Menschen (wohlverstanden
Menschen und nicht Räuber, Hurer, Ehebrecher, Diebe, Geizhälse, Totschläger und
dergleichen, die nicht Menschen, sondern Teufel sind) im Herzen auftauchen, wo
sich die Natur noch dagegen sträubt, da ist Mein Reich um noch ebenso viele
Grade entfernt, als um wie viele Grade sich jemand bei sich aus was immer für
Rücksichten für besser und vorzüglicher hält.
[HiG.03_46.04.21,07] Bis jemand nicht die
allerunterste Stufe in allen Außeninteressen seines Herzens wird erreicht
haben, wird er in Mein Reich nicht eingehen können; denn Ich habe Mir Selbst
das Niedrigste erwählet! –
[HiG.03_46.04.21,08] Siehe, das ist eine gute
Lehre und Gabe – sie ist der unfehlbarste, schnurgeradeste und somit kürzeste
Weg zu Mir, der als ein Angebinde für deinen Tag wohl am besten taugt. Nimm ihn
lebendig auf in deinem Herzen, so wird er dir auch die lebendige Frucht Meines
Wortes in dir bringen. Und wirst du Mein Wort haben, dann hast du auch Mein
Reich ewig amen. – Das sagt, Der dich im Mutterleibe aus Lehm, Wasser und Geist
gebildet hat amen, amen, amen. –
Im Kreuze keimt das ewige Leben für Seele und
Geist. – 11. September 1846, Greifenburg.
[HiG.03_46.09.11] An Carl R. v. Leitner.
[HiG.03_46.09.11,01] Höre Mich, du Mein
Freund und Bruder, aus deinem wohlgezierten Herzen! Mache dir aus deinem etwas
geschwächten Fuße nicht viel, mit der Zeit wird es schon besser werden mit ihm.
Siehe, alles ist gut, was Ich gebe; aber das Beste unter allen Meinen Gaben ist
das Kreuz, denn in diesem keimt das wahre ewige Leben für Seele und Geist! –
[HiG.03_46.09.11,02] Wenn die Bäume viel Blätter
treiben, dann kommt wenig oder wohl gar keine Frucht zum Vorscheine; sehen aber
die Bäume mehr mager und kränklich aus, dann geben sie viel Frucht. – Siehe,
also ist es auch mit dem Menschen, solange er lebt auf dieser Erde. Ist sein
Leib recht frisch und gesund, da fühlt er wenig von einem Bedürfnisse nach Mir
und läßt Mich bald, wie die Welt sagt, einen sogenannten ‚guten Mann‘ sein.
Aber bei einer kleinen Leibeskrankheit, besonders wenn diese die irdischen
Ärzte nicht beheben können, wird der Mensch wie mit einem Bande an Mich wieder
angezogen und fängt wieder an, bei Mir Hilfe zu suchen, was für seinen Geist
sehr heilsam ist. Denn also fängt dieser wieder an zu wachsen von innen und
arbeitet an künftigen Fruchttrieben fürs ewige Leben, was in sich viel besser
ist, als ein vollends gesunder Leib mit einem nahe toten Geiste, aus dem keine
Frucht zum ewigen Leben knospet.
[HiG.03_46.09.11,03] Siehe, aus dem Grunde
belasse Ich auch dir dein kleines Fußübelchen, das wahrlich in nichts anderem
besteht, als in einem ganz leichten Bändchen, das Ich ganz sanft nur um deinen
Fuß geschlungen habe, auf daß Ich sozusagen eine Handhabe in Meiner Hand habe,
um dich wahrhaft am Gängelbande über die Pestgefilde der Welt hin zum ewigen
Leben zu leiten! Daher ist auch dieses Bändchen etwas hartnäckig und läßt sich
weder so ganz durch eine Salbe wegschmieren, noch durch ein Bad wegwaschen! –
Wann es aber an der Zeit sein wird, werde Ich dich schon ganz gratis vollkommen
freilassen.
[HiG.03_46.09.11,04] Das diene zu deiner
Beruhigung und zu deinem großen Troste, auf daß du zeitweise nicht kleinmütig
werdest, so Ich manchmal das Bändchen etwas straffer halte. Du aber denke dabei
allezeit, so du im Fuße eine leise Unbehaglichkeit verspürst: Nun hat wieder
mein guter Vater im Himmel das Bändchen zu meinem Heile angezogen! – Ihm alle
meine Liebe darum!
[HiG.03_46.09.11,05] So du das öfter tun
wirst im Herzen, werde Ich auch stets mehr nachlassen am Bande des Fußes und
werde dagegen fester ergreifen das Band des Herzens, – aber die Fußwaschung ist
das erste bei der Wiedergeburt des Geistes!
[HiG.03_46.09.11,06] Damit sei dir Mein
Segen, Meine Liebe, Gnade und Erbarmung ewig amen. –
Beginn der Niederschrift des Werkes ‚Die
Erde‘ unter dem Titel: Natürliche und metaphysische oder geistige Darstellung
des Mittelpunktes der Erde. – 28. Dezember 1846, Graz. (Schluß des Werkes am
27. April 1847.)
[HiG.03_46.12.28] Schreiber: Ans. H. (nach
dem Diktat des Herrn an Jakob Lorber)
Fragen zu Texten bei Markus und Johannes. –
3. Januar 1847.
[HiG.03_47.01.03] (Fragende: Paul, Peter und
Pauline H.)
[HiG.03_47.01.03,00] Markus 9,10: Und sie
fragten Ihn und sprachen: Was sagen denn die Pharisäer und Schriftgelehrten,
daß Elias müsse zuvor kommen?
[HiG.03_47.01.03,00] Johannes 7,13: Doch
redete keiner frei von Ihm aus Furcht vor den Juden.
[HiG.03_47.01.03,00] Johannes 3,12: Wenn Ich
zu euch von dem Irdischen rede und ihr nicht glaubet, wie solltet ihr glauben,
wenn Ich zu euch von dem Himmlischen rede?
[HiG.03_47.01.03,01] Siehe, das ist die rechte
Form, wie die Welt gewöhnlich fragt bei allen Verheißungen aus den Himmeln, ob
sie nicht von den Wundern, die sich die Welt in ihrer großen Torheit darstellt,
vorbereitet werden. – Die in alle Blindheit verfallene Welt begründet sich
danach stets mehr in ihrer Torheit und malt sich die verheißenen Erscheinungen
am Ende auf eine solch materielle Art aus, wie sie in eines Engels Sinn nie
hätten aufkommen können. Kommen dann aber die vorgesagten Zeichen sicher in
einer ganz andern Gestalt, als sich selbe die dumme Welt ausgemalt hat, da wird
geradeso gefragt und der Elias wird, wie bei den Juden, allezeit vermißt.
[HiG.03_47.01.03,02] Also geht es nun mit der
Verheißung von Meinem tausendjährigen Reiche; man erwartet es materiell in
Meiner persönlichen Gegenwart! – Siehe, dieses Reich ist schon lange da im
Geiste und im Herzen der guten Menschen. Aber weil der materielle Elias – oder
die von der Verheißung voreingebildete Dummheit – nicht also zum Vorscheine
kommt, wie sich diese eben die Welt in ihrer ehernen Blindheit ausgemalt hat,
so geht es nun Mir und Meinem Reiche genau also, wie es Mir vor neunzehnhundert
Jahren ergangen ist.
[HiG.03_47.01.03,03] Nicht einen, sondern
wohl tausend Eliasse habe Ich seither, das Volk der Erde auf Meine Ankunft als
Vater vorbereitend, auftreten lassen, aber (es ging und) geht ihnen um nicht
vieles besser als dem Johannes in der Wüste. Dir, du Mein junger Frager, aber
diene das zur wahren Prüfung des Wortes! Willst du Mein Reich finden, da suche
du den kommen sollenden Elias in dir, der da ist ein rechter Wandel nach Meinem
Worte, dann wird Mein Reich schon kommen in aller Kraft und Herrlichkeit
inwendig in dir selbst! –
[HiG.03_47.01.03,04] Ich bin aber also auf
diesem vorgesagten rechten Wege wohl schon bei vielen, die sich alle schon in
Meinem Reiche befinden; aber diese Vielen gleichen jenen guten Juden, die sich
aus Furcht vor den bösen großen Weltjuden nicht frei von Mir zu reden getrauen.
War schon die Furcht der Juden gewisserart eine wechselseitige, wo sich der Große
vor dem Kleinen und also umgekehrt scheute. Aber in dem ist nun ein
Unterschied; denn nun fürchtet stets der Kleine den Großen. Doch das wird nur
noch eine kurze Zeit dauern, dann wird die Furcht sehr gewaltig verkehret
werden.
[HiG.03_47.01.03,05] Wenn dieses geschehen
wird, dann wird jeder Meines Reiches bestens verstehen, was der kommen sollende
Elias für ein Mann ist; dann wird auch das Mädchen, das jetzt Irdisches schwer
begreift, auch mit großer Leichtigkeit die himmlischen Dinge fassen, wenn sie ihr
auch nicht von irgendeinem selbstsüchtigen und sehr eigennützigen
Schulschwestern-Kollegium nach der Kapuziner Art erklärt werden! – Denn das
alles wird Mein Geist tun bei den Kleinen und Schwachen. Aber deshalb wird die
Welt doch stets sehr blind und dumm bleiben; denn diese wird den wahren Elias
nicht erkennen, wie sie ihn noch nie erkannt hat! –
[HiG.03_47.01.03,06] Ihr aber sollet den
Elias erkennen – und habet ihn auch schon erkannt; denn er ist schon lange bei
euch. – Wie ihr ihn aufnehmet, so nehmet ihr auch Mich auf; aber wohlverstanden
hauptsächlich geistig amen. – – –
Die Perle. – 31. Januar 1847.
[HiG.03_47.01.31,01] In des Meeres tiefem
Grunde, da wo die mächt'ge Woge erregt von grauser Windesbraut nimmer wühlt im
tiefgelegnen Meeressande und wohl leicht nicht trübt den kargen Schimmer, der,
ein Strahl der Sonne, noch die feuchte Meereswand durchwirrt und des Lichtes
letzte Spitzen taucht in Haies Falkenauge, – da ruht ganz still in
festgeschlossner Mutter eine hehre Frucht, die edelste der Tiefe, die, herauf
ans Sonnenlicht gebracht, der Sonne wird zum Spiegel – und glänzt und pranget
gleich mit ihr als Edelste mit der Edelsten! – Da schmückt mit ihr der König
seinen Herrscherthron, die Fürstin ihren Arm, Haupt und Hals. Der großen Perle
großen Wert weiß selbst ein Salomo genug zu schätzen nicht. – Die Edelsteine
müssen erst geschliffen werden, sonst zieren sie die Kronen nicht; doch keines
Schliffes bedarf die Perle mehr; wie sie der dunkle tiefe Meeresgrund gegeben,
so ist sie schon die herrlichste Juwele! –
[HiG.03_47.01.31,02] O Menschen! In euch auch
ist ein Meer, in seinen Friedenstiefen bergend solchen Schmuck, damit der Himmel
Fürsten reichlichst schmücken ihre Stirnen, Brust und Lenden! –
[HiG.03_47.01.31,03] Kennt ihr Menschen ihn,
kennt ihr die Perle, die der Armut Herz im armen Bruder birgt, und die
herrlicher und größer sich gestaltet in des Gebers liebend-warmem Herzen, das
da allzeit Gutes übt im stillen Meeresgrunde seines Liebefriedens – und edler
wird und hehrer als der Sonne lichterfüllte Sphären? – O seht, das ist des
Himmels Werden und sein Lichtgestalten in dem tiefen Lebensgrunde; Mein
Gotteswort mit Fleisch bedeckt zwar noch, doch himmlisch wirkend, weil selbst
Himmel über alle Himmel, also Himmel zeugend, schaffend, Licht gebärend in der
Mutter, die da ist die Liebe – Gottesliebe, Bruderliebe, allumfassend, all's
ergreifend, an sich ziehend und in ihrem Adel selbst das Allertiefstgesunkne
noch bemühet in ihr Edles zu verkehren, – gleichwie die Perle des tiefen Meeres
Schlamm in ihren hohen Adel zieht und ihn verkehret in ihr edles Wesen.
[HiG.03_47.01.31,04] Nicht richtet die Perle
den Schlamm, den sie verkehret in ihr Wesen durch ihr stilles Wirken, das die
Welt nicht sieht und nicht bemerkt, wo doch so viel Edles wird gezeugt, daß die
Welt den großen Wert nicht einmal kennt und ihn nicht zu schätzen weiß, – und
es wird da das Edelste und Köstlichste im engsten stillen Raum gezeugt.
[HiG.03_47.01.31,05] Also auch soll spiegeln
sich ein wahrer Mensch in der Perle eignem Schimmer, der da lieblicher wohl ist
als des Orions Feuerpracht, dann wird in sich er finden, was seines Lebens
Meerestiefe birgt.
[HiG.03_47.01.31,06] Der Weg ist offen,
schlummernd hat der Sturm sich gelegt; wer mag da zaudern noch?! – Handelt,
handelt nach dem Worte, werdet echter Perlen echte Fischer! – In eures Herzens
Meer der Barmherzigkeit senkt eures Willens Taucherglocke, und spannet eurer
Bruderliebe Netz über den Schlamm der Armut, da werdet einen guten Fang ihr
tun, – denn Ich Selbst werde als Perle der Perlen sein unter den Perlen, die
ihr in das Brudernetz eurer Liebe gefangen habt; denn wie die Perle in des
Meeres stiller Tiefe wird, so werde Ich in eurem Herzen eine Lebensperle, die
euch nimmer genommen wird ewig. –
[HiG.03_47.01.31,07] Ein Licht ist diese
Perle, ein Leben ist sie, ein lebendiges Wort, ein Himmel, Ich Selbst die Perle
der Perlen! Daher gehet und sammelt die Perlen, und so ihr die große findet,
dann gebet alles her und kaufet euch diese, denn Ich Selbst bin diese große
Perle, – wer die hat, der hat alles; denn ihr Wert wird ewig, ewig unschätzbar
verbleiben! – Also spricht ein Gott von Gott aus Gott, der Mensch ward, um die
Menschen zu Göttern zu machen. Werdet also durch die Perle der Perlen selbst zu
Perlen; werdet Götter durch Mich, euren Gott und Vater für ewig amen, amen,
amen. – – –
Sorget nicht, die Sorge beschwert das Herz! –
14. Februar 1847.
[HiG.03_47.02.14] Für Alexandrine und Julie
H.
[HiG.03_47.02.14,01] Schreibe nur, Ich weiß
es schon, was du hast! Deine beiden Klienten möchten von Mir ein Wörtlein,
darum, daß die eine geboren ward, und die andere, daß ihr Taufnamenstag naht,
wovon der Tag der Geburt freilich für jeden Menschen um sehr vieles mehr gilt
als der römische Taufnamenstag.
[HiG.03_47.02.14,02] Ich will aber darum
deinen beiden ein Gleiches geben, denn siehe, sie haben uns ja eben heute früh
das Haustor geöffnet. Darum müssen wir ihnen schon auch etwas recht Schönes
geben, daran sie eine rechte Herzensfreude haben sollen – und das als eine
Entschädigung für den heutigen Schreck an der Hausflur, von dem sie zwar nichts
mehr wissen, weil Ich ihnen das zu ihrem Besten wieder aus der Seele nahm. – Aber
das macht nichts. Sie werden derlei geistige Auftritte zwischen Mir und ihnen
dereinst schon gewahr werden und dann erst so recht erkennen, wie nahe, wie gut
Ich ihnen immer war, wie stets besorgt um ihr geistiges, seelisches und auch
leibliches Wohl.
[HiG.03_47.02.14,03] Und so schreibe denn
zuerst der kleinen Martha, daß Ich ihr durch dich sagen lasse, sie solle in
ihrer Liebe zu Mir verbleiben und Mich zum Hauptgegenstande ihrer Liebe machen
in ihrem Herzen, so wird sie mehr gewinnen in einer Minute, als mit all ihrem
Martha-Kümmern in tausend Jahren. Ich will aber ihren häuslichen Fleiß nicht
tadeln, sondern lediglich nur das, was dabei oft unnötig ist, wegwünschen.
[HiG.03_47.02.14,04] Dergleichen Unnötiges
taugt nicht zum Geschäft der Hauswirtschaft, das Ich gar wohl kenne; denn auch
Ich habe einst auf Erden im Hause Joseph allerlei häusliche Geschäfte besorgt
und verrichtet. – Recht und fleißig handeln ist gut, aber sich übertrieben um
etwas sorgen, das ist nicht recht; denn wer Mich kennt und liebt, der muß alle
Sorgen auf Mich legen, denn die Sorge beschwert das Herz und drückt es da oft
nieder, wo es sich zu Mir erheben soll.
[HiG.03_47.02.14,05] Also aber muß das Herz
fortwährend frei sein, damit es sich allezeit frei und leicht zu Mir erheben kann,
durch welche Erhebung es von Tag zu Tag geistiger und lebendiger werden kann.
[HiG.03_47.02.14,06] Noch eine Unnötigkeit
besteht in einer etwas übertriebenen Reinlichkeitsliebe im irdischen Hauswesen.
Die Reinlichkeit ist wohl überall recht, aber nur eine oft eitle Besorgnis
darum ist nicht in der rechten geistigen Ordnung. Denn alle Sorge taugt nicht
fürs Herz des Menschen und ist eitel, weil sie das Herz schwer macht. – Sorge
ist nur Meine Sache! Du, Meine liebe kleine Martha, aber sorge dich gar nicht,
denn siehe, alles was du tust, kannst du auch ganz sorglos tun und wirst dabei
geistig und leiblich gesund sein. Ob du dich sorgest oder nicht, deswegen wird
dennoch alles geschehen; denn so Ich es will, geschieht es ohne deine Sorge, –
will Ich es aber nicht, so magst du dich tausend Jahre Tag und Nacht sorgen, so
wird es dennoch nicht geschehen, darum, weil Ich es nicht will!
[HiG.03_47.02.14,07] So sich aber jemand
schon sorgen will, da sorge er sich allein um Mich und Mein Reich (das ist die
Liebe), alles andere wird ihm gratis hinzugegeben werden.
[HiG.03_47.02.14,08] Nun aber noch etwas,
Meine liebe Martha, du mußt deinen Tabakgusto verbannen; denn siehe, das ist
fürs erste häßlich, und fürs zweite ist es für deine Natur sehr schädlich.
Daher mußt du dich Mir zuliebe in diesem Stück schon recht bezähmen, sonst
wirst du noch lange nicht völlig gesund werden. Denn siehe, der abscheuliche
Tabak ist ein Gift und entsteht aus dem Teufelsdreck, wie auch die alten Weisen
diese Giftpflanze benannt haben. Daher mußt du dich darin wohl bezähmen, sonst
könnte Ich es neben dir mit der Zeit vor lauter Gestank ja nicht aushalten.
Denn siehe, dieses Unkraut stinkt besonders in dieser Zeit für Mich ganz
besonders, weil durch dasselbe gar so überaus viel Unheil angestiftet wird.
Daher lasse du in Zukunft das Schnupfen; es ist genug, daß die sich dieses
Unkrautes bedienen, die sich schon von Jugend auf daran gewöhnt haben. Aber
auch für diese wäre es besser, wenn sie es bleibenließen.
[HiG.03_47.02.14,09] Und siehe, das ist es
aber auch, was Ich dir – oder besser von dir nicht nur zu deinem Namenstage,
sondern allezeit wünsche! Und wirst du diesem Meinem Wunsche in deinem Herzen
entsprechen, so wirst du ehestens am Geiste und am Leibe gesund werden in der
Fülle Amen; das sage Ich, dein lieber heiliger Vater amen, amen, amen. –
[HiG.03_47.02.14,10] Und nun schreibe also
noch ein Wörtlein für die Schwester der kleinen Hausmartha, die heißt
Alexandrine.
[HiG.03_47.02.14,11] Von dir, du Meine liebe
Alexandrine, verlange ich nichts – als die Liebe. Denn siehe, die Schönen
gefallen auch Mir; und du bist schön, darum gefällst du Mir auch überaus wohl.
Aber du mußt da etwa nicht deinen Leib darunter verstehen, sondern dein Herz
nur, das gegen Meine armen Brüder und Schwestern sehr schön ist, was Mir an dir
überaus wohl gefällt.
[HiG.03_47.02.14,12] Aber dennoch habe Ich
etwas wider dich, und das ist, daß du manchmal in deinem Äußeren etwas eitel
tust und gerne sozusagen pitzelhaftig wirst. Siehe, derlei Krenwürzlein müssen
aus dem Leibe heraus, sonst verbittern sie mit der Zeit das Herz, und ein
bitteres Herz mag nicht annehmen Meine Liebe! – Das mußt du ganz ablegen, wie
du schon wirklich einen bedeutenden Teil abgelegt hast, dann wirst du dich ganz
für Meine Liebe eignen.
[HiG.03_47.02.14,13] Auch mußt du dich nicht
zu sehr auf die Frisierkunst verlegen, denn ein zu sehr in Zöpfen verwickelter
Kopf ist zumeist ein Aushängeschild des Herzens und zeigt an, daß dieses auch
zumeist so verflochten ist wie der Kopf mit seinen Zöpfen.
[HiG.03_47.02.14,14] Nummer drei aber will
Ich dir, du Mein liebstes Seelchen, noch etwas sagen: Da du nun noch recht jung
und natürlich zart und üppig bist, so meide die Fensterluft und setze dich nie
zu nahe an die Fenster, so wirst du nie einen Ausschlag, weder im Gesichte des
Leibes, noch im Gesichte deiner schönen Seele bekommen.
[HiG.03_47.02.14,15] Das alles wünsche Ich
dir nicht nur für den Geburtstag deines Leibes, sondern für deine ganze
Lebenszeit. Dann wirst du vollends Meine Geliebte sein und Ich dein lieber
heiliger Vater zeitlich und ewig amen. Das sage Ich in aller Meiner
zärtlichsten Liebe zu dir amen, amen, amen.
Alles, was von Mir ausgeht, ist eine Gabe. –
18. April 1847.
[HiG.03_47.04.18.a,01] Du möchtest schon
wieder eine gewisse Gratulation, und zwar für deinen Freund und Bruder Anselm
H. W. – aber siehe, was bei Mir einmal gilt, das gilt allezeit und ewig. Ich
bin nicht, daß Ich jemandem gratulierte gleich den albernen Menschen zum
Geburts- oder Namenstage. Denn das tun eben nur dumme Menschen, die nichts
geben können oder zumeist nichts geben wollen, so sie auch noch etwas geben
könnten, oder solche, die fürs Gratulieren etwas bekommen wollen oder
wenigstens möchten.
[HiG.03_47.04.18.a,02] Ich aber, der Ich nur
geben und nicht von jemandem irgend etwas nehmen kann, da ja ohnehin alles Mein
ist, was je irgend ein Mensch zu besitzen wähnt, kann niemandem gratulieren,
denn alles, was von Mir ausgeht, ist eine Gabe und unmöglich je eine
Gratulation!
[HiG.03_47.04.18.a,03] Wem könnte Ich wohl
irgend ein rechtes Glück wünschen und ihm es nicht geben, sondern, wie gesagt,
bloß nur wünschen, wie es die Menschen tun? Oder wie könnte Ich jemandem zu
irgendeinem Glücke gratulieren, als hätte er es etwa nicht von Mir erhalten?
[HiG.03_47.04.18.a,04] So du aber jemandem
etwas geben möchtest und gingest dann aber selbst zu dem Beteilten und möchtest
ihm dann noch obendrauf gratulieren darum, daß er so glücklich war, von dir
eine solche Glücksgabe zu bekommen, – müßtest du darob nicht zuerst dich selbst
auslachen ob solcher großen Dummheit, und müßte dich der Beteilte nicht selbst
für einen nahe Irrsinnigen halten, so du ihm zu dem, was du ihm gegeben, noch
obendrauf selbst gratulieren möchtest? Das können wohl andere, aber nicht der
Geber selbst tun.
[HiG.03_47.04.18.a,05] So es aber schon bei
den Menschen und unter den Menschen sehr läppisch und dumm wäre, so etwas zu
tun, was für ein Gesicht hätte das aber erst dann, so Ich, der Herr und
alleinige wahrste Geber aller guten Gaben, so etwas täte? Würden darob nicht
alle Kühe, Ochsen, Kälber, Pferde, Esel und Schafe auf alle Spitzen der Bäume
steigen und Mich und alle Welt auslachen? – Siehe, siehe, so etwas von Mir zu
verlangen, ist wohl noch sehr albern und läppisch von dir.
[HiG.03_47.04.18.a,06] Ich will und kann dem
A. H. W. wohl etwas geben, wie Ich ihm gar sehr vieles schon gegeben habe; aber
für eine Gratulation solle solch eine Gabe weder von dir, noch von jemand
anderem angesehen werden; denn wie schon gesagt, Ich kann nur geben, aber ewig
nie gratulieren. Daher folge hier auch eine Gabe, aber keine Gratulation.
Eine Gabe für A . H. W. – 18. April 1847
[HiG.03_47.04.18.b,01] Höre du, Mein lieber
und sehr fleißiger Abschreiber Meiner Liebegaben für Geist, Herz und Verstand,
der da ist eine Sehe der Seele! Du beklagst dich immer über allerlei Schwächen
deines Fleisches; bald ist dein Kopf nicht in der Ordnung, bald deine Füße,
manchmal auch dein Magen, den du öfter einer gewissen Blödheit beschuldigst.
Aber siehe, das kann nicht anders sein; denn du bist noch immer ein kleiner
Schwelger und trinkst Bier und Wein durcheinander und ißt dazu bald dies, bald
jenes, was dir gerade dann und wann schmeckt. Meinst du wohl, daß das deinem
Leibe dient? O mitnichten! Das alles ist ein Gift für deinen in Jahren schon
etwas vorgerückten Leib.
[HiG.03_47.04.18.b,02] Versuche nur einmal
und gib von allem, was du in einer Woche ißt und trinkst, nur einen kleinen
Teil in einen Topf und berieche nach acht Tagen dieses Topfes Inhalt, und du
müßtest sehr abgestumpfte Geruchsnerven haben, so dieser Gestank dir nicht
sogleich einen großen Ekel erzeugen würde.
[HiG.03_47.04.18.b,03] Wenn aber derlei
Allerhanddurcheinander in einem kalten Topfe so üble Mefitika erzeugt, was muß
es dann erst im warmen Magen alles für böse Dünste erzeugen, die sich dann mit
dem Blute vereinen und die Nerven des Leibes bösartig narkotisieren, woher dann
allerlei leibliche Schwächen erwachsen müssen!
[HiG.03_47.04.18.b,04] Wenn du aber dann und
wann etwas mehr kränklich wirst, so bleibst du zu Hause und wirst wieder
gesund. Da kommt dir die häusliche Diät wohl zustatten. Wird sie dir wohl
schaden, wenn du gesünder bist? Ich meine es nicht.
[HiG.03_47.04.18.b,05] Willst du recht gesund
sein und alt werden, so bleibe du schön fleißig bei deiner Hausdiät! Bestelle
dir abends zu Hause ein einfaches, dir gut schmeckendes Abendmahl, aber nicht
zu sauer und zu stark gesalzen, du magst etwas Wein mit Wasser genießen und
zuvor einen guten Gang ins Freie tun, so wirst du gesund und stark verbleiben.
Du magst auch dann und wann an schönen Tagen irgendwohin gehen, da ein guter
Wein ist, aber das schlechte Lumpengesüff von einem Bier meide! Denn das hat
alle schlechten Eigenschaften, nur keine guten – besonders in dieser betrügerischen
Zeit, in der Hopfen und Malz rein verdorben sind.
[HiG.03_47.04.18.b,06] Wenn noch irgend ein
reines Gersten- und Hopfenbier zu haben wäre, so wäre davon ein mäßiger Genuß
gerade nicht nachteilig, wenn auch eben nicht zu heilsam, weil es nur träge und
sehr herabstimmende Spezifika in sich enthält. Aber ein Bier, wie es hier in
diesem Orte fast allgemein bereitet wird, Ich sage es dir, ist ein barstes
Gift. Denn es nährt nicht und löscht nicht den Durst, sondern es betäubt nur
und erzeugt noch mehr Durst, damit die Leute desto mehr zu trinken genötigt
werden.
[HiG.03_47.04.18.b,07] Aber nicht nur für den
Leib, sondern noch bei weitem mehr für Seele und Geist ist das abendliche
Gasthausschmausen bei Bier und Tabakdampf überaus schädlich, da dabei durch die
schlechte Kost in den Leib allerlei scheußliche Spezifika aufgenommen werden,
die dann Seele und Geist trübe machen. Zu dem gesellt sich aber noch die Nacht
der Erde, in der auch das allerschlechteste psychische Spezifikalgesindel in
den Luftraum der Erde aufsteigt und im selben wo und wie nur möglich durch das
Fleisch, das es augenblicklich durchdringt, die Seele mit allerlei
Scheußlichkeiten besudelt und nicht selten mit unkeuschen Gedanken und
Begierden erfüllt.
[HiG.03_47.04.18.b,08] Siehe, du Mein lieber
Freund A. H. W., Ich bin auch ein leiblicher Arzt; wirst du Meinem Rate folgen,
dann wirst du stets recht gesund und stark in deinem Leibe wie in deiner Seele
sein, und dein Geist wird leicht Meister derselben werden.
[HiG.03_47.04.18.b,09] Dieses Rezept sei dir
daher auch eine angenehme Gabe von Mir zu deinem irdischen Namenstage. Befolge
es, und sein Segen soll nicht unterm Wege bleiben! Das sage Ich, Dein heiliger
bester Vater dir, amen, amen, amen.
Über den Wiedergeburtstag des Geistes. – 10.
Mai 1847.
[HiG.03_47.05.10] An die Elise H.
[HiG.03_47.05.10,01] Also wäre wieder ein
Geburtstag da. – Es kommen zwar die weltlichen Geburtstage auch von Mir, dem
Herrn alles Werdens und Seins, aber trotzdem sind Mir die Geburtstage des
Geistes mit den Sterbetagen des Fleisches lieber als eben die nun gar häufig
überaus mißlichen, ledigen Geburtstage des Fleisches.
[HiG.03_47.05.10,02] Ich will aber damit
nicht andeuten, als sollte da jemand ob des Wiedergeburtstages des Geistes und
dessen Seele auch schon wirklich dem Leibe nach sterben und somit alles
Zeitliche urplötzlich verlassen – o mitnichten, das verlange Ich nicht, und es
ist die gute Sache auch nicht also zu verstehen. Sondern mit dem Sterbetage des
Fleisches will Ich nur das Vergehen von allerlei weltlichen Gelüsten und
Begehrnissen ganz wohl gemeint und verstanden haben, weil keines Menschen Geist
und Seele völlig wiedergeboren werden können zum wahren Himmelreiche, solange
irgend weltliche Bekümmernisse an der leidigen Seele haften.
[HiG.03_47.05.10,03] Denn es geht mit der
Wiedergeburt des Geistes und der Seele fast gerade also, wie mit dem Aufsteigen
eines schon gefüllten sogenannten Luftballons. Dieser wird während des Füllens
mit Seilen, Stricken und allerart Schnüren an in die Erde eingeschlagenen
Pfählen befestigt, damit er nicht mit der halben Füllung aufsteige und dann in
der niederen Luftregion von allerlei Winden hin und her getrieben leicht an
irgendeinem harten Baumaste sich verhänge und Risse bekomme. Wenn er aber
vollgefüllt ist und fähig, in die höchsten Regionen aufzusteigen, so müssen
alsbald alle Seile, Stricke und Schnüre, die den Ballon früher an die Erde
festhielten, abgeschnitten werden. Sonst wird der Ballon wohl an den
Bindemitteln zerren, aber zum Aufsteigen in die freien Höhen wird er nicht
kommen, bis nicht die letzte Schnur abgerissen ist.
[HiG.03_47.05.10,04] Dieses Gleichnis aber
lehrt, daß ein Mensch, wenn er auch noch so voll guter, wahrer christlicher
Werke ist und sein Herz voll Liebe zu Mir und seinem Nächsten, er zwar alle
Fähigkeit in sich trägt, die volle Wiedergeburt des Geistes zu erlangen, aber
es halten ihn daneben so einige Schnürchen mit der Welt auch noch im Verbande!
– Solange diese Schnürchen aber nicht völlig abgeschnitten sind, so lange kann
auch sich der sonst selbst beste Mensch ebensowenig in die freie Höhe Meines
Lebensreiches aufschwingen, wie ein vollgefüllter Ballon, den aber noch gewisse
Schnüre an die Erde binden.
[HiG.03_47.05.10,05] Siehe du, Meine
allerliebste Tochter Elisabeth, das aber ist eben auch bei dir, wie bei deinem
Manne und deinen Kindern besonders der Fall. Du bist zufolge deiner Mir überaus
angenehmen Werke in deinem Herzen vollends fähig, die zweite Geburt zu
erlangen. Aber siehe, eine gewisse Zahl von Weltschnüren hält dich noch mit der
Welt im Verbande und hindert dich an der endlichen völligen Aufsteigung in Mein
Reich bei deinen Leibeslebzeiten, die dir zwar nach der einstigen Ablegung des
Leibes nicht entgehen wird, aber dir nun noch nicht eigen ist in der
praktischen Fülle ob der erwähnten immerhin lästigen, wennschon an sich mehr
unbedeutenden Weltschnürchen. Daher Ich dir zu diesem deinem Leibesgeburtstage
auch nichts angelegentlicher wünschen kann, als die baldige völlige Losschälung
von allem dem, was dich noch irgendwo an die Welt bindet.
[HiG.03_47.05.10,06] Prüfe dich aber nur
recht sorgfältigst selbst, und du wirst nach und nach leicht und bald alles
finden, was dich bei deinen Leibeslebzeiten die völlige Wiedergeburt nicht in
der Fülle erreichen läßt.
[HiG.03_47.05.10,07] Von Mir aus aber bist du
wohl schon wiedergeboren, und es fehlt dir sozusagen fast gar nichts mehr als
bloß die Aufsteigung. Diese aber ist aus überaus weisen Gründen jedem Menschen
selbst überlassen. Daher bemühe dich nur recht emsig, von der Welt auch in den
kleinsten Fäden los zu werden, so wirst du leicht und bald jenen zweiten,
vollkommenen Geburtstag für alle Ewigkeit erleben, der dir nimmer wird genommen
werden!
[HiG.03_47.05.10,08] Das ist der getreueste
und wahrste Wunsch Dessen, der dich schon eher geliebt hat, als die Erde noch
gegründet ward, – der dein wahrer Vater ist und bleiben wird von Ewigkeit zu
Ewigkeit amen, amen, amen. –
Viele sind berufen, aber wenige auserwählt. –
18. Mai 1847.
[HiG.03_47.05.18,01] Diese Stelle des Evangeliums
wird, wie nicht leichtlich eine andere, ganz grundfalsch nahe bei allen
Religionskonfessionen verstanden, denn fast alle sind der Meinung und bei den
Römern sogar des auf allen Predigerkanzeln verkündeten Glaubens, daß bloß die
wenigen Auserwählten in den Himmel kommen werden, alle andern als die vielen
Berufenen aber werden unfehlbar nach dem ebenso grundfalsch verstandenen
jüngsten Gerichtstage schnurgerade in die Hölle auf ewig verworfen werden. –
[HiG.03_47.05.18,02] Damit aber dieser Satz
des Evangeliums gründlich verstanden werden möge, will Ich ihn euch in einem
Bilde dartun in der Art, wie er so ganz eigentlich im Geiste und in der
Wahrheit verstanden werden soll. Und so vernehmet denn das Bild, welches also
lautet:
[HiG.03_47.05.18,03] Es war im Morgenlande
ein großer, mächtiger und weiser König. Sein Reich war groß, und viele Völker
beugten sich unter sein Zepter. Dieser König beschloß einmal bei sich, um
seiner Untertanen mannigfache Fähigkeiten näher kennenzulernen, ein übergroßes
Gastmahl zu geben, zu dem alle Hausväter mit ihren ältesten Söhnen und Töchtern
zu erscheinen geladen wurden, auf daß der König die weisesten und
geistreichsten Söhne aus den vielen Geladenen erwählte für seinen mannigfachen
Hofdienst, und die Töchter, so sie wohlgestaltet und wohlgebildet wären, zu
seinen Weibern und sonstigen Beischläferinnen.
[HiG.03_47.05.18,04] Da aber die Untertanen
solche Einladung vernommen hatten, entsetzten sie sich heimlich, da sie meinten,
das werde nur ein schlauer Vorwand des mächtigen Königs sein, um sie alle in
die Residenz zu locken, und wenn sie dann dort wären, sie dann alle übel
umzubringen, und seine Augenweide zu haben am Blute seiner Untertanen. – Daher
ließ sich ein jeglicher entschuldigen, und es kam niemand von den Geladenen in
den königlichen Palast.
[HiG.03_47.05.18,05] Als aber der König
merkte, aus was für heimlichem Grunde die vielen Geladenen zu seinem großen
Gastmahle sich nicht zu kommen getrauen, da sagte er zu den Einladern: „Was
soll ich nun tun? – Sehet, das große Gastmahl ist bereitet, wer soll es
verzehren? Ich sehe aber dennoch viele Neugierige auf den Gassen und auf den
Straßen und viele, die auf die Zäune steigen und dort warten und gaffen, um zu
sehen, was ich mit den Geladenen und zum Gastmahle Gekommenen tun werde. Gehet
daher mit großer Macht hinaus an die Zäune, Gassen und Straßen, und wen immer
ihr da treffet, den treibet herein, auf daß mein großes Mahl verzehret werde.
Sehet dabei auch nicht auf die geziemende Bekleidung, ob hochzeitlich oder
nicht, das ist nun gleich; denn nun handelt es sich vor allem um die Aufzehrung
des Mahles, auf daß es nicht verderbe. Ist dieses geschehen, dann erst wollen
wir untersuchen, was mein Gastmahl für Gäste hatte, und ob sie wohl alle würdig
waren, an diesem meinem Gastmahle teilgenommen zu haben.“
[HiG.03_47.05.18,06] Als die vielen Diener
von ihrem großen Könige solches Gebot erhalten hatten, eilten sie zu allen
Toren jählings hinaus und trieben alle, die sie trafen auf den Gassen, Straßen
und Zäunen, zum Gastmahle des Königs, und darunter waren viele, die geladen
waren.
[HiG.03_47.05.18,07] Da diese Gäste aber die
große Güte und Freundlichkeit des Königs merkten, da verging ihnen bald die
große törichte Furcht, und sie wurden überfröhlich und lobten und priesen dann
über die Maßen die große Güte und Weisheit des Königs und konnten nicht
begreifen, wie sie zu einer solchen törichten Furcht vor ihm haben gelangen
können.
[HiG.03_47.05.18,08] Als das Mahl aber
verzehrt war, da ging der König unter diesen vielen Gästen gar freundlichst
umher und besprach sich mit den Vätern und mit den Jünglingen und besah wohl
die Töchter; und wer ihm in seiner Art besonders gefiel, den wählte er aus der
ganzen großen Gästegesellschaft für seinen Hofdienst und ließ jedem Gewählten
sogleich königliche Gewänder antun. Das aber machte gar viele der Gäste
traurig, darum, daß ihnen nicht auch solche Ehre widerfuhr.
[HiG.03_47.05.18,09] Der König aber wandte
sich sobald zu den traurig Gewordenen und sagte zu ihnen: „Warum trauert ihr
deshalb, daß ich einige aus euch und euren Kindern für meinen Hofstaat erwählt
habe, darum, da ich sie vermöge der an ihnen entdeckten Eigenschaften wohl
brauchen kann; sind sie nicht eure Kinder? – Warum beneidet ihr trauernd sie um
ihr Los? – O sehet, sie haben nichts denn eine größere und oft sehr
verantwortliche Arbeit vor euch; in allem übrigen sind sie nichts mehr und
nichts weniger denn ihr, meine Freunde, so sie beachten mein Gesetz. Denn sie
alle, die ich da gewählt habe, haben das gleiche Gesetz und die gleiche
Freiheit wie ihr und können, so sie wollen, demselben zuwiderhandeln und in
solcher Handlung ein entsprechendes Gericht finden gleichwie ihr. – Mir, dem
Herrn, aber steht es zu, das Gesetz für sie, wie für euch, so ihr weise seid,
völlig aufzuheben, auf daß in meinem großen Reiche allenthalben eine große
Freiheit herrsche sowohl an meinem Hofstaate als ganz besonders bei allen
weisen Untertanen meines großen Reiches! – Darum beruhiget euch ob der Erwählten;
denn ich, euer Herr und König, bedarf auch vorzugsweise der Untertanen,
derentwegen ich so ganz eigentlich diese Hofdiener erwählet habe.“
[HiG.03_47.05.18,10] Als die Gäste solches
vom Könige vernommen hatten, da wurden sie überfroh und priesen die große Güte
und Weisheit ihres Königs. – Da aber die gar sehr vielen Gäste also jubelten,
fand sich unter ihnen auch ein räudiges Schaf von einem Gaste. – Während alle
andern jubelten und hoch frohlockten und dem großen Könige ‚Hosianna‘ riefen,
fing dieser an, den König zu schelten und verfluchte solch eigenwillige
gemeinste Herablassung des Königs zu seinem Volke.
[HiG.03_47.05.18,11] Diesen Einen aber ließ
der König sobald ergreifen und ihn vor sich stellen. Als dieser einzige
Schmäher vor dem Könige in garstigen Lumpen und Fetzen stand, da fragte ihn
erbittert der König: „Elender Schmäher und Verflucher meiner Güte und großen
Liebe zu meinem Volke, wie kamst du in solch unwürdigstem Anzuge in meine
königlichen Gemächer? – Weiß ich doch, daß du von jeher aller meiner Güte und
Weisheit widerstrebtest! – Du wohl hattest noch nie ein Hochzeitsgewand vor mir
angetan. Darum ergreifet ihn, ihr meine getreuen Diener, und werfet ihn in den
finstersten Kerker; allda solle er heulen und gewaltigst knirschen mit seinen Zähnen!!!“
– – –
[HiG.03_47.05.18,12] Sehet, nur von diesem
Einen ist die Rede, daß er in den Kerker geworfen ward, aber von den Geladenen
nicht. Bei denen wird nur ihre weltliche Dummheit und nicht ihre Bosheit
gerügt; aber das eine räudige Schaf kommt hier als gerichtet vor. Darum lernet
es nun durch dies Bild, was da ist der rechte innere Sinn dieses oben
angeführten Schrifttextes und haltet darum nicht nur die Auserwählten, sondern
auch die Berufenen für Meines Reiches würdig und wert amen, amen, amen. –
Nähere Beleuchtung der vorherigen Parabel und
eine neue Parabel. – 21. Mai 1847.
[HiG.03_47.05.21,01] Das Morgenland ist das
Reich Gottes, welches da ist das rechte Reich des Lebens – oder das ewige Leben
in sich selbst. Der König bin Ich, der Herr und Schöpfer aller Wesen und Dinge
von Ewigkeit.
[HiG.03_47.05.21,02] Das große Gastmahl ist
Meine Menschwerdung und das an sie gebundene große Werk der Erlösung, zu deren
Teilnahme gar viele, ja gar überaus viele berufen sind, und vorerst die
Hauptstämme Israels, die alle aber bekanntlich bis zur Stunde dazu noch nicht
erscheinen wollten, teils aus Furcht vor dem nichtverstandenen mosaischen
Gesetz, und teils aber auch ob der Hartnäckigkeit ihres Herzens und dessen
vollstem Unglauben.
[HiG.03_47.05.21,03] Die fähigen Söhne, die
für Meinen Dienst sollen auserwählt werden aus den vielen Berufenen, sind die
gewesenen und die bevorstehenden Verkündiger Meines Wortes. Und die schönen und
wohlgebildeten Töchter, die da zu Weibern und Beischläferinnen sollen erwählt werden,
sind die noch hie und da rein gebliebenen alten Lehren, Sitten und Gebräuche
der Juden, die ihre Knie noch nie vor Baal und Mammon gebeugt haben.
[HiG.03_47.05.21,04] Die Einlader sind zum
Teile Engel, Propheten und zuletzt alle die Apostel und Jünger und endlich alle
jene Knechte, die Mein Wort und Meine Lehre ganz unverfälscht an die Menschen
ausgebreitet haben.
[HiG.03_47.05.21,05] Und die auf den Gassen,
Straßen und Zäunen sind alle Menschen, die da auf der Erde gelebt haben, noch
leben und in der Zukunft hinfort noch leben werden, und zwar die auf den Gassen
– jene, die auf der Erde noch leben, wohl in irgendeiner christlichen Sekte
stecken, aber dessenungeachtet mit allen Torheiten der Welt behaftet sind und
das rechte Licht nicht ergreifen mögen oder wollen, auf daß sie ja nicht das
wahre ewige Leben überkommen mögen und vollends frei und selig werden.
[HiG.03_47.05.21,06] Die auf den Straßen sind
jene, die zwar auch noch auf der Erde leben, sich aber in irgendeinem jedermann
mehr oder weniger bekannten Heidentume befinden, – und endlich die auf den
Zäunen sind jene, die dem Leibe nach schon gestorben sind und sich in der
geistigen Welt ihrer Seele nach befinden und dort eben auch gleich noch zum
großen Gastmahle der Erlösung durch die rechten Umkehrmittel geladen werden.
[HiG.03_47.05.21,07] Und endlich der unter
allen den Geladenen und nun vielmehr förmlich mit Gewalt (der Liebe) zum
Gastmahle Getriebenen und Gezogenen befindliche Eine ohne Hochzeitsgewand ist
zunächst der Satan, und im weiteren Sinne alle diejenigen, welche ihm getreu
geblieben sind und durch gar kein Mittel zur Umkehr zu bewegen waren; deren
Los, wie die Parabel sagt, jener Kerker sein wird, darin ewige Finsternis
herrscht, und der voll ist des Heulens und Zähneknirschens, was soviel heißt
als: Unter dem Heulen ist Grundfalsches, dem Himmel Entgegengesetztestes, und
unter dem Zähneknirschen Grundböses und Zornglut der Hölle zu verstehen, weil,
so jemand von der höchsten Zornwut entbrannt ist, er mit den Zähnen zu
knirschen und zu klaffen anfängt gleich einer gereizten Hyäne oder gleich einem
vor Wut entbrannten grimmigen Tiger.
[HiG.03_47.05.21,08] Mit diesen wenigen
Worten ist nun die ganze Entsprechung zwischen dem materiellen Bilde und seinem
geistigen, wahren Inhalte enthüllt. Wer die Sache aber noch tiefer fassen
wollte und möchte, der tue gleichwie ein weiser Pflanzenforscher und Sammler,
der da mit sich Rat hielt und bei sich sprach:
[HiG.03_47.05.21,09] Was soll ich tun? Das
Pflanzen- und Graswerk der Äcker, Wiesen und Gärten kenne ich genau; was auf
den Alpen wächst, habe ich erforscht, auch was Sümpfe treiben und was der Meere
Wässer decken, ist mir nicht unbekannt. Von allem kenne ich genau Namen, Platz,
Wurzel, Stengel, Blatt, Blüte und Frucht. Was soll ich mit dieser Wissenschaft
denn nun noch weiter tun? – Siehe, nun fällt es mir bei! – Mein Auge will ich
stärker und stärker bewaffnen und mit ihm das innere Gebäude der Röhrchen,
Fasern und Zellen durchgehen, da werde ich sicher hinreichend Stoff zur
ferneren Ausbildung meines Geistes finden.
[HiG.03_47.05.21,10] Gut gedacht und noch
besser getan! – Der Botaniker hat völlig recht. Wer die Materie kennt und ihren
Weg, oder wer das Wort kennt und dessen Zweck, der tue gleich dem Botaniker, so
wird er in die Tiefen des Geistes dringen. – Aber wie, fragt jemand, solle ich
fürs tiefe Verständnis des Gotteswortes meine geistige Sehe bewaffnen, um mit
ihrer seltenen Hilfe dahin dringen zu können, wo nun für mein gegenwärtiges
Sehvermögen tiefe Nacht rastet?!
[HiG.03_47.05.21,11] O Freunde, das ist
leichter, als ihr es euch vorstellet. Der Glaube ist die gewöhnliche
unbewaffnete Sehe des Herzens. Der Glaube aber erwecke die Liebe – die ist das
Feuer, die Wärme und das Licht, welche drei Dinge in der einen Liebe alles
ausdehnen, erweitern, stets mehr vergrößern und endlich völlig entfalten,
gleichwie das Feuer, die Wärme und das Licht der Sonne es schon natürlich
ersichtlich jährlich vor jedermanns Augen ausüben.
[HiG.03_47.05.21,12] Mit der Liebe geselle
sich die Geduld, das ist der Dünger; dann die Demut, das ist der fruchtbare
Regen; und die Sanftmut, Erbarmung, Treue und Wahrhaftigkeit, das sind die
guten Winde, die alle bösen Ungewitter vertreiben.
[HiG.03_47.05.21,13] Diese Dinge festwillig
ins Herz gefaßt und danach getan – und die außerordentliche Bewaffnung der
Geistessehe ist in aller Fülle zustande gebracht, mittels welcher jeder aus
euch, der keines griesgrämigen Magens ist, in der Fülle die inneren endlosen
Wunder Meines gegebenen Wortes für ewig stets klarer und tiefer wird beschauen
können, wozu jedermann geladen und berufen ist für ewig amen, amen, amen. –
Du bist Petrus der Fels. 25. Mai 1847.
[HiG.03_47.05.25] Du bist Petrus (ein Fels),
auf diesem Felsen will Ich Meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle sollen
sie nicht überwältigen! – Dir will Ich die Schlüssel des Himmelreiches geben;
was du lösen wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gelöset sein, und was du
binden wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gebunden sein.
[HiG.03_47.05.25,01] Dieser Schrifttexte
wegen herrscht noch bis jetzt in allen christlichen Bezirken auf der Erde der
größte Irrtum und Wahn; denn alle ohne Ausnahme halten sich mehr oder weniger
für den Kirchfelsen Petri und vermeinen, die wirklichen Schlüssel zum Reiche
Gottes zu haben und dasselbe für die Hineinkommenwollenden nach Belieben zu
öffnen oder zu schließen, das heißt, das Wort des Evangeliums nach Willkür zu
geben, zu verstümmeln, vorzuenthalten, zu untersagen, dafür willkürliche Gebote
zu geben und darauf die ewigen Strafen zu legen, die Menschen durch derlei
Gebote zu möglichst vielen Sünden zu verleiten, diese dann nach Willkür
nachzulassen oder vorzuenthalten und gegen gewisse Bußwerke sogar vollkommene
oder unvollkommene Ablässe für alle begangenen Sünden zu erteilen oder wohl
auch vorzuenthalten!
[HiG.03_47.05.25,02] Hätte da jemand nur ein
Atom groß reinen Verstandes, so müßte er es um Meiner Gottheit willen ja doch
einsehen, daß Ich, der Ich lediglich nur das Gesetz der allgemeinen Bruderliebe
bei jeder Gelegenheit predigte, unmöglich dem Apostel Petrus wie allen anderen
Aposteln konnte eine solche Vollmacht gegeben haben und eine solche Bestimmung,
die sich doch offenbar mit der Nächstenliebe gerade also verhält, wie Hölle und
Himmel!
[HiG.03_47.05.25,03] Wer Gesetze gibt, der
gibt auch das Gericht; ist das Gericht Liebe? Ich nahm aber ja darum alles
Gericht am Kreuze auf Mich, auf daß den Menschen allein die Liebe bliebe, – wo
aber ist diese denkbar, wo eine Milliarde Richterstühle unter den sein
sollenden Brüdern aufgerichtet sind und wo man hinsieht, nichts als Gesetze
über Gesetze erblickt?! Ist das Petrus der Fels, auf dem Meine Kirche, welche
nichts ist und sein soll als bloß nur Liebe und wieder Liebe, erbaut werden
solle?!
[HiG.03_47.05.25,04] Jeder, der Mich wie
Petrus erkennt und liebt, ist ein rechter Fels, auf dem Ich Meine wahre Kirche,
die wahre Liebe und Weisheit aus Mir, erbauen kann und auch vollernstlich
wirklich erbaue. Wie aber soll dann irgendeine große oder kleine Gemeinde unter
irgendeinem Oberhaupte ein Fels sein, da jeder denkt und glaubt, was er will;
wo der eine mit den Lippen unverständliche Worte murmelt und solche Murmelei
für ein nützliches Gebet verkauft, der andere darüber flucht und spottet und
lacht, ein dritter als Richter auftritt und alles in den tiefsten Grund der
Hölle hinein verdammt?! – Kann solch eine Gemeinde oder ihr Vorstand der Fels
sein, auf dem Meine Kirche gebaut ist, die die Pforten der Hölle nimmer
überwältigen sollen?!
[HiG.03_47.05.25,05] Ich sagte: An der Liebe,
so ihr euch untereinander liebet, wie Ich euch liebe, wird man erkennen, daß
ihr wahrhaft Meine Jünger seid! – Die Liebe also gab Ich als das alleinige
Kennzeichen, aus dem man erkennen kann, ob jemand ein wahrer Fels ist, auf dem
Meine Kirche erbaut ist. – Wie soll aber dann der nun so vervielfältigte
Richterstuhl unter den sein sollenden Brüdern ein Kennzeichen des von der Hölle
nicht überwundenen Felsens Petri sein und Meiner darauf erbauten Kirche?! – O
du entsetzlich blinde Dummheit der Menschen dieser Zeit, die du dich von der
Hölle unüberwunden hältst und befindest dich allem deinem Handeln nach schon
lange, lange, lange mitten darin!
[HiG.03_47.05.25,06] Hätte Ich wollen eine
sichtbare Kirche damit stiften, so hätte Ich wohl zu allen Aposteln und Jüngern
gesagt: Ihr alle seid Petrus. Allein solches sagte Ich ja doch gar zu
handgreiflich allein zu Petrus darum, da er der erste war, der Mich Meiner
göttlichen Natur nach erkannte! – Er war sonach auch der erste, dem Ich in seinem
Glauben und Vertrauen die Schlüssel zum Himmelreiche gab, welches da ist ein
Reich der Liebe zu Gott im Herzen des Menschen und daraus erst die wahre Liebe
zum Nächsten, zu welcher Liebe aber niemand ohne vorhergehende Erkenntnis
Gottes gelangen kann, da doch sicher jedermann den zuerst kennen muß, bis er
ihn lieben kann.
[HiG.03_47.05.25,07] Diese Gottes- und
Nächstenliebe ist also das wahre Reich Gottes, die einzig wahre lebendige
Kirche, die auf dem Felsen der richtigen Erkenntnis und des daraus abgeleiteten
festen und unerschütterlichen Glaubens und Vertrauens erbaut ist, die freilich
keine Hölle mehr zerstören kann.
[HiG.03_47.05.25,08] Aber äußeres
gemeinschaftliches zeremonielles Parade- und Prunkwerk von einer sein sollenden
unüberwindlichen Kirche Christi auf irgendeinem goldenen und silbernen Felsen
Petri ist ebensowenig Kirche und Fels Petri, wie die Hölle ein Himmel ist oder
der Kot eines Schweins ein Diamant. – Oder habe Ich wohl je gesagt: Am Golde,
Silber, an Edelsteinen, kostbaren Meßkleidern, an großer irdischer Macht und am
größten irdischen Ansehen, an den prachtvollsten Kirchengebäuden, Glocken und
Orgeln, an der lateinischen Sprache und dergleichen mehr wird man erkennen, daß
ihr Meine Jünger seid? – Wahrlich, wahrlich, so etwas ist von Mir nie als
Kennzeichen Meiner wahren Kirche vorbezeichnet und vorhergesagt worden; durch
Johannes wohl in der Offenbarung, wo von der großen Hure die Rede ist, – diese
wird aber doch etwa der Fels Petri nicht sein?!
[HiG.03_47.05.25,09] Simon Jona, der ein
wahrer Petrus war, sagte zu einem, den er mit Meinem wahren Geiste in ihm
gesund machte: „Gold und Silber habe ich nicht, aber was ich habe, das gebe ich
dir!“ – Ob wohl nun mit gutem Gewissen, ohne sich vor der ganzen Welt
lächerlich zu machen, das auch der sein wollende und sollende Nachfolger Petri
in Rom, die Bischöfe in England, manche Superintendenten in Deutschland und der
mächtige Patriarch aller Griechen von sich aussagen könnten?! Ob sie etwa wohl
auch keine Säcke, keine Schuhe und keine Stecken haben? – O sehet, wie war
Petrus und wie war seine Liebekirche auf dem Felsen seines Herzens gebaut, und
was war ihr Grund, und wie sind nun alle die gegenwärtigen Kirchen gebaut, und
was ist ihr Grund? Ich meine, das muß sogar ein Blinder begreifen und auch
sehen, geschweige erst einer, dem die Augen doch schon ziemlich geöffnet sind.
[HiG.03_47.05.25,10] Es kommt die Zeit, wo
man Gott allenthalben im Geiste und in der Wahrheit anbeten wird, und nicht zu
Jerusalem und nicht auf dem Berge Garizim! – Also leset ihr auch in der
Schrift. – Demnach aber ist dann ja Geist, Wahrheit, rechte Erkenntnis, Glaube,
Vertrauen und wahre Liebe zu Gott und dem Nächsten in jedes einzelnen Menschen
Herzen der einzig und alleinig wahre Fels und die dann von Mir Selbst darauf
lebendig erbaute Kirche, die allein der Hölle Trotz bieten kann ewig. Alles
andere aber ist ein eitles Werk der Menschen und gilt für ganz und gar nichts
und gibt gegen die Hölle nicht den allerleisesten Schutz, wenn der wahre Fels
und die wahre lebendige, bei jedem einzelnen Menschen erbaute Kirche dabei
mangelt.
[HiG.03_47.05.25,11] Es ist daher auch eine
eitle Frage, welche äußere, sichtbare Kirche unter den vielen, die Meinen Namen
führen, die rechte sei. – Die Antwort darauf lautet und kann ewig nie anders
lauten als: Gar keine! – Nur die Kirche im Herzen, das Ich gemacht habe, ist
die alleinig rechte und vor der Hölle für ewig gesicherte; alles andere hat die
Welt ausgeheckt, gehört ihr an und gilt vor Mir ewig nichts!
[HiG.03_47.05.25,12] Sonach sind auch die
Schlüssel zu Meinem Reiche nur in der lebendigen, allein wahren Kirche, nie
aber in irgendeiner kirchlichen Gemeinde oder bei deren Vorstande zu suchen.
Was jemand dann aus dieser seiner eigenen, von Mir in seinem Herzen erbauten
lebendigen Kirche für sich lösen oder binden wird auf der Erde seines
Naturlebens und des Lebens seiner Brüder, das ist schon auch im Himmel gelöset
oder gebunden, weil diese allein wahre Kirche ja schon der eigentliche Himmel
selbst ist – oder noch deutlicher gesagt: Was immer jemand in und aus solcher
seiner mächtigen Liebekirche verrichten wird, das wird auch im Himmel
verrichtet sein für ewig.
[HiG.03_47.05.25,13] Das sind demnach auch
die rechten Schlüssel zum Himmelreiche, daß ihr Mich als euren heiligen
wahrsten Gott und Vater erkennet, über alles liebet und eure Brüder und
Schwestern wie euch selbst. Ist das bei euch der Fall, so habt ihr Petrum, die
wahre Kirche voll ausgebaut und die echten Schlüssel zum Himmelreiche; alles
andere aber ist eine Null! – Dies verstehet also wohl und lebet danach amen,
amen, amen. –
29. Mai 1847. (Du bist Petrus der Fels,
Fortsetzung)
[HiG.03_47.05.29,00] So aber da jemand unter
euch ob des Felsens Petri fragen möchte und sagen: Ja, wenn dieser Fels also
rein geistig zu nehmen und nur in jedem Menschen einzeln zu suchen ist und im
Vorstande einer Gemeinde wie in der ganzen Gemeinde nicht zu verstehen ist,
warum läßt denn da der Herr zu, daß sich Jahrhunderte hindurch die Gemeinden in
den Haaren stecken und einander fort und fort auf das grausamste zerzausen bloß
wegen der rechten Felsenschaft Petri, da jede Gemeinde fest glaubt, in ihr sei
Petrus der Fels zu Hause?!
[HiG.03_47.05.29,01] Der Grund solcher
Zulassung liegt um gar vieles tiefer, als es jemand aus euch auf den ersten
Augenblick meinen möchte. Es soll freilich wohl nicht also sein, wie es ist, –
und doch muß es wieder also sein, weil alles andere noch so ist! – Dem Abraham
ist ein rechter Nachkomme erweckt worden geistig ohne sinnlichen Beischlaf,
desgleichen ward Johannes gezeugt, die Maria, und in der Urzeit geschahen
solche Zeugungen häufig, und so manche Propheten wurden auf diese Art gezeugt.
[HiG.03_47.05.29,02] Diese Zeugung ist
freilich die rechte und kommt noch jetzt nicht selten ohne Wissen der Eltern
vor; aber diese Art ist des Himmels und taugt für die Welt nicht, die aber doch
auch ob der möglichen Teilnahme an der Erlösung sein muß. Was bleibt da aber
dann anderes übrig, als der Welt ihre sinnliche Zeugungsweise zu belassen, und
sonach die alte Sünde nebst der völligen Erlösung fortbestehen zu lassen, auf
daß jede gefangene Naturseele in das Reich der Gnade und Erbarmung den
ungehinderten Weg habe so oder so! – Also müssen auch äußere Petrusse bestehen,
an denen sich die Kinder der Welt so oder so zurechtfinden mögen.
[HiG.03_47.05.29,03] Wie dem Geiste nur das
behagt, was seiner Natur ist, so behagt auch der Welt das, was ihrer Natur ist.
Da ist das Sprichwort am rechten Platze, das da besagt: Gleiches gesellt sich
am liebsten mit Gleichem. Es wäre auch von den Bäumen und anderen Pflanzen zu
wünschen, daß sie anstatt der vorhergehenden Blüte und noch mancher anderen
gewisserart zeremoniellen Erscheinlichkeit lieber sogleich reife Früchte zutage
förderten. Allein es geht die Sache einmal nicht anders, so aus dem großen
Wesenkreise alles, das noch zuunterst ist, endlich nach oben solle gerichtet
werden und da zur ewigen Freiheit gelangen!
[HiG.03_47.05.29,04] Also muß es auch
zugelassen sein, daß neben dem einzig rechten Geistwege der Welt auch ihre
verschiedenen Seitenwege und manchmal sogar die grellsten Irrwege belassen
werden, auf denen sie mit der Zeit dennoch entweder hier oder dort auf den
rechten Weg geleitet werden kann. Oder könnten wohl die Erstlinge, die von
unten her kommen, sogleich in die allein wahre innere Kirche des Geistes
eingetauft werden? Das ginge ebensowenig, als eine sogleich reife Frucht ohne
vorhergehende Blüte von einem Baume.
[HiG.03_47.05.29,05] Der Fürst der Nacht und
des Todes muß also neben der rechten Kirche, die auf dem Felsen Petri erbaut
ist, auch seine Weltkapelle haben. Aber aus dieser Kapelle geht dennoch ein Weg
in die rechte Kirche, und er kann niemanden daran hindern, der von dieser
Kapelle in die rechte Kirche übergehen will, so wie er euch nicht hindern
konnte, aus der gleichen Kapelle in Meine rechte Kirche überzugehen und in
selber zu verbleiben für ewig!
[HiG.03_47.05.29,06] Stellet euch aber unter
der rechten Kirche die Maria und unter der Weltkapelle die Martha vor, die viel
Lärmens macht um pur Weltliches, während die Maria mit ihrem besten Teile zu
Meinen Füßen Meine Lehre, die da allein ist Licht und Leben, behorcht und sie
in ihr Herz aufnimmt! – Als aber ihr Bruder im Grabe war, da weinten aber
dennoch beide gleich, und beide kamen zu Mir, daß Ich ihn erweckte, der tot –
im Grabe – gebunden und voll Gestankes modernd lag!!! – – –
[HiG.03_47.05.29,07] Doch darüber nichts
weiter mehr! – Ich meine, ihr werdet aus dieser Gabe gar leicht entnehmen
können, warum neben der rechten Kirche Petri im Herzen auch äußere zugelassen sind;
daher davon etwas Weiteres zu sagen auch völlig überflüssig wäre. Darum
beachtet dieses wohl im Herzen amen. –
Deine Freunde und Brüder. – Erklärung der
zehn Buchstaben in ‚Haushaltung Gottes‘, 1. Band, 3. Kapitel, 12. Vers nach
ihrem geistigen Sinn – 27. Mai 1847.
[HiG.03_47.05.27,01] Vers 12: „Siehe, Ich
will sie dir alle beim Namen: H1, L, V1, T, S, S, A, A, S, S nennen. Sie sollen
alle Meinen Vatergruß empfangen und heute noch, wenn sie wollen, sollen ihnen
die Pforten der Himmel geöffnet werden, das die Augen ihres Geistes sind, und
Ich will noch heute wohnen in ihren Herzen. Nur eines noch sollen sie mit
Beharrlichkeit tun, nämlich ihr Fleisch sollen sie reinwaschen aus dem Brunnen,
da lebendiges Wasser innen ist, und einen Stab sollen sie nehmen, der zur
Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß ist; den sollen sie zur Hälfte abbrechen,
und den schwarzen Teil sollen sie der Welt unter die Füße werfen und den weißen
Teil für sich behalten zum Zeichen, daß sie mit der Welt und mit ihrem Fleische
auf immer gebrochen haben.“
[HiG.03_47.05.27,02] Was diese von Anfange an
bisher noch nicht verstandenen zehn Buchstaben betrifft, so liegt fürs erste
das Heil der Sonne und des Mondes nicht daran, und die Sterne gehen auch ihren
Weg fort, ohne sich durch das Unverständnis dieser zehn Buchstaben beirren zu
lassen. Jeder von euch aber weiß, daß fürs ewige Leben nur eines not tut; wer
auf das sieht und danach trachtet, hat für seinen Geist den besten Teil
erwählt, – alles andere kommt zur rechten Zeit als eine freie Zugabe hinzu. Und
so hätte auch ein jeder von euch seinem Geiste nach dies kleine Geheimnis schon
lange enthüllt haben können, so er sich darum ernstlich und volltraulich in
seinem Herzen fragend an Mich gewandt hätte. Statt dessen aber habt ihr wohl
öfter schon nachgegrübelt – mit eurem Verstande bei weitem mehr als mit dem
Herzen – und daher rührt es dann aber auch, daß ihr dies leichte Geheimnis noch
nicht verstehet, und das darum, weil dergleichen Dinge für den Verstand nicht
gegeben sind, sondern lediglich nur für das Herz und für den Geist!
[HiG.03_47.05.27,03] Auf daß aber euer noch
stark unverständiges Herz in rein geistigen Dingen nicht noch länger den
leidigen Verstand als Auskundschafter in das geistige Geheimnisrevier aussenden
soll wie einen blinden Jäger, der ihm noch nie irgendein fettes Wild
heimgebracht hat, sondern allezeit nur ein halbvermodertes Aas, so will Ich
euch gleichwohl die unter diesen zehn Buchstaben bezeichneten symbolischen
Freunde näher bekanntgeben; und so höret es, und fasset es wohl!
[HiG.03_47.05.27,04] H1 bezeichnet die Hölle
als fleischliches Angehör der Seele; die Zahl 1 bedeutet die Hoffart,
Herrschsucht und den Hochmut eben der Hölle in jedem Menschen und somit auch in
euch. Die Hölle ist aber jedes irdischen Menschen innigster Freund, indem sie
ihm alles verschafft, was seiner Natur schmeichelt und dieselbe mit allerlei
fleischlich behaglichsten Reizen erfüllt.
[HiG.03_47.05.27,05] Will Ich nun einen
Menschen in Mein Reich aufnehmen und ihn erziehen zum ewigen Leben, so muß Ich
auch seine Freundschaft aufnehmen, von der sich der Mensch, solange er auf der
Erde lebt, nie völlig zu trennen imstande ist; darum auch die Sünde, als
Angehör dieses Freundes, vor Meinen Augen als völlig getilgt erscheinen muß,
ohne welche Erscheinlichkeit eine weitere Erziehung eures Geistes nicht denkbar
ist und sein kann. Mit anderen Worten gesagt: So Ich euch erhalten will, muß
Ich auch um eure Haushölle Meine heiligen Vaterhände schlingen und so euch samt
eurer noch bis jetzt sehr intimen Freundin in Meinen Schoß erheben! – Da habt
ihr nun den ersten Buchstaben, dessen Enthüllung Ich euch bisher verschwiegen
habe, und das aus wohlweisen Gründen.
[HiG.03_47.05.27,06] Das darauffolgende L
bezeichnet alle möglichen Leidenschaften, die eben aus H hervorgehen. Daß die
Leidenschaften auch Freunde des Menschen sind seiner fleischlichen Natur nach
und alle von Mir ergriffen, erhoben und in Edles verkehrt werden müssen, wenn
des Menschen Geist genesen solle zum ewigen Leben, das wird sich etwa doch wohl
allerklarst von selbst verstehen?!
[HiG.03_47.05.27,07] V1 bedeutet die
Vernunft, gepaart mit dem Verstande, wie ihn die Welt oder die Hölle dem
äußeren Naturmenschen gibt. – Daß dieses alle Welt beherrschende Ehepaar nebst
der Hölle in jegliches Menschen größter freundschaftlicher Gunst steht, braucht
kaum näher erwähnt zu werden; denn alles läßt ein Mensch eher fahren als diese
seine besten und intimsten Hausfreunde. Ist ein Mensch manchmal auch mit seiner
anderen inneren Weltfreundschaft eben nicht am zufriedensten, so hat er aber
doch gegen diese zwei fast nie oder nur höchst selten etwas Kleinlichstes
einzuwenden.
[HiG.03_47.05.27,08] Will Ich aber den Menschen
zu Mir erheben, so bleibt nichts anderes übrig, als auch diesen seinen
intimsten Hausfreunden volle Amnestie zu geben. Ich meine, das dürfte wohl auch
jedem von euch sehr einleuchtend sein, indem auch ihr noch bis heute sehr große
Stücke auf diese eure alten Hausfreunde haltet, obschon ihr nebstbei wohl
einsehet, wie weit man mit ihnen im Lande des Geistes zu kommen imstande ist!
[HiG.03_47.05.27,09] Das T bezeichnet das mit
dem Verstande gleich emporkeimende Talent, durch welches der Mensch zu allerlei
Glanzstufen gelangen kann, auf denen das S (Selbstsucht) vorzugsweise zu Hause
ist und mit dieser das zweite S als Schadenfreude, – lauter Hausfreunde des
Menschen von der Welt, die Ich auch mit aufnehmen muß, wenn Ich seinen Geist
retten will!
[HiG.03_47.05.27,10] Aus diesen geht heraus
die treue Anhänglichkeit an allen Weltglanz und der Antrieb, stets höher in der
Weltgunst und in ihrem Vorteile zu steigen und sich herrschend soviel als
möglich über alles in seiner Art zu erheben, wozu ihm sein Freund T den Weg
gebahnt hat!
[HiG.03_47.05.27,11] Es versteht sich schon
wieder von selbst, daß bei der Aufnahme des Menschen nach seinem Geiste die
beiden Freunde A, A nicht zurückbleiben können und müssen zur Umkehr und wahren
geistigen Veredlung mit aufgenommen werden. Und so schon alles aufgenommen ist,
da können auch die beiden letzten S, S, als allerlei fleischliche Sinnlichkeit,
die bei jedem Menschen legionfach ist, und endlich die jedermann wohlbekannte
weltliche, überdumme Sittlichkeit, als Mode, Komplimente usw., nicht
zurückbleiben.
[HiG.03_47.05.27,12] Seht, das sind die im
Hauptwerke angeführten Freunde und Brüder in euch, so wie in Meinem Knechte,
unter dem aber jedermann verstanden wird. Diesen sollt ihr in euch laut
verkünden, daß Ich nach ihnen Meine Hände ausgestreckt habe und habe ihr Böses
gewaschen, die Sünde hinweggetan und sie mit den wahren Interessen eures
Geistes in Einklang gebracht, auf daß ihr nun, so ihr wollt, ganz ungehindert
den treu gezeigten Weg des Lichtes und des Lebens fortwandeln könnet.
[HiG.03_47.05.27,13] Wollt ihr aber alles
dessenungeachtet diesen euren alten Freunden treuer verbleiben denn Mir, der
Ich euch ohne euer Zutun diese große Gnade und heiligste Vaterhuld erwies, so
steht es euch auch frei. Auch davon wird das Heil der Sonne und des Mondes
nicht abhängen, und die Sterne werden ihren Weg nicht verfehlen! – Denn das
wißt ihr ja lange schon, daß von Mir aus für den Geist kein Muß besteht! – Ich
meine aber, da Ich für euch schon so viel getan habe, so werdet ihr auch das
Wenige tun, nämlich fortan stärker und stärker mit eurer Liebe Mir anhangen und
eure Brüder nicht im Stiche lassen! –
[HiG.03_47.05.27,14] Ich hätte euch aber die
zehn Freunde eures irdischen Lebens im Fleische wohl schon lange erklären
können, wenn das für euch heilsam gewesen wäre; aber da Ich wohl sah, daß diese
eure alten Freunde in euch einen starken Lärm geschlagen hätten, so Ich sie
euch vor der Zeit mehr als bloß nur dem Anfangsbuchstaben nach bekanntgegeben
hätte, und da nur in der Person des Knechtes, so habe Ich solche nähere
Bestimmung bisher verzögert.
[HiG.03_47.05.27,15] Da ihr sie aber nun
habt, so ist es nun auch an euch, sehr ernstlich darüber nachzudenken und den
im Hauptwerke verlangten Auftrag, soviel es nur immer eure Kräfte vermögen, an
eben diese zehn Buchstaben auszurichten; denn solange ihr die nähere Bedeutung
dieser Buchstaben nicht kanntet, da tat Ich für euch, was Ich in der Person des
Knechtes vom Knechte selbst und von jedem aus euch verlangte und noch verlange.
[HiG.03_47.05.27,16] Nun euch aber dieses
Geheimnis enthüllt ist, seid ihr selbst verpflichtet, diesen Auftrag an euch zu
erfüllen, ansonst ihr nicht völlig geschickt zu Meinem Reiche sein könntet, –
denn hier heißt es die Hand an den Pflug legen und sich dabei nicht nach
rückwärts kehren! – Ich habe aber euch dennoch auf anderen Wegen stets gezeigt,
was im Naturmenschen ist, und was er zu tun hat, den Naturmenschen nach und
nach in den geistigen zu verkehren. Und so konntet ihr diese gegenwärtige
Enthüllung bisher schon entbehren und seid darum um nichts verkürzt worden und
habet den rechten Weg ohne Anstand fortwandeln können, was auch fürder der Fall
sein wird, so ihr das treu beachtet, was zu beachten Ich euch treulichst zeige.
[HiG.03_47.05.27,17] Vor allem aber haltet
euch an die Liebe; die wird euch nicht verlassen! Alles kann vergehen, nur die
Liebe bleibt ewig! Wo aber diese ist, da ist alles; denn die Liebe erhält alles
und ist überall der Grundstein alles Seins! – Seid daher nicht kleinmütig,
nicht traurig, nicht mürrisch, nicht grämig, sondern in allem beherzt, heiter,
fröhlichen Mutes und angenehmen und gefälligen Sinnes, Herzens und Geistes, so
werdet ihr leichten Weges wandeln und die Pforten des Himmelreiches stets weit
geöffnet vor euch haben, wodurch ihr dann ein leichtes Spiel haben werdet, eure
vorenthüllten Weltfreunde veredelt in Mein Reich einzuführen, was der heißeste
Liebewille Dessen ist, der euch hier durch den Knecht diese große Gnade erweist
amen, amen, amen. –
Wer alles treibt Ehebruch, Hurerei, Geilerei
und Unzucht? – 12. Juni 1847.
[HiG.03_47.06.12,01] Um die vorhergehende
Gabe noch gründlicher zu verstehen, sollen hier die Umstände noch näher
beleuchtet werden, unter denen Ehebruch, Hurerei, Geilerei und also die barste
Unzucht getrieben wird und was dergleichen zumeist veranlaßt.
[HiG.03_47.06.12,02] Ein Mensch, ob männlich
oder weiblich, treibt schon Hurerei durch allerlei Schwelgen und Prassen und
überhaupt durch alles, wodurch er seinem Fleische einen besonderen Lustreiz
zubringen will. Dergleichen sind die zahllosen öffentlichen Belustigungen, bei
denen sich die Menschen schon überhaupt freier und frecher benehmen als sonst
in ihrer gewöhnlichen Verfassung, durch die eben dem Fleische am meisten auf
die lustigste Art gedient wird. Wer dergleichen Belustigungen aufsucht und an
denselben teilnimmt, treibt schon Hurerei, weil er dadurch seinem eigenen
gefährlichsten Hausgötzen, seinem Fleische, opfert; zugleich aber begeht er
auch einen Ehebruch mit Mir, dem wahren Lebensbräutigame, indem er dadurch das
Gelübde seines Glaubens bricht. Zugleich aber ist er auch ein Geiler und
Unzüchtler; ein Geiler, weil er dem Fleische frönt, und ein Unzüchtler, weil
durch solche Handlungen nur der Tod, aber nicht das Leben gezeugt wird.
[HiG.03_47.06.12,03] Ferner treiben alle jene
die barste Hurerei, die ihren Leib in moderne weiche Kleider hüllen. Denn so da
jemand sagt: Man lebt in der Welt und muß also auch der Welt wegen nach der
Mode sich tragen, ansonst man für einen Tropf gehalten würde, der nicht Sitte
und Anstand beachtet. – O du Tor! Wer ist denn mehr, Ich oder die Welt? – So
Ich dir aber sage, daß, so du der Welt huldigst, Ich dich verstoßen werde auf
ewig, – wird dir dann auch noch deine dumme Welt mehr sein als Ich, der dir das
Leben gab und dir dasselbe wieder nehmen kann, wann Er will, auf ewig? – Den
Anstand der Welt magst du wohl berücksichtigen; aber der Anstand, den Ich, dein
Gott und Herr, von dir zu fordern wohl das erste Recht habe, ist dir wie
nichts, und du meinst, Ich werde dir das schon durch die Finger sehen. – Oh –
solche Meine Nachsicht wird dir bald ganz entsetzlich teuer zu stehen kommen.
Der ewige Abgrund wird es dir zeigen, wieviel Nachsicht Ich mit solchen
Welteseln hatte! – Da spricht ein Weltesel zum andern und eine Weltsau zur
andern: Aber höre, wo hast du denn deinen Frack und dein Beinkleid machen
lassen? Ah, dieser herrliche Schnitt, wie angegossen! Vortrefflich,
ausgezeichnet! – Du bist aber auch gewachsen wie ein Adonis, dir steht alles
überaus gut – und alles nach der letzten, somit neuesten Mode! – Nein, das muß
ich dir gleich nachmachen, denn nur mit solch gewählter Eleganz kann man bei
dem schönen Geschlecht als Sieger erscheinen!
[HiG.03_47.06.12,04] Noch mehr
Modephilosophie besitzt das weibliche Geschlecht, denn dieses kann Stunden,
Tage und Wochen mit nichts als Moden-, Kleiderstoffe-, Bänder- und
Spitzengeplauder zubringen, ohne nur einmal dabei zu bedenken, ob solch ein
tollstes hurerisches Geplauder Mir etwa doch mißfallen könnte! – Ich aber sage:
O nur zu und fortgefahren in solch dümmster Mode- und Kleiderhurerei, in diesem
gewebten Götzenopfer für euer stinkendes Fleisch, fürs Totenhaus eurer Seele
und eures Geistes. Gerade so recht gezierten Fleisches werdet ihr dem Satan am
besten gefallen; denn das ist seine Hauptsache, daß die Gräber übertüncht und
die Schmeißhaufen vergoldet werden. – Aber bei Mir, der Ich nur an der Zierde
des Geistes Mein Wohlgefallen habe, werden solche erpichte Mode- und
Kleiderhurer nie einen Einlaß finden, denn Ich habe vor nichts einen größeren
Ekel, als vor den sogenannten Modehelden und vor den Modeheldinnen!
[HiG.03_47.06.12,05] Wahrlich, so ihr
Menschen nach dem Pariser Tone nackt einherginget und trüget offen eure Scham,
da könntet ihr noch gar wohl selig werden. Da ihr aber euer Totenhaus so sehr
ausschmücket, werdet ihr im selben zugrunde gehen ewiglich! – Denn das alles
ist die barste Hurerei, der barste Ehebruch, die schnödeste Geilerei und
Unzucht am eigenen Wesen. Es ist ein geistiger Selbstmord, für dessen Heilung
selbst in den Gärten des Himmels kein Kräutlein wächst! – Denn wer da ob seines
starken Triebes eine Dirne beschläft, der kommt nach dem Akte gewöhnlich wieder
zu sich und fühlt nicht selten Reue über seine sündige Tat; dem ist daher auch
zu verzeihen, da er einsieht, daß er gefehlt hatte.
[HiG.03_47.06.12,06] Aber so ein Modeaas, so
ein Zierluder kommt nie zur Besinnung, nie zur Reue, und hält das schändliche,
hoffärtige, selbstsüchtige, überhurerische Aufputzen seines Totenhauses noch
obendrauf nicht nur für keine Sünde, sondern für ehrbar und geziemend und
schämt sich aber dabei nicht selten des dürftigen Bruders, der armen Schwester,
ja – hört es! – es schämt sich nicht selten seiner armen Eltern, – es schämt
sich Meiner! – Es schämt sich, bloß weil es einen nach der neuesten Mode
gezierten Mottensack herumträgt, zu Mir zu beten, es schämt sich, Meinen Namen
öffentlich zu bekennen!!!
[HiG.03_47.06.12,07] Ich frage hier, ob es
noch eine größere Art von Hurerei gibt, als da ist die Mode- und
Kleiderhurerei? – Ich aber sage dazu: Jeder Sünder wird bei Mir eher Eingang
finden, als solch ein dümmster Zierlümmel und eine modistische Ziersau. Für
diese, wie sie sind in ihrer echten Pariser Art, solle der Himmel wohl ewig nie
geöffnet werden. Wer Mich lästert, vor den kann Ich hintreten und ihm zeigen,
wie er Mich ohne Grund gelästert hat, und er wird sein Irren einsehen und wird
weinen, darum er Mir Unrecht tat, – und Ich werde ihm vergeben, und er wird Mir
ein Paulus werden!
[HiG.03_47.06.12,08] Was ist aber mit dem zu
machen, der sich Meiner offenbar schämt? Wahrlich, für den weiß Ich kein
Mittel! Denn dessen sich jemand schämt, dem weicht er ewig sorgfältiger aus als
der Pest; und das ist eben die Hauptnatur des Satans – das hochgepriesene
Schamgefühl nämlich!! – Eltern, präget euren Kindern nur recht viel Scham- und
Ehrgefühl der Welt ein, dann werdet ihr sie schon auf den besten Weg zur Hölle
setzen, von dem sie dann später nicht leicht mehr um ein Haarbreit abweichen
werden! Lehret die Mädchen ja recht streng und ernstlich, ihre Füße aus purer
Scham zu verbergen, aber dafür den A... recht auszuschoppen, Brust und Arme
aber dennoch nach der Mode mehr bloß zu tragen, – nur zu also! So ist es gerade
recht, um der Hölle vollends versichert zu sein! O ihr dümmsten Menschen, was
ist denn am Leibe ehrbarer oder schändlicher? – Ist denn nicht der ganze Leib
Mein Werk? – Wo aber steht es geschrieben, daß Ich auch Schändliches dem Leibe
angefügt habe?!
[HiG.03_47.06.12,09] Ihr seid schändliche
Mode- und Kleiderhurer, die ihr bloß, weil es Mode ist, einige Teile eures
Leibes schändlich und andere ehrbar findet. Und würde es Mode sein, den nackten
A... zur Schau zu tragen und das Gesicht zu verhüllen bis auf die Augen, so
würdet ihr es tun und würdet den Steiß für den ehrbarsten Teil eures Leibes
halten! – O ihr großen Narren, ihr überdummen Esel und barsten Schweine, seht
ihr denn nicht ein, daß ihr eben durch die elende Mode in euren Kleidern von
der Hölle aus die am allerscheußlichsten Gefoppten seid?! – Daher lasset einmal
ab von dieser größten aller eurer Torheiten, die allein hinreichend ist, euch
den Himmel auf ewig zu vernageln! –
[HiG.03_47.06.12,10] Würden die Menschen
nackt untereinander umhergehen, da würden sie viel demütiger und züchtiger
sein; da sie aber ihren Leib zieren, auf daß er sich gefälliger ausnehmen
möchte, so brennen sie fortwährend nach fleischlicher Lust und verdammen sich
selbst stets tiefer und tiefer in den ewigen Tod hinein. – Wer wird sie daraus
befreien können, so sie sich des ewigen Befreiers stets mehr zu schämen
anfangen, je feiner sie ihren Leib bekleiden nach der Mode? Wahrlich, eher
werden Räuber und Mörder und die nackten Sodomiten Mein Angesicht schauen, als
die Zierbengel und alle die Putzdocken. Das sagt der arme, nur in nötige
Kleider gehüllte, aber allmächtige Herr Jesus amen, amen, amen. –
13. Juni 1847 (Wer alles treibt Ehebruch,
Hurerei, Geilerei und Unzucht? – Nachtrag).
[HiG.03_47.06.13,11] Nach den Modehelden und
ihren Genossinnen treiben noch die Industrieritter eben auch die barste
Hurerei, Ehebruch und dergleichen. Diese sind im Grunde noch ärger als die
Modehelden und Modeheldinnen, denn sie sind schon buchstäblich des Satans
rechter Arm und tragen auch als solche sein Zeichen auf der Stirn und in der
Hand. – Diese Zeichen verschaffen ihnen die mannigfache Einsicht, und Geld und
Fleiß legen sie ihnen in die Hand. Dann erbauen sie große künstliche
Werkstätten, in denen statt dürftiger Menschen Maschinen arbeiten und in kurzer
Zeit eine große Menge allerlei neuer Waren erzeugen, wie allerlei moderne
Stoffe für Kleider und andere Hausverzierungen und andere tausenderlei Dinge
für die sogenannte moderne galante Welt! Darauf studieren die Schneider Tag und
Nacht, um irgendeinen neuen Schnitt zu erfinden, um ihre Kunden mehr anzulocken.
Und die Modistinnen tun desgleichen und suchen stets neuere, auffallendere und
schreiendere Formen und locken dadurch ihre Kunden und preisen ihre Produkte
allzeit als etwas Außerordentliches an!
[HiG.03_47.06.13,12] Diese nun stets häufiger
und zahlreicher werdende Art Menschen sind zumeist ohne Glauben, ohne Religion,
ohne Gewissen und ohne die leiseste Nächstenliebe; ihnen gilt der Mensch gar
nichts, sondern nur als Käufer und reichlicher Abnehmer ihrer Artikel, wenn er
seine Zahlungen richtig leistet. Ist das aus gewissen Gründen aber öfter nicht
der Fall, so wird gegen ihn sogleich die schonungsloseste Exekution verhängt,
und deckt diese die Forderung nicht, so wird über den Zahlungsunfähigen auch
noch der Kerker verhängt! – ganz nach Meinem Worte, da Ich sagte: „So ihr aber
euer Geld ausleihet, so leihet es den Armen, die es euch nicht wiedererstatten
können, so werdet ihr in Meinem Reiche einen ewigen Schatz finden! – Und sorget
nicht, was ihr essen und trinken werdet und womit euren Leib bekleiden, nach
allem dem trachten die Heiden. Ihr aber suchet nur vor allem das Gottesreich
und Seine Gerechtigkeit, (welche da ist Liebe und Erbarmung), alles andere wird
euch als eine freie Gabe hinzugegeben werden!“ – Das ist Mein Wort, das ist
Gottes Wort, das ist Mein Wille, das ist Gottes Wille!
[HiG.03_47.06.13,13] Wie verhält sich zu
diesem die oben gezeigte industrielle Weltsatanshurerei? – Sie verhält sich
gerade, wie unterste Hölle und oberster Himmel sich gegeneinander verhalten;
daher es auch gar nicht nötig ist, den Lohn für solche Werke und sogenannte
zeitgeistige Fortschritte in dem ewigen großen Jenseits näher zu bestimmen.
Denn derlei Menschen stehen schon zu tief in der Hölle, als daß Meine
Heiligkeit mit ihnen in eine nähere Berührung treten könnte! – Auch sind sie
Mir zu elend und schlecht, als daß Meine Liebe ihnen ein „Wehe euch“ zurufen
könnte; denn es würde sie nicht erschrecken, und sie würden darum keine Buße
tun, sondern noch mehr fabrizieren und noch mehr kaufen und verkaufen! –
[HiG.03_47.06.13,14] Wahrlich, diesem
Geschlechte sollen bald seine Krämerstühle und Buden auf das schmählichste
umgestoßen und sie selbst mit glühenden Stricken hinausgetrieben werden in das
ewige Feuermeer Meines Zornes! – Ich will aber jedem Sünder gnädig und barmherzig
sein; aber dieses Geschlecht solle schonungslos behandelt werden, weil es wie
kein anderes mit dem größten Gleichmute Meinem Worte zu allen Zeiten den
tatsächlichsten Hohn spricht. – Die Seele eines solchen Krämers ist aber auch
das Scheußlichste alles Scheußlichen, sie ist ein stinkendster Polyp, der mit
tausend Rachen fortwährend alles zu verschlingen bemüht ist, was er nur immer
erreichen und ergreifen kann. Daher zeigte Ich es auch im Tempel, wie angenehm
Mir dies Geschlecht ist! –
[HiG.03_47.06.13,15] Ich schonte sicher jedes
Sünders – der Ehebrecherin Schuld schrieb Ich in den Sand; von einer Buhldirne
ließ Ich Mir die Füße salben; bei einem Zöllner und öffentlichen Sünder
speisete Ich; die voll Aussatzes der Geilerei waren, reinigte Ich; Meinen
Verräter begrüßte Ich als einen Freund; den Mörder am Kreuze nahm Ich ins ewige
Paradies auf, und für alle, die Mich kreuzigten und kreuzigen ließen, bat Ich
am Kreuze sterbend den heiligen Vater um Vergebung. Nur die Industrieritter
wurden ohne Rücksicht und Schonung aus dem Tempel mit Stricken getrieben, und
der reiche Prasser mußte zur Hölle! – Aus dem könnet ihr schon den Maßstab
finden, wie dies Geschlecht bei Mir in Gnaden steht und stehen wird ewig amen,
amen, amen. – – –
Noch einiges von der Menschen mehrfacher
Klage. – 15. Juni 1847.
[HiG.03_47.06.15,01] Besonders viel wird
heute über die römisch-katholische Kirche geklagt, und vielseitig wird ihre
endliche gänzliche Niederlage erwartet und das Aufhören ihres Wirkens, ihres
Götzentumes und ihres gesamten finsteren Getriebes. – Der eine hält ihr die
Geschichte vor die Nase und zeigt ihr alle die Millionen Greuel aus allen
Zeiten, die sie allorts durch ihre Pfaffen verübt hat. Ein anderer hält ihr die
ganze Bibel weit geöffnet unters Gesicht und beweist ihr haarklein mit hundert
Texten, daß ihr Papst noch weniger von Petrus abstamme als der chinesische
Kaiser von der Sonne, und daß er linea recta statt Christi Stellvertreter nur
ein Stellvertreter des Drachen sei und zeigt ihm mathematisch auf Jahr, Tag und
Stunde seinen sicheren Untergang. Und wenn die Zeit kommt und das Jahr
verstreicht und der Tag und die Stunde und der Drache Babels will noch nicht
zur Hölle fahren, da ist entweder die Rechnung unrichtig oder die Offenbarung
Johannis ist schlecht übersetzt – oder ist gar nicht authentisch – oder nur ein
finsterer Auszug aus den alten Propheten – oder die ganze Bibel ist ein pures
halb moralisches, halb altpolitisches Werk, das in diese neuen aufgehellten
Zeiten nicht mehr passe. Andere wieder verdammen bloß die Zeremonie und
billigen die sonstige Einrichtung dieser Weltkirche. Einigen sind die Mönche
ein Dorn im Auge, anderen bloß die sogenannten Jesuiten, wieder anderen der
lateinische Ritus, andere verfluchen den Zölibat und wieder andere die
Ohrenbeichte, und ein jeder etwas anderes. Alle aber wünschen zum Teile
heimlich und zum Teile öffentlich, daß es mit dieser Hure bald ein Ende nehmen
möchte!
[HiG.03_47.06.15,02] Aber nichtsdestoweniger
will sie einmal ein so vielseitig erwünschtes Ende nehmen, sondern besteht
immer fort und fort wie zum ärgernisvollsten Trotze aller ihrer stets mehr
werdenden Feinde und allerunbarmherzigsten Richter. Ich aber sage: Nicht nur
Rom, sondern jede äußere Kirche ist schlecht, wenn sie das Heil nur in die
Äußerlichkeit setzt und nicht bedenkt, daß Mein Reich nicht von dieser Welt,
sondern von einer ganz anderen Welt ist, und daß die rechte Kirche nur im
Menschenherzen und sonst nirgends anzutreffen ist, durch die allein, alles
andere ausschließend, der Mensch zum ewigen Leben seines Geistes gelangen kann.
Für jede andere bloß äußere Weltkirche, ob römisch oder protestantisch oder
griechisch, aber gilt ohnehin für ewig, was Ich im 51. Kapitel, Verse 36-39,
des Propheten Jeremias vorausgesagt habe, und das ganz besonders durch die oben
angeführten vier Verse des 51. Kapitels, allda es lautet:
[HiG.03_47.06.15,03] „Darum spricht der Herr:
Siehe, Ich will deine Sache ausführen und dich rächen; Ich will ihr Meer
austrocknen und ihre Brunnen versiegen lassen. Und Babel soll zum Steinhaufen
und zur Drachenwohnung werden, zum Wunder und zum Anpfeifen, daß niemand darin
wohne. – Sie sollen miteinander brüllen wie die Löwen und schreien wie die
jungen Löwen. – Ich will sie mit ihrem Trinken in die Hitze treiben und will
sie trunken machen, daß sie fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen,
von dem sie nimmer aufwachen werden, spricht der Herr!“
[HiG.03_47.06.15,04] Diese Texte, die eben
nicht schwer zu fassen sind, zeigen zur Genüge, wie es mit Rom und jeder anderen
äußeren Kirche steht und was ihr Los ist für ewig.
[HiG.03_47.06.15,05] Ich will deine Sache,
das ist, deinen Trug und deine lügenhaften Anmaßungen nach außen kehren, auf
daß das Innere des Menschen unversehrt bleibe und dadurch rettbar sein Geist und
seine Seele; und eben dadurch sollst du äußere Kirche Meine Rache in dir haben,
welche ist der ewige Tod. Deine Bosheit (das Meer von Falschem und Bösem) will
Ich ohnmächtig machen und deine reichen goldnen Brunnen stets mehr und mehr
versiegen lassen, auf daß deine Macht zum Bösen vermindert werde stets mehr und
mehr und vielfach mehr.
[HiG.03_47.06.15,06] Dadurch wird jedes Babel
von selbst zu einem toten Steinhaufen werden und zur Wohnung des Drachen, der
da ist ein Symbol des ewigen Todes, und eben dadurch zum Spotte aller in sich
Lebendigen, welcher Spott angedeutet wird durch Wunder und durchs An- oder
Auspfeifen. Und der da lebendig geworden ist im Geiste, wird ewig nimmer wohnen
unter deinem Dache; ob sie, solch äußerlicher Kirche Diener, wie Löwen brüllen
werden vor Zorn und Wut und bald darauf schreien vor Hunger wie junge Löwen,
wenn die Alten mit dem Fraßraube zu lange ausbleiben, so wird das aber dennoch
keinen Lebendigen mehr erschrecken, und kein Wiedergeborner wird auf ihr
Geschrei merken. Die aber blind und tot sein wollen, die sollen trinken aus dem
Kelche den Wein des Todes, den Wein allen Truges und aller Lüge und Anmaßung,
und sollen trunken werden davon und dann einschlafen in dieser Trunkenheit, aus
welchem Totenschlafe sie nimmerdar erweckt werden sollen weder zeitlich noch
ewig!!! – – –
[HiG.03_47.06.15,07] Was also in Jeremias von
derlei Babels vorhergesagt wurde, das geschieht an Rom buchstäblich, wie an
allem äußeren Kirchentum; oder was da geschieht mit aller Äußerlichkeit, das geschieht
auch fortwährend mit Rom und allen anderen Kirchen, insoweit sie bloß äußerlich
sind, – sie welken ab und verdorren und werden zu toten Steinhaufen. Soll denn
noch mehr geschehen, als was zu geschehen bestimmt ist? –
[HiG.03_47.06.15,08] Daher sind also auch
derlei klagliche Besorgnisse nicht auf rechtem Platze.
[HiG.03_47.06.15,09] Jeder aber besorge nur
seine innere lebendige Kirche und überlasse Mir getrost das Gericht der äußeren
Kirchen; dann wird alles in der ewigen gleichen Ordnung fortgehen, wie es sonst
auch geht, wenn es die Blindheit der stets klagenden und richtenden Menschheit
auch nicht merkt amen. Das und also spricht der Herr amen, amen, amen. – –
Das Stadtleben. – 21. Juni 1847.
[HiG.03_47.06.21,01] Dieses Thema macht sich.
Es ist dir gelungen, von Mir darüber eine Erläuterung dir zu erbetteln. –
Meinst denn du, Ich sei etwa wie ein Mikroskop, mit dem die Gelehrten bald
einen Tropfen Goldtinktur, gleich darauf aber wieder den Kopf einer
Schmeißfliege betrachten? – O nein, das bin Ich nicht! –
[HiG.03_47.06.21,02] Ich soll dir das
Stadtleben etwa gar schildern, wie es ist in seiner ganzen Scheußlichkeit? –
Das tue Ich nicht! – Lieber möchte Ich dir alle Schmeißhaufen und alle Äser
beschreiben, die nur irgend auf der Erde vorkommen, als dein dümmstes
Stadtleben, wie es nun ist in seiner Art! – Steige zur Hölle hinab, dort wirst
du es auf ein Haar auseinandergesetzt finden; aber im Himmel findest du derlei
nicht, und bei Mir schon am allerwenigsten. Packe daher zusammen mit deinem Stadtleben,
denn über dieses Thema werde Ich sicher sehr wenig Worte verlieren! – –
[HiG.03_47.06.21,03] Was siehst du in der
Stadt? – Viele große und prächtige Häuser, Paläste, heidnische Tempel, mit
Götzen angestopft, eine Menge Kaufläden mit einer unendlichen Auswahl von
lauter Satansdreckwaren zum Verlocken, Verführen und Verpesten der Menschen,
eine Menge Wucherer aller Art, scheinheilige Pfaffen bei weitem mehr, als
wirkliche Priester mit einem menschlichen Herzen und Geiste; allerlei Lumpen
und Betrüger, Spieler, Spielhäuser, Huren in großer Menge und eine noch größere
Menge Hurer aller Art, Ehebrecher aller Art, Geldmakler, Advokaten aller Art,
eine große Menge Beamte, von denen die jungen den alten aus lauter
Nächstenliebe einen möglichst baldigen Tod von ganzem Herzen wünschen, damit
sie dadurch bald zum Vorrücken kommen möchten!
[HiG.03_47.06.21,04] Spitäler und Armenhäuser
auf sogenannte Regimentsunkosten (Staatskosten). Also gibt es auch allerlei
Steuern, direkte und indirekte; von den landesfürstlichen wollte Ich gerade
nichts sagen, aber eine Steuer zur Stadtverschönerung ist einzig in ihrer Art.
Also auch die Armensteuer, die doch sicher zunächst aus der christlichen
Nächstenliebe entspringt! Das wird etwa doch schon schlecht genug sein, so die
gesetzlichen rechtmäßigen Behörden es für notwendig finden, den harten Herzen
der meisten Stadtbewohner ein Muß aufzuerlegen, um von ihnen für die arme
Menschheit einen allernotwendigsten Zehrpfennig herauszupressen!
[HiG.03_47.06.21,05] Also sieht man auch Komödienhäuser
und darin täglich Komödien, Sauf- und Freßhäuser, allerlei Fabriken, in denen
für die Hölle am allerfleißigsten gearbeitet wird. Ebenso sieht man auch eine
Menge Tanzsäle, Gärten und Alleen, die, mehr als sonst ein nützlicher Wald, die
Menschen zum Putze und anderartiger Geilerei auffordern; und also noch eine
Menge dergleichen sehr löbliche Anstalten.
[HiG.03_47.06.21,06] Meinst du wohl, Ich
solle dir da etwa in geistiger Weise eine entsprechende Schilderung geben? – O
Ich könnte es wohl! – Aber so Ich das täte, da käme in dieser Nacht noch ein
furchtbarstes Erdbeben über diese Stadt und viele andere Städte, wo es dann mit
ihnen tausendfach ärger ginge, als einst mit Sodom und Gomorrha! – Daher bleibe
du mit deinem schönen Stadtleben hübsch fein zu Hause, und komme Mir nicht mehr
damit zum Vorschein, sonst sollst du sehen, wie es einer Stadt ergehen wird, so
Ich von ihrem Leben zu reden anfangen möchte.
[HiG.03_47.06.21,07] Mit dem begnüge dich für
diesmal, und sei in Zukunft keusch und vorsichtig im Handeln und Fragen, sonst
könntest du eine sonderliche Lektion von Mir bekommen amen. – – –
Lazarus. – 26. Juni 1847.
[HiG.03_47.06.26] Anfrage des Ans. H.: O
Herr, Du heiliger, liebvollster Vater! Wenn es Dein heiliger Wille ist, so
erfreue unser Herz durch eine Personenbeschreibung Deines Freundes Lazarus, des
Bruders der Maria und Martha, welchen Du zum Ärgernis der geistlichen
Machthaber zu Jerusalem vom Tode erwecktest, und mit dem Du nach seiner
Erweckung zu Tische saßest. –
[HiG.03_47.06.26,01] Mein lieber Ans. H. W.,
du bist doch kein Porträtmaler, daß du gerade eine Personenbeschreibung des
Lazarus, eines Bruders der Maria und Martha, von Mir wünschest, – aber weil du
Mich schon darum gebeten hast, so kann Ich sie dir ja geben.
[HiG.03_47.06.26,02] Siehe, Lazarus sah
gerade deinem Bruder Andrä sehr stark ähnlich; nur war er um zehn Jahre jünger
(39 Jahre alt) und war den äußeren Gütern nach noch bei weitem reicher als dein
Bruder, und sein Herz hing noch mehr am äußeren Reichtumsglanze denn das Herz
deines Bruders, das aber zu gewissen Zeiten auch sehr stark daran hängt, oft
bei weitem stärker denn an Mir.
[HiG.03_47.06.26,03] Lazarus besaß mit seinen
beiden Schwestern eben auch überaus große Reichtümer und verwaltete sie sehr
gut und war dabei sehr gerecht und überaus gewissenhaft und besorgte die
äußeren Geschäfte mit derselben Sorglichkeit, wie seine Schwester Martha die
häuslichen.
[HiG.03_47.06.26,04] Er war ein vollkommen
gesetzeskundiger Mann und lebte auch streng als ein echter Jude nach dem
Gesetze; er hielt große Stücke auf den kommenden Messias, hatte aber von Ihm
nur eine unter den Juden ganz gewöhnliche, sehr materielle Vorstellung, – aber
nichtsdestoweniger hielt er dennoch sehr große Stücke auf Jesum, also auf Mich,
und hielt Mich nach Elias wohl für den größten Propheten, manchmal wohl auch
höher als Elias, und hatte wohl die größte Freude an Mir; und wann Ich zu ihm
kam, da legte er jedes Geschäft beiseite und widmete seine Zeit bloß Mir und
besprach sich sehr gern über die Propheten und besonders über den kommen
sollenden Messias. Nur konnte er es nicht so recht fassen und vollends
annehmen, daß Ich der verheißene Messias sein solle, da Ich ihm irdisch viel zu
arm war, aus welchem Grunde er Mir wohl mehr als einmal den Antrag machte, daß,
so Ich wirklich der Messias wäre und als solcher der weltlichen Schätze
benötigte, Mir sein ganzer großer Reichtum vollends zu Gebote stünde.
[HiG.03_47.06.26,05] Doch nachdem Ich ihn vom
Tode erweckte, und er ganz neu belebt Mich wiedererkannte, da wichen dann wohl
alle Zweifel über Meine Messiaswürde, und er pries frei zum größten Ärger der
Schriftgelehrten und Pharisäer in Mir Gott! – Darum aber wurde er besonders
nach Meiner den hohen Priestern überaus ärgerlichen Auferstehung eben von der hohen
Priesterschaft, den Pharisäern und Schriftgelehrten dergestalt verfolgt, daß er
ein paar Jahre darauf alle seine Güter an die Römer verkaufte und dann nach
Ägypten mit seinen beiden Schwestern zog, wo er ein ganz Mir geweihtes Leben
führte, viele Ägypter zu wahren Christen machte und im obersten Hinterägypten
eine Gemeinde stiftete, die noch heutigen Tages besteht.
[HiG.03_47.06.26,06] Lazarus aber war schon
zu allen Zeiten überaus wohltätig und gab viele Gastmähler, mehr an Arme als an
Reiche, obschon auch letztere nicht ausgeschlossen waren. Dazu lebte er keusch
und stets im ledigen Stande, desgleichen auch seine beiden Schwestern, obschon
sie überaus schön waren und überaus reich. – Maria hatte vor Meiner
Bekanntschaft wohl etwas mehr gelebt als die Martha; aber als sie Mich
erkannte, da erlosch sobald alle Welt- und Wollust in ihr, und in ihrem Herzen
fand neben Mir nichts mehr Raum. –
[HiG.03_47.06.26,07] Wenn du den Lazarus nun
ganz in seiner Persönlichkeit vor dir sehen willst, da stelle dir deinen oben
erwähnten Bruder in jüdischer Tracht vor, mit einem dunklen Barte, so kannst du
dir wirklich ein vollkommenes Ebenbild von ihm malen lassen. Mehr kann Ich dir
von der Persönlichkeit dieses vielbedeutenden Bruders nicht sagen, weil du nur
um dessen Persönlichkeit gefragt hast, die aber auch gut ist und du sie dir
zunutze machen kannst amen. – – –
Pontius Pilatus und das Traumgesicht der
Tullia. – 28. Juni 1847.
[HiG.03_47.06.28,01] Das ist eine gute Frage,
die einer guten Antwort wert ist, und es solle hier auch die Antwort folgen.
[HiG.03_47.06.28,02] Pontius Pilatus, ein
vollkommener Römer, ward unter Tiberius Landpfleger vom Judenlande und
residierte in Jerusalem.
[HiG.03_47.06.28,03] Dieser Römer, ein Feind
der überaus hochmütigen jüdischen Priesterschaft, sah daher alle jene Menschen
mit einem wennschon geheimen, aber dennoch ganz besonderen Wohlgefallen an, die
dieser ihm über die Maßen gehässigen Priestersekte bei Gelegenheiten so recht
derb die Wahrheit ins Angesicht zu schleudern verstanden. Und so die
Priesterschaft dann darob bei ihm ihr Recht suchte, da richtete sie gewöhnlich
wenig oder gar nichts aus, sondern mußte gewöhnlich unverrichteter Sache mit
Schanden abziehen, was auch ein tüchtiges Stück des Grundes war, warum Pilatus
und Herodes fast in beständiger feindlicher Spannung miteinander lebten; denn
die hohe Priesterschaft stand mit Herodes stets auf bestem Fuße und sparte es
daher auch nie, Pilatus bei Herodes zu verdächtigen.
[HiG.03_47.06.28,04] Aus eben dem Grunde aber
hielt diese hohe Priesterschaft gar oft Rat, wie sie Mich aufgreifen und
effektvoll dem römischen Gerichte überliefern solle; aber sie konnte nie zu
einem triftigen Grunde kommen.
[HiG.03_47.06.28,05] Nur als Ich den
bekannten Einzug hielt, bald darauf die Krämer aus dem Tempel trieb und den
Lazarus erweckte, und als das Volk anfing, Mir Hosianna zu rufen – das war der
hohen Priesterschaft zuviel! Da beschloß sie, Mich ernstlich zu greifen und dem
Pilatus als einen Staatsrebellen vorzuführen. – Wird er Mich richten, dann
solle er ungerochen bleiben; richte er Mich aber nicht, so wolle die
Priesterschaft ihn beim Kaiser selbst als einen verdächtigen Menschen
bezeichnen, bei welchem Geschäfte ihr Herodes mit Freuden an die Hand gegangen
wäre!
[HiG.03_47.06.28,06] Dem Pilatus blieb dieser
Plan zwar nicht geheim, nur wußte er nicht, wie er ihm vorbauen solle; daher
beschloß er bei sich, diese Sache näher abzuwarten. Aber während er noch mit
sich selbst kalkulierte, was er tun werde, so die hohe Priesterschaft ihm mit
dem berüchtigten Jesu im Ernste den Streich spielen sollte, siehe, da kam sie
schon mit dem Gefangenen und verlangte unverzügliches Gericht! – Pilatus, ganz
wie aus den Wolken gefallen, fragte freilich mit einer Donnerstimme: „Was hat
dieser Gerechte, an dem ich keine Schuld finde, verbrochen?“ Aber die
Priesterschaft und ihr bezahlter Anhang schrie noch zehnmal ärger: „Dieser ist
ein Volksverführer, ein Aufwiegler, ein Sabbatschänder, ein Gotteslästerer und
gibt sich für den Sohn des lebendigen Gottes aus! – Das alles ist nach unseren
Gesetzen, die Rom respektiert, und auch nach des Kaisers Gesetzen des Todes im
höchsten Grade wert; daher richte ihn, lasse ihn kreuzigen, oder du bist des
Kaisers Feind!“
[HiG.03_47.06.28,07] Dieser Ausruf machte
Pilatus allerdings stutzen, und er wußte im Ernste nicht, was er da tun solle.
– Hier, dachte er in der Eile bei sich, ist nichts anderes zu tun, als zu solch
zu wenig vorgesehenem bösen Spiele eine gute Miene zu machen und im Namen des
unergründlichen Fatums dem zu willfahren, was diese ihm nun über alles verhaßte
Priesterracé von ihm verlangt!
[HiG.03_47.06.28,08] Aber da ließ ihn sein Weib
Tullia Innocentia rufen und vermeldete ihm insgeheim, wie sie gesehen mit
klaren Augen, daß dieser Jesus auf den Wolken der Himmel daherschwebte,
begleitet von zahllosen Myriaden der wunderseltsamsten Genien, – alle schrien
mit Donnerstimme: „Heil unserem großen Gott; Heil dem ewigen allmächtigen
Überwinder des Todes und der Hölle! – Wehe aber dir, Jerusalem; wehe euch, die
ihr darinnen wohnet, euer Los wird sein der ewige Tod, die ewige Vernichtung,
darum ihr Jesum nicht erkennet und Ihn richtet und Ihn kreuziget! – Dem allein
Gerechten aller Gerechtigkeit sei ewig Ehre, Ruhm und alles Heil! – Darauf
blickte dieser Jesus nach der Erde herab, und siehe, da erbrannte der ganze
Erdkreis, und es war alles ein Feuer, und alles, was da atmet, wurde von diesem
Feuer verzehrt! – Daher, lieber Pilatus, habe nichts zu schaffen mit diesem
Gerechten!“ –
[HiG.03_47.06.28,09] Diese Erzählung machte
den Pilatus, der als Römer große Stücke auf derlei Erscheinungen hielt, gar
mächtig stutzen, so daß er bei sich fest beschloß, mit Jesu nichts weiteres
mehr vorzunehmen, als Ihn dem Gerichte des Herodes anheimzustellen, der in
solchen fraglichen Dingen wohl auch ein Ius gladii hatte, laut dessen er auch
Johannes durfte enthaupten lassen. – Herodes aber roch hier den Braten und
wußte gar wohl, daß ihm alles Volk wegen Johannes aufsässig ist; würde er nun
auch Christum töten, so würde ihn das Volk zerreißen. Daher sandte er Jesum,
den viele für Christum hielten, fein wieder zu Pilatus zurück.
[HiG.03_47.06.28,10] Pilatus versuchte nun
alle Mittel, Jesum frei zu machen; aber es war alles vergebliche Mühe, bis er
endlich in höchster Entrüstung sich öffentlich die Hände wusch und sprach: „Ich
will keine Schuld haben am Blute dieses Gerechten! – Ihr aber habt selbst ein
Gesetz; nehmt ihn und richtet ihn!“ – Da schrien dann die hohen Priester: „Sein
Blut komme über uns und unsere Kinder! – Wir aber dürfen unsere Hände nicht mit
Blut besudeln; daher gib uns römische Soldaten!“ –
[HiG.03_47.06.28,11] Als Pilatus das vernahm,
da gedachte er der alten Sitte, laut der er dem jüdischen Volke zu seinem
Paschafeste einen Verbrecher freigeben mußte. Er wandte sich daher noch einmal
zu der Menge der Jesus-Feinde und bekannte, wie er an Jesu zufolge so kurzer
Untersuchung durchaus keine Schuld finden könne, daß es daher nötig sei, um ein
richtiges und vollgerechtes Urteil zu schöpfen, diesen Menschen länger zu
verhören und in allen Stücken zu untersuchen. Zugleich aber sei es ohnehin
Sitte, am Feste einen Verbrecher dem Volke freizugeben; nun stelle er ihnen
Jesum, dessen Schuld noch nicht erwiesen sei, und Barabbas, den berüchtigten
Raubmörder, zur freien Wahl, welchen von beiden sie wollten? – Sie alle aber
schrien: „Barabbas!“
[HiG.03_47.06.28,12] Das aber war es eben,
was eigentlich Pilatus wünschte und wohl wußte, daß diese aufgereizte
Priestermenge nicht Jesum freirufen werde; denn nur dadurch glaubte er Ihn frei
zu machen, daß, so sie Barabbas frei haben werden, dann an seiner Stelle Jesus
ins Gefängnis kommen werde, und so könnte dadurch dann allem mit der Zeit
geholfen sein. Denn fürs erste wäre dadurch den Priestern das Maul gestopft,
und er könnte fürs zweite dadurch den Priestern beim römischen Hofe bedeutende
Schanzen legen, die sie schwerlich durchbrechen würden.
[HiG.03_47.06.28,13] Der Gedanke und der
Wille des Landpflegers waren gut; aber als der ganze Haufe nach der Freilassung
des Barabbas nur um so hartnäckiger auf der Kreuzigung bestand und von der
Einkerkerung Jesu nichts hören wollte und Pilatus einen Feigling nannte, da
ward er im höchsten Grade entrüstet und sprach: „Da – ihr Elenden! – nehmt
euren Verbrecher, der gerechter ist, als ihr es seid, und da sind die Schergen!
Ziehet ab, macht mit Ihm, was ihr wollt; mein Zeugnis über Ihn und über euch
wird von mir eigenhändig folgen!“ – –
[HiG.03_47.06.28,14] Mit diesen Worten
entfernte er sich und überließ ihnen Jesum, den die hohe Priesterschaft dann
durch die Schergen ergreifen ließ und kreuzigen – wie bekannt.
[HiG.03_47.06.28,15] Was Pilatus weiter tat,
ist auch bekannt, und daß er den Freunden Jesu willfahrte, was sie von ihm
verlangten. Aber daß Pilatus und sein Weib später heimlich selbst Christen
wurden, und daß eben Pilatus durch seine genaue Beschreibung des sehr
verdächtigen jüdischen Priestertums sehr viel dazu beitrug, daß in einem
Zeitraume von etlichen dreißig Jahren Jerusalem von den Römern gänzlich
zerstört wurde und die Juden in alle Welt zerstreut, das dürfte nun wohl nur
sehr wenigen auf der Erde bekannt sein.
[HiG.03_47.06.28,16] Das aber sei euch darum
bekanntgegeben, auf daß ihr nicht gleich Tausenden und Millionen in einem fort
den armen Pilatus verdammet, obschon ihr nun auch das ganz überaus wohl wissen
sollet, was da alles hatte geschehen müssen nach Meinem ewigen Ratschlusse, wie
Ich es auch den zwei nach Emmaus wandelnden Jüngern ganz offen heraus gesagt
habe, um ihnen zu zeigen, was Gott wollte, und sie darum ihren unbegrenzten Haß
gegen die Priester mäßigen sollten.
[HiG.03_47.06.28,17] Ihr hasset zwar Pilatus
nicht, aber er kommt euch dessenungeachtet dennoch als ein etwas verdammter
Kerl vor, der Mich leicht hätte retten können, so er es nur so recht ernstlich
gewollt hätte, – bedenket aber dabei nicht, daß Sich Gott durchaus von den
armseligsten schwachen Menschen nicht braucht aus irgendeiner Gefahr retten zu
lassen! – Oder glaubt ihr es wohl etwa im Ernste, daß Pilatus so etwas hätte
zuwege bringen können, Den zu retten, der dem Meere und Winden gebot, und Der
der alleinige Retter aller Menschen und Geister ist? –
[HiG.03_47.06.28,18] O seht, das und noch so
manches ist bei euch wohl noch sehr schwach und noch ziemlich babylonisch! –
Die Schrift mußte ja erfüllet werden, und so ward am Kreuze allen, die nicht
wußten, was sie taten, vergeben. Wenn das, so lasset in Zukunft den armen
Pilatus doch auch ein wenig mehr leben, als es bis jetzt der Fall war amen. Das
sage Ich euch, auf daß ihr fürder auch Pilatus nicht richtet amen, amen, amen.
Vom Lesen des Gotteswortes. – 2. Juli 1847.
[HiG.03_47.07.02] Wie manche das Wort Gottes
lesen – und wie das Wort Gottes von den Menschen gelesen oder angehört werden
soll mit Nutzen für Seele, Geist und Leben.
[HiG.03_47.07.02,01] Es gibt allerlei Leser
des Wortes Gottes, des lebendigen, ja desjenigen, durch das alles, was da ist,
gemacht wurde.
[HiG.03_47.07.02,02] Einige lesen es wie die
alte Geschichte des Prinzen Piripinker, die Geschichte der Genoveva, die des
daumenlangen Hansel und die Geschichte der vier Haimonskinder! – Die Bibel sei
ein altes, aus allen Zeiten zusammengestoppeltes Werk, das sich mit der neuen Literatur
nicht mehr messen könne, – es enthalte eine große Menge mystischer
Wundermärchen, welche mit einer alten, manchmal sehr saftlosen Moral
unterspickt seien, manchmal mit historischen Skizzen und am häufigsten mit
Droh- und Strafpredigten und prophetischen Unglücksverheißungen, die aber nicht
viel besser wären als die Witterungsvoranzeigen in den Bauernkalendern, von
denen auch sicher jede richtig wäre für irgendeinen bestimmten Teil der Erde;
denn regne es hier nicht, so könne es ja in China oder auf Tahiti oder Otaheiti
regnen, in Kamtschatka oder in Südamerika. Ebenso stünde es auch mit den
Prophetien in der Bibel. Treffen sie in Europa nicht ein, so gäbe es ja noch
ein Asien, Afrika, Amerika, Australien und eine zahllose Menge großer und
kleiner Inseln im großen Weltmeere, wo auf einer oder der andern so eine
Prophezeiung sicher und ungezweifelt in Erfüllung gehen muß!
[HiG.03_47.07.02,03] Bei solchen Lesern macht
das Wort aber auch eine Wirkung, o eine herrliche Wirkung! – Denn es macht, daß
sie gähnen und bald darauf zu schlafen beginnen, leiblich und geistig für ewig,
das heißt, sie gehen so recht sanft in den ewigen Tod über! – Denn wer nach dem
Worte nicht tätig wird, der stirbt für ewig geistig und leiblich mit. – –
[HiG.03_47.07.02,04] Ich aber habe für solche
schon zu öfteren Malen das Wort des Alten wie des Neuen Bundes durch
verschiedene Seher und Knechte klar enthüllen lassen, d.i. durch Meinen
heiligen Geist in ihnen. Aber da macht die Enthüllung denselben Effekt, und man
sagt dazu: die alte Bibel sei wie ein Proteus und wie ein Chamäleon, das in
allen Gestalten und Farben brauchbar ist, und ein geweckter Kopf kann daraus
machen, was er will, wie ein geschickter Bildner aus der rohen Materie. Mit
dieser Kritik werden für den Geist des Menschen wohl sicher keine goldenen
Berge im Reiche des Lebens erwachsen!
[HiG.03_47.07.02,05] Wieder gibt es andere
Leser, diese haben zwar wohl einen gewissen Respekt vor der Bibel und lesen
wohl auch manchmal recht aufmerksam darin; aber da sie denn doch gar vieles
darin nicht fassen und manchmal sogar auf buchstäbliche Widersprüche stoßen, da
sagen sie dann gewöhnlich bei sich und manchmal wohl in Gegenwart ihrer
Freunde: Wenn Gott durch die Bibel Seinen Willen an die Menschen hätte
offenbaren wollen, so müßte es Ihm ja doch vor allem daran gelegen gewesen
sein, fürs erste von jedermann und fürs zweite zu allen Zeiten verstanden zu
werden, und um den letzten Zweck zu erreichen, dahin Sorge zu tragen, daß solch
ein heiligst sein sollendes Kleinod aller Menschen auch für alle Zeiten
unverfälscht erhalten werden möchte.
[HiG.03_47.07.02,06] Diese Kritik ist zwar um
ein Haar besser als die obige, aber sie hält nicht Stich; denn um was sich so
ein Kritiker abmüht, für das ist ohnehin tausendfältig gesorgt. – So er aber
blind ist und solches nicht merkt, so kann er es sich nur selbst zuschreiben,
wenn er dabei ein Esel bleibt und seines Geistes Kräfte um eine Eselskost
vergeudet! –
[HiG.03_47.07.02,07] Wer heute politische
Weltsachen vor Augen hat, morgen allerlei andere Dinge, am dritten Tage
Geldgeschäfte, am vierten Tage Mist- und Heugabeln, am fünften allerlei
Obstbäume und Rebenverbesserungen, am sechsten Tage schöne Mädchen, Theater und
dergleichen, am siebenten Tage vor lauter Welt nicht weiß, wo ihm der Kopf
steht, am achten sich allenfalls in einem Gasthause mit seinen Weltfreunden
über allerlei Welt bespricht, um sich doch ein wenig zu zerstreuen und
auszuheitern, am neunten Tage nichts als bloß denkt und simuliert, was ihm der
elfte, zwölfte, dreizehnte und vierzehnte Tag alles für Arbeiten geben und
machen wird, und höchstens am fünfzehnten Tage ein paar Verse aus der Bibel auf
die Art verschluckt, wie ein Reisender ein paar Löffel Suppe, wenn der
Postillion schon zur Abfahrt das Zeichen gibt; – frage, kann der wohl
verlangen, daß ihm, wie ihr zu sagen pflegt, etwa gar des heiligen Geistes
gebratene Vögel ins Maul fliegen sollen? – Da ist's, wie es heißt: Von Dornen
und Disteln erntet man nie Feigen und Trauben.
[HiG.03_47.07.02,08] So wenig wie Lilien und
Rosen auf Brennesseln und Stechäpfeln wachsen, ebensowenig kann in einem mit
allen Weltangelegenheiten vollgepfropften Gemüte das innere geistige
Verständnis Meines Wortes je emporkommen und noch weniger zur Reife gelangen! –
Und so kann sich ein solcher Weltweiser dann ja auch keineswegs darüber
aufhalten, wenn er dem Geiste nach ein Esel verbleibt, zeitlich und gar leicht
auch ewig.
[HiG.03_47.07.02,09] Womit aber jemand
umgeht, darin wird er mit der Zeit auch klug. Wer mit der Welt umgeht, der wird
mit der Zeit weltklug; aber fürs Gottesreich bleibt er ein Tor voll Blindheit.
– Wer mit Pferden umgeht, der wird ein kluger Stallmeister, wer mit der
Malerei, der wird ein Maler, wer mit der Musik, der wird ein Musikmeister, und
dergleichen mehr. – Wer aber vor allem mit Meinem Worte umgeht und danach tut,
der wird klug in Meinem Reiche des ewigen Lebens, das da jedermann verkündet
ist im Worte und was er zu tun hat, um selbes zu erlangen.
[HiG.03_47.07.02,10] Aber so jemand nur
sozusagen zu allen heiligen Zeiten einige Stellen aus der Bibel oder sonstigen
Offenbarung liest wie ein beschriebenes Stück Papier, darin ein Stück Käse
eingewickelt war, oder wie mancher am Abtritte halbzerrissene
Intelligenzartikel aus Langerweile wie einen sogenannten Rebus entziffern will,
da – wahrlich wahr, ist der heilige Geist wohl so hübsch ferne, etwa wie die
zwei äußersten Pole der endlosen Schöpfung.
[HiG.03_47.07.02,11] Bei Mir ist nichts mit
einem Deus ex machina (einem hergezauberten Gott), sondern lediglich nur aus
einer Diligentia des Geistes ausschließend in rebus divinis; – wo diese ausschließliche
Diligentia (Fleiß) mangelt wegen allerlei machinis Mundi (maschinenmäßigen
Weltgeschäften), da ist auch nichts oder nur sehr wenig mit dem Deus in nobis
(Gott in uns) und daher auch ebensoviel mit dem wahren Verständnisse des alten
oder neu geoffenbarten Wortes Gottes! –
[HiG.03_47.07.02,12] Derlei Menschen sind Mir
aber auch wahrlich wahr zuwiderst, weil sie lau sind für das Allerwichtigste
und das verheißene ewige Leben gerade mit der Zuversicht betrachten wie ein
Lotteriespieler sein Lotterielos: Ist was und kommt was, so ist's gut; ist aber
nichts und kommt nichts, so ist es so auch gut. – Ja wahrlich, bei denen wird
es wohl ewig so auch gut sein, wenn's mit dem ewigen Leben nichts wird und auch
nichts kommen wird, was ihnen dazu verhelfen könnte.
[HiG.03_47.07.02,13] Wer aber Mein Wort
liest, der lese es aufmerksam und behalte es wohl im Herzen und tue nach seiner
Kraft nach dem Worte und sei nicht bloß ein eitler Leser oder Hörer desselben,
sondern ein wahrer und lebendigwarmer Täter, so wird er auch die rechten
Früchte ernten, wie sie im Worte der alten und neuen Offenbarung verheißen
sind. – Aber das denke sich ja keiner, daß Ich jemandem, der Meine Sache also
behandelt wie einen Alten-Weiber-Prozeß oder höchstens wie eine dumme Prise
Schnupftabak oder wie ein Flickschuster-Konto, Mein Reich, Meine Gnade und
Meine große Erbarmung an den Rücken nachwerfen werde! – O nein, das werde ich
sicher ewig nicht tun.
[HiG.03_47.07.02,14] Glaube aber ein jeder in
seiner Torheit, was er will; Ich aber werde tun, was Ich will, und werde Mich
von der Dummheit der Menschen ewig nicht beirren lassen; denn Ich brauche euch
Menschen nicht, wohl aber brauchet ihr Mich! – Ich aber werde der Menschen
Dummheit mit einer Plage heimsuchen und werde sehen, wie lange sie Mir trotzen
werden. – So endlos gut Ich aber dem bin, der Mich ernstlich sucht, ebenso
unerbittlich aber bin Ich auch dem, der Mich in seinem Herzen der Welt
gegenüber nicht viel besser als eine Prise Schnupftabak betrachtet amen;
wahrlich, wahrlich amen, amen, amen.
Gleichnisse zur Gottes- und Selbsterkenntnis.
– 13. Juli 1847. Nachmittag.
[HiG.03_47.07.13,01] Niemand kommt so weit,
daß er nicht noch weiter kommen könnte, niemand ist so vollkommen, daß er nicht
noch vollkommener werden könnte, und niemand ist so glücklich, daß er nicht
noch glücklicher zu werden vermöchte, – aber auch niemand, so er zu Falle
kommt, fällt so tief, daß er nicht noch tiefer fallen könnte; denn es ist der
geistige Raum wie der naturmäßige gleich unendlich, und das Meer der Ewigkeit
hat auch ewig nirgends einen Grund. Wer in dasselbe fällt, kann ewig tiefer und
tiefer sinken; wer aber in ihm emporsteigt, wird auch ewig nie die Oberfläche
desselben erreichen, sondern ewig in stets größeren und mächtigeren Zügen die
endlose Wonnefülle desselben einschlürfen, je weiter aufwärts er steigen wird.
[HiG.03_47.07.13,02] Darum ist das Reich
Gottes gleich einem Samenkorne, das ins Erdreich gelegt wird, dann aufgeht und
schon beim ersten Aufgehen hundertfache Frucht bringt. Und wenn diese wieder in
die Erde gelegt wird, so werden bei der zweiten Einlegung der hundert
Samenkörner, die von dem ersten Samenkorne hervorgebracht wurden, schon
zehntausend Samenkörner, bei einer dritten Einlegung eine Million, bei der
vierten hundert Millionen und so fort bis ins Unendliche, welcher
Verunendlichfältigung ewig kein Ziel gesetzt ist.
[HiG.03_47.07.13,03] Also geht es auch mit
der geistigen Vervollkommnung im ewigen Leben, da nimmer ein Geist jene Stufe
erreichen wird, auf der er sagen könnte: Jetzt habe ich alles! – Jeder selige
Geist wird zwar stets alles haben, was er haben kann, vollkommen, aber dennoch
dabei fortwährend auch einen ewigen Mangel, den er nie in aller Fülle wird
ersättigen können. Es wird jeder vollkommene Geist Mir gleich sein, wie ein
Bruder dem andern, aber dennoch ewig nie Meine Fülle erreichen.
[HiG.03_47.07.13,04] Es kann zwar der Sohn
erreicht werden, denn es heißt: „Ihr werdet noch Größeres tun denn Ich!“ – Also
kann auch der Vater erreicht werden, denn es steht geschrieben: „Ihr sollet
vollkommen sein, wie da euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ – Aber der Vater
und Sohn als vollkommen Ein Wesen haben in Sich den heiligen Geist, welcher ist
Gott heilig, heilig, heilig, und ist das eigentliche Gottleben im Vater wie im
Sohne, die vollkommen Eins sind, und das Leben alles Lebens, das Licht alles
Lichtes, die Kraft aller Kraft, die Macht aller Macht, die Liebe aller Liebe,
die Weisheit aller Weisheit, die Tiefe aller Tiefen, die Größe aller Größen,
die Ewigkeit der Ewigkeit und die Unendlichkeit der Unendlichkeit in allen
Dingen und Wesen der Unendlichkeit.
[HiG.03_47.07.13,05] Daher es auch kommt, daß
so jemand den Sohn anstrebet, es ihm verziehen wird, und wer den Vater
anstrebet, ihm auch verziehen wird, aber wer den Geist anstrebet, dem wird
nicht verziehen weder zeitlich noch ewig; – denn es kann wohl Vater und Sohn
erstrebt werden, aber ewig nie der unendliche Geist des Vaters und des Sohnes,
die da Eins sind, wie ein Mensch und seine Liebe oder sein Herz auch vollkommen
Eins sind und Eins werden können mit Vater und Sohn, so diese in des Herzens
Liebe aufgenommen worden sind; denn der Geist ist unendlich in allen Dingen,
und somit ewig unerreichbar und unerstrebbar!
[HiG.03_47.07.13,06] Gleichwie aber ein
Mensch, der vom Dache fiele, am Boden liegen bliebe und wieder geheilt werden
könnte, so er nicht zu derb gefallen wäre, oder wer in ein Wasser fiele, auch
noch rettbar ist, so sein Fall bemerkt würde; aber wer da fiele von der Erde in
die Unendlichkeit hinaus, wer wohl könnte den retten? Oder so er fiele in ein
Feuermeer, wer wird ihn schützen vor dem Verbrennen und gänzlichen Verzehren?!
–
[HiG.03_47.07.13,07] Darum betet und wachet,
auf daß ihr nicht in die Versuchung fallet; denn es ist erschrecklichst, in die
Hand des Geistes Gottes zu gelangen durch Aufblähung, Stolz und Hoffart! – Wer
da fällt, der wird fallen in Ewigkeit; aber wer da steigt, der auch wird
steigen ewiglich von Licht zu Licht amen. –
Die Verklärung Christi. – 22. Juli 1847.
[HiG.03_47.07.22,01] Meine Verklärung auf dem
Berge Tabor wird von vielen als etwas Ergötzliches gelesen, aber von gar
überaus wenigen verstanden, und gar entsetzlich viele haben aber auch nicht die
allerleiseste Ahnung, was alles hinter dieser Verklärung steckt!
[HiG.03_47.07.22,02] Die Ursache von solchem
Unverstande aber liegt wie allzeit lediglich in der Welt und in ihrer
zerstückten Dreieinigkeitslehre. Denn wer da nicht glaubt in der Fülle an den
alleinigen Sohn, der da vollkommen Eins ist mit dem Vater, der in Ihm ist wie Er
im Vater, gleichwie der Geist im Menschen und der Mensch im Geiste, der den
ganzen Menschen durchdringt und der eigentliche Mensch selbst ist, – der ist
zertragen in seinem Gemüte und ist gleich einem trüben Wasser, durch das dann
kein Lichtstrahl zu dringen vermag und erhellen die Tiefen desselben.
[HiG.03_47.07.22,03] Die Verklärung aber
birgt ein gar überaus stark verborgenes Licht oder eine gar mächtig stark
verhüllte geistige Bedeutung in sich, daher sie auch von den wenigsten
Schriftgelehrten dieser wie aller früheren Zeit richtig verstanden wird.
[HiG.03_47.07.22,04] Auf daß ihr aber nicht
gleichet dem trüben Wasser der Welt, das nur oberflächlich beschienen werden
kann, auf der Oberfläche wohl auch glänzt wie ein vergoldetes Grab, in sich
aber nichts als Nacht und Tod birgt, – so will Ich euch in aller Kürze für die
oben angeführte Verklärung ein kleines Lichtlein geben, durch das ihr klar
ersehen möget, was da hinter derselben steckt. Und so höret denn:
[HiG.03_47.07.22,05] Der Berg Tabor stellt
vor die höchste und zugleich tiefste Erkenntnis Gottes im Geiste und in der
Wahrheit. Auf diesen Berg der allerhöchsten Erkenntnis führe allein Ich nur
Meine Lieblinge! – – – Petrus, Jakobus und Johannes waren das im vollsten Maße,
– zugleich aber stellen diese drei auch einen jeglichen Menschen vor, wie er
sein solle in der wahren himmlischen Ordnung.
[HiG.03_47.07.22,06] Petrus ist der äußere
Mensch, der aber sein ganzes Wesen durch allerlei Prüfungen ganz nach innen
richtet. – Jakobus stellt vor die Seele des Menschen, die da rein ist und in
allem sich nach dem Herrn richtet, aber dennoch samt dem äußeren Menschen viele
Prüfungen zu bestehen hat, um den Außenmenschen ganz für sich zu gewinnen und
mit ihm vereint in dem Geiste sich unsterblich zu machen. – Johannes endlich
stellt den Geist des Menschen dar, der da völlig eins ist mit Mir, also Meine
Liebe, von welchem Jünger Ich Selbst zu Petrus sagte, dem es etwas ärgerlich
war, daß er Mir gleich ihm folgte: Was kümmert dich das, so Ich es sage: Er
lebe!? – was soviel heißt als: Nur der Geist lebt, und wer nicht von seinem
Geiste sich verfolgen, ergreifen und durchgreifen läßt, der wird kein Leben
haben; denn der Geist allein ist es, von dem Ich sage, daß er lebe ewig!
[HiG.03_47.07.22,07] Aus alledem aber geht
hervor, daß wie Ich die drei auf den Berg führte, Ich entsprechend jeden
Menschen, der in seinem Dreiwesen Meine vorgezeichnete Ordnung beachtet, auf
den Berg der wahren und lebendigen Erkenntnis Gottes führen kann, allwo er dann
auch im Gefühle seines ganzen Wesens ausrufen wird: Herr! hier ist gut sein,
hier lasse mir ewige Wohnung machen, bestehend in den drei Hütten der Liebe,
der Weisheit und der Macht aus Beiden!
[HiG.03_47.07.22,08] Aber mit dieser
Erkenntnis ist noch kein Bleibens, solange die drei Hütten, und Ich, Moses und
Elias nicht völlig Eins sind im Menschen, oder solange die Liebe, die Weisheit
und Macht nicht in sich wie in einer und nicht in drei Hütten aufgenommen
werden. Daher aber ertönt auch alsbald aus einer Wolke, die da ein Bild ist der
allerhöchsten himmlischen Erkenntnis: „Dieser allein ist Mein geliebter Sohn,
diesen allein müßt ihr hören!“ – was soviel heißt als: Dieser allein ist der
einige Gott; nicht in drei, sondern in Ihm allein müßt ihr wohnen, wollt ihr
das ewige Leben haben! –
[HiG.03_47.07.22,09] Darauf oder nach dieser
mächtigsten Durchgreifung der Gotteskraft erst erwachen die drei und sehen nun
in der Fülle der Klarheit weder Moses noch Elias und vernehmen auch keine
andere Stimme mehr, denn allein Mich und Mein Wort! – Aber dieses verbietet
ihnen, von solcher Erkenntnis der Welt vorher etwas zu melden, als bis alles
vollendet ist, das heißt im engen Sinne: bis Ich in jegliches Menschen Herzen
nach vielen Proben und Prüfungen seiner Seele auferstanden bin in aller Macht
und Kraft der Liebe und Weisheit. – Und im weiten Sinne: Bis nicht die Welt in
dem Menschen gekreuzigt und getötet ist und der Geist im Menschen auferstanden
ist und dadurch aus dem Menschen ein neues Geschöpf wird in der Ordnung, wie
sie da angezeigt ist durch Petrus, Jakobus und Johannes, kann er auf den Berg
der tiefen und höchsten Erkenntnis Gottes und des ewigen Lebens nicht geführt
werden.
[HiG.03_47.07.22,10] Das ist die heilige
Bedeutung Meiner bisher stets als geheimnisvollst betrachteten Verklärung auf
dem Berge Tabor. – Es gibt aber freilich wohl noch eine viel gedehntere, unter
der durch Moses, Elias und voraus durch Mich, und durch die Stimme aus der
Wolke, wie durch die drei Jünger Hauptführungs- und Bildungsepochen der
Menschen angedeutet werden; allein die Erkenntnis verschafft niemandem das
ewige Leben, wie noch weniger die damit verflochtenen endlosen Begriffe von
Zeit, Raum, Ewigkeit, Unendlichkeit, Licht, Geist und Dasein.
[HiG.03_47.07.22,11] Suchet aber vor allem
Mich, Mein Reich und Meine Gerechtigkeit, welche da ist die Liebe, so wird euch
alles andere als eine freie Zugabe gegeben werden. Aber so ihr nur die Weisheit
suchet und ihre Kraft, da wird es euch ergehen wie dem, der sein Talent
vergrub, und ihm dann noch das genommen ward, das er hatte, und sein Anteil die
Finsternis ward! – Das beachtet darum überaus sehr tief, so ihr der Verklärung
teilhaftig werden wollt amen. – – –
Einleitung zu den Sterbeszenen. 27. Juli
1847.
[HiG.03_47.07.27] Mit der nachstehenden
Kundgabe begannen die ‚Sterbeszenen‘ (Geisterszenen), die den Übertritt
Sterbender in die geistige Welt schildern. Von den mitgeteilten elf Geister-
bzw. Sterbeszenen wurden neun in der kleinen Schrift ‚Jenseits der Schwelle –
Sterbeszenen‘ veröffentlicht. Die umfangreichen Eröffnungen über ‚Bischof
Martin‘ (9. Szene) und ‚Robert Blum‘ (11. Szene) erschienen in eigenen Bänden.
Das rechte, lebendige Heilmittel. – 17.
August 1848.
[HiG.03_48.08.17] An Elise H.
[HiG.03_48.08.17,01] Meine liebe Tochter! –
So du und so mancher andere auf Mich ein vollstes und lebendiges Vertrauen
hättest, da hättest du auch keine unnötige Furcht bei diesem deinem Brustübel
und würdest auch nicht fortwährend ein anderes besser und schneller wirken
sollendes Mittel von Mir dir erbitten; denn da wäre das erste so gut wie das
letzte.
[HiG.03_48.08.17,02] Aber weil dein Übel, das
eine Ablagerung von einer Menge alter Übel und ärztlicher Arzneien ist, nicht
so schnell vorübergehen kann wie irgendein leichter Schnupfen, da durch
dasselbe eine Menge schlechter Substanzen sich einen Ausweg gebahnt hat, so
hast du eine große Furcht nun. Ich aber frage dich: warum denn? Meinst du denn,
daß Ich dir etwa nicht helfen könnte, und wäre dein Übel noch tausendmal
größer, als es ist?
[HiG.03_48.08.17,03] O siehe, für Mich ist
wohl noch nie ein Übel so groß gewesen, daß Ich es nicht hätte zu bändigen
vermocht! Und so könnte Ich etwa wohl auch mit deinem zurechtkommen in aller
Kürze, aber dazu bist du zu furchtsam und ängstlich und suchst Mittel und
Mittel. Aber aufs Hauptmittel setzest du zu wenig lebendiges Vertrauen, was du
aus deiner Furcht und Angst selbst entnehmen kannst, und das verzögert die
volle Heilung deiner Brust.
[HiG.03_48.08.17,04] Ich sage dir, du magst
Erde oder Wasser, Öl oder Wein oder Honig oder Balsam oder Kräuter oder
Pflaster oder Milch und Brot oder auch Schwefel und andere Mineralien und
mineralische Wässer auf deine Brust legen – hast du zu Mir ein lebendiges
Vertrauen, so werden dir alle dienen; hast du aber Furcht und Angst, was da
zeigt, daß dein Vertrauen zu Mir kein volles ist, da mußt du dir denn auch
selbst zuschreiben, daß die Heilung deiner Brust sich genau nach euer aller
Vertrauen richtet.
[HiG.03_48.08.17,05] Ihr schauet und
beurteilet nur das Mittel, ob dieses wohl etwa von Mir oder vielleicht nur
allein von Meinem Schreiber stamme, ob es daher wohl richtig helfen werde oder
nicht – oder so es etwa doch nicht von Mir, sondern bloß vom Schreiber wäre, ob
es da das Übel nicht verschlimmern würde?
[HiG.03_48.08.17,06] Siehe, das sind so eure
geheimen Skrupel, durch die ihr, wie gesagt, stets nur das angeratene Mittel
beurteilt unter dem Gesichtspunkte eines halben Glaubens. Mich aber beurteilet
ihr da gar nicht, weil ihr eben glaubt oder doch wenigstens der Meinung seid,
daß Ich nur durch ein einziges Mittel, welches das tauglichste wäre, helfen
könnte oder wollte – als ob Ich nicht mächtig genug wäre, durch jedes Mittel,
ja bei einem lebendigsten Glauben auch ohne alle Mittel jedes Übel heilen zu
können. – Was liegt denn am Mittel?
[HiG.03_48.08.17,07] Ich bin das rechte
lebendige Mittel, ohne dieses wirkt keines, mit diesem aber ein jedes!
[HiG.03_48.08.17,08] Wollt ihr in Zukunft die
Gesundheit eures Leibes erzielen, so müßt ihr nicht so sehr auf ein passendes
Mittel, sondern nur darauf sehen, daß euer lebendiges Volltrauen auf Mich es
passend mache, dann wird jedes Mittel recht sein, bestehe es, worin es wolle.
Ohne diese Manipulation aber wird der beste Balsam ebensowenig helfen wie das
Wasser einer Pfütze!
[HiG.03_48.08.17,09] Brauchet euer Pflaster,
aber mit Volltrauen auf Mich, so wird es den starken Eitersack, der mit dem
Eiter auch hätte herauskommen sollen, wie bei einer Geburt das Kindbettchen,
und der nun wie ein Fremdkörper in der Wunde steckt und herausschwärt, schon
herausziehen. Aber wohlgemerkt, das Pflaster selbst wird das nicht tun.
[HiG.03_48.08.17,10] Wollt ihr aber einen
Arzt, so könnet ihr ihn auch nehmen. Habet aber dabei nicht so sehr auf den
Arzt, sondern vielmehr auf Mich allein ein wahres, lebendiges und somit angst-
und furchtloses Vertrauen, so werden des Arztes Mittel heilsamst wirken. Habt
ihr aber mehr Vertrauen auf den Arzt als auf Mich, so wird er euch wenig oder
nichts nützen.
[HiG.03_48.08.17,11] Eure Furcht und
Ängstlichkeit aber sei euch ein sicherer Ansager, ob ihr Mir volltrauet oder
nicht; denn jede Furcht und jede Angst ist eine Folge schwachen Glaubens und
Vertrauens auf Mich.
[HiG.03_48.08.17,12] Bin Ich nicht Der, der
den vier Tage im Grabe modernden Lazarus wieder ins Leben zurückrief? – So ihr
aber glaubet, daß Ich Derselbe bin und rede mit euch nun durch den zwar in sich
schwachen, aber sonst treuherzigen Knecht schon einige Jahre, – warum ist denn
da schwach euer Glaube und warum unrein eure jeweilige Meinung, derzufolge Mein
euch wieder gegebener Knecht aus sich auf Meinen Namen Mittel gäbe, die dann
nicht helfen könnten, weil sie vielleicht doch nicht von Mir, sondern vom
Knechte seien?
[HiG.03_48.08.17,13] Wisset ihr denn nicht,
daß Ich den Knecht alsbald verwerfen würde, so er so etwas sich erlauben würde?
– Für einen so argen Sünder müßt ihr Meinen Knecht nicht halten! – Er hat wohl
andere Schwächen, meist aber gegen sich selbst; aber in Meinem Namen ist er
getreu und stark und scheut die Menschen nicht und sieht auch nicht auf die
Vorteile der Welt, obschon er irdisch arm ist.
[HiG.03_48.08.17,14] Also nur mehr Glauben
und Vertrauen, dann wird schon alles gut werden; sonst aber noch hübsch lange
nicht amen. – Das sage Ich, als das beste Heilmittel für ewig, amen, amen,
amen. – –
Mein Wort und der lebendige Glaube sind das
beste Heilmittel. – 3. September 1848.
[HiG.03_48.09.03] Für Elise H.
[HiG.03_48.09.03,01] Schreibe nur, Ich weiß
schon, was es ist. – Es handelt sich schon wieder um einen Trost oder um ein
Arzneirezept. Ich sage dir, wie Ich dir schon gar oft gesagt habe, daß Ich dich
nicht erwählt habe zu einem Arzte des Fleisches; sondern nur zu einem Schreiber
für die Offenbarung Meines Wortes habe Ich dich berufen, welche Ich gebe dem
Geiste und nicht dem Fleische. Aber dennoch kommst du Mir immer wieder von
neuem mit Dingen des Fleisches. – Magst du denn noch nicht unterscheiden die
Wege des Fleisches – und die Wege des Geistes?
[HiG.03_48.09.03,02] Muß denn nicht ein jeder
Mensch an seinem Fleische gekreuziget werden, so er im Geiste lebendig werden
solle? –
[HiG.03_48.09.03,03] Also ist es auch mit dem
Weibe des A. H. W. der Fall. Daher ist es Mir nicht angenehm, so du wider Meine
gestellte Ordnung kommst und verlangst Dinge von Mir, die Ich stets ungern tue,
und das darum, weil Ich dich zu keinem sogenannten Wunderdoktor berufen habe,
sondern lediglich zu einem Schreiber Meines lebendigen Wortes. – Ich gebe dir
wohl auch – und gab dir schon – medizinischen Rat, wenn du Mir damit kommst,
aber du mußt daraus keine Regel machen.
[HiG.03_48.09.03,04] Ich gebe wohl jedem
gern, um was er Mich gläubig und vertrauensvoll bittet; aber um sehr vieles
lieber, was zur Heilung des Geistes gehört als zur Heilung des Fleisches.
[HiG.03_48.09.03,05] Wer da Mein Wort liest
und lebt danach und hat einen starken, festen Glauben, dem wird das Wort durch
seinen Glauben helfen, wie es in den Evangelien gar oft zu ersehen ist. Fehlt
aber der rechte, lebendige Glaube, da wird das „Stehe auf und wandle!“ nur von
geringer Wirkung sein.
[HiG.03_48.09.03,06] Alsonach sind Mein Wort
und der lebendige Glaube allezeit das beste Heilmittel auch fürs Fleisch, und
es hat keine Apotheke ein besseres. Aber der Schwäche eures Glaubens und der
ängstlichen Mattigkeit eures Vertrauens genügt diese reinste Medizin nicht und
kann nicht genügen, weil ihr noch zu ängstlich am Leben des Fleisches haltet
und werdet nur zu bald überkleinmütig und schwachgläubig, so über dasselbe
etwas kommt. Daher verlanget ihr nebst Meinem Worte auch eine Arznei, also
entweder Lehm oder das Wasser des Teiches Siloah; ohnedem kann euch nicht
geholfen werden.
[HiG.03_48.09.03,07] Und da eben liegt der
böse Hund begraben, wie ihr zu sagen pfleget; denn so Ich es zulasse, daß
Arzneien eure Krankheiten heilen, so schwächt das euren Glauben an Mein Wort.
Helfe Ich euch aber trotz der Schwäche eures Glaubens und Vertrauens bloß
durchs Wort, da wäret ihr gerichtet und gefangen, und das im Geiste, aus
welcher Gefangenschaft euch dann nur ein übergroßes Kreuz wieder befreien
könnte, wie es auch bei den ersten Christen, die zumeist durch Wunder genötigt
Mein Wort annahmen, der Fall war, daß sie hernach durch eine mächtige Prüfung
erst ihres Gerichtes ledig werden konnten. – Fraget euch daher selbst, was Ich
hier tun soll, um euch zu erhalten.
[HiG.03_48.09.03,08] Jede Arznei ist
schwächer denn Mein Wort. Aber Mein Wort kann und darf da nicht allein wirken,
weil euer Glaube noch viel zu schwach ist, was ihr gar leicht aus eurer großen
Liebe zu dem irdischen Leben entnehmen könnet, denn der lebendig Gläubige sehnt
sich mit Paulus nach der Auflösung, was bei euch noch lange nicht der Fall sein
wird, da euch noch viel zu sehr manche Dinge der Welt am Herzen liegen. Daher
müssen eures Heiles willen auch hier Arzneien neben Meinem Worte wirken, was
natürlich die Heilung verzögert, besonders so das Vertrauen darauf ein mehr
oder weniger ängstliches ist.
[HiG.03_48.09.03,09] Ich habe aber ja schon
im vorigen Wort gezeigt, wie die Medizinen wirken und wie die Ärzte. Habt ihr
zu einer Medizin oder zu einem Arzte zu wenig Vertrauen, so nehmet eine andere
Medizin, desgleichen ist auch mit dem Arzte zu tun; denn Ich sage euch noch
einmal: Nicht die Medizin und nicht der Arzt helfen im eigentlichen Sinne
allein, sondern hauptsächlich das festere Vertrauen. Ja, der Arzt wie die
Medizin sind zumeist gleichgültig, und beide wirken nur, wenn die ruhige,
vertrauensfeste Seele sich die Zeit und Mühe nimmt oder nehmen kann, die in der
Arznei vorhandenen Spezifika dorthin zu verwenden, wo sie zweckdienlich sind.
Ist das bei der mehr oder weniger geängstigten Seele nicht der Fall, so wirken
die besten Medizinen nicht nur gar nicht, sondern oft ganz verkehrt, weil sie
von der unruhigen und vertrauensschwachen Seele nicht selten an einen anderen
Ort geführt werden, als wohin sie hätten geführt werden sollen.
[HiG.03_48.09.03,10] Die Arzneien haben
zufolge ihrer Spezifika wohl allezeit eine Wirkung im Fleische. Gehen irgendwo
im Fleische gewisse Spezifika ab, so können sie aus einer guten Arznei wohl
ersetzt werden und dadurch ein krankes Fleisch gesund machen, so sie von der
Seele dahin verwendet werden. Werden sie aber von einer ängstlich konfusen
Seele irgendwo anders hingeführt oder manchmal sogar dem Zufall überlassen, da
sie dann hinkommen, wo sie das stumme Blut hinführt oder die noch stummeren
Magensäfte, – dann läßt sich auch schon von selbst erraten, wie es dabei mit
der Heilung des Fleisches aussieht.
[HiG.03_48.09.03,11] Ich sage, da gleicht die
Heilung des Fleisches der Herstellung eines schadhaften Hauses, wo die Bewohner
aus zu großer Furcht, im Hause erschlagen zu werden, so es zusammenfiele,
anstatt sich im schadhaften Hause umzusehen, wo es fehlt und wie zu helfen sei,
nur in einen Winkel sich verkriechen, wo sie sich noch am sichersten glauben,
oder manchmal wohl auch in aller Eile das Loch suchen, durch das sie am ehesten
ins Freie kämen.
[HiG.03_48.09.03,12] Ist so etwas bei einer
Seele der Fall, da können freilich alle Ärzte der Welt zusammenkommen, und sie
werden beim besten Willen und Wollen einen kranken Leib dennoch nicht gesund
machen können, weil eben diese Seele nicht mitwirkt. –
[HiG.03_48.09.03,13] Daher sind die
magnetischen Kuren auch allen anderen darum vorzuziehen, weil durch sie die
Seele zu jener guten Ruhe gelangt, in der sie sich Zeit nimmt, ihr Fleischhaus
näher zu beschauen, wo es demselben fehlt und wie und womit ihm zu helfen ist.
Wird dann dem Leibe jenes Mittel beigebracht, welches die ruhige Seele im
Schlafe des Fleisches als ein zweckdienliches bezeichnete, so erkennt es die
Seele auch als solches und verwendet es dann auch zumeist dahin, wohin es zu
verwenden ist. Und die Herstellung des Leibes geschieht dann meistens mit gutem
Erfolg und manchmal durch Mittel, bei deren Namhaftmachung sicher jeder reine
Verstandesarzt Reißaus nähme!
[HiG.03_48.09.03,14] Aber trotzdem wirken die
seltenen Mittel dennoch, aber nicht darum, weil sie etwa die allein rechten
wären, sondern darum nur, weil sie von der Seele als der allein rechten
Baumeisterin ihres Fleischhauses am rechten Ort und mit rechter Intelligenz verwendet
werden.
[HiG.03_48.09.03,15] Würde die Seele der
Elisabeth H. ebenso ruhig sein wie die Seele so mancher Somnambulen, da wäre
ihr Übelchen schon lange gut. Aber da das nicht der Fall ist und sie immer von
der Furcht vor ihren Eltern, weil sie keinen Arzt aufsucht – und wieder von der
Furcht vor einem Arzte, was dieser tun oder sagen würde, so sie ihn nähme, ob
er ihr wohl helfen oder das Leben absprechen würde – und endlich auch von der
Furcht vor dem möglichen Leibestode hin und her getrieben wird, wie soll da
ihre Seele Zeit haben, dort tätig zu sein, wo sie tätig sein soll? – Bei
solchen Umständen muß dann aus einem Übelchen freilich ein förmliches Übel
werden.
[HiG.03_48.09.03,16] Sie gebraucht mit ihren
Händen, mit ihrem Willen wohl freilich so ziemlich genau die angeratenen
Mittel, aber ihre ängstliche und manchmal mehr und manchmal weniger furchtsame
Seele tut es nicht und kann es auch nicht tun, weil sie fortwährend zwischen
dreifacher Furcht herumspringt, wovon sie schwerlich los wird.
[HiG.03_48.09.03,17] Hier heißt es, entweder
alles Heil in Meine Hände legen und nicht denken: So ich am Ende dennoch
sterben müßte, was werden da meine Eltern zu meinem Manne und was zu meinen
Kindern sagen? Am Ende sie etwa gar enterben? Was wird da aus ihnen werden?
Welchem Jammer werden sie preisgegeben sein? – Denn Ich allein bin der Herr
auch über diese Eltern und kann deine Kinder auch ohne die Hilfe deiner Eltern
vollends glücklich machen!
[HiG.03_48.09.03,18] Wenn die Elisabeth so
denken wird, und ihr alle mit ihr, da wird ruhig werden ihre Seele und wird an
der Heilung ihres Leibes arbeiten können. Da wird dann auch die Heilung leicht
und bald erfolgen, sonst aber nur langsam und schwer, auch – bei erhöhter
Furcht – gar nicht, weil da nur der Zufall wirkt. Denn ergreifen die wirkenden
Fleischgeister aus dem Medikament die rechten Spezifika, dann geht die Heilung
etwas vorwärts; ergreifen sie aber die unrechten Spezifika aus dem
Arzneimittel, wie allenfalls ein blinder Maler die Farben, so geht dann die Heilung
wieder rückwärts. –
[HiG.03_48.09.03,19] Kann die kranke
Elisabeth ein solches Vertrauen zu Mir fassen und auch A. H. W. samt den
Kindern, daß ihr euch dadurch von dem großelterlichen Hause als vollends
unabhängig stellet in euren Herzen und euch denket:
[HiG.03_48.09.03,20] „Herr! Geschehe da, was
da wolle, Du allein bist unser Vater zeitlich und ewig. Von Dir und von niemand
anderem hängt unser künftiges Wohl ab; denn wir wissen es ja, daß aller
Menschen Hilfe, wer sie auch sein mögen, zu nichts nütze ist. Dein Wille
geschehe! Wir wollen niemand fürchten, außer allein Dich, o Herr, und von
niemand eine Hilfe erwarten, als allein von Dir, o Du guter Vater! – Dein
wollen wir ganz sein im Leben dieser Welt und ebenso in ihrem notwendigen Tode,
der uns frei machen wird vom Fleische und uns dann endlich führen zu Dir hin,
der Du bist unsere alleinige lebendige Hoffnung durch den Glauben und unsere
alleinige Liebe im erweckten Leben unseres Geistes!“ – –
[HiG.03_48.09.03,21] Ist euch aber diese
gänzliche und vollste Hingebung an Mich nicht möglich, in der allein der alles
bewirken könnende lebendige Glaube zuhause ist, da ergreifet ein anderes
passendes Mittel, wodurch die Ruhe der Seele bewerkstelligt werden kann. Nehmt
zum Beispiel einen Arzt, um euch dadurch der großelterlichen Furcht zu
entledigen, oder nehmt zum Magnetismus eure Zuflucht, was noch besser sein
wird, weil dadurch die Seele die nötige Ruhe erlangen wird.
[HiG.03_48.09.03,22] Tut, was ihr wollt; aber
tut alles, was ihr tut, ganz und in Meinem Namen, so werdet ihr leicht zu einem
erwünschten Ziele gelangen. Aber mit der Halbheit wird euch nirgends und
niemals geholfen sein. –
[HiG.03_48.09.03,23] Ich als die höchste
Vollkommenheit wirke nur im Vollkommenen vollkommen, im Unvollkommenen aber wie
die Sonne im Winter! – Daher seid alle vollkommen in allem, wie auch Ich, euer
Vater, vollkommen bin, so werdet ihr leicht überall Hilfe finden, so euch
irgend etwas fehlt.
[HiG.03_48.09.03,24] Aber auf eine rein
wunderbare Hilfe von Mir fürs Fleisch dürfet ihr alle nicht rechnen, denn dazu
gehört entweder ein nagelfestester Glaube, mit dem ihr nahehin Berge versetzen
könntet, oder aber die volle Wiedergeburt des Geistes, was aber bei euch weder
das eine noch das andere der Fall ist. Denn euer schwacher Glaube möchte eben
darum Wunder, um durch sie vermeintlich stark zu werden, was aber gerade der
umgekehrte Fall wäre; denn nichts schwächt den wahren Glauben so sehr wie ein
Wunder, da es den ganzen Menschen aus dem Zustande der Freiheit gewaltsamst herausreißt
und ihn in den Zustand der unausweichlichen Nötigung versetzt, welche da ist
ein Tod für den Geist. Und nichts stärkt den Glauben mehr als das Kreuz; denn
nur durch Kreuz und Leiden dieser Welt wird der Glaube genährt und gestärkt.
[HiG.03_48.09.03,25] Ob ihr aber als im
Geiste vollends Wiedergeborene eines Wunders, als unschädlich für euren Geist,
fähig seid, – Ich meine, darüber kann euch schon eure noch sehr schwache und in
manchem Stücke sinnliche Natur treulichst belehren. – Aber Ich helfe euch dennoch
mit und in der Natur wie ganz natürlich, nur müßt ihr euch also verhalten, wie
es die Ordnung der Natur erfordert, sonst kann Ich euch selbst bei Meinem
besten Willen niemals helfen außer zeitlich durch ein Gericht, womit aber in
der Wahrheit sicher keinem Menschen gedient sein wird.
[HiG.03_48.09.03,26] Auf daß ihr aber auch
sehet, warum Ich das Eitergeschwür der Elisabeth ein Übelchen nannte, so sage
Ich: Dies Übelchen bestand anfangs bloß in einigen wenigen unordentlichen
Spezifiken, welche, als nicht zum Wesen gehörig, ihren Ausweg suchten, weil sie
schon seit einigen Jahren durch ungeschickte Arzneien in das Fleisch der
Elisabeth gekommen sind. Sie waren früher im Fleische zerstreut, aber nun haben
sie sich gerade in der Brustgegend gefunden, vereinigt, und brachen da
gewaltsam durch. Als sie sich den Ausweg bahnten, da hätte die Seele tätig
mithelfen sollen, daß sie alle samt ihrem bösen Neste hinausgekommen wären. Da
wäre alles schon lange gut. Aber da war die Seele zum Teil von Freude, zum Teil
aber auch heimlich von einer kleinen Furcht beunruhigt und beschäftigte sich zu
wenig damit, alles Fremde aus ihrem Hause zu schaffen.
[HiG.03_48.09.03,27] Dieses Fremde ist nun
hartnäckig geworden und will nicht hinaus, weil es zu hart und sonach nicht so
leicht mehr zu Paaren zu bringen ist. Aber dessenungeachtet wird es sich doch
fügen müssen, wenn die Seele recht energisch wirken wird. Aber ohnedem kann es
sich auch noch lange halten, besonders in der ohnehin sehr hartnäckigen
Fleischnatur der Elisabeth; denn alles Fleisch, das im tieferen Norden gezeugt
wird, ist hartnäckiger, fester und dauerhafter, als das im Süden gezeugte,
daher aber auch bei Krankheiten schwerer zu heilen. – Daher soll auch die
Elisabeth nicht ängstlich sein, wenn sie länger zu leiden hat; denn fürs erste
sind die Leiden ihrem Geiste heilsam, und fürs zweite aber ist ihre Natur
danach – und besonders, so die Seele keine rechte Ruhe hat. Diese aber muß sie
sich verschaffen so oder so, da wird es ihr aber auch sicher besser werden.
[HiG.03_48.09.03,28] Ich könnte euch eine
Menge guter Mittel ansagen, die alle bei der gehörigen Ruhe der Seele die
entschiedenste Wirkung täten, aber auch bei der kleinsten Furcht nicht nur
keine Wirkung hervorbrächten, sondern die Sache noch verschlimmern würden. –
Daher bekümmert euch zuvor um die volle Ruhe der Seele, entweder auf die eine
oder auf die andere angeratene Art, dann werde Ich euch leicht helfen können
amen. – Das sage Ich, der Ich jedermann helfen kann und will, der Meinen Rat
vollends befolgt amen, amen, amen. –
Befreiung. – 14. Oktober 1848.
[HiG.03_48.10.14] Anfrage des Ans. H. über
einen im Traume gesehenen Blitzstrahl.
[HiG.03_48.10.14] O Herr, Du heiligster
Vater! Heute früh um 1/2 4 Uhr sah ich im Traume senkrecht vor mir einen äußerst
mächtigen Blitzstrahl in die Erde fahren, worüber ich außerordentlich erschrak
und sogleich erwachte und unwillkürlich an meine Brust schlug. Diesem Blitze,
der dem plötzlichen Sturze eines Engels vom Himmel glich, folgte aber kein
Donner. Wie soll ich, o Herr, diese Erscheinung mir erklären? – Mein Weib und
die Alexandrine hörten diese Nacht einen so starken Schlag ans Fenster, daß
darüber beide zugleich erwachten. Hat dieser Schlag mit dem Blitzstrahle
irgendeinen Zusammenhang?
[HiG.03_48.10.14,01] Mein Freund Ans. H. W.,
was dir heute im Traume als ein Blitz von oben nach unten fahrend zu Gesichte
kam, hat durchaus keine mißliche Bedeutung, sondern es ist für deinen Geist und
für deine Seele etwas sehr Gutes und dir heilsam Dienliches, – es ist das
Hinabsinken und das Hinwegfallen deines Fleischgeistes, der dir bisher sehr
hinderlich war an dem lebendigen Aufschwunge in Mein Reich.
[HiG.03_48.10.14,02] Dein unwillkürlicher
Handschlag auf die Brust aber war nichts als ein von deiner Seele eigens
geleiteter Mea-culpa-Schlag und zeigte dir an, daß du nun an dir selbst
bekennst, daß eben dein Fleischgeist dich bisher am meisten gefangenhielt, und
daß Ich dich auch ebendieses deines Fleischgeistes wegen mit so manchem Kreuze
heimsuchen mußte, um dich vor größeren geistigen Übeln zu bewahren. – Aber nun
habe Ich dir dieses Geistes Hauptmacht abgetrieben, und du wirst nun auch darob
mit deinem Fleische um ein sehr bedeutendes weniger Anfechtungen haben. – Ganz
aber ist der Geist des Fleisches dir dennoch nicht benommen, sondern nur dem
zum Argwirken strebenden Hauptteile nach. Solches tat Ich dir aber deines
Geburtstages wegen, auf daß du nun leichter dem neuen Geistesgeburtstage
zuschreiten kannst, besonders so du dein weiblich Hauskreuz in aller Ergebung,
Geduld und Liebe zu Mir erträgst und dich ohne Furcht und Bangen in alles
fügst, was Ich dir zusende.
[HiG.03_48.10.14,03] In der wahren
Geisterszene des Bischofs Martin hast du wohl gesehen, welch ein Meer er
auszufischen hatte, um sich also nach und nach von allen irdisch-fleischlichen
Anhängseln zu reinigen. Also würde es einst auch dir ergehen.
[HiG.03_48.10.14,04] Aber auf daß du von
allem Tode frei werden möchtest, so hast du nun auf dieser Welt schon das
Martinsche Meer in ein Hauskreuz umgewandelt vor dir, das nun für dich arbeitet
geistig, und so wirst du dann jenseits keine solche Arbeit mehr finden.
[HiG.03_48.10.14,05] Dein Mir sehr liebes
Weib muß nun freilich dem Fleische nach sehr hart leiden, aber es muß schon
alles also sein, – denn deines Weibes Seele stammt nicht von dieser, sondern
von einer anderen großen Erde (Sonne) ab. Daher verfährt ihre eigene Seele mit
dem ihr noch stets fremden Fleische also und will es reinigen; und ihr Fleisch
und Blut muß auch also gereinigt werden, ansonst es einst nicht völlig tauglich
wäre zur geistigen Umkleidung einer reineren und edleren Seele aus den
Himmelsregionen. Das Zuwiderste aber ist bei allen solchen Menschen der
notwendig durchaus stärkere Nervengeist, da ein gewöhnlicher die in sich zu
zarte Himmelsseele nicht an das grobe Fleisch dieser Erde zu binden vermöchte.
[HiG.03_48.10.14,06] Dieser starke
Nervengeist ist denn auch darum die Ursache, daß die Heilung was immer für
eines Fleischübels viel härter und langsamer vor sich geht, als es bei rein
diesirdisch normalen Personen der Fall ist. Wegen des starken Nervengeistes
sind solche Personen auch für den Magnetismus schwer geeignet, halten aber
dabei doch viel mehr aus als irdisch normale Menschen. Aber nur Geduld und
furchtloses Vertrauen, dann wird schon alles wieder gut werden!
[HiG.03_48.10.14,07] Es ist zwar wohl aus
einem Übelchen ein Übel geworden, weil beim ersten Aufbruch zu wenig Sorge
getragen wurde, den argen fremden Fleisch- und Blutgeist völlig aus der Brust
zu treiben; aber deswegen kann schon jetzt auch noch geholfen werden, so ihr
nach Meinem Rate durch die Somnambule genau handelt. Sonst aber wird das Übel
noch lange dauern. – –
[HiG.03_48.10.14,08] Der von deiner Tochter
wie auch von deinem Weibe zugleich vernommene Schlag ans Fenster hängt mit
deiner Erscheinung durchaus nicht zusammen und ist nichts als eine mutwillige
Anmeldung eines Wanderers aus dieser in die andere Welt. – Wer es aber war, das
braucht ihr nicht gar so schnell zu wissen und das kranke Weib am allerwenigsten,
weil so etwas ihre ohnehin schwache Seele noch mehr schwächen würde und des
Fleisches Heilung noch mehr verzögern. Mit der Zeit aber werdet ihr es ohnehin
erfahren, wieviel daran gelegen ist.
[HiG.03_48.10.14,09] Nun habe Ich dir alles
gesagt, was die Erscheinungen, die du, dein Weib und deine Tochter vernommen
haben, bedeuten. Ziehe dir daraus die rechte Moral; sie wird dir gut zustatten
kommen amen. –
Trost am Kreuze irdischer Leiden. – 18.
November 1848.
[HiG.03_48.11.18.a] Trostwort an Elisabeth H.
zu ihrem Namenstag.
[HiG.03_48.11.18.a,01] Meinen Vatersegen und
Meine Liebe Meiner liebsten Tochter Elisabeth! – Mein allerliebstes,
lammfrommes und sehr geduldiges Töchterchen! Wenn du wüßtest, wie endlos lieb
Ich dich habe, weil du aus Liebe zu Mir dein großes Kreuzlein so geduldig
trägst, da möchtest du es wohl keine Minute auf der finstern und überaus kalten
Erde mehr aushalten. Aber sei getrost in deinem Leiden; Ich bin ja stets bei
dir und stärke dich und tröste dich! Ich werde dir auch helfen zur rechten Zeit
– und helfe dir immerwährend.
[HiG.03_48.11.18.a,02] Freilich sind die dir
von Mir angeratenen Mittel, die dir schneller geholfen hätten, stets zu spät in
Anwendung gekommen oder auch gar nicht angewendet worden. Aber da habe auch Ich
Selbst gewisserart eine kleine Schuld daran, und das aus übergroßer Liebe zu
dir, denn du weißt es ja, daß Ich die am meisten prüfe und reinige, die Ich am
meisten lieb habe. Und so mache Ich es auch mit dir, dafür aber bist du auch
ganz Mein; und wenn du deinen Leib verlassen wirst derzeit und dereinst, so
wirst du nimmer den Tod fühlen noch schmecken, sondern wirst sehend und alles
vernehmend im hellsten Bewußtsein in Meinen Vaterschoß aufgenommen werden.
[HiG.03_48.11.18.a,03] Daher verschwinde auch
auf ewig alle Furcht vor einem Tode aus dir, denn wahrlich, du wirst jetzt und
dereinst und ewig nimmer sehen und fühlen und schmecken den Tod; denn wer Mich,
wie du, liebt auch am Kreuze irdischer Leiden, der stirbt schon, so er leidet,
– und so er aber dann eigentlich sterben solle, da wird er dafür erweckt von
Mir alsogleich zum ewigen vollkommensten Leben! – Also bist du nun auch schon
gestorben mit Mir am Kreuze, und so du auf dieser Erde noch viele Jahre in
wiedergenesenem Fleische lebtest, so wird dir dieser gegenwärtige Tod am Kreuze
deines Fleisches angerechnet, und du wirst daraus auch schon auf dieser Erde
zum wahren Leben übergehen und wirst fürder nimmer sterben, sondern im stets
klarsten Bewußtsein in Mein Reich übergehen!
[HiG.03_48.11.18.a,04] Diese ewig
unwandelbare Zusicherung gebe Ich, dein dich segnender und über alles liebender
Vater, dir zu deinem Namenstage als ein Angebinde, daß es dich heilen, stärken
und trösten solle in aller Meiner Liebe und Wahrheit amen. Mein Vatersegen sei
dir für ewig amen, amen, amen. – – –
Zum Heimgang einer Mutter. – 30. November
1848.
[HiG.03_48.11.30] Trostwort nach dem
Hinscheiden der Elisabeth H. am 29.11.1848.
[HiG.03_48.11.30,01] Ein Trost und eine
Stärkung an Meine Kinder.
[HiG.03_48.11.30,02] Höret, ihr alle Meine
lieben Kinder und Kindlein! Denn so spreche und rede Ich, euer Herr und lieber
Vater, zu euch allen, die ihr nun seid voll Trauer und Bangigkeit in euren
betrübten Herzen, dieweil Ich eure irdische Leibesmutter wahrhaftigst zu Mir
für ewig genommen habe und habe sie dadurch auch für immer erlöst von ihrem
Leiden, das sie aus großer Liebe zu Mir allerstandhaftigst und überaus geduldig
ertragen hat.
[HiG.03_48.11.30,03] Ich aber sage euch:
Weinet und klaget nicht so sehr um die in Mir für ewig Auferstandene, denn sie
ist mit Mir und in Mir am Kreuze starker Leiden gestorben dem Leibe nach – und
ist aber auch im selben Augenblick, als sie für euch dem Leibe nach sichtlich
starb, in Mir und an Meiner Seite für ewig zum wahren ewigen Leben auferstanden!
–
[HiG.03_48.11.30,04] Ihre Freude war
unbegrenzt, als sie Mich gleich erkennend ihr zur Seite erschaute, und zwar in
einem solchen Kleide, in dem Ich ihr sogleich gar wohl erkenntlich war, – und
das um so leichter, da Ich sie auch sogleich Meine Wundmale erschauen ließ, was
nur jenen zuteil wird, die durch schwere Leiden geprüft in aller Liebe zu Mir
ihren Leib verlassen. Sie freute sich auch über die Maßen und konnte gar nicht
begreifen, wie sie – da sie doch so lange gelitten – nun so plötzlich gar so
überaus gesund habe werden können. In der höchsten und wonnevollsten Entzückung
Mir zu Füßen fallend, dankte sie Mir inbrünstigst, daß Ich ihr eine so große
Gnade erwiesen habe, und bat Mich, Meine geringste Magd sein zu dürfen. – Ich
aber sagte zu ihr, wie Ich es nun auch zu euch sage:
[HiG.03_48.11.30,05] „Nicht so, Meine liebe
Tochter! Ich sage dir, die Mägde sind jene, die durch klösterliche harte Zucht
zu Mir getrieben werden, und ihr Glaube und ihre Liebe zu Mir ist eine harte
Schule. Du aber hast Mich frei zum einzigen Gegenstande deines Herzen erwählt,
daher sollst du auch nicht Magd, sondern Meine wahre geliebteste Tochter sein,
– und siehe, alles, was Ich habe, und alles, was Mein ist, das wirst auch du
haben und wird auch alles dein sein für ewig. – Du wirst auch nicht getrennt
sein von deinen irdischen Zurückgelassenen; was dein Herz in Meinem Namen ihnen
zu tun wünschet, das wirst du ihnen auch allezeit im Vollmaße tun können. Denn
alle Meine Töchter haben sich solcher Kraft aus Mir zu erfreuen für ewig, auf
daß sie allen Wünschen ihres liebevollsten Herzens nachkommen können.“
[HiG.03_48.11.30,06] Sie aber bat Mich darauf
inbrünstigst und sprach: „O Du, Mein überguter, bester, heiligster Vater Jesus!
Du mein Gott und mein Herr! Aus allen Kräften meines Herzens danke ich Dir für
solche große Gnade; aber ich weiß, daß Du all meinen Hinterlassenen endlos
besser willst als ich, die ich noch lange nicht weiß und einsehe, was ihnen
wahrhaft gut und nützlich ist. – Was Du, o mein Vater Jesus, willst, das ist
das Beste, – darum geschehe allzeit und ewig nur Dein heiligster Wille! – Mich
lasse nun, o Herr und heiliger Vater Jesus, Dich ungestört stets mehr und mehr
ewig lieben, denn ich bin nun über-, über-, überselig! Nur um das Einzige bitte
ich Dich, daß Du meinen Hinterlassenen ja recht bald ihre große Trauer um Mich
wegnehmen möchtest und ihnen dafür geben einen recht festen und lebendigen
Glauben, und daß sie Dich alle ganz erkennen und über alles lieben möchten im
Geiste und in der Wahrheit! – O Du mein liebster Vater Jesus, nur das Einzige
tue ihnen nach Deinem alleinigen Wohlgefallen!“
[HiG.03_48.11.30,07] Hierbei drücke Ich sie
an Mein Vaterherz und sage zu ihr: „Meine nun für ewig erlöste Tochter! Ich
werde alles tun, was du wünschest, des sei du für ewig versichert. Daß aber nun
deine Hinterlassenen trauern und weinen um dich, das ist auch gut, denn Ich
Selbst gebe ihnen Tränen zur Ableitung ihrer Trauer. Und so hart es für sie nun
auch ist, da Ich dich nun schon lieber vollends zu Mir nahm, als daß Ich dich
noch auf der nun überfinsteren Erde längstens noch ein paar Jahre hätte
dahinsiechen lassen, – so wird es ihnen aber bald auch ebenso leicht werden, so
sie mehr nüchtern erst recht klar erkennen werden, wie gut es dir nun ergeht. –
Komme aber nun auch alsogleich in Mein Haus; dort wirst du alle deine
Vorangegangenen treffen, und die Maria, Meines Leibes Mutter wird dir nebst
deiner leiblichen Mutter vier schon ganz großerwachsene und gar wohlerzogene
Kinder entgegenführen, an denen du viel Freude haben wirst. Diese haben Mich
auch am meisten gebeten, daß Ich dich bald zu ihnen bringen möchte, und so habe
Ich auch getan, was Ich sonst erst in zwei Jahren getan hätte. Sie möchten wohl
auch die anderen alle bei sich haben, aber sie stellen sich nun schon
zufrieden, daß sie nur endlich einmal dich bekommen.
[HiG.03_48.11.30,08] Als Ich ihnen eröffnete,
daß Ich Selbst nun dich abholen gehe, da war es völlig aus bei ihnen. Sie
wollten alle mit Mir dir entgegenziehen, aber sie ließen sich endlich doch
beschwichtigen, da Ich ihnen die volle Versicherung gab, daß Ich dich diesmal
ganz bestimmt mitbringen werde, – denn es hätte dir irdisch auf ein paar Jahre
wohl noch geholfen werden können, wenn alles auf ein Haar wäre befolgt worden,
was Ich durch den Knecht und durch die Tochter Lori angeraten habe. Aber Mir
Selbst ist es also auch viel lieber, da du sonst auf der Erde noch gar viel
hättest zu erleiden gehabt. Leiblich wärest du stets siech und schwach
geblieben, und in deinem Gemüte hättest du auf der nun überargen Welt gar wenig
heitere Stunden mehr durchlebt, daher meine Ich, daß es nun für dich also
besser ist.“
[HiG.03_48.11.30,09] Spricht sie: „O ja, o
ja, Du mein liebster Vater Jesus! Weil ich nur Dich habe, da frage ich um
nichts mehr. Mir ekelt es nun gar stark, so ich die Erde tief unter mir
anschaue. – O Jesus, ich danke Dir über alles, daß Du mich so sanft von meinem
schlechten Fleische erlöset hast! Dein heiliger Wille geschehe!“ – –
[HiG.03_48.11.30,10] Nun führe Ich sie in
Mein Haus und tue euch das zu wissen, auf daß ihr wißt, wie es eurer Mutter
geht, was euch tröste und stärke in Meinem Namen amen. – Das sei euch in
vollster Wahrheit gesagt amen, amen, amen. – –
Euer aller Trost. – 2. Dezember 1848.
[HiG.03_48.12.02.a] An Andr. H. W. am
Begräbnistag der Elisabeth H.
[HiG.03_48.12.02.a,01] Tröste deinen Bruder,
dessen Weib Ich zu Mir nahm! Er und sein Haus trauern nun, da Ich Meine liebe
Tochter zu Mir zurücknahm. Ich sehe ihre Trauer und habe Freude an ihren
Tränen; aber Ich will sie alle trösten und stärken mit Meinem Geiste, mit
Meiner großen Liebe! Darum sollen sie fürder nicht weinen; denn Ich werde sie
sehr trösten und stärken und werde machen, daß sie sehr jubeln werden und
frohlocken in Meiner großen Liebe, – denn Ich allein bin es, der da gibt
Traurigkeit und Freude, da Ich ein Herr bin aller Herzen und was in ihnen ist.
[HiG.03_48.12.02.a,02] Wohl hätte Ich sie
noch länger können auf der Erde lassen, denn bei Mir sind alle Dinge gar wohl
möglich. Aber was würdest du wohl tun, so du eine Tochter irgendwo hättest in
der Fremde zur Ausbildung, die Tochter aber sendete dir einen brennendsten
Liebesseufzer um den andern zu und gäbe dir aufrichtigst kund, wie endlos gern
sie zu dir nach Hause käme, obschon ihr die Reise auch noch so beschwerlich
scheine? – Siehe, du würdest trotz aller Bitten ihrer guten Erzieher in der
Fremde am Ende dennoch den Bitten deiner Tochter all dein Gehör schenken und
würdest ihrer großen Sehnsucht Gewähr leisten. – So ist es auch hier. Was Ich
hier tat, das tat Ich nicht so sehr Meinet- als vielmehr der großen Sehnsucht
Meiner lieben Tochter willen.
[HiG.03_48.12.02.a,03] Darum saget auch
nicht, daß Ich hier hart und unerbittlich gewesen wäre, – o nein, gerade das
Gegenteil; denn so viele bitten, die einen hin, die anderen her, so gewähre Ich
allezeit die Bitte nur dem Teile, der mit der stärkeren Liebe zu Mir bittet.
Die schwächer Bittenden aber sollen den Trost haben, daß Ich auch ihre Bitten
in das Buch des Lebens zeichne und sie einst auch in aller Fülle werde gewähren
lassen. Das aber sei euer aller Trost, daß Ich wahrhaft bei euch bin und
verbleibe für ewig amen. –
Drei Worte: Stehe, gehe, falle. – 13.
Dezember 1848.
[HiG.03_48.12.13] O Herr! Dem A. H. W. kamen
gestern morgen beim Erwachen plötzlich, als er an K. F. J. dachte, die drei
Worte in den Sinn: Stehe, gehe, falle! Da wir sie nicht zu deuten wissen, so
bitten wir Dich, o heiligster Vater, daß Du uns darüber, so es Deinem
heiligsten Willen nicht zuwider wäre, ein kleines Lichtlein geben wollest!
[HiG.03_48.12.13,01] So schreibe! – An dem
Trilogon liegt eben nicht gar soviel, als ihr es meinet, da es einen ganz
naturgemäß richtigen Erscheinungszustand ausdrückt, der wohl jedem Menschen
zuteil werden kann, so er diesem ganz natürlichen Trilogon gemäß handelt.
[HiG.03_48.12.13,02] Wisset ihr denn nicht,
daß Ich jedem Menschen durch ein und dasselbe Gebot der Liebe auch eine und
dieselbe endliche Bestimmung gestellt habe und habe ihm somit auch ein und
dasselbe unwandelbare Ziel gesetzt, das er einzig und allein zu verfolgen, zu
erreichen und endlich fest zu ergreifen und für ewig in den vollsten Empfang zu
nehmen hat? – Ich meine, das dürfte euch ohne weitere Erläuterung klar sein.
Nun aber, so jemand – sei er irdisch ein Bettler oder ein Kaiser – das Ziel
wohl kennt, es eine Zeitlang verfolgt und dann aber, da er an dasselbe kommt,
vor ihm stehenbleibt und es nicht ergreift, als ob es ihn gereuete, daß er es
erreicht hat – der fällt, weil er vor dem Ziele stehenbleibt und es nicht
ergreift.
[HiG.03_48.12.13,03] Der aber ist es, der da
stehet, so er die Mittel vollauf in seinen Händen hat und ergreift sie nicht
und gebraucht sie nicht, was dann der sichere Grund ist, daß er fällt; denn so
ein Hungriger eine Speise sucht und sie auch findet, – so er sie aber gefunden
hat und sie nicht genießt in der Meinung, daß sie ihm Schaden bringen könnte,
da muß er sich dann aber ja auch selbst die Schuld zuschreiben, so er vor
Schwäche zusammensinkt und stirbt.
[HiG.03_48.12.13,04] Da aber derjenige, der
am Ziele, ohne es zu ergreifen, stehenbleibt, schon fallen muß, um wieviel mehr
erst der, der übers Ziel hinausgehen will. Wer aber ist es, der da übers Ziel
hinaus weitergeht? – Ich sage es euch, der ist es, der seine von Mir ihm gegebene
Bestimmung zu anderen Zwecken benützt oder benützen will, als wozu Ich sie ihm
gegeben habe. Ein solcher fällt dann um so eher und leichter, weil er nach der
Überschreitung des gegebenen und gestellten Zieles auf ein grund- und
bodenloses Feld sich begibt, auf dem er nimmer einen festen Standpunkt finden
und nehmen kann.
[HiG.03_48.12.13,05] Alsonach besagt das für
euch so rätselhafte Trilogon nichts anderes als: So Ich, dein Herr und Gott,
dir so viel Gnade erwies und stellte dich schon vor das sonst schwer zu
erreichende Ziel und du erkennst es, bleibst aber vor ihm stehen wie ein eitler
Geck voll Hunger vor einer vollen Schüssel, da verhungere, falle und stirb! –
Und bist du also am Ziele und erkennst, daß es das rechte ist, ergreifst es
aber nicht, sondern gehst an demselben nur also hochtrabend und herrschsüchtig
vorüber, als wäre die Beherrschung und Tyrannisierung der ganzen Unendlichkeit
dir und deiner Macht beschieden, da ist der Fall desto mächtiger und desto
voller jeglichen Unheiles, und es ist dann auch sogar unmöglich, solch einem
Gefallenen wieder aufzuhelfen und ihn zurück ans wahre Ziel zu bringen, wie
solches auch Paulus in einem Briefe an die Hebräer (6,4-8) zeigt, da er also
spricht:
[HiG.03_48.12.13,06] „Denn es ist unmöglich,
daß die, so sie einmal erleuchtet sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe
und teilhaftig geworden sind des heiligen Geistes und geschmeckt haben das
gütige Gotteswort und die Kräfte der künftigen Welt, wenn sie dennoch abfallen
und wieder in ihnen selbst von neuem kreuzigen den Sohn Gottes und ihn
verspotten, – daß sie dann wieder sollen erneuert werden zur Buße (d.h. zur
gültigen und wirksamen Rückkehr). Denn nur die Erde, die den Regen trinkt, der
oft über sie kommt, und gutes Kraut denen trägt, die sie bebauen, empfängt
Segen von Gott. Welche aber Dornen und Disteln trägt, die man hernach
verbrennt, ist kein nütze und dem Fluche (d.i. dem Falle) nahe.“
[HiG.03_48.12.13,07] Ich meine nun, ihr
werdet auf diese gründliche Erläuterung euer ominöses Trilogon wohl verstehen
und somit auch einsehen, wie es zu nehmen ist für jedermann, ob er ein Kaiser
oder ein Bettler ist, – denn vor Mir ist einer wie der andere gleich. Übernimmt
sich ein Kaiser, wie es schon mit gar vielen der Fall war, da sehet Napoleon an
und ersehet die Folgen solch herrschsüchtigsten Übermutes. – Und übernimmt sich
ein Bettler in zu großer Würdigung und geheimer Hochschätzung seiner Armut und
wird darum zudringlicher, als es ihm gebührt, da muß er sich's dann auch selbst
zuschreiben, so er von der Türe gewiesen wird, vor der er zu stark betteln
wollte.
[HiG.03_48.12.13,08] Mehr brauche Ich euch
nicht zu sagen, denn alles andere, was daraus noch für die Zeit und für die
Ewigkeit folgen kann, werdet ihr ohne weitere Erläuterung wohl von selbst sehr
leicht zu folgern imstande sein. – Nur das sei euch allen gesagt, daß ihr das
alles auch zuvörderst an euch beachtet, so werdet auch ihr zu dem Erdreiche
gehören, das da von Mir gesegnet wird, da es ein gutes und bequemes Kraut denen
bringt, die es mit allem Fleiße besäen amen. Das spricht der allezeit
Wahrhaftige amen, amen, amen. – –
Stärkung der Nerven. – 17. Juli 1849.
[HiG.03_49.07.17] Auf die Anfrage des C. L.
[HiG.03_49.07.17,01] Der betreffende
Lebensdüsterling ist zufolge seiner zu übertriebenen mit der Ehre seines
Standes im Verbande stehenden Gewissenhaftigkeit in seinen innersten
Seelenverbandsnerven geschwächt worden. Diese Nerven, die die Seele gewisserart
umhüllen und sie vor den zu nackten Eindrücken von seiten der Außenwelt
schützen, können ihr nun keinen kompletten, sondern nur einen partiellen Schutz
bieten, daher sie denn auch bald in einer, bald wieder in einer andern
Lebensbeziehung von außen her notwendig zu heftig berührt wird.
[HiG.03_49.07.17,02] Solch eine zu wenig
durch besagte Nerven bedeckte und gedämpfte Berührung vibriert dann in der
äußerst erregbaren Seele oft Tage, ja oft sogar Wochen und Monate lang fort,
und zwar in derselben Vibrationsform, in der sie zuerst erregt wurde. Diese
Vibration versetzt aber dann auch alle andern normalen, aber natürlich
schwächeren Eindrücke von der Außenwelt in ein verworrenes unbestimmtes
Mitbeben, aus welchem Grunde dann die Seele in jeder ihrer sonst ganz
geordneten Lebensbeziehungen und jedem Verhältnisse beinahe geradeso beunruhigt
wird wie das Auge, so es auf den Grund eines noch so reinen Wassers schaut,
wenn dessen Oberfläche von allerlei Kreuz- und Querwellen durchfurcht wird.
[HiG.03_49.07.17,03] Das Auge erschaut da
wohl auch noch Gegenstände auf dem Grunde, kann aber nimmer mit Bestimmtheit
entnehmen, was die Gegenstände sind, weil ihre eigentliche Form durch zu starke
und zu unbeständige Strahlenbeugungen zu sehr zerrissen und verunstaltet zu dem
sorglich spähenden Auge gelangt. Oft wird da durch die Konvexierung des
obersten Wasserspiegels ein kleines Steinchen zu einem Kolosse, oft wieder
durch Konkavierung des Wasserspiegels ein ganzer Fels zu einem kaum faustgroßen
unförmlichen Klumpen.
[HiG.03_49.07.17,04] Und siehe, geradealso
ergeht es einer auf die beschriebene Art verwirrten Seele. Sie ersieht dann in
solcher ihrer Vibration aus dem Eindrucke, den ihr eine Mücke verursachte, ein
furchterregendes mammutgroßes Monstrum, und ein Elefant sinkt nicht selten zur
Mückengröße herab. Solche Menschen sind dann auch stetige Skrupulanten. Wenn
ihnen an ihrem Rocke ein Knopf reißt, so erscheint ihnen das, als wenn ein
Weltkörper aus seiner Bahn geworfen worden wäre, während sie den Einsturz eines
ganzen Hauses oft kaum bemerken.
[HiG.03_49.07.17,05] Solch ein
physiko-psychisches Übel kann daher, weil es mehr ein physisches als so ganz
eigentlich psychisches zu nennen ist, auch zuerst durch ein taugliches
Naturmittel geheilt und behoben werden. Dergleichen Mittel wären zum Beispiel
etwa ein fünf bis sechs Wochen langer Urlaub vom täglichen Geschäft, Umgang mit
heiteren Menschen, häufiger Genuß von reiner Gebirgsluft, Stahlbäder und andere
eisenhaltige Mineralbäder, nur keine Schwefelbäder. Auch Meeresbäder wären gut.
Essen und Trinken, was einem schmeckt. Ein guter Wein ist jedoch besser als
Bier und eine frische Brühe besser als der Kaffee, der schwarze taugt am
schlechtesten. So wäre auch der Genuß eines reinen Alpenwassers sehr zu
empfehlen, wie überhaupt ein durch ein paar Wochen andauernder Aufenthalt auf
einer Alpe mit ein paar guten, heiteren Freunden.
[HiG.03_49.07.17,06] Wenn auf diese Art die
Seele wieder durch die rechte Stärkung der sie umgebenden Nerven zu ihrer
natürlichen Ruhe gelangt, dann kann auch leicht wieder durch gute und weise
Worte auf sie eingewirkt werden, was jetzt beinahe eine fruchtlose Mühe wäre.
Überhaupt aber solle betreffender Leidling auch vom Beischlafe soviel als
möglich eine gute Zeit lang sich enthalten, so wird seine Heilung desto eher
und leichter erfolgen. Auch der Gebrauch der evangelischen Öl- und Weinsalbe
würde ihm gute Dienste tun, und dabei recht viel Bewegung in freier reiner
Luft, besonders nach einem Gewitter.
[HiG.03_49.07.17,07] Das also Meinem lieben
Freunde und Bruder zu seiner Einsicht, Beruhigung und möglichen Darnachachtung
unter Meinem Segen und Schutze Amen. –
Anfrage Jakob Lorbers wegen der geistigen
Erscheinung des Herrn am Reinerkogel. (zur Zeit der Niederschrift des
Jenseitswerkes ‚Robert Blum‘) – 4. Oktober 1850, nachmittags 1/2 5 Uhr.
[HiG.03_50.10.04] Herr! Du bester Vater! Ich
möchte hinziehen auf des Hügels Spitze, die Du heute beziehen wirst, um Dich da
zu erwarten; aber mich durchdringt eine große Furcht, denn zu heilig dünkt mich
der Ort, da ich ein Sünder bin! – Was solle ich tun? –
[HiG.03_50.10.04,01] Heute nicht! Verstehe,
heute nicht; denn es gibt heute eine große Menge unlauterer Geister, diese
müssen zuvor abgefertigt werden. Aber Morgen nachmittag um 1/2 6 Uhr komme du
und wer noch mit dir kommen will; da werde Ich euch persönlich Selbst segnen.
Die Stelle werde Ich dir schon oben anzeigen.
[HiG.03_50.10.04,02] Kommet Mir heute aber
wie allezeit nur in eurem Herzen entgegen und empfanget Mich also, und Mir wird
es lieber sein, als wenn ihr euch heute auf dem Berge bei Meiner Ankunft
einfinden würdet.
[HiG.03_50.10.04,03] Betrachtet aber um diese
Zeit von ferne diesen Hügel und gebet auf alles acht! Ihr werdet es schon
merken können, wenn Ich ankommen werde. – Mein Segen zum voraus an euch alle,
die Mich erkennen, lieben und Mein Gesetz der Liebe beachten amen! –
[HiG.03_50.10.04,04] (Ich befinde Mich jetzt
in der Gegend bei Straßengel.)
Denkwürdiges am Reinerkogel. – 5. Oktober
1850
[HiG.03_50.10.05] Was sich an den in
vorstehender Kundgabe erwähnten beiden Tagen, dem 4. und 5. Oktober 1850, am
Reinerkogel bei Graz an Denkwürdigem zugetragen hat, erfahren wir in dem Diktat
an Jakob Lorber, das über die Jenseitsführung des Robert Blum simultan
berichtet:
[HiG.03_50.10.05,01] (Der Herr:) „... wir
ziehen denn ganz gemach unter mannigfachen Besprechungen weiter und gelangen
genau um 6 Uhr abends, den 4. Oktober 1850 zu dem vorbestimmten Platze, um
welche Zeit ihr, Meine Freunde, euch am Schloßberg befandet und durch allerlei
vorübergehende Zeichen in der Form, dann durch ein in euch gewecktes Gefühl,
das euch stärkte, durch die Ruhe in der Natur, durch die ehrfurchtsvolle
Stellung der Wolken wie auch durch die freundliche Beleuchtung und Reinigung
des Hügels Meine Ankunft überaus gut und wohl verspürbar habet merken können.
[HiG.03_50.10.05,02] Gleich bei Meiner
Ankunft fingen Massen von Geistern aller Art an, sich an den Hügel zu drängen.
Viele darunter ganz böser Art. Diese wurden jedoch schnell gegen Abend hin
gedrängt. Die Verdunklung des Plabutschberges durch schwarze Dünste benachrichtigte
sogar eure Sinne davon. Ja sogar Satana war unter diesem Auswurfe! – Mehr um
den Fuß des Hügels lagerten sich bessere Wesen und baten um eine Verbesserung
ihres Loses, die ihnen auch gewährt wurde. Nach der Gewährung zogen sie dankbar
ab.
[HiG.03_50.10.05,03] Darauf kam vom
Schöckelberg her eine ganze Legion Geister, noch sehr dem Naturreiche
angehörend. Ihre Ankunft mochtet ihr durch eine Feuerröte an der rechten Seite
gegen drei Viertel auf sieben Uhr recht deutlich wahrnehmen. Diese verlangten
ganz ungestüm die volle Erlösung vom beschwerlichen Bergdienste; sie wurde
ihnen zum Teil gewährt. Und sie gaben sich zufrieden, was ihr durch das
Verschwinden dieser Helle habt entnehmen können.
[HiG.03_50.10.05,04] Darauf kam eine Menge
Geister von allen Gegenden der Umgebung dieses Ortes, und sie baten um die
Segnung dieser ganzen Gegend. Sie wurde ihnen auch noch vor der siebenten
Stunde gewährt. Ihr habt diese Segnung mitempfangen und habt sie durch einen
regenbogenfarbenen Lichtausguß übers flache Land sehr wohl merken können.
[HiG.03_50.10.05,05] Der Freund Ans. H. W.
hat auch in Gestalt von Sternchen die Anwesenheit der vielen Monarchen gesehen,
die sich gegen Süden hin am Berge gelagert haben. Du, Mein Knecht, aber hast
gegen Osten hin ganz auf der Höhe einen weißen Lichtschimmer gesehen. Das war
Ich zwischen den vier Quartiermachern und den drei Aposteln.
[HiG.03_50.10.05,06] Die Nacht hindurch ist
noch eine Menge unzufriedener Geister beruhigt und abgefertigt worden, und sie
haben sich mehr zur Ruhe begeben, was auch bald die für euch sichtbar heitere
Nacht zur Folge gehabt hat wie auch den heutigen reinen Morgen und
darauffolgenden Tag. Es werden sich zwar immer Wolken zeigen. Das sind Geister,
die noch immer etwas mehr wollen, als sie schon empfangen haben. Aber ihre
Liebe ist noch schwach, daher auch ihr Gewinn nicht stärker.
[HiG.03_50.10.05,07] Heute, den 5. Oktober um
halb zehn Uhr, kam eine Schar starker Geister durch die Luft, gab Mir Ehre, Lob
und Preis und errichtete Mir schnell ein erhabenes Wohnhaus. „Dennö, sagte ihr
Anführer, „es ist nicht fein, den Herrn der Herrlichkeit auf dem schmutzigen
Erdgrunde weilen zu lassen.“
[HiG.03_50.10.05,08] Ich aber sagte zu ihnen:
„Lasset ab von eurem Eifer! Ich weiß, warum Ich also handle, und warum Ich nun
die Erde berühre mit Meinen Füßen. Ziehet ein dies Gezelt! Wollte Ich eine
Wohnung, so stünde sie sogleich Meiner würdig da. Erbauet aber dafür lieber in
eurem Herzen Mir ein rechtes Haus; das werde Ich dann zur Wohnung nehmen ...“
Jakob Lorber und seine Freunde im
Gesichtskreise der heiligen Gesellschaft – 6. Oktober 1850
Brücke zwischen der Sinnen- und Geisterwelt –
24. Februar 1854
[HiG.03_54.02.24,01] Ob die bei Tier und
Mensch die materiellen Glieder in beliebige Bewegung setzende Seelenkraft in
dem wohlkonstruierten Organismus des an und für sich toten Leibes allerlei
wunderbare Wirkungen lediglich durch den Willen zustande bringt, oder ob der
lebensfrohen Seele Lebenskraftteilchen durch irgendein taugliches Leitmittel in
einen anderen außer dem Menschenleibe befindlichen, obschon an und für sich
eigentlich toten Gegenstand geleitet und dort wie für sich, wennschon auf eine
natürlich etwas plumpe Art tätig werden – weil ein solcher grobmaterieller
Gegenstand des tauglichen Organismus entbehrt, den ein wohlorganisierter Leib
zu den verschiedenen Lebensverrichtungen besitzt –, so ist das im Grunde
dennoch fast ein und dasselbe und demnach von einem rein geistigen Einwirken da
noch lange keine Rede.
[HiG.03_54.02.24,02] Ein Gegenstand wird demnach
desto heftiger in eine gewisse plumpe Tätigkeit versetzt werden, je
lebenskräftiger Menschenseelen sind, die – durch eine Kette vereint – den
Überfluß ihrer aus der Natur in sich aufgenommenen Lebenskraft diesem
Gegenstande mitteilen. Bilden die Kette aber Menschenseelen, die infolge ihrer
ausschweifenden Lebensweise keinen Überfluß an seelischer oder magnetischer
Lebenskraft besitzen, so wird in dem berührten Gegenstand entweder keine oder
eine nur höchst schwach übergegangene oder überwirkende Lebenskraft verspürt.
Aus diesem Grunde bewirken Kinder, deren Seelen – abgesehen von ihrem oft sehr
schwachen Leib – eine große Menge überflüssiges Lebensfluidum besitzen, nicht
selten mehr des Staunenerregenden, und das oft in kürzester Zeit, als dem Leibe
nach allerstärkste Männer.
[HiG.03_54.02.24,03] Die Ursache dieser
Erscheinung liegt ganz einfach darin: Bei leibesstarken Menschen werden die
sogenannten überflüssigen Lebenskräfte der Seele zur Robustierung des Leibes
gleichfort verwendet, aus welchem Grunde die Herkulesse in ihrer
Intelligenzsphäre auch zumeist am Scheideweg sich die Köpfe zerbrechen, was sie
tun sollen, während leibesschwache Menschen, deren Seelen ihre überflüssige
Lebenskraft nur zu ihrer geistigen Kraft verwenden, zumeist intelligenzhell in
einer oder der anderen Sphäre sind.
[HiG.03_54.02.24,04] Daß solche Menschen,
besonders des weiblichen Geschlechts und vorzugsweise in der Jugend, wo die
Seele die in ihr ruhenden überflüssigen Lebenskräfte noch nicht einmal zur
Bildung ihrer Intelligenzsphäre zu sehr zu verwenden angefangen hat, bei den
nun zu erläuternden Tischrückungs-Experimenten stets die staunenerregendsten
Erscheinungen zustande bringen, wird auf Grund des bisher Gesagten nicht schwer
zu begreifen sein. Und das um so leichter, wenn man folgerichtig annehmen muß,
daß bei jedem Menschen fortwährend ein Ausfluß oder besser ein Ausströmen
seiner überflüssigen Lebenskraft in jeder Sekunde stattfindet. Dadurch wird
sogar außerhalb des Menschen eine odisch-magnetische Lebenssphäre gebildet,
ohne die kein Mensch aus der ihn umgebenden Luft seine Lebensspezifika an sich
ziehen könnte, aus welchen eben die Seelenbestands- und Lebenssättigungsteile
durch den Nervenäther endlich als gewisserart naturgemäß substantielle
Sättigung der eigentlichen Seele zugeführt werden.
[HiG.03_54.02.24,05] Durch diesen jeden von
außen her umgebenden seelischen Lebensätherkreis ziehen sich die Menschen, wie
sogar auch die Tiere äußerlich an – oder stoßen sich ab, je nachdem der
Lebensäther-Ausfluß einer Seele mit dem einer andern korrespondiert oder nicht.
[HiG.03_54.02.24,06] Von der Qualität dieses
Lebensäthers, der wie gezeigt die Außenlebenssphäre eines Menschen bildet,
hängt auch zumeist die geschlechtliche Liebe ab. Es geschieht darum auch öfter
und leichter, daß ein Mann in ein Weib, als umgekehrt, verliebt wird, weil eben
das Weib stets einen größeren und kräftigeren Außenlebensätherkreis um sich
gebildet erhält als der Mann, der seinen Lebensäther-Überfluß häufiger zu
seiner inneren intelligenten Lebensausbildung verwendet und darum nach außen
hin nur einen dürftig notwendigen und seltener einen überflüssigen
Lebensätherkreis unterhalten kann.
[HiG.03_54.02.24,07] Wird aber ein Weib sehr
hochgebildet und gelehrt, so wird es auch weniger Anziehendes darzubieten
imstande sein, weil ihr äußerer Lebensätherkreis darum ein magerer wird, weil
ihr innerer sich gleich dem männlichen zu ihrer intelligenten inneren
Seelensättigung verwenden lassen muß.
[HiG.03_54.02.24,08] Es wird aber ebenso ein
Mann, der sich mit geistigen Dingen wenig oder gar nicht abgibt, einen
kräftigen Außenlebensätherkreis um sich erhalten und dadurch das weibliche
Geschlecht um vieles mächtiger zur geschlechtlichen Liebe an sich ziehen als
ein geistiger Mann. Und das alles ist Wirkung des Lebensäther-Überflusses einer
Menschenseele, aus dem ein stärkerer oder schwächerer Außenäther-Lebenskreis
beim Menschen, natürlich ohne ihr besonderes Zutun, gebildet wird.
[HiG.03_54.02.24,09] Wenn aber oft Männer,
die zwar für ihre innere intelligente Seelenbildung viel getan und dadurch
unwillkürlich die Robustierung ihres Leibes beiseite gesetzt haben, in ein
vorgerückteres Alter kommen, wo sie für die weitere Ausbildung ihrer Seele aus
einer gewissen Bequemlichkeitsliebe nichts Besonderes mehr tun, so bildet sich
dadurch bei ihnen auch wieder ein starker Außenlebensätherkreis, aus dem heraus
und durch den sie dann viele Fähigkeiten besitzen, besonders auf das Weib
od-psycho-elektromagnetisch einzuwirken, und das Weib kann durch die Berührung
in den sogenannten magnetischen Schlaf gebracht werden. Der Mann wird aber
dadurch sicher zur geschlechtlichen Liebe erregt und am Ende bis über die Ohren
verliebt, besonders wenn er durch öfteres und anhaltendes Verweilen im
weiblichen Außenlebensätherkreis seinen eigenen Außenlebensätherkreis zu sehr
mit dem weiblichen amalgamiert hat.
[HiG.03_54.02.24,10] Würde ein solcher Mann
in einer solchen Periode sich möglichst zurückziehen, so würde am Ende ein
solch mächtig angewachsener Außenlebensätherkreis die Seele sehr stark anziehen
gleichwie ein gut gedüngter Boden den Keim zur künftigen Lebensfrucht, und der
in der Seele ruhende Gottesfunke – Atma, Geist – würde in der Seele frei und
voll göttlicher Tatkraft. Und das wäre dann die für das ewige Leben der Seele
des Menschen bedungene Wiedergeburt im Geiste. Der Mensch würde dadurch erst zu
einem vollkommenen Menschen, dem die ganze Natur in allem und jedem ohne
irgendeinen möglichen weiteren Schaden für sein ganzes Wesen zu Gebote und zum
vollen Genusse stünde. Aber diesen endlos großen Vorteil alles Lebens beachten
solche Menschen nicht. Sie schwelgen lieber im Vollmaße ihres
Außenlebensäthers, verpuffen ihn gewisserart, und lassen dadurch ihr Atma
verkümmern.
[HiG.03_54.02.24,11] Da wäre denn gezeigt,
warum eigentlich beim Menschen sich fortwährend ein äußerer
psycho-od-ätherischer Außenlebensätherkreis bildet. Aus diesem Kreis nimmt die
Seele ihre substantielle Seelenleibes-Nahrung. Und ist in dem Fleischleibe der
Seelenleib vollends ausgebildet und lebenskräftig, dann erst geht die weitere
Lebensausbildung auf den Geist über. Denn in der großen Gottesschöpfung
geschieht nirgends ein Sprung, sondern es zeugt immer sukzessive eins das
andere, und eines geht aus dem andern hervor.
[HiG.03_54.02.24,12] Der Mensch beginnt aus
dem Samenkeime im Mutterleib zu werden und zu wachsen. Sind nach Verlauf der
ordnungsmäßigen Zeit alle Bedingungen erfüllt, so wird der gewordene Mensch von
den Banden seiner engen Werdenswelt gelöst und ausgeboren in die große
Außenwelt. Im Augenblick verändern sich auch alle früheren Lebensverhältnisse.
Der Mensch fängt an, Nahrung zu sich zu nehmen von der Außenwelt, und das
doppelt: für das Wachsen und Gedeihen des Leibes und dessen zum Gebrauche
notwendigen Naturleben durch den Magen – und für das Wachstum und das Gedeihen
der Seele durch alle die am Leibe befindlichen Sinnesorgane, die ihre ihnen
zusagende Kost aus dem od-psycho-ätherischen Außenlebenskreise nehmen.
[HiG.03_54.02.24,13] Anfangs wird freilich
das meiste zum Gedeihen des Leibes und dessen Naturleben verwendet, das
hauptsächlich im fleischlichen Herzen seinen od-elektromagnetischen Sitz hat
und so lange fortdauert, als die kleine od-elektromagnetische Lebensbatterie
die gerechte und hinreichende Nahrung hat. Ist der Leib einmal ausgebildet,
dann erst wird die Seele freitätiger und verwendet den Außenlebensätherkreis zu
ihrer eigenen freien Ausbildung.
[HiG.03_54.02.24,14] Geht nun die Seele nicht
in eine gewisse träge Genußsucht über, sondern arbeitet tätigst an ihrer
inneren Ausbildung, so belebt sie den Keim des Atma in sich, und dieser wächst
dann schnell, wird endlich in der Seele selbst ausgeboren und nimmt sodann die
ganze Seele in sich auf und wird eins mit ihr. Die also veredelte und
vergöttlichte Seele wirkt dann auf den Leib zurück, veredelt dessen ätherische
Lebensteile und macht sie zu den ihrigen, was dann eine wahre Auferstehung des
Fleisches ist.
[HiG.03_54.02.24,15] Ein solcher Leib, der
schon bis auf seine allergröbsten Materieteile mit der Seele vollends
unsterblich ist, veredelt und vergöttlicht dann aber auch den jeden Menschen
von außen her umgebenden Lebensätherkreis, wodurch dieser dann zum
intelligenten Leben wird und sich, wie die Fäden einer Spinne, nach allen
Richtungen als intellektuell-lebendig fühlend ausdehnt.
[HiG.03_54.02.24,16] Durch diesen Lebenskreis
kann dann die Seele sich in die weitesten Fernen hin gewisserart intellektuell
ausdehnen und alles fühlen, hören und sogar schauen, was selbst die
entferntesten Schöpfungsräume für sie vordem verborgen hielten.
[HiG.03_54.02.24,17] Menschen, die noch ein
sehr einfaches Naturleben führen und bei denen der besprochene Außenlebenskreis
aus ganz natürlichen Gründen eine große Ausdehnung erhalten hat, fühlen die
Annäherung irgendeines Feindes auf viele Meilen Entfernung, ebenso einen
herannahenden Sturm und können aus der Erfahrung Tag und Stunde bestimmen, wann
er eintreffen wird. So haben auch Tiere, besonders Hunde, eine außerordentlich
starke Sensitivität in ihren Geruchsorganen, wodurch sie den Außenlebenskreis
ihres Herrn auf viele Stunden bestimmt als den ihres Herrn erkennen, nach dem
Hauptzuge desselben fortlaufen und so ihren Herrn ganz sicher finden.
[HiG.03_54.02.24,18] Die schottischen Hunde
besitzen die stärkste Sensitivität und sind daher als Menschenretter am besten
zu brauchen. Man könnte solche Hunde auch dazu verwenden, daß sie angäben, ob
ihr verstorbener Herr wirklich oder nur scheintot ist. Läuft ein solcher Hund
bis zum Grabe seinem verstorbenen Herrn nach, so ist die Seele des Herrn noch
nicht völlig aus dem Leibe und der Verstorbene kann füglich als scheintot betrachtet
werden. Kümmert sich aber solch ein Hund gar nicht mehr um seinen Herrn, so ist
dieser dem Leibe nach auch wirklich tot.
[HiG.03_54.02.24,19] So wir nun aus dieser
kurzen Darstellung der Lebenskraft-Verhältnisse nur irgend einen Begriff von
den Ursachen der Wechselerscheinungen des Lebens erhalten haben, so wird es nun
sicher keine besonderen Schwierigkeiten mehr haben zu begreifen, worin so
manche für den unerfahrenen und unkundigen Menschen in der transzendentalen
Sphäre der vereint wirkenden rohen Natur- und reiferen Lebenskräfte
gespenstisch-geisterhaft scheinende Erscheinungen und Vorkommnisse ihren Grund
haben.
[HiG.03_54.02.24,20] Wie schon gleich anfangs
berührt wurde, so kann und wird das sogenannte Tischrücken lediglich durch die
vereinte Kraft von mehreren mit einer starken Außenlebensätherkraft versehenen
Menschen – die solche Kraft irgendeinem Objekt mitteilen – auf eine ebenso
unfehlbare Art bewerkstelligt, wie die vielfach erprobte mannigfache Wirkung
der in einer Leidener Batterie angesammelten elektrischen Fünklein, die aus dem
einfachen Konduktor nahe wirkungslos hervorspringen. Nur ist das bekannte
elektrische Fluidum eine noch ganz rohe, wennschon auch in die transzendente
Sphäre überragende Naturkraft; wogegen die od-psycho-elektromagnetische
Außenlebenskraft eine weiter geläuterte und daher schon mit einer ihrer selbst
bewußten Intelligenz versehene ist.
[HiG.03_54.02.24,21] Die intelligente Sphäre
der durch eine Menschenkette in einem Objekt konzentrierten Außenlebenskraft
aber potenziert sich ganz natürlich, wenn in der Kette ein oder auch mehrere
Menschen sich befinden, deren Außenlebenssphäre aus den bereits
bekanntgegebenen Gründen sehr stark und intensiv ist.
[HiG.03_54.02.24,22] Befände sich gar ein im
Geiste Wiedergeborener in der Kette, so würden die intelligenten Erscheinungen,
etwa das sogenannte Tischklopfen oder Tischschreiben, sich auf eine höchst
wunderbar scheinende Weise zeigen, weil die durch nahe endlos weit nach allen
erdenklichen Richtungen hinauslaufenden Außenlebens-Radien auf allen Raum- und
Zeitfernen schnelle Erkundigungen einholen können und sie im Augenblick einer
gegebenen Frage auf die verlangte und dem Behufe vorbereitete Weise den
Fragestellern kundtun.
[HiG.03_54.02.24,23] Daß bei so bewandten
Umständen auch mehr oder minder verläßliche Erkundigungen aus der wirklichen
Geisterwelt eingeholt werden können, kann durchaus nicht in Abrede gestellt
werden. Sollen aber diese einen vollen Glauben verdienen, so müssen sie von der
vereinten Außenlebenskraft geistig wenigstens zur Hälfte wiedergeborener
Menschen ausgehen. Denn eine wenn noch so starke od-psycho-elektromagnetische
Außenlebenskraft, wenn sie nicht durch das Atma gereinigt und veredelt ist, hat
noch lange nicht das Vermögen, in den allersubtilsten reinen
Geisterlebenssphären etwas zu erspähen und das Gefühlte dem Fragenden der
Wahrheit gemäß kundzugeben. Da kommt entweder keine Antwort – oder eine Antwort
höchstens aus der noch sehr materiellen Naturgeister-Sphäre, die heute so und
morgen anders lauten kann, weil da ein jeder Mensch eine von der eines anderen
Menschen verschiedene Außenlebenssphäre um sich gebildet hat, je nach der
Beschaffenheit seiner Liebe und seines ganzen Lebenssensoriums.
[HiG.03_54.02.24,24] Wenn dergleichen noch
stark naturmäßige Menschen auch dann und wann aus dem Gebiete der groben
Materie nicht selten überraschende Aufschlüsse zustande brächten, so wäre ihnen
in bezug auf die Geisterwelt dennoch kein Glaube zu geben, weil ihr
Außenlebenssensorium als noch selbst mehr materiell denn geistig wohl die ihm
ebenbürtige grobe Materie befühlen und beschauen kann, aber nicht also auch das
innerste, rein geistige Element der reinen Geisterlebenssphäre.
[HiG.03_54.02.24,25] Ein solches Unternehmen
von im Geiste wenigstens nahe völlig Wiedergeborenen bewerkstelligt, kann
freilich in der rein geistigen Sphäre ganz reine und glaubwürdige Resultate
liefern. Aber daß da die schon in der reinen Geisterwelt lebenden Wesen – als
Engel und Dämonen – könnten zitiert und zum Reden gebracht werden, ist gänzlich
falsch und kann und darf vermöge der unwandelbaren göttlichen Ordnung nicht
stattfinden.
[HiG.03_54.02.24,26] Damit ist die in dieser
Zeit so wunderlich scheinende Erscheinung des Tischrückens, Schreibens und
Klopfens erläutert, wie sie ist und besteht. Jede andere Erklärung aber bewegt
sich auf hohlem Grunde, und es ist oft kein wahres Wort daran. Kerner und
Ennemoser aber sind der Wahrheit am nächsten gekommen.
[HiG.03_54.02.24,27] Es bildet sich nun die
Frage, ob es fürs erste ratsam sei, die Experimente mit dem sogenannten
Tischrücken, Tischschreiben oder Klopfen vorzunehmen, und ob die Menschheit
fürs zweite für ihre geistige Bildung etwas dabei gewinnt.
[HiG.03_54.02.24,28] Darauf diene folgende,
wennschon etwas gedehnte Antwort.
[HiG.03_54.02.24,29] Die Astronomie ist gewiß
eine sehr löbliche Wissenschaft vom rechten Standpunkte aus betrachtet und
betrieben und nützt allen Menschen, wenngleich die meisten davon keine Kenntnis
besitzen. Denn irgendeinen Kalender schafft sich fast jeder ordentliche Mensch
an und entnimmt daraus, was er für sich braucht. Aber wann da eine Mond- oder
Sonnenfinsternis eintritt oder welchen Lauf irgend ein Komet nimmt, oder wie
weit ein Planet von der Erde entfernt und wie groß er ist, wie viele Monde er
hat und hunderterlei tiefere Berechnungen, diese gehen die Menschheit wenig
oder gar nichts an. Die Menschen hören davon oder lesen solche Berechnungen und
glauben solche Angaben ohne Anstand den fachkundigen Astronomen, weil sie
wissen, daß die Berechnungen noch allzeit nahe bis auf ein Haar genau und
richtig eingetroffen sind – bis auf die Witterungsanzeigen, die aber darum auch
von der etwas gebildeteren Volksklasse durchaus nicht geglaubt werden.
(Niederschrift 1854!)
[HiG.03_54.02.24,30] Was aber sollte am Ende aus
den Menschen und aus der lieben Erde werden, wenn alle Menschen sich auf die
Astronomie verlegten, ließen Pflug und Spaten stehen und möchten sich
ausschließlich nur mit den schweren Berechnungen in der höheren Astronomie
beschäftigen!? –
[HiG.03_54.02.24,31] Ein jeder sieht hier auf
den ersten Blick ein, daß der Glaube von Millionen an einen einzigen
geschickten und in seinem Fach kenntnisreichen Astronomen auch um eine Million
mehr wert sei, als so da ein jeder Mensch ein völlig durchgebildeter Astronom
selbst wäre. Ja, die reine Wissenschaft würde da am Ende auch notwendig zu
Schaden kommen, weil man doch ganz sicher annehmen müßte, daß mit der Zeit die
vielen Astronomen miteinander in Streit geraten könnten, wodurch sie dann der
hohen Wissenschaft sicher bei weitem mehr schaden als nützen würden. Und
ungefähr so steht es denn auch mit den vorliegenden Experimenten.
[HiG.03_54.02.24,32] Diese sollten nur von
dazu geeigneten und in der transzendentalen Dynamik wohlerfahrenen Menschen
vollzogen werden, wobei Laien besserer Art höchstens als Zeugen zuzulassen
wären. Denn verrichten solche Experimente auch solche Menschen, die in jeder
tiefer stehenden (tieferen) Wissenschaftssphäre Laien sind, so kann daraus zum
wahren Nutzen der Menschheit nie etwas Ersprießliches zum Vorschein kommen;
denn ein Esel bringt nur wieder einen Esel und der Affe einen Affen zur Welt.
[HiG.03_54.02.24,33] Kommen mit diesen
Experimenten die Kundigen auch hinter große, zuvor kaum je geahnte tiefe
geistige Wahrheiten, aus denen die blinde Welt viel Licht schöpfen könnte, so
werden diese Wahrheiten aber von dem Heer der in jeder höheren
Wissenschaftssphäre total unkundigen Experimentanten sogleich verlacht und für
null und nichtig erklärt, weil sie sich bei dem gleichen Experimentieren davon
nicht haben überzeugen können. Und so wird dann die gute Sache gleich in ihrem
Entstehen auf das abgeschmackteste besudelt und kann sich dann nur sehr schwer
mehr zu ihrer würdevollen Reinheit erheben.
[HiG.03_54.02.24,34] Darum ist die Allgemeinheit
in dergleichen tiefen Dingen nie so wünschenswert, wie manche Menschen meinen.
[HiG.03_54.02.24,35] Die alten Römer,
obgleich Heiden, hatten in der Hinsicht einen guten Spruch, er lautete: „Quod
licet Iovi, non licet bovi“, und das sollte auch für die Menschen angenommen
sein. Ein jeder sollte in seiner Sphäre tüchtig sein; was er ist, das soll er
ganz sein, daß er den Glauben, der ihm gezollt wird, rechtfertige.
[HiG.03_54.02.24,36] So wird ein Mensch dem
andern zum unerläßlichen Bedürfnis, und es würde dadurch ein Leuchten und
Gegenleuchten unter den Menschen bestehen. Aber so da in einer für den
ungebildeten Pöbelverstand sehr schweren oder zumeist wohl gar nicht
begreifbaren Sphäre des transzendentalen inneren Wissens in bezug auf die
od-psycho-elektromagnetischen Lebenskraft-Äußerungen ein jeder Schuhflicker
experimentieren und dann mit der Fülle seines Unverstandes über die Sache
selbst irgendein lächerlich dummes Urteil schöpfen und daraus Folgerungen
ziehen will, dann muß die gute Sache, wie bedeutungsvoll sie auch in sich sein
mag, offenbar ungeheuer verlieren und am Ende ins vollkommen Lächerliche
übergehen – zumal, wenn sie sogar von den gelehrt sein wollenden Tagschreibern
in ihren geistlosen und aller Wahrheit baren Quodlibetschriften, die in der
Welt nun zumeist gelesen werden, als ein lächerliches Unding verschrieen wird.
[HiG.03_54.02.24,37] Die Frage hernach, ob
die betreffenden Experimente der Welt etwas nützen können, kann fürs Allgemeine
nur mit Nein beantwortet werden, weil sie – ehe sie von Kundigen gehörig
beleuchtet werden – durch die Unkunde des Plebs teils ins Lächerliche und
Nichtige gezogen und teils von der Dummheit am Ende gar verteufelt werden.
[HiG.03_54.02.24,38] Man hat nun Tausende der
sogenannten prophetischen Tische für die Menschen sogar durch den Handel
bestellt, und jedermann, der dreißig Gulden entbehren kann, kauft sich einen
solchen, macht dann Experimente und gibt dem Tischchen Fragen über ihm
wenigstens gut mutmaßlich bekannte Dinge und Sachen.
[HiG.03_54.02.24,39] Ist der Fragesteller ein
eskamotorisch pfiffiger Mensch, so leitet er unvermerkt das Tischchen so, daß
dasselbe mittels der im Fuße befindlichen Stifte auf dem unterlegten Bogen
Papier, natürlich auf eine etwas plumpe Weise, notwendig dieselbe Antwort
schreiben muß, die sich der Tischchenmagnetiseur gedacht hat. Und haben nun,
wie gewöhnlich, zwei Magnetiseure ihre Hände auf das Tischchen gelegt, so
leitet es gewöhnlich der Stärkere und das Tischchen schreibt dann, was der
stärkere Magnetiseur will. Fragt nun ein Dritter um etwas Verborgenes, wofür
der stärkere Magnetiseur keine auch nur annähernde Wahrheits-Ahnung hat, so
kommt sicher notwendig entweder gar keine oder eine höchst dumme und von der
Wahrheit fixsternweit entfernte Antwort zum Vorschein, durch die dann der
vielleicht zum Glauben schon halbwegs geneigte Fragesteller gänzlich abgestoßen
wird und die ganze Sache als etwas Lächerliches verwirft.
[HiG.03_54.02.24,40] Ebenso ist es auch
töricht, Kinder zu Experimentanten zu machen. Obgleich hier das Experiment
einen ganz anderen Charakter annehmen wird, so wird es dennoch zu keiner
Belehrung taugen. Denn wenn die Kinder auch durch die eigentliche
Od-Psycho-Dynamis den Tisch in eine Bewegung versetzen, – wer aber kann dann
auftreten und die wunderliche Erscheinung genügend erklären? Die
experimentierenden Kinder sicher nicht und die Zusehenden auch nicht. Und die
Beobachter und Experimentanten stehen dann da gleich dem müden Ochsen am Berge
und verlassen am Ende noch unbefriedigter das Experiment als die, welche durch
einen recht pfiffigen Eskamoteur an einem Abend beim vollen Becher Wein so
recht weidlich heidnisch breitgeschlagen worden sind.
[HiG.03_54.02.24,41] In den ernsten
Wissenschaften Bewanderte werden freilich auch bei einem noch so geschickten
Eskamoteur wissen, woran sie sind. Sie lachen und ergötzen sich am Gelingen des
gewisserart unschädlich scheinenden Betrugs. Die größere Zahl der Laien aber
halten den Eskamoteur für einen Magier oder wenigstens für einen Menschen, der
mit geheimen Kräften im Bunde seine Experimente auf dem Wege der
unglaublichsten Geschwindigkeit vollführt.
[HiG.03_54.02.24,42] Was gewinnen aber beide
Teile daraus? Nichts! Denn der Gelehrte weiß es zwar wohl, daß das alles auf
einem ganz natürlichen Wege zustande gebracht wird, aber das eigentliche Wie
bleibt ihm dennoch mehr oder weniger ein Rätsel. Der Laie aber sieht ohnehin
den Wald vor lauter Bäumen nicht und hält in der Nacht seiner Intelligenz einen
Baumstock entweder für ein Gespenst oder für einen Bären. Und so haben am Ende
beide – der Gelehrte und der Laie – den Eskamoteur, wennschon aus verschiedenen
Beweggründen, bewundert, aber gelernt von ihm keiner irgend etwas.
[HiG.03_54.02.24,43] Und geradeso verhält es
sich auch bei unseren vorliegenden Tischexperimenten. Werden sie von pfiffigen
eskamotorisch gesinnten Menschen vollführt, so ergötzen sie die Zusehenden so
lange, als der Eskamoteur keinen tisch-prophetischen Bock geschossen hat.
Werden die genannten Experimente aber von Kindern mit stark psychischer
Außenlebenskraft vollführt oder auch von anderen Menschen, die ein starkes
Außensensorium besitzen, so ist trotz des gelungenen Experiments am Ende
dennoch kein sachverständiger Mensch dabei, der die wahre Ursache des
wunderbaren Gelingens in ein rechtes Licht zu stellen verstünde. Und es
entfernen sich dann vom noch so gelungenen Experiment die Gelehrten wie die
Laien mit gleichem Gewinn: denn beide Teile haben daraus wenig oder gar nichts
gelernt.
[HiG.03_54.02.24,44] Da fragt am Ende der
Laie den Gelehrten: Nun, was sagen Sie dazu? Der Gelehrte zuckt die Achsel und
sagt, wenn er klug ist, gar nichts, weil er füglichermaßen auch nichts sagen
kann. Der Laie aber hält darauf den Gelehrten, in dieser Sache wenigstens, für
dumm und sich am Ende selbst für klüger als den Gelehrten, der ihm keine
Antwort gab, und glaubt in seiner Einfalt die Sache zu verstehen, wenn er das
Gelingen des Experimentes dem Einflusse von unsichtbaren Dämonen zuschreibt.
[HiG.03_54.02.24,45] Ich meine, aus dem
bisher Gesagten dürfte ein jeder, der dies mit nur etwas mehr Aufmerksamkeit
als etwa einen alten Roman vom Prinzen Piripinker durchgelesen hat, mit Händen
zu greifen imstande sein, daß bei dieser ernsten Sache das allgemeine
Experimentieren von durchaus schlechten Folgen begleitet sein muß, sowohl für
den Leib bei manchem, wie nahe bei allen für Seele und Geist.
[HiG.03_54.02.24,46] Denn was der Mensch
nicht versteht, das soll er ruhen lassen wenigstens so lange hin, bis er sich
in der Sache die hinreichenden Kenntnisse verschafft hat. Sonst muß es ihm
notwendig so ergehen, als wenn ein Landmann in eine Apotheke ginge und sich
vornähme, nach einem vorliegenden Rezept in abgekürztem, oft kaum leserlichem
Latein für den kranken Kunden eine Medizin zusammenzumischen, was sicher schwer
gehen würde. Welchen Nutzen aber dann eine solche aus den nächstbesten Flaschen
in ein Medizinfläschchen zusammengemengte Arznei erst für den Kranken hätte,
läßt sich hoffentlich leicht begreifen.
[HiG.03_54.02.24,47] Wie aber nur der wohlunterrichtete
Apotheker es versteht, was da nach dem vorliegenden Rezept dem Kranken für eine
Arznei zu bereiten ist, also soll denn auch in dieser gar eigens wichtigen
Sache, durch die im Grunde des Grundes nun eine Brücke zwischen der Sinnen- und
Geisterwelt bewerkstelligt werden soll, sich kein Laie aus einer bloßen
albernen wundersüchtigen Neugierde einfallen lassen, Experimente zu
bewerkstelligen, wozu ihm die Grundelemente noch fremder sind, als einem
Astronomen ein Komet, der erst etwa nach tausend Jahren dieser Erde zum ersten
Male sichtbar wird.
[HiG.03_54.02.24,48] Aber Sachkundige und
ernstlich vom besten, nach Wahrheit und Licht dürstenden Willen Belebte sollen
darum die Experimente mit allem Fleiße durchführen und nicht ruhen, bis sich
ihnen nicht nur der Vorhof, sondern auch der ganze Tempel des Lichtes aufgetan
hat, um bei einem künftigen Experimentieren jedesmal auf sichere Resultate und
auf die Fülle der Wahrheit – zum Besten der Menschheit – rechnen zu können;
dann werden sie dadurch auch aller Welt geistig und auch physisch einen
unberechenbaren Nutzen verschaffen.
[HiG.03_54.02.24,49] Denn in der tot
scheinenden Materie schlummern nun noch ganz wunderbare Kräfte, zu deren
Kenntnis die Welt nur auf diesem Wege gelangen kann und auf keinem anderen.
[HiG.03_54.02.24,50] Aber guter Ernst! – Was
nützt auch all dies Mein Diktieren und Schreiben? Werden es die Menschen
befolgen? Oh, sicher kaum; denn wo man die Nacht will in einem Gemache, da
verschließt man die Fenster und der Sonne Strahlen mögen da noch so mächtig auf
des Hauses Außenwände fallen und auf die dicht verschlossenen Fensterläden, so
wird es im Gemache dennoch finster bleiben, und die Ratten und Mäuse können
darin ihre Mahlzeit halten. Wenn es dem Menschen nur ums nächtliche Naschen und
Nagen zu tun ist, dann haben sie auch vollkommen recht, das wahre Tageslicht
von den Gemächern hintanzuhalten; denn in der Nacht der Seele begeht man
leichter und mit viel ruhigerem Gewissen eine Todsünde um die andere, als am
hellen Tage im Angesichte der Menschen.
[HiG.03_54.02.24,51] Aber was frommt am Ende
das aller Welt!? Die Menschen mehren sich und tausend neue Bedürfnisse mit
ihnen. Frage: Werden da wohl die dienlichen Mittel in den stockfinsteren
Gemächern entdeckt und zum weiteren Gebrauch berechnet werden können? Ich
meine, daß dies wohl sehr schwer der Fall sein dürfte.
[HiG.03_54.02.24,52] Darum suchet, wenn
dergleichen Erscheinungen aus dem Gebiete der Lebenskraft unter den Menschen
auftauchen, sie in den wohlerhellten Gemächern mit dem rechten
Verständnislichte zu beleuchten, und forschet emsig nach ihrem wahren Grunde,
so wird daraus bald großer Segen für alle Menschen dieser Erde erwachsen. Aber
den gewissen schmutzvollen Tieren sollen die Perlen nicht zum gemeinen Fraße
vorgeworfen werden.
[HiG.03_54.02.24,53] Wer aber forscht, der
forsche mit Geist und Ruhe und kehre nicht zu seinem Kote zurück, sondern
bleibe beim Geiste und habe den rechten Mut. Wem das mangelt, der bleibe in
seiner Weltpfütze und bade sich darin nach seiner Lust; aber nach dem, was des
Geistes ist, greife er nicht!
[HiG.03_54.02.24,54] Denn das Geistige will
anders behandelt sein als ein Acker, auf dem von selbst allerlei Unkraut für
die Freßwürmer wächst. Wer die Hand einmal an den Pflug gelegt hat und dabei
stets nach rückwärts statt nach vorwärts, wo der Pflug geht, seine Augen
richtet, der – sagt das Evangelium – ist nicht geschickt zum Reiche Gottes.
[HiG.03_54.02.24,55] Die Wahrheit aber in
allen Dingen ist das rechte Gottesreich, das den Geist des Menschen frei macht.
Darum soll man dieses Reich vor allen Dingen auch ernstlich suchen; wer es aber
flieht, der wird es sich am Ende nur selbst zuschreiben müssen, so er eine
Beute des ewigen Todes wird.
[HiG.03_54.02.24,56] Niemand verwerfe daher
was immer für eine Erscheinung aus dem Gebiete der Lebenskraft, sondern lasse
sich von Sachkundigen darüber belehren, sonst ist er ein Feind des Lebens
seiner eigenen Seele, ohne zu wissen, daß und wie er ein solcher ist. Aber wie
gesagt, wer da nicht selbst schon ein Element des Lichtes ist, der greife das
Licht ja nicht an, sonst wird er sich mächtig verbrennen.
[HiG.03_54.02.24,57] Ich meine, aus dem
Gesagten wird ein recht geistiger Mensch sich leicht zurechtfinden; ein dummer
aber soll auch dies Gesagte ungelesen lassen, denn er wird daraus nicht um ein
Haar klüger oder besser. Der Schuster bleibe bei seinem Leisten und der
Landmann beim Pfluge und wolle kein Kalendermacher sein. – –
[HiG.03_54.02.24,58] Dies wenige den Weisen.
Sprüche der rechten Lebensweisheit. – 2. Januar
1855.
[HiG.03_55.01.02,01] Dem lieben jungen Sohne
sage, daß Ich es ihm sagen lasse, daß er die nachfolgenden Sprüche der rechten
Lebensweisheit recht frohen Herzens wohl und öfter überdenken solle, so werden
ihn seine Herzbeklommenheiten bald für immer verlassen. – Ja, er soll nach und
nach die folgenden Sprüche sogar auswendig lernen, damit er sie stets bei der
Hand habe, wann er ihrer benötige.
[HiG.03_55.01.02,02] Die Sprüche aber lauten:
[HiG.03_55.01.02,02.a] 1. / Mein Sohn, stecke
dich nicht in mancherlei Sorgen; denn wo du dir mancherlei vornimmst, wirst du
nicht viel gewinnen. Wenngleich du fest danach ringst, so erlangest du es doch
nicht, und wenngleich du hier und da flickest, so kommst du doch nicht heraus.
[HiG.03_55.01.02,02.b] 2. / Mancher läßt es
sich sauer werden und eilet zum Reichtum (materiell oder wissenschaftlich, das
ist gleich) und hindert sich nur selbst daran. Dagegen tut mancher gemach, der
wohl Hilfe bedürfte und dazu schwach und arm ist; aber den siehet Gott an in
Gnaden und hilft ihm aus dem Elend und bringt ihn zu Ehren, daß sich dann
seiner viele verwundern.
[HiG.03_55.01.02,02.c] 3. / Es kommt einmal
alles von Gott, Glück und auch Unglück, Leben und Tod, Armut und Reichtum.
[HiG.03_55.01.02,02.d] 4. / Den Frommen gibt
Gott Güter, die da bleiben, und was Er bescheret, das bleibet immerdar.
[HiG.03_55.01.02,02.e] 5. / Mancher karget
und spart und wird dadurch auch reich und denkt, er habe etwas vor sich
gebracht und spricht: Nun will ich ein gut Leben haben und will essen und trinken
von meinen Gütern! – aber er weiß nicht, daß sein Stündlein gar so nahe ist, in
dem er sterben und alles andern, die nichts gearbeitet haben, wird überlassen
müssen.
[HiG.03_55.01.02,02.f] 6. / Bleibe du in
Gottes Wort und übe dich darin und beharre in deinem Berufe und lasse dich
nicht beirren, wenn du die Kinder der Welt siehst nach allerlei Gut trachten.
[HiG.03_55.01.02,02.g] 7. / Vertraue du
allein auf Gott und bleibe bei deinem Stande; denn es ist Gott ein gar
leichtes, einen Armen geistig oder materiell reich zu machen.
[HiG.03_55.01.02,02.h] 8. / Gott segnet
allzeit der Frommen Güter, und wenn die rechte Zeit kommt, gedeihen sie.
[HiG.03_55.01.02,02.i] 9. / Sprich nicht: Was
hilft es mir, und was habe ich unterdessen? Also sage auch nicht: Ich habe
genug, – was kann mir fehlen?
[HiG.03_55.01.02,02.j] 10. / Wenn es dir wohl
geht, so gedenke, daß es dir leicht wieder übel gehen kann; und geht es dir
übel, so gedenke, daß es dir wieder wohl gehen kann, so wirst du nie übermütig
und nie kleinmütig werden. Denn der Herr kann jedem leicht vergelten, entweder
schon in diesem und ganz bestimmt aber im andern Leben jenseits des Grabes, wie
ein Mensch es sich hier verdient hat.
[HiG.03_55.01.02,02.k] 11. / Macht nicht eine
böse Stunde, daß man aller genossenen Freuden vergißt? Jeder Mensch aber wird
erst im Absterben des Leibes vollkommen innewerden, wie er und warum er in der
Welt gelebt hat. Darum rühme weder dich noch jemand andern vor dem Ende; denn
da erst wird es jedem klar, wer er war und wie er seine Zeit verwendet hatte. –
Und seine Nachkommen werden manches davon entweder zum Lobe oder zum Tadel der
Welt überliefern können.
[HiG.03_55.01.02,03] Diese alle, aber guten
und sehr weisen Sprüche überdenke du, Mein Sohn, recht eifrigen und stets
freudigen Herzens, so wirst du nie mehr dich irgendeiner bleibend beklommenen
Stunde zu beklagen haben. Und was du jemandem in Meinem Namen Gutes tust, das
werde Ich dir hier und jenseits tausendfach ersetzen.
[HiG.03_55.01.02,04] Siehe, du hast zuzeiten
einen leisen Hang nach einem irdischen Berühmtwerden, und dieser Hang in sich
ist dein Feind und quält dich manchmal. Lasse das, denn so Ich es will, kann
Ich dich über Nacht berühmt machen, also, daß alle Welt von dir reden wird.
Aber was würde es dir nützen, so Ich daran keine Freude hätte?
[HiG.03_55.01.02,05] Übe du daher dich nur
stets mehr in der Liebe zu Mir, deinem ewig großen und heiligen Vater, dadurch,
daß du nach deinen Kräften dich der Liebe des Nächsten befleißigest und dabei
heiteren Gemütes seist, so werde Ich dir auch alles andere geben eher, als du
es erwartest.
[HiG.03_55.01.02,06] Rechne aber nicht du
selbst stündlich nach, wann es kommen werde, sondern vertraue und stelle dich
damit vollkommen zufrieden, daß Ich stets für dich rechne und eine
ununterbrochene Sorge trage, dann wirst du heiter sein und alles leicht
erwarten.
[HiG.03_55.01.02,07] Das also, Mein lieber
Sohn, zu deiner vollen Beruhigung Amen. –
Nur eines tut not! – Anfang 1856.
[HiG.03_56.00.00] Ein Wort des Herrn an
Johannes Busch, in einem Brief Jakob Lorbers im Jahr 1856 übermittelt.
[HiG.03_56.00.00,01] All das überaus viele
nützt dir nichts, sei es Geistiges oder Materielles, denn ob einer viel weiß
oder viel hat, ist eines; wenn er davon nicht den vollkommen rechten Gebrauch
macht, so bleibt die Seele dennoch gleichfort arm.
[HiG.03_56.00.00,02] Es genügt, daß Mich
jemand über alles liebt und seinen Nächsten wie sich selbst, denn zu dem werde
Ich kommen und werde Mich ihm Selbst offenbaren. Dann wird er durch das große
Licht Meines Geistes, der da eins mit seiner Seele geworden ist, in alle
Weisheit geleitet werden und wird dann Dinge erschauen und erkennen, von denen
bis jetzt in keines Weltweisen Sinn je etwas gekommen ist.
[HiG.03_56.00.00,03] Es geht das zwar in
dieser Zeit schwer, weil die Menschen schon im Mutterleibe durch die Geilheit
des Fleisches sowohl des Weibes wie des Mannes verdorben werden in ihrem
Gehirne und dadurch später auch in der vollends ordnungsmäßigen Ausbildung der
anderen physischen Lebensorgane.
[HiG.03_56.00.00,04] Es muß nun ein Mensch
sich in der Liebe zu Mir und daraus in der Liebe zum Nächsten äußerst
lebenswarm und sehr tätig bestreben, muß sich in vielen Lebensstücken gar sehr
verleugnen und in allem überaus geduldig und vollkommen demütig sein, so bildet
die Seele mit der Hilfe Meines Geistes zuerst den leiblichen Organismus zur
erforderlichen Ordnung aus – und ist dann erst fähig, Meines Geistes
Gnadenlicht in sich vollkommen aufzunehmen und sodann erst in die wahre
Weisheit einzugehen, da ihr dann alles hell und klar wird, was ehedem in ein
vollkommenes Nachtdunkel verhüllt war. –
[HiG.03_56.00.00,05] (Von Jakob Lorber
hinzugefügt:) Diese wenigen Worte aus dem Munde des Herrn werden Ihnen,
liebwertester Freund, gewiß sehr viel Trost geben, aber zugleich die
überzeugende Versicherung, daß in dieser höchst verdorbenen materiellsten und
lieblosesten Zeit, in der nur der äußerste, allergröbst materielle Verstand den
Herrscherstab alles Wissens führt, das Reich Gottes eine große Gewalt
(Liebewillenstatkraft) braucht, und nur die es sich zu eigen machen, dieses mit
Gewalt an sich reißen! Die Gewalt aber besteht nicht im puren Glauben, sondern
hauptsächlichst nur in der wahren und lebendigen Liebe zum Herrn und zum
Nächsten. – Beobachten Sie das und Sie werden sich ehest im selben Lichte aus
sich und in sich befinden, in welchem ich mich nun schon bei 16 Jahre lang
befinde. –
Große Dinge benötigen eines großen Raumes. –
27. April 1856.
[HiG.03_56.04.27] An und für den Freund L. C.
[HiG.03_56.04.27,01] Ausharrung und Geduld in
allen Dingen hilft einem Menschen vieles Glück erringen.
[HiG.03_56.04.27,02] Wenn es Nacht ist,
kannst du dir den Tag nicht vorstellen; ist es aber Tag geworden, dann ist es
leicht der Nacht vergessen. Große Dinge benötigen eines großen Raumes, und eine
Weltgeschichte dauert länger als eine elende Theaterkomödie. Also ist auch ein
jeder Anfang schwer, und ein neuer Bundschuh drückt den Fuß stets mehr als ein
alter und nach allen Seiten ausgetretener.
[HiG.03_56.04.27,03] Meine Freunde müssen
sich schon immer gefallen lassen, ein Stückchen Meines Kreuzes wenigstens eine
kurze Zeit hindurch auf ihre Schultern zu nehmen, auf daß sie leichter und eher
stark werden in Meinem Namen. Zur rechten Zeit nehme Ich ihnen dann die kleine
Last schon wieder ab, und sie können dann aus voller Brust frohlocken in Meinem
Geiste.
[HiG.03_56.04.27,04] Du hast Mir in Meinem
Knechte Gutes getan, es ist eingetragen in Meinem Hauptbuche, und es wird dir
geistig und auch materiell vergolten werden. Und also sei heiter und fröhlich,
denn Ich verlasse die nie, die Mich liebend suchen Amen.
Sorget euch nicht! – 11. August 1856.
[HiG.03_56.08.11,01] Also schreibe für Meinen
Freund und für deinen Freund L. C., denn was Ich verheiße, das erfülle Ich
auch.
[HiG.03_56.08.11,02] Wer da sucht vor allem
das Reich Meiner Liebe, das da ist ein wahres Gottesreich auf Erden, der soll
sich nicht sorgen, ob und wie die nötigen Güter dieser Lebensprüfungswelt ihm
zukommen werden, denn Ich sorge da schon für alles. Zur rechten Zeit kommen
auch diese unversehens – und alles, dessen ein mir wohlgefälliger Sohn
benötigt.
[HiG.03_56.08.11,03] Lege alle deine Sorgen
volltrauig auf Meine Schultern und halte fest an Meinem Namen und an Meinem
Gebote der Liebe, du Mein junger Freund, du Mein Sohn, das andere werde schon
Ich machen.
[HiG.03_56.08.11,04] Was du jemandem in
Meinem Namen Gutes getan hast, wird dir erstattet werden hundertfältig hier und
tausendfältig jenseits dereinst in Meinem Reiche.
[HiG.03_56.08.11,05] Wenn dein Fleisch dich
manchmal juckt, da sei du recht froh und denke, daß Ich das bewirke und zeige
dir dadurch an, daß Ich deinen Leib recht gesund mache und es in deinen Adern
recht gesund zuzugehen anfängt. Wasche dich abends kalt vor dem Schlafen und
liege nicht auf dem Rücken – und gedenke, daß Ich Selbst da dein Fleisch
zurechtbringe, so wird der Drang gleich nachlassen.
[HiG.03_56.08.11,06] Ich sage es dir Amen.
Wider den Zweifel und die Schwermut. – 17.
September 1856.
[HiG.03_56.09.17,01] Sage du durch diese
wenigen Zeilen dem jungen Freunde C., daß Ich es ihm treuherzigst sagen lasse
und nun Selbst sage: Verbanne alles, was dich aus der Kinderschuhzeit daran
mahnt, als könntest du Mich beleidigen durch irgendeine Sünde, am Ende sogar
durch die sogenannten sündhaften Gedanken, die oft freiwillig kommen und also
wieder gehen.
[HiG.03_56.09.17,02] Habe Ich denn je nach
der Art eines Ignatius von Loyola ein Sündenregister verfaßt und es den
Menschen zur strengsten Beachtung oktroyiert? – Nur die Liebe zu Gott und
ebenso zum Nächsten ist von Mir geboten, und alles, was dem zuwiderläuft,
verboten. Dies aber kann doch niemanden mißstimmen, sondern nur ganz selig
zeihen.
[HiG.03_56.09.17,03] Ich werde doch keinen
Menschen erschaffen, um über ihn Meinen Zorn ausschütten zu können, sondern
allen zu sagen: Kommet alle zu Mir, die ihr irgend mühselig und beladen seid,
denn Ich will euch ja alle erquicken!
[HiG.03_56.09.17,04] Denke du nur fleißig
daran und lasse fahren auch den letzten Funken deiner römisch-todsündlichen
Gedanken, und du wirst in keine Schwermut je mehr verfallen, sondern stets
vollkommen heiter sein. Wer Mich wahrhaft kennt und liebt, der kann wahrlich
selbst in den bittersten irdischen Momenten nie gar zu traurig werden; denn es
müssen ihn ja doch schon viele der augenfälligsten Beweise überzeugt haben, daß
Ich den, der stets und lebendig wahr in seiner Liebe sich an Mich um was immer
für ihn wahrhaft Gutes und Nützliches gewendet hat, noch nie unbefriedigt und
ungesegnet gelassen habe. Um wieviel weniger dich, da Ich dich doch ganz
besonders liebhabe, indem Ich gar wohl kenne dein Herz und recht wohl weiß, was
du nun selbst bei deinen immerhin noch etwas beschränkten Geldmitteln Mir in
Meinem Knechte und andern Armen aus purer Liebe zu Mir getan hast, was alles
Ich dir vielfach ersetzen werde – in jüngster Zeit hier zeitlich schon und
einst drüben in Meinem Reiche und in Meinem Hause aber gar unbeschreibbar.
[HiG.03_56.09.17,05] Alle Deine zuweilen
Zweifel aber findest du ja ohnehin gelöst im ‚Johannes‘; lies nur recht emsig
darin, denn da teile Ich euch als Meinen jüngsten und somit liebsten Kindern ja
ohnehin alles mit, was Ich selbst den Erzengeln noch nicht mitgeteilt habe –
bis auf Raphael, der später aber auch das Fleisch angenommen hat.
[HiG.03_56.09.17,06] Sei heiter in Meinem
Namen, denn Ich, dein wahrer Vater voll Liebe, will es mit dir also, und
fürchte die römischen Sünden nicht. Amen.
Die wahre Lebensrichtung. – Im Jahre 1857.
[HiG.03_57.00.00,01] Die Mich suchen, die
sind es, die vom Vater gezogen werden; denn es heißt in der Schrift: „Ihr alle
müsset aus Gott gelehret werden, der es nicht von Gott lernt, der kommt nicht
zum Lichte, und nicht kommt jemand zu Mir, dem Sohne, so ihn nicht ziehet der
Vater!“
[HiG.03_57.00.00,02] Das besagt nach dem
Verständnis dieser Zeit: Niemand kann gelangen zum wahren inneren Lebenslichte,
das da gleich ist dem Sohne, ohne wahre tätige Liebe, die da ist das, was du
Vater nennest.
[HiG.03_57.00.00,03] Die Liebe ist sonach der
Vater, und die Weisheit ist der Sohn. Da aber im Sohne die Liebe als das
eigentliche Gottwesen ist, ohne welche es kein Lebensfeuer, keine Flamme, somit
auch kein Licht und keine göttliche Lebensweisheit gäbe, so ist eben in Mir –
dem Sohne – auch ganz allein die göttliche persönliche Wesenheit vereint, zu
der niemand irgend durch was und wo anders gelangen kann, als allein durch die
Liebe zu Mir. Die Liebe zu Mir aber muß werktätig sein nach eines jeden Kraft
und Vermögen, darum ist denn auch die Liebe zum Nächsten, Dürftigen gleich der
Liebe zu Mir. Wer da sagt, daß er Mich liebe über alles, der liebt auch
werktätig den Nächsten mehr denn sich, hilft ihm – und zwar aus Liebe zu Mir –
aus der Not.
[HiG.03_57.00.00,04] Hast du aber solche
Liebe zu Mir, so hast du ja auch Meine Liebe in dir, auf die du Berge des
Glaubens setzen kannst, und es wird dir sicher werden, was du aus solcher
Meiner Liebe in dir willst und wünschest. Denn der Macht Meiner Liebe kann ewig
keine andere Macht hinderlich entgegentreten, weil sich jede zu ihr gleich wie
Nichts zur Unendlichkeit verhält.
[HiG.03_57.00.00,05] Du brauchst Mich nicht
erst zu fragen, ob es Mir also recht und genehm wäre, so oder so, sondern Meine
Liebe in deinem eigenen Herzen wird es dir sagen. Denn dessen Herz voll Liebe
ist zu Mir, wie sollte denn der anders als nur recht handeln können, da ja doch
niemand wider seine Liebe und wider den aus der Liebe zu erkennenden Willen
handeln kann?!
[HiG.03_57.00.00,06] Wer da voll Weltliebe
ist, der wird auch dieser gemäß handeln; und wer voll Meiner Liebe ist, der
wird auch dieser gemäß handeln und kann dabei ebenso wenig fehlen, als die
Magnetnadel die Gegend des Nordens je verfehlen kann, weil sie eben vom Nordpol
also angezogen wird.
[HiG.03_57.00.00,07] Sei du, Mein Kind, daher
unbesorgt! Solange du Meine Liebe in dir ebendadurch sicher in dir fühlst, weil
du Mich suchst und liebst, so lange wird sie dein getreuester Lebensleitstern
sein.
[HiG.03_57.00.00,08] Was sonach dein Herz dir
sagt, so es erfüllt ist mit Meiner wahren tätigen Liebe, das tue! Wolle und
zweifle nicht in deiner Seele am Gelingen. Prüfe dich aber zuvor selbst, ob
dein Herz Mich vollends liebt nach Meinem Worte im Evangelium! Suche dem
vollends nachzukommen, was Ich als das Gebot der Liebe allen Menschen gab, und
du hast im Vollmaße alles aus Meiner Liebe Amen! Das sage Ich, deine Liebe dir
Amen.
Zum Verständnis der Entsprechungen zwischen
der Natur- und Geisterwelt. – 20. April 1858.
[HiG.03_58.04.20,01] Es ist in dieser Zeit
etwas schwer – selbst für jemand, der in allen möglichen Wissenschaften
wohlbewandert ist, eine solche Theorie aufzustellen, durch die der Begriff
Entsprechung ihm vollends klargemacht werden könnte, weil die einst gar sehr
hohe und von den Alten sogar für heilig gehaltene Wissenschaft der
Entsprechungen ganz verlorengegangen ist, so wie die Lesung der Hieroglyphen
und der Keilschrift.
[HiG.03_58.04.20,02] Ich will euch denn
anstatt einer immerhin schwer zu verstehenden Theorie die Sache ganz einfach
durch ein paar leicht faßliche Beispiele erörtern, und die Theorie wird sich
dazu schon von selbst leicht finden lassen.
[HiG.03_58.04.20,03] Es heißt in einem
Diktate: „Man suche leicht zu findende Entsprechungen und löse durch sie die
(instinktartigen) Urteile auf!“ – Nun seht, das geht also: Jemand aus euch,
entweder ruhend in seinem Wohnzimmer oder irgendwohin im Freien mit oder ohne
Geschäfte wandelnd, bekommt plötzlich einen Gedanken, als ginge er einem großen
Berge zu, der bis über seine halbe Höhe sehr dicht bewaldet und am Fuße mit
allerlei Gestrüpp umwachsen ist. Hoch über dem Wald aber ersieht er dennoch
Bergbauerngehöfte und Äcker und Wiesen und über diesen hoch erst mächtige
steile Felsenspitzen und -zacken, studiert und sucht aber dann auch gleich
irgendwo einen möglich guten Aufweg durch das Gestrüpp und durch den dichten
Wald.
[HiG.03_58.04.20,04] Er umgeht mit seinem
Gedanken den ganzen Berg bald, findet aber nirgend etwas von einem Aufwege,
wird dadurch ordentlich gedankenmißmutig und läßt bald den ganzen Gedanken
fahren, obwohl dieser so noch teilweise wieder auftaucht wie ein im Erlöschen
begriffenes Lampenlicht, wenn das Öl schon auf den letzten Tropfen steht. Seht
nun! Diesen Gedanken oder vielmehr dieses recht lebhafte Gedankenbild hat der
Seele ein jenseitiger höherer Geist gleichsam in den Weg gelegt. Was fühlt die
Seele aber dabei? – Sicher eine Art Unbehaglichkeit, ganz ähnlich mit jener bei
einem wichtigen, aber mit einer Menge schwer zu überwindenden Schwierigkeiten
verbundenen Vorhaben. Und eben dieses unbehagliche drückende Gefühl ist schon
das gewisse instinktartige Urteil, das durch die leicht und bald zu findende
Entsprechung also aufgelöst werden kann:
[HiG.03_58.04.20,05] Ein irgend größeres
geschäftliches Unternehmen gleicht einem im Gedanken geschauten Großberge,
dessen weitgedehnter Fuß mit allerlei beinahe undurchdringlichem Gestrüpp
bewachsen und dessen Brust überaus dicht bewaldet ist. Der weitgedehnte, dicht
umstrüppte Fuß entspricht der großen Schwierigkeit des Anfangs der
Unternehmung, und das Gestrüpp entspricht den übervielen und stechenden Sorgen.
Der dichte Wald entspricht der sehr beschränkten Vorteilsaussicht bei dem
Unternehmen und daß es einer langen und beharrlichen großen Mühe bedürfen wird,
um bei dem Unternehmen zu einer reinen und vorteilbringenden Aussicht zu
gelangen.
[HiG.03_58.04.20,06] Und gelangt man dann
auch nach vielen Mühen und Anstrengungen dahin, so zeigen sich diese nur gering
entsprechend den Bergbauerngehöften, den mageren Äckern und Wiesen. Am Ende
kommen noch gar steile Felsenwände, Spitzen und Zacken, und diese entsprechen
wieder dem förmlich unmöglichen Höhersteigen zur Gewinnung vorteilhafter und
größerer Aussichten, weil die sehr mühsame (kostspielige) Erreichung der
Vorteilsaussichten, wie das Gedankenbild zeigte, schon an und für sich eine nur
ganz geringe war.
[HiG.03_58.04.20,07] Was wollte nun ein
höherer Geist dem Wandler durch dieses Gedankenbild sagen? – Das wird nun die
Prüfung des äußeren und geordneten Verstandes bald heraushaben2, und die
Folgerung wird also ganz kurz lauten: Lasse deine vorgehabte Unternehmung
stehen, denn du wirst damit wenig Gewinnes erzielen und dich am Ende des großen
Kostenaufwandes und der vielen Mühen und Sorgen mit nur sehr mageren Vorteilen
begnügen müssen, mit denen du dir keinen höheren Aufschwung wirst verschaffen
können.
[HiG.03_58.04.20,08] Ganz geistig aber wird
dann der obige reine Verstandessatz also lauten: Siehe, du nur um irdischen
Gewinn besorgte Seele, also zahlt die Welt ihre Diener und Knechte!
[HiG.03_58.04.20,09] Nun, durch dieses Bild
wird ein jeder sich leicht selbst eine Regel zur doch sicher helleren Einsicht
dessen bilden können, was ein instinktartiges Gemütsurteil – als vom Herzen
kommend und nicht vom Gehirne – an und für sich ist, was eine Entsprechung ist
und wie sie zur Löse des Gemütsurteiles zu verwenden ist. – Ich werde dir aber
in dieser Woche gelegentlich noch ein paar solcher Beispiele geben, woraus dann
ein jeder schon nahe für alle möglichen Fälle sein Licht wird schöpfen können.
– Mein Segen und Frieden mit euch Amen.
22. April 1858 (Zum Verständnis der
Entsprechungen zwischen der Natur- und Geisterwelt. Fortsetzung)
[HiG.03_58.04.22,10] Also schreibe noch ein
paar weitere Beispiele zur Ergänzung des Verständnisses der Entsprechungen.
[HiG.03_58.04.22,11] Jemand geht am Tage oder
in der Nacht irgend eines Weges so ganz in der natürlichsten und sowenig als
möglich bewegten Gemütsverfassung. Auf einmal stößt er mit seinem Fuße an etwas
auf dem Wege Liegendes und wird dadurch schon erregter und aufmerksamer. Der
Gegenstand, der auf dem Wege lag, bestand in einem Stück morschen Holzes, das
irgendein Arbeiter dahin warf und dann gleichgültig liegen ließ, was für unsere
Sache aber von keiner Bedeutung ist.
[HiG.03_58.04.22,12] Unser Wanderer geht
seines Weges weiter, und als er seiner früheren Erregung schon wieder mehr und
mehr ledig ist, kommt ein Hund dahergesprengt, der, irgend zurückgeblieben, nun
seiner Herrschaft nachrannte. So ganz unschuldig für sich auch diese zweite
Erscheinung war, so hatte sie aber doch auf unseren Wanderer einen schon
mächtigeren Eindruck gemacht, denn er dachte sich: Wenn der Hund etwa wütend
gewesen wäre, wie leicht hätte er mich gar sehr beschädigen können! –
[HiG.03_58.04.22,13] Von nun an bleibt unser
Wanderer schon gemütswacher und sieht sich fleißig nach allen Seiten um und
kommt nun ohne einen weiteren Anstand ganz wohlbehalten an sein Ziel, wo
er ein Geschäft abzumachen hat.
[HiG.03_58.04.22,14] Nun, was wäre denn da
für unseren Geschäftswanderer aus diesen zwei Erscheinungen und Begegnungen zu
entnehmen auf dem Wege der Entsprechungen – oder was hat ein höherer
jenseitiger Geist ihm dadurch sagen wollen?
[HiG.03_58.04.22,15] Sehen wir nur gleich auf
das instinktartige Urteil des Gemüts. Wie lautet es oder in was äußert es sich?
– In einer Art von ein wenig mit Ärger und Ängstlichkeit untermengter Spannung.
Nun, dazu läßt sich ja augenblicklich die unfehlbarst richtige lösende
Entsprechung finden und heißt Vorsicht und Wachsamkeit. Und was sagt denn dann
das äußere Verstandeskriterium dazu? – Nichts als das: Auf dem Wege und bei
einem Geschäft kann man nie zur Genüge vorsichtig und wachsam bei jedem Tritt
und Schritt sein!
[HiG.03_58.04.22,16] Nun, hat man das, so hat
man auch die Sprache eines warnenden Geistes schon völlig verstanden, denn
diese dürfte dann also lauten: Der Mensch, mit dem du ein Geschäft abmachen
willst, gleicht dem Wege (das ist dann die Hauptentsprechung), den du zum
Geschäftemachen gewandert bist. Er, der andere, wird dir zuerst einen Vorteil
für dich vorspiegeln, der dich überraschen und aus deiner ruhigen Verfassung
bringen wird, – aber du sei vorsichtig und halte nichts darauf, denn der
gezeigte Vorteil ist gleich dem Stücke faulen Holzes am Wege! Solches wirst du
mit einigem Verstande bald einsehen.
[HiG.03_58.04.22,17] Aber er wird dir dann
auch den Nachteil ganz beredt zu zeigen anfangen, der für dich erwachsen kann,
wenn du mit ihm das Geschäft nicht abmachst, – aber auch darin liegt nichts
Wahres. Seine Beredsamkeit ist nichts als ein ihm allein treuer und
nachrennender Hund, der dich zwar sehr überrascht, du aber bei einigem Denken
sogleich dahinterkommen mußt, daß die sich erweisen sollende Gefahr so gut wie
gar keine ist und du bei der Abmachung des Geschäftes mit Vorsicht und
Wachsamkeit vorzugehen hast.
[HiG.03_58.04.22,18] Die rein geistige
Entsprechung aber ist: Wachet und betet, auf daß ihr nicht fallet in die
Versuchung und in ihre böse Macht.
[HiG.03_58.04.22,19] Ich zeigte euch hier die
richtige Entsprechung als Sprache eines reinen jenseitigen Geistes darum nur
bei einer unscheinbarsten natürlichen Begegnung, damit jeder aus euch daraus
entnehmen kann, wie die reinen guten Geister selbst bei den geringfügigsten
Begegnungen auf dem Lebenswege allzeit um das Wohl des Menschen bekümmert sind
und reden mittels Entsprechungen am liebsten mit den Menschen, so diese nur
einigermaßen, wenn auch nur ganz dumpf und instinktartig, sie verstehen.
[HiG.03_58.04.22,20] Geht es auf diese Weise
aber schon durchaus nicht, so wirken sie auf die Gedanken und auf die daraus
entstandenen Gefühle, wie Ich euch gestern einen solchen Fall gezeigt habe.
Nun, geht es aber auch damit nicht vorwärts, so bearbeiten sie die ihnen zur
Leitung anvertrauten Menschen durch Träume und auch durch andere Zeichen und
wachgerufene Ahnungen.
[HiG.03_58.04.22,21] Aber auch diese sind nur
selten so zu nehmen, wie sie sind und was sie darstellen. Nur in
außerordentlichen und äußerst dringenden Fällen haben sie ihre ganz bildlich
dargestellte natürliche Bedeutung und erwahren sich dann ohne Entsprechung auch
also in der Wirklichkeit. Aber in weniger dringenden Fällen sind auch so manche
Träume und Ahnungen und gewisse mehr geisterhafte Zeichen nur auf dem Wege der
Entsprechungen für den äußeren Menschenverstand zu lösen, so wie die meisten
Bücher des Alten und auch des Neuen Testaments.
[HiG.03_58.04.22,22] Nehmen wir noch einen
Traum von ganz geringer Gattung. Es träumt jemandem, daß er sich in einer
großen Stadt befindet, sich darin nicht auskennt, gassenauf und gassenab
wandert und das Gesuchte nicht finden kann. Alles ist fremd und verkehrt, und
die Gassen nehmen kein Ende und werden oft so enge, daß man gar nicht
durchkommen kann. Durch das vergebliche Suchen und Auf- und Abrennen in den
Gassen und durch das lästige Engwerden derselben wird die Seele geängstet und
erweckt dann gleich den Nervengeist und darauf durch diesen auch den Leib und
sucht ihn nun wachzuhalten, um ja nicht im Schlafe noch einmal in die lästige
Stadt zu geraten. Was hat denn ein weiser jenseitiger Geist damit der Seele
sagen wollen?
[HiG.03_58.04.22,23] Betrachten wir gleich
das Urteil des Gemüts. Es heißt: Ängstlich drückendes Gefühl und Abscheu. Was
ist dazu eine lösende und leicht zu findende Entsprechung? (Ich sage darum
leicht zu findende Entsprechung, weil sie schon im ersten instinktartigen
Gemütsurteile wurzelt.) – Verabscheuung eines wirren, das freie Lebens- und
Erkenntnisgefühl beengenden Zustandes.
[HiG.03_58.04.22,24] Nun kommt der äußere
Verstand dazu und findet nun gleich in solch einer Stadt das getreue Abbild
allen materiellen Welttreibens, durch das die freie geistige Tätigkeit der
Seele das ihr eigentümliche Heimische um keinen Preis mehr finden kann trotz
allen Suchens und sie in der Gefahr steht, von der Materie verschlungen zu
werden, was die stets enger werdenden Gassen anzeigen.
[HiG.03_58.04.22,25] Was sagt dann also ein
weiser jenseitiger Geist der Seele damit? – „Im Gewühle der Welt und ihren
wirren Gängen und Gassen findest du deine eigenste Heimat und ihren Frieden
nicht!“ – und als weitere Folge dieses Satzes lautet es: Also begebe dich nicht
in die verlockenden Gefahren dieser Welt; denn bist du einmal in ihren
Irrgängen, so wirst du dich schwerlich je wieder ganz zurechtfinden.
[HiG.03_58.04.22,26] Ganz geistig aber lautet
die Sache: Fliehe die Welt und suche nur das, was des Geistes ist!
[HiG.03_58.04.22,27] Sehet, also könnet ihr
überall und bei jeder Gelegenheit und bei jeder Erscheinung anfänglich mit der
Geisterwelt der reinsten Art zu reden anfangen. Geht das im Anfange auch etwas
spießig und holperig, mit der Zeit und durch fleißige Übung kann ein jeder es
zu einer großen Fertigkeit und sogar zur Anschauung der Geister und zu
wörtlicher Korrespondenz mit ihnen und auch mit Mir Selbst bringen. – Ich werde
euch aber noch ein paar größere Beispiele geben. Für jetzt Meinen Segen euch
Meinen Kindern Amen.
23. April 1858 (Zum Verständnis der
Entsprechungen zwischen der Natur- und Geisterwelt. Fortsetzung).
[HiG.03_58.04.23,28] Also noch ein paar
Entsprechungsbeispiele zur klareren Einsicht der Entsprechungen zwischen Natur-
und Geisterwelt.
[HiG.03_58.04.23,29] Habet nun recht acht
darauf, was da gesagt wird! – Es gibt Menschen auf der Welt, die oft vor den
unbedeutsamsten Dingen und Erscheinungen eine gewisse unvertilgbare Furcht,
einen Abscheu und ganz sicher aber eine mindere oder größere Antipathie haben.
Der eine wird fiebrig angeregt beim Anhören gewisser fein kreischender Töne,
ein anderer beim Anfühlen einer rauhen Fläche, ein dritter kann ein gewisses
Rauschen wie etwa mit dem Papiere nicht ertragen, ein vierter wird mißlaunig,
wenn jemand hinter ihm geht oder fährt, und eine Menge Menschen gibt es, die
vor gewissen Tieren, besonders vor den Reptilien einen ungemeinen Abscheu
haben, wie auch Menschen, die gewisse Physiognomien anderer Menschen nicht
ertragen können, denn sie sind ihnen widerwärtig und oft unerträglich.
[HiG.03_58.04.23,30] Alle solche wie immer
gearteten Antipathien gegen verschiedene Dinge und Erscheinungen sind im Grunde
auch instinktartige Urteile des Gemüts, das stets wachgehalten wird von einem
jenseitigen sogenannten Schutzgeiste. Verstünden diese Menschen, durch
Entsprechungen solche Urteile aufzulösen und sie dann prüfend weiter
auszudehnen, um zu den reineren geistigen Entsprechungen zu gelangen, da würden
sie gleich nach allen Seiten hin recht gut einzusehen anfangen, wie sie erstens
mit solchen Gefühlen daran sind und was ihnen damit ihre Schutzgeister sagen
und anzeigen wollen, und zweitens würden sie aus dem dann auch die Heilmittel
gegen solche Gemütsunannehmlichkeiten in sich selbst wohl erkennen und sich
davon befreien können. Ohnedem aber ist ein höherer Schutzgeist dann in einem
fort genötigt, das unangenehme Gefühl in der Seele zu unterhalten, damit die
Seele sich allzeit das entfernt halte, was teils ihrem Leibe und teils aber
auch ihr selbst einen Schaden bringen könnte.
[HiG.03_58.04.23,31] Der eigentliche Grund
aber liegt darin: Die Disposition der Naturgeister der Leibesmaterie ist eben
eine solche, die eine verborgene Neigung zu eben jenen Dingen und Erscheinungen
hat, die dem Leibe schon bei einer nur einigermaßen intensiveren Berührung bald
einen empfindlichen Schaden bringen würden. Darum sorgt dann der Geist, daß die
Seele vor solchen Schwächen ihres Leibes und Nervengeistes eine bleibende
Antipathie hat und daher sich bei solchen ihr widrigen Dingen und Erscheinungen
bald aus dem Staube macht und sich vor größeren nachteiligen Wirkungen schützt
und anderen leicht entstehen könnenden Gefahren ausweicht.
[HiG.03_58.04.23,32] Wir wollen aber eine
solcher Erscheinungen nun ein wenig durch das geistige Fernrohr der
Entsprechungen beschauen und sehen, was da herauskommen wird!
[HiG.03_58.04.23,33] Nehmen wir zum Beispiel
einen Menschen, der hinter sich keinen fahrenden Wagen und auch so keinen
Hinterhergänger ertragen kann. Sein Gemüt fühlt allzeit ein Mißbehagen mit
einiger Furcht und mitunter auch Ärger vermengt. In eines solchen Menschen
Leibe wohnen Naturgeister, deren Bestreben ein antipositiv-polarisches, somit
ein hinterhältiges und gewisserart hinterlistiges ist, welche natürlich ganz
unverschuldete Eigenschaft der Leibesnaturgeister sich dann auch zunächst durch
die Affektion der Nerven dem Nervengeiste mitteilt und dadurch in eine fühlbare
Korrespondenz mit der Seele tritt.
[HiG.03_58.04.23,34] Geht nun ein solcher
Mensch auf einer Straße und hinter ihm fährt wenn auch noch in einer ziemlichen
Entfernung ein Wagen oder es geht ziemlich eiligen Schrittes ein Mensch hinter
ihm her, so werden dadurch sogleich die eigenschaftlich ähnlichen
Leibesnaturhinterhaltsgeister infolge des Assimilationsdranges erregt und durch
sie dann auch die Nerven und ihr Lebensäther oder Geist. Das merkt die Seele
alsbald, wirkt dem gleich entgegen und schiebt ihren Leib auf die gefahrlose
Seite und wartet sogar ab, bis alles Hinterhaltige vorgefahren oder vorgegangen
ist, und es ist dann damit auch alles Mißbehagen verschwunden.
[HiG.03_58.04.23,35] Damit wäre nun der zum
Teil natürliche und zum Teil transzendental natürliche Grund von der in Rede
stehenden Lebenserscheinung dargetan. Aber wie sieht es da mit der Entsprechung
aus?
[HiG.03_58.04.23,36] Das Gemütsurteil darüber
ist: Mißbehagen, Furcht, Ärger.- Was entspricht dem gegenüber? Natürlich das,
was ihm hilft, Schutz gibt und das Gemüt wieder beruhigt, und das besteht nach
dem äußeren Verstandesurteil darin: Fürs erste den Rücken sicheren Orts seiner
Schwächen wegen decken, dann fürs zweite der Gefahr mutig das Gesicht zuwenden
und endlich ganz geduldig abwarten, bis die Gefahr vorüber ist.
[HiG.03_58.04.23,37] Was kommt nun endlich
für eine entsprechende Schlußfolgerung heraus? – Den noch so geringen Feinden
im Rücken ist niemals zu trauen! Kehre dem Feinde das Angesicht zu, stelle dich
sicher und habe einen Mut mit Geduld, so wirst du über alle deine
hinterlistigen Feinde den Sieg davontragen.
[HiG.03_58.04.23,38] Daneben kommt hier auch
eine sittliche Entsprechung heraus und diese lautet: Besser zehn offene Feinde
vor dem Angesicht als ein Hinterlistiger – und ein reißender Wolf im Schafspelz
ist gefährlicher als ein offener in seinem Wolfsbalg.
[HiG.03_58.04.23,39] Dies ist nun hiermit
möglichst klar dargetan worden, und wir hätten sonach nur noch einen Fall zu
erörtern, und zwar jenen der Ahnungen und etwas unheimlichen Zeichen. Dies wird
sich auch besser durch ein kurzes Beispiel zeigen lassen, als durch was immer
für eine noch so gründliche Theorie.
[HiG.03_58.04.23,40] Jemand bekommt auf
einmal ein banges Gefühl und denkt hin und her und kann dazu keine Ursache
finden. Er fühlt sich wie verlassen oder wie einer, der erfährt, daß einer
seiner besten Freunde plötzlich, ohne sich irgend beurlauben zu können, eine
weite Reise hatte unternehmen müssen. Ist das Gefühl so geartet, so wende man
sich liebernst fragend an den sicher gegenwärtigen Schutzgeist, gebe acht
entweder in außerordentlichen Fällen auf den ersten klar ausgesprochenen Namen
oder sicher auf ein anderes plötzlich entstandenes Gedankenbild. Mit dem
verfahre man auf die vorbeschriebene Art, und es wird im außerordentlichen
Falle entweder der Name eines leidenden oder gar verstorbenen nahen
Anverwandten oder guten Freundes durch einen schützenden jenseitigen Geist ohne
Entsprechung klar ausgesprochen werden – oder der von irgendeinem schweren
irdischen Ungemache getroffene Freund oder Anverwandte wird aus den ihm sehr
ähnlichen Gemütsentsprechungen sehr leicht zu erkennen sein.
[HiG.03_58.04.23,41] Gewöhnlich aber kommen
solche Andeutungen in den Träumen vor, wo sie dann noch leichter zu lösen sind.
[HiG.03_58.04.23,42] Es hat zwar alles, was
nur irgend auf der Erde im Angesichte eines oder des andern Menschen geschieht,
irgend eine tiefere, ins Geistige übergehende oder auch ganz rein geistige
Bedeutung, die man auf dem Wege der Entsprechungen finden kann, wennschon
manchmal anfangs nicht ganz sicher, aber annähernd immer. Es ist aber auch gar
nicht nötig, daß jemand gar zu allem die Entsprechung finden soll. Nur bei ganz
besonderen Anlässen kann er sich in dieser ersten Vorschule der Korrespondenz
mit den Geistern üben.
[HiG.03_58.04.23,43] Ist diese erste Stufe
einmal so ziemlich begriffen und durchgeübt, dann erst kommt eine zweite und
endlich gar dritte und höchste Stufe, zu der sich entweder die Anleitung mit
einiger Mühe von selbst wird finden lassen – oder Ich Selbst werde sie so wie
diese nun geben und das meiste davon schon in eines jeden Herz legen.
[HiG.03_58.04.23,44] Sollte aber jemand hie
und da nicht gleich ganz im klaren sein, so werde er darum nicht ängstlich,
denn dies kommt schon mit der Zeit; unter der Zeit aber steht jedem Meiner
lieben Freunde und Kinder der freie Weg zu Meinem Herzen offen. Mein Segen und
Meine Gnade mit euch Amen.
Kürzeste Grundbelehrung des ewigen Wortes. –
10. Mai 1862.
[HiG.03_62.05.10] Auf eine Anfrage von
Johannes Busch.
[HiG.03_62.05.10,01] Johannes 8,31. Ich sagte
zu den Juden, die an Mich glaubten: So ihr bleibet in Meiner Lehre (nicht Rede)
– nicht nur, daß ihr sie behaltet im Gedächtnisse, sondern auch im Tun danach,
dann erst seid ihr Meine wahren Jünger und werdet also in euch erkennen, daß
Meine Worte aus dem Munde Gottes kommen und in sich die ewige und lebendige
Wahrheit sind, die euch wahrhaft frei machen wird von der Nacht jeglichen
Zweifels.
[HiG.03_62.05.10,02] Johannes 11,25 und 26.
Als Mich die Jünger und andere Glaubende fragten: Wann werden wir nach des
Leibes Tode wieder zum Leben auferstehen? sagte Ich: Wie möget ihr Mich denn
nochmals darum fragen? – Ich bin die Auferstehung und das ewige Leben! Wer an
Mich glaubt in der Tat, der ist in Mir schon auferstanden und wird der Seele
nach gleichfort leben, so er dem Leibe nach, so es möglich wäre, stürbe
tausendmal; denn wer da nun lebt und glaubt an Mich in der Tat, der wird nimmermehr
sterben (nämlich der Seele nach).
[HiG.03_62.05.10,03] Johannes 14,6. Daß ich
allein der Weg (durch Meine Lehre), die Wahrheit und das Leben bin, das wird
ein jeder in sich finden, der an Mich in aller Tat lebendig glaubt und also
auch im Herzen zu Mir kommt; wer aber also zu Mir kommt, der kommt zum Vater,
der in Mir wohnt und Eins ist mit Mir. Wer aber nicht auf besagte Art zu Mir
kommt, der kommt sicher auch nicht zum Vater, der die ewige Liebe ist.
[HiG.03_62.05.10,04] Johannes 14,23. Als man
Mich fragte, wie man Mein Wort, d.i. Meine Lehre, leicht in der Tat halten
könne, da sagte Ich: Wer Mich liebt mehr denn alles in der Welt und den
Nächsten wie sich selbst, der hält wahrhaft Mein Wort, und der Vater, die Liebe
in Mir, wird ihn lieben! Und so werden Wir – der Vater als die Liebe in Mir,
Ich als die ewige Weisheit (oder der Sohn) und der Heilige Geist als die ewige
und endlose Macht und Kraft Meines Willens zu ihm kommen und Wohnung bei ihm
nehmen, und er wird dann also vollkommen sein, wie der Vater im Himmel, der
Mein Herz, vollkommen ist. – So ist das zu verstehen. – – –
Erklärung schwieriger Schrifttexte. – 17.
März 1864. (Anmerkung)
I. Vom unklugen und klugen Bauherrn.
[HiG.03_64.03.17.a,01] Schreibe ein gar
wichtiges Wörtlein, in welchem Ich euch noch so manches aus dem, was Ich zu
Meiner Zeit den Aposteln gelehrt habe, näher erklären werde.
[HiG.03_64.03.17.a,02] Die Texte aus der
Schrift werden euch nicht unbekannt sein, wo da zwei Menschen angeführt sind,
von denen der eine sein Haus im Tale auf dem Sandgrunde gebaut hatte, den wir
den Unklugen nennen wollen; der andere aber suchte sich einen festen Felsen
auf, und wir wollen ihm den Namen der Kluge geben.
[HiG.03_64.03.17.a,03] Da der Unkluge aber
sah, daß sein kluger Nachbar sein Haus auf einen Felsen gebaut hatte, so sagte
er zu ihm: Hättest du da im Tale nicht mit weniger Unkosten gebaut als auf dem
Felsen da oben, dahin du dir erst mühsam einen Weg bahnen und mit mancher
Beschwerde das Baumaterial hinaufschaffen mußtest? Sieh, wie prächtig mein Haus
da im Tale steht und wie leicht der Zu- und Abweg ist! Dein Haus hingegen steht
auf dem Felsen gleich einem Adlerneste, und du hast einen beschwerlichen Zu-
und Abweg.
[HiG.03_64.03.17.a,04] Der Kluge aber sagte:
Warte du nur ein wenig; wer weiß, ob du nicht bald mich darum loben wirst, daß
ich mein Haus auf einen festen Felsen erbaut habe?
[HiG.03_64.03.17.a,05] Und sehet, in nicht
gar zu langer Zeit darauf erhoben sich heftige Winde, gingen in einen
furchtbaren Orkan über, und es kam dazu ein mächtiger Wolkenbruch, zerstörte
das schöne Haus im Tale, auf das sich der Unkluge soviel eingebildet hatte, und
damit er sein Leben rettete, seine Zuflucht bei seinem Nachbar auf dem Felsen
suchen mußte.
[HiG.03_64.03.17.a,06] Nun sah er wohl ein, daß
sein kluger Nachbar wohlgetan hatte, sein Haus auf den Felsen zu bauen, und der
vormals Unkluge entschloß sich denn auch, nimmer ein Haus in einem sandigen
Tale zu bauen.
[HiG.03_64.03.17.a,07] Und nun frage Ich, was
dieses Bild im Grunde des Grundes wohl zu bedeuten hat?
[HiG.03_64.03.17.a,08] Denn an dem, wie es
die Priesterschaft aller euch bekannten Sekten bis auf einige wenige, die in
der Lehre Swedenborgs und anderer seiner im Geiste geweckten Vorgänger stehen,
zu ihren Gunsten auslegen – und eine Auslegung der andern ebenso ähnlich sieht
wie eine Faust dem Auge – ist nicht ein wahrer Funke daran.
[HiG.03_64.03.17.a,09] Wieso denn, werdet ihr
fragen. Weil ihn (den Text) eine jede Sekte, sage Ich, nicht der von Mir
ausgehenden Wahrheit nach, sondern also wie vieles andere zu ihren Gunsten
auslegt.
[HiG.03_64.03.17.a,10] Ich aber sage: Alle
Sekten gehören samt ihren Anhängern in den Bereich des Unklugen, der sein Haus
auf Sand im Tale gebaut hatte. Und nur allein derjenige, der auf Mich und auf
Meine reine Lehre baut und danach tut und handelt, gehört zu dem seltenen
Klugen, der sein Haus auf dem Felsen erbaute. Und als da kamen der Zeiten
Stürme, so blieb sein Haus fest stehen; aber das Haus und gar viele Häuser, die
im Tale auf dem Sande standen, wurden hinweggeschwemmt.
[HiG.03_64.03.17.a,11] Wie muß aber der
Mensch beschaffen sein, der sein Haus auf dem Felsen erbaut? – Der muß
durchgehends nicht leicht- und abergläubisch sein, sondern allein die Wahrheit
in allem suchen, die allein ihn frei und wohlerleuchtet machen kann.
[HiG.03_64.03.17.a,12] Ja, wird mancher
fragen, wie soll man denn das anstellen?
[HiG.03_64.03.17.a,13] Die Antwort liegt
ebenfalls in Meiner Lehre, die Ich Meinen Aposteln gegeben habe, und lautet
ganz kurz also:
[HiG.03_64.03.17.a,14] Wer an Mich glaubt,
nach Meiner Lehre lebt und handelt, zu dem werde Ich Selbst kommen und Mich ihm
gerade also getreuest offenbaren, wie nun euch.
[HiG.03_64.03.17.a,15] Daß darin auch das
einzige Kriterium der Wahrheit Meiner Lehre liegt, habet ihr nun selbst mehr
als handgreiflich in mehreren noch lebenden Beispielen vor euch; denn Ich sagte
darum ja auch zu Meinen Aposteln, als sie selbst nicht so recht im klaren waren,
für wen sie Mich eigentlich halten sollten:
[HiG.03_64.03.17.a,16] So ihr an Mich glaubet
und nach Meiner Lehre handeln werdet, dann erst werdet ihr auch vollends in
euch erkennen, daß die Worte, die Ich zu euch geredet habe, nicht
Menschenworte, sondern Gottes Worte sind.
[HiG.03_64.03.17.a,17] Und wieder sagte Ich
zu Meinen Aposteln: Nicht nur ihr, sondern in der Folge ein jeder Mensch, der
wahrhaft zu Mir kommen will, muß von Gott aus gelehret sein; denn den der Vater
oder die ewige Liebe in Mir nicht ziehet, der kommt nicht zu Mir – oder mit
andern, für euch faßlicheren Worten gesagt: Wen die wahre Liebe zur Wahrheit
und zum Lichte nicht anziehet, und der in seiner Trägheit und Schläfrigkeit
ganz behaglich verharret und sich in der Welt soviel als möglich allen
Vergnügungen und Zerstreuungen in die Arme wirft, wird der wohl irgendeinmal
zum Lichte der Wahrheit gelangen?
[HiG.03_64.03.17.a,18] Ich sage euch,
ebensowenig, als aus einem trägen Studierenden, der seine Studien zuallermeist
in Gast- und Kaffeehäusern und auf den Tanzböden und in den Gemächern der
feilen Dirnen macht, ein großer Astronom wird; denn um das zu werden, gehört
von Jugend auf ein übergroßer Fleiß und eine große Menge von allerlei
Selbstverleugnungen. Doch mit der großen Liebe zu solch einer erhabenen und
schweren Wissenschaft ist er mit der Zeit dahin gekommen, Dinge zu berechnen,
von denen der laie Weltmensch sich nichts kann träumen lassen. Und da heißt es
wieder:
[HiG.03_64.03.17.a,19] Wen der Vater nicht
zieht, der kommt nicht zum Sohne; denn der Sohn ist ja das Licht, ausgehend aus
der Flamme und dem Feuer der Liebe oder des Vaters.
[HiG.03_64.03.17.a,20] Gehet aber hin zu den
meisten sogenannten christlichen Sekten und betrachtet besonders ihre
Priesterschaft und fraget sie: Welche Liebe hat denn euch zu eurer vorgeblichen
Wahrheit, die ihr prediget, gezogen? Und auf ihren Gesichtern und auf ihren
Bäuchen werdet ihr's geschrieben finden: die möglichst beste zeitliche
Versorgung und überepikuräisch wohlbesetzte Speisetische mit allen best
bereiteten Leckerbissen, die auf der lieben Erde irgendwo anzutreffen sind; und
je höher sich solche Priesterschaft hinaufschwingen kann, desto epikuräischer
wird auch ihre Tugend und damit auch ihre Selbstsucht und Herrschsucht.
[HiG.03_64.03.17.a,21] Solche sein wollende
Nachfolger Meiner Apostel und Jünger befolgen das sicher nicht, was Ich zu
Meinen Aposteln und Jüngern gesagt habe, daß sie nämlich nicht für den
kommenden Tag sorgen sollen, was sie essen und trinken und womit sie sich
bekleiden werden, sondern bloß suchen Mein Reich und seine Gerechtigkeit; alles
andere, dessen sie benötigen, wird ihnen hinzugegeben werden.
[HiG.03_64.03.17.a,22] Als Ich Meine Jünger
aussandte, sagte Ich zu ihnen: Ihr sollet nicht anhaben und tragen zwei Röcke und
in eurer Bekleidung nicht eingenäht haben Säcke, um allerlei euch dargebotene
Dinge einzustecken; auch sollet ihr nicht tragen Stöcke, um euch zu
verteidigen; denn so ihr Mich habet, so seid ihr ohnehin für dies- und jenseits
mit allem versorgt.
[HiG.03_64.03.17.a,23] Wären mit dieser
Versorgung etwa in gegenwärtiger Zeit die Priester auch zufrieden, die unter
allerlei Gottesstellvertreterschaften ihr Wesen treiben, ums Geld scheinbare
gottesverdienstliche Werke verrichten, an die sie nicht einen Funken Glauben
haben? Werden sie zufrieden sein mit einem Rock ohne Säcke, die in
goldverbrämten Kleidern einhergehen und das Volk durch ihren Glanz zu blenden
aufs eifrigste bemüht sind?
[HiG.03_64.03.17.a,24] Ein gegenwärtiger
Bischof will ein Nachfolger irgendeines Apostels sein! Geht er ohne Stock
einher? O mitnichten! Verkaufet einen solchen Stock, und ihr könnet eine arme
Familie auf längere Zeit hin versorgen. – Ein ganzes Land könnte sich damit auf
viele Jahre bestens mit allem versorgen, so es sich den Wert nur einer
päpstlichen Tiara und mehrerer Kardinalshüte aneignen könnte; denn eine solche
Tiara, aus reinstem Golde und den größten und kostbarsten Edelsteinen als
Diamanten, Rubinen und Smaragden und großen Perlen bestehend, dürfte wohl
schier so viele Millionen wert sein, als Ich Apostel zählte, und ein
Kardinalshut kostet achzigtausend Dollar! Wäre das nicht ein so ganz
respektables Sümmchen für ein armes Land?
[HiG.03_64.03.17.a,25] Aber lassen wir sie
bei ihrer sogenannten triumphierenden Kirche; sie haben dennoch ihre Häuser und
Tempel nicht auf dem Felsen erbaut, und der große Sturm stehet vor der Tür, der
ihnen zeigen wird, wie klug sie waren! Wenn der Sturm aber kommen wird, da wird
es viel Heulens und Zähneknirschens geben, und da wird es wohl heißen:
[HiG.03_64.03.17.a,26] Wehe allen, die da die
Flucht werden ergreifen wollen und suchen sich auf festen Felsen anzusiedeln;
denn wer da nicht haben wird, wie alle diese, dem wird auch noch genommen
werden, was er hatte, und sie werden nicht kommen zum Lichte, sondern durch
Meinen Sturm hinausgestoßen werden in die äußerste Finsternis – durch Meinen
gewaltigen Sturm, und es wird daselbst dann noch mehr Heulens und
Zähneknirschens geben oder, mit andern Worten gesagt, noch mehr der
gegenseitigen Verfolgungen und Verwünschungen. Denn die betrogenen Gläubigen
werden über ihre Himmelsverschaffer herfallen und sie durchaus um nicht viel
besser behandeln, als ein grimmiger Feind seinen Gegenfeind behandelt; denn ein
Betrogener läßt sich den Betrug nur so lange gefallen, als er noch so blind
ist, den Betrug nicht einzusehen, merkt er einmal diesen, dann wehe dem
Betrüger!
[HiG.03_64.03.17.a,27] Und dieses Wehe stehet
nun knapp vor der Tür!! Der Scharfschützen gibt es schon eine große Menge, und
sie werden ihr Ziel nicht verfehlen. – Ich meine, die von Mir am Anfang
angeführten Texte aus Meinem Worte werden euch nun zur Genüge einleuchtend
sein. –
II. Seid gehorsam der Obrigkeit, die Gewalt
über euch hat.
[HiG.03_64.03.17.b,01] Der Text, von dem
gestern unter euch die Rede war, demnach man jeder Obrigkeit gehorchen solle,
gleich ob sie gut oder böse sei, da sie keine Macht hätte, wenn sie ihr nicht
von oben gegeben wäre, – dieser Text ist zwar richtig an und für sich, aber ein
Beisatz, den Ich gestellt habe bei einer Gelegenheit, so wie im Apostel Paulus,
ist hinweggelassen worden. Der Beisatz aber lautet: Solange der Besitz des
Geistes der Wahrheit aus Mir den Obrigkeiten innewaltet.
[HiG.03_64.03.17.b,02] Werdet ihr erkennen,
daß dies nicht mehr der Fall ist, dann ist es auch Zeit, solchen von der Höhe
aus nicht mehr inspirierten Obrigkeiten auf das empfindlichste den Rücken zu
kehren; denn wäre das nicht der Fall, so müßte Ich auch allen Ernstes gesagt
haben: Seid allen Teufeln untertänig und gehorsam! – Das werdet ihr von Mir
doch wohl nicht erwarten, indem Ich doch ausdrücklich gesagt habe, daß ihr
alles prüfen und nur das Gute und Wahre behalten sollet.
[HiG.03_64.03.17.b,03] Überhaupt ist aber bei
dem Text, der, wie Ich schon bemerkt habe, schlecht übersetzt ist, das zu
bemerken, daß es statt gut oder böse: mild oder strenge heißen soll. Und so ihr
das nun wißt, so werdet ihr damit doch wohl einsehen, daß Ich nicht gesagt
habe, ihr sollet auch den Teufeln gehorchen. So ihr dieses recht beachtet, so
werdet ihr wohl einsehen, daß ein solch krasser Unsinn niemals aus Meinem Munde
gegangen ist und nie gehen wird.
[HiG.03_64.03.17.b,04] So jemand aus euch
noch irgend etwas in der Schrift findet, das mit der reinen Vernunft nicht im
Einklange steht, der komme mit einem solchen Texte zum Vorscheine, und es soll
ihm darüber Licht gegeben werden Amen.
Fragen über scheinbare Widersprüche in den
verschiedenen Evangelien. – 17. März 1864.
I.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 1,25. „Und
erkannte sie nicht, bis sie ihren ersten Sohn gebar; und hieß seinen Namen
Jesus.“ Lukas 2,7.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 13,55. „Ist
er nicht eines Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria? und seine Brüder
Jakob und Joses und Simon und Judas?“ Lukas 4,22.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 13,56. „Und
seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt ihm denn das alles?“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Diese Stellen gaben
Veranlassung zur Annahme, daß Maria mehrere Kinder gehabt habe.
(Texterläuterung des Herrn)
II.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 12,42. „Die
Königin von Mittag wird auftreten am Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und
wird es verdammen ...“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 13,49. „Also wird
es auch am Ende der Welt gehen ...“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 16,27. „Denn
es wird geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit des Vaters
mit seinen Engeln ...“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 19,28. „Jesus
aber sprach zu ihnen ...: Ihr werdet auch sitzen auf den zwölf Stühlen und
richten die zwölf Geschlechter Israels.“ Matthäus 25,30-34.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Diese Stellen gaben
zur Annahme eines Jüngsten Tages und Gerichtes Veranlassung. (Texterläuterung
des Herrn)
III.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 4,1. „Da ward
Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht
würde.“ Markus 1,2-11; Markus 1,12.13; Lukas 4,2-13. (Texterläuterung des
Herrn)
IV.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 5,39. „Ich
aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern so dir
jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch
dar.“ Vers 40. „Und so jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem
laß auch den Mantel.“ Lukas 6,29.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 10,34. „Ihr
sollt nicht wähnen, daß Ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich
bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Vers 35. „Denn Ich bin
gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider ihre
Mutter und die Schnur wider ihre Schwieger.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Vers 36. „Und des
Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 10,16.
„Siehe, Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie
die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Vers 17. „Hütet euch
aber vor den Menschen ...“ Lukas 12,51-53
[HiG.03_64.03.17.c,00] Buchstäblich sind dies
Widersprüche und im menschlichen Leben so nicht anwendbar; denn dadurch würde
einerseits die Gewalt des Starken sanktioniert, der Minderstarke zum Sklaven,
der Hochmütige würde nur noch anmaßender und jedem Unrecht die breiteste Basis
gegeben. Anderseits ist aber wieder der Kampf gegeben und wieder die
Wehrlosigkeit des Schafes gegenüber seinen Feinden. (Texterläuterung des Herrn)
V.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 12,40. „...
also wird des Menschen Sohn (gleichwie Jona im Bauche des Walfisches) drei Tage
und drei Nächte mitten in der Erde sein.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 17,23. „...
und am dritten Tage wird er auferstehen ...“ Matth.20,19; Luk.13,32;
Matth.26,61; Joh.2,19.21.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 27,63. „Ich
will nach drei Tagen auferstehen.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 28,1. „Am
Abend des Sabbats aber, welcher anbricht am Morgen des ersten Wochentages nach
dem Sabbate, kam Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu besehen.“
Mark.16, 1.2; Luk.24, 1.6; Joh.20,1.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 28,2. „Und siehe,
es geschah ein großes Erdbeben ...“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 28,6. „Er ist
nicht hier ...“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Markus 10,34. „... und
am dritten Tage wird er auferstehen.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Markus 16,6. „Er ist
auferstanden und ist nicht hier.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Lukas 23, 44.45.46. –
diese Verse angeführt in betreff der Todesstunde gegen die Zeit der
Auferstehung – und
[HiG.03_64.03.17.c,00] Johannes 19,31.
Kreuzabnahme.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Wie stimmt hier die
Zeit des Todes mit der Auferstehung nach den verschiedenen Versen? – Lag der
Leichnam des Herrn drei Tage im Grabe, wie oft angenommen wird, oder ist, so
die Grablegung nach unserer Annahme am Freitag geschah, die Auferstehung am
Sonntag früh, also am dritten Tage erfolgt? (Texterläuterung des Herrn)
VI.
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 12,40. „Denn
gleichwie Jona war drei Tage und drei Nächte in des Walfisches Bauch.“ Was war
dies für ein Fisch – oder ist der Fisch nur ein geistiger
Entsprechungsausdruck?
[HiG.03_64.03.17.c,00] Matthäus 22,11.12. „Da
ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der
hatte kein hochzeitlich Kleid an ...“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Markus 14,51. „Und es
war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der
bloßen Haut; und die Jünglinge griffen ihn.“
[HiG.03_64.03.17.c,00] Vers 52. „Er aber ließ
die Leinwand fahren und floh bloß von ihnen.“ – Wer ist der Jüngling, und warum
erwähnt ihn nur Markus allein? – (Texterläuterung des Herrn)
Texterläuterung des Herrn.
I. Der Evangelist Matthäus – 18. März 1864.
[HiG.03_64.03.18,01] Was die erste Frage
betrifft, so ist in ihrer Hinsicht schon eine kleine Erläuterung im
eigentlichen Johannes(-Evangelium) berührt worden. Allein um euch diese Sache
noch um vieles heller zu machen, müßt ihr wissen, daß der Evangelist Matthäus
erst dann von Mir aufgenommen wurde, als Ich ihn bei Meiner Reise nach Kis in
einer Mittelstation zwischen Kapernaum und Kis als einen in römischen Diensten
stehenden Zöllner antraf; darum Mir auch der Vorwurf gemacht wurde, Ich gehe
mit Zöllnern und Sündern umher.
[HiG.03_64.03.18,02] Da aber dieser Matthäus
gut bei der Feder war und sich von Mir nicht mehr trennen wollte, so ward er
von Mir als Schreiber aufgenommen, aber nur mehr für die Tatsachen, während
Mein Johannes das Wort, das Ich lehrte, aufzuzeichnen hatte, und Matthäus
mitunter weniger geistige Teile Meiner Lehren und Predigten für sich
aufzeichnete, dieselben jedoch allzeit bei Gelegenheiten von Johannes sich
korrigieren ließ; denn Matthäus hatte für Tatsachen ein gutes Gedächtnis, aber
für die Lehre ein schwaches.
[HiG.03_64.03.18,03] Von Meinem
Familienverhältnis wußte er, solange er mit Mir umherging, sehr wenig, und was
er wußte, teilten ihm bei Gelegenheit Jakobus, Simon und Johannes mit, das er
sich jedoch nicht auf der Stelle aufzeichnete, sondern erst einige Jahre nach
Meiner Auferstehung, als er statt des Judas Ischariot zum Apostel gewählt
wurde.
[HiG.03_64.03.18,04] Dieser Apostel selbst –
als der Evangelist – hatte sein Evangelium ganz ordentlich und richtig
zusammengestellt und machte dann damit seine Reise in die südöstlichen Gegenden
Asiens.
[HiG.03_64.03.18,05] Es haben sich aber dann
in Jerusalem, in Galiläa, in Samaria, dann in Tyrus und Sidon fünf Matthäusse
hervorgetan, und es schrieb ein jeder ein ‚Evangelium Matthäi‘; darunter das zu
Sidon erschienene unstreitig noch das allerannehmbarste war.
[HiG.03_64.03.18,06] Die andern vier wurden
bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa – als mit diesem gar nicht
übereinstimmend, wie auch untereinander nicht – als vollends apokryph verworfen
und das Sidonische als möglichst echt erhalten. Und so ist auch dieses
teilweise apokryph, obschon der Schreiber sich alle erdenkliche Mühe gab, die
Sache so wahr als möglich darzustellen.
[HiG.03_64.03.18,07] Er selbst schrieb
eigentlich – statt diesem einen – vierzehn Evangelien, je nachdem ihm irgend
die Sache von sein wollenden Augenzeugen bekanntgegeben wurde. Aus diesen
vierzehn schrieb er dann ein fünfzehntes, das nach der Beurteilung vieler
Sachkundiger als das richtigste und wahrste erklärt wurde.
[HiG.03_64.03.18,08] Und dieser
Pseudo-Matthäus, der eigentlich l'Rabbas hieß, ist der eigentliche Schöpfer des
heutigen Matthäus-Evangeliums.
[HiG.03_64.03.18,09] Das wirkliche
(Matthäus-Evangelium) aber befindet sich heutzutage noch in einer großen
Bücher- und Schriftensammlung in einer bedeutenden Bergstadt Hinterindiens,
welche Bücher- und Schriftensammlung wohl die größte und reichhaltigste nach
der verbrannten alexandrinischen auf der ganzen Erde ist. Sie besteht aus
mehreren Millionen Exemplaren Büchern und Schriften aller Art, zu welcher
Sammlung aber leider nur die hohen Priester, die unter dem obersten Priester Brahmas
stehen, Zutritt haben. Die Birmanen allein besitzen eine aber sehr abgekürzte
Abschrift.
[HiG.03_64.03.18,10] Ihr möchtet wohl auch
wissen, was es mit dem Apostel Matthäus in diesen Ländern Indiens für ein Ende
genommen hat?
[HiG.03_64.03.18,11] Er ist daselbst ganz gut
gehalten worden, durfte aber seine Lehre nur den Priestern und keinem andern
Menschen mitteilen. Er fand aber doch in seinen alten Tagen von Meinem Geist
geleitet eine Gelegenheit, zu den Birmanen zu entkommen, und er lehrte sie allerlei
Weisheit und schrieb für sie dann auch das schon vorher erwähnte kurze
Evangelium.
[HiG.03_64.03.18,12] In einigen besseren
Traditionen wird dieser Apostel und noch ein Gefährte „die Apostel Indiens“
genannt.
[HiG.03_64.03.18,13] Aus dem werdet ihr wohl
leicht entnehmen können, wie es sich mit dem euch bekannten Evangelium Matthäi
verhält, wie auch mit dem angeführten 13. Kapitel, wo es heißt, ob Ich nicht
der Sohn des Zimmermanns Josephs sei, ob Meine Mutter nicht Maria heiße und
Meine Brüder nicht Jakob, Joses, Simon, Judas und Johannes? und – „seine
Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt Ihm denn das alles?“
[HiG.03_64.03.18,14] Um dieses zu verstehen,
muß man wissen, was schon im ‚Johannes‘ erwähnt ist, daß Ich einmal nach
Nazareth kam, dort in der Synagoge lehrte und gar manches Zeichen wirkte; und
als darüber sich sogar Meine Apostel und Jünger aufzuhalten anfingen, Ich zu
ihnen sagte: „Der Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterlandeö,
verließ Nazareth und kam nachher nicht wieder dahin.
[HiG.03_64.03.18,15] Was aber Meine
sogenannten Brüder und Schwestern betrifft, so waren sie wohl Kinder Josephs
aus seiner ersten Ehe, aber nicht Kinder Marias, deren einziger und nicht
erster, d.i. wohl erster, aber einziger Sohn Ich war.
[HiG.03_64.03.18,16] Was aber die Schwestern
anbelangt, so waren sie nicht Töchter Josephs, sondern dessen arme Anverwandte,
und man nannte sie darum auch Schwestern, indem sie ganz nach dem Sinne und
Willen Josephs wie auch der Maria lebten und handelten.
[HiG.03_64.03.18,17] Drei von diesen Brüdern
zogen mit Mir, nämlich Jakobus, Simon und Johannes; zwei aber blieben daheim
und betrieben des Josephs Handwerk fort und pflegten die Maria bis dahin, als
Ich sie dem Johannes zur weiteren Pflege übergab.
[HiG.03_64.03.18,18] Die nämlichen
scheinbaren Widersprüche werdet ihr auch in dem Evangelium des Lukas finden;
denn dieser Evangelist schrieb erst mehr als fünfzig Jahre nach Mir das
Evangelium und ebenalso auch die Apostelgeschichte. Aber auch sein Evangelium ist
ein Zusammentrag von dem, was er durch eifrige Erkundigung über Mich und die
Apostel zustande gebracht hat.
[HiG.03_64.03.18,19] Alles, was er
geschrieben hatte, hat er seinem bekannten Freunde Theophilus nach Athen
übersandt, welcher Theophilus dann wieder ein Evangelium aus dem Evangelium des
Lukas schrieb, es mit manchen Zusätzen bereicherte, aber mitunter auch so
manche Unrichtigkeit in dasselbe hineinmengte, aus der sich dann so manche
Widersprüche ergaben, besonders im naturmäßigen Buchstabensinne – namentlich
Mein übertyrannisches Auftreten im sogenannten „Jüngsten Gericht“, die mit dem
einzig noch allerrichtigsten kurzen Evangelium des Johannes durchaus nicht
übereinstimmen, doch geistig immerhin eine Beleuchtung zulassen – und wir
werden über dieses und noch mehreres andere im nächsten Diktate reden. Und
somit gut für jetzt. Amen.
II. Vom Jüngsten Gericht. (Texterläuterung
des Herrn.) – 19. März 1864.
[HiG.03_64.03.19,01] Ich habe euch schon
gestern erwähnt, daß von dem außerordentlichen „Jüngsten Gericht“ im Evangelium
Matthäi (l'Rabbas) und noch mehr beim Evangelisten Lukas eine ausführlich große
Erwähnung gemacht ist, und daß eben dieses jüngste Gericht vielseitig schuld
war und noch ist, daß sich gar viele Menschen von Meiner Lehre ganz abgewandt
haben, haben sich selbst Lehren aus der reinen Vernunft nach ihren
Verstandeskräften gebildet und nach denselben ihre Nebenmenschen gelehrt,
selbst gehandelt und gelebt und wollten von des Schreckenstages Lehre und
Propheten nichts mehr hören und wissen.
[HiG.03_64.03.19,02] Denn sie sagten, und
zwar nicht mit Unrecht: Wie kann ein endlos weiser ewiger Gott, aus dessen
großen und kleinen Geschöpfen sicht- und fühlbar nur die Liebe atmet, eben die
größte Anzahl der Menschen einzig darum nur ins Dasein gerufen haben, um sie
nach einem kurzen Leben auf einer materiellen Welt, die ohnehin aus lauter Tod
und Elend zusammengesetzt ist, nach dem Hintritte ins Jenseits ewig zu quälen
und zu plagen für die Vergehen, die sie in ihrem Leibe auf der Welt begangen
haben? –
[HiG.03_64.03.19,03] Ich sage es euch,
solches wäre nicht einmal dem höchsten und bösartigsten Tyrannen auf der Welt
möglich. Denn es ist sicher so manchem aus euch aus der Geschichte der Ur-,
Vor-, Nach- und Jetztzeit nicht unbekannt, daß sich zu große Tyrannen am Ende
vor sich selbst zu fürchten haben angefangen, und gar manche aus ihnen haben
sich geflüchtet ohne einen besonderen anderen Grund, als aus einer sich stets
steigernden Furcht vor sich selbst, und fanden auf solcher Flucht auch
gewöhnlich ihren Untergang.
[HiG.03_64.03.19,04] Allein hier kann Ich
euch in bezug auf solche Auswürflinge der menschlichen Bosheit das hinzusagen,
daß sie nach einer gewissen Zeit ihrer tyrannischen Herrschaft von stets mehr
und mehr bösen oder ungegorenen Dämonen in Besitz genommen wurden und mußten
ihnen als Werkzeuge ihrer dämonischen Rache, die sie gegen ein Volk hegten,
dienen.
[HiG.03_64.03.19,05] Wenn man diese Tyrannen,
die vor den Augen der Welt wahrlich Greueltaten auf Greueltaten gehäuft haben,
darum schon für ewig in die Hölle verdammen sollte, so wäre man als Richter ja
selbst ein tausendmal größerer Tyrann, als diese es selbst waren. Wie könnte
Derjenige, der Ich Selbst es war, den Vater als die ewige Liebe in Mir unter
den größten Schmerzen Meines Leibes für alle diejenigen, die Mich gekreuzigt
haben und haben kreuzigen lassen, bitten, daß Er ihnen vergeben solle, indem
sie nicht wüßten, was sie täten!
[HiG.03_64.03.19,06] Denn von den Pharisäern,
vom Hohenpriester Kaiphas angefangen bis zu den Schergen, die Meinen Leib ans
Kreuz geheftet haben, wußte wahrlich keiner, mit wem sie es so ganz eigentlich
an Mir zu tun hatten. Denn die Pharisäer hielten Mich trotz aller Meiner Taten
und Lehren erstens für einen Hauptmagier aus der Schule der Essäer, die bei
ihnen über die Maßen verhaßt waren, und fürs zweite hielten sie Mich für einen
Judenaufwiegler, als der Ich den Römern eine Gelegenheit bereite, damit sie den
Juden alle Freiheit und am Ende sogar ihren Religionskultus verböten. Je
größere Zeichen Ich demnach wirkte, desto mehr wuchsen Meine euch wohlbekannten
Feinde.
[HiG.03_64.03.19,07] Was aber die Schergen betrifft,
so waren die meisten Soldaten der Römer als Söldlinge von allen Nationen des
Römischen Reiches zusammengerafft und waren den Römern um so lieber und
wünschenswerter, je grausamer und herzloser sie sich in den Schlachten und auch
bei kleinen Exekutionen zeigten; denn ein gefühlvoller römischer Soldat wäre
ein wahres Unding für den kriegerischen Sinn der Römer gewesen. Aus dem geht
aber auch sicher hervor, daß die gemeinen römischen Söldlinge noch weniger
wußten, was sie taten, als Meine euch schon bekannten Erzfeinde selbst.
[HiG.03_64.03.19,08] Und es läßt sich hier
wieder fragen, ob es nach Meiner göttlichen Weisheit wirklich recht und gerecht
gewesen wäre, alle diese für das, was sie an Mir getan haben, für ewig in die
Hölle zu verdammen und sie zu werfen in die ewige Marter, Qual und Pein.
[HiG.03_64.03.19,09] Habe Ich etwa den linken
Schächer, der Mich bekanntlich am Kreuze verhöhnte, darum verdammt? Dies steht
wahrlich nirgends geschrieben. Aber dem andern Schächer, der Mich als einen
Gerechten erkannte und dem linken Schächer wegen seines Höhnens einen guten
Verweis gab, gab Ich dafür die Versicherung, daß er noch am selben Tage bei Mir
im Paradiese sein werde, obschon er des Raubes und Mordes wegen am Kreuze
sterben mußte.
[HiG.03_64.03.19,10] Wo bleibt denn da der so
schrecklich geschilderte jüngste Gerichtstag, an welchem etwa kaum ein
Dezillionstel der Menschen in den Himmel kämen, alle andern aber für ewig in
die Hölle?!
[HiG.03_64.03.19,11] Wie kann Der von einem
solchen Schreckenstage gepredigt haben, der im Tempel der Ehebrecherin Schuld
in den Sand schrieb, und ein andermal in Gegenwart vieler anwesender Sünder
laut ausrief: „Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will
euch alle erquicken!“
[HiG.03_64.03.19,12] Wieder sagte Ich einst,
als Mich ein Schriftgelehrter fragte, der so einen halben Glauben an Mich
bezeugte: Meister! ich erkenne, daß Du recht und gerecht lehrest, und man kann
dem, was Du lehrest, nichts einwenden; doch sagtest Du in Deiner Lehre: Wer an
Dich glaubt und nach Deinen Worten handelt, der wird das ewige Leben haben –
auch dann, so er stürbe, wenn es möglich wäre, zum hundertsten Male in der
Welt! Nun betrachte Du aber die Völker und Menschen auf dieser Erde, die von
Dir und Deiner Lehre sicher in zweitausend Jahren und darüber nichts werden
vernommen haben! Wie werden sie an Dich glauben und nach Deinen Worten leben?
Werden diese nahe zahllos vielen Menschen alle in den ewigen Tod übergehen,
weil sie an Dich nicht glauben konnten und nicht halten Deine Worte? –
[HiG.03_64.03.19,13] Da dieser
Schriftgelehrte bei einer Gelegenheit zur Nachtzeit solche Frage an Mich
stellte, so zeigte Ich ihm mit zwei Fingern hinauf an das mit Sternen übersäte
Firmament: Da sehe hinauf, dies ist das Haus Meines Vaters! Und in diesem
endlos großen Hause gibt es gar viele Wohnungen. Wer Mich hier nicht konnte
kennen lernen und vernehmen Mein lebendiges Wort, für den wird sich schon in
diesem großen Hause irgend eine Gelegenheit finden zu dem Zwecke seines ewigen
Lebens! Darum sorge du dich nicht für jene, welche nun und auch in später Folge
von Mir nichts werden vernehmen können; denn Mein Vater kennet sie alle und hat
auch nicht einen von ihnen zum ewigen Falle, sondern nur zur ewigen
Auferstehung aus Seiner Liebe und Weisheit ins Dasein gerufen! Und du hast
dadurch an Mich zwar eine weise scheinende, aber darum doch eitle Frage
gestellt. –
[HiG.03_64.03.19,14] Habe Ich darum den
schlechten Haushalter seines Herrn, was ihr im Grunde alle mehr oder weniger
seid, wegen seiner schlechten Haushalterei verdammt, weil er seinen Herrn
betrog, aber dabei dessen Schuldnern eine Wohltat erwies, und das noch dazu in
Folge, weil er wohl wußte, daß ihn sein Herr vom Dienste entlassen werde? Ich
sagte da nicht: Werdet solch einem Haushalter nicht gleich, sondern – tut
desgleichen, wie auch er getan hat, und jene, denen ihr auf Rechnung Meines
Namens geistige und leibliche Wohltaten erwiesen habt, werden euch dereinst in
ihre himmlischen Wohnungen aufnehmen! –
[HiG.03_64.03.19,15] Wo sieht bei solch einer
Lehre der schreckliche einstige jüngste Gerichtstag heraus, in welchem die zwei
euch bekannten Nach-Evangelisten – als der l'Rabbas statt des Matthäus und der
Theophilus statt des Lukas – so manches wider Meine Liebe und Weisheit sich
haben zuschulden kommen lassen?
[HiG.03_64.03.19,16] Das meiste und
Schaudererregendste aber ist erst nach der großen Kirchenversammlung zu Nicäa –
sowohl von seiten der griechischen, noch mehr aber von seiten der römischen
Oberbischöfe geschehen. Denn diese haben sich alle Mühe gegeben, zum Teil aus
dem heidnischen Tartarus und zum Teil aus dem alten jüdischen Scheol dem
jüngsten Gerichte, dem Fegefeuer und der Hölle die lebhaftesten Farben zu
verleihen und haben aus Mir in einer Person den euch bekannten Äakus, Minos und
Rhadamantus, die das jenseitige Richteramt führten über die Seelen der
Verstorbenen, gemacht. Und Ich muß demnach allerunerbittlichst und
unbarmherzigst alles richten, verdammen und auf ewig in die Hölle verfluchen,
was sich nicht den Anordnungen und Befehlen des sogenannten Heiligen Vaters in
Rom fügt.
[HiG.03_64.03.19,17] Ich meine euch hiermit
zur Genüge gesagt zu haben, daß weder Ich noch irgendeiner Meiner echten
Evangelisten die Erfinder und Lehrer alles dessen sind und sein können. Denn
Ich kann doch von Mir nicht selbst behaupten, daß Ich heute die höchste Liebe
und Erbarmung bin und morgen die höchste Rachgier, unerbittlichste
Unbarmherzigkeit und ewige Straf- und Martersucht gegen Meine Kinder ob ihrer
Vergehen, an denen sie grundursächlich oft nicht den hundertsten Teil der
eigentlichen Schuld tragen.
[HiG.03_64.03.19,18] Denn Ich bin ja nicht
gekommen, um das, was verloren war, noch mehr verloren zu machen, sondern es in
aller Liebe aufzusuchen und wieder an das Licht zu bringen, damit es nicht
verlorengehe. Als Arzt kam Ich ja nur der Kranken und nicht der Gesunden wegen
in die Welt. Hätte Ich die Kranken etwa noch kränker machen sollen, als sie es
ohnedies schon waren? Das ginge wohl nach der Lehre und nach dem Sinne der
Pharisäer und besonders der vielen sogenannten heiligen Väter Roms. Aber nach
Meinem Sinne, der Ich Selbst als Mensch Mich von andern Menschen nicht einmal
‚guter Meister‘ nennen ließ, geht das nicht; denn Ich sagte: Was heißet ihr
Mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Also sollet ihr auch niemanden
‚Vater‘ nennen, außer euren Vater im Himmel. Und niemand ist heilig, denn nur
Gott allein! –
[HiG.03_64.03.19,19] Was ist hernach von
einem solchen sein wollenden Stellvertreter Gottes auf Erden zu halten, der
sich selbst ‚Heiliger Vater‘ und ‚Seine Heiligkeit‘ titulieren läßt, – und was
von dem am meisten von ihm ausgehenden jüngsten und vorhergehenden besonderen
Gerichte, Fegefeuer und Hölle zu halten?! –
[HiG.03_64.03.19,20] Ich sage euch,
ebensoviel als von seiner Heiligkeit, von seinen ihm untergeordneten Eminenzen,
vom Stuhle Petri in Rom, welche Stadt Petrus nie gesehen hat, und von den
Kreuzpartikeln etwa desjenigen Kreuzes, auf dem Ich gekreuzigt wurde, das sich
aus höchst weisen Gründen auf der ganzen Erde ebensowenig als echt irgend mehr
vorfindet, als wie wenig Mein Leibrock, der zu Trier in Deutschland zu öfteren
Malen gezeigt wurde, echt ist oder die Gebeine der Drei Könige zu Köln oder die
drei eisernen Nägel in Mailand, da es deren in allen römischen und griechischen
Kirchen zusammen eine solche Anzahl gibt, daß man mit ihnen eine Eisenbahn von
nahe einer Meile Länge herstellen könnte.
[HiG.03_64.03.19,21] Das Weitere könnt ihr
euch wohl selbst denken, und Ich brauche euch darüber nicht viel mehr zu sagen.
Daß man bis jetzt bereits über drei echte Köpfe Johannes des Täufers gefunden
hat, wird euch mehr oder weniger bekannt sein sowie auch, daß man in der Grotte
Meiner Geburt noch fortwährend versteinerte Milch Meiner Mutter Maria auffindet
und um Geld an die frommen Pilger verkauft nebst vielen anderen heiligen
Reliquien.
[HiG.03_64.03.19,22] Haltet euch daher nur an
den Evangelisten Johannes, denn dieses Evangelium sowie seine Offenbarung sind
von seiner Hand geschrieben. Was aber die zwei andern Evangelisten betrifft,
als den Matthäus und Lukas, so habe Ich euch schon gezeigt, welche Bewandtnis
es mit diesen beiden und deren Evangelien hat. Nach Johannes ist Markus noch am
meisten zu berücksichtigen, denn das, was er in aller Kürze gibt, hat er
zumeist aus den Schriften und Lehren des Apostels Paulus geschöpft.
[HiG.03_64.03.19,23] Und somit Schluß in
puncto des allerschrecklichsten, am Ende aller Zeiten kommen sollenden jüngsten
Gerichtstages Amen.
III. Jesus vierzig Tage in der Wüste.
(Texterläuterung des Herrn.) – 20. März 1864.
[HiG.03_64.03.20,01] Fortsetzung der
Erklärung jener Verse, die schon seit lange her allen Gelehrten und auch vielen
Theosophen vom besten Schrot und Korn ein Stein des Anstoßes waren.
[HiG.03_64.03.20,02] Unter diese Verse, deren
es besonders im Matthäus- und Lukas- Evangelium eine Menge gibt, gehören auch
diejenigen, in denen die Rede ist, wie Ich vom Geiste in die Wüste geführt
wurde, daselbst vierzig volle Tage und Nächte fastete und Mich endlich vom
Teufel dreimal versuchen ließ, da es Mich schon sehr gehungert habe.
[HiG.03_64.03.20,03] In naturmäßiger Hinsicht
ist diese Erzählung ganz natürlich ein barster Unsinn, denn als ein purer
Mensch kann niemand so lange ohne Speise und Trank verbleiben, da ein Viertel
von solcher Zeit für jeden Menschen hinreichend wäre, das physische Leben
einzubüßen. Ferner wird wohl jeder einsehen, ob man in einer wirklichen Wüste
auch nur für den äußersten Notfall etwas zu essen und zu trinken bekommen
könne! Man müßte sich höchstens mit hie und da vorkommendem dürrem Moose,
verdorrten Distelstauden und dergleichen mehr begnügen und stundenlang gehen,
bis man irgend ein faules Wasser anträfe, um sich den Durst zu stillen.
[HiG.03_64.03.20,04] Es ist daraus
ersichtlich, daß ein solches Fasten in natürlicher Hinsicht höchstens nur bei
jenen Tieren stattfinden kann, die dem Winterschlafe unterworfen sind, nie aber
bei Menschen, von denen niemand über acht Tage hinaus ohne Speise und Trank das
physische Leben erhalten kann.
[HiG.03_64.03.20,05] Man wird aber hier von
einer gewissen zelotischen Seite her die Einwendung machen: Ich war aber nicht
nur purer Mensch, sondern auch Gott zugleich, und die Gottheit in Mir habe
Meinen Leib vollkommen gut vierzig Tage und Nächte ohne Speise und Trank am
Leben erhalten können. – Ich aber sage dagegen: Wenn das der Fall war, so habe
Ich nicht gefastet; denn die natürliche Speise hat auch nur von Gott aus
verordnet die Kraft, den menschlichen Leib zu ernähren und zu erhalten. Ist das
demnach nicht alles eins, ob jemand mittelbar oder unmittelbar durch die
göttliche Kraft und Macht ernährt, erhalten und gekräftigt wird?! –
[HiG.03_64.03.20,06] In Asien, namentlich in
so manchen Grotten des hohen Indien, gibt es heutzutage noch eine eigentümliche
Luftgattung, in welcher ein Mensch viele Wochen lang ohne Speise und Trank
zubringen kann, man heißt sie daher auch die „Lebensgrotten“. Sie haben eine so
stärkende und nährende Ausdünstung, daß diese den menschlichen Leibesorganismus
ebensogut ernährt und erhält wie eine magere Speise und verhältnismäßiger
Trank.
[HiG.03_64.03.20,07] Diese Grotten, wie auch
das sie umgebende Erdreich auf eine ziemlich sie umgebende Strecke, wurden und
werden zum Teile noch für heilig gehalten und dienen vielen armen Menschen, die
dahin wallfahrten, zur oft monatelangen Unterkunft; denn fürs erste werden sie
in solchen Grotten genährt und besonders Kranke auf eine eigentümliche Weise
gestärkt und dadurch wieder geheilt. Wenn oft die vorfindbaren Grotten nicht
hinreichen, so werden in das vorbesagte Erdreich Gräber gemacht und die Kranken
und Hungrigen da hineingelegt, manche in einer Art von durchlöcherten Särgen,
die meisten jedoch ganz nackt, bloß den Kopf in ein Tuch eingehüllt, und darauf
mit etwa einem Schuh hoch Erde überdeckt, wo sie dann in solch einem Grabe
ebenfalls mehrere Wochen lang aushalten können und darauf, wie von einem
magnetischen Fluidum gestärkt und von ihren mannigfachen Krankheiten geheilt,
sich in ihre Heimat begeben können – natürlich unter Hinterlassung etwelcher
kleiner Opfer an die diese Grotten und Gräber bewachenden Priester. Und fürs
zweite ziehen solche genährte und geheilte Pilger als lebendige Zeugen von
diesem Wunder, das sie in sehr lebendigen Farben zu schildern verstehen, gar
leicht viele Fremde also an, daß diese dann mit größeren Schätzen beladen zu
diesen Wundergrotten und Gräbern hin wallfahrten und den dortigen Priestern für
die vor ihnen ausgeführten Proben ganz erkleckliche Summen Goldes und Silbers
hinterlassen.
[HiG.03_64.03.20,08] Jetzt geschieht erst die
Frage: Woher nehmen denn diese Grotten und das sie umgebende Erdreich solchen
Nährstoff? – Die Antwort wird für einen wissenschaftlichen Forscher sicher
nicht schwer zu verstehen sein.
[HiG.03_64.03.20,09] Das hohe Tibet ist im
Besitze weithin gedehnter Reihen der höchsten Gebirge der ganzen Erdoberfläche.
Diese vielen überaus hohen Gebirgs- respektive Gletscherspitzen ziehen denn
auch fortwährend die stärkste Portion des elektromagnetischen Fluidums zum
größten Teil vom Nord- und als Austausch auch vom Südpole an sich. Das
elektromagnetische Fluidum vom Norden (als positiv) verbindet sich besonders in
den schon mehr südlich gelegenen Teilen dieses großartigen Gebirgsstockes mit dem
aus Süden herströmenden negativen Fluidum und bildet daselbst einen ganz
eigentümlichen Lebensstoff, der oft so mächtig ist, daß von den Bäumen
abgehauene Zweige auf das Erdreich gelegt gar nicht vertrocknen, sondern
gleichfort grünen, in das Erdreich neue Wurzeln treiben und abermals zu Bäumen
werden, aus welchem Grunde man in jenen Gegenden noch auf Höhen von 14000 Fuß
über der Meeresoberfläche eine so üppige Gras- und Gesträuchvegetation findet,
wie sonst auf der ganzen Erdoberfläche nirgends. –
[HiG.03_64.03.20,10] Ich habe dieses Beispiel
darum hierher gesetzt, um euch zu zeigen, daß es sich im tiefen und hohen
Indoasien, in welchem doch auf Höhen von 5000 bis 8000 Fuß über der
Meeresoberfläche die üppigsten Weingärten gebaut werden, wohl vierzig Tage und
Nächte lang fasten ließe. Allein in einer Wüste, allenfalls des steinigen
Arabien und besonders in der afrikanischen Wüste Sahara soll es jemand nur
versuchen, vierzig Tage und Nächte zu fasten, und Ich stehe ihm dafür, daß er
in dieser Zeit schon zu einer vollkommenen Mumie wird.
[HiG.03_64.03.20,11] In der Gegend Galiläas
wie auch Kanaans und Samarias gab es zu Meiner Zeit keine solche Wüste, in der
man, um sich zu sättigen, nötig gehabt hätte, aus Steinen Brot zu machen. Und
Ich als Gott und Mensch hätte, um Mich zu erhalten, wie schon gesagt, das nicht
nötig gehabt; denn hätte Ich natürliche Speise zu der Zeit, wenn auch noch so
mager, zu Mir genommen, da hätte Ich nach dem Begriffe der Zeloten nicht
gefastet, – und hätte Ich Mich von der Gottheit in Mir wunderbar erhalten und
kräftigen lassen, so hätte Ich ebensowenig gefastet wie die Pilger in den
vorhin beschriebenen hochtibetanischen Grotten. Und es ist somit dieses Mein in
dem wahren Pseudo-Matthäus beschriebene Fasten ebenso wie vieles andere ein
gänzlich mißverstandener Griff, wie die am Ende dieser Fasten buchstäblich
erzählte Versuchung des Teufels, die Ich aus irgendeinem Grunde über Mich hätte
kommen lassen, – und Ich wüßte auch bei aller Meiner unendlichen Weisheit
wahrlich nicht, aus welchem Grunde.
[HiG.03_64.03.20,12] Denn was ist der Teufel
oder der Satan? Es ist die tote Materie und die in sie gebundenen und dadurch
oft eine überlange Zeit hin gerichteten Geister, die nirgends starrer und
gerichteter sind als eben in einer Wüste, in der es stets am meisten des Todes
und am wenigsten des Lebens gibt.
[HiG.03_64.03.20,13] Wenn demnach aber der
Teufel oder der Satan das ist, und Ich Selbst von Ewigkeit aus die höchste
Liebe und Weisheit – aus welchem Grunde hätte Ich Mich denn sollen vom Satan
auf eine solche Weise versuchen lassen, über die ein nur ein wenig heller
denkender Mensch augenblicklich den Kopf schütteln muß? Ich hätte auch ohne
seinen Rat Mir Brot und Trank verschaffen können, um damit Meine leibliche
Person zu ernähren, da Ich doch so oft nachher imstande war, ein paar Male
viele Tausende mit sehr wenigen Broten zu sättigen und gar viele Male die
leeren Speisekammern der armen Gläubigen mit Brot, Mehl und dergleichen
vollzupfropfen und ihre leeren Weinschläuche in ihren Kellern mit Wein zu
füllen.
[HiG.03_64.03.20,14] Und warum hätte Ich Mich
sollen von dem Versucher auf die Zinne des Tempels zu Jerusalem stellen lassen?
Es hätte zu diesem Zwecke ja irgendeine hohe Felsenwand auch gedient, wo Ich
nicht von gar vielen Menschen, die stets um den Tempel waren, hätte gesehen und
beobachtet werden können. Wäre Ich wirklich auf einer hervorragenden Zinne des
Tempels gestanden, so hätte Mich sicher einer oder mehrere gefragt, wie Ich da
hinaufgekommen sei und was Ich da oben machte und suchte, und man hätte Mich
von dieser Stelle nicht gar zu leichten Kaufes in die Wüste wieder zurückziehen
lassen, und es wäre von Jerusalem aus über ein solches Faktum sicher eine Notiz
und von dieser eine Weitererzählung gemacht worden.
[HiG.03_64.03.20,15] Am Ende wünscht der
Teufel auf der Spitze eines hohen Berges, dessen Name der Evangelist nicht
angibt – wahrscheinlich aus dem einfachen Grunde, weil der Sidonier das Innere
Galiläas oder Kanaans zu wenig kannte und demnach auch irgendeinen dem Namen nach
unbekannten Berg zu Leihe nahm, auf dem Ich als Besitzer der ganzen
Unendlichkeit gestanden sein soll –, für die Beschenkung mit den Reichen dieser
Erde, die in ihrem ganzen Bereiche für Mich ein völliges Nichts ist – die
Anbetung; worauf Ich ihm dann erst das consilium abeundi gegeben habe.
[HiG.03_64.03.20,16] Ja, es liegt an dieser,
aber im Evangelium ganz mißgegriffenen und mißverstandenen Erzählung des
wirklichen Evangelisten Matthäus wohl etwas, aber sie ist nicht im geringsten
materiell.
[HiG.03_64.03.20,17] Ich habe Mich von dem
Hause Joseph als Mensch wirklich vierzig Tage lang entfernt und ging in die
Nähe, allwo Johannes der Täufer bald hier und bald dort in der Gegend des
Jordans seine Bußpredigten hielt; und Ich bereitete Mich auch in Meiner
menschlichen Natur für das vor, was Ich effektiv bald danach antrat. – Daß Ich
als Mensch bei dieser Gelegenheit nur ganz mäßig lebte, versteht sich von
selbst, da Ich doch als Zimmermann nie ein Schwelger war.
[HiG.03_64.03.20,18] Ich durchdrang mit Meinem
Geiste nicht nur diese ganze Erde, sondern die gesamte unendliche materielle
Schöpfung. Zu dem Behufe, wie es am ehesten und am leichtesten wäre, allen den
in der Materie gefangenen Geistern die volle Freiwerdung ihres Ichs und die
vollste Selbständigkeit ihres ganzen geregelten Wesens zu bewerkstelligen, habe
Ich eben diese Prüfung in Verbindung Meines Leibes mit Meinem Geiste
vorgenommen. Und sehet, es zeigten sich Mir Selbst in Mir drei vollkommene
Möglichkeiten:
[HiG.03_64.03.20,19] Die erste, darin bestehend,
die ganze materielle Schöpfung in einem Momente aufzulösen und den darin
gefangenen Geistern eine geschöpfliche Existenz zu geben, in welcher sie Mich
wohl erkennen, aber Mir dennoch nie völlig ähnlich werden sollten.
[HiG.03_64.03.20,20] Zweitens, sie in der
Materie noch zu belassen auf eine kurze Zeit, aber sie dann auferstehen zu
lassen ohne die vielen Stufenvorgänge; sie dann in gewisse Vereine abzuteilen
und so fortbestehen zu lassen. Aber in diesem Falle hätten sie sich so
gestaltig und geartet in ihren Vereinen, mit größerer Intelligenz begabt,
leicht von den hohen Zinnen ihrer Erkenntnis hinabstürzen können, und Mir
bliebe dann wieder eine zweite Gefangennehmung in eine gefestetere Materie als
notwendig übrig.
[HiG.03_64.03.20,21] Fürs dritte zeigte sich
auch eine Möglichkeit darin, alle die gefangenen Geister wieder auf einmal zu
erwecken und sie auf die Stufe der urgeschaffenen großen Geister, aber
separiert, zu stellen. Dies hieße aber soviel, als sie dem Urhochmute
preiszugeben, und es wären dadurch aus dem einen verlorenen Sohne zahllose
Äonen geworden, die viel schwerer die wahre Heimkehr gefunden hätten. Und es
blieb darum diese große Idee als untauglich von Mir hintangewiesen, und der
Weg, nämlich daß Ich die Materie Selbst in Meiner vollen Göttlichkeit
durchbräche und durchwandere, der für alle Ewigkeit angenommene und gültige,
auf dem alle Kreatur zu ihrer vollsten Freiheit und Selbständigkeit, Mir
ähnlich, gelangen kann. –
[HiG.03_64.03.20,22] Und sehet, darin besteht
geistig Mein Fasten und die von dem Evangelisten zu materielle Erzählung der
Versuchung des Teufels an Meiner Person.
[HiG.03_64.03.20,23] Also ist diese
evangelische Sache auch anzunehmen, zu glauben und zu verstehen. Wer sie aber
nach der materiellen Darstellung annimmt, der wird auf die Erklärung und das
Verstehen schon im großen Jenseits warten müssen; und dergleichen zu warten
Habende gibt es ohne ihre Schuld gar viele. Daher wird ihnen solches auch nicht
als ein Übel angerechnet werden, sondern sie werden in einem helleren
seelischen Zustande schon eines Besseren innewerden. Denn wie sollte man den
vielen stockblinden Menschen das auch für ein Übel anrechnen, an dem sie nicht
die geringste Schuld haben?
[HiG.03_64.03.20,24] Es ergeben sich hier
noch wie von selbst zwei leicht zu beantwortende Fragen.
[HiG.03_64.03.20,25] Die erste: Warum habe
Ich, als allwissender und allmächtiger Gott und Herr, es denn zugelassen, daß
Mein reines, zu den Aposteln und sogar vielen andern Menschen gebrachte Wort
von diesen und von so vielen Evangelisten nicht selten auf die
widersprechendste Art überliefert wurde, und daß von Mir gar wenig
Wahrnehmbares entgegen unternommen ward?
[HiG.03_64.03.20,26] Diese Frage ist ebenso,
als so man Mich fragte, warum Ich auf dieser Erde nicht lauter Weizen, Korn und
Gerste und edle Obst- und Fruchtbäume habe aus dem Boden der Erde wachsen
lassen. Ich glaube, diese Frage bedarf wohl keiner näheren Beantwortung, da
schon seit langer Zeit die Menschen durch ihr Forschen die Erfahrung gemacht
haben, daß es nicht ein Unkraut auf der ganzen Erde gibt, aus dem bei gerechter
Anwendung nicht etwas Nützliches und Heilsames bereitet werden könnte. Die
Apotheker und Ärzte werden das schier sicher am besten verstehen, daß man aus
dem puren Weizen, Korn und Gerste kein Fieber heilen, keinen Ausschlag
vertreiben und kein Bauchgrimmen stillen kann!
[HiG.03_64.03.20,27] Wie es sich hier
verhält, daß also alles seinen Nutzen und Zweck hat, so haben auch die vielen
irr- und abergläubigen Menschen auf dieser Erde Nutz und Zweck. Denn wären
gleich alle, schon wie sie auf die Welt kommen, einem Erzengel Raphael gleich
erleuchtet, aber noch mit ihren trägen Leibern behaftet, so würde auch kein
Mensch sich rühren, über etwas nachzudenken und bemüht sein, die reine Wahrheit
zu suchen und zu finden. Es träte da bald eine allgemeine Lethargie ein, da
kein Mensch dem andern etwas nützen oder schaden könnte. So aber werden die mit
einem helleren Verstande begabten Menschen erst durch die dummen recht mit in
den Eifer gesetzt, der Dummheit und der Finsternis, je mehr sich diese
auszubreiten drohen, desto eifriger und energischer entgegenzutreten, und haben
dann eine große Freude daran, so sie durch ihren Eifer eine Menge blinder
Tölpel auf den Weg des Lichtes gebracht haben.
[HiG.03_64.03.20,28] Und zu dem Behufe taugen
dann auch die sich im materiellen oder Buchstabensinne widersprechenden
Evangelien. Den reinen Geist enthalten sie dennoch, den ein jeder von Mir nur
ein wenig Erleuchtete schon herausfinden kann.
[HiG.03_64.03.20,29] Was aber die sogenannte
gemeine Menschheit betrifft, die in ihrer blinden Einfalt den Kindern gleich
auch einen messingnen Tantes für einen vollen Dukaten annimmt, so schadet ihr
das nicht; denn ihr wißt ja, daß es in Meines Vaters Hause gar viele Wohnungen
und Schulen gibt, in denen solche hier geistig verarmte Seelen zu einem rechten
Lichte gelangen können und auch werden. Und darin liegt auch der Grund, warum
Ich mit den sogenannten verstand-, vernunft- und sinnlosen Statthalterschaften
Gottes auf dieser Erde Geduld habe und trage. Aber es hat hier dennoch alles
seine Zeit und Dauer. Was heute noch blüht und besteht, kann morgen schon
verdorren und vergehen! – Das wäre die Antwort auf die erste Frage.
[HiG.03_64.03.20,30] Die zweite Frage aber
besteht darin: Wie konnte Ich, als die höchste Weisheit von Ewigkeit, darin mit
Mir Selbst gewisserart einen Mich Selbst versuchenden Rat halten, auf welche
Art und Weise alle in der Materie gebundenen Geister auf das zweckdienlichste
in ihre Freiheit und Selbständigkeit übergehen könnten? –
[HiG.03_64.03.20,31] Nun, diese Frage scheint
freilich schwieriger zu beantworten zu sein, denn die erste. Allein Ich aber
sage: Sollte denn Ich als das ewig höchst weiseste Wesen nicht auch zuweilen
Mir das Vergnügen gönnen, bei gar großen und wichtigen
Schöpfungsangelegenheiten mit Meiner inwendigen Liebe ein wenig zu beraten, wie
dies oder jenes besser und zweckdienlicher wäre? Solche Beratung ist für Mich
eine erhöhte Seligkeit, so wie auch für alle Mir ähnlichen höchst weisen Engelsgeister
in der ganzen Unendlichkeit! – Dienet ein tieferes Nachdenken über einen
hochwichtigen Gegenstand ja einem guten und weisen Menschen dieser Erde schon
zu einem großen ihn beseligenden Vergnügen, warum sollte dann Ich – als der
Urschöpfer aller zahllosen Gedanken und Wünsche in den Menschen und Engeln –
des Vergnügens, göttlich zu denken, gänzlich entbehren?
[HiG.03_64.03.20,32] Ich hätte auf der Erde
alles auch so einrichten können, daß die Früchte, die da erst nach und nach
reif werden, schon reif gleich dem Regen, Hagel und Schnee auf die Erde fielen
gleichwie dereinst das Manna für die Israeliten in der Wüste, oder daß sie
wenigstens auf den Bäumen und Gesträuchen von heute bis morgen reif werden. Ich
aber meine, daß es eben auch nach Meinem Ratschlusse also alles am besten auf
dieser Erde eingerichtet ist, wie es eben eingerichtet ist. Und die Menschen
haben am Ende über einen blühenden Baum eine ebenso große Freude wie über einen
schon mit reifer Frucht behangenen.
[HiG.03_64.03.20,33] Es gleichen derlei
Fragen, die hie und da mit der Zeit irgend ein hochweiser Gelehrter aufwerfen
könnte, so ziemlich derjenigen Frage der alten absurden Weltweisen, die da die
hochwichtige Frage aufwarfen: Was die Gottheit eher erschaffen habe, das Ei
oder die Henne? Denn ohne das Ei könne weder ein Hahn noch eine Henne auf die
Welt gekommen sein, und ohne die Henne und einen Hahn aber könnte kein
befruchtetes Ei in die Welt gesetzt werden! – Ich aber sage da: Ob zur Geburt
einer Zentral- oder andern Sonne oder einer Erde auch ein vorhergehendes Ei
notwendig war? Wer sonach diese großen Dinge aus Sich hervorrufen kann, Dem
wird von der hohen Gelehrtheit der Menschen dieser Welt aus erlaubt sein,
entweder die Eier oder die Hühner mit dem Hahn zuerst ins Dasein zu rufen.
[HiG.03_64.03.20,34] Das erste Menschenpaar
bedurfte auch keines Eies, um aus demselben hervorzukriechen. Der Mensch ward
von Mir so wie jede andere Kreatur sogleich vollkommen in die materielle Welt
gesetzt, und zwar mit der alsogleichen Verleihung der nachherigen
Fortpflanzungsfähigkeit, welcher Akt ein viel natürlicherer ist, als daß Ich
auf der Erde zuvor lauter Eier gelegt hätte, aus denen dann aller Art Kreaturen
durch die Sonnenhitze ausgeheckt würden.
[HiG.03_64.03.20,35] Ich meine, mit dem
werdet ihr auch über die zweite Frage im reinen sein; und somit nichts mehr
Weiteres über Mein vierzigtägiges und nächtliches Fasten und über Meine
Teufelsversuchung in der Wüste. Somit gut für jetzt, und nächstens wieder einen
andern mit dem reinen Verstande und der reinen Vernunft nicht übereinstimmenden
Text aus den Evangelien. Amen.
22. März 1864
[HiG.03_64.03.22,36] Eine Anmerkung. Zu der
im Evangelium vorkommenden Versuchung des Teufels in der Wüste, auf der Zinne
des Tempels und auf der Spitze eines hohen Berges diene noch Folgendes zur
gänzlichen Erkenntnis dieser für alle Welt mystischen Angelegenheit, die aber
nicht in der naturmäßigen, sondern bloß nur in der geistigen Welt zu nehmen und
zu verstehen ist.
[HiG.03_64.03.22,37] In jener Zeit von
vierzig Tagen der Vorbereitung zu Meinem Lehramte ließ Ich es zu, daß an einem
oder dem andern Tage allerlei gute und auch schlechte Seelen verstorbener
Menschen sich Mir nahen und ihre Anliegen vorbringen konnten.
[HiG.03_64.03.22,38] Da kam gegen das Ende
denn auch eine Seele aus der Urzeit zu Mir. Sie war einst ein gar arger und
böser Herrscher und stellte Mir die bekannten Worte, die im Evangelium
aufgezeichnet sind, und stellte Mich eben im Geiste auf die bekannten drei
Punkte.
[HiG.03_64.03.22,39] Darum sagte Ich dieser
noch sehr armen Seele, die einst auch auf der Erde als Mensch gewandelt und
gehandelt hatte: Der Mensch lebt nicht allein vom Brote, sondern auch von jedem
Worte, das aus dem Munde Gottes kommt. – Und auf der Zinne des Tempels, eben
auch nur im Geiste: Du sollst Gott allein dienen und Ihn nicht also versuchen,
wie du Ihn einst als Mensch auf der Welt versucht hast. – Und auf der Spitze
des Berges, wo der Geist dieses bösen Königs alle Reiche zu geben versprach, über
welche er einst zu gebieten hatte, so Ich ihm eine göttliche Verehrung gäbe,
darauf Ich ihn dann von Mir hinwegschaffte. Denn es war der Geist oder die
Seele dieses Königs eine ganz ähnliche, wie da war der Geist oder die Seele des
babylonischen Königs Nebukadnezar, der das, was er in seinem Namen beurkundete,
von seinem Volke auch bei Lebensstrafe verlangte. Sein Name aber besagte: Es
gibt außer mir keinen Gott! Mich müßt ihr anbeten und als euren Gott mit
kostbaren Opfern höchst verehren. – Daß Ich dem Nebukadnezar ein ganz seltsames
Consilium abeundi gab, braucht ihr nur in der Schrift nachzuschlagen und
nachzulesen.
[HiG.03_64.03.22,40] Ein solcher Mensch oder
Geist verdient auch nichts Besseres mehr als das apage Satanas – unter dieser
Gestalt nie mehr vor Mein Angesicht zu kommen.
[HiG.03_64.03.22,41] Diese kurze Anmerkung
mag euch noch als berichtigende Erklärung zu Meinem vierzigtägigen und
nächtlichen Fasten in der Wüste und zu der teuflischen Versucherei dienen. Und
nun möget ihr mit einem andern evangelischen Widerspruche zum Vorscheine
kommen. Ich werde ihn berichtigen.
IV. Backenstreich und Mantel.
(Texterläuterung des Herrn.) – 21. März 1864, von 10 1/2 Uhr vormittags bis 1
Uhr mittags.
[HiG.03_64.03.21.a,01] Was das 5. Kapitel und
den 39. Vers (Matthäus) betrifft, worin es heißt, daß sie nicht widerstreben
sollen dem Übel, sondern so jemand jemandem einen Backenstreich gäbe, so solle
er ihn nicht vergelten mit einem Gegenbackenstreich, und Vers 40: „So jemand
rechten will mit dir um deinen Rock, da gebe ihm lieber auch noch den Mantel
dazuö, ist folgendes zu bemerken:
[HiG.03_64.03.21.a,02] So jemand nur ein
wenig helleren Denkens ist, so wird er das wohl auf den ersten Blick einsehen,
daß dieses von Mir Gesagte nicht von fernhin dem materiellen Sinne nach seine
Anwendung finden soll und finden kann; denn Ich habe dieses zwar gesagt bei
einer Gelegenheit, als man Mich fragte, ob des Moses Anordnung durch Meine pure
Liebespredigt aufgehoben sei. Ich aber sagte: „Ich hebe kein Jota vom Gesetze
Mosis auf und erfülle es insoweit, als es die Liebe in sich enthält. Es ist
wohl wahr, daß zu den Alten durch Moses ist gesagt worden: ‚Auge um Auge und
Zahn um Zahn, und wer einen totschlägt, der solle auch wieder durch den Tod
bestraft werden‘; aber unter euch, Meinen Jüngern, soll es anders sein!“
[HiG.03_64.03.21.a,03] Und ebenda habe Ich
das Beispiel von dem Backenstreiche und von dem Streit über den rechtmäßigen
Besitz eines Rockes gegeben, was freilich wohl nicht ganz richtig
niedergeschrieben wurde und mit der nachweiligen Übersetzung von der
hebräischen Sprache in die griechische, von der in die römische und lange
darauf von den drei genannten Sprachen erst in die deutsche, die in der
Übersetzungszeit noch sehr wortarm war und für manchen Ausdruck in den drei
Sprachen nicht ein Wort hatte, um ihn richtig zu geben, übernommen wurde.
[HiG.03_64.03.21.a,04] Und es sollen demnach
diese Verse genauer also lauten: „So du mit einem Bruder oder Nachbarn einer
kleinen Sache wegen in einen Streit geraten bist und er schlagheftig dir
entgegentrat, so werde du nicht noch heftiger, sondern reiche ihm freundlich
die Hand und vergleiche dich im Frieden mit ihm, auf daß die alte Freundschaft
unter euch wieder belebt werde!“
[HiG.03_64.03.21.a,05] Darin ist also von
einer Ohrfeige keine Rede. Ebendadurch hätte Ich ja dem Stärkeren ein Recht
eingeräumt, seinem schwächeren Bruder oder Nachbarn, sooft es ihm beliebt
hätte, nicht nur mit einem, sondern mit zwei Backenstreichen aufzuwarten. Und
ebenso verhält sich die Sache auch mit dem Rechten um einen Rock. Um aber
dieses Rechten eines Rockes wegen richtiger zu verstehen, muß man in den
jüdischen Haussitten und Gebräuchen eine wenigstens halbwegs genügende Kenntnis
haben.
[HiG.03_64.03.21.a,06] Es war unter ihnen von
alters her Sitte und Gebrauchsform: So jemand zu einer Zeit, da er gewöhnlich
kein Geld hatte und auch keine verkaufbaren Haustiere, aber dennoch eines
Rockes oder Mantels oder beider Kleidungsstücke zugleich bedurfte, so ging er
zu einem oder dem andern Kleidermacher seiner Gemeinde oder Ortes hin, stellte
ihm seine Lage vor und bestimmte ihm den Zahlungstermin.
[HiG.03_64.03.21.a,07] Nun geschah es aber
sehr häufig, daß so mancher seinen Zahlungstermin entweder nicht einhalten
konnte oder gar oft auch nicht wollte. Und der Rock- und Mantelsteller war zwar
verpflichtet, noch bis zu einem nächsten – zweiten, ja sogar bis zum dritten
und letzten Termin, aber gegen ein kleines Interesse, zu warten, bis endlich
der dritte und letzte Termin verflossen. Nach dem dritten Termin hatte der
Rock- und Mantelsteller das Recht, das Bedungene von dem zu verlangen, dem er
den Mantel und Rock gestellt hatte; und da ging es vor einem Richter oft nicht
selten sehr hitzig her. Der Rocksteller wollte sein Bedungenes; der Besitzer
des Rockes und des Mantels aber brachte allerlei Gründe vor, nach denen er auch
nach dem abgelaufenen dritten Termin seinen Gläubiger nicht befriedigen könne.
[HiG.03_64.03.21.a,08] Für diesen Fall
bestand bei den Juden ein Gesetz, daß im Falle einer wirklichen Zahlungsunfähigkeit
die Gemeinde verpflichtet war, den Kleidungssteller zu entschädigen und ihn
dadurch erwerbsfähig zu erhalten. Sie hatte dafür aber das Recht, mit der Zeit
sich an dem zahlungsunfähigen Gemeinde-Insassen zu entschädigen, so sie gewahr
wurde, daß dieser zahlungsfähig geworden ist, was aber unter zehn solcher
Schuldner oft kaum einer werden wollte und für seine permanente
Zahlungsunfähigkeit allerlei Gründe vor die Gemeinde zu bringen verstand.
[HiG.03_64.03.21.a,09] Dadurch kam es oft zu
jahrelangen Streitigkeiten in einer solchen Gemeinde, und Ich wurde einmal
darüber befragt, was da Rechtens wäre, um solchen Übeln zu begegnen. Und da
eben sagte Ich: Das beste und wirksamste Mittel bestehe darin, erstens nach dem
Gesetze Mosis vollkommen redlich und ehrlich sein, nach dem niemand etwas
begehren oder verlangen solle, was seines Nächsten ist. Da es sich aber um das
Rechten eines Rockes wegen handelt, so möge das für den Schuldner und den
Gläubiger gelten: zum wenigsten ein- bis zweimal lieber den Rock – und am Ende
auch noch den Mantel hinzu – zu lassen, als die ganze Gemeinde in viele unnütze
Streitigkeiten und Zwistigkeiten zu verleiten.
[HiG.03_64.03.21.a,10] Nun, wer das weiß,
wird Mir unmöglich Unrecht geben können, daß Ich solchen Rat erteilt habe,
damit für die Folge Friede und Einigkeit unter ihnen erhalten werde. Der
Evangelist hat aber an und für sich solches, da ihm das Schreiben schon etwas
lästig geworden ist, mit so wenig Worten als möglich wiedergeben wollen, um
sich Zeit und Mühe zu ersparen; denn das Schreiben ging in jener Zeit nicht so
hurtig vor sich, sondern nur sehr mühsam und langsam. Und zu einer solchen
Schreibseite, die gegenwärtig ein nur mäßig fertiger Schreiber in der Zeit von
20 bis 30 Minuten niedergeschrieben hat, brauchte ein l'Rabbas in Sidon, ein
Lukas in Jerusalem und ein Theophilus zu Athen, Korinth oder Syrakus, wo er
sich oft zeitweilig aufhielt, bei allem Fleiße mindestens acht Tage; denn
entweder mußte er seine Buchstaben mit stählernem Griffel in dazu eigens
verfertigte harte Steinplatten eingraben, oder er mußte sie mit einem feinen
Malerpinsel auf Pergament förmlich hinmalen.
[HiG.03_64.03.21.a,11] Für den geübten Maler
oder Schreiber mit einem Pinsel ging es mit dem Aufzeichnen der Buchstaben
freilich um etwas geschwinder, aber auch nicht um ein sehr bedeutendes als mit
dem alten Griffel. Und das war denn auch der Grund, warum sich die Schreiber zu
Meiner Zeit so kurz faßten. Und ein l'Rabbas, bis er sein letztes, d.i.
fünfzehntes Evangelium auf dem Pergamente vor sich hatte, benötigte zu solch
einer Arbeit nahe an fünfundzwanzig Jahre, und er war dabei noch sehr fleißig
und eifrig. Daß dann derlei Schreiber sich so kurz als möglich faßten, nur die
Hauptworte gewisserart berührten und die Nebensachen zur Erklärung der
Hauptbegriffe wegließen, wird euch nun begreiflich sein.
[HiG.03_64.03.21.a,12] Aber, fragt da schon
leichtlich jemand: Moses und auch andere Propheten aus der Vorzeit haben doch
ausgedehnte Bücher geschrieben; wie lange hat denn hernach Moses gebraucht, um
nur die bekannten fünf Bücher zu schreiben mit Hinweglassung des 6. und 7.
Buches nebst einem bedeutenden prophetischen Anhange?
[HiG.03_64.03.21.a,13] Da sage Ich euch
darauf, daß nach seiner damaligen Schrift alle die von ihm geschriebenen Bücher
dem ganzen Volumen nach nicht mehr ausmachten, als ein Evangelium des Johannes
von Mir, denn Moses schrieb noch in der ihm wohlbekannten ägyptischen
Hieroglyphenschrift. Und erst in der Zeit der Richter, die in dieser Schrift
noch wohlbewandert waren sowie in deren Entsprechungen, wurden die Bücher Mosis
mit den althebräischen Lettern aufs Pergament gebracht, das man in der alten
Stadt Pergamus wohl zu bereiten verstand.
[HiG.03_64.03.21.a,14] Aber selbst diese
Schrift war den meisten zu Meiner Zeit lebenden Juden unverständlich, weil die
Vokale zwischen den Konsonanten nicht vorkamen; und man fand sich genötigt,
eine neue Abschrift zu machen, an der sich die sogenannten alten
Schriftgelehrten über zweihundert Jahre lang beteiligten. Der Name Schriftgelehrter
rührte denn auch daher, nicht als ob er den rechten Sinn der Schrift verstünde,
in welchem Stücke die meisten Schriftgelehrten samt den Pharisäern die pursten
Schafsköpfe waren, sondern weil sie die alte vokallose Schrift aus den Zeiten
der Richter lesen konnten. Daher es euch auch nicht Wunder nehmen sollte, daß
es zwischen Mir und solchen Schriftgelehrten stets zu einem Wortkampfe kam, an
dem sie ihrer erwiesenen Blindheit halber kein Wohlgefallen hatten. Mit dem
werden die beiden obigen fraglichen Texte begreiflich genug dargetan.
„Ich bin nicht gekommen, euch den Frieden
dieser Welt zu geben.“ (Texterläuterung des Herrn.)
[HiG.03_64.03.21.b,01] Aber nun kommt das 10.
Kapitel mit dem 34., 35., 36. Verse (Matth.), allwo es heißt:
[HiG.03_64.03.21.b,02] „Ihr sollt nicht
wähnen, daß Ich gekommen sei, Frieden auf Erden zu streuen. Ich bin nicht
gekommen, euch den Frieden dieser Welt zu geben, sondern das Schwert zum
Kampfe. Denn Ich bin nur gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater,
die Tochter wider ihre Mutter und die Schnur wider ihre Schwieger. Und des
Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“
[HiG.03_64.03.21.b,03] Wer diese drei Verse
buchstäblich nimmt, die noch dazu sehr mangelhaft übersetzt sind, der kommt
notwendig in ein Labyrinth von Irrtümern, aus denen er auch mit dem Lichte
einer Urzentralsonne nicht herauskommen kann. Denn wie aus dem Vorhergehenden
ersichtlich, lehre und begehre Ich alle erdenkliche Nachgiebigkeit,
Friedlichkeit und Freundlichkeit unter den Menschen; und Moses selbst lehrt in
seinem vierten Gebote aus Meinem Munde: „Ehre und achte und liebe Vater und
Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohlergehe auf Erden.“
[HiG.03_64.03.21.b,04] Wie könnte Ich dann
allem dem schnurstracks entgegen eine Lehre aufgestellt haben, nach der der
Sohn mit seinem Vater, die Tochter mit ihrer Mutter, die Schnur mit ihrer
Schwieger usw. mit dem Schwerte in der Hand in fortwährendem Unfrieden, in
einem Hause noch dazu, miteinander leben sollten! –
[HiG.03_64.03.21.b,05] Um diese Texte, die
ursprünglich richtig von Mir sind, zu verstehen und sie als Meine Lehre zu
würdigen, muß man zuerst wissen, bei welcher Gelegenheit Ich sie ausgesprochen
habe und wie infolge einer richtigen Übersetzung.
[HiG.03_64.03.21.b,06] Die Gelegenheit war,
als Ich in einem Orte Galiläas das Volk lehrte die Pflichten, die sie Gott und
sich selbst untereinander schuldig seien. Und Ich sagte zu ihnen: „Ich lehre
euch nichts anderes, als was Mich Mein Vater von Ewigkeit her gelehret hat, von
dem ihr zwar auch saget, daß Er euer Vater sei, den ihr aber dennoch nicht
erkennet und noch nie erkannt habt. Denn würdet ihr Ihn kennen, so würdet ihr
auch Mich kennen, da Mich dieser Vater zu euch gesandt hat.“
[HiG.03_64.03.21.b,07] Sie sagten: „Was
machest du aus dir selbst; sind wir nicht Kinder Abrahams und sagte Gott nicht
zu Abraham, daß wir alle, die von ihm abstammen, Seine Kinder sind?“
[HiG.03_64.03.21.b,08] Da aber wurde Ich
erregt und sagte: „Ihr sollet ja nach der Abstammung von Abraham Gottes Kinder
sein; aber ihr seid es schon lange nicht mehr, sondern euer Vater ist der
Satan, eure Mutter ist die Legion von allen Teufeln, und eurer Schnur Schwieger
ist eure kaum ermeßbare Blindheit, Trägheit und Bosheit. Und diese größten
Menschenfeinde sind eure eigenen Hausgenossen! – Und wer aus euch wieder zur
wahren Kindschaft Gottes gelangen will, der ergreife das Schwert der Wahrheit,
die Ich zu euch rede, und kämpfe so lange wider solche seine Hausgenossen, bis
er sie besiegt hat.“
[HiG.03_64.03.21.b,09] Da fragte freilich das
Häuflein Pharisäer und Schriftgelehrte, wie Ich es wagen könne, sie für Kinder
des Satans, aller Teufel und ihrer eigenen Blindheit, Trägheit und Bosheit zu
erklären, indem sie erwiesenermaßen alle aus dem Stamme Levi abstammten!
[HiG.03_64.03.21.b,10] Ich aber sagte: „Dem
Fleische nach wohl, aber dem Geiste nach seid ihr nicht dem Levi gleich von
Oben her, von wo auch Ich her bin, sondern von unten her; darum ihr Mich denn
auch verkennet, hasset und verfolget.“
[HiG.03_64.03.21.b,11] Aus dem wird jedem
einleuchtend sein und besonders einem tüchtigen und wohlbewanderten der
hebräischen Schrift Kundigen, daß Ich diese von dem Pseudo-Evangelisten
Matthäus oder besser von dem euch schon bekannt gegebenen l'Rabbas in Sidon
aufgeschriebenen drei euch auffallenden Verse im 10. Kapitel eben nur bei der
Gelegenheit ausgesprochen habe, die Ich euch soeben bekanntgab, und wörtlich in
der Weise, wie Ich sie euch nun wiedergegeben habe. Denn jene in der
Übersetzung, die ihr als ganz widersprechend mit Meinem Geiste aus dem
Evangelisten herausgehoben habt, würden ja selbstverständlich Meine Hauptlehre
von der Nächstenliebe, wie auch das Gesetz Mosis schnurstracks zunichte machen.
–
[HiG.03_64.03.21.b,12] Wer aus euch allen, so
er nur einen Funken Glauben an Mich und Meine Lehre besitzt, kann es Mir
zumuten, daß Ich heute auf das heiligste allen Menschen ans Herz legte, Gott
über alles zu lieben und zu erkennen und seinen Nächsten wie sich selbst, und
morgen mit einem andern Gebote käme und sagte: Hasset und verfolget euch
gegenseitig nach Möglichkeit mit dem Schwerte in der Hand. – Ich meine, daß man
solch einen Lehrer aus dem Reiche der Barbaren offenbar in eine starke
Sicherheitsanstalt zu bringen genötigt finden müßte, da so ein Lehrer doch
offenbar ins Tollhaus gehörte.
[HiG.03_64.03.21.b,13] Und da Ich euch noch
diese Texte im rechten und wahren Geiste erklärt habe, so werdet ihr doch
einsehen, daß Ich dadurch nicht im geringsten Meiner göttlichen Weisheit
widerstrebt habe und somit auch kein Tollhäusler bin, als was Mich schon so
manche Schriftsteller der neuen Zeit erklärt haben, was Mich aber dennoch mit
keinem Grimme wider sie erfüllt, sondern Ich vergebe es ihnen, weil sie
wirklich nicht wissen, was sie tun. Und somit über diese fraglichen Verse gut
für jetzt. Amen.
„Seid klug wie die Schlangen, aber ohne
Falsch ...“ (Texterläuterung des Herrn.) – 22. März 1864, von 11 Uhr vormittags
bis 4 Uhr nachmittags.
[HiG.03_64.03.22.a,01] Schreibe: Was da
betrifft den 16. und 17. Vers des 10. Kapitels aus dem Evangelium Matthäi, so
ist darüber schon im von Mir diktierten Werke ‚Johannes‘ nicht nur einmal,
sondern schon mehrere Male die Rede gewesen. Dessenungeachtet will Ich euch
darüber eine nähere Erklärung geben.
[HiG.03_64.03.22.a,02] Ich sagte dieses schon
zu den Aposteln, als Ich sie zum ersten Male vor Mir hin ausgesandt habe, und
das schon in Meinem ersten Lehrjahre, in welcher Zeit die Menschen im
allgemeinen noch wenig von Mir Selbst wußten. In Galiläa wohl hie und da, in
Samaria auch, aber in der Gegend Jerusalems wußte man noch wenig von Mir, und
wer auch etwas wußte, hielt die Sache aus Furcht vor den Pharisäern so geheim
als möglich bei sich. Und darum sagte Ich zu den von Mir nur auf eine kurze
Zeit vorausgesandten Aposteln:
[HiG.03_64.03.22.a,03] „Sehet, Ich sende euch
nun wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen, dabei
aber doch ohne Falsch gleich den Tauben. Hütet euch vor den gewissen hohen
Weltmenschen, denn diese sind es, die euch wo möglich zu verderben trachten
werden. Kommet ihr in eine Stadt, wo ihr derlei Menschen antreffen werdet, da
bleibet nicht, sondern ziehet alsbald von dannen und schüttelt noch den Staub
von euren Füßen über selbe Stadt zurück. Denn verfolgen sie Mich, wie euch
bekannt ist, als den Herrn, um wieviel mehr werden sie das euch tun; geben sie
Mir den Namen Beelzebub, so werden sie euch nicht als Engel Gottes begrüßen.
[HiG.03_64.03.22.a,04] So Ich euch zum
zweiten Male aussenden werde in alle Welt, so werdet ihr um Meines Namens
willen alle mögliche Verfolgung zu erleiden haben, und man wird euch den
Gerichten überantworten. Allein fürchtet euch niemals vor denen, die wohl den
Leib töten, aber der Seele weiter keinen Schaden zufügen können. Und so man
euch in den Gerichten examinieren wird, so fürchtet nicht, wie und was ihr
antworten werdet; denn es wird euch also die Antwort in den Mund gelegt werden,
gegen die die Richter nichts werden einzuwenden vermögen. –
[HiG.03_64.03.22.a,05] Ich sage es aber, es
wird Mein Wort noch lange nicht zu allen Menschen gekommen sein, bis Ich wieder
unter euch treten werde und richten das Volk, das sich Mir und euch allzeit
feindlich entgegenzusetzen bemüht war.“
[HiG.03_64.03.22.a,06] Mit dem ist zuerst die
Weissagung auf den Untergang Jerusalems gerichtet und für spätere Zeiten auf
alles wie immer geartete Heidentum der Hure Babels.
[HiG.03_64.03.22.a,07] Hier fragten Mich die
etwas eingeschüchterten Jünger respektive Apostel, ob sie auch schon diesmal
vor die Gerichte von allerlei Machthabern gezogen würden. Und Ich sagte ihnen:
„Diesmal werdet ihr wenig mit den Feinden des Lichtes zu tun bekommen. Aber
wenn Ich dereinst leiblich diese Erde werde verlassen haben, so werdet ihr um
Meines Namens willen namentlich von den Juden und ihren Priestern viel zu
erdulden bekommen.
[HiG.03_64.03.22.a,08] Allein denket allzeit,
daß Ich euch niemals allein lassen werde, und Ich werde euch auch zuvor die
Kraft und Macht erteilen, euch im höchsten Notfalle gegen Meine und eure Feinde
auf das kräftigste verteidigen zu können. Und die Wölfe, unter die Ich euch
senden werde, wie Ich euch auch jetzt sende, werden euch wenig oder nichts anhaben
können, so ihr wahrhaft in Meinem Namen klug sein werdet gleich den Schlangen,
dabei aber jedoch ohne Falsch gleich den Tauben.
[HiG.03_64.03.22.a,09] Ihr werdet auf
Schlangen, Skorpionen und Salamandern einhergehen, und sie werden euch nicht
schaden können, und so man euch Gift zu trinken geben wird, so wird es keine
Wirkung haben. – Dieses zu eurem Troste! – Verlasset euch allzeit auf Mich, und
Ich werde also auch euch niemals verlassen, sondern im Geiste bei euch
verbleiben mit aller Meiner Liebe, Weisheit, Macht und Kraft, was für euch die
größte und wirksamste Hilfe sein wird gegen einen jeden wie immer gearteten
Feind.“
[HiG.03_64.03.22.a,10] Darauf zogen dann
Meine Apostel paar-und-paarweise nach verschiedenen Richtungen hin und
predigten Meinen Namen und wie das Reich Gottes nahe zu den Menschen gekommen
ist. In das Gebiet von Jerusalem aber kamen sie nicht, wohl aber in das Gebiet
von Sidon, Tyrus und Joppe, Galiläa, und ein paar drangen sogar bis nach Syrien
vor.
[HiG.03_64.03.22.a,11] Es dauerte aber diese
ihre Aussandtschaft von Mir eben nicht gar zu lange. Als Ich bei Meinen
einzelnen Wanderungen nach Kis zu Kisjonah kam und daselbst nach einigen Tagen
Meines Dortseins in Gesellschaft dieses Meines Freundes und mehrerer seiner
Hausgenossen einen ziemlich hohen Berg bestieg, so ließ Ich auf bekannt
wunderbare Weise alle Meine zwölf ausgesandten Apostel durch Meine unsichtbaren
Diener durch die Luft auf diesen Berg bringen, auf welchem Ich Mich befand, und
ließ Mir von ihnen so manches erzählen. Und sehet, sie erzählten Mir, daß sie
bei allen Teilen gut ausgekommen seien, und daß sie bloß an einem Orte einen
besessenen Knaben angetroffen hätten, dessen böse Geister ihrer Aufforderung
keine Folge leisteten.
[HiG.03_64.03.22.a,12] Also beschwerten sie
sich auch über den euch schon bekannten Johannes in Samaria, der aus freiem
Antriebe Meinen Namen und Meine in Samaria vernommene Lehre predigte und in
Meinem Namen auch Wunder wirkte; und Ich fragte sie dann, ob er für Mich oder
wider Mich sei. Und sie sagten: Für Dich! – und Ich sagte dann: Da lassen wir
ihn ungestört wirken.
[HiG.03_64.03.22.a,13] Dieser Johannes ist
ebenderselbe, der später in Damaskus derart wirkungsreich Mein Wort und Meinen
Namen predigte, daß er in dieser großen Weltstadt viele Tausende zu Mir
bekehrte und Paulus – vormals Saulus – noch im Dienste der Pharisäer stehend,
es für nötig fand, sich mit einer Rotte nach Damaskus zu begeben, um auch
daselbst die Christen auf die grausamste Art zu verfolgen.
[HiG.03_64.03.22.a,14] Allein, da habe Ich
Mich Selbst ihm entgegengestellt und habe ihn, wie euch bekannt, derart
umgewandelt, daß er schon zwei Tage darauf einer Meiner allereifrigsten Apostel
wurde und er selbst in dieser Hinsicht auf die Ausbreitung Meiner Lehre,
namentlich unter den Heiden, ein mehreres und entschiedeneres wirkte, denn alle
andern zwölf Apostel und deren viele Jünger – die zwar wohl in viele der
bekannten Reiche der Erde sich verfügten, aber wenig leisteten, selbst im
großen Judenlande, wo sie durch zwölf Jahre nach Mir Gemeinden stifteten wie zu
Laodicea, Sardes, Tyrus, Smyrna und noch andere. Aber diese Gemeinden
entfernten sich schon in kurzer Zeit so weit in den Grundprinzipien von Meiner
Lehre, daß Ich dann notwendigerweise durch Johannes in seiner Offenbarung die
meisten als vollends verwerflich darstellen mußte.
[HiG.03_64.03.22.a,15] Petrus selbst, bevor
er noch von Jerusalem abzog, wo er sich besonders im Hause des Lazarus oder im
Hause des Nikodemus oder dem des Joseph von Arimathea aufzuhalten pflegte, fand
sich genötigt, eben in Jerusalem eine sogenannte Kirchenversammlung zu halten,
in der er an diese Gemeinden hinausschrieb, was sie teilweise als noch Juden
und teilweise als Christen strenge zu beobachten hätten – welche
Kirchenversammlung durch den Evangelisten Lukas auch ganz kurz berührt ist und
auch wenig Früchte trug, – worüber wieder bei einer Zusammenkunft Paulus dem
Petrus ganz scharfe Vorwürfe machte, da er mit den Juden noch vollkommen ein
Jude sein wollte und auf ihre Satzungen, die Ich aufgehoben habe, einen zu
großen Wert legte und den an Mich gläubigen Juden das Gewissen erschwerte, – so
er sich aber allein unter den Heiden befand, über die von Mir aufgehobenen
Gebräuche und Sitten der Juden schmähte und mit ihnen hielt.
[HiG.03_64.03.22.a,16] Aus diesem Grunde
berief Ich ihn (Petrus) hernach Selbst, daß er sich zum römischen Obersten
Cornelius verfügen solle, weil dieser es wünsche, um ihn sowie auch seine ganze
Familie in Meinem Namen zu taufen und sie dadurch zu befähigen in Meinem
Geiste, als in ihnen wirkend, zu Mir zu kommen.
[HiG.03_64.03.22.a,17] Petrus ging, und als
er beim Hause des Cornelius ankam, das in der Mitte eines großen Gartens stand,
da hungerte es ihn sehr, und er bat Mich, daß Ich ihn für sein bevorstehendes
Amt auch dem Leibe nach stärken möchte. Und sehet, Ich entsandte für Petrus
sichtbar einen Engel aus dem Himmel, der ihm, in einem weißen Tuche
eingewickelt, Speisen brachte, deren Genuß den Juden verboten war. Petrus sagte
darauf, als er die Speisen besah: Herr! Das sind ja lauter den Juden verbotene
unreine Speisen, wie kann ich sie zu mir nehmen? – Ich aber sagte zu ihm: „Was
Ich gereinigt habe, das ist auch für die Juden rein; daher esse sie, und dann
gehe hin und verrichte, was dir aufgetragen ist!“
[HiG.03_64.03.22.a,18] Petrus verzehrte
darauf die unreinen Speisen und ging sodann zu Cornelius, allwo er wieder gegen
Mich darum etwas unwillig wurde, weil Ich Selbst unterdessen die Taufe an
Cornelius und seiner Familie verübt hatte und Petrus sie alle im Besitze des
heiligen Geistes antraf.
V. Über die Zeit der Auferstehung des Herrn.
(Texterläuterung des Herrn.)
[HiG.03_64.03.22.b] Über die fraglichen
Punkte über die Zeit Meiner Auferstehung diene euch Folgendes zur vollgültigen
Aufklärung:
[HiG.03_64.03.22.b,01] Fürs erste sprach Ich
schon vorher zu öfteren Malen zu Meinen Aposteln und Jüngern: daß Ich am
dritten Tage – und nicht erst nach vollends vorübergegangenen drei Tagen – aus
eigener Macht also auferstehen werde, wie Ich auch die Macht habe, das Leben
des Leibes freiwillig von Mir zu lassen, auf daß alle Kreatur zur Seligkeit
gelangen könne.
[HiG.03_64.03.22.b,02] Was diese Varianten in
der Angabe der Evangelisten betrifft, so basieren sie alle auf demselben
Grunde, auf welchem die euch schon erklärten andern Widersprüche basieren. Was
Johannes spricht, ist allein vollkommen richtig.
[HiG.03_64.03.22.b,03] Es wäre auch ebenso
vollkommen richtig, was die andern Evangelisten und Apostel über diese
Angelegenheit gesprochen haben; doch mit dem echten Evangelium Matthäi wisset
ihr schon, was es mit demselben für eine Bewandtnis hat.
[HiG.03_64.03.22.b,04] Der Pseudo-Evangelist
Matthäus war zwar ein vollkommen ehrlicher und Wahrheit suchender Mann und war
höchst eifrig im Forschen nach der Wahrheit dessen, was da geschah, ungefähr
zwanzig Jahre früher, bis er sein Evangelium zusammenzustellen und zu schreiben
anfing. In dieser Zeit war im ganzen Judenlande kein Apostel von Mir mehr
anzutreffen, obschon es an anderen Zeugen für diese Zeit nicht sonderlich
fehlte.
[HiG.03_64.03.22.b,05] Wie es aber bei
solchen Gelegenheiten schon zu gehen pflegt, so wußten gar viele Menschen aus
all den vielen Orten, die Ich besuchte, Verschiedenes von Mir zu erzählen;
gewöhnlich aber nur das, was sie selbst in ihren Orten von Mir gesehen, gehört
und erlebt haben. Und so ist es denn auch begreiflich, daß es einem l'Rabbas
wie auch vielen andern Evangelisten selbst beim redlichsten Willen unmöglich
war, über alles von Mir Getane, Gelehrte und an Mir Dargebrachte ins vollkommen
klare zu kommen.
[HiG.03_64.03.22.b,06] Ja, wird man hier
fragen: Warum habe denn nicht Ich Selbst solche Menschen heller erleuchtet, auf
daß sie dann imstande gewesen wären, nur die vollkommen reine Wahrheit auf das
Pergament zu bringen?
[HiG.03_64.03.22.b,07] Ich aber sage, daß Ich
bei ganz ehrlichen Menschen, die dieses Bestreben hatten, es an dem auch nie
habe fehlen lassen. Was aber später die schon sehr selbstsüchtig gewordene Welt
aus solchen ehrlichen Überlieferungen gemacht hat, dafür kann Ich nicht, da ein
jeder Mensch seinen vollkommen freien Willen hat. Daß Ich es aber nie an
Sichtungen habe fehlen lassen, zeigen euch seit – sozusagen schon von Meiner
Zeit an alle die großen und kleinen Versammlungen, denen durch Meinen Geist die
Aufgabe gestellt war, die eingeschlichene Lüge von der Wahrheit zu scheiden und
sie zu verwerfen vor der ganzen Gemeinde. Obschon aber das Unkraut allerorten
unter dem Weizen wucherte, so gelang es ihm doch nicht, dasselbe völlig zu
vertilgen. Und so geschehen auch in dieser Zeit wie hier und auch anderorts gar
gewaltige Sichtungen, und der Feind der Wahrheit wird gegen sie nichts mehr
auszurichten imstande sein.
[HiG.03_64.03.22.b,08] Ich baue daher nun
großartige Dämme gegen jede Flut der Lüge und stelle den wahren Felsen Petri
auf, den die Pforten der Hölle nicht überwinden werden.
[HiG.03_64.03.22.b,09] Es wird zwar noch viel
des Streitens und Kämpfens auf dieser Erde unter den Menschen vorkommen, bei
welchen Streitigkeiten und Kämpfen die Lüge gleichfort das kürzere ziehen wird,
und das so lange hin, bis für eine ganze Fuhre Heu, aus lauter Unkraut
bestehend, kein Mensch mehr auch nur einen Heller bieten wird. Und jedermann
wird an den Strahlen des wahren Lichtes aus den Himmeln seine höchste Freude
haben.
[HiG.03_64.03.22.b,10] Was ferner noch die
geistige Erklärung über die Art Meiner Auferstehung betrifft, so ist diese
schon seit lange her von Mir gegeben sowie auch, wie es ein jeder Mensch mit
der Dreieinigkeit zu nehmen und zu halten hat. Was die Erweckung des Lazarus
betrifft, so werde Ich davon im Verlaufe der weiteren Mitteilungen im
Evangelium Johannes sprechen wie auch über gar manches andere.
[HiG.03_64.03.22.b,11] Man stellt zwar jetzt
von einer gewissen gelehrten Seite die Behauptung auf, daß das Evangelium
Johannis nicht von seiner Hand geschrieben sei. Ich aber sage es, daß es von
seiner Hand geschrieben ist. Freilich, solange er als Apostel mit Mir
herumreiste, verfaßte er nur Bruchstücke, indem er das Denkwürdigste
aufzeichnete. Aber in seiner sogenannten Verbannung auf der Insel Patmos – die
für ihn aber durchaus keine Verbannung war, indem ihn durch diesen Akt nur ein
redlicher und machthabender Römer der Verfolgungswut der Juden entzogen hatte –
konnte er in der euch schon aus dem Evangelium Johannes bekannten Veste des
Griechen Cado, der zeitweilig auch in Jericho lebte, an der Seite der Maria
unbeanstandet sein Evangelium in eine rechte Ordnung bringen und gab darin für
die Nachwelt soviel kund, als sie zu ihrer Beseligung nötig hat. Von allem
andern aber sagte er am Ende, daß Ich noch gar vieles getan und gelehrt habe,
was nicht in diesem Buche geschrieben ist, und würde jemand das in die Bücher
schreiben, so würde solches die Welt nicht fassen. Und mit dieser triftigen
Bemerkung schloß er sein Evangelium – nahe gerade um die Zeit, als Jerusalem
von den Römern zerstört wurde, worauf Johannes noch eine geraume Zeit lebte und
seine Gesichte unter dem Titel ‚Offenbarung Johannis‘ aufs Pergament brachte.
[HiG.03_64.03.22.b,12] Bei dieser Gelegenheit
wurde er wohl zu öfteren Malen von einem ihm über die Maßen geneigten Freunde
im Schreiben unterstützt, da er in dieser Zeit schon über hundert Jahre Alters
zählte. Dieser sein Freund führte auch den Namen Johannes, den er sich aber von
Johannes bei der Gelegenheit geben ließ, als der Evangelist ihn taufte und
Meinen Geist über ihn ausgoß; denn von Geburt war dieser Johannesfreund ein
Grieche und führte natürlich auch einen ganz anderen Namen, an dem für uns
wenig oder nichts gelegen ist, weil er durchgehend keine historische
Berühmtheit war, obschon er zu der Dienerschaft des Griechen Cado gehörte.
[HiG.03_64.03.22.b,13] Wer da Zeit und
Vermögen besitzen würde, könnte sich noch heutigentags von dem Aufenthalt des
Johannes im Südosten dieser asiatisch-griechischen Halbinsel überzeugen, welche
Halbinsel aber zur Zeit der Flut des Meeres nahe ganz eine vollkommene Insel
darstellt, indem sie nur durch eine äußerst schmale felsenriffige Landzunge mit
dem Festlande Asiens zusammenhängt.
[HiG.03_64.03.22.b,14] Und so wissen wir nun
auch das, wie es sich mit dem Johannes der Wahrheit nach verhält; er ist, er
war und bleibt Mein Liebling, und wer nach seinem Evangelium lebt und handelt,
wird von Mir aus ihm gleich gehalten werden.
[HiG.03_64.03.22.b,15] So für euch in den
Evangelien noch irgend etwas scheinbar Widersprechendes sich findet oder sich
vorfinden sollte, so wendet euch darob an Mich, und Ich werde es euch erklären,
so wie Ich es euch bis jetzt liebewillig erklärt habe. Ich meine aber, daß ihr
darin nicht viel Anstößiges mehr finden werdet; denn vieles ist bereits schon
im ‚Johannes‘ erklärt, und das am meisten für alle Gelehrten dieser Welt
Anstößige kann Ich euch jetzt erklären.
[HiG.03_64.03.22.b,16] Ich werde aber in
dieser Zeit noch ganz kuriose Weltgelehrte über Mich losziehen lassen. Ich
mache euch darum darauf aufmerksam, auf daß ihr euch an ihren Schriften nicht
stoßen sollet, so sie euch zu Gesichte kommen werden; denn Ich lasse solches
zu, um der heidnischen Pfafferei allseitig ein Ende zu machen. Denn wenn ihr
Salvator mundi zunichte gemacht wird, was werden sie selbst dann sein und ihre
kirchlichen Einrichtungen? Am Ende nichts Weiteres mehr als sich zahlen
lassende Totengräber; und bei denen wird es dann gelten: Lasset den Toten durch
die Toten begraben, ihr Lebendigen aber folget Mir nach! Amen.
VI. Drei Fragen über Schrifttexte.
(Texterläuterung des Herrn.) – 1. April 1864.
[HiG.03_64.04.01,00] Über die drei Anstände:
[HiG.03_64.04.01,00] Über den Walfisch des
Propheten Jona,
[HiG.03_64.04.01,00] über den Menschen ohne
hochzeitliches Kleid bei dem von Mir veranstalteten Gastmahle, und
[HiG.03_64.04.01,00] über den flüchtigen
Jüngling bei der Gelegenheit Meiner Gefangennehmung am Ölberg im Garten
Gethsemane.
[HiG.03_64.04.01.a,00] Über den Walfisch des
Propheten Jona
[HiG.03_64.04.01.a,01] Was den Walfisch betrifft,
so hat es damit seine naturhistorische als auch geistige Richtigkeit; denn es
muß da sowohl das eine wie das andere richtig sein, da ohne diese Richtigkeit
oder ohne die naturhistorische Unterlage das Geistige keine Entsprechung hätte.
[HiG.03_64.04.01.a,02] Um aber den
naturmäßigen Teil zu verstehen, muß man wissen, daß es in jener Zeit, besonders
in dem Mittelmeere, eine Art Riesenfische gegeben hat, die von einigen,
namentlich den Ägyptern, den Namen Leviathan und bei den Altgriechen zu den Zeiten
des bekannten Schriftstellers Herodot den Namen Phalos hatten. Diese
Fischgattung, von welcher auch im Buche Hiob die Rede ist, ist bald nach dem
Durchbruche des Meeres (bei Gibraltar) gänzlich aus diesem Meere verschwunden
und dann im Atlantischen Ozean durch dessen gewaltige Meeresströmungen nach
Süden hin verschleppt worden, wo sie dann zum größten Teil in den kalten
Gewässern gleich andern großen Festlandstieren vollends zugrunde gegangen ist.
[HiG.03_64.04.01.a,03] Sie hatten fürs erste
einen ungeheuer großen Rachen, welcher mit ihrem ebenso großen Magen durch eine
weite Öffnung verbunden war. Sie hatten keine Zähne, auch keine Zunge, aber
dafür gleich den heutigen Nordwalfischen eine große Anzahl Finnen, die bei
einem vollkommen ausgewachsenen Phalos nicht selten eine Länge von zwei bis
drei Klaftern hatten und dem Riesenfische dazu dienten, wozu dem Elefanten sein
Rüssel.
[HiG.03_64.04.01.a,04] Sie ergriffen mit
diesen Finnen ihre Nährbeute und schoben sie ganz unbeschädigt in ihren großen
Magen hinein, der kein Wasser enthielt, sondern an den inneren Wänden eine Art
Saft ausschwitzte, der nach einigen Tagen die in diesem Magen noch lebende
Fraßbeute aufzulösen begann und sie nach und nach völlig zerstörte.
[HiG.03_64.04.01.a,05] Zur Fluchtergreifung
dieses Riesenfisches, der auch ein Säugetier war und lebendige Junge zur Welt
warf und gleich dem gegenwärtig nördlichen Walfische atmen und sich häufig auf
der Meeresoberfläche erhalten mußte, um nicht zu ersticken, diente die große
Menge von auch sehr riesigen Haifischen, die früher im Nordmittelmeere lebten,
sich aber beim Durchbruch der euch schon bekannten Deukalischen Landenge, aus
der demnach die jetzige Meerenge von Konstantinopel und der Dardanellen
entstanden ist, in dem gegenwärtigen Mittelländischen Meere eingebürgert haben.
Diese großartigen Meereshechte fingen an, eine starke Jagd auf die großen
Phalosse zu machen, bissen ihnen die Finnen ab und auch die andern nicht
unbedeutenden Extremitäten, zu denen besonders die großen Brüste gehörten wie
auch die zu beiden Seiten dieser Brüste riesigen, einer Menschenhand nicht
unähnlichen Schwimmflossen.
[HiG.03_64.04.01.a,06] Diese Extremitäten
konnten die Haifische zu ihrer Nahrung recht gut brauchen, und die Phalosse
ergriffen denn auch stets mehr und mehr die Flucht und gehörten im Mittelmeer
stets mehr und mehr zu einer seltenen Erscheinung, und zu Jonas Zeit waren in
dem genannten Meere kaum mehr ein paar hundert Stück noch zu Hause. Und Jonas,
als er bei sehr unruhig gewordenem Meere über Bord geworfen wurde, hatte noch –
durch Meine Zulassung – das Glück, von einem solchen Phalos verschlungen zu
werden und darauf drei Tage in dem Magen des Fisches zuzubringen. Und Ich ließ
es ferner aber auch zu, daß eben dieser Phalos, von einem Haifische verfolgt,
seine Zuflucht zu dem niedrigen asiatischen Ufer nahm und bei dieser
Gelegenheit sich seiner im Magen liegenden Speise entledigte – was eine
Eigenschaft dieser Riesenfische war, so sie ans Land stiegen, wenn sie im
Wasser eine große Gefahr witterten oder um ihre Jungen, die sie gewöhnlich an
einem seichten Meeresufer hegten und pflegten, gewisserart zu besuchen und sie
mit Nahrung entweder aus ihren Brüsten oder auch mit einer schon im Magen befindlichen,
aber noch lebenden Fraßbeute zu versehen. Denn sie ließen ihre Jungen nicht
eher in das tiefere Meer, als bis diese die gewisse Größe, Kraft und Stärke
erreicht hatten.
[HiG.03_64.04.01.a,07] Bei dieser Gelegenheit
kam denn auch unser Jonas an die asiatische Küste, und als er von dem Phalos
aus dem vorangezeigten Grunde an das seichte Ufer ausgespien wurde, da raffte
er sich schnell zusammen, floh vollends ans Land, wohin ihn weder der alte
Phalos noch eines von seinen vier Jungen weiter verfolgen konnten.
[HiG.03_64.04.01.a,08] Da habt ihr also die
natürliche Sache dargestellt, wie sie zu jener Zeit war – und jetzt und auch
seit gar lange her nicht mehr ist.
[HiG.03_64.04.01.a,09] In den vormaligen
Museen, besonders zu Alexandria, fanden sich noch Überreste von Rippen dieses
einstigen Riesenfisches vor, sind aber in der späteren Zeit ebenso wie die
Bücher von den Sarazenen zerstört worden. Etliche wenige Stücke befinden sich
aber noch heutigentags in London wie auch in Paris, und man hält sie für Gerippe
von einstigen überaus riesigen entweder Land- oder Wassertieren. Man hält sie
jedoch mehr für aus dem Wasserreiche herstammend, weil man sie gewöhnlich hie
und da an den sandigen Strecken in der Nähe des Meeres auffindet. Eine
Hauptrippe eines solch ausgewachsenen Phalos hatte nicht selten eine Länge von
fünf bis sieben Klaftern und eine Schwere von zwanzig bis dreißig Zentnern.
Gegenwärtig ist, wie gesagt, diese Riesenfischgattung gleich den anderen großen
Landtieren gänzlich ausgestorben, und es findet sich seit nahe dreitausend
Jahren kein lebendes Stück mehr vor.
[HiG.03_64.04.01.a,10] Man verstehe unter
diesem Phalos oder Leviathan ja etwa nicht den gewissen Kraken, der dann und
wann im Altantischen Ozean – besonders in der Gegend, in der vor der allgemeinen,
euch bekanntgegebenen Flutung die Inselreihe Westafrikas bis an die östliche
Spitze des heutigen Brasilien in einer ziemlich geraden Linie sich hinzog und
wo sich heutzutage noch in dieser Richtung große und weitgedehnte Sandbänke
vorfinden – zum Vorschein kommt und kleineren Schiffen nicht selten gefährlich
wird.
[HiG.03_64.04.01.a,11] Dieser Krake ist
durchaus kein Fisch, sondern nur ein großartigster Meerespolyp, der sich aus
den im Meere befindlichen Sandbänken und ihrem Schlammgehalte gleich den Photos
marinos entwickelt und so lange am Grunde des Meeres festsitzt, bis er durch
irgendeine unterseeische Meereseruption an die Oberfläche des Meeres gebracht
wird und dann nicht selten einer schwimmenden kleinen Insel gleicht.
[HiG.03_64.04.01.a,12] Mit dem nach der Bibel
schwer zu glaubenden Walfische des Mittelländischen Meeres wären wir somit zu
Ende. Alles Weitere über diesen Propheten kann jeder in der Bibel finden. – Und
so gehen wir nun zu dem Menschen ohne hochzeitliches Kleid beim Gastmahle über.
[HiG.03_64.04.01.b,00] Der Mensch ohne
hochzeitliches Kleid (VI. Drei Fragen über Schrifttexte.)
[HiG.03_64.04.01.b,01] Der Gastgeber bin
natürlich Ich Selbst, und die Speisen dieses Gastmahles bestehen in Meiner
Lehre. Die Menschen in den Gassen und an den Zäunen sind jene, die Meine Lehre
angenommen und auch befolgt haben und darum auch mit einem geistigen
Hochzeitskleide angetan sind.
[HiG.03_64.04.01.b,02] Unter dem einen aber,
der kein Hochzeitskleid anhatte, werden verstanden die Juden und Pharisäer, die
zum Scheine an Meiner Lehre auch teilnahmen, aber nicht ihrer Besserung wegen,
sondern daß sie Mich nur ausspionierten, um daraus einen Grund zu formulieren,
Mich zu einem Verbrecher vor Gott und der menschlichen Obrigkeit darzustellen
und dann ihre Rache an Mir auszuüben.
[HiG.03_64.04.01.b,03] Ich als der Gastgeber
aber habe solch einen Spion doch etwa gar sicher nur zu bald erkannt, mit
andern Worten: Ich habe die scheinheilige Pharisäerschaft nur zu bald bis in
ihre innerste schlechte Wurzel durchschaut und habe sie bei jeder Gelegenheit,
wo sie sich zu Meiner Mahlzeit einschleichen wollte, schnell ergreifen und in
die äußerste Finsternis ihrer eigenen Herzensnacht hinauswerfen lassen.
[HiG.03_64.04.01.b,04] Den Hauptbezug hat
dieses Bild auf die Zerstörung Jerusalems und die Verstoßung der Juden unter
alle Völker der Erde, da sie bis zur Stunde (1864) fürs erste kein eigenes
Land, keinen eigenen König und somit auch keine Heimat haben und allenthalben,
wo sie sich immer aufhalten, verfolgt und mißachtet werden. Und diese Juden
stellen demnach sämtlich jenen Menschen dar, der zu Meiner Mahlzeit erschien
und kein hochzeitliches Kleid anhatte.
[HiG.03_64.04.01.b,05] Und fürs zweite: es
hatte auch der, der als Bild in die äußerste Finsternis hinausgestoßen wurde,
in der er sich bis zur Stunde noch immer befindet, hie und da wohl auch den
Schein eines Christen erheuchelt, um bei dieser Gelegenheit sich dem Christen
anheischig zu machen und von ihm Materielles zu gewinnen.
[HiG.03_64.04.01.b,06] Da wir nun wissen, wie
wir mit dem hochzeitlosen Gaste an Meiner Tafel daran sind, so wollen wir noch
dem bei der Gelegenheit Meiner Gefangennehmung im Garten Gethsemane die Flucht
ergreifenden Jünglinge eine kleine Aufmerksamkeit schenken.
[HiG.03_64.04.01.c,00] Über den flüchtigen
Jüngling (VI. Drei Fragen über Schrifttexte.)
[HiG.03_64.04.01.c,01] Dieser Vorfall wird
auch nur in aller Kürze von dem Evangelisten Markus berührt, hätte aber auch
wohl ganz gut ohne Schaden für sein Evangelium wegbleiben können, indem er nahe
gar keinen moralischen Wert hat.
[HiG.03_64.04.01.c,02] Um aber dieses
wirkliche Faktum und dessen Grund näher zu verstehen, muß man wissen, daß sich
zu jener Meiner Zeit ein gewisses Kollegium von jungen Menschen
zusammengerottet hatte, die einerseits das Pharisäertum verachteten und ihre
Wunder auf taschenspielerische Art ganz getreulich nachzumachen verstanden und
nicht selten in gewissen Zirkeln ihresgleichen Produktionen machten, durch die
sie das Pharisäertum als sehr lächerlich darstellten, und die anderseits sich
bei den Römern, die das gerne sahen, beliebt machten und daher eine geheime
Protektion besaßen, die Frömmelei und Wundertäterei der Pharisäer besonders im
Angesichte der Römer und Griechen ungestraft ins Lächerliche zu ziehen.
[HiG.03_64.04.01.c,03] Bei einem solchen Klub
befand sich denn auch ein Jüngling, der Mich einige Male in Jerusalem angehört
und beobachtet hatte und an Meiner Lehre und an Meinen Taten ein besonderes,
ernstes Wohlgefallen fand und mit seinen Kollegen darin nicht übereinstimmen
wollte, als diese auch versuchten, durch allerlei Mittel Meine Wundertaten
nachzuahmen. Dieser Jüngling verwies ihnen solches und zeigte ihnen, daß Meine
Lehre und Meine Taten von einem ganz andern Geiste herrühren als die der dummen
und blinden Pharisäer. Seine Kollegen aber lachten ihn darüber aus und sagten
zu ihm bei mehreren Gelegenheiten: Wenn der galiläische Wundertäter nicht
irgend unter einer besonderen Protektion der Römer steht, so wird er der Rache
der Templer so wenig entgehen, als wir derselben entgehen würden, so wir nicht
die Römer und Griechen zu unseren sicheren Beschützern hätten.
[HiG.03_64.04.01.c,04] Und sehet, diese
Jünglinge nun paßten sehr darauf, bis Ich wieder nach Jerusalem käme, um zu
sehen, was da mit Mir geschehen würde nach der ihnen wohlbekannten Mir
geschworenen Rache von seiten der Templer. Als Ich zu der euch wohlbekannten
Zeit nach Jerusalem kam, daselbst verraten und durch Meine eigene Zulassung
gefangengenommen und den strengen Gerichten überantwortet wurde, da war denn
dieser Jünglingsklub auch, wennschon etwas von ferne, gegenwärtig. Und als
dieser wohl merkte, was mit Mir vor sich ging, holten einige aus diesem Klub
auch den einen Mir zugetanen Jüngling, der sich in einem benachbarten Hause schon
zur Ruhe begeben wollte, zogen ihn herbei, um ihm zu zeigen, wie mit Mir ihre
Voraussage und Behauptung eingetroffen sei.
[HiG.03_64.04.01.c,05] Als der herbeigezogene
Jüngling, der in der Eile nur ein Leintuch von seinem Bett um den Leib gehängt
hatte, solches an Mir geschehen sah und dabei auch der Meinung war, daß seine
Kollegen ihn etwa auch den Juden zur Bestrafung ausliefern möchten, da riß er
aus und lief, was er nur laufen konnte, und verbarg sich in der Nacht vor
seinen Kollegen, von denen er der Meinung war, daß sie ihn verfolgen würden,
was sie aber ihres eigenen Heiles willen nicht taten und auch nicht leichtlich
getan hätten.
[HiG.03_64.04.01.c,06] Da habt ihr den
eigentlichen, ganz leicht mit Händen zu greifenden Grund der Erscheinung, deren
der Evangelist Erwähnung macht, die aber an und für sich gar nichts besagt als
nur, daß dieser Jüngling zum Teil aus Furcht vor seinen Kollegen und zum
größten Teil aber aus Furcht vor der übergroßen Rachsucht der Pharisäer sein
Heil in der Flucht suchte; doch später, als er von Meiner Auferstehung Kunde
erhielt, wieder ein fester Anhänger Meiner Lehre wurde, sich aber dennoch in
Jerusalem nicht aufhielt, sondern zu den Essäern überging, denen er zuerst die
Kunde überbrachte, was mit Mir geschehen sei.
[HiG.03_64.04.01.c,07] Diese sandten darauf
selbst Boten nach Jerusalem, die sich allergründlichst zu erkundigen hatten,
was mit Mir vorgefallen sei. Sie erhielten davon denn auch bald die Kunde, da
von Jerusalem bis in die halbarabische Gegend des heutigen Suez eben keine zu
weite Strecke war, die bei sehr mäßigem Fortschreiten in drei Tagen
zurückgelegt werden konnte.
[HiG.03_64.04.01.c,08] Als die Essäer auf
diesem Wege die volle Bestätigung von dem erhielten, so säumten sie auch keinen
Augenblick, diese Kunde dem römischen Oberstatthalter Cyrenius nach Tyrus zu
hinterbringen, bei welcher Mission auch unser Jüngling beteiligt war. Cyrenius
hatte diese ganze Gesandtschaft sehr gut aufgenommen und behielt den Jüngling
an seinem Hofe, der dem alten Greise vieles von dem zu erzählen wußte, was er
selbst von Mir gesehen und gehört hatte.
[HiG.03_64.04.01.c,09] Dieses erfüllte den
Cyrenius wie auch später seinen Bruder Cornelius mit einer allerbittersten
Rache gegen alle jüdische Priesterschaft, so daß beide einen Schwur machten,
alles mögliche beizutragen, diese Tat an Mir an allen Erzjuden auf das
unerbittlichste zu ahnden.
[HiG.03_64.04.01.c,10] Pilatus, der
Landpfleger in Jerusalem, hatte dadurch auch bald das Consilium abeundi von
Jerusalem bekommen, durfte nicht einmal mehr völlig nach Rom zurückkehren,
sondern er mußte seine Heimat in der Nähe des heutigen Neapel und zwar in einer
Klause unweit von dem untergegangenen Pompeji aufrichten, wo man noch
heutzutage einen in Felsen gehauenen Gang mit der Aufschrift „Behausung des
Pontius Pilatus“ aufgefunden hat und in einer ziemlich tiefen in den Felsen
eingehauenen Nische, die man vermauert antraf, mehrere Schriften, die auf Mich
Bezug hatten und sich gegenwärtig in einer Bibliothek von Neapel befinden, aber
kaum brauchbar sind, weil sie in einem halbverkohlten Zustande angetroffen
wurden.
[HiG.03_64.04.01.c,11] Das war sonach die
erste Rache des Cyrenius, die er an Pilatus nahm. Die zweite geschah an
Kaiphas, als dieser nach der bestimmten Zeit die Hohepriesterschaft ablegen und
einem andern überlassen mußte, da ein Hoherpriester nur auf drei Jahre sein
hohes Amt bekleiden durfte. Diesem Kaiphas wurden schon im Verlaufe von wenigen
Jahren alle seine vielen Güter um Jerusalem weggenommen und an die Römer
verkauft, und er mußte am Ende seine Zuflucht an den Grenzen der arabischen
Wüste suchen und nahm selbst ein elendes Ende.
[HiG.03_64.04.01.c,12] Was die andern
Pharisäer betrifft, so wurden sie dem neuen Landpfleger zur strengsten Aufsicht
anempfohlen, was er denn auch nicht sparte. Und dieser tat das um so lieber, da
er aus der bekannten Familie Agricola herstammte und auch bei seinen
Unterschriften diesen Namen führte, obschon er sonst Antonius hieß.
[HiG.03_64.04.01.c,13] Daß dieser neue
Landpfleger auch dem Herodes Antipas alle erdenklichen Prügel unter die Füße zu
werfen verstand, beweist sich schon daraus, daß er nur zu bald so viele Römer
und Griechen nach Palästina zu locken verstand, daß dadurch die Einkünfte des
Herodes sehr geschmälert wurden und er sich am Ende genötigt fand, seine letzte
Zeit in einem starken Kastell am Mittelländischen Meere zuzubringen, indem er sich
in Jerusalem nicht mehr völlig sicher fühlte.
[HiG.03_64.04.01.c,14] Diesem Landpfleger
stand auch der bekannte Hauptmann Pelagius, der über viele Städte auf dem
Aurangebirge zu gebieten hatte, mit allen Hilfsmitteln zu Gebote und noch mehr
der Oberst Cornelius, der über ganz Galiläa und einen großen Teil von Syrien
bis nach Damaskus hin zu gebieten hatte.
[HiG.03_64.04.01.c,15] Die beiden Brüder
Cyrenius und Cornelius hätten ihrer Rache noch mehr Luft gemacht, so Ich ihnen
nicht bald nach Meiner Auferstehung persönlich erschienen wäre und sie davon
abgehalten hätte, indem Ich ihnen haarklein im voraus gesagt habe, daß ihr
Vorhaben an Jerusalem und im ganzen Gelobten Lande schon in vierzig Jahren vor
sich gehen werde, und zwar eben auch durch die Macht der Römer.
[HiG.03_64.04.01.c,16] Wie den beiden
genannten Römern erschien Ich gar vielen nach Meiner Auferstehung und hielt sie
von einer zu strengen Rachenahme an den Juden und Pharisäern ab; und hätte Ich
das nicht getan, so wäre in kurzer Zeit nach Mir in diesem Lande ein Blutbad
angerichtet worden, wie es die Menschheit noch nie gesehen hatte.
[HiG.03_64.04.01.c,17] Den bewußten Jüngling,
den Ich bei Cyrenius antraf, aber segnete Ich und machte ihn Meines Geistes
teilhaftig. Und er ward darauf auch ein tüchtiger Jünger in Meinem Namen, ging
wieder zu den Essäern und breitete von dort aus über einen großen Teil
Nordafrikas Meine Lehre aus und zeichnete sich besonders durch ein liebreiches
Leben aus und wirkte viele Zeichen in Meinem Namen.
[HiG.03_64.04.01.c,18] Das Eigentümliche von
ihm aber war, daß er keinen persönlichen Namen annehmen wollte. Sein Titel war:
„Allerunwürdigster Knecht des Allerhöchstwürdigsten Gott-Meisters“. Auch gab er
sich zuweilen den Namen „Der Knecht der Knechte“, welchen Titel sich auch die
alten, von Karthago aus nach Rom übersiedelten sogenannten Kirchenväter sowie
nach ihnen auch zum Teil die Päpste beilegten, aber der Tat nach nie
beobachteten.
[HiG.03_64.04.01.c,19] Markus wußte das wohl,
aber er machte davon keine weitere Erwähnung, denn er begnügte sich mit dem,
daß er diesen Jüngling bloß einfach anführte, wie er die Flucht ergriff.
[HiG.03_64.04.01.c,20] Das Weitere, was ihr
von diesem Jünglinge wissen wollt, erzählte er (Markus) mündlich; daher auch
verschiedene mündliche Überlieferungen darüber, wer dieser Jüngling sein
mochte, besonders in der römischen Kirche gang und gäbe wurden, darunter eine
der allerdümmsten jene war und zum Teil noch ist, danach man aus diesem
Jünglinge den Apostel Johannes zu machen bemüht war. Und nun wißt ihr auch von
diesem Jünglinge das Sicherste und Wichtigste. Und somit begnüget euch mit dem
allem in Meinem Namen Amen.
Das Tausendjährige Reich. – 26. März 1864.
[HiG.03_64.03.26,01] Ich habe dafür gesorgt,
sorge jetzt und werde auch künftig sorgen, daß Ich als der allein wahre
Christus bei den Menschen zur wahren inneren Lebensgeltung gelangen werde, wie
Ich schon jetzt vielseitig dazu gelangt bin, und werde Mich fürderhin von
keiner Macht mehr aus Meinem Lichtfelde vertreiben lassen. Und das wird sein
der wahre Fels, den die Macht der Hölle nicht überwinden wird. Ich werde sein
der Eckstein, den die vielen Bauleute nach kreuz und quer verworfen haben. Wehe
dem, der sich an diesem Eckstein stoßen wird, der wird zerschellen wie ein
zerbrechlicher Topf; über den aber der Eckstein herfallen wird, der wird zu
Staub und Asche zermalmt werden! Und mit dem wird da kommen Mein bis jetzt ganz
mißverstandenes Tausendjähriges Reich.
[HiG.03_64.03.26,02] Denn wer besonders die
Gestalt der alten arabischen Ziffern nur mit einiger Aufmerksamkeit betrachtet,
der wird in ihrer Gestalt auf dem Wege der Entsprechung ganz etwas anderes
ersehen, als nur die tausend Einheiten bei der Zahl Tausend, sondern wie Ich
sagte, ganz etwas anderes.
[HiG.03_64.03.26,03] Die Zahl 1000 stellt mit
ihrem Einser Mich in der menschlichen Persönlichkeit dar; und die drei auf den
Einser folgenden Nullen stellen Mich in der Fülle Meiner göttlichen
Dreifaltigkeit dar. Und so ist der Ausdruck „Tausend Jahre“ dahin zu verstehen,
daß die Zahl 1000 Mich Selbst in der Fülle Meiner Göttlichkeit entsprechend
darstellt (Jesus – Jehova – Zebaoth Immanuel). Das Wort „Jahr“ aber stellt die
Zeit vor, in welcher Ich bis ans Ende an der Spitze der Herrschaft verbleiben
werde und zum Teile Selbst und zum Teile aber durch viele Meiner neu erweckten
Knechte die Völker dieser Erde leiten und führen werde. Sie (die Menschen in
solch gesegneter Periode) werden zwar auch ihre Freiheitslebensprobe
durchzumachen haben, so wie jetzt, und werden mit der Materie viel zu kämpfen
haben. Aber nach überstandenen Kämpfen werden sie mit dem Kleide der
Unsterblichkeit angetan werden; und ihr stehet sonach in der großen
Übergangszeit.
[HiG.03_64.03.26,04] Wohl jedem, der solches
in seinem Herzen gläubig annimmt und sich nicht ärgert wegen der vielen nun in
dieser Welt vorkommenden Teufeleien, denn sie werden nicht lange währen, – denn
Ich werde sie Meiner Auserwählten wegen sehr abkürzen, und sie werden darob
Mich loben und sehr frohlocken. Ich werde darum gerechte Herrscher oder
Länderbeglücker nicht von ihren Thronen verstoßen, sondern sie mit Meinem
Geiste erfüllen, und es wird dadurch Eine Herde und Ein Hirte sein, auf daß
alles in Erfüllung gehe, was Ich bei Meiner irdischen Lebenszeit den Menschen
geweissagt habe.
[HiG.03_64.03.26,05] Ich aber werde stehen an
der großen Eingangspforte zum ewigen Leben und werde allen zurufen: „Kommet
alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken;
euer von Mir euch auferlegtes Joch solle fürder gar sanft und Meine Bürde sehr
leicht werden!“ – Das gebe Ich als euer lieber Herr und Vater hiermit euch kund
und zu wissen. Amen.
Die Lage der Orte in Palästina, die im
Evangelium Johannes und im Alten Testament genannt sind. – 29. März 1864.
[HiG.03_64.03.29] Schreiber: Leopold Cantily.
[HiG.03_64.03.29,01] Da du Mich schon einige
Male gefragt hast, ob die Ortsnamen und auch ihre Lage also gestellt sind, wie
sie einige Reisebeschreiber und Landkartenfabrikanten angeben und namentlich in
dem grünen Büchlein, in dem du eben täglich einige Zeit liesest, vorkommen, –
da muß Ich dir alsogleich das bemerken, daß von Meiner Zeit her nahe nicht ein
Ort irgendmehr sich vorfindet, den Meine Füße und die Meiner Apostel betreten
haben, und das im ganzen Judenlande – und haben nun die Orte und Ortschaften
Namen, was für welche sie wollen. Denn viele Orte sind von den vielen späteren
Heiden, die in diese Ländereien drangen, derart zertreten worden, daß nun
niemand mehr nur von fernehin sagen kann, siehe dies ist der Ort, an dem der
Herr dies und jenes im Beisein Seiner Apostel gelehrt und getan hat.
[HiG.03_64.03.29,02] Das einzige – Bethlehem
– befindet sich noch so ziemlich an derselben Stelle, und über das Tal herüber
auf einem Berge die einstige von Mir beschriebene Burg Davids, von der aber
auch nur hie und da noch einige lockere Steine vorhanden sind. In dieser Zeit
steht an der Stelle ein Kloster mit einer Kirche, dessen braunbekuttete
Inwohner sich wohl darauf verstehen, die frommen Pilger gegen Geld mit allerlei
Reliquien zu beteilen.
[HiG.03_64.03.29,03] Was die Lage Jerusalems
betrifft, so ist nicht mehr als ein Achtel von der Stelle, wo einst das große
Jerusalem stand, als wahr anzunehmen. Von dem Orte Bethania ist keine
allerleiseste Spur mehr anzutreffen. Auf dem Ölberge steht noch eine kleine
Behausung mit einigen Ruinen, was man nun Bethania nennt. Zu Meiner Zeit hieß
bei einigen Juden die dem Lazarus gehörige Behausung und Herberge auf dem
Ölberge Klein-Bethania, welche Ortschaft aber früher den Namen Bethphage führte.
Also ist auch von Emmaus bei Jerusalem keine Spur mehr vorhanden.
[HiG.03_64.03.29,04] Wie sehr sich die
Ortslage Jerusalems verändert hat, beweist das, daß nun der Ölberg – der jetzt
auch schon eine ganz andere Gestalt hat, als er sie damals gehabt hatte – sich
jetzt beinahe ganz im Osten von dem neuen türkischen Jerusalem befindet,
während sich das alte Jerusalem zum größten Teile mehr östlich als westlich vom
Ölberge befand.
[HiG.03_64.03.29,05] Es hat in einer ziemlich
geraumen Zeit nach Mir ein morgenländisch römischer Kaiser namens Justinianus
den Juden die Erlaubnis und sogar den Befehl erteilt, das Jerusalem samt dem
Tempel, von dem sie die Grundsteine sicher noch finden würden, ebenso wieder
aufzubauen, wie es zu Meiner Zeit erbaut war. Da begab sich aus allen Gegenden
eine große Anzahl sehr wohlhabender Juden mit vielen Bauleuten und Arbeitern an
die Stelle des vormaligen Jerusalem und wollten da alles wieder aufzubauen
anfangen, wo sie die sicheren Spuren vom Stande des einstigen Jerusalem auffanden.
Sie wurden aber von einem in dieser Gegend lebenden frommen Manne, der nach der
Lehre des Apostels Philippus lebte und das Evangelium predigte, nach der
Weissagung eines Propheten gewarnt, ihr Vorhaben stehenzulassen, da sie, so sie
seinen Worten keine Folge leisteten, sicher sehr übel bedient werden würden.
[HiG.03_64.03.29,06] Sie aber verlachten
diesen Propheten und fingen an allen Orten, wo sie Spuren des alten Jerusalem
antrafen, zu graben und den Schutt wegzuräumen an. Und siehe, kaum einen halben
Tag dauerte diese Arbeit, da entstand ein übermäßig starkes Erdbeben, und bald
darauf brach aus dem Innern der Erde über die ganze Stelle des alten Jerusalem
ein vulkanartig heftiges Feuer aus und zerstörte eben den wichtigsten Teil des
alten Jerusalem derart, daß wahrlich nicht ein Stein und irgend ein Fels
unzerstört blieb. Steine und Felsen wurden zu einer Art Schotter zermalmt und
von der Stelle stundenweit hintangeworfen, welche Stätte noch heutigentags wie
eine Wüste aussieht und daher niemand vermuten kann, daß an dieser Stelle einst
das alte Jerusalem gestanden hat. Bei Gelegenheit des Ausbruchs dieses
vulkanartigen Feuers sind viele Tausende von arbeitenden Menschen zugrunde
gegangen.
[HiG.03_64.03.29,07] Dieses Wunder wurde
durch diejenigen, die sich durch jähe Flucht retteten, in Rom dem Kaiser
bekanntgegeben und beschworen, daß es richtig so geschehen sei. Er glaubte
dieses Wunder, aber nach zwei Jahren wollte er dennoch an dieser Stelle ein
großartiges Denkmal errichten, um durch dasselbe den Nachkommen anzuzeigen, an
welcher Stelle sich einst das große Jerusalem befunden habe.
[HiG.03_64.03.29,08] Es kamen wieder Bauleute
und Bildhauer an die Stelle von Jerusalem und fingen an, sich einen Platz
auszusuchen, der für solch ein Monument der tauglichste wäre. Sie fanden einen
solchen Platz und fingen an, den Grund zu graben. Allein es erging ihnen nicht
viel besser als den früheren; es schlug alsbald wieder Feuer aus dem Innern der
Erde hervor und beschädigte mehrere; die aber noch zur rechten Zeit die Flucht
ergriffen, kamen ohne Schaden davon, und es ward fürder nichts mehr
unternommen, um das alte Jerusalem aufzubauen.
[HiG.03_64.03.29,09] Erst nach mehr als
sechshundert Jahren kamen die Sarazenen aus der Gegend von Bagdad in diese
Gegend, und was sie auf ihrem Wege von den alten Städten und Flecken vorfanden,
zerstörten sie alles; selbst die alten Städte, die hie und da noch von den
Römern verschont worden waren, mußten zu Ruinen werden. Und die Stätte
Jerusalems besaß damals nichts weiteres mehr, als auf einem Berge, dem man
später – aber ganz fälschlich – den Namen Zion gab, einen alten römischen
Festungsturm und eine Kapelle aus Holz gebaut, die man schon zu selbiger Zeit
ebenfalls ganz fälschlich für die Stelle Meines einstigen Grabes angab und
verehrte und bis auf den heutigen Tag noch verehrt und dadurch viele
Hunderttausende von Pilgern in den tiefsten Aberglauben hineintreibt.
[HiG.03_64.03.29,10] Die Sarazenen haben
später westlich vom Ölberge eine ganz neue Stadt unter dem Namen Jerusalem
erbaut, in welcher Zeit auch die vorbenannte Kapelle ein geräumigeres und
besseres Aussehen erhielt, in der sich die frommen Pilger alljährlich mit ihren
Knitteln und Stöcken aus lauter Frömmigkeit nicht selten derart durchprügeln,
daß es dann auf dem äußeren Platz um die Kapelle herum nicht anders aussieht
wie auf einem Schlachtfelde. Und das geschieht gewöhnlich infolgedessen, weil
eine jede Sekte den Christus, den sie als Gott verehrt, einer andern zu
verehren untersagt; denn die Griechen wollen von dem römisch-katholischen
nichts hören und wissen, und das auch umgekehrt. Und so viele Sekten, als es da
gibt, so viele Feinde stehen sich gegenüber und würden sich bei ihrem
Glaubenseifer ganz aufreiben, wenn bei diesen Gelegenheiten nicht die
türkischen Soldaten Ruhe und Ordnung aufrechterhielten. Diese tun das darum,
weil ihnen solche Spektakel auch so manches Trinkgeld in ihre Taschen schieben.
[HiG.03_64.03.29,11] Das ist so die heutige
Wirtschaft an den ‚heiligen Orten‘. Und weil Ich solches sicher vorausgesehen
habe, so habe Ich denn auch, besonders in Galiläa, woselbst Ich Meine irdische
Lebenszeit am meisten zubrachte, alle die in den Evangelien benannten und
bekannten Orte derart zugrunde richten lassen, daß sie nun ein noch so
bibelfester Geograph nimmer finden kann.
[HiG.03_64.03.29,12] Von der einzigen Stadt
Tiberias am Galiläischen Meere sind noch einige Überreste vorhanden, aber von
allen anderen Orten, die zu Meiner Zeit an den Ufern des Galiläischen Meeres
standen, ist keine Spur mehr vorhanden. Zudem ist das Galiläische Meer auch von
allen Seiten derart zurückgewichen, daß es nun mehr als ein gutes Drittel
weniger Wasserfläche besitzt als zu Meiner Zeit.
[HiG.03_64.03.29,13] Von Meinem Wohnorte
Nazareth ist ebensowenig eine Spur mehr vorhanden; nur in einem Tale westlich
vom Galiläischen Meere, gegenwärtig einige Stunden entlegen, befindet sich ein
ganz elendes türkisches Dorf, das der gewinnsüchtige Glaube der dortigen
Christen und auch Türken als Meinen einst wahren Wohnort angibt und bezeichnet.
[HiG.03_64.03.29,14] An der Stelle Meines
fälschlich angegebenen einstigen Wohnhauses steht nun auch eine Kirche mit
einem kleinen Kloster, in der die dortige Priesterschaft noch allerlei
Reliquien aus der Werkstätte des Zimmermannes Joseph vorzeigt, aber dabei
dennoch bei den meisten Sekten wenig Glauben findet, weil jede Sekte vorgibt,
sich selbst im Besitze dieser Reliquien zu befinden, besonders die Katholiken,
die da vorgeben, daß sich sämtliche Reliquien aus dem Hause Joseph zu Rom in
der Sixtinischen Kapelle befänden, dahin sie von Engeln durch die Luft gebracht
worden seien. Die andern Sekten haben ohnehin geringeren Glauben an derlei
Reliquien, und so macht das heutige Nazareth nur ganz schwache Geschäfte mit
seinen Heiligtümern.
[HiG.03_64.03.29,15] An der Küste des
Mittelländischen Meeres ist Joppe noch der wohlerhaltenste Ort; Tyrus und Sidon
sind vollkommene Ruinen sowie Sardes und Laodicea. An der Stelle dieser alten
Weltstädte befinden sich gegenwärtig nur ganz dürftige Fischerhütten. In den
Ruinen hält sich allerlei Wild auf, der Schakal und die Hyäne sind da nicht
seltene Erscheinungen, und die armen Fischer müssen immer bis an die Zähne
bewaffnet ihre Fische fangen.
[HiG.03_64.03.29,16] Von all den von Mir
besonders im letzten Jahre Meiner Lehrzeit besuchten Städten sind am östlichen
Ufer des Galiläischen Meeres und Jordantales nur einige dann und wann von den
Beduinen bewohnbare Ruinen vorhanden, und das darum, weil sie aus lauter alten,
überaus harten Basaltsteinen erbaut sind, die schon zu Meiner Zeit ein Alter
von nahe zweitausend Jahren hatten und zum größten Teile von Römern und
Griechen bewohnt wurden.
[HiG.03_64.03.29,17] Also finden sich auch
noch im oberen Syrien einige von Mir besuchte Orte vor; allein auf diese haben
die Menschen darum kein Augenmerk geworfen, weil sie ihnen erstens zu entlegen
sind, und fürs zweite in den gegenwärtigen vier Evangelien namentlich gar nicht
vorkommen.
[HiG.03_64.03.29,18] Und somit kannst du mit
Meiner Benennung der Orte von ganz Palästina vollkommen beruhigt sein; denn Ich
habe sie eben der schon vorausgesehenen Abgötterei wegen aus dem Dasein derart
völlig hinweggewischt, daß in dieser Zeit keine nur annähernde Spur mehr von
ihnen vorhanden ist.
[HiG.03_64.03.29,19] Das richtigste ist noch
die Benennung des Kisjontales an der Karawanenstraße, die einst von Damaskus
über Kapernaum nach Tyrus und Sidon führte. Aber dieses Tal, das einst knapp am
Galiläischen Meere sich befand, befindet sich jetzt mindestens drei bis vier
Stunden davon entfernt und ist eine gänzlich unfruchtbare Sandsteppe.
[HiG.03_64.03.29,20] Ebenso steht es mit der
Ebalbai und dem Ebaltale, wo sich dereinst der Flecken Genezareth befunden
haben soll; es ist nun eine ziemlich weitgedehnte Sandwüste und vom Spiegel des
Galiläischen Meeres nahe zwei Stunden entlegen. Zu Meiner Zeit hatte dieses
Meer dort einen Abfluß, und zu den Zeiten der Kanaaniter war das ein
Hauptabfluß des Jordans, und wo er jetzt abfließt, war in jener alten Zeit nur
ein Bach. In den späteren Zeiten wurde dieses alte Jordantal derart durch die
Erdrevolutionen, die in dieser Gegend sehr häufig vorkamen, verlegt und
verrammt, daß es in der Jetztzeit wohl keinem Reisenden und Forscher nur im
entferntesten Sinne einfallen könnte, daß da einst der Jordan sein Bett hatte.
Zu Meiner Zeit war dieses Tal noch mehr frei, und es ging ein Arm des Jordans
durch das Tal; allein durch die großen Erdbeben und Erdrevolutionen nach Mir
ging jede Spur davon verloren.
[HiG.03_64.03.29,21] Durch solche
Erdrevolutionen aber hat namentlich in der Gegend des Galiläischen Meeres, und
zwar das Becken dieses Meeres selbst, an manchen Stellen eine mehr als 200
Klafter tiefere Immersion erfahren, und so ist der See denn auch seiner
Oberfläche nach kleiner geworden, und der Jordan mußte sich dort seinen
Hauptabfluß schaffen, wo ihm die Erdrevolutionen ein weiteres Tor aufgemacht
haben. In den ungefähr tausend Jahren nach Mir ist das ganze Jordantal bis zu
seiner Ausmündung ins Tote Meer im ganzen bei hundert Fuß eingesunken, und so
auch das Tote Meer selbst, und man kann jetzt nicht leichtlich mehr sanften
Ufers zu diesem Meere gelangen, welches jetzt von sehr hohen und steilen
Felsenklippen ordentlich strotzt, so daß man nur an sehr wenigen Stellen zur
Betrachtung dieses leblosen Meeres, das ungefähr die dreifache Größe des
Bodensees hat, gelangt.
[HiG.03_64.03.29,22] Was Ich dir nun hierüber
gesagt habe, das ist Wahrheit; alles andere ist zum allergrößten Teile
menschliche Dichtung und Mutmaßung. Übrigens liegt da in dem dir von Mir
diktierten Evangelium Johannes wenig oder gar nichts an dem, wie die Orte
geheißen und wo sie gelegen haben; sondern alles liegt an der Lebenslehre und
Wahrheit, die darin enthalten ist.
[HiG.03_64.03.29,23] Es gibt nun noch viele
Narren, die sich darum streiten, wo das einstige alte Paradies sich befunden
habe, und wohin Adam aus demselben linea recta geflohen sei, und in welchem
Lande Kain den Abel erschlug, wohin er nachher floh, und wo sich später Adam
selbst angesiedelt habe. Da gibt es so verschiedene Angaben, daß nach ihnen
selbst ein der Vollendung nahestehender Geist irregeführt werden könnte; allein
das ist ein Streit über den Wert einer Schafwollocke! Was der Wahrheit nach
davon zu halten ist, findet sich in Meiner ‚Haushaltung‘, wie auch teilweise im
‚Johannes‘ vor. Alles andere ist wertlos, indem zu jener Zeit die Erde eine
ganz andere Gestalt und Einrichtung hatte, die nach Noahs Zeiten um ein
bedeutendes verrückt wurde. Und wollte man nach der gegenwärtigen Gestalt der
Erde die Wohnsituation der Urerzväter bestimmen, so würde man mit solch einer
Bestimmung sehr ins Blaue hineinhauen, denn in jenen Zeiten war das heutige
Sibirien, besonders gegen Osten, wie auch das Mittelasien bis an die Marken
Chinas hin, ein äußerst gesegnetes und fruchtbares Land.
[HiG.03_64.03.29,24] Sehet es euch heutzutage
an, und ihr werdet allenthalben das schroffste Gegenteil finden. Sibirien hat
nahe nichts als ewigen Schnee und ewiges Eis aufzuweisen, und das einst so
gesegnete Mittelasien scheuen nun sogar die wildesten und reißendsten Bestien,
indem sie da nichts als Sand und Stein antreffen. Darum es auch den nach
Sibirien verbannten russischen Untertanen unmöglich ist, die Flucht zu
ergreifen und über diese weitgedehnten Wüsteneien wenigstens die Vorgebirge und
Ausläufer des großen tibetanischen Gebirges zu erreichen, denn diese Wüsten
Mittelasiens sind zum größten Teil ebenso arg wie die große Wüste Sahara in
Afrika.
[HiG.03_64.03.29,25] Aus dem aber geht
hervor, daß diese Erde zumeist durch den Übermut der Menschen eine große
Veränderung erlitten hat, und es wird sich nun wohl kein Geologe, wäre er
selbst ein hundertfacher Alexander Humboldt, zurechtfinden. Was aber jedermann
zum besseren Verständnisse der Bücher Mosis zu wissen und zu verstehen
notwendig ist, habe Ich dir schon vor zwanzig Jahren in die Feder diktiert und
tue dasselbe nun auch im ‚Johannes‘ über die Orte in dem Lande, wo Ich gelebt
und gelehrt habe. Alles andere und weitere ist eitel und, mit andern Worten
gesagt, nichts anderes als – leeres Stroh dreschen.
[HiG.03_64.03.29,26] Mit dieser Meiner
Bescheidung kannst du und ein jeder andere Gläubige vollkommen zufrieden sein.
Die sogenannten verstandesvollen Weltmückenreiter aber sollen sich am Staube
der alten Ruinen satt lecken; es wird ihnen aber wenig nützen, da sie daran
wenig Nährsaftes finden werden.
[HiG.03_64.03.29,27] Ich aber bleibe der Herr
und verändere die Erde nach Meinem Wohlgefallen und nach Meiner Weisheit; denn
solche hochweisen Verständigen, die selbst das Gras wachsen hören wollen, und
es auch schon einige gegeben hat, die die Pflanzen bei ihrem Atemholen
schnarchen gehört haben, sollen nur das Tal eines Flusses bis auf seinen Grund
ausräumen, und sie werden da viel Nahrung für ihren Verstand finden! Sie werden
das aber sicher bleibenlassen und sich lieber mit dem Belecken der feuchten
Steinwände begnügen; denn da kann doch jeder Mensch solchen Hochgelehrten
zurufen: Freunde! nur bis dahin, wo einige Tautropfen hängen, werdet ihr es mit
eurer Zunge bringen. Aber etwa mit einem Wunderstabe in eurer Hand werdet ihr
keine Quelle gleich dem Propheten Moses aus dem Innern eines harten Felsens
hervorlocken, von deren Reichtum sich Millionen Menschen und Tiere den
brennenden Durst stillen konnten.
[HiG.03_64.03.29,28] Der Wunderstab Mosis
aber bleibe noch immer Ich – und niemals der eitle ruhm- und selbstsüchtige
Verstand eines auf den hohen Universitäten graduierten Doktors sämtlicher
Weltweisheit.
[HiG.03_64.03.29,29] Das zur Beruhigung aller
derer, die an Mich glauben, Mich über alles lieben und ihren Nächsten wie sich
selbst.
[HiG.03_64.03.29,30] Das sage wieder Ich als
euer Vater, Herr und Meister Amen.
Über den Evangelisten Lukas – sein Evangelium
und seine Apostelgeschichte. – 7. April 1864.
[HiG.03_64.04.07,01] Ich kenne deine vier
Punkte, über die du eine nähere Auskunft haben möchtest, und so will Ich dir
auch in möglichster Kürze etwas darüber sagen.
[HiG.03_64.04.07,02] Was den Evangelisten
Lukas anbelangt, so habe Ich dir bei verschiedenen Gelegenheiten schon ohnehin
dies und jenes gesagt.
[HiG.03_64.04.07,03] Was sein Evangelium
anbelangt, so ist es von ihm eine Datensammlung, welche Daten ihm durch sein
Forschen sowohl in als um Jerusalem über Mich und Meine Taten und Lehren durch
verschiedene Menschen in seine Erfahrung gekommen sind. Er selbst hat sie
hernach nach seiner Art und Weise geordnet und also in Kapitel und Verse
eingekleidet, wobei er sich ganz natürlicherweise nicht an die Zahl der Kapitel
und Verse eines andern Evangelisten hat binden können, daher bei ihm so manches
in einem ganz andern Kapitel und Verse vorkommt, als wie bei den andern
Evangelisten, was ein jeder von euch leicht beim Vergleiche der angezeigten
Parallelstellen erfahren kann.
[HiG.03_64.04.07,04] Was seine Persönlichkeit
anbetrifft, so war er ein Formenmaler und Zeichner, mit welchen Produkten
seiner Hand er die Weber, Tuch- und Teppichmacher versehen konnte; auch die
Zeichnungen der jüdischen Schals und Vorhänge rührten häufig von seiner Hand
her. Danebst war er auch ein Schriftenmaler und auch Schreiber, besonders so
jemand etwas vollkommen schön und regelmäßig geschrieben haben wollte. Er
verstand und sprach griechisch, lateinisch und hebräisch und konnte zur Not
auch in den andern Sprachen, die um Judäa herum gang und gäbe waren, sich
mitteilen und verständlich machen.
[HiG.03_64.04.07,05] Zudem war er, wie es
dergleichen mehrere Menschen gibt und gegeben hat, ein erpichter Neuigkeitskrämer
und erkundigte sich daher um alles, was besonders zu Meiner Zeit geschah und
unter den Menschen viel Redens und Aufhebens machte, und hatte seine Freude
daran, den vielen neugierigen Menschen, mit denen er im Verkehr stand, über
etwas außerordentliches Neues erzählen zu können, wobei er durchaus keinen
Eklektiker machte, sondern ihm war das nächste beste recht, wenn es nur den
Schein von etwas Außerordentlichem hatte.
[HiG.03_64.04.07,06] In der ersten Zeit,
besonders bei seinem Erzählen, ist auch vieles besonders in Ermangelung
wirklicher Daten auf seinem eigenen Grund und Boden gewachsen. Erst in der
Zeit, als der Apostel Paulus Mein Wort in Griechenland hie und da gepredigt
hatte, ward er von seinem Freunde Theophilus, der auch in Griechenland wohnte,
ernstlich aufgefordert, über Mich verläßliche Erkundigungen einzuziehen, sie
aufzuzeichnen und sie ihm dann zu übersenden, denn er, Theophilus, habe über
den gewissen Nazaräer sowohl von seiten der Juden als auch der Griechen so
Verschiedenartiges gehört, daß er daraus nicht klar werden könne, was so ganz
Eigentliches an diesem Menschen sei – ist er entweder ein überirdisches Wesen
oder gleich nur so ein in mannigfacher Weisheit aus den Büchern wohlerfahrener
Mensch.
[HiG.03_64.04.07,07] Als Lukas dieses
Schreiben in Jerusalem in seine Hände bekam, dann erst nahm er sich der Sache
ernstlicher an und erkundigte sich über alles, was besonders Meine Person und
Meine Lehre betraf, bekam aber auch, was er aufschrieb, nicht leichtlich aus
dem Munde Meiner wirklichen Jünger, sondern zumeist von andern auf Mich und
Meine Lehre haltenden Menschen, die Mich zum Teil noch persönlich gekannt und
zum größten Teil aber von Meinen Jüngern Kunde über Mich erhalten hatten. Denn
zwischen Meinem Dasein als Mensch dieser Erde und der Vollendung seines
Evangeliums verstrichen nahe fünfunddreißig Jahre, nach welcher Zeit er
dasselbe erst an seinen Freund Theophilus nach Griechenland absenden konnte –
welches Evangelium dann dieser Theophilus mit seinen Aufzeichnungen verglich,
so manches korrigierte und der Schrift des Lukas beifügte.
[HiG.03_64.04.07,08] Wie es aber mit seinem
Evangelium steht, so steht es noch mehr mit seiner Apostelgeschichte, die er
ebenfalls auf Aufforderung seines Freundes Theophilus aufs Pergament brachte,
und zwar erst in seinem letzten Lebensjahre – also in einer Zeit, in der sich
nicht einer Meiner ersten Apostel und Jünger mehr in Jerusalem befand.
[HiG.03_64.04.07,09] Auch diese
Apostelgeschichte bekam in den Händen seines Freundes so manche Abänderung, und
selbst die von ihm im Judenlande zusammengebrachten Daten waren vielseitig
Dichtungen solcher Jünger und Ausbreiter Meines Wortes, die häufig ohne inneren
Beruf sich als solche den Menschen vorstellten und ein jeder aus ihnen das
Bessere wissen wollte.
[HiG.03_64.04.07,10] Und so geschah es denn
auch, daß sowohl in dem Evangelium des Lukas, wie noch mehr in seiner
nachträglichen Apostelgeschichte Dichtungen und Übertreibungen vorkamen, von
denen Meine wirklichen Apostel und Jünger selbst wenig oder nichts wußten; denn
sie hielten sich in Jerusalem sehr wenig auf und hatten ihr Wesen mehr in
Galiläa, Samaria und in den andern von Jerusalem weiter entlegenen Landschaften.
[HiG.03_64.04.07,11] Wenn ihr nun dieses
wißt, so werdet ihr wohl einsehen, daß das gewisse Erdbeben und die Finsternis
bei Meinem Kreuzestode, die eröffneten Gräber im Tale Josaphat, Meine
Himmelfahrt auf zwei sich widersprechenden Bergen, wie auch die gewisse Sendung
des Heiligen Geistes zum allergrößten Teil ein Werk der damaligen Phantasie
Meiner verschiedenartigen Anhörer und Verehrer sind und auch sogar sein müssen,
indem der verläßlichste aller Evangelisten (Johannes), der doch bei jeder
wichtigsten Gelegenheit zugegen sein mußte, von alledem keine Erwähnung tut,
auch Lukas selbst nicht kundgibt, ob er selbst bei der Ausgießung des Heiligen
Geistes persönlich zugegen war oder nicht.
[HiG.03_64.04.07,12] Sein Evangelium und
seine Apostelgeschichte waren bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa auch
ganz nahe daran, als apokryph erklärt zu werden. Aber die abendländischen
Bischöfe sträubten sich dagegen, und somit war auch alles von Lukas
Geschriebene als authentisch erklärt, und dieser Lukas besteht denn
heutigentags noch unter der Zahl der glaubwürdigen Evangelisten und wird von
ihm bis zur Stunde noch mehr Aufhebens gemacht als von Johannes.
[HiG.03_64.04.07,13] Allein alles, was da
unrichtig ist, wird sich mit der Zeit selbst ausstreichen, und würde das nicht
geschehen, so würde schwerlich je eine Zeit kommen, davon Johannes spricht, daß
in ihr „ein Hirt und eine Herde“ werde.
[HiG.03_64.04.07,14] Übrigens liegt auch in
diesen Episoden, wie Ich schon gesagt habe, etwas geistig Gutes und Wahres, das
Ich euch in kurzer Zeit schon näher zeigen werde. Aber in der naturmäßigen
Erscheinlichkeits-Sphäre sind sie freilich um kein Haar besser als die Bilder
des Hohenliedes Salomons, wonach die Tochter Zions eine Gestalt hätte, an der
nie ein Mensch auch nur das geringste Wohlgefallen fände. Aber inwendig sieht
es dann im Geiste wohl ganz anders aus.
[HiG.03_64.04.07,15] Warum hätte Ich denn
sollen bei Meinem Tode die Sonne gänzlich finster machen, und das volle drei
Stunden hindurch?! – Und wäre das der Fall gewesen, so müßte in jener Zeit die
Sonne auch in Indien, China, Japan, Amerika etc. nicht geleuchtet haben, was
die Schriftkundigen jener Völker sicher aufgezeichnet hätten. So aber wissen
sich sogar die römischen Geschichtsschreiber einer solchen Begebenheit nicht zu
erinnern; es müßte die Sache demnach nur in Jerusalem ihre Geltung haben, daß
durch Meine Zulassung daselbst alle anwesenden Menschen auf drei Stunden blind
geworden sind, und es müßte Johannes allein sehend geblieben sein, weil er von
solch einer Sonnenverfinsterung keine Kunde gibt.
[HiG.03_64.04.07,16] Wie es sich aber mit der
Sonnenverfinsterung verhält, so verhält es sich auch mit Meiner in dieser Welt
erscheinlichen Himmelfahrt; denn wo sollte denn wohl dieser Himmel sein, in den
Ich aufgefahren bin?! – Oder wohin sollte der Allgegenwärtige fahren, um den
Menschen dadurch anzuzeigen, wo er eigentlich zu Hause ist?!
[HiG.03_64.04.07,17] Ich meine aber, daß Ich
in der ganzen Unendlichkeit überall so hübsch gleich zu Hause sein werde, da
Ich in allem und jedem das Urbelebungs- und Erhaltungsprinzip bin und ohne Mich
nirgends etwas ist und besteht! Sonach ist der Himmel allenthalben, wo Meine
Liebe und Weisheit waltet, und in der starren Materie besteht allenthalben das
von der Macht Meines Willens ausgehende Gericht und der scheinbar ewige Tod.
Und es heißt darum denn auch, der Himmel ist Mein Thron und die Erde – durch
die sämtliche Materie dargestellt ist – der Schemel Meiner Füße. – Nun wird
sich doch niemand vorstellen wollen, daß der räumlich endlose Himmel nichts
anderes darstellt als Meinen Sitzthron, und damit Ich beim Sitzen nicht müde
werde, Mir die Erde zum Schemel Meiner Füße gemacht habe!
[HiG.03_64.04.07,18] Ja, es besteht wohl im
Reiche der reinen Geister eine Geistige Sonne, in der Ich mit den Meinen
persönlich wohne. Diese Sonne ist aber räumlich allenthalben allen jenen Engeln
und Geistern sichtbar, die Mich durch die Liebe in ihrem Herzen besitzen. Für
die andern ist sie aber auch nirgends ersichtlich und auffindbar und sollten
sie solche auch durch den ganzen unendlichen Raum suchen und finden wollen;
denn bei denen das Herz blind ist, ist auch ihre geistige Sehe blind, und sie
sehen von der geistigen Sonne noch weniger als ein Stockblinder auf dieser Erde
von der natürlichen etwas.
[HiG.03_64.04.07,19] Ich bin aber durch diese
Sonne überall gegenwärtig und kann auch in die Erscheinlichkeit treten und
wirken, wann und wo Ich will, und brauche vorher Mich mit niemandem zu beraten,
weder in der Welt der Geister und noch weniger in der Welt der Materie, – wohl
aber beraten sich zuvor alle seligen Engel und Geister mit Mir, so sie irgend
eine große Tat in Meinem Namen zu vollbringen haben. Was aber ihre gewöhnlichen
Handlungen in Meinem Reiche betrifft, so finden sie die Anweisungen für
immerfort in ihren himmlischen Wohnungen. Wie aber diese beschaffen sind,
darüber habt ihr schon in der ‚Geistigen Sonne‘ die Kunde erhalten.
[HiG.03_64.04.07,20] Was das Geistige unseres
Evangelisten Lukas betrifft, so war er voll Eifers um Meine Sache, und es wäre
sogar gut gewesen, so er sich mit seinem Eifer um einige Staffeln tiefer
angestellt hätte. Allein er war, ist und bleibt ein tüchtiges Rüstzeug Meiner
Liebe- und Gnadenerweisungen für seine Zeit sowohl als für die Jetztzeit; denn
er war in den Schriften des Alten Bundes besser bewandert als irgendein seine
Nase hochtragender Schriftgelehrter des Tempels und konnte daher auch leicht
Meine Taten, von denen er Kunde erhielt, als wahr beurteilen und sie auch den
andern, die ihn darum angingen, darstellen.
[HiG.03_64.04.07,21] Wollet euch darum nicht
ärgern über diesen Mann ob mehrerer Unrichtigkeiten, die in seinen Schriften
vorkommen; denn fürs erste war er nicht von allem der eigentliche Schöpfer,
sondern vielmehr seine nachträglichen Korrektoren, von denen Ich euch mehr denn
ein ganzes Dutzend anführen könnte. Und fürs zweite war er besonders in seinen
späteren Zeiten voll guten Willens und voll Ernstes, der Nachwelt möglichst die
vollste Reinheit in seinen Schriften zu hinterlassen.
[HiG.03_64.04.07,22] Allein dafür kann er
nicht, was die späteren habsüchtigen Gemeindevorsteher aus ihm gemacht haben.
Sie haben Unkraut unter seinen Weizen gesät, welches mit dem Weizen aufging.
Den Weizen verstanden sie recht wohl für ihre Scheuern zu sammeln, das Unkraut
aber brauchten sie dann zum Nährfutter ihrer Herden und brauchen es noch. Diese
Herden aber bestehen nun nicht aus Meinen Lämmern und Schafen, sondern aus
Eseln, Ochsen, Schweinen und anderem dummen Getier, das sich mit den Disteln
und Dornen begnügt.
[HiG.03_64.04.07,23] Lassen wir sie darum
vorderhand bei dieser Kost. Wenn sie ihnen einmal ernstlich zuwider sein wird,
so werden sie sich selbst um eine andere Kost umsehen, bei der ihnen ihre dumme
innere Gestalt verändert wird und sie auch mit Wolle edler Schafe in Meinen
Schafstall werden aufgenommen werden können, wo es dann nur einen wahren Hirten
und eine rechte Herde, mit der rechten Kost versehen, geben wird.
[HiG.03_64.04.07,24] Mit dem habet ihr nun
zum voraus, was ihr von Lukas zu halten habt, das Weitere wird euch schon bei
der versprochenen Gelegenheit mitgeteilt werden. Amen.
Unsere Erde kam aus der Urzentralsonne. – 8.
April 1864, nachmittags von 1/2 4 bis 3/4 7 Uhr.
[HiG.03_64.04.08] Anfrage von Leopold
Cantily. Schreibender: Leopold C.
[HiG.03_64.04.08,01] Es ist zur Beseligung
des Menschen nicht unbedingt notwendig, daß er mit seinem natürlichen Verstande
in alle Meine Schöpfungsverhältnisse eindringen solle; aber es steht auch
geschrieben, daß ein Mensch von Geist und Verstand alles prüfen und davon das
Gute und Wahre behalten soll. Und so erteile Ich denn auch einem jeden, den es
danach dürstet, über derlei Fragen zwar immer nur ein kurzes, aber ein rechtes
Licht, welches den eigentlichen Weltweisen und Weltverständigen als eine Torheit
vorkommt, aber für die, so an Mich glauben, dennoch eine Weisheit aller
Weisheit ist, von der es den Weltweisen und Weltverständigen noch nie etwas
geträumt hat.
[HiG.03_64.04.08,02] Um aber zu verstehen,
wie sich die Urstoffe sowohl im Mineralreiche der ganzen Erde, dann die aus
ihnen hervorgehenden Pflanzenstoffe und weiter die aus den Pflanzen
hervorgehenden Tierstoffe zueinander verhalten, muß man vorerst wissen, wie die
Entwicklung dieser Erde vor sich gegangen ist und woher sie in ihrem Urentwicklungssein
in die Region dieser Sonne gekommen ist. So jemand das weiß durch den Glauben
an Mein Wort, dem wird auch da gar bald alles andere klar und begreiflich
werden. –
[HiG.03_64.04.08,03] Sehet, alle die anderen
Planeten, die mit ihren Nebenkörpern um die Sonne bahnen, sind bis auf einen
einzigen Kometen Kinder ebendieser Sonne, aber diese Erde samt ihrem Monde
nicht. Sie ist ein Kind aus der Ursonne, wurde aus deren großartigem Innern
schon als ein ziemlich kompakter Körper mit unsäglicher Kraft in den weiten
Hülsenglobenraum hinausgeworfen, natürlich vor für euch undenklich vielen
Erdjahren. Einer ähnlichen Abkunft hatte sich auch jener größere Planet zu
erfreuen, von dem ihr wißt, daß er von innen aus zerstört worden ist. Aus
diesem Grunde aber ist diese Erde auch so höchst mannigfaltig kompliziert, daß
in ihr, auf ihr und über ihr alle jene Urstoffe vorkommen, welche freilich im
größten Maßstabe nur in der Urzentralsonne vorkommen und vorkommen müssen, weil
sie die Ernährerin und Leiterin der zahllos vielen Nebenzentralsonnen und der
Planetarsonnen und ihrer Planeten ist.
[HiG.03_64.04.08,04] Diese Erde ist somit,
was die Urdaseinsstoffe anbelangt, der Urzentralsonne völlig ähnlich und daher
auch zur Ausbildung für die Menschenseelen, die zu Gotteskindern berufen sind,
vollkommen tauglich.
[HiG.03_64.04.08,05] Nun wird jemand freilich
fragen: Wie kam diese Erde denn zu ihrer Atmosphäre und zu ihrem allerartigen
Gewässer? Und Ich sage darauf: So wie mehr oder weniger jeder andere Planet und
diese Sonne selbst, nämlich durch ihre immerwährende, nahe siebenfache Reise um
die Urzentralsonne.
[HiG.03_64.04.08,06] Die erste (an sich
zweite) Reise nämlich macht sie um die Sonne, wie ihr seht, und die eigentlich
erste Reise aber durch ihre eigene Umdrehung; die dritte, viel größere Reise
macht sie mit der Sonne um die Zentralsonne, wie ihr schon wisset, in ungefähr
28000 Erdjahren; die vierte Reise, die noch ungeheuer größer ist und länger
dauert, macht sie mit dem Sirius, der eigentlich die Zentralsonne dieses
Sonnengebietes ist, um eine viel größere Sonnengebiets-Zentralsonne; die fünfte
Reise macht sie mit all den vielen Sonnengebiets-Zentralsonnen, welche zusammen
ihr ein Sonnen-All nennen könnt, um eine noch viel größere
Sonnenall-Zentralsonne, welche Reise natürlich zwar schon eine ungeheuer
schnelle ist, aber dessenungeachtet viele Billionen Erdjahre andauert, bis sie
einmal vollbracht wird; die sechste Reise macht sie mit den großen
Sonnenall-Zentralsonnen um die Urzentralsonne selbst; die siebente Reise, zu
der gar lange dauernde Perioden gehören, ist die Wechselreise, bei der eine
Sonnenall-Zentralsonne bald näher an die Urzentralsonne und bald wieder näher
an die Hülse der großen Globe gelangt und dadurch einem ganzen übergroßen
Sonnen-All die hinreichende Nahrung erteilt wird: in der größeren Nähe der
Urzentralsonne die positive und in der Nähe der Hülse der Globe die negative.
Und ist ein Weltkörper von diesen beiden psycho-elektromagnetischen Urstoffen
hinreichend gesättigt, so kann er dann auch aus sich selbst alles hervorbringen
und ernähren, was hervorzubringen und zu ernähren in seiner ursprünglichen
Kraft und Wesenheit schon embryoartig zugrunde liegt. Einem Weltkörper wie
dieser Erde liegt aber unendlich vieles zugrunde, daher kann er auch nahe unendlich
vieles in naturmäßiger Hinsicht aus sich entstehen lassen.
[HiG.03_64.04.08,07] Die eigentlichen beiden
Urstoffe sind die dieser Erde innewohnenden beiden elektromagnetischen
Potenzen, und zwar im höchsten Grade, aus welchem Grunde sie auch einer der
dichtesten Weltkörper ist. Und vermöge dieser beiden Urlebenspotenzen besitzt
sie denn auch die Fähigkeit, aus all den Sonnen der ganzen Hülsenglobe durch
den Äther sich nahe endlos verschiedenfältiger Stoffe zu ihrem Gedeihen zu
bemächtigen.
[HiG.03_64.04.08,08] Eine Art Urkalk, wie
auch Kreide und Schwefel gehören zur Urmaterie der Erde. Durch diese hat sie
bei ihrer großen Reise schon als Komet aus dem weiten Ätherraume sowohl eine
große Menge von Wasser enthaltenden Dünsten an sich zu ziehen vermocht, welche
Dünste sich mit den Zeiten verdichteten und zu Wasser wurden, durch die innere
Kraft sich dann aber wieder auch in Dünste auflösten, welche über dem
eigentlichen Wasserspiegel schwebten und nach und nach die atmosphärische Luft
bildeten, zu deren gegenwärtiger Reinwerdung wohl gar sehr viele Millionen von
Jahren notwendig waren.
[HiG.03_64.04.08,09] In den ersten Zeiten
bildeten sie hauptsächlich nur die Urmineralien, die nun aber freilich in
dieser Zeit die innere Feste dieser Erde ausmachen und eigentlich auf die
Oberfläche dieser Erde nur äußerst selten oder wie jetzt beinahe gar nicht mehr
zum Vorschein gelangen.
[HiG.03_64.04.08,10] Die zweite Periode
bildete schon der Niederschlag in den Tiefen der Meere. Und als dieser die
gehörige Dichte und Schwere erreichte, da wurde durch solchen Druck das Innere
der Erde auch stets erhitzter und erhitzter und setzte die schwefeligen Stoffe
in Brand, wodurch zum Teil die anderen Urstoffe in ein teilweises Schmelzen
gerieten und vielseitig über die Oberfläche des Wassers emporgetrieben wurden,
verschafften aber dadurch dem Wasser den Eintritt in das Innere der Erde und
daselbst eine notwendige Abkühlung.
[HiG.03_64.04.08,11] Die dabei entwickelten
Gase strömten aber bei solcher Gelegenheit durch diese zahllos vielen Löcher
zur Oberfläche herauf und schwängerten sowohl die Dunstatmosphäre wie auch das
Meer – was wir noch Gewässer der Erde nennen wollen – mit dem, was die Chemiker
jetzt Kohlensauerstoff nennen, der, wie ihr leicht begreifen könnt, aber schon
an und für sich kein einfacher und unteilbarer Stoff sein kann, da ihm schon
zuerst die positive und negative Elektrizität und der Urschwefel, Urkalk und
die Kreide seine primitive Entwicklung verschafft haben. Aber dieser Stoff ist
dennoch ein sehr hungriger zu nennen und ist fortwährend im höchsten Grade
begierig, eine Menge anderer Stoffe an sich zu ziehen und sich mit ihnen zu
vereinigen. Ist dieses geschehen, so wird er produktiv, und seine geistigen
Lebensteile sind dann auch schon imstande, wenn auch noch in einem sehr plumpen
Zustande, ohne eine vorhergehende Samenlegung auf den über den Wassern
befindlichen festeren Teilen der Erde Wesen hervorzubringen. Sie bewirken
nämlich eine Art Gärung, und aus dieser entwickelt sich bald ein plumpes Gewächs,
ungefähr nach der Art, wie sich heute noch eine Unzahl von allerlei Schwämmen
ohne vorhergehende Samenlegung auf jenen mehr sumpfigen Punkten der Erde
entwickeln, die von den starken Winden besonders in den dichten Wäldern wenig
heimgesucht werden, daher auch bei einiger Wärme in eine Gärung übergehen, auf
welche dann bald das Erscheinen der verschiedenartigen Schwämme bei einem
günstigen Wärmegrad ersichtlich wird.
[HiG.03_64.04.08,12] Einen ähnlichen, nur
viel großartigeren Entstehungsgrund haben denn auch jene euch mehr oder weniger
bekannten riesigen Urgewächse dieser Erde, die ihr hie und da noch jetzt als
schwarze Glanzkohle antrefft.
[HiG.03_64.04.08,13] Es könnte zwar jemand
hier die Bemerkung machen, warum die Schwämme der Jetztzeit als Produkte des
Kohlenstoffes nicht in jene schwarze Kohle übergehen und sich versteinern. Das
tut sich jetzt nicht mehr; denn zu jener Zeit bestand die atmosphärische Luft,
besonders in der Umgebung des Erdbodens wie des Meeres, bis zu einer Höhe von
mehr als einer Meile noch aus 8/10 Teilen Kohlenstoff und nur sehr wenig
gemengt mit Sauerstoff und Wasserstoff.
[HiG.03_64.04.08,14] Wo aber irgend auf einem
Punkte der Erde der mit wenig anderen Stoffen verbundene Kohlenstoff sich
allein befindet, da werden auch wenig oder gar keine Tiere und Pflanzen zum
Vorscheine kommen. Kommt aber ein Tier oder eine bessere Pflanze in solch eine
Gegend, so sterben sie bald, verwesen eigentlich gar nicht, sondern was eine
Pflanze oder ein Tier an anderen Stoffen, die ihr kennt, in sich besitzen, das
wird von dem Kohlenstoff bald aufgezehrt. Und was an der Pflanze oder am Tier
als Kohle vorhanden ist, geht auch in das über, und man findet in solchen
Tälern und Klüften schon nach einem Jahre nichts anderes mehr als ein wenig
dunkelgraue und mitunter auch dunkelbräunliche Asche, wovon euch gewisse
Begräbnisstätten im neapolitanischen und sizilianischen Gebiet auf das
vollkommenste überzeugen können.
[HiG.03_64.04.08,15] Selbst in den euch gar
nicht fernen Karstgegenden, in denen das wenige Erdreich, das sich da
vorfindet, von den dortigen Bewohnern zum Anbau für ihre Nährpflanzen verwendet
wird, findet ihr armselige Pfarreien, deren Friedhof in einer nahe liegenden
Grotte besteht. In diese Grotte wird der Leichnam des Verstorbenen gelegt,
verliert bald allen üblen Geruch und verwest in zwei Jahren so vollkommen, daß
man von ihm nichts anderes vorfindet als allenfalls ein spärliches Gewand, in
das er gehüllt war, oder es ist von dem Leichnam nichts anderes mehr
vorzufinden, als was Ich schon früher von Neapel und Sizilien bemerkte. Das
bewirkt demnach der mit den Schwefeldünsten vereinigte Kohlenstoff, und die
Totengräber müssen sich bei Einsetzung einer Leiche (zum Schutz) den Mund mit
einem in Essig getauchten Tuche verbinden.
[HiG.03_64.04.08,16] Da aber die
vorbesprochenen riesigen Urgewächse der Erde zum allergrößten Teil nur pur
Kohlenstoff waren, so konnten sie auch nicht verwesen, sondern liegen bis auf
den heutigen Tag noch unverwest. Man pflegt auch noch heutzutage Holzpfähle, die
man tiefer in die Erde steckt, außen herum im Feuer mit einer Kohlenkruste zu
umgeben, weil diese beim übrigen Holz eine zu baldige Verwesung verhütet,
welche allzeit eine Folge einer inneren Erdgärung ist, bei welcher sich der
Kohlenstoff mehr oder weniger wirksam entwickelt. Findet er den Holzpfahl mit
Kohle umgeben und in ihm seinesgleichen, so ist er ihm unschädlich; findet er
aber das nicht, so wird der Holzpfahl nicht sehr lange in der Erde als
brauchbare Stütze bestehen können.
[HiG.03_64.04.08,17] Wenn ihr nun das wißt
und so gewisserart mit Händen greifen könnt, so werdet ihr daraus schon vieles
andere auf dieser Erde Vorkommende begreifen können. Je mehr nach dem Lauf der
Zeiten der eigentliche Kohlenstoff mit den anderen Stoffen sich gemengt hat,
desto weniger vermochte er auch den vielfachen anderen Produktionen als
Hindernis erscheinen. In der Erde sammelten sich wieder durch das innere Feuer
kompliziertere Gase, die schon selbst zum größten Teil durch die innere
Erdelektrizität entzündbar wurden, hoben durch ihre explosive Kraft ungeheuer
große Stücke des schon festen Meeresbodens zu einer oft enormen Höhe über den
Wasserspiegel und lehnten sie gewisserart aufrecht und unterstützten sie durch
nachgehobene innere Teile des Erdkörpers. In Zeiten von mehreren tausend Jahren
waren die dadurch entstandenen weiten und tiefen Meeresbodenverwundungen mit
neuem Schlamme angefüllt, der sich nach und nach wieder also festigte wie ein
erster, und die Oberfläche der Erde war dann schon zur Hervorbringung einer
größeren Menge von großartigen Bäumen, Gesträuchen und Kräutern fähig. Bei
dieser Gelegenheit war auch schon wenn nur wenigen, aber dafür großen Tieren
das Entstehen möglich.
[HiG.03_64.04.08,18] In dieser Periode
bildeten sich nach und nach besonders in den hohen Erhöhungen des früheren
Meeresbodens – welche wir nun schon als die Urgebirge der Erde bezeichnen
wollen – großartige kristallinische Bildungen, dem heutigen Tropfstein ähnlich.
Und durch diese Bildung und durch die Pflanzen wurde denn auch der Grund zu
allerlei metallischen Bildungen gelegt, worunter in jener Zeit vor allem das
Gold den Anfang machte, besonders in jenen Teilen der Erde, die schon
anhaltender von den Strahlen der Sonne beschienen werden konnten.
[HiG.03_64.04.08,19] Dieser Periode folgte
bald eine vierte, der auch natürlich großartige Feuereruptionen vorangingen. Da
wurden diese vielen Bäume und Kräuter samt den Tieren wieder begraben und
verwesten auch sehr wenig, wurden bald mit Wasser, bald mit Schlamm überdeckt
und werden noch heutigentags als Erdkohle in weiten Ausdehnungen hin
aufgefunden. In manchen Ländern hat man auch Gerippe jener Urwelttiere
aufgefunden und sie mit Namen belegt.
[HiG.03_64.04.08,20] Nach dieser Periode kam
– nach einer verhältnismäßig langen Zeit – wieder eine Vorbereitungsperiode,
welche schon im hohen Grade produktiv geworden ist. In dieser entstehen schon
eine ungeheure Menge von Pflanzen und Tieren sowohl im Wasser wie auf dem
Trockenen der Erde und in der Luft, und so endet diese Periode.
[HiG.03_64.04.08,21] Und da sehen wir auch
schon den ersten Menschen und nach ihm in kaum zweitausend Jahren eine sechste
Erdveränderungsperiode, in der ihr selbst noch lebt. Und daß sich die
Produktivität der Erde durch alle diese euch bekannten sechs Perioden in einem
ungeheuren Maße in der verschiedenartigsten Weise gemehrt hat, davon zeugt
alles gegenwärtige Gewässer der Erde, ihre trockene Oberfläche und die Luft.
[HiG.03_64.04.08,22] Und nun geht die Frage
also um die Urstoffe alles dessen, was nun in und auf der Erde, in den
Gewässern und in der Luft sich befindet, besteht und fortpflanzt.
[HiG.03_64.04.08,23] Da wird sich jemand
denken, um diese Fragen zu beantworten, werden sehr viele Worte nötig sein. O
mitnichten! Denket nur, woher die Erde stammt und was sie alles von ihrer
großen Mutter als Erbe mitgebracht hat, so werdet ihr leicht einsehen, aus
welcher Quelle solches alles auf dieser Erde entstehen und bestehen kann.
[HiG.03_64.04.08,24] Jeder eigentliche
Urstoff ist gebundenes Geistiges, und wie es irgend frei wird, wird es in
seiner Art auch tätig und bildet sich seine Form und seine Beschaffenheit mit
steter Ein- und Beiwirkung eines entsprechenden jenseitigen Geistes. Diesen
Geist wollen wir positiv-elektromagnetisch nennen und ihm auch den Namen Sideralgeist
beilegen; jenen in der Erdmaterie, sowohl des festen Erdreichs wie des Wassers
sowie der Luft, wollen wir den negativ-elektromagnetischen Stoff nennen oder
den gerichteten diesirdisch gebundenen Naturgeist, der durch seinen
entsprechenden jenseitigen Sideralgeist erst geweckt und in die seiner ihm
innewohnenden Intelligenz entsprechende Tätigkeit gesetzt wird.
[HiG.03_64.04.08,25] Da diese naturgeistig
partikulären oder speziellen Intelligenzen aber ebenso vielfältig und
mannigfach sind, als wie vielfältig und mannigfach sie in der Urzentralsonne
vorhanden sind, aus welcher alle Sonnen und andern Weltkörper in dieser
Hülsenglobe abstammen, – so gibt es auch eine ebenso große Anzahl der positiven
Sideralgeister, durch welche die in dieser Erde haftenden Naturgeister nach und
nach zur stets freieren Tätigkeit geweckt werden. Die Intelligenz eines
diesirdischen Naturgeistes ist immerhin nur eine einfache, wird aber durch den
Sideralgeist zu einer vielfachen. Nehmen wir die gebundensten Geister im Mineralreich
an. Sie würden aus sich auch nur höchst einfache und einstoffige
Zusammenklumpungen hervorbringen; aber durch die auf sie einwirkenden
entsprechenden Sideralgeister werden sie gewisserart in ihrer Intelligenz
erweitert, sie werden gewisserart fühlend und in ihrer Art sehend und fangen
an, von dem unendlich Vielen, was in der Erde aus der Ursonne schon vorhanden
ist, das ihnen Zusagende zu sammeln und an sich zu ziehen, und sehet: Auf diese
Weise entstehen dann die verschiedenartigen Mineralien, Metalle und edlen
Steine, die gewisserart, materiell genommen, die Augen dieser Geister bilden
und sich die Einwirkung des Lichtes aus der Sonne und aus zahllos vielen
anderen Gestirnen zunutze machen.
[HiG.03_64.04.08,26] Fraget nun nach den
Elementar-Urstoffen all der vielen Mineralien und der Metalle und ihr werdet
überall dieselben finden, nur in dem Verhältnisse: Im Wie-viel-Mehr oder
-Weniger des Positiven und ebenso des Negativen liegt der Unterschied, und das
Plus oder Minus des einen oder des andern geht selbstverständlich ins
Unendliche. Daher ihr auch die Produkte wie bei den Mineralien so noch ins
ungeheuer Vervielfältigte und ins Mannigfaltigste gehend beim Pflanzenreich
antreffen werdet.
[HiG.03_64.04.08,27] Aus dem negativen
Prinzip entsteht durch die Erweckung des Sideralgeistes die eigentliche Wurzel
und der Stamm der Pflanze und selbstverständlich die lebendig werdende
diesirdische Naturseele. Diese aber wird durch den Sideralgeist in ihrer
Intelligenz- und Tätigkeitssphäre vervielfältigt und bildet alles das, was ihr
an irgendeiner Pflanze über den Erdboden hinaus ersehet. Alles ist also nichts
anderes als eine Wirkung des Minus und des Plus der beiden sich stets mehr und
mehr vereinenden Geister.
[HiG.03_64.04.08,28] Wie in der Pflanzenwelt,
so ist es auch in der höheren Stufe, im Tierreich. Die Gesamteinung aller
dieser spezial-seelischen Intelligenzen mit ihrem jenseitigen Sideral- oder
Lichtgeiste geht aber erst im Menschen vor sich, bei dem es auch, besonders in
seiner moralischen Sphäre, auf das Plus oder Minus, entweder von unten oder von
oben, am allermeisten ankommt. Endlich müssen freilich alle – was von oben
herrührt – ins Plus überkommen, aber es wird dazu auch eine hübsch lange Zeit
erforderlich sein. Wo aber beim Menschen das geistige Plus von oben schon
vorherrschend ist, da wird eine Vollendung sowohl dies- als jenseits gar leicht
und bald möglich sein, je nach dem Grade des Liebefeuers der beiden geistigen
Lebenspotenzen.
[HiG.03_64.04.08,29] Aus dem euch nun hier
Mitgeteilten habt ihr alles, was eure Fragen in sich fassen, und noch um sehr
vieles darüber. Die Naturkunde und gegenwärtige Chemie aber kann ewig arbeiten,
so wird sie zu diesem Endresultate dennoch nie gelangen. Denn fürs erste hat
sie kein Bindungsmittel, um die negative und positive Elektrizität zu einem
festen Körper zu verbinden, und noch weniger zur Hervorbringung des einen oder
des anderen Elements das Mittel, um das Plus oder Minus miteinander zu
verbinden, und so ist sie genötigt, das Bestehende zu zerlegen, aber vermag
nichts Neues daraus zu schaffen.
[HiG.03_64.04.08,30] Man kennt die
Bestandteile des Wassers. Aber man säe in ein und dieselbe Erde tausenderlei
Pflanzen und begieße sie mit dem gleichen Wasser, und aus jedem Samenkorne wird
seinem inneren Geiste entsprechend die betreffende Pflanze hervorwachsen. Worin
besteht der Urstoff einer jeden? In nichts anderem als in dem Plus oder Minus
dessen, was Ich euch gezeigt habe.
[HiG.03_64.04.08,31] Ein Tiefereres und
Innereres kann Ich euch nicht kundgeben, indem Ich euch hiermit ohnedies das
für euch möglich Faßliche kundgegeben habe. Begnüget euch darum mit dem in
Meinem Namen. Amen. –
Über das Wesen des Phosphors. – 10. April
1864, nachmittags.
[HiG.03_64.04.10] Auf eine Anfrage des
Apothekers Leopold Cantily. Schreibender: Leopold C.
[HiG.03_64.04.10,01] Wo kommt denn der
Phosphor am allermeisten vor? Sicher nur in jenen Erdstrichen, wo die positive
oder sideralische Elektrizität am meisten daheim ist, von welcher dann in einem
geringen Teil sogar die Mineralien und noch mehr die Pflanzen und am meisten
die Tierarten, der Mensch dem Fleische nach nicht ausgenommen, durchdrungen
werden und sich in diesen Körpern durch die Anwesenheit des Kalkes und des aus
dem Kalke hervorgehenden Salzes in eine Verbindung setzen und gewisserart
körperlich werden.
[HiG.03_64.04.10,02] Auf der südlicheren
Erdhälfte, beinahe tausend Meilen unter dem Äquator, werdet ihr Phosphor weder
in den Mineralien noch in den Pflanzen und Tieren antreffen, aber desto
häufiger und intensiver auf der nördlichen Erdhälfte, und zwar am intensivsten
in der halben nördlichen heißen und gemäßigten Zone. In der mehr und mehr
kalten Nordzone findet er sich zwar wohl auch noch vor, aber weniger mit den
Körpern als mit der Polarluft im Vereine, wo er sich dort mit dem Sauerstoff
leicht und gerne verbindet, aber auch nur bis zu einem gewissen Grade. Denn ist
die Nordluft und ihr großer Sauerstoffgehalt einmal zu übersättigt, so ist er
entzündbar und ist das eigentliche leuchtende Element beim Erscheinen des sogenannten
Nordlichtes. Es wird zwar von ihm eine große Portion vom Nordpol selbst
verzehrt, weil er die eigentliche Hauptnahrung der Erde ausmacht; aber
dessenungeachtet bleibt noch eine übergroße Dosis mit der den Sauerstoff
reichhaltig enthaltenden atmosphärischen Luft übrig und entzündet sich durch
die schwere Masse und durch den ausübenden Druck der Luft, welche Erscheinung
den Bewohnern der Nordländer in der langen Winternacht sehr gut zustatten
kommt.
[HiG.03_64.04.10,03] Die Erscheinung des
Nordpolarlichtes wird darum in den Südpolarländern und namentlich gegen den
Südpol zu nie statthaben. Es kommt zwar dort auch bläuliches Leuchten hie und
da vor, aber nicht in der Weise wie in den Polarländern, sondern in Gestalt von
bläulich-violett oder grünlich leuchtenden Kugeln, die gleich den
Leuchtmeteoren – die sich hier aus den Sümpfen erheben und wieder in diese
niedersinken – sich dort auch aus der Tiefe erheben, eine Zeitlang auf der
Oberfläche dahinfahren und bald wieder in die Tiefe hinabsinken, ähnlich auch
so manchen Sternschnuppen, die ihr auf dieser nördlichen Erdhälfte schon zu
öfteren Malen in der Luft habt dahinschweben sehen und bis auf die Färbung
beobachtet haben werdet. Die weißere Färbung rührt auch hier von dem
vorhandenen Phosphor in der Luft her.
[HiG.03_64.04.10,04] Daß die Luft das erste
Aufnahmeorgan für diesen ursideralischen Stoff ist, könnet ihr an vielen
Erscheinungen beobachten. Ihr dürft die Luft nur irgendeinem übermäßig starken
Drucke preisgeben, so wird sich die positive Elektrizität oder der
ureigentliche Phosphor in ihr entzünden und seine sideral-geistige Kraft zu
erkennen geben. Die Elektrisiermaschinen geben dem schon seit lange her ein
Zeugnis. Denn durch das Herumdrehen einer Glasscheibe oder eines Glaszylinders
oder auch eines Harzkuchens mit einer dazu eigens bereiteten Platte, welche die
Verbindung mit dem Glase oder Harzkuchen herstellt, wird die dazwischenkommende
Luft gedrückt, und der in ihr leicht entzündbare Phosphor wird besonders von
metallenen Spitzen angezogen und kann durch eine weitere Leitung in den
gewissen Flaschen angesammelt werden, d.h., wenn sie innen ebenso wie auch
außen mit Metall belegt sind. Auf die gleiche Weise entzündet sich der in der
Luft überschwenglich vorhandene sideral-elektromagnetische Stoff ebenfalls nur
durch die Reibung der gegeneinander strömenden Luft, und ihr habt diesem Stoffe
die gefürchteten Blitze und den Donner zu verdanken.
[HiG.03_64.04.10,05] In der heißen Zone nimmt
dieser Stoff einen oft sehr gefährlichen und verheerenden Charakter an,
besonders in jenen Gegenden, die wenig oder gar keine Gebirge, kein Wasser und
auch keine Pflanzenvegetation besitzen. Denn er ist dann der eigentliche
zerstörende und verheerende heiße Flammenwind, den die Reisenden solcher
Gegenden nicht selten zu verkosten bekommen haben und man nachher wie noch bis
heute ganze Karawanen mit dem heißen Wüstensande bedeckt wie verkohlt
angetroffen hat.
[HiG.03_64.04.10,06] Dieser Stoff gibt sich
auch zu erkennen, wenn man zwei harte Körper aneinander reibt oder stößt.
Wieder gibt sich dieser Stoff auch nicht selten auf der Oberfläche des Meeres
in einer weiten, unabsehbaren Fläche durch das euch bekannte Meeresleuchten
kund, bei welcher Gelegenheit sogar Stricke und andere Gegenstände, die mit dem
Wasser in Berührung kommen, zu leuchten anfangen. Desgleichen gibt sich dieser
Stoff besonders an langen und heißen Tagen auch kund an einer Menge Art von
Insekten und Würmern, die vermöge ihrer körperlichen Beschaffenheit und
Einrichtung die Eigenschaft haben, solch einen Stoff gleich einer kleinen
elektrischen Leidener Flasche an sich zu ziehen.
[HiG.03_64.04.10,07] In Asien, Afrika und in
der arabischen Wüste kommt ein größeres Insekt vor, wie auch im nördlichen Teil
Amerikas, das man den Laternenträger nennt. Wenn es zur Nachtzeit auffliegt,
beleuchtet es wie ein Kerzenlicht die Umgebung, und die Araber fangen solches
Insekt nicht selten und gebrauchen es zur Beleuchtung ihrer finsteren Hütten,
die gewöhnlich aus einem Filz und Kamelhaaren angefertigt sind. In den mehr
tropischen Gegenden dienten daher auch ein paar trockene aneinandergeriebene
Holzstücke zum Feueranmachen, und man könnte sich mit diesem Mittel auch am
Ende hier im Notfall ein Feuer anmachen, aber freilich nicht mit so geringer
Mühe wie in den tropischen Ländern.
[HiG.03_64.04.10,08] Nun wißt ihr, was im
Grunde des Grundes der Phosphor, der zumeist in den Knochen der Tiere und auch
der Menschen vorhanden ist, für ein eigentlicher Stoff ist. Es wäre jetzt nur
noch eine Frage ganz kurz zu stellen und zu beantworten: nämlich warum dieser
Urstoff in den tierischen und menschlichen Knochenteilen in der Jetztzeit als
besonders vorherrschend angetroffen und durch die Wissenschaft der Chemie fast
rein in körperlicher Form gewonnen wird und der Zusatz, wie schon bemerkt, bloß
in etwas Sauerstoff in Verbindung mit Urkalk, der eigentlich die Hauptgrundlage
für das menschliche Knochensystem ausmacht, besteht.
[HiG.03_64.04.10,09] Diese Frage zu
beantworten ist ganz leicht. Sehet, jene Vorwelttiere, die präadamitischen
Menschen mit eingerechnet, hatten sehr wenig Phosphorgehaltes in sich, dafür
aber desto mehr Kohlensauerstoff in Verbindung mit dem Urkalk. Daher verwesten
sie in der Erde auch ganz schwer und langsam, und ihre Knochen aber gar nicht,
sondern gingen in eine Art Versteinerung über. So auch die präadamitischen
Menschen, wenn man sie so nennen will.
[HiG.03_64.04.10,10] Nun aber die Erde nach
allen Richtungen hin dem Einflusse und dem Zuströmen der Sideralgeister
allenthalben und zum größten Teile freigestellt ist, so hat sich dieser Urstoff
auch in einem außerordentlich reichen Maße mit der atmosphärischen Luft der
Erde in eine ununterbrochene Verbindung gesetzt. Und dieser Stoff ist dann der
kräftige Mithelfer, daß tierische und menschliche Leichname um so leichter und
um so schneller verwesen, wodurch dann die Seele, besonders des Menschen, um so
eher mit dem sich vereinen kann, was ihr Leib aus der Sphäre des
Sideralgeistigen und darum der Seele Angehörigen in sich hatte. Und ihr werdet
jetzt nicht mehr so leicht versteinerte Tierknochen aus der jüngeren Zeit
irgendwo antreffen.
[HiG.03_64.04.10,11] Das Hauptvaterland des
Phosphors sind und bleiben demnach von der Urzentralsonne angefangen auch alle
anderen Sonnen in einer und derselben Hülsenglobe, und mehr braucht ihr über
den Stoff nicht zu wissen. Darum diene euch das zur mannigfachen Belehrung als
genügend. Amen.
Über die Evangelien. – 24. April 1864, von 4
Uhr nachmittags bis 6 3/4 Uhr abends.
[HiG.03_64.04.24,01] Gelt ja, du Mein lieber
Knecht, der auf einem Ohr taube Bär in deinem Traume hat dich auf einen
großartigen evangelischen Widerspruch geführt, auf den du früher, von deiner
Kindheit an, trotz deines oftmaligen Durchlesens des Neuen Testaments nicht
gekommen bist.
[HiG.03_64.04.24,02] Ich Selbst hätte dich in
der Folge schon aufmerksam darauf gemacht. Aber besser ist es für dich und auch
für viele andere, daß diese Sache schon jetzt an das Tageslicht gekommen ist,
auf daß ein jeder erkenne und einsehe, daß Ich im Geiste nun wieder ganz
besonders wahrnehmbar auf diese Erde gekommen bin, um die letzten Arbeiter in
Meinen Weinberg zu dingen und aufzunehmen. Und diese Arbeiter sind eben die
Weltklugen und weltweisen Philosophen, die sich soeben in dieser Zeit
vollernstlich die Mühe nehmen, Mich, wie Ich unter den sogenannten christlichen
Sekten jetzt bestehe, ganz auszumerzen und zu vertilgen samt jenen Evangelien,
die erst zwei- bis dreihundert Jahre nach Mir das geworden sind durch
heidnische und jüdische Machinationen, was sie jetzt noch sind.
[HiG.03_64.04.24,03] Die blinde Menschheit,
die nichts prüft und noch nie etwas geprüft hat, glaubt teilweise noch jetzt an
ein solches zum größten Teil heilloses Machwerk in Meinem Namen.
[HiG.03_64.04.24,04] Ich will deswegen weder
den Lukas, Markus noch Matthäus richten; denn sie haben sich zu ihrer Zeit zum
wenigsten die Mühe gegeben, aus dem vielen schon vielfach Verunstalteten Meiner
Lehre das Reinste und Beste herauszusuchen. Aber was die materiellen Fakta
anbelangt, da haben zum Teil sie selbst gedichtet und zum größten Teil mußten
sie dann doch am Ende aus dem etwas nehmen, was sie aus dem Munde solcher
Menschen vernommen haben, die da oft genug dreist und keck vorgaben, daß sie
von diesem und jenem Augen- und Ohrenzeugen waren. Darauf verglichen sie das
mit den ihnen bekannten Stellen aus den alten Propheten und fanden es
übereinstimmend, was sie geschrieben haben, und damit war für sie das Kriterium
für die Wahrheit dessen, was sie niedergeschrieben haben, vollkommen fertig und
gültig.
[HiG.03_64.04.24,05] Wenn es mit diesen
Evangelien noch bei dem geblieben wäre, so wäre es allerdings noch um vieles
besser, als es jetzt ist. Denn in diesen Evangelien stand viel zu wenig des
Wunderbaren, des Grausamen und des Schrecklichen für die Menschheit, daher man
es später für notwendig gefunden hat, besonders zum Teil unter den
Judenchristen, Griechen und Römern schon hundert Jahre vor der großen
Kirchenversammlung zu Nicäa, viele Beisätze zu machen – besonders jene, die
stark nach Wundern riechen und die ein stark strafgerichtliches Gesicht haben,
um Mich als den Beglücker der Menschen, der den Menschen nichts so teuer ans
Herz gelegt hat als die Liebe und die Wahrheit, gerade zum Gegenteil zu machen.
[HiG.03_64.04.24,06] Ich habe nie gegen die
rechte Wissenschaft der Menschen geeifert, sondern habe bei vielen
Gelegenheiten die Menschen über gar vieles belehrt, darin sie früher in der
vollen Unwissenheit und Blindheit gestanden sind; darum Mich denn auch die betrugssüchtigen
Pharisäer am meisten haßten, weil Ich das Volk in allem belehrte, worin sich
früher die Pharisäer die größte Mühe gegeben haben, das Volk nach Möglichkeit
zu verdummen zu ihren losen Zwecken.
[HiG.03_64.04.24,07] Und sie haben es auch
wirklich dahin gebracht, daß so ein hoher Priester Hannas oder Kaiphas, um das
Volk zu größerer Opferwilligkeit zu bewegen, im Tempel mit grimmiger Stimme
ausgesagt hat, daß im Bache Kydron drei Tage lang nichts als Blut fließen müsse
und die Sonne einen ganzen Tag hindurch nicht scheinen dürfe, das Volk solchem
Unsinne geglaubt hat, sich aus lauter Furcht vor solcher Strafe in ihre
innersten Zimmer verkroch, und wenn die Strafzeit vorüber war, voll Furcht,
Angst und Zittern den Kydron besichtigen ging, ob noch Blut fließe. Und hatte
der Kydron sein natürliches Wasser, so hatte das Volk nichts Emsigeres zu tun,
als schwere Opfer in den Tempel zu bringen und diese den Priestern vor die Füße
zu legen.
[HiG.03_64.04.24,08] Die Sonne hat freilich
auch an einem solchen Tage fortgeschienen und im Bache Kydron ist kein Tropfen
Blut geflossen, wovon sich die gescheiten Juden wohl selbst überzeugt haben und
darüber auch die armseligen und zu abergläubischen gemeinen Juden belehren
wollten, aber meistens ohne Erfolg; denn diese haben in ihrer Einbildung und
Furcht Blut fließen und auch die Sonne nicht scheinen sehen einen ganzen Tag
lang.
[HiG.03_64.04.24,09] Und wie das gemeine Volk
zu jeder Zeit in dem allerblindesten Aberglauben sich befand, so befindet es
sich heutzutage auch noch. Ihr könnt solchen Menschen die absurdesten
Wundermärchen erzählen, und sie werden sie glauben. Und so es diese ihren
Nachbarn weitererzählen, so werden diese noch vieles hinzusetzen und es auch
noch ins Wunderbare verkehren, was ihnen von seiten des ersten Erzählers etwas
zu wenig wunderbar vorgekommen ist. Aber von irgendeiner Wahrheit ist mit ihnen
nichts anzufangen.
[HiG.03_64.04.24,10] Darum war es auch zu
Meiner Zeit überaus schwer, die eigentlichen Stockjuden zur Erkenntnis der
Wahrheit zu bringen; es mußte denn ein Wunder geschehen, durch das sie von
ihrem Schlafe wachgerüttelt wurden und dann bei sich ein wenig nachzudenken
anfingen, was Ich mit dem oder jenem gesagt habe.
[HiG.03_64.04.24,11] Ich habe aber den
Aposteln schon zu Meiner Zeit zu mehreren Malen gesagt, daß sie bei
Weiterverbreitung Meiner Lehre viel weniger von Meinen Wundern als vielmehr von
der inneren Wahrheitstiefe Meiner Lehre reden und predigen sollen.
[HiG.03_64.04.24,12] Nur der einzige,
Johannes, blieb dieser Mahnung getreu, alle die andern um vieles weniger; sie
fingen lieber gleich bei den Wundertaten an und fingen dann erst vom Reiche
Gottes und der inneren Wahrheit zu reden an, so die Zuhörer schon vorher mit
den Wundertaten umgarnt waren.
[HiG.03_64.04.24,13] Die Sucht, Wunder zu
erzählen, stieg dann von einem Dezennium zum andern so sehr, daß eine große
Anzahl von teils geschriebenen und noch mehr von den traditionellen Evangelien
derart anwuchs, daß daraus kein Mensch mehr klug werden konnte.
[HiG.03_64.04.24,14] Lukas wie auch der
Pseudo-Evangelist Matthäus (l'Rabbas) haben ihre Evangelien eben nicht gar zu
sehr viele Jahre nach Mir aufzuzeichnen angefangen und haben sich aber dennoch
in manchem derart verstiegen, daß am Ende unter ihnen selbst in so manchen ganz
wichtigen Dingen der größte Widerspruch ans Tageslicht kommen mußte.
[HiG.03_64.04.24,15] Vom Prüfen war in jener
Zeit ohnedies keine Rede; denn ein jeder Evangelist hatte seine gewissen Leser
und Zuhörer und hat sich um einen andern Evangelisten wenig gekümmert, und die
Evangelisten selbst hielten sich auch nur an das, was sie niedergeschrieben
hatten und hatten sogar mitunter eine rechte Freude daran, so ein anderer
Evangelist das in seinem Evangelium nicht hatte, was der eine oder der andere
in seinem Evangelium besaß.
[HiG.03_64.04.24,16] So kümmerte sich denn
auch l'Rabbas wenig oder gar nicht um den nach dem achten Tage der Geburt im
Tempel beschnittenen Jesus, und so auch nicht um die drei Weisen aus dem
Morgenlande und um die Flucht nach Ägypten und den grausamen Kindermord durch
Herodes in Bethlehem.
[HiG.03_64.04.24,17] L'Rabbas
(Pseudo-Matthäus) hat solche Kunde zu Tyrus und Sidon erhalten und hat sie auch
aufgezeichnet, aber da er selbst, wenigstens ehedem, mehr Heide als Jude war,
so kümmerte er sich auch wenig um die Beschneidung des Kindes Jesus. Und so
weisen diese beiden Evangelisten einen der merkwürdigsten Widersprüche unter
sich auf, während sie in vielen andern Stücken bis auf die Orts- und Zeitangabe
miteinander harmonieren.
[HiG.03_64.04.24,18] Nach Lukas besteht
sodann ein allen jüdischen Gesetzen und Gebräuchen vollkommen entsprechend
beschnittener Jesus, der zu Bethlehem in einem Schafstalle geboren und nur von
den Hirten begrüßt wurde, den Besuch von den drei Weisen aus dem Morgenlande
gar nicht erhielt, nicht nötig hatte, nach Ägypten zu fliehen, sondern dafür
ganz gemütlich nach Nazareth zurückzukehren und daselbst ganz ruhig sein
zwölftes Jahr ohne irgendwelche Verfolgung von seiten des Herodes abzuwarten
und dann mit seinen Eltern nach Jerusalem eine Wanderung zu machen.
[HiG.03_64.04.24,19] Bei Matthäus sehen wir
Jesus in einem ordentlichen Hause zur Welt kommen, der von den Hirten nicht
begrüßt wird, dafür aber von den drei Weisen aus dem Morgenlande, von denen dem
Lukas in seinem Evangelium nichts geträumt hatte, wie auch gar nichts von der
Flucht nach Ägypten, nichts von dem grausamen Kindermorde zu Bethlehem durch
Herodes und auch nichts von der Rückkehr Jesu aus Ägypten nach Galiläa unter
dem Könige Archelaus. Dafür aber hatte dem Matthäus von der Beschneidung Jesu im
Tempel nach acht Tagen und von so manchem andern, was da vor sich gegangen ist,
nichts geträumt. Und so habt ihr nach den Schriften dieser beiden Evangelisten
einen beschnittenen Juden-Christus und einen unbeschnittenen Heiden-Christus!
[HiG.03_64.04.24,20] Mit dem zwölften
Lebensjahre Jesu fangen die beiden Evangelisten wieder an einstimmig zu werden
bis auf einige minder bedeutende Nebenumstände.
[HiG.03_64.04.24,21] Nun frage sich ein
jeder: Welcher von den beiden Evangelisten für sich ist da bei der Wahrheit
geblieben? Und die Antwort darauf lautet: An und für sich keiner! Denn ein
jeder gab nur von dem Kunde, von dem er reden gehört hatte. In Jerusalem
getraute sich niemand aus Furcht vor der Strafe von der übermäßigen Grausamkeit
des Herodes zu reden; zu Sidon und Tyrus im damaligen Cölesyrien aber haßte man
Herodes mehr als den Tod und verschwieg seine Grausamkeiten nicht, wie auch die
Veranlassung nicht, die ihn zu dieser geführt hatte.
[HiG.03_64.04.24,22] In gleichem Maße würdet
ihr bei genauer vergleichender Durchlesung der beiden Evangelien noch auf so
manche gar bedeutende Widersprüche und Unebenheiten gelangen, die sich aber
dennoch eher in einem gewissen Grade ausgleichen und berichtigen lassen als der
jüdisch beschnittene und heidnisch unbeschnittene Jesus.
[HiG.03_64.04.24,23] Darum muß aber eben in
dieser Zeit sowohl der alte und noch mehr der neue sich in allem Mir
widersprechende Unsinn aus diesen Evangelien völlig ausgemerzt werden – und Ich
Selbst mit ihm, auf daß das einzige und bleibend wahre Evangelium Johannes in
sein volles Licht trete.
[HiG.03_64.04.24,24] Denn ein jeder wird es
leicht verstehen und begreifen, daß Ich unter dem Gesichtspunkte dieser vier
nun bestehenden Evangelien und auch so mancher Briefe des Paulus und der andern
Apostel für die Länge der Zeit nicht mehr bestehen kann, weil darin ein jeder
vorkommende Widerspruch Mich vor den Gelehrten der Welt Selbst zum Widerspruche
macht – gleich also wie bei den gegenwärtigen Christensekten, von denen auch
jede Sekte ihren eigenen Christus hat, der sich die Freiheit nimmt, jeden
andern Christus einer andern Sekte kreuz und quer zu verdammen.
[HiG.03_64.04.24,25] Wer das nicht glauben
will, der sehe nur irgend wenigstens die katholischen Übertrittsformeln an, so
zum Beispiel ein Protestant in die katholische Kirche übertreten will, lese
sie, und er wird sich von dieser gegenseitigen Christusverdammnis vollkommen
überzeugen, denn in der muß der Übertretende seine noch protestantischen
Eltern, seine Geburt mit allem und jedem und auch alle seine protestantischen
Glaubensdinge bis in den tiefsten Grund der Hölle verdammen; dann erst wird er
in die Gemeinschaft der Gläubigen Roms unter allerlei Zeremonien aufgenommen.
[HiG.03_64.04.24,26] Und so steht es zumeist
zwischen den Hauptsekten. Wie soll da einmal ein Hirt und eine Herde werden, wo
die Sekten-Christusse selbst ärger übereinander erbost sind als die reißendsten
und wildesten Tiere der Wälder?
[HiG.03_64.04.24,27] Also alles das muß weg,
und dafür habe Ich schon die Arbeiter in Meinem Weinberge bestellt, und sie
arbeiten emsig und fleißig, und es werden bald gar viele noch nach ihnen
kommen, die noch emsiger, fleißiger und wirksamer arbeiten werden, auf daß dann
Ich in der Wahrheit zu den Menschen kommen kann als wahrer Christus und Gott
von Ewigkeit – und nicht als solcher wie jetzt, der Ich nach dem Wohlgefallen
einer jeden Sekte im ganzen nichts anderes zu tun habe, als in einem fort zu
richten und zu verdammen und nur diejenigen im Himmel beglücken und beseligen
kann und darf, die von ihren Sektenvorstehern und Stellvertretern Gottes dazu
als würdig und fähig befunden werden.
[HiG.03_64.04.24,28] Wer sich zum Beispiel in
der Gnade eines solchen Gottesstellvertreters, besonders durch ausgezeichnete
Opfergaben, befindet, der muß sich dann – nach ihrer Lehre – auch in Meiner
Gnade befinden! Ihr sehet das nun wohl selbst ein, daß sich ein solch heilloser
Unsinn, nachdem Ich einmal als Blitz am Firmamente aufgegangen bin, für die
Folge hin trotz aller Konkordate nicht mehr halten kann.
[HiG.03_64.04.24,29] Darum lassen wir der
Wissenschaft nun ihren vollen Spielraum; denn sie ist nun ein wirksames
Feginstrument, um den Unrat aus der Welt zu schaffen, und ist zugleich ein
kräftiger Riese Herkules, der den großen Stall des Augias von seinem Miste zu
reinigen verstand, was als eine gute Fabel des urgrauen heidnischen Altertums
noch in dieser Zeit ganz gut zu gebrauchen ist.
[HiG.03_64.04.24,30] Dieses nun euch Gezeigte
und Gegebene überdenket wohl und lasset euch damit erleuchten; denn es ist euch
gegeben von Mir, dem allein wahren Christus, und von keinem Pseudo-Christus,
dem die Wahrheit ein verdammlicher Greuel ist. Amen.
Die Entstehung des Neuen Testaments –
geschichtlicher Überblick. – 25. April 1864, von 11 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags.
[HiG.03_64.04.25,01] Ich habe dich schon
gestern auf eine Menge anderer kleiner Widersprüche aufmerksam gemacht, die
sich in den drei Evangelien des Matthäus, Lukas und Markus begegnen. Und Ich
will dich noch auf einige andere aufmerksam machen, die sich in der späteren
Zeit nicht nur unter diesen bekannten drei Evangelisten, sondern noch bei
weitem mehr unter der Menge der andern, sowohl jüdischen als auch heidnischen
Weiterverbreiter Meiner Lehre, die man auch Evangelisten nannte, in den verschiedenen
Gemeinden derart eingewurzelt haben, daß schon in kaum dreißig Jahren nach Mir
wegen der Verschiedenheit der Aussagen in den Schriften von Mir förmliche
Kriege und sonstige Schlägereien sich erhoben haben – unter denen gleich jene
zu Neros Zeit in Rom zwischen den vielen Judenchristen und paulinischen
Heidenchristen derart feindselig ausgebrochen sind, daß es Nero notwendig
erschien, die große und überwiegende Anzahl der Judenchristen in Rom samt einem
großen Anteil der von ihnen bewohnten Stadt zu vertilgen und sogar jener Römer
nicht zu schonen, die das Panier des Judenchristentums gewisserart als
Kennzeichen öffentlich zur Schau trugen.
[HiG.03_64.04.25,02] Aber es hat auch selbst
diese grausame Verfolgung der Judenchristen von seiten Neros wenig gefruchtet;
denn unter den späteren Nachfolgern dieses Kaisers wußten sich die Juden
dennoch wieder in Rom einzuschmuggeln und machten aus Rom ein zweites Jerusalem
gleichwie die Griechen aus Konstantinopel. Und wie das geschehen war, so wurde
besonders das römische Jerusalem (Rom) stets mächtiger und mächtiger und
fabrizierte sich – zum Teil aus den Judenevangelien und zum Teil aber auch mit
der Annahme der alten jerusalemischen Tempelgebräuche und auch mit der der
römischen Heiden – das, was das römische Pontifikat betroffen hat.
[HiG.03_64.04.25,03] Die Römer waren demnach
im Besitze aller möglichen Judenevangelien sowie der alten Judenschriften und
auch der Heidenevangelien und stellten da gewisse gelehrte Kirchenväter auf,
welche die Hauptfabrikanten der römischen Dogmen waren, die aber den
griechischen Evangelien oft schnurstracks entgegen standen, – und das um so
leichter und um so mehr, weil der römische Oberhirte nichts Emsigeres zu tun
hatte, als auch die Griechen mit seinen Missionaren zu beschicken, was nach 300
Jahren (325) nach Mir unter den Gläubigen eine solche Verwirrung hervorgebracht
hatte, daß da viele der Griechen wieder anfingen, die heidnischen Altäre und
Tempel aufzurichten und darin (in den Tempeln) der Göttin Minerva, dem Gott
Apollo, dem Jupiter und der Ceres ihre Opfer darzubringen.
[HiG.03_64.04.25,04] Kaiser Konstantin, der
für sich ein eifriger Christ war, beschloß diesem Unfuge dadurch Schranken zu
setzen, daß er in der Stadt Nicäa als dem Hauptsitze der verschiedensten
Glaubensmeinungen eine große Kirchenversammlung zusammenberief, zu der auch der
Oberbischof von Rom geladen wurde. Konstantin selbst führte den Vorsitz und
zeigte ihnen die üblen Folgen, die sich in jüngster Zeit aus der großen
Glaubensverschiedenheit über Christum erheben müssen.
[HiG.03_64.04.25,05] Er schlug ihnen denn
eine vollkommene Sichtung sowohl der vielen geschriebenen Evangelien, wie noch
mehr jener der traditionellen vor und sagte, daß man aus den vielen sich
einander völlig widersprechenden Evangelien nur eines einzigen, und zwar dessen
des Johannes sich bedienen soll, damit die Christen im Glauben einig würden und
sich nicht mehr wegen der Glaubensverschiedenheit gar so verfolgten wie die
wilden Tiere – und die Heiden lieber wieder zu ihrem alten Heidentume
zurückkehrten, als so verbleiben unter einer solchen Lehre, von der man bei dem
besten Wissen und Willen nirgendwo Wahres und Rechtes mehr erfahren kann.
[HiG.03_64.04.25,06] Denn so es in der
Christenlehre irgend einen Stifter gegeben habe, so muß er nur Einer gewesen
sein, der auch nur eine Lehre den Menschen überliefert hat. Und diese eine
Lehre muß einen Sinn und einen Geist haben. So aber gibt es schon seit lange
her eine große Menge geschriebener Evangelien und eine noch größere Menge der
von Mund zu Mund überlieferten, von denen ein jedes von seinem ganz eigenen
Christus spricht, der mit den andern Christussen nicht die geringste
Ähnlichkeit hat.
[HiG.03_64.04.25,07] Es werden demnach alle
die vielen Evangelien bis auf eines, welches wohl das älteste sein dürfte,
vollends zu verwerfen sein. Und so dieses von den Bischöfen nicht sollte
genehmigt werden, so werde er sich von dem Christentume ganz abwenden und
allenthalben in seinem großen Reiche das alte Heidentum wieder aufrichten
lassen, das für sich trotz der vielen Götter um vieles einiger war als ein
solches zerklüftetes Christentum. –
[HiG.03_64.04.25,08] Da schlugen ihm die
griechischen Bischöfe vor, daß die Namen Matthäus, Markus und Lukas auch in die
alte Christenzeit zurückfallen und nicht irgend doppelt oder auch noch mehrfach
unter einem und demselben Evangelisten-Namen erscheinen. Und der Kaiser
willigte dazu ein unter der Bedingung, daß man dazu auch die Lehre des
Heiden-Apostels Paulus in Anbetracht ziehen solle und mit ihr alle die andern
Evangelien fegen.
[HiG.03_64.04.25,09] Man machte ihn zwar
darauf aufmerksam, daß auch Paulus sich in seiner Lehre nicht immer gleich
geblieben sei, und er an die Heiden ganz andere Briefe schrieb und an die Juden
wieder andere, die sich im Sinne und Geiste nicht völlig ähnlich wären. Und
Konstantin sagte, daß dies eben nichts mache; denn Paulus habe doch am meisten
bewiesen durch Worte und Taten, daß er keinen falschen Christus predige,
sondern nur Den, dessen Geist ihm vor Damaskus wunderbar das Amt eines wahren
Apostels gegeben hat.
[HiG.03_64.04.25,10] Nach mehr als
dreißigjähriger Beurteilung verwarf man endlich doch alles bis auf die vier
noch gegenwärtig vorhandenen Evangelien samt der Apostelgeschichte des Lukas
und den Briefen des Paulus und einigen wenigen Briefen weniger alter Apostel
Christi mit der Offenbarung Johannis, schrieb das alles nach der Ordnung in ein
Buch und hieß es infolge der beiden Briefe des Paulus an die Hebräer: ‚Das neue
Testament‘ – welches dann von allen Bischöfen angenommen ward, das man aber in
späteren hundert Jahren darauf doch wieder dahin umgemodelt hatte, daß man den
Evangelisten Johannes in den Hintergrund schob und Matthäus, Lukas und Markus
voransetzte und auch in den Kapiteln und Versen eine kleine Abänderung machte
und überall vorzeichnete, an welchem Festtage ein oder das andere Evangelium
dem Volke vorzutragen sei, wonach sich die Griechen noch heutigentags richten
wie auch manche anderen christlichen Sekten.
[HiG.03_64.04.25,11] Rom aber hat für sich
dennoch eine eigene Einteilung gemacht und hat in den späteren Zeiten fürs Volk
ein kurzes Auszugs-Evangelium fabriziert für Sonn- und Feiertage. Das ganze
Evangelium wie auch die alten Bücher der Juden hat es dem Volke auf das
strengste verboten zu lesen und die Übertreter dieses Gebotes sogar mit dem
Tode bestraft.
[HiG.03_64.04.25,12] Auf diese Weise ist das
gegenwärtige Neue Testament entstanden und wurde nach und nach auch als solches
von den Christen angenommen vor ungefähr dreizehnhundert Jahren, das aber besonders
von den römischen Bischöfen noch allerlei Abänderungen und mitunter auch
eigenmächtige Zusätze erhielt, wie solche in der römischen Vulgata, besonders
aus den von den römischen Kirchenvätern herrührenden Exegesen zu ersehen und zu
erkennen sind und ein jeder nur ein wenig helldenkende Mensch es bald
innewerden kann, wessen Geistes Kinder sie sind.
[HiG.03_64.04.25,13] Da kommt besonders eine
solche Zusatzlehre vor, nach der die Seelen der Verstorbenen bis an den
Jüngsten Tag hin zu schlafen haben, welche Lehre man mit dem griechischen
Ausdruck Psychopanechia – d.i. Seelenschlaf – bezeichnete.
[HiG.03_64.04.25,14] Diese Lehre aber erhielt
sich nur so lange, bis ein Papst das heute noch bestehende römische Meßopfer
einführte und dieses mit allem Pomp den römischen Christen dahin erklärte: daß
es als ein unblutiges Opfer die vollends gleiche Kraft und Macht habe wie das
einstige blutige Opfer Christi am Kreuze, und daß sich also Christus auf diese
Weise wundersam für die wahren Christgläubigen der römischen Kirche Seinem
Vater im Himmel aufopfere, und daß ein rechtgläubiger Christ, der ein solches
Opfer zu seiner Heiligung mit der dafür (nötigen) Darbringung eines kleinen
diesweltlichen Opfers lesen lassen würde, alsogleich nach dem Tode des Leibes
ohne langen Seelenschlaf von Christus erweckt und zur ewigen Glückseligkeit
berufen werden könne. Und sei der Christ nicht ganz vollkommen, so könne er
mehrere solcher Opfer für sich darbringen lassen und würde dadurch der ewigen
Verdammnis entgehen und nach einer kleinen Läuterung jenseits im sogenannten
Fegefeuer dennoch in den Himmel gelangen.
[HiG.03_64.04.25,15] Also ging das Dogma vom
Seelenschlaf, mit dessen Beibehaltung das neu erfundene Meßopfer nichts
eingetragen hätte, nach und nach selbst schlafen wie auch jenes geradezu
lächerliche Dogma, das da ernstlich lehrte, daß Gott nur einen geringen Teil
der Menschen für den Himmel, den größten Teil derselben aber für die Hölle
erschaffen habe.
[HiG.03_64.04.25,16] Diese beiden dummen
Lehrsätze hat man mit der Zeit endlich ganz aufgehoben, aber dafür die
bekannten fünf Kirchengebote und etliche neu kreierte Sakramente eingeführt,
die Ich euch nicht eigens zu sagen brauche, da sie ein jeder an und für sich
leicht erkennt.
[HiG.03_64.04.25,17] Obschon dadurch die
christliche Lehre auf den strengen Rat des Kaisers Konstantin sehr vereinfacht
wurde, so ist aber dennoch des Kehrichts in überflüssiger Menge in ihr
zurückgeblieben trotz der oftmals zugelassenen und vorgenommenen Sichtungen,
von denen eine jede eine gewisse Sektenabtrennung zur Folge hatte, wodurch dann
wieder mehrere Christusse entstanden sind, die bis zur Stunde einander als
gegenseitige Erzfeinde sich bei den Haaren ziehen.
[HiG.03_64.04.25,18] Darum muß nun die letzte
und größte Sichtung vor sich gehen, und wie schon früher bemerkt, die
Sichtungsmaschine heißt: die Wissenschaft.
[HiG.03_64.04.25,19] Die sich anfeindenden
Christusse müssen hinaus samt allen ihren Anhängseln, auf daß der Eine von
Johannes gepredigte Christus unter den Menschen erscheine und Wohnung nehmen
kann.
[HiG.03_64.04.25,20] Es wird zwar das noch so
manchen harten und schweren Kampf mit sich bringen, von dem aber eben die
wahren Anhänger Christi nichts zu befürchten haben; denn sie werden in allem
vielfach gestärkt werden, woraus dann auch den andern bis jetzt noch minder
Gläubigen ein Licht aufgehen wird, welches auszulöschen sie nicht mehr imstande
sein werden.
[HiG.03_64.04.25,21] Und Ich, der Herr, der
dieses durch den Mund Johannis zu euch geredet hatte, werde die Erde auf allen
Orten und Punkten mit allerlei Gericht und Kalamitäten, als durch gewaltige
Kriege, durch große Teuerung und Hungersnot, durch allerlei Pestilenz unter den
Menschen und Tieren, durch große Erdbeben und andere Erdstürme, durch große
Überschwemmungen und auch durch Feuer heimsuchen. Aber die Meinen werde Ich in
der Liebe erhalten, und sie werden an nichts Mangel zu erleiden haben.
[HiG.03_64.04.25,22] Wer Mich aber nun in
dieser Meiner zweiten Ankunft wird wie und wo immer zu verfolgen trachten, den
werde Ich von der Erde zu vertilgen verstehen.
[HiG.03_64.04.25,23] Was aber die andern
Widersprüche in den vier vorhandenen Evangelien noch betrifft, so werden sich
diese von selbst im ‚Johannes‘ verlieren, und Ich werde dafür wie gesagt am
Ende noch einen eigenen Anhang hinzufügen, durch welchen alles Unrichtige
vollends gründlich erkannt wird.
[HiG.03_64.04.25,24] Und somit begnüget euch
vorderhand mit dem, was Ich euch gegeben habe und arbeitet fleißig am
‚Johannes‘; denn in dem werdet ihr noch zu einer Überfülle des inneren Lichtes
gelangen. Hat aber jemand etwas für sich, das er wissen möchte, so mag er
fragen, und Ich werde also bereit sein, ihm darüber ein kurzes und helles Licht
zu geben. Amen.
Über die Wärzchen des Herzens und der Zehen.
– 9. Mai 1864.
[HiG.03_64.05.09] Schreibender: L. Cantily.
[HiG.03_64.05.09] Frage von Leopold Cantily:
Im ‚Mittelpunkt der Erde‘ (Erde und Mond) heißt es, daß die Erde das Wärzchen
des kleinen Zehens am linken Fuße sei, und im ‚Johannes‘ wird gesagt, die Erde
sei das positive Zentralwärzchen der linken Herzhälfte. Wie ist das zu
verstehen?
[HiG.03_64.05.09,01] Für einen rechten
Denker, der zwischen dem, was materiell und was geistig ist, einen rechten Unterschied
zu machen verstünde, wäre zwar die Sache für sich selbst begreiflich. Allein,
wer da den Unterschied noch nicht aus der vollen Tiefe heraus zu begreifen
imstande ist, dem muß das freilich als wenigstens ein scheinbarer Widerspruch
vorkommen.
[HiG.03_64.05.09,02] Im ‚Mittelpunkt der
Erde‘ ist hauptsächlich nur von der materiellen Erde die Rede und von der
geistigen nur insoweit, als sowohl die Naturgeister und auch die Seelen der
vielen Verstorbenen in der Sphäre dieser Erde und noch ziemlich weit über sie
hinaus ihre Wohnung haben.
[HiG.03_64.05.09,03] Im ‚Johannes‘ ist pur
nur von der geistigen Erde die Rede, und somit kommen denn auch in bezug auf
den Großen Weltenmenschen zwei sich scheinbar widersprechende
Lebenserläuterungen vor.
[HiG.03_64.05.09,04] Die Füße des Menschen
sind zwar die untersten Teile bei ihm, aber dessenungeachtet, was ein jeder
leicht begreifen kann, für die Existenz des Menschen die wichtigsten. Denn
stellt euch die Menschen ohne Füße vor, was würden sie mit allen ihren anderen
Fähigkeiten ausrichten, so sie sich nicht leicht und behende von einem Orte zum
andern mittels ihrer Füße bewegen könnten? Mit ihren Händen allein würden sie
nicht weit kommen. Bewegung ist aber ja die Hauptsache des Lebens; denn je mehr
ein Mensch oder auch ein Tier die Bewegungsfähigkeit in seinen Gliedern
verliert, desto näher sind sie auch dem Tode, das heißt, was das natürliche,
physische Leben betrifft.
[HiG.03_64.05.09,05] Denn was das geistige
Leben an und für sich betrifft, so ist es die alles belebende und schaffende
Kraft selbst, die durch nichts zerstört werden kann. Das physische Leben aber
ist nur ein durch den Einfluß der äußeren Kräfte bewirktes, wenn der physische
Organismus so gebaut ist, daß er für die Aufnahme und für die Wirkung der freien
Kräfte taugt. Ist er für diese Einwirkung einmal untauglich geworden, so
begeben sich die Lebenskräfte wieder in ihre Freiheit und Ruhe und der
Organismus zerfällt wieder in sein früheres Elementarwesen.
[HiG.03_64.05.09,06] Das Wärzchen unter der
kleinen Zehe am linken Fuße entspricht demnach dem innersten positiven Wärzchen
im Rückenteile des Herzens im Menschen und das am rechten Fuße dem negativen,
und es hängt von der Gesundheit, dem Fortbestande dieser gegenseitigen
Entsprechung die ganze Bewegung der Füße ab.
[HiG.03_64.05.09,07] Wer an diesen beiden
allerunbeachtetsten Extremitäten durch was immer einen Schaden erlitten hat,
der wird bald krumm werden und sich schlecht fortbewegen können. Es wird
dadurch nicht die volle Bewegungslosigkeit eintreten, weil das vorbenannte
Wärzchen auch auf den Vorderballen der andern Zehen, so auch an den
Hinterballen, wovon die Zehen die Ausläufer sind, wie danach an der ganzen
Fußsohle und an der Ferse seine Endausläufer hat. Aber dessenungeachtet würde
der Mensch bei Verlust einer der beiden kleinen Zehen, besonders am linken
Fuße, im Gehen eine ganz gewaltige Lähmung gewahr werden.
[HiG.03_64.05.09,08] Wenn daher von einem
solchen Wärzchen die Rede ist, so ist darunter allzeit nur das Wärzchen im
Herzen zu verstehen, und wo dieses hingehört, da gehört auch das Wärzchen des
Zehens hin. Der Unterschied ist nach Umstand der Sache denn nur ein verbaler
und kein reeller; denn die Geltung für das Geistige und Wahre hat nur das, was
in sich selbst geistig und wahr ist und von dem das Leben abhängt. Und somit
ist denn auch unter den beiden von Mir gezeigten Wärzchen, sowohl im
‚Mittelpunkte der Erde‘ (resp. ‚12 Stunden‘) als dann im ‚Johannes‘ so gut fürs
große Ganze als gar kein Unterschied. Alles ist nur geistig zu nehmen, was in
materieller Beziehung durch die entsprechenden Ausläufer allenthalben wirkt.
[HiG.03_64.05.09,09] Wer dieses richtig in
seiner wahren Tiefe erfaßt, der wird sich auch danach halten und keinen
Unterschied mehr finden; denn das Leben ist überall Leben, aber sein
Hauptstammsitz ist dennoch dort nur, von wo es ausgeht.
[HiG.03_64.05.09,10] Ich Selbst als der
Urquell alles Lebens wohne gleichfort in Meinem urewigen Zentrum, aber Ich bin
dessenungeachtet als das gleiche Leben in der ganzen Unendlichkeit gegenwärtig.
Das gleiche Leben, welches das Herz erweckt, bewegt auch den ganzen Leib. Wer
das versteht, der versteht auch alles andere, und Ich brauche dir darüber
nichts weiteres mehr zu sagen. Amen.
Anhang – Vaterworte in stürmischer Zeit
Über Spekulanten und Wucherer. – 19. Juli
1847.
[HiG.03_47.07.19] O Herr, Du lieber heiliger
Vater! Siehe, Du hast für uns unwürdigste Sünder dieses Jahr mit allem
dergestalt gesegnet, daß nach der Kunde von allen Erdgegenden man sich kaum
irgendwann eines so überaus gesegneten Jahres erinnert, als nun da ist dieses
gegenwärtige Jahr 1847. Überall Obst in großer Menge, die Feldfrüchte
überreich, auch die Erdäpfel versprechen bis jetzt eine sehr reiche und gesunde
Ernte, und der Weinstock ist auch allenthalben reichlichst beladen und läßt mit
Deiner Gnade ebenfalls eine reichliche Fechsung (Ernte) erwarten. Also ist auch
fürs Futter der Tiere gesorgt. – Kurz und gut, dies von Dir über und über
gesegnete Jahr läßt nichts zu wünschen übrig, was da betrifft Deinen Segen.
[HiG.03_47.07.19] Aber siehe, o heiliger
gerechtester Gott und Vater! trotz dieser Deiner Segnung fängt hie und da schon
wieder ein neuer, gräßlichster Wucherwurm sein rein höllisches Metier zu
treiben an. Er kauft um hohen Preis die heurigen Kornfechsungen zusammen, um
dadurch fürs erste wo möglich den hohen Getreidepreis aufrechtzuerhalten und
seinen alten Vorrat um den wahrsten Sündpreis an den Mann zu bringen; und fürs
zweite, um dadurch für die Zukunft eine künstliche Getreidenot zu erzielen und
damit die Getreidepreise so hoch als nur immer möglich zu heben! – O Herr! –
hast Du denn für diese allerechtesten Teufel von Wucherern keine Blitze mehr
und keine Pest?! – Wie lange wirst Du an ihnen denn noch Deine Geduld erproben?
[HiG.03_47.07.19,01] Schreibe nur Meine
gerechte Zornantwort als Vorhersage dessen, was Ich ehestens tun werde. –
[HiG.03_47.07.19,02] Siehe, du Mein armer
Knecht, Blitze würden weniger erzwecken bei dieser Sache, als dir ein
schlechtes Pfennigstück zum Ankaufe einer Herrschaft, und die Pest würde die
Unschuldigen mit den Schuldigen treffen. Und würde Ich ob einiger Auswürflinge
der Hölle die Erde verfluchen, da ginge es alsogleich auf der ganzen Erde zu
wie zu den Zeiten Noahs und zu den Zeiten Lots!
[HiG.03_47.07.19,03] Aber Ich habe etwas ganz
Eigentümliches beschlossen, das Ich ehestens tun werde allen Wucherern und
anderen Spekulanten; einen Lohn werde Ich ihnen geben, über den sich der Satan
selbst samt allen seinen Engeln hoch verwundern solle!!! – – –
[HiG.03_47.07.19,04] Wahrlich, wahrlich, wer
jetzt lacht in seiner Fülle und seinem Reichtume, während zahllose Arme nicht
wissen, woher sie morgen einige Kreuzer fürs Brot erbetteln sollen, der solle
Mir in kurzer Zeit auf eine Art weinen, von welcher Art zu weinen die Welt noch
nie ein Beispiel gesehen hat!!! – – – Ich sage dir, das wird mehr und
unaussprechlich ärger sein allen diesen Spekulanten und Wucherern und Häuser-
und Wohnungsmaklern und Industriehelden und allen großen Grundkäufern,
Verkäufern und Besitzern und allerlei Baumeistern und Großplanmachern und
Wechslern – als Blitz, Pest und Krieg!!! – – –
[HiG.03_47.07.19,05] Die Brandfackel Meines
gerechten Zornes ist bereits in die Erde gesteckt; mit einem Feuermeere Meines
Zornes will Ich Meinen alten Rachedurst stillen!!! – – – Die Höllenbrut, dieses
alte Natterngezücht solle es fühlen, wer Ich, der lange vergessene Gott, bin!!!
– – – Sie, diese Brut, die den Vater schon lange mißachtete und gänzlich
leugnete, nun von Tag zu Tag nur noch stets mehr leugnet, wird sich wohl müssen
den ewigen allmächtigen Richter gefallen lassen; aber wie gesagt auf eine Art, von
der noch keiner Hölle und keiner Welt je etwas geträumt hat!!! – – – Ich sage
dir aber nicht wie und bestimmt – wann, auf daß Ich desto leichter und desto
erschrecklicher in die Häuser der angeführten Frevler an Meiner Gnade und
Erbarmung als ein allerschonungslosester Dieb, Räuber und Mörder zur tiefsten
Nachtzeit werde einbrechen können!!! – – –
[HiG.03_47.07.19,06] Siehe, für Blitze hat
man nun schon die besten Ableiter erfunden, für Pest Kordone und verschiedene
Arzneien von Wirkung, und den Krieg führt man nun mit Federn und mit dem Munde
in den Kammern; aber gegen Mein neues Gericht trägt die Erde kein Gegenmittel,
außer das Gebet derjenigen, mit denen Ich umgehe wie mit dir, du Mein armer
Knecht. Diesen aber werde Ich für die Zukunft schon sagen, wann und für wen sie
zu beten haben und unter welchen Bedingungen, auf daß Mich ja nichts behindern
solle, Mein Gericht, das Ich lange zurückhielt, nun einmal in aller Schwere die
Frevler kosten zu lassen, so keine Besserung geschieht!!! – – –
[HiG.03_47.07.19,07] Damit begnüge dich; denn
diesmal sollst du einem Jona gleich kaum umsonst Mein Gericht vorhergesagt
haben amen, amen, amen. –
Meine Lehre lehrt Liebe und verbietet das
Gericht. – 21. November 1847.
[HiG.03_47.11.21] (Über Pettauer und Grazer
Begräbnisse)
[HiG.03_47.11.21] O Herr, Du bester Vater!
Was sollen wir von der letzthinnigen Begebenheit (am 18. November) halten – und
von jener auch, die sich unlängst in Pettau ereignet hatte? Was soll daraus
werden? Was haben wir bei so bewandten Umständen zu erwarten?
[HiG.03_47.11.21,01] So vernimm ein Wort der
Weisheit und schreibe!
[HiG.03_47.11.21,02] Wo der Feind gesät hat,
da möchte er nun auch eine reiche Ernte halten, denn er meint, die Frucht sei
reif; er täuscht sich aber gewaltig! Die Reife ist nur eine Scheinreife, und so
da die Sichel an die Saat gelegt wird, wird kommen ein großer Sturm und wird
mit sich führen Krieg, Hunger und Pestilenz. Und dieser Sturm wird sein die
Stimme des Rufers in der Wüste, die da Mir bereitet die Wege. Was da krumm ist,
soll eben werden und nieder das Hohe, das vor Mir ist ein Greuel!
[HiG.03_47.11.21,03] Der Hure nächtliche
Arbeit soll ihren Lohn finden, und mit den Gottverkäufern wird Rechnung
gehalten werden, und die Rechnung wird eine strenge sein, und die Völker werden
sich ums Kapital samt den lange schon fälligen Zinsen mit einer mächtigen
Stimme melden. Alte Gläubiger werden kommen und sagen: Hure! So viel haben wir
dir geliehen auf dein ehrlich aussehend Gesicht; gib uns nun, was du verheißen!
[HiG.03_47.11.21,04] Da wird die Hure nackt
dastehen in großer Schmach und Schande und wird sich winden wie eine Viper im
heißen Sande. Aber die Gläubiger werden sich ihrer nicht annehmen, sondern
werden glühende Steine schleudern nach ihr, auf daß sie zugrunde gehe, die so
viele in den Abgrund gestürzt hat!
[HiG.03_47.11.21,05] Meine Lehre lehrt Liebe
und verbietet das Gericht! Diese aber predigen Haß und Verfolgung und Tod und
wollen aller Welt Richter sein und Herren aller Herrscher und aller
Herrlichkeit. Solches aber ist der eigentliche vollkommenste Antichrist, dessen
Zeit des Sturzes nun herbeigekommen ist!
[HiG.03_47.11.21,06] Was aber nun geschieht
hie und da, das sind nur Gewitterwölkchen, die da anfangen, ihre Häupter über
den Horizont von allen Seiten her zu heben und zu ziehen. Wenn sie sich erst
völlig berühren werden, das heißt, wenn alles sich gegenseitig mitgeteilt wird,
wie da allenthalben die Jünger der Nacht mit ihren Schafen verfahren, dann
werden sich die Schafe in Löwen verwandeln und werden sie zerfleischen, die
sich so lange ohne Scheu vor Mir mit ihrem Fleische gemästet haben und ihren
Durst gestillt mit dem Blute der duldsamen Herde!
[HiG.03_47.11.21,07] Wahrlich, auf diesem
Boden solle kein Zweig mehr grün werden, und verflucht sei der Baum, der wohl
ein reichlich Laub trägt, aber keine Frucht hat, Mich zu sättigen, so Ich komme
und es Mich hungert!
[HiG.03_47.11.21,08] Siehe, da gehen sie
herum mit frechen und herrschsüchtig stolzen Gesichtern, verachtend den
rechtmäßigen König und dessen Gesetz, verachtend jedermann, der nicht
willfährig nach ihrer gold- und ruhmsüchtigen Pfeife tanzen will, und
verachtend Mein Wort, und verachtend Mich Selbst! – Aber es solle bald ein
anderer Pfeifer kommen, dessen Pfeife Ton sie also erschrecken soll, daß sie darob
sterben werden!
[HiG.03_47.11.21,09] Ich sagte wohl einst:
„Auf dem Stuhle Mosis sitzen die Hohenpriester und Schriftgelehrten; was sie
euch lehren, das haltet, aber seid nicht Nachahmer ihrer Werke, die da eitel
böse sind!“ – Nun aber sage Ich: Höret auch ihre Lehre nicht, denn sie ist voll
des Gerichtes und voll Hölle!
[HiG.03_47.11.21,10] Wohl aber den wenigen
Priestern, die noch die alte Liebe und den alten Jesus nicht gegen den
Antichrist getauscht haben, und wohl auch euch allen, die ihr an Mir hanget!
Aber dreifaches Wehe der Brut der Hure amen! – Das spricht, der alle Macht hat
amen, amen, amen. –
Ein Wort dem And.h. W. – 30. November 1847.
[HiG.03_47.11.30,01] Wachet und betet, auf
daß ihr nicht fallet in die Versuchung! Nie wohl bäumt und krümmt sich der Wurm
wütender, als so er seiner finsteren Larve plötzlich beraubt ans Licht
hervorgehoben wird. Der Viper Biß ist nie unheilbarer als im grellsten
Sonnenlichte, und nie ist ein Drache wütender, als so er am Tage aus seiner
finstersten Hölle gehetzt wird! Daher wachet und betet, auf daß ihr nicht in
die Versuchung der Hölle fallet, die nun ihren Rachen weit aufgesperrt hat, um
alles zu verderben und zu verschlingen, was gegen sie sich irgend auflehnen
würde.
[HiG.03_47.11.30,02] Diese Hölle, dieser
offenbarst über alle Begriffe herrschsüchtige Drache aber ist nun die Römerin
bei euch. Diese will herrschen über Hölle, Erde und Himmel und scheut auch die
schändlichsten Mittel nicht, um damit dieses Ziel zu erreichen, was aber von
ihr freilich wohl ewig nie erreicht wird, und nun um so weniger, da ihre Zeit
nahe völlig zu Ende ist. Das sieht sie heimlich bei sich wohl ein; aber sie
läßt davon freilich wohl nichts merken und wehrt sich auch eher auf Leben und
Tod, als daß sie ihre große Schande in der Fülle solle aufdecken lassen, – denn
sie weiß es bei sich wohl, wie groß ihre Schande ist und wie voll des
giftigsten Pestilenzeiters ihre Scham! – Ich aber lasse nun zu, daß sie
allenthalben, wo sie sich nur immer festsetzen will, entlarvt wird und verfolgt
von allem Lichte. Das erfüllt sie allenthalben aber auch mit der
unersättlichsten Rache, daß sie Tag und Nacht nun rastlos nichts als einzig nur
Pläne schmiedet, durch die sie sich an jedermann, der nicht vollends ihres
Gelichters ist, nun auf eine allerunerhörteste Weise rächen könnte!
[HiG.03_47.11.30,03] Daher sage Ich dir, du
Mein lieber A. H. W., wie euch allen: Wachet und betet, auf daß ihr nicht in
die Versuchung der Hure fallet! – das heißt, habet genau acht auf alle ihre
Bewegungen, geheimen Anordnungen; überwacht ihre Predigten und besonders ihre
Beichtstühle! Denn Ich sage dir und euch allen: Da werden die sogenannten
Beichtkinder Lehren, Ermahnungen und Ermunterungen bekommen, vor denen euch
allen die Haut schaudern würde, so ihr hinter alles kommen könntet.
[HiG.03_47.11.30,04] Sie werden Haß gegen die
politischen Obrigkeiten von den Kanzeln verkünden und Rache in den
Beichtstühlen lehren und auch werktätig fordern von jenen, die eine vollkommene
Lossprechung von all ihren Sünden erlangen wollen. Die aber da sich weigern
werden, ihren Anforderungen zu entsprechen, werden mit einem heimlichen
Bannfluche belegt werden und somit von ihnen aus dem Teufel und der Hölle
übergeben, – wodurch manche Schwache verzweifeln werden, aber viele etwas Stärkere
abfallen, was Ich nun auch haben will!
[HiG.03_47.11.30,05] Die Hure wird sich
dadurch selbst wohl den größten Schaden zufügen, der sie aber nicht klüger,
sondern nur stets desto ergrimmter und rachsüchtiger machen wird, so daß sie
sich am Ende meuchelmörderisch über ihre vermeintlichen Feinde hermachen wird
und sich auf solchen Wegen bestreben, ihre Feinde aus dem Wege zu räumen. Und
werden ihr solche Versuche nicht gelingen, so wird sie sich auf die
allerabgefeimteste politische geheime Verleumdung verlegen und wird auf diesem
Wege suchen, sich allertätigst ihrer vermeintlichen Feinde zu entledigen, so
wie sie es auch nicht versäumen wird, durch energische und kunstvoll
bewerkstelligte Wunder sich wieder in ihr altes inquisitorisches Ansehen zu
setzen, wo Kaiser und Könige vor ihr gezittert haben!
[HiG.03_47.11.30,06] Darum wachet wohl und
betet, auf daß, so euch auch die Schlange beißen wird, euch ihr Gift doch nicht
schaden wird. Und so sie vergifteten Wein euch vorsetzen werden, da werdet ihr
ihn erkennen und werdet ihn nicht genießen; wenn ihr aber damit begossen und
besudelt werdet, da wird kein Nachteil an euch haften bleiben. – Könntest du
nun in die Herzen der Baalspfaffen schauen und sehen, wie es da kocht, saust
und braust und tobt, du würdest viel ärger erschrecken, als so du am Rande des
größten feuerspeienden Berges stündest! Diese Pfaffen werden nun alles
unterminieren, und wenn endlich für sie alle Stricke reißen sollten, an denen
sie sich nun noch einzelnweise irgend halten, dann erst werden sie auf einmal
alle ihre höllischen Minen sprengen lassen, um dadurch entweder einen
vollkommenen Sieg für sich zu ernten oder vollends zugrunde zu gehen, welch
letzteres auch der sichere endliche Erfolg sein wird.
[HiG.03_47.11.30,07] Wehe aber da dennoch
vielen! Denn wo immer ein großer und schwerer Stein von einer großen Höhe herab
in die Tiefe fällt, da richtet er stets eine desto größere Verheerung an, je
größer und schwerer er selbst ist. – Durch euer sorglich Wachen und Beten aber
könnet ihr diesen Stein, ja diesen großen, aber übermorschen Fels schon in
seiner Höhe zerbröckeln; und so er dann herabrollen wird in die Tiefe, wird er
wenig Schaden anrichten können!
[HiG.03_47.11.30,08] Daher wachet allezeit
und betet – und beobachtet den Feind in seinen geheimsten Schlupfwinkeln und
leget einen kräftigen Damm, wo immer er wird durchzubrechen versuchen; sonst
wird er dem Lichte noch große und bittere Kämpfe bereiten. – Habe keiner von
euch, und du Mein A. H. W. besonders, irgendeine Furcht, denn Ich, euer aller
Herr und Vater, werde euch nicht verlassen und werde es nicht zulassen, daß
euch auch nur ein Haar gekrümmt werde. Aber wachen und beten müsset ihr
dennoch, so ihr so mancher Versuchung entgehen wollt. – Denn sehet, in der
Hölle werden auch die Engel nicht selten heftigst angefochten und müssen stets
auf der größten Hut sein. Hier aber ist nun auch Hölle; daher ist es auch nun
an euch, wohl zu wachen und zu beten!
[HiG.03_47.11.30,09] Bin Ich auch bei euch
alle Tage, wie Ich war bei den Aposteln, als aber da kam die äußerste Stunde,
da behieß Ich auch die Apostel, daß sie wachen und beten sollen, um nicht in
die Versuchung zu fallen. – Darum segne Ich euch nun alle und sage zu euch auch
noch einmal: Nun wachet und betet ernstlich; denn Ich sage euch einen großen
Trost damit, daß Ich euch anzeige: Es naht Babels letzte Stunde! – – –
[HiG.03_47.11.30,10] Dieses beachtet wohl,
und du, Mein A. H. W., ganz besonders, und haltet euch danach, und seid aber
dabei guten Herzens und voll Erbarmung, so werden an euch die Merkmale Meines
Wortes in aller Tat und Kraft ersichtlich werden amen. Das sage und rate Ich,
euer Herr und Vater, amen, amen, amen.
Seid wachsam! – 17. Februar 1848.
[HiG.03_48.02.17] Anfrage des Knechtes wegen
eines anonymen Drohbriefes.
[HiG.03_48.02.17,01] Der Brief, den du heute
gelesen, und noch eine Menge gleichen Inhaltes, rührt von einem böswilligen
Winkeladvokaten und zwar unter beifälligem Mitwissen einiger Pfaffen her. Sie
wollen damit keine Revolution, sondern nur eine Verdächtigung der beiden
Staatsdiener bezwecken, auf daß diese dann etwa ihrer Stellen enthoben werden
könnten, was aber freilich nicht geschehen wird. Zugleich aber wollen sie wohl
auch das Volk dadurch auskosten, wie es etwa gesinnt ist. Aber es geht dem
Verfasser dieses Briefes etwas schlecht damit vonstatten, denn es steigen ihm
schon sehr stark die sogenannten Grausbirnen auf, und er bereut es schon, daß
er sich zu solcher Schriftstellerei hat gebrauchen lassen.
[HiG.03_48.02.17,02] Es werden wohl noch
einige Briefe ähnlichen Inhaltes nachkommen, aber ihr Effekt wird dem gleich
sein, der da keiner ist.
[HiG.03_48.02.17,03] Um aber jedoch bei den
ziemlich gewissenlosen und häufig sehr hartherzigen Bewohnern dieser Stadt eine
bessere Stimmung zu bewerkstelligen, rate Ich, mit der Zinskreuzersteuer nicht
zu rasch zu Werke zu gehen und die Einhebung derselben nicht eher ins Werk zu
setzen, als bis bezüglich der ärmeren Klasse einige notwendige Modifikationen
getroffen werden, weil sonst einige sehr Mißvergnügte dadurch im Ernste zu
tätlichen Demonstrationen angefeuert werden könnten. Zugleich aber solle an das
Volk durch die Zeitung oder auch durch ein eigenes Blatt noch eine sehr gründliche
Erklärung gegeben werden, wozu derlei Steuer verwendet wird, daneben aber auch
eine gerechte Androhung gegen jene, die da rein böswillig solchen höllischen
Samen ausstreuen. Woneben aber freilich auch die Wachen sehr zu verdoppeln
sind, was da not tut, so irgend die Hölle ihr Spiel anbinden will.
[HiG.03_48.02.17,04] Die Post ist dahin
anzuhalten, keinen Brief durch den Einwurfkasten anzunehmen, sondern solchen
Kasten in solcher Zeit außer Gebrauch zu setzen und jeden Brief, ob frankiert
oder unfrankiert, nur aus der Hand des Überbringers anzunehmen. Es versteht
sich das von jeder Post im Lande.
[HiG.03_48.02.17,05] Wenn sich derlei Fälle
von Zusendungen solcher bösen Briefe häufen, so solle wie bei Geldbriefen kein
versiegelter Brief irgendwo von einer Post angenommen werden. Bei solcher im
Falle der Not nötigen und gerechten Wachsamkeit werden solche anonymen
Schriftsteller wohl leicht entdeckt werden. Ich könnte sie euch freilich beim
Namen nennen, aber das würde euch wenig nützen, da ihr keine sonstigen
weltgerichtlichen Beweise gegen sie hättet. Aber bei einer energischen
Wachsamkeit werdet ihr ihrer schon ohnehin leicht habhaft werden in aller
Kürze.
[HiG.03_48.02.17,06] Zugleich invigilieret
auch strenge die sogenannten Stadt- und Landboten, die manchmal auch derlei
Briefchen sub tectis obscuris mitnehmen. Also gibt es hier in der Stadt auch
mehrere halbfranzösische, halbwelsche und halbungarische und polnische
Einwohner, wo besonders auf die ersten ein Auge zu richten ist; es versteht
sich von selbst, sub tectis obscuris. –
[HiG.03_48.02.17,07] Diese Mittel sind zwar
an und für sich auch ein Übel, aber wenn damit ein großes Unheil zu verhüten
ist, dann sind sie gut in Meinem Namen. Denn so Mir die Hölle selbst dienen
muß, die doch böse ist, um so mehr können das die weltlichen Gerichtsbarkeiten,
die ich zur Aufrechterhaltung der Ordnung verordnet habe.
[HiG.03_48.02.17,08] Das alles sonach
wohlgemerkt und nötigenfalls danach gehandelt, wird alles wieder ins
Gleichgewicht bringen. Es sei! Das spricht der beste Ratgeber: Es sei, es sei,
es solle sein! – – –
Sehet euch vor! – 4. März 1848.
[HiG.03_48.03.04] O Herr! Wir, die wir auf
Dich allein halten und allezeit glauben, was Dein heilig Wort uns übergnädig
lehrt, bitten Dich, daß Du uns in dieser bedrängten Zeit zum voraus anzeigen
möchtest, was da alles für Elend über uns kommen kann und höchstwahrscheinlich
auch sicher kommen wird, auf daß wir uns samt und sämtlich richten könnten nach
Deinem allerheiligsten Rate zur Sicherung unserer geistigen Schätze, mit denen
Du, o heiligster Vater, uns alle so überreichlich versehen hast, für die wir
Dir freilich ewig nie genug werden danken können! – O Herr, o Vater Jesus,
erhöre diese unsere Bitte! – Dein heiliger Wille geschehe!
[HiG.03_48.03.04,01] Also schreibe denn: Ich
habe euch es ja schon bei der Gelegenheit des Begräbnisses des magistratlichen
Beamten N. angedeutet, was da in Kürze über die Welt kommen wird, wie auch bei
anderen Gelegenheiten. Daher dürft ihr euch nun nicht zu sehr verwundern, so
das vorhergesagte böse Wetter sich nach und nach, wo die Gewitterwolken am
höchsten gestiegen sind, freilich noch immer nur teilweise zu entladen beginnt.
Denn noch haben alle die Sturmwolken, die nun schon von allen Seiten freilich
ziemlich hoch über den Horizont gestiegen sind, nicht zusammengegriffen. Aber
nun will Ich über die Meiner gänzlich vergessende Welt ein Gericht ergehen
lassen, das da seinesgleichen suchen solle!
[HiG.03_48.03.04,02] Herrscher, die heute
noch studieren, wie sie Meine armen Völker noch schmählicher geistig und
naturmäßig unterdrücken möchten, werden in diesem Jahre noch Dach und Fach
suchen, – und Ich sage euch: Wahrlich, wahrlich, sie werden es nicht finden,
weil sie vollends vergessen haben, daß Ich allein der Herr bin, und daß alle
Menschen ihre Brüder sind! – Wehe euch, ihr Herren der Welt, eure letzte Zeit
ist herbeigekommen! – Umsonst rüstet ihr euch, umsonst ziehet ihr euch
fluchende und zur Hölle verwünschende Soldaten in großen Mengen zusammen,
umsonst verkündet ihr Standgerichte, umsonst errichtet ihr Festungen und
heimliche Galgen.
[HiG.03_48.03.04,03] Ich, der alte ewige Gott
und Herr über euch Natternbrut und Otterngezüchte, habe einen Feind über euren
Häuptern erweckt, der euch züchtigen solle für alle die alten Greuel, die ihr
an Meinen Völkern verübt habt. – Der du heute noch im Golde prangest, sollst
morgen als ein Bettler einhergehen und dir gleich einem gehetzten Wilde ein
Loch suchen, das dein Leben zu schirmen tauglich sein möchte! – – –
[HiG.03_48.03.04,04] Wehe euch allen, die ihr
in euren reichen Wohnungen nicht verspüret die große Not der armen Brüder und
Schwestern, die darum zum größten Teile arm sind, weil ihr von Mir aus
unrechtmäßigster Weise zu reich seid! Ich sage euch: Diesmal will Ich den Armen
die Schlüssel zu euren Schätzen in die Hände geben und ihnen euren zu großen
Vorrat überantworten!
[HiG.03_48.03.04,05] Meinen denn diese großen
und mächtigen Herren der Welt, der alte Gott und Herr habe etwa gar aufgehört
zu sein, weil Er so lange mit der größten Geduld ihrem argen Tun und Treiben
zugesehen hat?! – O diese Weltherren haben sich sehr geirrt! Ich bin noch, was
Ich war von Ewigkeit – ein Vater denen, die Mich kennen, lieben und Meine
Gebote halten, und ein unerbittlicher Richter denen, die Mich in der Wirklichkeit
schon lange verworfen haben und haben an Meiner Statt ein blindestes Heidentum
errichtet zur vollsten Unterdrückung der eigens dazu blind gemachten Völker! –
– –
[HiG.03_48.03.04,06] Ich sage aber nun euch,
die ihr Meine Freunde seid, tut Gutes den Armen leiblich und gebet ihnen einen
rechten Trost, so werdet ihr vom bevorstehenden Gerichte verschont bleiben. Wer
von euch viel hat, der gebe auch viel; der aber wenig hat, der gebe auch nach
seinem Vermögen; und der nichts hat, der nehme dankbar, was ihm gegeben wird. –
Wenn ihr im Hinblicke auf Mich also handeln werdet, da solle euch Meine Hand
schirmen vor jeglichem Schlage des Gerichtes. Wer sich aber dieser Regel nicht
fügen wird, die da nichts Neues ist, sondern ein reinstes altes Gebot der Liebe
nur, von dem werde Ich Meine schirmende Hand zurückziehen und mit ihm geschehen
lassen, wie das Gericht es gestalten wird und machen seine großen Forderungen!
[HiG.03_48.03.04,07] Ihr fraget wohl und
saget: O Herr, was wird denn so ganz eigentlich bestimmt geschehen? O das sage
uns, auf daß wir uns werden vorsehen und danach richten können! – Ich aber
sage: Fraget nicht so sehr, was da geschehen wird, sondern fraget vielmehr, ob
euer Herz freudig Mein Gebot der Liebe erfüllen wird! Wird es dasselbe erfüllen,
da mag schon geschehen, was da wolle; es wird auf eurem Haupte dennoch kein
Haar gekrümmt werden.
[HiG.03_48.03.04,08] Wer aber in dieser Zeit
das Gebot der Nächstenliebe nur lau betrachten und nicht in der Tiefe bei sich
bedenken wird, wie schwer es dem Bruder fallen muß und wie elend der Schwester,
die nichts haben und auch nirgend etwas zu bekommen wissen und nicht wissen,
was sie morgen essen werden und womit ihren Leib bedecken, – der wird zur Zeit
des sehr nahen Gerichtes hart hergenommen werden! – –
[HiG.03_48.03.04,09] Aber Ich sage euch noch
etwas: Es ist nicht genug, daß ihr nur gebet, was die Liebe erheischt, sondern
suchet auch noch mehr Jünger in der emsigen Ausübung der Nächstenliebe zu
bekommen, so wird das Gericht sehr gemildert werden; denn je mehr wahre
Liebtäter sich nun erheben werden, desto weniger auch der im höchsten Grade nun
wahrhaft Elenden werden sich erheben und euch bedrängen in eurem Besitztume!
[HiG.03_48.03.04,10] Ich sage euch:
Betrachtet dies Wörtchen mit sehr ernsten Augen und denket nicht, es wird etwa
doch nicht so arg werden; der Herr wird das Gericht schon wieder mildern. – Ja,
Ich werde das wohl tun wenigstens örtlich, wenn ihr das tut, was Ich will; tut
ihr aber das nur lau, so werdet ihr euch sehr bald überzeugen, wie nur gar zu
übertreffend wahr das alles eintreffen wird, was Ich euch damit andeute, daß
nun über beinahe alle Lande Krieg von der tollsten Art ergehen wird und
Meuterei an allen Orten und Teuerung, Hungersnot und allerlei Pestilenz. Und
werden entstehen Anarchien über Anarchien, und klein wird das Haus eurer
Herrscher werden und wird ihr Reich leicht mit der Elle bemessen werden können!
[HiG.03_48.03.04,11] Denket nun nicht, wie
ihr eure Kinder versorgen werdet; Ich sage euch, dadurch werdet ihr ihnen den
Tod geben, – sondern vor allem trachtet stets mehr und mehr nach Meiner
Freundschaft, so werden auch eure Kinder eine ungestörte Versorgung finden.
[HiG.03_48.03.04,12] Ich sage euch: Nun ist
es gekommen, daß wer dem armen Bruder helfen wird, der wird sein Kapital
sicheren Ortes anlegen und wird es bald mit guten Zinsen wiederbekommen. Wer
aber sein irdisch Kapital nun auf Zinsen ausleihen wird, der wird in Kürze
verlieren das Kapital samt den Zinsen. Und sollte es auch durch weltkluge
Maßnahmen jemand retten vor der Welt, so wird er es aber doch nicht retten vor
Mir! – –
[HiG.03_48.03.04,13] Denn also wie die Welt
sich nun wucherisch und selbst- und herrschliebig gestaltet hat, kann die
Menschheit auch nicht mehr bestehen! – So einer alles an sich reißen will,
wovon sollen denn dann Millionen leben?! – Also kann es nicht länger mehr
bestehen; daher sehet euch durch gute Werke vor; alles andere werde dann schon
Ich machen und werde schirmen alle eure weltlichen und ganz besonders die
geistigen Schätze und Güter!
[HiG.03_48.03.04,14] Gedenket aber auch der
Bedürfnisse Meines euch wiedergegebenen Knechtes, der euch ist wie ein Heil und
ein guter Bote, der euch unermüdlich lebendige Kunden aus den Himmeln zuträgt
gleichwie ein Lasttier und begnügt sich gleich einem Esel mit geringem und
schlechtem Futter, während er euch doch die größten Schätze zuträgt! –
[HiG.03_48.03.04,15] Ich sage euch, daß Ich
den Schwachen liebhabe, und weil Ich ihn liebhabe, so prüfe Ich ihn mit der
Armut bis zur rechten Zeit. Aber dessenungeachtet sage Ich euch aber dennoch:
Wahrlich, was ihr ihm tuet, das tut ihr unmittelbar Mir Selbst, – und es soll
euch alles zu seiner Zeit wohl wiedererstattet werden! – Denn wo der Herr ist,
da hat Er auch mit Sich den Knecht; und wo der Knecht ist, da auch ist der Herr
nicht ferne! Gedenket also auch des Knechtes, so werde Ich bei euch durch den
Knecht sein. – Amen, das sage Ich euch allen wahrlich, wahrlich, wahrlich,
amen, amen, amen. – – –
Allerlei Wirren. – 19. März 1848.
[HiG.03_48.03.19,00] Schreibe in abgeteilten
Versen, was Ich dir hier im Geiste der Vorhersehung geben werde in bezug auf
diese und eine nächstkünftige Zeit. –
[HiG.03_48.03.19,01] 1. Was will das tolle
Durcheinanderrennen, was das leere Waffenspiel der unbärtigen Jugend? – Wollen
denn die Menschen in die Rechte Gottes greifen?
[HiG.03_48.03.19,02] 2. So es Kranke gibt,
werden diese wohl gesund von solchem blinden Lärm? Werden gesättigt die
Hungrigen und bekleidet die Nackten?
[HiG.03_48.03.19,03] 3. So ihr nachts Kerzen
an die Fenster stellt, mit Fackeln Gasse auf-, Gasse abwärts ziehet und mit Feldmusik,
– werden damit wohl die Tränen der Armen getrocknet und erleuchtet ihre Seele?
[HiG.03_48.03.19,04] 4. O Ich sage euch, das
sind tolle Narrenpossen und führen zu nichts als zum Verderben!
[HiG.03_48.03.19,05] 5. Früher sind Mücken
geseiht worden, nun aber werden Kamele verschlungen werden! – Wird die tolle
Bewaffnung wohl den Frieden bringen? Wird sie reicher machen den, der nichts
hat, und sättigen den Hungrigen und bekleiden den, der völlig nackt ist?
[HiG.03_48.03.19,06] 6. Wird sie dem Blinden
Licht geben und Weisheit dem, der durch ein halbes Jahrhundert nur stets dümmer
und dümmer gemacht wurde?
[HiG.03_48.03.19,07] 7. Siehe, dies leere
Getue der Stadt wird das Land, das da über alle Maßen dumm und finster ist und
nimmer versteht, wohin das führen solle, nur noch mehr aufregen und wird es
bald dahin bringen, daß es sich gegen die Städte verschwören wird im
tätlichsten Vollmaße!
[HiG.03_48.03.19,08] 8. Frage, was wird da
die Stadt tun? Wird sie mit ihren Kinderspielwaffen wohl das aufgestandene Land
zu zähmen imstande sein?
[HiG.03_48.03.19,09] 9. Ich sage: Eines tut
not, nämlich rechte Liebe und ein wahres Licht; alles andere würde sich von
selbst geben. Weg mit den zu übermäßigen Steuern, besonders mit
herrschaftlichen, und weg mit dem Heidentume, sonst wird es nimmer besser,
sondern nur ärger von Stunde zu Stunde!
[HiG.03_48.03.19,10] 10. Anstatt der Bänder
und Kokarden sollen die reichen Städter lieber unter sich reiche Sammlungen
machen und damit den armen Landbewohnern schnellst zu Hilfe eilen, so werden
diese beruhigt werden und die Bewegungen in den Städten als eine Wohltat
ansehen.
[HiG.03_48.03.19,11] 11. Aber so ihr ihnen
statt barer Hilfe nur hochgeschriebene, für sie unverständliche Proklamationen
zusendet, aus denen sie für sich mehr Schlechtes als Gutes entziffern, da
treibt ihr euch selbst das Unglück auf den Hals.
[HiG.03_48.03.19,12] 12. Meint ihr wohl, daß
sich die Sache also wird ausfechten lassen? O Ich sage euch, ohne Mich werden
die Städter keine weiten Schritte tun!
[HiG.03_48.03.19,13] 13. Wo ist denn einer,
der nun Buße täte? Wo dann erst ein Volk, das sich zu Mir wendete zur Zeit der
Drangsale?! –
[HiG.03_48.03.19,14] 14. Ich aber sage: Wer
nun durch andere Mittel als durch Mich nur suchen wird, sich Recht und Hilfe zu
verschaffen, der wird untergehen, da er steht, und hätte er hundert Waffen um
sich gestellt!
[HiG.03_48.03.19,15] 15. Wer will Mich denn
nötigen, dieses Jahr zu segnen? – Und segnete Ich es nicht, wer wird euch dann
schützen vor Hungersnot und vor der Rache des Pöbels?
[HiG.03_48.03.19,16] 16. Ich gab euch im
Vorjahre ein gesegnetes Jahr, und ihr habt dem Wucher keine Grenzen gesetzt und
habet nicht darauf gesehen, daß das Brot größer würde und wohlfeiler das
Fleisch.
[HiG.03_48.03.19,17] 17. Die elendvollste
Verzehrungssteuer blieb, und noch andere Steuern wurden vergrößert. Was Wunder
dann, daß die Völker fragen: Wohin ist der Segen des so schönen Jahres? Wer
verschlang ihn, daß wir darum in ein noch größeres Elend versetzt werden?
[HiG.03_48.03.19,18] 18. Wenn aber die Völker
mit Recht schon über den großen Segen des vergangenen Jahres also fragen, wie
erst wird ihre Stimme lauten, so Ich ob der gänzlichen Verkehrtheit ein
kommendes Jahr nicht segnen möchte?
[HiG.03_48.03.19,19] 19. Wahrlich sage Ich
euch: Das, was nun geschieht, wie Ich es euch öfter schon vorhergesagt habe,
ist nur ein leises Vorspiel.
[HiG.03_48.03.19,20] 20. Das Eigentliche wird
erst nachfolgen, dieweil die aberwitzig-stolzen Städter glauben, ihre Waffen,
ihre Kokarden und ihre unklugen Petitionen werden ihnen Heil bringen, wenn sie
schon Meiner vergessen!
[HiG.03_48.03.19,21] 21. Druckfreiheit ist
wohl recht, und manches andere ist nicht schlecht; aber das Recht, Vorgesetzte
zu wählen und wieder fortzuschaffen, so sie nicht tanzen nach eines jeglichen
Pfeife, – das ist schlecht. Denn Vorgesetzte zu salben und sie abzurufen, habe
nur Ich allein das Recht!
[HiG.03_48.03.19,22] 22. Ich würde solches
auch sicher tun durch außerordentliche Zeichen, wie Ich es in anderen, besseren
Landen auch tue und in der Zukunft noch ersichtlicher tun werde; aber so ein
hochtrabendes Volk Meiner völlig vergißt bei solchen auffallenden
Gelegenheiten, da werde Ich auch des Volkes vergessen.
[HiG.03_48.03.19,23] 23. Oder möchte wohl
jemand meinen aus euch, die Patrouillen von einigen aufgeblähten Jungen – die
da sind voll Schlafes geistig und körperlich, und sind sie schon leiblich wach,
untereinander nichts als nur die unflätigsten Reden führen und sich in den
Schenken vollsaufen – werden die Stadt schirmen, so sie heimgesucht wird?
[HiG.03_48.03.19,24] 24. Meinet ihr etwa, so
die Patrouillen zu schwach wären, da werden dann schon die Kanonen ihnen zu
Hilfe kommen?
[HiG.03_48.03.19,25] 25. Ich aber sage: So
Ich nur eine halbe Million Heuschrecken über euch sende, so lauft ihr samt all
euren Kanonen zum Plunder, geschweige so Ich euch eine solche Masse Volkes über
den Hals senden werde!
[HiG.03_48.03.19,26] 26. Was braucht ihr aber
nun all das kriegerische Zeug, so die Hauptsache schon ohnehin in der
Kaiserstadt abgemacht wurde? All euer Getue ist nun eine eitle Prahlerei, die
ihrer Züchtigung nicht entgehen wird.
[HiG.03_48.03.19,27] 27. Nur einige Tage noch
und das Landvolk wird die Stadtgardisten erkennen und ersehen, daß sie nicht
für selbes, sondern wider seinen Sinn sind; da wird es dann angehen!
[HiG.03_48.03.19,28] 28. Die sich jetzt voll
Mut zeigen, werden bald die geheimsten Winkel suchen, um sich vor der Wut des
Landvolkes zu verbergen.
[HiG.03_48.03.19,29] 29. Die Stadt jubelt nun
gar sehr und tut wie ein Sieger; o das ist sehr eitel! – So viel Jubel nun, so
viel Wehe bald!
[HiG.03_48.03.19,30] 30. Ihr wisset, daß ohne
Mich nichts ist und nichts werden kann. Ich aber sage euch: Unter diesen Tollen
bin Ich nicht, durchaus nicht mit diesen Säbelbehängten; was wohl werden sie
tun ohne Mich? – –
[HiG.03_48.03.19,31] 31. Die Herren dieser
Stadt geben sich wohl viele Mühe, aber sie wird eine fruchtlose sein; denn sie
tun es nicht mit Mir!
[HiG.03_48.03.19,32] 32. Einer wohl ist
darunter, der Mein Freund ist, aber die Stadt achtet nicht sehr auf ihn, und er
muß nun tun, was sie will. O das wird der Stadt zu keinem Segen gereichen,
obschon Ich ihn gesegnet erhalten werde!
[HiG.03_48.03.19,33] 33. Gebet acht und
rechnet genau, jede Anordnung von der höchsten Behörde wird bald mit viel
Schmach bedeckt werden, da sie Meinen Geist nicht hat und nicht kennt und baut
nun nur auf den jüngst und eitel geschaffenen Geist der Gewalt, für die zwanzig
Wölfe hinreichen, um sie zu zerstäuben!
[HiG.03_48.03.19,34] 34. Was solle das wohl
heißen, ein gewisses Werk beginnen und dann selbst wider dasselbe zu Felde
ziehen? Wollt ihr den Zöllner machen, auf daß das Landvolk desto eher über euch
komme? –
[HiG.03_48.03.19,35] 35. Ich sage euch aber,
die ihr Meine Freunde seid, gehet mit Mir zu den Armen und nicht ohne Mich zu
den Ansehnlichen, so werde Ich euch in der Zeit der Gefahr auch schirmen,
ansonst ihr bei euren Ansehnlichen und Holden Schutz suchen müßtet. Ob ihr ihn
findet, weiß Ich euch zu sagen nicht!
[HiG.03_48.03.19,36] 36. Denn wahrlich, Ich
sage es euch: Ich habe kein Wohlgefallen an denen, die nach der Mode sich
kleiden in diesen Zeiten, in denen gar so viele kaum ihre Scham mit den
schlechtesten Fetzen bedecken können.
[HiG.03_48.03.19,37] 37. Wie weit will es
denn die Welt mit dem sogenannten Nobeltun, Visitemachen, Nobelkleiden und
allerlei Komödiespielen noch treiben, wo du doch überersichtlich Meine
strafende Hand über ihren Häuptern ersiehst?
[HiG.03_48.03.19,38] 38. O ihr tollen
Menschen! So ihr nur ins Haus eures Nachbarn tretet, da zieht ihr euch schon
an, als ginget ihr in die Gemächer eines Königs, und machet dadurch euren
Nachbarn noch toller, als er es ehedem war. Und so er dann zu euch kommt,
treibt er's noch ärger denn ihr und will euch übertreffen.
[HiG.03_48.03.19,39] 39. Ich aber sage euch:
So ihr euren Nachbarn besucht, da zieht euch einfachst an, auf daß ihr ihn
nicht hochmütiger machet in seinem Herzen, als er es ehedem war.
[HiG.03_48.03.19,40] 40. Besuchet aber lieber
die Armen häufig, und Ich werde euch schützen und schirmen in jeglicher Not!
[HiG.03_48.03.19,41] 41. Also nehmet auch
nicht teil an dieser gegenwärtigen Bewaffnung. Ich sage euch, sie wird euch wenig
Schutz bieten; denn sie steht nicht unter dem, der mit Mir wandelt! – Die aber
nun ihre Leiter sind, kenne Ich nicht, wie auch sie Mich nicht kennen!
[HiG.03_48.03.19,42] 42. Ich sage euch, diese
blinden, hochmütigen Leiter werden über kurz oder lang selbst übereinander
herfallen, da einer wird weiß und der andere schwarz wollen!
[HiG.03_48.03.19,43] 43. Vertrauet ihr alle
aber nur auf Mich und richtet euch nach Meinem Willen, so werde Ich euch und
eure Habe schützen und schirmen vor jeglichem Anfalle; denn Ich weiß, daß ihr
redlichen Geistes und Herzens seid. Daher Mein kräftigster Segen mit euch allen
Amen.
Kommunalpolitische Ratschläge. – 21. März
1848.
[HiG.03_48.03.21] An Meinen lieben Freund A.
H. Willig.
[HiG.03_48.03.21,00] Motto: Der Gerechte darf
niemanden scheuen, und der Gute im Herzen ist seines Lohnes wert. – – –
[HiG.03_48.03.21,01] Mein Freund und Bruder!
Ich kenne all dein Handeln und sage dir, daß es gut und recht ist. Wenn es die
über alle Maßen habsüchtige, arge, böswillige, herrschgierige und schadenfrohe
wahrhafteste Gemeinwelt auch nicht einsieht und häufig nicht einsehen will, so
ändert das an der Sache dennoch nichts. Denn es gibt neben den vielen Bösen und
Dummen eben eine gleiche Anzahl Gute, das heißt Bessergesinnte, die dein
rechtes Wirken und hauptsächlich deinen guten Willen anerkennen. In deren
Angesicht wird die böse Gegenpartei aber schon ohnehin ehestens ihren
vermeintlichen Sieg ganz aufgeben müssen.
[HiG.03_48.03.21,02] Ändere du deine
Arbeiten, die du gestern Meinem Knechte vorgelesen hast, ein wenig um in den
Ausdrücken, durch die in jedem Falle die zum Teil lauen, faulen und mitunter
auch wirklich bösen Gemeinde- und Armenvorstände, in welcher Art sie es auch
seien, etwas zu scharf bezeichnet sind und lasse sie (deine schriftlichen
Arbeiten) dann samt und sämtlich öffentlich bekanntmachen, und du wirst dadurch
der Welt nicht nur vielen Nutzen bereiten, sondern wirst in lobender
Anerkennung bei den Besseren steigen. Und die Widersacher werden am Ende selbst
gestehen müssen, daß sie dir Unrecht getan haben durch ihre losen Reden und
böswilligen Drohungen.
[HiG.03_48.03.21,03] Fürchte dich nicht, denn
Ich bin bei dir und werde dich schützen, und es wird dir wie bis jetzt auch in
der Zukunft nichts Arges begegnen. Es werden wohl noch gar arge Stürme kommen;
aber wo Ich bin, werden sie nichts auszurichten imstande sein. Je heftiger aber
irgendein Sturm auftritt, desto kürzer dauert er; dann aber kommt bald ein ganz
anderer Wind!
[HiG.03_48.03.21,04] Du möchtest wohl auch wissen,
ob du diese deine gegenwärtige Stelle beibehalten sollst oder nicht. Da sage
ich dir: Solange die Sache wie nun steht, da bleibe du, was du bist. Mit der
Zeit aber berufe die Besseren und Ansehnlicheren der Stadt zusammen und frage
sie um ihren Rat in dieser Hinsicht, und was sie dann sagen werden, das tue!
Ich meine, sie werden dich nicht vor den Kopf stoßen, denn sie sehen deine
Tauglichkeit nur zu gut ein.
[HiG.03_48.03.21,05] Zu solcher Zeit aber,
wie du es bald erfahren wirst, wird der gegenwärtige dumme Wind auch sehr
bedeutend umschlagen, wie schon jetzt die Windfahne sehr unstet wird, und dann
wirst du dreimal fester sitzen denn je. – Es müßte nur allhier die arge Partei
sich nimmer dem besseren Willen fügen wollen, wozu ihr wohl auch der freie
Wille nicht genommen werden kann; dann freilich müßtest du deine Stelle
zurücklegen, denn da wäre sie deiner auch nimmer wert. – Dann aber gib acht,
mit welchem Gericht Ich diese Stadt heimsuchen werde! Ich sage dir: Sodom und
Gomorrha sollen dagegen im großen Vorteile sein! – Denn du weißt es, daß Ich
eine übergroße Geduld habe, aber ohne Grenzen ist sie nicht. Wehe dem elenden
Volke, über dem Meine Geduld bricht! – Wahrlich, Ich sage es dir, diesmal hängt
Meine Geduld über Groß und Klein nur an einem schwächsten Faden mehr!
[HiG.03_48.03.21,06] Schließlich bemerke Ich
dir noch das: So du etwa im Monat Mai deine Tochter mit einem Preußen
verehlichen willst, so tue du das so geheim als möglich oder verschiebe das
noch eine längere Zeit, denn es gibt hier einige Bösgesinnte, die sich dadurch
beeinträchtigt fühlen und wollen am Hochzeitstage deiner Tochter und ihrem
Bräutigam Übles antun. Das sage Ich dir zu deiner Richtschnur. Am besten aber
wäre es, so du diese Sache wenigstens vorderhand ganz suspendieren könntest.
Denn Ich sage es dir, es wird das Land, dahin deine Tochter heiratet, mit drei
gar mächtigen Plagen heimgesucht, da es Meine häufigen, gar friedlichen
Heimsuchungen nicht erkannt hat!
[HiG.03_48.03.21,07] Dein zukünftiger
Schwiegersohn aber würde am besten tun, so er in seinem Lande sein Gut
verkaufte und kaufte sich hier in diesem Lande irgendwo etwas an; denn sein Gut
wird im Sturme dieser Zeit bald sehr verwüstet aussehen.
[HiG.03_48.03.21,08] Ich habe dir, du Mein
Freund und Bruder, wie ein wahrer Freund und Bruder seinem liebsten Freunde und
Bruder alles in aller Kürze angezeigt, was dir und deinem ganzen Hause frommt.
Du aber tue danach, so wirst du guten Weges wandeln, und Ich werde mit dir sein
und werde dich allezeit segnen amen. – Das sage Ich, dein Vater, Freund und
Bruder dir amen, amen, amen. – – –
Beten oder Flucht? – 25. März 1848.
[HiG.03_48.03.25] Der Marie H.
[HiG.03_48.03.25,01] Kindlein! Ich sage euch,
nun betet, auf daß ihr nicht fallet in die Versuchung und in das Gericht der
Welt! Denn nun ist des Satans letzte Freilassung und das große Weltgericht vor
der Tür, welches Gericht auch heißt das Ende der Welt, – das heißt nicht etwa
das Ende der Erde und aller Kreatur auf ihr, sondern das Ende der Welt auf der
Erde, welche Welt da ist die nunmalige Vollherrschaft der Hölle auf der Erde,
die zwar nicht lange dauern, aber an Gräßlichkeit alles übertreffen wird, was
seit Anfang der Schöpfung auf dieser Erde derart sich ereignet hat!
[HiG.03_48.03.25,02] Das lieblose, von Mir
nichts wissende und nichts wissen wollende überdumme Volk dieser Stadt setzt
sich selbst das Messer ans Herz, da es ohne Gesetze sein will und schon jetzt
gegeneinander zieht. Und es wird in der nächsten Zukunft einen noch schrofferen
Gegensatz bilden, was eigentlich gut sein wird; denn da wird sich die Schlange
selbst zerstören. – Wenn es aber arg kommen würde, da freilich würde es rätlich
sein, aufs Land zu ziehen, da in den Städten lange Zeit keine Ordnung herrschen
wird. Darum betet für die Erhaltung der Ordnung und der jetzigen Gesetzesaufrechterhalter.
So diese durch gute Gebete erhalten werden, da wird es noch gut sein, – so es
aber dem arggesinnten Pöbel gelingen dürfte, diese Gesetzerhalter zu entfernen,
da betet doppelt und fliehet in Meinem Namen auf das Land. Denn da wird die
Stadt zu einer Mörder- und Räuberhöhle und wird geschlagen werden durch ein
schreckliches Gericht. – Aber Ich werde euch dennoch schützen, so ihr alle in
Mir verbleibet, wie Ich bei euch und in euch!
[HiG.03_48.03.25,03] Diesen Rat für euch alle
gebe Ich dir, Mein Töchterlein, zu deinem Namenstage als ein gutes Angebinde.
Befolget ihn aber auch alle, so es not tun wird amen. In Meinem Namen amen,
amen, amen. –
Gefahrvolle Lage. – 4. April 1848.
[HiG.03_48.04.04] O Herr, Du allezeit wie
ewig bester, wahrster und liebevollster Vater aller Menschen und Engel! Du
alleiniger allmächtiger Lenker aller Wesen, aller Dinge, aller Welten und
Sonnen! – Du siehst und hast von Ewigkeit schon vorgesehen, wie die Dinge auf
der Erde sich nun gestalten. Ganz entsetzlich düster und drohend sieht es hier
aus. Ein Aufstand gibt dem nächsten die Hand, die Gesetzlosigkeit nimmt zu von
Stunde zu Stunde, indem den rechtmäßigen Gesetzesaufrechterhaltern alle Mittel
genommen sind, eben die Gesetze, durch die die Ordnung bedingt ist,
aufrechtzuerhalten. – Was sollen denn wir, die wir allezeit uns an Dich
gehalten haben und uns ewig allein an Dich halten wollen und werden, nun tun in
Deinem allerheiligsten Namen? Wohin gleich einem Lot sollen wir fliehen, so Du
diese erbärmliche Stadt mit einem Gerichte heimsuchen wirst, weil sie von Dir
völlig abgefallen zu sein scheint? – O Vater! wir alle bitten Dich in unserem
Herzen flehentlichst, gib uns armen Sündern einen Rat, einen heiligen Wink! –
Wir wollen ja alles aus allen unseren Kräften gerne tun, was immer Dein
heiligster Wille uns anzeigen möchte. – O Vater! vergib uns unsere Sünden, wie
wir allen unseren Beleidigern und Feinden vergeben, und führe uns nicht in die
Versuchungen der Hölle, sondern erlöse uns von allen den Übeln!
[HiG.03_48.04.04,01] Schreibe! Wie diese Zeit
beschaffen ist und was nun die Menschen denken, trachten und tun, weiß Ich und
weiß auch, was Ich tun werde, so wie Ich es euch schon zu öfteren Malen
vorhergesagt habe, und ihr es also auch wisset, was da kommen wird, wenn das
überdumme und blinde Volk dieser Stadt auch in die entschiedene Bosheit
übergehen wird, wovon es nun wirklich um kein Haarbreit mehr entfernt ist.
[HiG.03_48.04.04,02] So aber das in Kürze
über diese Stadt wie auch über andere nicht minder arge Orte und Städte dieser
wie auch anderer Provinzen kommen wird – nämlich ein Greuel der Verwüstung, da
fliehet entweder nach Kärnten oder auch in diesem eurem Lande wenigstens acht
bis zehn Meilen weit von dieser Stadt entweder nach Unter- oder Obersteier, und
ihr werdet dort dann schon eine Unterkunft finden gegen eine mäßige Miete. Ich
will euch aber darum nicht einen bestimmten Ort anzeigen, weil in jedem Orte
willensfreie Menschen wohnen, die heute so und morgen anders sein können. Es
genüge euch, daß Ich euch dort, dahin ihr unterdessen ziehen wollt, vor allem
Übel beschützen will und werde. Aber bereithalten zum Abzuge von hier müßt ihr
euch für jeden Tag wohl; denn so Ich zu euch sagen werde, morgen ziehet von
hier, da wartet nicht bis zum dritten Tage! Daher trefft nun mit euren Sachen
eine gute und rechte Ordnung.
[HiG.03_48.04.04,03] Ich will aber
euretwillen und noch einiger dieser Stadt willen wohl sieben bis vierzehn Tage
noch zugeben zur Besserung und Rückkehr zu Meiner Ordnung im Sinne der gegenwärtig
sie zur Buße rufenden römischen Kirche. Wird diese Stadt sich aber daran ganz
und gar nicht kehren, was ihr leicht sehen und erkennen werdet, dann werde Ich
obigen Termin schwerlich noch einmal setzen, und ihr werdet daraus ersehen, daß
die Zeit zum Abzuge vor der Tür ist.
[HiG.03_48.04.04,04] Es werden aber nun wohl
noch manche sogenannte Spektakel vorfallen, die euch jedoch nicht allzusehr
ängstigen sollen, indem Ich ja doch bei euch bin; ansonsten es euch ergehen
könnte wie dem Petrus, als er zu Mir über das bewegte Meer kam.
[HiG.03_48.04.04,05] Ängstiget euch auch
nicht, so ihr von hier ziehen müßtet, sondern tut alles freudig und in festem
Vertrauen zu Mir, da werden wir bald und leicht einen Ort finden, der uns
taugen wird für eine Zeit. Mein Knecht aber ist ja ohnehin bei euch, durch den
Ich stündlich mit euch reden kann, schriftlich und mündlich, für euren
augenblicklichen Bedarf, wie nicht minder auch durch eure eigenen Herzen, so
ihr da Meiner Rede harren wollt. Und so könnet ihr ganz unbesorgt sein, da Ich
also doppelt bei euch bin stündlich!
[HiG.03_48.04.04,06] Der liebe Bruder Andrä,
der nun seiner Familie nach Wien folgt, aber soll in dieser Stadt sich samt den
Seinigen nicht zu lange aufhalten; denn da wird es auch bald ganz absonderlich
aussehen, da niemand mehr wissen wird, wer da der Herr, der Koch und der
Kellner ist. Besonders so auch diese Stadt in ihrem hoch- und herrschsüchtig
bösen Wahne wie bis jetzt fortfahren wird und wird nichts oder wenig tun
obererseits und zu unmäßig viel und zu Törichtes verlangen untererseits, was
sehr in Aussicht gestellt ist, da keine Partei nun mit sich einen mäßigen
Handel machen läßt. – Die Besitzung im Untersteierland, Merlhof, solle ihm ein
sicheres Asyl sein, wie auch für euch ersten, allfälligen nötigen Augenblicks,
von wo aus der sichere Weg nach Kärnten – dem sichersten Ländchen dieses
Reiches – führt, obschon es auch nicht ganz ohne Exzesse durchkommen wird.
[HiG.03_48.04.04,07] Niemand von euch traue
Wien, denn da werden noch gar seltsame Dinge vor sich gehen! – Ich sage es euch
wie im Vertrauen: Da stehe Ich für nichts, was da von heute bis morgen
geschehen kann! Denn diese Stadt ist nun von Mir aus vogelfrei, wie es war die
Stadt der Franzosen. Versteht ihr das?! – Daher mache sich vorderhand auch ein
jeder auf alles gefaßt! – Sie kann steigen mächtig, wenn sie ihre Zeit erkennt,
aber auch fallen tiefst, so sie ihre Zeit nicht erkennt! – Das zu eurer
geheimen Wissenschaft und Darnachrichtung! – Schließlich aber empfehle Ich euch
nun wie allezeit Meinen Knecht. Vergesset seiner nicht, und Ich werde euer
nicht vergessen und werde euch ersetzen vielfach, was ihr ihm tut und tun
könnt; denn weltlich hat er außer seiner Musik wirklich bis jetzt noch nichts.
– Mein Segen euch allen amen, amen, amen. –
Politischer Rat. – 7. Mai 1848.
[HiG.03_48.05.07] O Herr! Am Schlusse Deiner
früheren Gabe erwähntest Du diese gegenwärtige Zeit und daß man auf dem Lande
nun mehr zu fürchten hätte – ob einer gewissen Sichtung der Landleute – denn in
den Städten. So es Dein Wille ist, sage mir darob etwas Näheres, aber nur, so
es Dein heiliger Wille ist!
[HiG.03_48.05.07,01] Hast du denn kein
Gesicht, keine Berechnung? Siehst du denn nicht ein, wie die Menschen in den
Städten sich nun zu sondern anfangen und nüchterner werden, da sie durch Mangel
an Erwerb in einen stets fühlbareren Notstand gesetzt werden und daher schon so
manche an Mich zu denken anfangen? Auch wird schon wieder ganz tüchtig gebetet
in einigen Häusern, was da ein gutes Zeichen ist.
[HiG.03_48.05.07,02] Es gibt wohl noch sehr
viel Unkraut unter der besseren Frucht, aber dazu sind die Schnitter auch schon
unterwegs, die mit dem Unkraute bald fertig werden; dann werden die Städte zu
Eden, das Land aber hie und da zur Wüste! – Nun aber höre auch, warum das Land
nun stark gesichtet wird, und wie.
[HiG.03_48.05.07,03] Siehe, das zuallermeist
überdumm gemachte Volk, das allen Steuern von jeher feind war, hat nun von
einer Freiheit etwas gehört und vom Nachlasse der grundherrlichen Gaben. Es ist
ihm dadurch ein Finger gezeigt worden, aber es will nun die ganze Hand haben;
es will Herr sein! Es will die Städter zu seinen Füßen und bitten und betteln
sehen, auf daß es diesen um teures Geld etwas verkaufe von den zum Leben
nötigen Landfrüchten. Es wird sich betrinken und toben gegen den Städter und
wird übel vertreiben die Beamten des Landes, und es wird sein, wie es schon
ist, überroh und grob gegen jeden städtisch Gekleideten, so dieser ihm nicht
gewähren wird auch die absurdesten Dinge und nicht selten die ausgelassensten
Wünsche.
[HiG.03_48.05.07,04] Also wird es auch dem
Grundherrn übel begegnen, zuerst natürlich dem härteren und ungerechteren, am
Ende aber dem besseren und gerechteren. – Ja das Landvolk wird auch lange kein
besseres Glaubenslicht annehmen und wird gegen jeden reiner und freier
Denkenden tödlich zu Felde ziehen, besonders gegen Menschen fremder Zunge.
[HiG.03_48.05.07,05] Du siehst nun ein, daß
Ich dies ungebärdige Volk gar hart werde heimsuchen müssen, um es wieder in
eine Ordnung zu führen. Also wirst du aber auch einsehen, warum das dumme und
nun wirklich zumeist böse Landvolk eine tüchtige Sichtung vonnöten hat – und
Ich sage es dir, ganz besonders nächst dem Ungarn das Steirer-Landvolk, und da
das deutsche so gut, wo nicht mehr noch, denn das viel scharfsinnigere
slawische im allgemeinen. – Oder sahst du nicht, wie hier eine Slawin ihrer
Nation halber nur drei schmale Bänder ausgehängt hatte und wurde darum von
allen Deutschen insultiert, während die Slawen gar häufig die deutsche Fahne aushängen
und deutsche Abzeichen tragen und es keinem Deutschen verwehren, sein
Nationalzeichen zu tragen? –
[HiG.03_48.05.07,06] Was meinst du wohl,
welches Volk ist da nun besonnener und nachgiebiger? – Ich meine, die Antwort
wirst du leicht finden, aber auch, wo die meiste Sichtung vonnöten sein wird, –
denn Ich sehe nicht auf die Zunge, sondern nur auf die Herzen aller Meiner
Kinder! Bei Mir hat der Deutsche nichts vor dem Slawen und der Slawe nichts vor
dem Deutschen voraus! Wer sich aber nun erhöhen will, den werde Ich tief
erniedrigen amen; das sage Ich amen. – – –
Des Kaisers Flucht aus Wien. – 21. Mai 1848.
[HiG.03_48.05.21] (Abreise des Kaisers nach
Innsbruck am 17. Mai 1848.)
[HiG.03_48.05.21] O Herr, Du liebevollster
Vater! Wir bitten Dich, gib uns nach Deinem alleinigen Wohlgefallen und
allerheiligsten Willen irgend eine Kunde, was wir von der geheimen Abreise
unseres Kaisers aus der Residenzstadt Wien, vorgeblich nach Innsbruck in Tirol,
zu halten haben und was davon zu erwarten. – So es Dein heiliger Wille, da gib
uns einige Winke! – –
[HiG.03_48.05.21,01] So schreibe! Habt ihr
denn nicht in einer früheren Kundgabe gelesen, da Ich euch zum voraus erklärt
und gezeigt habe, daß die Kaiserstadt freigegeben wird wegen ihres tollen
Treibens? Sehet, nun ist das über sie gekommen, was über sie gesagt wurde. –
Die nächstkünftige Zeit dieser Stadt wird die Früchte in schwerer Menge
aufzuweisen haben, die ihr diese wahre Vogelfreiheit erzeugen wird.
[HiG.03_48.05.21,02] Ich sage euch, diese
Stadt will keinen Kaiser, der über sie herrschen solle; denn herrschen will nun
die Stadt selbst. Sie will bloß einen Kaiser des Glanzes und der Habsucht wegen
und einen Kaiser, der künftighin fast keine Steuern verlangen soll, sondern aus
höchsteigenen Mitteln alle Staatsbedürfnisse decken möchte und daneben als
Kaiser mit dem glänzendsten Hofstaate jährlich nur in Wien und sonst nirgends
wenigstens fünfzig Millionen verzehrte, wofür ihm dann bei verschiedenen
Gelegenheiten papierne Triumphbogen und mehrere Schusterbubenvivats zuteil
würden nebst mehreren patriotisch klingenden Gedichten. – So ein Kaiser wäre
den Wienern wohl am meisten erwünscht.
[HiG.03_48.05.21,03] Da sie eben aus diesem
Kaiser einen solchen machen wollten, der nichts mehr zu reden hätte, sondern
nur zu gehorchen dem souveränen Volke, – so tat der Kaiser recht, daß er sich
aus dem Staube machte, da er zu einer Null herabgemacht wurde! Dieses
übermütige Wienervolk muß ein Gericht bestehen und in eine große Not versinken,
sonst wird sein Geist nie zu einem folgerechten Gemeinwirken sich erheben.
[HiG.03_48.05.21,04] Glaubet, was Ich euch
sage: Solche Menschen, an die das Los von Millionen gebunden ist, als da eben
sind Kaiser, Könige, Herzöge usw., hängen in ihrem Handeln nicht von ihnen
selbst, sondern allezeit von Mir ab, der Ich am besten sehe, wie alle Herzen
des Volkes beschaffen sind, und daher auch gar wohl weiß, wie der Sinn des
rechtmäßigen Regenten beschaffen sein muß, damit er als ein dem Volke
angemessener Leiter dasteht.
[HiG.03_48.05.21,05] Ich werde daher auch nie
einen Regenten ob seiner Handlungen zur Rechenschaft ziehen; denn jeder Regent
tut, wozu er von Mir angetrieben wird. Ich aber werde mit den Regenten wohl
auch rechten in der Zeit, aber nicht wegen ihrer Handlungen, sondern ob sie
sich selbst die Macht angemaßt haben, oder ob sie Mir darum die Ehre gaben;
denn es besteht nirgends eine Macht in den Händen eines irdischen Herrschers,
außer die Macht aus Mir. Daher soll auch jedermann dem rechtmäßigen Kaiser oder
König gehorchen; denn der Ungehorsame ist nicht dem Herrscher, sondern Mir
Selbst ungehorsam und wird darum Meiner Rute nicht entgehen!
[HiG.03_48.05.21,06] Und also wird auch Wien
gezüchtigt werden, weil es nicht bei Mir, sondern in seiner eigenen Faust Hilfe
gesucht hat. – Oder habt ihr bei den vielen Schriften, deren Zahl bald den Sand
am Meere übertreffen wird, wohl auch schon einen Aufruf zu Mir um Abhilfe
gelesen? – Ich weiß nichts davon. Lassen wir sie daher nur Beschlüsse machen
und Petitionen zu Tausenden, – Ich aber bin allein der Herr und weiß, was Ich
tun werde. Ich sage euch, alle diese Projekte, alle Reichstage, all ihre
Beschlüsse und Gesetze will Ich zerschmeißen und zuschanden machen!
[HiG.03_48.05.21,07] Der Kaiser ist aus Wien
abgereist in aller Stille, – merket, es war Mein Wille. Er zog in gutes Land,
dessen Volk um sehr vieles besser ist als die vielen Wiener. Er wird von diesem
Lande auch nicht eher nach Wien zurückkommen, als bis Ich es wollen werde.
[HiG.03_48.05.21,08] Es gibt in Wien wohl
auch noch viele, die da besser sind und sind keine Speichellecker, keine
Aristokraten, sondern Freunde der Wahrheit, der Ordnung und ehrlicher Sitten.
Diese Besseren wünschen den rechten Fortschritt des Geistes; sie sind keine
finsteren Pfaffenfreunde, obschon sie in diesen Lehrern der Nacht den
Menschenwert nicht außer acht lassen. Sie verfolgen auch die Adeligen nicht, so
diese den rechten Menschensinn in ihren Herzen haben. Wohl bedauern sie die Dummen
und beten für sie; aber so ehrlich gut es auch diese meinen, so werden sie aber
von der Masse dennoch nicht beachtet und auch nicht gehört.
[HiG.03_48.05.21,09] Sie seufzen gewaltig
über den vollends verkehrten Sinn der großen Masse, die sich nun lediglich
durch Säbel, Schießprügel, Kokarden und Uniformen und Bänder und Fahnen und
Roßschweife helfen will. Aber Ich sage euch: Ich werde sie nicht lange mehr
seufzen lassen, sondern eine Hilfe senden, über die alle die sogenannten
Großproletarier steifer werden vor Angst als der ewige Nordpol selbst! – Da
werden diese jetzt so stark sich Dünkenden schwächer werden denn ein
Schilfrohr; aber die jetzt Schwachen werden zu einem herrlichen Siege erstehen
und werden sich freuen einer rechten Freiheit – nicht einer solchen, wie die
jetzige nun ist, sondern einer wahren des Geistes in Meinem Namen!
[HiG.03_48.05.21,10] Diese gegenwärtige
Bier-, Tabakrauch-, Kaffeehaus- und Hurenfreiheit wird doch etwa keinem wahren
Christen als wünschenswürdig erscheinen? Daher muß sie aus der Wurzel
ausgerottet werden. – Glaube aber ja niemand, als wollte Ich Meine Kinder
abermals geknechtet haben. O Ich sage euch, sie sollen wahrhaft in der und
durch die Wahrheit frei werden. – Aber das denke auch niemand von euch, daß je
jemand durch diese Pamphlets und durch die Säbel und Kokarden aus dem Joche der
Knechtschaft gelangen wird. Im Gegenteil, dadurch wird die echte Sklaverei nur
gefördert.
[HiG.03_48.05.21,11] Diese sogenannten
Volksfreunde werden bald demaskiert werden, und es wird sich nur zu klar
zeigen, von welchem Schrot und Korn solche Volkstribune sind, die zu allen
Zeiten ums Geld sich nur zu leicht zu allem gebrauchen lassen. Schlaget die
Geschichte auf und sehet, und ihr werdet es finden, daß die größten Tyrannen
allezeit aus den sogenannten Volkstribunen hervorgegangen sind. Daher werde Ich
solche Wesen nun auch nimmer emporkommen lassen, sondern da sie sich erheben
werden, da auch werden sie fallen!
[HiG.03_48.05.21,12] Ich will Ordnung,
Gehorsam und volle Ergebung in Meinen Willen, der allein gut ist; wehe aber
denen, die sich diesem widersetzen wollen, sie werden hart gegen den Stachel zu
löcken haben! – Ist nicht die Demut die erste Bedingung zur Freiwerdung des
Geistes? – Wo aber steckt diese bei den jetzigen sogenannten Volksbefreiern?
Etwa in der Uniform, im Säbel, im beroßschweiften Tschako, im Biere, in den
Zigarren, in den Kokarden, Bändern und Fahnen, in Kaffeehäusern, in frechen
Liedern, im Geilen mit den Huren? – –
[HiG.03_48.05.21,13] Sehet, ihr Meine Freunde
– wo aber sicher keine Demut als aller Liebe Grund zu Hause ist, wo solle da
die Liebe herkommen? Waret ihr nicht selig in eurer Jugend, so ihr ein zartes
Mädchenherz gefunden habt, das euch warm und in schnelleren Pulsen
entgegenschlug? Erquickte euch nicht allezeit ein sanfter Blick aus einem
holden Auge? Ja, er weckte euch sogar zu manchem Guten, Schönen und Erhabenen
und begeisterte euch zu edler Tätigkeit, durch die ihr einst euch in den
Vollbesitz eines zarten Mädchens versetzen könntet. – Ich sage euch, das war
edel und gut und brachte auch bald segensreiche Früchte. Wer sollte nicht
Freude haben an den zart gestalteten jungen Müttern Meiner werdenden Kinder?
[HiG.03_48.05.21,14] Wo aber ist nun diese
edle Liebe anzutreffen? Kennen diese jetzigen jungen Völkerbefreier sie? – Ich
sage euch, diese Liebe ist ihnen ganz fremd, denn sie sind ja nun lauter
Herrscher. Die Herrscher aber heiraten ja selten aus Liebe, sondern gewöhnlich
nur aus Politik und durch Prokuration. – Da diese nunmaligen jungen Vielherrscher
aber auf ihre Throne nicht heiraten können, so verachten sie ganz stoisch das
zarte Geschlecht und befassen sich lieber mit der Volksbefreiung durch Säbel,
Helm, Bier, Tabak, Katzenmusik und so weiter. Ich meine, ihr werdet aus dieser
Meiner Darstellung leicht entnehmen können, daß diese Art von einer
Volksfreimachung ewig nie zum rechten Ziele führen kann; daher erwartet auch
nichts von ihr.
[HiG.03_48.05.21,15] Aber das merket, daß so
der Frühling naht und auch schon da ist, seine ersten Monate allezeit die
stürmischsten und dümmsten sind. Also ist es auch bei der Ankunft des geistigen
Frühlings, diesem werden auch noch manche dumme Stürme vorangehen. Sie erzeugen
zwar nicht den Frühling, was allein nur die Sonne tut; aber wenn die Sonne zu
wirken beginnt, da werden freilich die Schmeißfliegen früher wach, als die
Lerchen und Nachtigallen. Aber lassen wir sie auch erwachen, nur halten wir uns
nicht an ihr Gesumse.
[HiG.03_48.05.21,16] Fraget nicht: Was haben
wir zu erwarten? – Ihr wisset es ja lange schon, daß der Gute allezeit nur
Gutes und der Schlechte nur Schlechtes zu erwarten hat. – Also fraget auch
nicht, ob und wann der Kaiser wieder nach Wien zurückkommen wird. Daran liegt
wenig nur. Fraget lieber nach Meiner An- und Wiederkunft; diese allein kann
euch helfen! – Der Kaiser aber wird tun, wie Ich es will, darum er Kaiser ist,
ob stark oder schwach, das ist gleich amen. – Das sagt der Herr aller Herren
amen, amen, amen. – – –
Die wahre Friedenssonne. – 14. Juni 1848.
[HiG.03_48.06.14] Ein kleines Bildchen.
[HiG.03_48.06.14,01] Der Erde droht eine
große Gefahr. Ihr Feind hat einen kurzdauernden freien Spielraum erreicht und
lacht höhnisch nun Zwietracht in der Menschen Herzen! Aber es kann nun nicht
anders sein; denn so das Sieb nicht mächtig gedreht, gerüttelt und geschüttelt
würde, da käme die Spreu nimmer vom Weizen. Oder so die Luft vollgefüllt ist
von bösen Dünsten, so daß allem Leben Gefahr zu drohen beginnt und das Licht
die finsteren Massen nimmer zu durchdringen vermag, da taugt ein sanfter Abendwind
nicht mehr, solche Luft zu säubern, sondern da müssen Orkane kommen und
flammende Blitze, auf daß sich die argen Geister vor ihnen beugen.
[HiG.03_48.06.14,02] Die Engel selbst dürfen
mit den Teufeln nicht als Engel, sondern müssen als Gegenteufel handeln, sonst
würden sie mit ihnen wenig ausrichten. – So du aber einen Acker hast, wird er
wohl Früchte tragen, so er zuvor nicht klein durchwühlt würde mit dem Pfluge? –
Also ist es auch hier nun. Der Satan tut das Seine, die Engel das Ihrige und Ich
das Meine, und also wird der Weizen wohl rein werden. – –
[HiG.03_48.06.14,03] Es werden aber noch
große Stürme kommen und werden gar viele große Felsen und Berge zerschmeißen.
Wie Spreu werden sie die Starken, Hohen und Großen in den Lüften zerstreuen, so
daß man suchen wird und wird nimmer finden die Stelle auf der Erde, da sie
hingeworfen wurden. Da wird sein ein mächtig Toben und Brausen und werden sich
viele Gemüter gar sehr fürchten und gewaltig ängstigen. Aber das muß alles
kommen, und muß mächtig kommen, um das Mächtige zu besiegen. – –
[HiG.03_48.06.14,04] Wenn eine Mücke geboren
wird, da freilich erbebt der Erdboden nicht und ist allenthalben Friede; denn
eine Mücke braucht nicht viel. Wenn aber Berge gezeuget werden, da freilich
sieht es ganz anders aus auf der Erde. Aber überaus stürmisch muß es sein, so
alte verhärtete Berge zerbrochen werden! – Gleichwie es da auch nicht soviel
Dröhnens macht, so ein Fürst eine neue Festung erbaut; aber wenn er als Feind
eine alte Festung schleift, da geht es sehr erschrecklich zu – und siehe, also
ist es auch nun der Fall.
[HiG.03_48.06.14,05] Fraget aber nicht, wer
da siegen wird; denn da wird niemand eher siegen, als bis das Licht der alten
Wahrheit die Gemüter der Kämpfer zerstreuen wird. Glaubet ja nicht, daß der
Reichstag ein Tag der Ausgleichung werden wird, o nein! Dieser Tag wird erst
das rechte Sturmfeuer anfachen. – Fürchtet euch aber darob nicht, denn Ich
werde für euch Sorge tragen. Aber die Sorge sollt ihr nun auch tragen, daß Mein
Licht ehestens in die Hände der Menschen gelangen möchte. Ich sage euch, das
würde der Welt bald helfen und euch reich machen doppelt. So ihr aber nun lau
werdet, was soll das dann der Welt und euch nützen?
[HiG.03_48.06.14,06] Ihr müßt nun auch
mitstürmen. So ihr aber stürmt und kämpft um Meinetwillen, da stürmt und kämpft
ihr einen gerechten Kampf, und der Sieg solle euch leicht werden. Denn eure
Mühe verlangen nicht eures Fleisches Glieder, in denen Wollust, Hochmut und
Geiz kämpfen und stets die alleinige Ursache aller Kriege sind, – sondern Ich
in euch verlange es von eurem Geiste, dem allein nun am Ende der Sieg gegeben
wird und der Friede, der da ist eine Frucht der rechten Gerechtigkeit und wird
gegeben denen, die in sich diesen Frieden haben und halten. Ich sage euch aber
auch, daß ihr ja damit nicht suchet eine Freundschaft mit der Welt zu
erreichen; denn wer der Welt ein Freund ist, der ist Mein Feind, und wer da
suchet der Welt Freundschaft, der sucht in einem Meine Feindschaft.
[HiG.03_48.06.14,07] Ihr müßt euch daher aus
einer gewissen kritischen Weltanfeindung nichts machen, denn so diese dem
zuteil wird, das ihr für Mich tut, da seid ihr eben dadurch auch Meiner
innigsten Freundschaft versichert. – So die Welt Mein Werk, das ihr herausgeben
sollet, kritisch belächeln und beschimpfen wird, so freuet euch dessen, denn
eben das wird ihr den vollen Untergang und euch den Sieg geben!
[HiG.03_48.06.14,08] Daher sage Ich euch noch
einmal: Suchet euch die Welt, wie und wo sie euch auch immer entgegenkommen
möchte, nicht zu eurem Freunde zu machen; denn der Welt Freundschaft ist Meine
barste Feindschaft. – Wer Mein wahrer Freund sein will, der muß der Welt
gegenüber elend sein und muß viel Leid tragen. Der Welt Lache muß in Weinen und
der Welt Freude in Traurigkeit verkehrt werden. Niemand aber kann etwas Gutes
tun, außer er tut Meinen Willen, der allein gut ist. So aber jemand diesen kennt
und tut nicht danach, der sündigt, weil er nicht tut Meinen Willen. – Daher
seid auch ihr emsig in der Ausübung Meines Willens, wollt ihr nicht sündigen
vor Meinem Angesichte.
[HiG.03_48.06.14,09] Es wird aber auf der
Welt noch gar viel Kämpfens sein und wird viel Fleisch getötet werden; aber
Meinen Freunden und den eifrigen Tätern Meines Willens solle dabei nichts Übles
begegnen. Wie groß wohl würde sich ein Fürst dünken, den Ich zum Lenker der
ganzen Erde stellte, und wie groß, dem Ich die Führung einer Sonne in die Hände
legte? – Aber was ist die Erde, was alle Sonnen gegen die Größe Meiner
Gnadensonne, die Ich euch gegeben habe, daß ihr derselben mächtigstes und
lebendigstes Liebelicht aller Welt könnet erstrahlen lassen!? – Ihr sehet
daraus, zu was Großem Ich euch berufen und erwählet habe!
[HiG.03_48.06.14,10] Da ihr aber das doch
offenbarst einsehen müsset, so müßt ihr aber nun auch danach handeln, daß ihr
euch solch eines allerhöchsten Amtes als würdig erweiset. Aber das bemerke Ich
euch auch, daß die Buchdrucker dieses Ortes, diese Kreuzerjäger, durchaus
schlecht taugen für die schnelle Veröffentlichung Meiner Werke. Daher wären die
Sachsen, Hamburger, Württemberger und auch noch andere deutsche Buchverleger
den hiesigen in jeder Hinsicht bei weitem vorzuziehen; denn ihr könnet es nun
schon beurteilen, wie lange im Verhältnis mit dem Liede ‚Die große Zeit der
Zeiten‘ ein hiesiger Verleger mit dem Werke ‚Meine große Haushaltung‘, von euch
‚Hauptwerk‘ benannt, zu tun hätte – drei Jahre würden zu wenig sein. Was wohl
möchte das euch und der Welt nütze sein? Daher müßt ihr und namentlich der
Bruder A. H. Willig darauf sehen, daß dieser alleinigen Friedenssonne ein
anderortiger schnellerer Aufgang bereitet wird; denn glaubet es Mir, solange
diese unterwegs bleiben wird, wird es nicht zum Frieden kommen auf der Erde!
[HiG.03_48.06.14,11] Im Gegenteil wird es nur
stets stürmischer und stürmischer werden, so daß am Ende ein jeder seines
Lebens kaum mehr sicher sein wird und wird verlieren alle irdische Habe, so er
irgendeine besitzt. – Denn so die Liebe erkaltet und der Verstand für sich
allein so kalt wie der Nord- oder Südpol dastehen wird, da wird auch bald jeder
Funke von Rechtsgefühl verschwinden, und der festeste sogenannte Kommunismus
wird an die Stelle allen Rechtes treten und wird gewaltigst zerbrechen alle
Schranken zwischen Mein und Dein. – Daher sehet, daß die Friedenssonne ehestens
der Welt verschafft wird, sonst wird eben diese Welt euch um all das Eurige
bringen; denn die Welt ist und bleibt stets gleich Welt!
[HiG.03_48.06.14,12] Der Welt fehlt nun alles
geistige Licht, denn die Diener Baalams haben ihr auch den letzten Funken
genommen und haben ihn erstickt auch in den Herzen der ohnehin wenigen, die
noch irgend einen schwachen Glauben hatten. Nun ist eine vollste Nacht
geworden. Niemand weiß mehr zu raten und zu helfen. Daher halten sie Rat über
Rat und wählen in einem fort Wähler über Wähler, um dadurch auf die Weisesten
des Landes zu gelangen. Aber sie sind nun alle blind und sehen und erkennen die
Weisen nicht, da sie sich nur an die Angesehensten halten und an jene, die eine
starke Stimme haben. Daher aber werden sie auch stets mehr Elend hervorrufen
und Raub und Mord und großes Blutvergießen, wie es sich nun schon an mehreren
Orten zu zeigen anfängt.
[HiG.03_48.06.14,13] Es ist sonach hohe Zeit,
mit dem rechten Lichte zu kommen, da sonst zuviel Elend über die Welt kommen
würde und müßte, um vor der völligen Zerstörung gesichert zu sein. Ich habe
wohl auch anderorts schon Leuchten gestellt und hie und da eine tüchtige Bahn
gebrochen, daher dies euch gegebene Licht nicht auf ungebahnten Wegen in die
Welt hinaus seine Reise antreten wird dürfen. Es ist sonach alles Mögliche
vorbereitet, und so kommt es nun nur auf euren Eifer an, so ihr der großen Völkersegnung
wollt gewärtig werden.
[HiG.03_48.06.14,14] Wahrlich, wer jetzt
zaudert, wer sich nicht aus seiner angewohnten Lebensweise gewaltsam
herausreißt, wer jetzt spart und nicht alles aufs Spiel setzt, der wird in
Kürze alles verlieren. Wer aber nun alles wagt, der wird vieles gewinnen; denn
Meine Staatspapiere werden nimmer zum Fallen kommen, und Meinen Weingarten wird
ewig nimmer ein Hagelschlag treffen und ein Reif versengen. Daher spekulieret
nun fleißig mit Meinen Staatspapieren und pfleget sorgsam Meinen Weingarten, so
werdet ihr viel Gewinn haben zeitlich und ewig amen. Das sage Ich, euer Herr
und Vater, euch allen amen, amen, amen. –
An alle! – 11. Juli 1848.
[HiG.03_48.07.11] Ermahnung zum Wachen und
Beten wegen bevorstehender großer Gefahr.
[HiG.03_48.07.11,01] Wachet und betet, auf
daß ihr nicht in Versuchung fallet; denn der Satan geht umher nun wie ein
wütender Löwe und sucht alle Menschen zu verschlingen. Kein Mittel wird er
unversucht lassen, um seine große Rache zu kühlen, weil man nun seinem treuen
Anhange, der herrschenden Hydra, auf den Kopf getreten. Er wird Völker
entzweien, daß sie sich zu Haufen erwürgen werden, wie sie es schon jetzt zu
machen anfangen; Ich sage eigens: anfangen – denn das alles, was bis jetzt
geschah, ist nur ein Anfang des Beginnens.
[HiG.03_48.07.11,02] Ich sage, kein Mittel
wird er unversucht lassen, um seine große Rache zu kühlen. Er wird jeden
Menschen bei seiner schwächsten Seite ergreifen und wird ihn erwürgen und
verderben, so der Mensch auch nur eine Minute sich von Mir entfernt in seinem
Herzen. Daher gilt es nun im vollsten Ernste – Leben oder Tod! Denn es soll nun
alles durchreutet werden auf das allergewaltigste, und was da des Teufels ist,
das soll des Teufels bleiben, und was Mein ist, das soll Mein sein ewig!
[HiG.03_48.07.11,03] Wer nun einen Funken
Hochmut hat, diesen Funken wird der Satan zu einem Bergbrande anfachen und aus
solch einem Menschen einen Satan machen. Hütet euch also vor dem kleinsten
hochmütigen Zornfünkchen, wollt ihr keine Teufel werden; denn der Satan lauert
und läßt keine Gelegenheit ungenutzt.
[HiG.03_48.07.11,04] Also wachet sehr und
betet, auf daß ihr nicht in die Versuchungen des Fleisches fallet; denn so
jemand nun da fällt, der ist ohne Rettung verloren. Denn so wahr Ich der Herr
und euer Gott und Vater bin in Jesu, dem Gesalbten, so wahr auch ist das alles,
was Ich euch hier verkünde!
[HiG.03_48.07.11,05] So irgend ein Vater
Töchter hat und hat in sich einen Stachel des Fleisches, wahrlich, wahrlich! –
der Satan wird aus diesem Stachel ein glühend Schwert zeugen und wird die Väter
zu Blutschändern machen, und die Söhne werden die Mütter beschlafen, und vor
den Brüdern werden die Schwestern nicht sicher sein. Also wird auch bei vielen
die stumme sodomitische Sünde erwachen und die Tierschändung, so daß es
zehnfach ärger sein wird, als es war zu Sodom und Gomorrha.
[HiG.03_48.07.11,06] Denn weil die große Hure
Babels geschlagen wird, die gebuhlt hatte im Geiste, darum eine solche Rache
des Satans, auf daß alles Fleisch bis in den tiefsten Grund verderbt werden
solle. Aber Ich habe auch Mein Schwert nun sehr scharf gemacht und werde ein
größtes Gericht über die Häupter aller Frevler gewaltigst schwingen!
[HiG.03_48.07.11,07] Meidet daher nun
übersorgfältig alles, was nur irgend das Fleisch reizt. Meidet den Wein, in dem
der Geist der Unzucht wohnt. Meidet solche Orte, wo euch freundliche reizende
Dirnen begrüßen. Betet allezeit und haltet Fasten, besonders im Weine und
Biere, und führet keine unreinen Worte, sonst seid ihr alle nicht sicher vor
den Versuchungen des Satans.
[HiG.03_48.07.11,08] Du irdischer Vater, Ich
sage dir für diese und für jede Zeit, so du Töchter hast, so liebe sie wie ein
Christ, aber nicht wie ein eitler Liebhaber, sonst bist du gefangen im Netze
des Satans. Denn wenn auch dein Geist deine Töchter als Töchter erkennt, was
nützt dir aber das, so dein Fleisch dennoch von dem Fleische deiner Töchter
geradeso wie vom Fleische anderer Dirnen gekitzelt wird und deinen Geist
betäubt und in deinen Nieren die unlautersten und verdammlichsten Begierden
erweckt, die dich töten auf ewig?! –
[HiG.03_48.07.11,09] Glaubet es Mir, wer in
dieser Zeit nicht alles aufbieten wird, um dem freigelassenen Satan in Meinem
Namen kräftigst zu begegnen, der geht verloren, und wenn er schon tausend
Bücher des lebendigsten Wortes gelesen und geschrieben hätte. Denn weder das
Lesen noch das Schreiben nützet etwas, sondern allein das Tun, – gleich als so
jemand auch zehntausend der besten Klavierschulen gelesen und abgeschrieben
hätte, so er sie aber nicht übt und studiert mit seinen Fingern auf einem
Klavier, sage, wird er wohl auch nur einen Takt eines Musikstückes darauf
spielen können?
[HiG.03_48.07.11,10] Haltet alle nun überfest
an Mir, wie Ich euch auch überfest halte, so werdet ihr in Kürze die
herrlichste Ursache haben, euch als Meine reinen Kinder in einer besten Zukunft
zeitlich noch, wie dann auch ewig über die Maßen zu erfreuen! Suchet auch mit
einiger Behutsamkeit mehrere Jünger für Mein Reich zu gewinnen; das wird euch
viel Segen bringen. Suchet aber vorerst mit Meinem Namen anzuklopfen, wird da
„Herein“ gesagt, da bauet weiter. Wo aber das Herein nicht oder nur mit
Achselzucken gegeben wird, da lasset den Bau und gehet weiter.
[HiG.03_48.07.11,11] Hütet euch aber auch vor
Geiz, Neid, Kleinmut, Ärger und gar vor Zorn; denn wie schon gleich anfangs
gesagt, es wird der Satan keine, auch die geringste Gelegenheit nicht
vorübergehen lassen, in den Menschen zu dringen und ihn zu verderben.
[HiG.03_48.07.11,12] Aber auch die Weiber und
Mädchen sollen nun sehr ernstlich sich an Mich anschließen, sonst werden sie
allerartige gewaltigste Schiffbrüche erleiden. Der Satan hat nun auch Legionen
fleischlich unreinster Geister flottgemacht, welche nichts eifriger zu tun
haben werden, als in die Bäuche der Weiber und Mädchen zu fahren und diese dann
auf das elendste zu plagen. Was bald ausbrechende Seuchen nicht töten werden,
das wird von dieser Brut entweder heimlich oder wohl auch offenbar geplagt
werden. Daher sollen besonders die Mädchen bald nach dem (Sonnen-) Untergange
sich in die Stuben zurückziehen und allda zu Mir beten, so werden sie vor allen
den Plagen gesichert sein.
[HiG.03_48.07.11,13] Haltet nun das alles
wenigstens nur ein halbes Jahr genau, dann werdet ihr von allem und dem größten
Übel befreit sein und bleiben amen. Das sage Ich als euer liebevollster und
geduldigster Vater, der euch ewig erhalten und nimmer zerstören will amen,
amen, amen. – – –
Politischer Rat. – Über die Zeitverhältnisse
– – 23. Juli 1848.
[HiG.03_48.07.23] An Andreas H. W.
[HiG.03_48.07.23,01] Es ist ein anderes, so
sich einzelne Menschen gegen ihre Herrscher auflehnen, was eine Sünde ist, und
ein ganz anderes, so ganze Völker durch Meinen Geist getrieben sich gegen ihre
zu gewissenlos gewordenen Herrscher erheben und sie von ihren Thronen heben
samt ihren tyrannischen Gesetzen!
[HiG.03_48.07.23,02] Und sieh, das ist doch
ganz unverkennbar soeben der Fall. Daher mußt du nun nicht mehr an den alten
Kram dich anklammern, der nimmer zurückkehren wird und darf. – Oder steht es
nicht im Evangelium: „Man tut den Most in neue Schläuche und nicht in die
alten, die er bald zerrisse und somit samt den Schläuchen zugrunde ginge“ – wie
man auch auf den Riß eines alten Rockes keinen neuen Fleck setzt, wo der Rock
schon beim Aufnähen mit jedem Stiche einen neuen Riß bekäme. Siehe, daher wäre
es nun auch im höchsten Grade unklug, so du mit dem alten verrosteten
Staatsgesetzkrame der neu erwachten Menschheit gegenüber auftreten möchtest und
wünschen frühere sklavische Ruhe und Ordnung, sondern tritt du nun wie ein neu
Erwachter auf!
[HiG.03_48.07.23,03] Fasse diese Zeit, halte
weder mit der alten Dynastie, noch mit den alten Gesetzen und schon gar nicht
mit den Aristokraten, welche ein alter Krebsschaden in der Menschheit sind;
sondern halte nun fester als je mit Mir und mit dem Volke, dessen Not dir mehr
als jemand anderem bekannt ist. So wirst du gut fahren und all dein irdisches
Vermögen in aller Fülle gesichert haben. Sonst aber muß Ich dir leider im
voraus verkünden, daß du, in deiner jetzigen Lage verharrend, dein bedeutendes
Vermögen bald wirst mit allen Laternen suchen können und wirst es kaum
wiederfinden.
[HiG.03_48.07.23,04] Besser aber ist es, du
glaubst Mir jetzt, als daß du späterhin sagen würdest: Ja, nun glaube ich's,
daß der Herr durch Seinen armen Knecht doch allezeit die reinste Wahrheit
geredet hat und hat es nicht zugelassen, daß dieser etwa seine eigene Ware für
eine göttliche ausböte, daher sie auch weniger Berücksichtigung verdiente,
besonders in den gewissen Nebenworten. –
[HiG.03_48.07.23,05] Lieber Andreas, Ich sage
dir: Du mußt jetzt hier sein, die Zeit studieren und deine Gelder hier verwalten
und damit Gutes tun, so wirst du viel gewinnen. Aber drunten in dem
Schneckenhause wirst du in keinem Fall irgendeine Progression machen, weder
irdisch noch geistig.
[HiG.03_48.07.23,06] Denn siehe, Ich Selbst
heilte auf dem Lande wohl manche Bresthafte und trieb allda die Teufel aus;
aber den Triumpheinzug hielt Ich dennoch in Jerusalem und das Abendmahl und die
Erlösung und die Auferstehung! Willst du alles dessen nun teilhaftig werden, so
mußt du dich im Orte des Lebens der Menschen und nicht im Orte des Lebens der
Schnecken, Schildkröten und Krebse aufhalten.
[HiG.03_48.07.23,07] Ich sage dir: Diese Zeit
wird etwas ganz anderes bringen, als du es je erwarten würdest! – Ich sage dir,
so du es fassen kannst: Wind-, Wasser- und Feuerhosen! – Sturm, Feuer, großes
Geheul! – Rache, Blut, Tod! – Volksherrschaft, Freiheit, Segen! – Amen. Das
sage Ich dir zu deiner Beachtung, Ruhe und vollsten Sicherheit amen, amen,
amen! –
Politischer Rat. Sieh nicht zurück und wandle
den Weg, wie er sich auch gestalte. – 3. August 1848.
[HiG.03_48.08.03] An Andreas H. W.
[HiG.03_48.08.03,01] Mein lieber Andreas H.
W.! Du möchtest wohl wissen, was du nun tun sollst, da man dich wieder ins Amt
zurückberief. – Ich sage dir, nimm vorderhand alles an, was man dir bietet, und
das ohne viele Umstände; denn längstens binnen einem halben Jahre wird ein ganz
anderer Wind wehen, und alle bisherige Staatsordnung wird ein anderes Gesicht
bekommen.
[HiG.03_48.08.03,02] So du aber im nun
äußerst wichtigen Amte stehen wirst, da schaue nicht zurück, sondern geradeaus
und vorwärts, denn du weißt es ja, wie es in der Schrift also lautet: „So aber
jemand am Pfluge ist und zurücksieht, ist er wenig geschickt zum Reiche
Gottes.“ – Also mußt auch du als ein rechter Jünger Meiner Gnade, Liebe und Erbarmung
nun vollends nach vorwärts deine Augen richten, so wirst du sehr viel Gutes
stiften und in Kürze zu großen Ehren gelangen.
[HiG.03_48.08.03,03] Wie es aber war, wird es
nimmer werden; denn die Menschheit würde in dem alten Hurenschlamme gänzlich zugrunde
gehen. Es muß eine neue Ordnung kommen. Um aber diese zu bewerkstelligen,
müssen solche Gewitter über die geistige Erde kommen, durch die sie von der
alten Pestilenzluft gereinigt wird.
[HiG.03_48.08.03,04] Es werden nun freilich
gar viele wehklagen, besonders die dem alten Hurenbabel Dienenden; aber es kann
nun nicht anders sein, da es doch besser ist, daß die Hure zugrunde gehe, als
so da zugrunde ginge die Erde.
[HiG.03_48.08.03,05] Wer aber in dieser Zeit
sich eine gute Stätte bereiten will, der tue nicht, wie dereinst getan haben
die stockblinden Juden, die Mich kreuzigten, um den Moses zu retten. Was aber
hat ihnen Moses bis jetzt genützt? Nahe zweitausend Jahre sind verronnen und
die alten Moseshelden, einst der Erde erstes Volk, stehen nun da ohne Land,
ohne Heimat und ohne Meine Gnade und können in ihrer alten Lade nirgends mehr
einen Grund fassen auf den Gewässern ihres alten toten Meeres!
[HiG.03_48.08.03,06] Daher, Mein lieber
Freund, tue nach Meinem Rate, gleichwie einst Meine wenigen Brüder es taten, so
wirst du besten Weges fahren.
[HiG.03_48.08.03,07] Frage nicht viel nach
dem Kaiser, der aus Wien zur Hälfte vertrieben und zur Hälfte von sich selbst
genötigt ging. Hat das Volk auch nicht recht an ihm gehandelt, so hat aber auch
er, das heißt in seinem Hoftume, sehr gefehlt gegen das Volk; denn ein rechter
Hirt soll die Schafe nicht verlassen, wenn er den Wolf kommen sieht. Wenn dann
in seiner Abwesenheit der Wolf in der Herde Schaden anrichtet, wer sonst als
der laue und zu furchtsame Hirt hat da die Schuld?
[HiG.03_48.08.03,08] Daher sieh nicht zurück
und frage weder ums eine noch ums andere, sondern wandle den Weg, wie er sich
auch gestalte! Ich aber werde dich begleiten auf allen den Windungen des Weges
und dich schützen und all deinen Besitz zeitlich und ewig. Aber sieh nun auch,
daß Mein lebendig Wort bald in die bessere Welt kommt amen. – Das sage Ich dir
zu deinem Troste und zu deiner Ruhe, amen, amen, amen. –
Ein Zeichen am Himmel und seine Bedeutung. –
30. August 1848.
[HiG.03_48.08.30] Jakob Lorber, dem am 17.
August 1848 innerlich angezeigt wurde, daß in der Nacht des 29. August zwischen
elf vor und eins nach Mitternacht sich ein Meteor zeigen werde, begab sich am
29. August auf die Höhe des Schloßberges, und zwar in die östlich gelegene
Windhütte. – Eine Viertelstunde vor Mitternacht sah er über dem Sieben-Turm ein
karminrotes Fünkchen, das sich im Verlaufe von einer Sekunde zu einer Scheibe
in Vollmondgröße ausdehnte. Der Meteor, dessen Licht immer blendender wurde,
bewegte sich anfangs langsam in schlangenförmigen Windungen, dann aber
pfeilschnell gegen Südwest und verschwand hinter dem Buchkogel bei Sankt
Martin. Diese Naturerscheinung währte im ganzen etwa fünf Sekunden. Nach dem
Verschwinden des Meteors folgte auf den sehr lauen Südwestwind plötzlich ein
eiskalter Nordwind, und der östliche Horizont hellte sich auf wie eine Stunde
vor Sonnenaufgang. Diese Helle im Osten hielt ungefähr drei Viertelstunden an.
– Am 30. August 1848 wandte sich Jakob Lorber an den Herrn und fragte um die
Bedeutung dieser Erscheinung. Der Herr sprach:
[HiG.03_48.08.30,01] Das bedeutet zuerst
Krieg, dann Hungersnot und schwere, d.i. pestähnliche Krankheiten, – endlich
wird Friede werden! –
[HiG.03_48.08.30,02] Ich meine, diese
Erklärung ist kurz und gut, und ihr wisset, was ihr zu tun habet, um überall
mit heiler Haut durchzukommen. Seid aber überhaupt nicht zu ängstlich um euren
Leib besorgt, der früher oder später seinen Weg wird gehen müssen, sondern
sorget vielmehr für die Seele und für den Geist, auf daß diese nicht zugrunde
gehen. Denn was würde es euch nützen, die ganze Welt zu gewinnen und tausend
Jahre, die vor Mir wie ein Tag sind, zu leben im Fleische, so ihr aber Schaden
hättet für Seele und Geist?
[HiG.03_48.08.30,03] Ist es daher nicht besser,
also sein Haus zu bestellen, daß so Ich jemanden von dieser irdischen
Haushaltung abrufen möchte, er dann getrost sagen kann: Herr! Vater! Ich bin
bereitet, Dein heiliger Wille geschehe! – als daß er alsbald zu zagen anfinge,
als gäbe es für ihn nur ein Leben auf dieser Welt, nach diesem aber ewig etwa
keines mehr?
[HiG.03_48.08.30,04] Wahrlich, wer da vor dem
Erstehen aus diesem Leben der Vergänglichkeit in das helle Leben des Geistes
eine Furcht nur hat, der soll gestärkt werden zur rechten Zeit. Aber wer da
verzagen würde aus zu großer Liebe für dies irdische Leben und aus zu großer
Angst vor dem Abfalle des Leibes, der zeigt, daß er an Mich und Mein Wort nie
geglaubt und es auch nie lebendig in sich aufgenommen hat; daher er aber auch
kein geistiges Leben in sich fühlen kann, sondern nur des Geistes Tod!
[HiG.03_48.08.30,05] Solche Menschen werde
Ich denn auch wegen ihrer möglichen Rettung vom ewigen Tode alle Schrecken des
Fleischtodes besonders zu solch einer Zeit fühlen lassen, in der das sehr sicher
eintreffen wird, was Ich in der aufgedeckten Bedeutung des gestrigen Meteors
angezeigt habe.
[HiG.03_48.08.30,06] Ich will euch aber damit
nicht sagen, als wollte Ich euch schon diese Nacht oder morgen von dieser Erde
abrufen, sondern Ich sage euch das nur darum, daß ihr furchtlos sein sollet bei
allem, was da über diese arge Welt kommen wird. Denn konnte Ich Noah erretten,
als die Erde mit Wasser bedeckt war, so werde Ich wohl auch euch zu schützen
und zu bewahren imstande sein, wenn ihr euch Meines Schutzes und Meiner Gnade,
Liebe und Erbarmung durch eure Liebe, durch euren Glauben und euer festes und
lebendiges, unerschrockenes Vertrauen als würdig erweisen werdet, – denn Ich
bin noch immer Der, der Ich zu den Zeiten Noahs war amen. Das sage Ich euch
nicht zur Vermehrung, sondern zur Verminderung eurer Furcht in diesen Zeiten
der großen Trübsal amen, amen, amen. – –
Gericht der Lieblosigkeit. – 1. Oktober 1848.
[HiG.03_48.10.01,01] Also schreibe, wie es
nun ist und sein wird.
[HiG.03_48.10.01,02] Nun ist erst der
eigentliche Anfang! – Ich habe den Völkern, all den Großen, Mächtigen und
Reichen und all den Kaufleuten, Künstlern und Gewerksleuten hinreichend Zeit
und Muße gegeben zur Besserung durch die mannigfachen Zeichen, als da sind die
kleinen Volksaufstände, kleinere Kriege, durch tausend Petitionen, Plakate und
aller Art Zeitschriften, also auch durch Seuchen, ortsweise Hungersnöte, durch
Geld- und Arbeitsmangel sowie auch durch Hagelschlag und Überschwemmung.
[HiG.03_48.10.01,03] So habe Ich auch
geschehen lassen, daß einige zu hab- und herrschsüchtig harte Könige und
Fürsten vom Volke über die Maßen gedemütigt worden sind.
[HiG.03_48.10.01,04] Ich habe Reichstage
angeordnet und habe die vielen dummen Adelsbriefe zerrissen, habe über die Hure
eine scharfe Rute geschwungen und ihre Diener auspeitschen lassen zu großen
Haufen.
[HiG.03_48.10.01,05] Wer sollte bei all
solchen mehr als handgreiflichen Zeichen meinen, sie werden es nicht erkannt
und begriffen haben, woher diese Zeichen kommen, auf daß man sich zu Mir kehren
möchte allerseits und von Mir durch eine wahre Buße und ernsthafte Gebete und
durch eine rechte Umkehr zu Meinem Worte – das da geschrieben steht im Buche
des Neuen Testamentes – Gnade, Erbarmung und Errettung von allen den kommenden
Übeln erflehen möchte? Aber siehe, von alldem ist keine Spur vorhanden.
[HiG.03_48.10.01,06] Die Großen und Mächtigen
holen sich nun Rat aus der Hölle und wollen durch künstlich erregte
Bürgerkriege sich wieder auf ihren alten Thronen festsetzen, aber Ich sage, da
wird nichts daraus, denn ihr Reich der Wollust, Geilheit und Hurerei ist zu
Ende! Denn sie haben nun alle mehr der großen Wollust, Geilheit und der
schändlichsten Hurerei wegen geherrscht und machten die armen Völker zum
gedrücktesten Schandlager ihrer Unzucht, und einer Hure wegen müssen Tausende
und abermals Tausende ihr Blut und Leben opfern. Darum Fluch und ewige Schande
solchen Lenkern der Völker! Sie sollen verweht werden wie Spreu. –
[HiG.03_48.10.01,07] Den Reichen, den
Künstlern und Kaufleuten (Fabrikanten) und den wohlhabenden Gewerksleuten
(darunter sind zu verstehen alle Gutsbesitzer, große Realitäten- und Erzwerksbesitzer)
habe Ich in dieser Zeit Tausende von Armen zugeführt. Allein, statt sie mit
weichen, mitleidigen Herzen zu empfangen, wies man sie mit Schwert und Feuer
von den Türen. Das schreit zu Mir um Rache, und Ich werde sie auch nehmen
hundert- und tausendfach! Denn so viele Gulden sie den Armen vorenthielten, da
sie ihnen gar leicht von ihrem großen Überflusse solch eine Kleinigkeit hätten
mögen zukommen lassen, ebenso viele Hunderte oder Tausende werden sie nun mit
Gewalt einbüßen.
[HiG.03_48.10.01,08] Wohl denen, die ihre
Herzen vor ihren armen Brüdern nicht verschlossen haben, die werden auch in den
höchsten Stürmen unter Meinen Händen ein sicheres Asyl finden. Wer aber all
sein Vermögen einbüßen und verlieren will, der fange jetzt an, hart und sparsam
zu werden. Wahrlich, ehe der Mond siebenmal sein Licht wechseln wird, wird er
all seines Vermögens ledig sein und dastehen wie ein Bettler, gestützt am
schwachen und gebrechlichen Stabe der Verzweiflung nach allen Seiten hin!
[HiG.03_48.10.01,09] Habt acht nun ihr
Großen, Mächtigen, Reichen, Künstler und Kaufleute, eure Zeit ist gekommen!
Denn euer Maß, euer schändlich Maß ist voll geworden von allerlei Hurerei,
Unzucht, Fraß, Völlerei, Herrschsucht, Haß, Geiz, Neid, Herzenshärte,
Unbarmherzigkeit und vollster Lieblosigkeit. Ich will und werde euch daher aber
auch ein Gericht über eure stolzen Häupter senden, desgleichen die Erde noch
nicht geschmeckt hat, dieweil der Glaube an Mich und die Liebe zu Mir und euren
Brüdern so gar und gänzlich aus euren Herzen entschwunden ist!
[HiG.03_48.10.01,10] Der erbittertste
allgemeine Krieg, darauf und danebst Hunger, Pestilenz und Feuer vom Himmel
wird euch also verwehen und aufreiben, als wäret ihr nie dagewesen! In wenigen
Jahren wird man eure Namen nimmer finden; denn ihr werdet aus dem großen
Lebensbuche gestrichen werden durch dieses größte, von euch wohlverdiente
Gericht.
[HiG.03_48.10.01,11] Wahrlich, kein Fleischer
verfährt mit seinem Schlachtvieh unbarmherziger und schonungsloser, als die
Völker mit euch verfahren werden, darum ihr Meine Warnung nicht erkennen
wolltet und trachtetet selbst in diesen Tagen des großen Elends der armen
Brüder, das ihr ihnen bereitet habt, ihr Elend nur noch zu vergrößern statt zu
verringern!
[HiG.03_48.10.01,12] Du, der du dein Vermögen
nach Hunderttausenden zählst, kennst die Not dessen freilich nicht, der schon
tagelang keinen Heller in seiner armen Tasche hatte; aber in der Zukunft sollst
du sie hundertfach kennenlernen!
[HiG.03_48.10.01,13] Du reicher Prasser, der
du aus lauter frevelndem Übermute nicht mehr weißt, mit welchen allerfeinsten
und teuersten Leckerbissen du dein elendes Fleisch nähren sollst, um es desto
wollüstiger und für Buhldirnen tauglicher zu machen, während tausend deiner
armen Brüder, die du gemeine Bestien und Kanaillen nennst, kaum des gröbsten,
kaum genießbaren Brotes so viel haben, um ihren brennenden Hunger zu stillen. –
O du elender, gefühllosester, reicher Schwelger, der du dir vor lauter Speck
und Fett kaum mehr zu helfen weißt, dein Magen weiß nicht, wie es dem geht, der
stets Hunger leidet! Aber du wirst es in der Zukunft kennenlernen!
[HiG.03_48.10.01,14] Hundertfaches Wehe aber
euch allergefühllosesten Dienern der großen Hure! Ich will und werde euch
schlagen aufs Haupt, da ihr selbst in dieser Zeit Mich nicht erkennen wollt und
wiegelt das Volk nur aus eurer allerschmählichsten Herrsch- und Habsucht gegen
diejenigen auf, die zur Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung gestellt sind,
und gegen die rechten Bekenner Meines Wortes; euch solle das Gericht am
härtesten treffen!
[HiG.03_48.10.01,15] Denn Ich Selbst werde
nun den Völkern Krone und Szepter und Schwert geben, und diese werden euch
hinausfegen wie eine Windmühle die Spreu vom Weizen, und Ich werde auf euer
unsinniges Gekrächze nicht mehr hören und werde euch zugrunde gehen lassen ohne
Unterschied. –
[HiG.03_48.10.01,16] Aber freuet euch ihr
wenigen Gläubigen und ihr Wohltätigen in Meinem Namen besonders in dieser Zeit,
denn euer harret ein schönes Los, so ihr bei Mir verharren werdet in diesen
Tagen der großen Versuchung; denn nachher wird euch keine Versuchung und
Prüfung mehr heimsuchen amen.
[HiG.03_48.10.01,17] Das spricht der Erste
und der Letzte, der nun führt das Schwert der Gerechtigkeit und des Feuers und
des Todes amen, amen, amen. –
Friedensarche in geistiger Sündflut. – 17.
November 1848.
[HiG.03_48.11.17,01] Schauet und trauet aber
nun außer Mir niemandem. Das spricht zu euch, der euch erschaffen, erlöst und
geheiligt hat durch Sein Wort und durch Seinen Geist! –
[HiG.03_48.11.17,02] Über die Erde geht nun
eine geistige Sündflut, wie einst vor viertausend Erdjahren zu den Zeiten Noahs
eine materielle gegangen ist. Jene tötete das Fleisch, und diese tötet aber
beides, das heißt Seele und Leib. Die Seele tötet diese Flut durch den Geist der
Herrschsucht, der nun, wie einst die Wasserwogen, zum Teil aus dem Erdinnern
und zum Teil aus der Luft, das heißt, aus deren bösen Geistern sich ergießt und
die Seelen, die er leicht überflutet, mit der Herrschsucht verdirbt.
[HiG.03_48.11.17,03] Und diese Flut ist wie
ein Feuer – und ist ebendasselbe Feuer, von dem es geschrieben steht, daß die
Welt durch dasselbe zum zweiten Male wird gerichtet werden allgemein. Wollt ihr
aber von dieser argen Feuerflut nicht ergriffen werden, so bleibet fest bei Mir
und urteilet ja nicht bald so und bald so, und saget auch nicht: Dieser oder
jener – oder diese oder jene Partei – oder die Großen oder die Kleinen haben
recht; denn Ich sage euch: Nun hat niemand recht als bloß der nur, der sich
weder hin noch her neigt, sondern ganz kerzengerade und felsenfest bei Mir
verbleibt und alles Mir ganz allein überläßt, – was darüber ist, Ich sage es
euch offen heraus, ist Sünde.
[HiG.03_48.11.17,04] Dies alles mußte also
kommen des Gotteswortes wegen, welches ist Mein Wort, das Ich Selbst vor
Jerusalem geredet habe über Jerusalem und desgleichen auch, wie ihr es wisset,
über die ganze Welt.
[HiG.03_48.11.17,05] Es werden noch gar große
Dinge geschehen, und viel Arges werdet ihr noch sehen und werdet davon reden
hören, und es wird ein Volk das andere verdammen. Eine Partei wird der andern
Galgen erbauen; die noch vor kurzem sich als Freunde begrüßten, werden sich
gegenseitig verraten, der Sohn den Vater und der Vater den Sohn.
[HiG.03_48.11.17,06] Fället aber ihr über
niemanden ein Urteil, sondern überlasset alles Mir allein, so werdet ihr euch
in Meiner Friedensarche befinden, in der euch nichts Arges dieser Zeit wird
erreichen können.
[HiG.03_48.11.17,07] Wer aus euch hat wohl
eine Macht, etwas zu wirken in der Welt und auszurichten in ihr? – Urteilt er
wider die eine Partei – so sie aber siegt, wird sie dann nicht kommen und ihn
ergreifen und Rechenschaft fordern von ihm? Und hält er es aber mit der andern
und siegt die erstere, wird diese nicht auch tun, wie die andere mit dem, der
wider sie war? Darum, da Ich bis jetzt noch keiner Partei den Sieg vorbestimmt
habe, als allein derjenigen, die mit Mir hält, so enthaltet euch jedes Lobes,
wie auch jedes Tadels, denn ihr wißt es nicht, wen ihr loben oder tadeln sollt.
Solches weiß allein Ich und werde jedem geben nach seinem Werke.
[HiG.03_48.11.17,08] So aber eine Macht
siegt, da gehorchet eben der Macht, die da gesiegt hat; denn sie wäre keine
Macht, so sie es nicht wäre aus Mir, denn Ich allein gebe Macht und Ohnmacht.
Die Macht siegt, und die Ohnmacht unterliegt. Oder war Ich, als Mich Pilatus
richtete, nicht so wie jetzt und ewig der alleinige Herr der Unendlichkeit? –
So Ich das Gericht des Pilatus annahm und widersetzte Mich nicht demselben, da
es sich doch um Meine eigene Haut handelte, also murret auch ihr nicht in eurer
Sicherheit über das, was nun geschieht. Denn so ohne Meinen Willen kein
Sperling vom Dache fällt und sogar alle Haare eures Hauptes gezählt sind, wie
sollen nun diese Dinge geschehen können so ganz ohne Meinen Willen? – Ist aber
das also Mein Wille, und das darum, weil es die Welt selbst also wollte und
noch will, so ist es aber dabei auch Meine Sorge, die zu bewahren, die fest an
Mir halten und alles Mir überlassen. Wisset ihr denn nicht, daß Meine
Ratschlüsse unerforschlich und Meine Wege unergründlich sind?
[HiG.03_48.11.17,09] Sehet, Ich sende
Wolkenbrüche, Blitze, Donner und Hagelschlag über die zumeist friedlichen
Alpenbewohner, und die Fluten rauben ihnen Ochsen, Kühe, Schafe und Ziegen, und
ihre Hütten reißen sie fort in die Abgründe, und ihrer Hände mühevolle Werke
werden verwüstet, während dem reichen Städter kein Haar gekrümmt wird. So ihr
da urteilen möchtet nach euren Rechtsbegriffen, wie wäre da Mein Handeln vor
euren Augen? – Ich aber urteile und handle also, wie es recht ist in der
Wahrheit.
[HiG.03_48.11.17,10] So irgend die reineren
Berge eine Geistespest beschleichen will, so wasche Ich sie mit den rechten
Mitteln hinweg, und die Alpe wird wieder rein. Der reiche Städter aber als kein
Kind der Höhe hat in seinem ungestörten Wohlleben aber auch zuallermeist seinen
Lohn dahin. Der Bessere aber wird schon auch gewaschen, wennschon nicht durch
einen Wolkenbruch, so aber doch durch allerlei andere Gewässer, – denn
ungewaschen kommt niemand in Mein Reich. –
[HiG.03_48.11.17,11] Ich brauche euch nicht
wieder vorzusagen, was da alles sonderheitlich noch geschehen wird; denn es
kann noch sehr viel geschehen, aber auch sehr wenig mehr – danach die Menschen
sich zu Mir oder von Mir wenden werden. – –
[HiG.03_48.11.17,12] Das Schwert hat schon
viel zu tun gehabt und hat arg gehaust; aber so die Menschen noch länger in der
Herrschsuchtsflut sich herumtreiben werden, so werde Ich noch einen anderen
Engel senden, nämlich den Hunger- und zugleich den Pestengel. Diese Lehrer
werden den Menschen sicher ganz andere Rechtsbegriffe beibringen als jene, von
denen sie jetzt belebt sind.
[HiG.03_48.11.17,13] Euer Wahlspruch aber
sei: Gebet dem Kaiser, was sein ist, und gebet vor allem aber Mir, was Mein
ist, so werdet ihr mit der Welt und mit Mir Selbst am allerbesten darauskommen.
Der Zöllner hatte wohl auch kein Recht, von Mir und dem Petrus einen Mautzins
zu verlangen, denn wir waren keine Fremden, sondern einheimische Kinder. Was
aber Ich als der Herr und euer aller Vater tat, das tuet auch ihr, so werdet
ihr in allem wahrhaft Meine Kinder sein amen. –
[HiG.03_48.11.17,14] Das sage Ich als euer
Vater voll Weisheit und Liebe amen, amen, amen. – –
Geisterkampf Gefallener. – 18. November 1848.
[HiG.03_48.11.18.b] Jakob Lorber sah am 17.
November zwischen 11 Uhr vor Mitternacht und 1 Uhr nach Mitternacht
nordwestlich den Himmel sehr stark gerötet und wurde durch dieses Feuerzeichen
in Angst versetzt. Er stellte daher an den Herrn folgende Frage: O Herr! War
das große Zeichen am Himmel, das ich gestern sah, nur ein sogenanntes Nordlicht
oder ist es ein prophetisches Wahrzeichen eines künftigen, etwa noch größeren
Blutvergießens? O Herr, so es Dir genehm wäre, da möchte ich wohl überaus gern
aus Deinem allerheiligsten Munde erfahren, was es im Grunde ist und ob und was
es etwa doch bedeutet.
[HiG.03_48.11.18.b,01] Gut, gut, schreibe
nur, Ich will es dir wohl sagen; aber zage nicht, so Ich dir es enthüllen
werde.
[HiG.03_48.11.18.b,02] Das gestrige Licht-
und Feuerzeichen am Himmel war wohl der äußeren Erscheinung nach ein
natürliches, sogenanntes Nordlicht; aber der Grund dessen war und ist kein so
natürlicher, als wie die Erscheinung in sich selbst, die freilich auch nur
geistig ist, aber von den kurzsichtigen und nun zuallermeist blinden Menschen
in ihrer wahren Wesenheit überaus stark verkannt wird, da sie bloß als eine Art
elektrische Emanation und nicht als ein Geisterkonflikt betrachtet wird. Ich
aber sage dir und euch allen, daß diese Erscheinung in sich selbst auch ganz
geistig ist und daher auch etwas ganz anderes bedeutet als das, was die
Menschen meinen.
[HiG.03_48.11.18.b,03] Siehe, alle
sogenannten Hitz- und Feuergeister, die in diesen Kriegen um ihre Leiber
kommen, sind nun über die Maßen erbost und zornig ob der Gewalttaten, die ihnen
zugefügt worden sind. Da aber alle Geister von solch heftigem Gemüt nach dem
Abfalle des Leibes unter die Hut der Friedensgeister des Nordens der Erde
kommen, so versteht es sich auch von selbst, daß die zu empörten Geister der in
den Kriegen derzeit Verstorbenen ebenfalls dahin kommen, um die Schule des
Friedens, der Ruhe und der Versöhnlichkeit durchzumachen.
[HiG.03_48.11.18.b,04] Daß bei allen
Neuangekommenen diese Schule anfangs eine noch größere Empörung erzeugt, als
mit welcher sie von der Welt angelangt sind, läßt sich sicher leicht denken und
begreifen, da ein unruhiger Geist erst dann in vollstem Maße unruhig wird, wenn
ihm Ruhe geboten wird, gleichwie bei einem noch hier lebenden Ruhestörer, so er
eingefangen wird.
[HiG.03_48.11.18.b,05] Ist auch sein Leib
wegen der angedrohten argen Folgen ruhig, so ist aber doch der innere Mensch
desto wutentbrannter, der, so er Macht hätte, sicher die schauderhafteste Rache
an seinen Bezwingern nehmen würde. Also ist es aber auch um so mehr bei den
ihrer Leiber ledig gewordenen Geistern der Fall, weil sie doch eine gewisse
Freiheit genießen, vermöge der sie tun können, wie sie wollen, freilich nur
erscheinlich und nicht effektiv.
[HiG.03_48.11.18.b,06] Diese Geister also,
von denen nun der Norden wie überfüllt ist, dringen daher weiter gegen Mittag
und erregen da alle in diesen Regionen schon mehr friedlich gewordenen Geister
und beginnen mit ihnen einen förmlichen Kampf, so daß sich diese zur Gegenwehr
stellen. Wenn dann da ein solcher Kampf beginnt, so wird es erscheinlich
rothell in der Atmosphäre. Und wenn dann bald die Friedensgeister kommen und
die zu hitzigen Unholde gewisserart einfangen, so gibt das die
Erscheinlichkeit, als flögen weißliche Bündel nach allen Richtungen durch die
glührot aussehende Atmosphäre, und das so lange, bis das Rot endlich ganz in
ein mattes Weißgelb übergeht, worauf dann auch die ganze Erscheinung bald
verschwindet.
[HiG.03_48.11.18.b,07] Daß aber solche
außerordentlichen geistigen Eruptionen und die daraus hervorgehenden
Geisterkämpfe auch bei den noch auf der Erde in den Leibern lebenden
gleichgestimmten Geistern eine ganz gleiche Rach- und Kampfgier erregen und
erwecken, das könnet ihr um so bestimmter annehmen, als ihr wißt, wie sehr in
allem alle Außenwelt und ihre Außenerscheinungen von der alleinigen
Geisterwelt, mag sie gut oder böse sein, abhängen. Und so könnt ihr auch diese
außerordentliche Erscheinung als einen Grund annehmen, dem besonders von der
norddeutschen Seite her gar blutige Bewegungen nachfolgen dürften!
[HiG.03_48.11.18.b,08] Freilich bin Ich im
Hintergrunde auch da, der Ich entweder das Veto oder das Fiat dazu donnere –
und das danach, wie die Menschen sind und sich verhalten. Aber die Menschen
sind nun noch zumeist gar arg und voll Bosheit, Hochmut und herrschsüchtiger
Rache, und so dürfte wohl eher ein Fiat als ein Veto von Mir erfolgen.
[HiG.03_48.11.18.b,09] Ich sage euch: Sehr
viel unschuldiges Blut schreit gewaltig um Rache zu Mir, und das klingt
schlecht an Meinen Ohren. Daher bedenket selbst, was Ich als der allein
gerechte ewige Vergelter werde zu tun bemüßigt sein.
[HiG.03_48.11.18.b,10] Ich sage es euch:
Großes Wehe allen, die Meine ihnen verliehene Macht und Meine große Geduld und
Langmut mißbrauchen zum Untergange ihrer Brüder! So Ich sie schlagen werde, da
werden sie geschlagen sein für ewig.
[HiG.03_48.11.18.b,11] In aller Kürze wird es
kommen, daß ihr euch's nicht versehen werdet; ja es wird sein wie ein Blitz,
und sie werden vergeblich die Fuchsgeschleife und Löcher suchen, um sich zu
verbergen; aber es wird umsonst sein. Denn vor Meinen Augen und Händen sich zu
verbergen, dürfte wohl etwas schwer sein. – Das sage Ich der Allgegenwärtige
und Allsehende amen, amen, amen.
Ich allein kann wahrhaft nehmen und wahrhaft
wieder geben. – 2. Dezember 1848.
[HiG.03_48.12.02.b,01] An Meinen lieben Andr.
H. W. – So dich, wie nun gar manche, Kümmernisse dieser Erde treffen, wenn die
Welt gefegt wird und gesäubert vom Unkraute Mein Acker, wenn allerlei Stürme
über der Erde Gefilde dahin rauschen und brausen und toben und die Menschen
verzagen in großer Furcht vor der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis
kommen, und ratlos werden die Fürsten und voll Zitterns und Bebens, da tröste
dich und sage es laut in deinem Herzen: Der Herr ist es, der da führt ein
solches Gericht mit denjenigen Völkern, die alle ob der Welt Seiner vergaßen,
sich selbst zu Göttern machten und schätzten ihre Größe, Macht und Herrlichkeit
nach der Größe ihres Mammons.
[HiG.03_48.12.02.b,02] Darum aber litten
Meine wenigen Kindlein zu viel und mußten darben und sehr verachtet sein. Ich
aber habe ihre Bitten erhört und habe Schnitter gesandt zur Erde, da der Weizen
samt dem vielen Unkraute reif geworden, auf daß sie sammeln beides, den Weizen
für Meine Scheuern und das viele Unkraut zum Verbrennen in dem mächtigen Feuer
Meines Zornes, Meines Eifers und Meines großen Eifers.
[HiG.03_48.12.02.b,03] Auf daß du und auch
ihr alle, Meine lieben und getreuen Freunde, nun wie allezeit die rechte
Stärkung findet in solchen Nöten und Drangsalen, da rufet mit David nach seinem
46. Psalm und saget:
[HiG.03_48.12.02.b,04] „Gott ist unsere
Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.
Darum fürchten wir uns dennoch nicht, wenn auch die Erde unterginge und die
Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von
seinem Ungestüm alle Berge einstürzten.
[HiG.03_48.12.02.b,05] Dennoch soll die Stadt
Gottes (Gottes Wort im Herzen) lustig bleiben mit ihren Brünnlein (reine
Erkenntnisse aus dem Worte Gottes), da die heiligen Wohnungen (die Liebe zu
Gott) des Höchsten sind. – Gott wohnt in dieser Stadt, darum wird sie
verbleiben; denn Gott hilft ihr früh.
[HiG.03_48.12.02.b,06] Die Heiden (Mammons
Diener) aber müssen verzagen und die Königreiche (Herrschsüchtigkeiten) fallen;
das Erdreich (Selbstsucht) muß vergehen, wenn Gott Sich hören läßt.
[HiG.03_48.12.02.b,07] Der Herr Zebaoth aber
ist mit uns; der Gott Jakobs ist unser Schutz.
[HiG.03_48.12.02.b,08] Kommet her und schauet
die Werke des Herrn an, der auf Erden solches Zerstören anrichtet, der den
Kriegen steuert in aller Welt, der den Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und
Kriegswagen mit Feuer vernichtet. –
[HiG.03_48.12.02.b,09] Seid stille und
erkennet, daß Ich Gott bin. Ich lege nun Meine Ehre ein bei den Heiden, und
lege sie auf Erden ein (spricht der Herr). –
[HiG.03_48.12.02.b,10] Der Herr Zebaoth ist
mit uns; der Gott Jakobs ist unser Schutz.“ – – –
[HiG.03_48.12.02.b,11] Wenn du solchen Psalm
in deinem Herzen wohlverständig sagen wirst, so wird dich alle Furcht und Angst
verlassen; denn Ich Selbst werde sie dir nehmen und werde dich wieder
aufrichten, wie ein fruchtbarer Regen das welke Gras, – denn Ich allein kann
wahrhaft nehmen und wahrhaft wieder geben. Und Ich werde auch dir geben und
werde noch hinzugeben mehr, als Ich dir genommen. Aber gib auch du, so du hast,
gern Meinen Brüdern und deinen Brüdern; denn obschon Ich bin Gott und Herr, der
Ewige, so bin Ich aber dennoch auch dein Bruder und der Bruder deiner Brüder.
Amen. –
Gottesbund im Völkergericht. – 30. Dezember
1848.
[HiG.03_48.12.30] Anfrage Jakob Lorbers
betreffend die damaligen höchst verwirrten und betrüblichen Zeitverhältnisse
und Bitte um eine Enthüllung der nächsten Zukunft.
[HiG.03_48.12.30,01] So schreibe denn! – Von
diesen Zeiten habt ihr wenig oder nichts zu erwarten, dafür aber desto mehr von
Mir, dem Herrn aller Zeiten, so ihr bei Mir verbleibet, alles Mir überlasset,
nicht selbst stets urteilet und saget: So und so wird und muß es geschehen! –
Denn so ihr selbst einen so sicheren Takt habt und schon im voraus eine oder
die andere Partei siegen lasset und segnet die eine und verdammet die andere,
was wohl soll Ich dann dabei zu tun haben? Bin Ich nicht der Herr, der es am
besten weiß, wo Er die Rute, wann den Stock und wo und wann Er das Schwert zu
gebrauchen hat?
[HiG.03_48.12.30,02] So Ich aber das weiß und
zähle in jeder Sekunde Meine Völker und bemesse jegliche Tat der Kriegshelden
und sehe jedes gefällte Urteil mit Meinem Maße ein, – was ereifert ihr euch da,
als läge es an euch, die Sachen anders zu machen, als sie sind und sein müssen?
– Was wollt ihr denn für eine Herrschaft, so ihr an der Meinigen so viel zu
fegen und zu feilen habt? –
[HiG.03_48.12.30,03] Ich gab der Erde einen
langen Frieden. Da schliefen die Fürsten, ihre Minister raubten und bedrückten
das Volk, und das Volk pfiff und tanzte dabei und vergaß Meiner samt den
Fürsten und Ministern. Ich aber schlief nicht und bedrückte nicht und hatte
wahrlich keinen Grund, zu pfeifen und zu tanzen; denn ein wahrer Vater kann
nicht jubeln, so eine arge Seuche kommt und ihm ein Kind ums andere tötet. Aber
so die Seuche lange ihren Mutwillen treibt, da kann der Vater nur von gerechtem
Zorne ergriffen werden; und da dieser Vater auch ein Herr über alle Seuchen
ist, so ist es nun an der Zeit, der Seuche den Kopf zu zertreten über ganz
Europa, ja über die ganze Erde hin! –
[HiG.03_48.12.30,04] Es ist daher sehr
läppisch, Mich zu fragen, was da von den österreichischen Feldherrn zu erwarten
sein dürfte, wie auch von mehreren anderen. Fraget vielmehr, was die Welt von
Mir zu erwarten hat, und Ich werde euch zur Antwort geben: Alles Gute, so sie
sich zu Mir wenden wird; im Gegenteile aber auch das Allerschlimmste, so sie bei
dem verharrt, wie sie nun ist, denkt, trachtet und handelt. Denn was liegt Mir
an einer Welt voll Teufeln? Kann Ich Mir denn nicht tausend Welten voll Engeln
dafür erschaffen?! – –
[HiG.03_48.12.30,05] Was ist Mir Deutschland,
was Frankreich, was Italien und was Ungarn und sein prahlerischer Diktator? Ich
sage euch, die ganze Erde ist Mir nichts. – So Deutschland, Frankreich,
Italien, Ungarn und alle Lande der Erde nicht in Sack und Asche Buße tun
werden, so sollen sie aufgerieben werden gegenseitig! – Die Feldherren will Ich
scharf machen wie die Bartmesser und ihre Herzen härter denn einen Diamant, und
sie sollen wüten wie Tiger und brüllen wie junge Löwen und sollen zerfleischen
das Fleisch Meiner Gegner, wie da zerfleischen die Adler ein Aas!
[HiG.03_48.12.30,06] „Das ist aber ein
rechtes Fasten in Sack und Asche, das Ich erwähle: Lasset los, die ihr mit
Unrecht gebunden habt; lasset ledig, die ihr beschwert habt; gebet frei, die
ihr bedrängt habt, und tut hinweg allerlei Last vom Nacken der Schwachen! Brechet
den Hungrigen euer Brot, und die, so im Elend sind, führet in euer Haus. So ihr
einen Nackten sehet, so entziehet ihm nicht, was eurem Fleische geziemt, und
bekleidet ihn! – Alsdann wird Mein Licht wieder hervorbrechen wie eine
Morgenröte, und eure Besserung wird schnell wachsen; eure Gerechtigkeit wird
dann vor euch einhergehen, und Meine alleinige Herrlichkeit wird euch zu sich
nehmen! So ihr dann rufen werdet, so werde Ich antworten, und so ihr schreien
werdet, da werde Ich sagen: Sehet Kinder, hier bin Ich, euer Vater!“
[HiG.03_48.12.30,07] So ihr aber von jemandem
übel redet und mit den Fingern auf ihn zeiget und sprechet: Der ist ein Täter
des Übels und verdient die Strafe und solle sehr gezüchtiget werden, – da
richtet ihr nicht den, der solches tut, sondern Meine vermeintliche
Saumseligkeit und Fahrlässigkeit und fraget euer Herz, das da erbost ist: Wie
kann der Herr solche Greuel zulassen und mitansehen? Warum züchtigt Er die
Täter solcher Übel nicht? – Wahrlich, so ihr euer Herz von solch einem
Richtergeiste beherrschen lasset, da seid ihr ja mehr denn Ich, und Ich kann
euch nicht antworten, so ihr Mich rufet; und so ihr auch noch so schreien
möchtet, da kann Ich nicht sagen: Hier bin Ich, euer Vater! – Denn Kinder
können von ihrem Vater doch unmöglich denken, daß er ungerecht sei.
[HiG.03_48.12.30,08] Alles, was bis jetzt
groß und herrlich sich dünkte, werde Ich sehr erniedern; aber das bis jetzt
Niedere und Verachtete werde Ich erheben und obenan setzen! – Ich habe noch im
Osten wie im Westen ein Völklein, das bis jetzt ganz unbeachtet blieb. Wer kann
es Mir verwehren, daß Ich es erhebe und über alle Völker und Länder Europas
setze? – Wahrlich, ein Volk, das noch an Mir und Meinem Worte hängt und Meinen
Namen bekennt, – wenn es auch noch so klein und unbeachtet ist, so will Ich es
erheben und frei machen, wenn alle die Abtrünnigen werden im Gerichte
untergehen.
[HiG.03_48.12.30,09] Ihr wenigen aber, die
ihr bis jetzt an Meinem Namen und an Meinem Worte gehalten habt, fürchtet euch
nicht und richtet auch niemanden, so werde Ich euch erhalten und nicht fallen
lassen. Erwartet nichts von der Welt und ihren unsinnigen Räten; denn Ich sage
euch: Das alles wird untergehen, was sich nicht an Mich anhält; ihr aber werdet
bleiben, wie Ich, in Ewigkeit! –
[HiG.03_48.12.30,10] Ich allein bin der Herr
und ein vollkommener Richter. Alle Richter der Welt aber sind pure Geißeln in
Meiner Hand. Wohin Ich aber die Geißel schwinge, dorthin fällt sie auch und
verwundet und tötet. Aber wer auf Mich hält, den trifft Meine Geißel nicht,
denn Ich weiß, über welche Ich diese Waffe zu schwingen habe, und alle Meine
Engel wissen es auch. Aber die Teufel sind alle blind und können Meinen Hieben
nicht ausweichen. Die Sehenden aus Meiner Gnade bedürfen aber des Ausweichens nicht,
denn Ich Selbst schone sie, und Meine Engel schonen sie auch, denn sie kennen
gar wohl ihre lieben Brüder auf dieser Erde.
[HiG.03_48.12.30,11] Aber wehe all den großen
und reichen Städten, weil sie mit Meinem Namen ein schmählich Gespött haben zu
treiben begonnen! – Ich sage es euch: sie werden bald ganz klein und sehr arm
werden. Wohl aber euch kleinen Städten und Ländern, die ihr noch stets zum
halben oder wenigstens viertel Teile an Meinem Namen gehangen seid, euch soll
ein besseres Los beschieden sein. Blut solle nicht fließen auf eurem Boden, und
es solle euch eine schöne Morgenröte aufgehen! Ich sage euch, daß ihr beschirmt
werden sollet.
[HiG.03_48.12.30,12] Fraget aber ja nicht
nach diesem und jenem Völkerbunde, sondern nach dem alleinigen Bunde mit Mir,
der da ist ein rechter Bund der Liebe, so werdet ihr wahrhaft groß, stark und
mächtig werden durch und in Meinem Namen für Zeit und Ewigkeit Amen. – Wohl
dem, der sich an Mir nicht ärgert; denn das spricht der Herr Jesus Zebaoth
amen, amen, amen.
Parlamentarismus und Kaiserwahl. – 6. Januar
1849.
[HiG.03_49.01.06] Anfrage Jakob Lorbers wegen
der bevorstehenden Wahl eines deutschen Kaisers.
[HiG.03_49.01.06,01] Nun, so schreibe! – Du
stupfst Mich schon dergestalt, so daß Ich am Ende doch wieder über Dinge zu dir
reden muß, die Mir wahrlich wahr nun schon zum großen Ekel geworden sind; denn
wie sehr Ich die Reichstage und ihre Beschlüsse achte, das wirst du noch lange
nicht in der Fülle einsehen. Aber das kann Ich dir wohl sagen, daß das Reichstag-
und Reichsrathalten eine Hauptbeschäftigung der Hölle ist. Denn diese hat nun
schon über eine Dezillion Reichstage abgehalten und befindet sich dennoch stets
in der dicksten Nacht und hat es durch all ihre nun schon ins völlig zahllos
gehenden vielen Reichstage nicht einmal zum Begriffe, was eigentlich ein Tag
ist, gebracht. Daß sie nach jedem Reichstage um etwas schlechter geworden ist,
das ist die vollste Wahrheit; aber von einem Besserwerden nach einem solchen
höllischen Reichsratstage war noch nie die allerleiseste Spur zu entdecken.
[HiG.03_49.01.06,02] Ganz ähnlich den
höllischen aber sind in allem die nunmaligen Reichstage auf Erden; und ihre
Produkte, sie mögen in was immer bestehen, können daher auch kaum besser sein
als jene diesen irdischen auf ein Haar entsprechenden der Hölle. –
[HiG.03_49.01.06,03] Warum aber, fragst du in
dir, sollen denn diese Reichstage gar so schlecht sein? Es sitzen ja doch
lauter sehr gelehrte und intelligente Köpfe da beisammen und kontrollieren mit
aller Schärfe ihres Verstandes jeden Vorschlag und nehmen ihn nicht eher als
rechtskräftig und gesetzlich geltend an, als bis er sich an allen gelehrten
Köpfen ganz gehörig abgestoßen und abgeschliffen hat. – –
[HiG.03_49.01.06,04] Ja ja, Mein Lieber, so
sieht die Sache wenigstens wohl aus, aber sie ist nicht also, wie sie aussieht,
sondern ganz anders – und zwar also: Wohl kommen auf einem Reichstage
wenigstens zu einem Drittel die allerpfiffigsten, zu einem Drittel gewöhnlich
ganz- und halbdumme und zu einem schwachen Drittel sehr hochmütige, mitunter
auch sehr harte und starrsinnige Köpfe zusammen. Die letzteren finden es
natürlich unter ihrer, meist aristokratischen Würde, sich mit den gemeinen und
nach ihrer Meinung stinkend dummen Pöbeldeputierten abzugeben und sie an sich
zu ziehen.
[HiG.03_49.01.06,05] Das wissen und benützen
dann die pfiffigen Köpfe, geben sich also mit dem Plebs ab und gewinnen ihn für
sich. Daher es denn auch gewöhnlich geschieht, daß ihre Amendements ob vota
maiora angenommen werden müssen, wenn sie an sich auch noch so schlecht und
elend wären. – Das muß die gewöhnlich aristokratische Rechte gar bald empören
und sie auf heimliche, die verhaßte Linke züchtigende Mittel sinnen machen.
Damit beginnt dann das rein höllische Intrigieren, oder noch besser, der
eigentliche höllische Reichstagsdeputiertentanz! – Da herrscht dann eine Liebe
und Eintracht, wie sie der Satan für seine Zwecke nie ersprießlicher wünschen
kann. – Ich meine, du verstehst Mich.
[HiG.03_49.01.06,06] Nun, weil du Mich
verstehst, so urteile dann selbst weiter und sage, welche Früchte aus solch
einer Saat hervorwachsen müssen?! – Du sagst in dir: O Herr, die elendesten von
der Welt! – Richtig, sage Ich dir, also ist es und also würde es auch sein;
aber Ich habe für die Saat eine eigene Art Motten erfunden, die ihr sehr
schaden wird. Ich will dir vorderhand diese Meine Erfindung nicht näher
bezeichnen, aber du wirst sie dennoch bald und leicht erkennen, so sie aus
Osten ihren Einzug halten wird, vielleicht auch von Westen.
[HiG.03_49.01.06,07] Wenn aber die deutsche
Kaiserkrone vom deutschen Reichstage aus verliehen wird, so wirst du nun wohl
schließen können, welches Geistes Gabe sie sein wird und was von ihr zu
erwarten ist. –
[HiG.03_49.01.06,08] Weißt du aber, was ein
rechter himmlischer Reichstag wäre? – Siehe, ein rechter und wahrer himmlischer
Reichstag wäre Mein Wort und dessen Beobachtung in aller Menschen Herzen.
[HiG.03_49.01.06,09] Die Regenten aber sollen
bleiben, wie sie nun sind, aber auch als treueste Befolger Meines Wortes, so
würden sie alle wie ein Salomo groß werden in Meinem Namen. Aber so sie, wie
auch ihre Völker, von den Reichstagen ihr Heil erwarten werden, da wird es
ihnen sehr schlecht ergehen.
[HiG.03_49.01.06,10] Der Herrsch- und
Kronsüchtigste aus allen aber wird am schlechtesten zum Teile kommen, – denn
Ich sage es dir: So er nicht haben wird ein ehernes Haupt und einen Leib aus
Stein, so wird er diese alt-neue Krone, die ganz weißglühend sein wird, wohl
nicht gar zu lange tragen; und es dürfte aus solch einem neuen großen deutschen
Kaiser nur zu bald ein kleines deutsches Kaiserlein und bald darauf bloß ein
Herzoglein und noch ein wenig später ein barstes Nichtslein werden! –
[HiG.03_49.01.06,11] O etwas ganz anderes
wäre es, so diese Krone ein schon seiender Kaiser auf sich nimmt, wodurch keine
Personen- und Charaktererhöhung möglich sein kann, was diesseits für jeden
Menschen, wessen Standes er auch sei, am allergefährlichsten ist. Darum auch
von Mir nichts so sorglichst verhütet wird, als die Statuierung neuer Kaiser-
oder Königreiche, weil dadurch die Herrschlust in zu vielen Gemütern rege würde
und mit ihr notwendig Kriege und ihre argen Folgen, aus welchem Grunde Ich
sogar auch alle Wahlfürsten verbannte, weil auch diese Wahlen stets die
gleichen Folgen nach sich zogen.
[HiG.03_49.01.06,12] Es soll daher der ein
Kaiser bleiben, der schon lange ein Kaiser ist, und der König ein König. So
aber ein König nach einer Kaiserwürde strebt und sie erreichen will, so wird er
es dann mit Mir zu tun bekommen, besonders aber, so der Reichstag in Frankfurt
ihn zum Kaiser macht! – Wahrlich, es solle ihm noch ärger ergehen als einem
einstigen Kaiser der Franzosen! – Verstehst du das? – Ja, ja, du verstehst es,
daher brauche Ich dir auch nichts Weiteres mehr zu sagen; denn es wird dich die
jüngste Zeit schon ohnehin über alles das aufklären.
[HiG.03_49.01.06,13] Dies also zu deiner und
euer aller Darnachachtung amen. – –
Über Papst Pius IX. – 13. Januar 1849.
[HiG.03_49.01.13] Auf eine Anfrage des Ans.
H.
[HiG.03_49.01.13,01] Mit dem Papste kann es
sein gut und schlecht. Wird er sich rein nur an das Geistige wenden und die
weltliche Herrschaft niederlegen, dann wird es mit ihm gut werden und er wird
zum reinen Lichte kommen. Wird er aber wieder ein Weltfürst, da wird es ihm schlecht
ergehen samt allen, die durch den Glauben Roms mit ihm verbunden sind, und es
wird mit Rom sein und werden, wie es der Prophet Jesajas geweissagt hat, als er
über Babel und Assur also redete:
[HiG.03_49.01.13,02] „Zu der Zeit, so der
Herr den Kindern Ruhe geben wird von deinem Jammer und Leid und von dem harten
Dienst, darin du stets gewesen bist, so werden die Kinder ein solches
Sprichwörtlein führen wider den Beherrscher Babels (Roms) und sagen: Wie ist es
mit deinem Treiben gar so aus, und der Zins hat sein Ende!
[HiG.03_49.01.13,03] „Der Herr hat die Rute
deiner Gottlosigkeit zerbrochen und zunichte gemacht die deiner Weltherrschaft,
die die Völker schlug in deinem steten Grimme ohne Aufhören und mit Wüten
herrschte über die Heiden (alle Katholiken und andere Konfessionen) und
verfolgte sie stets ohne alle Barmherzigkeit.
[HiG.03_49.01.13,04] „Wie ruhet alle Welt und
ist stille und jauchzet fröhlich! Sogar die Tannen über dir und die Zedern auf
dem Libanon freuen sich und sagen: ‚Weil du liegst, da kommt niemand herauf,
der uns abhaue.‘
[HiG.03_49.01.13,05] „Wohl erzitterte sogar
die Hölle drunten vor dir, so du ihr entgegenkamst. Sie erweckte dir ihre
Toten, wie auch alle Böcke der Welt, und heißet alle Herrscher der Heiden
(Irrgläubige aller Konfessionen) von ihren Thronen für dich aufstehen; aber
diese werden zueinander sagen und zu dir reden: ‚Siehe, (was sollen wir tun?)
Du bist geschlagen wie wir, und es geht dir gleichwie uns. Deine Pracht ist
hinunter zur Hölle gefahren samt dem Klange der Harfen. Also werden die Motten
auch dein Bett und die Würmer deine Decke sein!‘
[HiG.03_49.01.13,06] „Wie bist du als ein
schöner Morgenstern denn nun vom Himmel gefallen, wie (als eine schönste Zeder
Libanons) zur Erde gefällt worden, die du doch selbst eine Richterin warst
allen Heiden?
[HiG.03_49.01.13,07] „Gedachtest du doch
stets in deinem Herzen: ‚Ich allein kann in den Himmel steigen und meinen Stuhl
über alle Sterne Gottes erhöhen! Ich allein will mich setzen auf den Berg des
Stifts an der Seite gegen Mitternacht und will über die hohen Wolken fahren und
gleich sein dem Allerhöchsten!‘ (Als Stellvertreter Gottes!)
[HiG.03_49.01.13,08] „Aber der Herr spricht:
Ja, zur Hölle fährst du, zur Seite der Grube. Wer dich dann ansehen wird und
anschauen, und hell ansehen, der wird sagen: ‚Ist das der Mann, der die Welt
erzittern und die Königreiche beben machte? Der den Erdboden wüste machte und
die Städte auf selbem zerbrach und nimmer losgeben wollte seine Gefangenen?
[HiG.03_49.01.13,09] „Wohl liegen wir Könige der
Heiden auch darnieder, aber doch mit Ehren, ein jeglicher in seinem Hause; du
aber bist verworfen von deinem Grabe wie ein verachteter Zweig, wie ein Kleid
der Erschlagenen, so mit dem Schwerte erstochen sind und dann hinunterfahren zu
den Steinhaufen der Hölle, wie eine zertretene Leiche.‘ –
[HiG.03_49.01.13,10] „Du wirst nicht begraben
werden wie die Könige der Heiden, denn du hast dein Land verderbet und
erschlagen dein eigen Volk; darum wird man auch deines boshaftigen Samens
nimmer gedenken.
[HiG.03_49.01.13,11] „(Zu den Engeln aber
wird der Herr sagen:) ‚Richtet nun zu, daß man seine Kinder schlage und
schlachte um seiner Väter Missetaten wegen, auf daß sie nimmer aufkommen, noch
ihr Land wieder erben und den Erdboden voll Städte machen.‘ –
[HiG.03_49.01.13,12] „Und Ich, spricht der
Herr, will über sie kommen und zu Babel (Rom) ausrotten ihr Gedächtnis und ihre
Übrigen (Kardinäle) und Neffen (Erzbischöfe) und Nachkommen (alle Bischöfe und
Untergebenen) und will sie machen zu Erben der Igel und zu einem Wassersee und
kehren mit dem Besen des Verderbens, spricht der Herr; – denn der Herr Zebaoth
hat geschworen und gesagt: Was gilt es, es soll gehen, wie Ich denke, und solle
bleiben, wie Ich es im Sinne habe, daß Assur (das Papsttum) zerschlagen werde in
Meinem Lande (das reine Gotteswort) und Ich ihn zertrete auf Meinen Bergen (die
rechten Erkenntnisse aus dem Worte), auf daß sein Joch (Roms finsteres
Heidentum) von ihnen genommen werde und seine Bürde (Richteramt Roms) von ihrem
Halse komme.
[HiG.03_49.01.13,13] „Das ist der Anschlag,
den der Herr hat über alle Lande, und das ist die ausgestreckte Hand Jehovas
über alle Heiden. Der Herr Zebaoth hat es beschlossen; wer will es wehren? Und
Seine Hand ist ausgestreckt; wer will sie wenden?“ – –
[HiG.03_49.01.13,14] Ich meine, Mein alter
Prophet Jesajas spricht hier so ziemlich klar, was es für die Zukunft mit dem
Papsttume für eine Bewandtnis haben werde, so es sich nicht vom Grunde aus
bessert und rein zu Mir ganz allein zurückkehrt und also auch nur von Mir ganz
allein Hilfe erwartet. Wird sich aber der nun schon vertriebene Fürst Roms an
die Könige der Erde wenden, da wird er auch von ihnen gerade jene Hilfe und
Aufrichtung erlangen, wie sie der Prophet Jesajas schon vor zweitausend Jahren
vorherverkündigt hatte. Denn lauteten damals seine Worte auch gegen das
wirkliche alte Babel dem naturmäßigen Sinne nach, so lauten und beziehen sie
sich nun im geistigen Sinne aber auch auf das neue geistige Babel (Rom), das in
der Entsprechung vollends der alten Welthure gleicht.
[HiG.03_49.01.13,15] Kurz und gut, wird sich
Rom bessern, so solle es ihm ergehen wie dem verlorenen Sohne; wird es sich
aber nicht bessern, dann solle ihm das Los des reichen Prassers zuteil werden,
wie auch all seinen blinden Anhängern und seinen Helfern. – Mehr braucht ihr
nicht zu wissen. Betet aber für den Kranken, daß ihm geholfen werde, da werdet
ihr ein gutes Werk verrichten und dafür eines rechten Segens teilhaftig werden
für ewig amen. Das spricht der Herr amen, amen, amen. –
Die zwei Kälber – Ein Gesicht. – Am 2. März
1849.
[HiG.03_49.03.02] Jakob Lorber sah am 28.
Februar 1849 abends gegen 1/2 10 Uhr im Gasthause zum römischen König in der
Sporgasse zwei auf einem leeren Tische freundlich nebeneinanderstehende und
bald darauf wie nach einer gegen Norden führenden Gasse wandelnden Kälber,
wovon das linke lichtblau und das voraneilende rechte kanariengelb aussah.
Beide Tiere schwenkten sehr emsig ihre Schweife hin und her. – Diese Vision
währte eine Minute lang.
[HiG.03_49.03.02,01] So schreibe, aber nicht
viel, denn es liegt auch an der ganzen Erscheinung nicht viel.
[HiG.03_49.03.02,02] Das blaue Kalb bedeutet
die wahre Religion, die da beständig ist und gemessenen Schrittes
vorwärtsschreitet, daher auch stets etwas hinter dem gelben Kalbe sich zeigt,
das die frühere politische Staatsreligion darstellt. – Daß das gelbe Kalb nun
mit dem blauen einhergeht, ist ein gutes Zeichen, denn es besagt die
Duldsamkeit für die echte Religion, die früher der Staatsreligion nicht eigen
war. Aber es kann sein inneres Streben nach einem gewissen Vorrange dennoch
nicht ganz verbergen, daher ein Anflug von Eifersucht noch immer durch das
duldsame Weiß sticht, und so auch durch das Voraneilen sich nur zu leicht
erkennbar kundgibt, daß die frühere Staatskirche nur zu gern noch immer die
erste und vorderste sein möchte.
[HiG.03_49.03.02,03] Aber das tut nun nichts
zur Sache, da beide Religionen am Ende doch einen und denselben Weg
einschlagen, und zwar eine gewisse Straße nach Norden, was soviel besagt als –
den rechten Weg des Fleisches durch die Probe der Freiheit in dem wahren Kleide
der Demut wandeln; denn der Norden stellt die Welt dar und zwar in der Sphäre
ihrer sie prüfenden Demütigung.
[HiG.03_49.03.02,04] Wer diesen Weg bis zu
einem bestimmten Ziele durchmacht und dabei nicht verdrießlich und mürrisch
wird, der wird sich dann auch gar bald rechts wenden können, wo der Weg gen
Morgen sich wendet, – aus welchem Grunde das gelbliche Kalb sich auch rechts
gestellt hat, um dem blauen das bißchen von einem vermeintlichen Vorzuge
dadurch abzugewinnen, um desto eher sich am Ziele rechts gen Morgen wenden zu
können.
[HiG.03_49.03.02,05] Aber das beirrt das
blaue Kalb nicht, denn es weiß, daß es sich nach der Wende an der Seite des
eigentlichen Morgen befinden wird, während das rechte Kalb an der mittägigen
Seite fortwandeln wird. Die Munterkeit beider die irdische rechte Religion
darstellenden Tiere bezeichnet den guten Willen und den daraus bald
hervorgehenden Frieden; denn bisher sind noch die meisten Volksaufstände und
Kriege am Herde der Religionen ausgekocht worden, was aber in der Folge kaum
mehr der Fall sein wird, so die Religionen wie die beiden Kälber
wohlverträglich miteinander einhergehen werden.
[HiG.03_49.03.02,06] Das emsige Hin- und
Herschwenken mit den Schweifen besagt das fleißige Von-sich-Schaffen allerlei
weltlicher Versuchungen, die sich in der Geisterwelt wie Fliegen aller Art
ausnehmen.
[HiG.03_49.03.02,07] Daß aber im
Geisterreiche auf dem Wege der Entsprechungen die Religion unter der Gestalt
von Kälbern dargestellt wird, rührt daher, weil diese Tiere zugleich ein Symbol
der Demut sind, durch die allein die wahre Religion bedingt werden kann. Also
werde auch Ich Selbst unter dem Bilde eines Lammes dargestellt, welches in sich
die größte Demut anzeigt, deren nur Ich allein fähig bin; – das Kalb aber
stellt auch die Demut vor, aber nur also, wie die Menschen der Demut fähig sein
können.
[HiG.03_49.03.02,08] Verstehst du nun deine
Vision? – Ja, du verstehst sie nun; aber du wirst zu dieser ehestens eine
andere hinzubekommen, die noch viel denkwürdiger sein wird als diese. Aber die
werde Ich dir nicht eher erklären, als bis du selbst dich versucht haben wirst,
sie dir zu enträtseln. – Teile das aber auch allen unseren Freunden mit; es
sei!
Es muß alles neu werden! Blick in die nächste
Zukunft. – 5. März 1849.
[HiG.03_49.03.05] O Herr! Gar sonderbar sieht
es nun am politischen Horizonte aus. Einerseits kommt es mir vor, als wäre nun
überall alles auf die höchste Spitze gestellt, und die Spannung der Völker
scheint auch den Kulminationspunkt erreicht zu haben und man meint vielseitig,
es bedürfe bloß nur eines kleinen Druckes mehr und alle Saiten des menschlichen
Lebens und dessen Geduld müssen auf einmal reißen, wo dann notwendig alles
drunter und drüber gehen müßte. Andererseits aber scheint es doch wieder, wenn
man die Sache mit etwas mehr ruhigem Blute beobachtet, als wollten sich nun alle
noch so aufgeregten politischen Völker- und Staatenelemente ganz friedlich
ausgleichen und legen wie die Meereswogen nach einem großen Sturme. – Kurz und
gut, die Sachen der Menschen sind nun so gestellt, daß wahrlich wahr sich nun
auch der allernüchternste Denker nicht mehr auskennt, wohin alles das führen
und was daraus werden wird. –
[HiG.03_49.03.05] O Herr! Du weißt alles, Du
hast mir und Deinen anderen Freunden und Brüdern schon mehrere Male so manches
voraus kundgegeben, was hernach auch allezeit richtig eingetroffen ist. Das hat
uns sehr getröstet, und wir konnten uns danach gar wohl also richten, daß uns
mit Deiner Gnade und Hilfe auch wahrlich nichts Arges begegnet ist. – O so
sei auch diesmal so gnädig und barmherzig und gib uns nur so gewisse Winke, auf
daß wir durch Deine Gnade der Zukunft auch ruhiger entgegengehen könnten! –
Dein heiliger Wille geschehe allezeit und ewig, und Dein allein heiliger Name
werde geheiligt amen.
[HiG.03_49.03.05,01] So schreibe, aber nur
kurz und nicht viel. –
[HiG.03_49.03.05,02] Friede allen, die eines
guten Willens sind und auf Mich vertrauen in ihrem Herzen! Ihre frommen Wünsche
und ihre guten Hoffnungen sollen nimmer zuschanden werden; denn wer sich in
dieser Prüfungs- und Läuterungszeit an Mir nicht geärgert hat und ist Mir treu
verblieben in seinem Herzen, der solle in der Zukunft hundert- bis
tausendfältig gesegnet werden in allem Guten seines Herzens. Denn Ich werde
Meinen Bekennern ein ganz anderes Kalifornien eröffnen, als jenes starre des
äußersten Abendlandes; ja ein Kalifornien des ewigen Morgenlandes will Ich
ihnen eröffnen, das sie mit unvergänglichen Schätzen bereichern solle!
[HiG.03_49.03.05,03] Aber den Meuterern und
allen, die sich diese Meine Heimsuchung nicht wollen gefallen lassen und nach
nichts als nur nach allerlei Herrschaft trachten, die sollen noch ein gar
starkes Feuer zu bestehen haben.
[HiG.03_49.03.05,04] Ich sage es euch: Von
nun an sollen die Friedlichen den rechten Frieden und die Zänker und Haderer
aber Krieg und alle Verfolgung überkommen, und es solle ihnen nicht eher Ruhe
zuteil werden, als bis sie diese vollernstlich wünschen, wollen und suchen
werden.
[HiG.03_49.03.05,05] Alles Alte wird vergehen
mit seinen schlechten und unflätigsten Formen. Alle Staaten werden sich
erneuen, und die alte Kirche wird auch in eine neue übergehen. Wer aber am
Alten hängen wird, der wird das Schicksal der Juden an sich erleben entweder
schon hier oder aber ganz gewiß jenseits.
[HiG.03_49.03.05,06] Ich sage es euch: Von
nun an wird das „Ite, missa est“ nicht viel mehr tragen und gelten, aber wohl
das: „Herr, hier ist es gut sein! Lasse uns Hütten erbauen, Dir eine, dem Moses
eine und dem Elias eine!“ – Denn nun ist die Zeit der Verklärung alles dessen
herbeigekommen, was bis jetzt vor den Augen der Völker verborgen gehalten
werden mußte. – Nun sollen gar viele auf dem geistigen Berge Tabor Dinge zu
Gesichte bekommen, von denen sie früher keine Ahnung hatten; denn die Not wird
sie dazu antreiben, das heißt: die Not des Geistes! –
[HiG.03_49.03.05,07] Aber das sage Ich euch
auch, daß gerade jene Völker und Staaten, die nun die ersten waren und werden
wollten, geradewegs die letzten werden, weil sie die Zeit ihrer Heimsuchung
nicht erkannt haben, weil sie dieselbe nicht erkennen wollten. – Was aber bis nun
niedrig und verachtet war, das solle erhoben werden bis zur Sonne hinan; aber
alles, das sich bisher groß nannte, merket es euch gar wohl, das wird bald sehr
klein werden. –
[HiG.03_49.03.05,08] Die Weisheit der Welt
wird einen mächtigen Schiffbruch erleiden; dafür aber wird die innere Weisheit
des Herzens auf den Thron des Lichtes erhoben werden. –
[HiG.03_49.03.05,09] Es wird wohl noch ein
Hauptsturm nachkommen, aber er wird nicht verderben, sondern ebnen und
beruhigen, was jetzt noch aufgeregt ist. Dieser Sturm wird sein gleich einer
Egge, die die Furchen ebnet, die der scharfe Pflug aufgeworfen hat.
[HiG.03_49.03.05,10] Euch Friedlichen wird
ein rechter Friede und den Feinden des Friedens ein rechter Krieg werden; denn
es muß nun alles ein neues Kleid bekommen und neue Waffen, denn das alte Kleid
ist vollends zerrissen, und die alten Waffen sind voll Rost geworden. – Das
also zu eurem Troste und zu eurer Richtschnur amen. Saget aber auch ihr alle
dazu: O Herr! O Vater! – Ja, ja, in Deinem Namen, der allmächtig ist, amen,
amen, amen! –
Gedenkblatt zum 15. März. – 19. März 1849.
[HiG.03_49.03.19,00] Eine besondere Gabe zum
Gedächtnisse an den wichtigsten Tag Meiner Darniederkunft durch Wort und Tat
geistig am Morgen des 15. Tages des Monates März im Jahre 1840.
[HiG.03_49.03.19,01] Ich, der große und
allezeit wahrhaftige und getreueste Geber aller guten Gaben und der großen
Offenbarung aus den Himmeln, sage und rate es euch, dieses Tages allezeit zu
gedenken; denn er ist eigens dazu ausersehen, daß da an diesem Tage von Mir
Großes den Völkern der Erde gegeben wird – entweder eine große Gnade oder ein
großes Gericht: Gnade, so die Menschen durch ihren liebegerechten Wandel sich
derselben verdient und würdig gemacht haben, ein Gericht, so die Völker von Mir
gänzlich abfallen und so ganz eigentlich an gar keinen Gott mehr glauben und
denselben verwerfen.
[HiG.03_49.03.19,02] Ich habe es euch im
Verlaufe dieser neun Jahre – innerhalb welchen Zeitraumes euch gar überaus viel
gesagt, gezeigt und gegeben wurde – eben auch gar oft angedeutet, was da in der
Folge alles geschehen werde. Und ihr habt nun Gelegenheit in schwerer Menge
gehabt und werdet sie noch fürder haben, euch von dem baldigen und richtigen
Eintreffen all des Vorangedeuteten zu überzeugen und daraus zu entnehmen, daß
Meine Worte sicher von einem anderen Gewichte sind, als die Worte der
kurzsichtigen und meist wohl gänzlich blinden Menschen dieser Welt, die heute
noch wirkt wie einst Sodom und Gomorrha, aber morgen schon den Untergang finden
kann.
[HiG.03_49.03.19,03] Da ihr aber das mächtige
Gewicht Meiner Worte also tatsächlich habet kennengelernt und habt euch von
ihrer vollsten Wahrheit überzeugt, so habet denn nun auch fürderhin acht auf
das, was da noch geschehen wird.
[HiG.03_49.03.19,04] Ich sage es euch – und
ihr könnet es schon wissen, daß unser Feind, der Satan, die Gefilde der Sonne
betreten hat, um daselbst dem Gehorsame zu obliegen. Er gehorcht nun auch, aber
sein Gehorsam ist ärger denn seine Frechheit; er ist wohl äußerlich ruhig, aber
desto argtätiger in seinem Inwendigen.
[HiG.03_49.03.19,05] Als er sich nach seiner
argen Lust mehr äußerlich regen durfte, da erregte er die Gemüter und erweckte
sie zum gegenseitigen alles zu verheeren drohenden Kampfe. Und sehet, die
Gemüter erwachten, griffen nach Feuer und Schwert und begannen einen Kampf
gleich jungen Löwen. Da triumphierte der Satan, denn er betrachtete sein Werk
für gelungen.
[HiG.03_49.03.19,06] Da es aber in seinem
Plane lag, die Gemüter so lange gegeneinander zu empören, bis sich die Menschen
unter dem furchtbarsten gegenseitigen Hasse gegenseitig bis auf den letzten
Mann aufreiben würden und nach den Menschen aber dann auch die anderen
Geschöpfe, die die Unendlichkeit trägt, so ward er von der Erde in die Sonne
entrückt und wollte dort auf einer breitesten Basis sein arges Werk fortsetzen.
Aber da ward er zum Gehorsam und zu einer bleibenden Ruhe genötigt, in der er
sich nun äußerlich noch befindet.
[HiG.03_49.03.19,07] Aber ganz anders sieht
es in seinem Inneren aus. Da glüht es lichterloh. Bald will er durch seine Ruhe
die ganze Welt in die Ruhe der Gräber versetzen. Da er aber sieht, daß auch in
den Grüften das Leben nicht völlig zu ersticken ist, so fängt er nun wie an dem
Räderwerke der Urordnung zu rütteln an und will, wennschon äußerlich seinen
Standpunkt nicht um ein Haarbreit verlassend, die ganze sichtbare Schöpfung aus
den Angeln heben und sie zu Atomen zerstören.
[HiG.03_49.03.19,08] Sehet, wie aber nun des
Satans Gemüt beschaffen ist, so spiegelt es sich auch in der ganzen Natur aller
Dinge ab. – Die Witterung des Winters war wie ein Frühling, denn die bösen
Geister der Luft begaben sich in eine ähnliche falsche Ruhe, wie die da ist
ihres Meisters. Durch solche Ruhe aber wollten sie der Erde eine große
Trockenheit und einen vollen Mißwachs bereiten; denn es hätte durch die
ungestörte Wärme des Winters alle Frucht bis zur Blüte getrieben werden sollen,
dann aber zur Unterdrückung eines plötzlichen Aufstandes der bösen Geister in
der Luft durch die Friedensgeister eine starke alles erstarren machende Kälte
eintreten sollen, wodurch dann freilich die meisten Früchte der zumeist
bewohnbaren Erde wären zugrunde gerichtet worden; aber siehe da, der Satan hat
sich verrechnet!
[HiG.03_49.03.19,09] Ich ließ die Früchte
nicht zur Blüte kommen und sandte die stärksten Friedensgeister in den Tagen
des Winters, in denen des Sonnenlichtes Wärme die tätigen Geister in den
Pflanzen schon zur Arbeit anfachen könnte, zur Erde herab, und diese nahmen und
nehmen noch alle die falsch-ruhigen bösen Geister der Luft ohne alle Gnade und
Schonung gefangen und treiben sie an, jählings zu betreten den gerichteten Weg
der Ordnung, aus der allein einst für sie die wahre Freiheit erstehen kann.
Daher falle euch diese gegenwärtige Witterung auch nicht lästig, denn sie ist
ein guter Segen für alle Früchte der Erde.
[HiG.03_49.03.19,10] Gleichwie aber diese
Witterung gewisserart ein Aushängeschild ist dessen, was des Lebens Feind
vorhatte und noch vorhat und wie er von Mir aus dagegen traktiert wird,
ebenalso ist diese Märzwitterung als ein prophetisches Zeichen gegenüber der
politischen nun beinahe über die ganze Erde ausgebreitet.
[HiG.03_49.03.19,11] Der 15. März war es, als
Ich euch Meine Gnade gab. Der 15. März war es, als sich beinahe alle Völker der
Erde erhoben, da sie also vom Geiste der Welt angestachelt wurden zur alles
verheeren machen sollenden Bewegung, welcher Geist da ist des Lebens Feind.
Aber da sandte Ich ihm starre und sehr harte Friedensgeister entgegen, bevor
noch die rechte Blüte den edelsten Zweigen des Lebens entstammte. Daher ist nun
allerorts eine Art Erstarrung mit untermengten Stürmen eingetreten, und es
sieht das politische Wetter recht böse aus, als wollte es alles zerstören. Aber
fürchtet euch deshalb ja nicht!
[HiG.03_49.03.19,12] Denn ein 15. März kam zu
euch von Oben und in ähnlicher Weise zu noch anderen Brüdern ganz im geheimen
und harrt nun einer wirklichen Erstehung. Wieder kam ein 15. März, der alle
Völker wie Spreu durcheinandertrieb und die Großen von ihren Thronen. Und
wieder kam ein 15. März recht kalt und frostig, als möchte er alle Saat des
vorigen Jahres verderben. Aber befürchtet das ja nicht! Nur dem Gefühle kommt
er also vor, der Wirklichkeit nach aber ist er ganz anders. Er schützt nur die
edle, noch nicht aufgebrochene rechte Blüte der Ordnung, des Lebens und der
wahren Freiheit des Geistes.
[HiG.03_49.03.19,13] Kümmert euch daher
nicht, was nun geschieht! Lasset sie stürmen, die für den Sturm geschaffen, und
lasset die knechten, die an der Knechtschaft hängen.
[HiG.03_49.03.19,14] Ich aber sage euch:
Ebendaraus wird das wahre Leben auf einmal wie ein hellster Blitz aus der
schwarzen Wolke hervorbrechen – und die Wolke wird vergehen, aber der Blitz
wird sein Licht nimmer zurücknehmen, sondern leuchten fort und fort!
[HiG.03_49.03.19,15] Wie aber der 15. März
nicht fern ist dem Frühling, da ihn nur sieben Tage von ihm trennen, also wird
auch der geistige Frühling nicht fern sein von seinem Vorgänger, nämlich dem
geistigen 15. März.
[HiG.03_49.03.19,16] Des seid vollends gewiß
und sicher, denn also wird und also muß es werden amen. Das sage Ich, euer
Herr, euch zu eurem vollen Troste amen, amen, amen. – – –
Das große Morgenrot oder der Voraufgang zur
Ankunft des Herrn. – 6. April 1849.
[HiG.03_49.04.06,01] Wer ein Licht hat, der
stelle es nicht unter einen verhängten Tisch, allwo es vergeblich leuchtet, da
sein Schein nur kaum die Fußspitzen einiger weniger und müßiger Tischlagerer
spärlich erleuchtet, was zu gar nichts taugt, indem dabei doch das ganze Gemach
finster ist und die am Tische lagern nicht sehen, was auf dem Tische ist oder
was sie sonst umgibt; – sondern ein jeder nur mit einigem Lichte Begabte stelle
sein Lämpchen auf den Tisch und lasse es brennen und erleuchten den Tisch und
das Gemach. Und so auf die Art recht viele Lichtlein am Tische brennen und
leuchten, so wird es hell im Gemache und sehr hell am Tische, also, daß sich
darob jeder eintretende Gast verwundern wird und wird sagen: „Ei, wie ist's da
doch so hell und wie wohl tut uns, die wir eine lange Nacht hindurch gewandelt
haben, diese Helle nun! Ja, sie kommt uns vor als wie ein Morgenrot.“
[HiG.03_49.04.06,02] Da also das Licht so
sehr erquicket das Leben und dasselbe wahrhaft erweckt, sogar auf eine
künstliche Art erzeugt, das heißt auf dem Wege der reineren Vernunft und des
geläuterten Verstandes, wie sehr nötig ist es daher, daß in dieser Zeit ein
jeder, der nur irgendein gutes und brauchbares Lämpchen besitzt, dasselbe nun
hervorholt, es wohl reinigt, es reichlich mit Öl versieht und dann anzündet,
auf den Tisch der reineren Erkenntnis stellt und allda leuchten läßt allen, die
an diesem Tische lagern, und auch den Nebengästen, die sich nur immer in diesem
Gemache befinden.
[HiG.03_49.04.06,03] Der Gang dieser Zeiten
zeigt allerklärlichst an, woran es nun am meisten gebricht, nämlich an Licht.
Was nützt es da von der Liebe predigen, was von der Haltung der Gottesgebote,
so diejenigen, denen gepredigt wird, sich in aller Finsternis befinden und dem
Prediger ins Gesicht sagen: Was redest du von dem, was du ebensowenig je
gesehen und empfunden hast als wir? Was würdest du wohl zu uns sagen, so wir
dir vom Lichte und von den wohlerleuchteten Dingen vorpredigen möchten und
verlangen von dir, daß du uns den vollsten Glauben beimessen sollest in allem,
was wir dir nur immer vorsagen wollten, da wir doch samt dir niemals ein Licht
und ebensowenig erleuchtete Gegenstände gesehen haben?
[HiG.03_49.04.06,04] Siehe, du würdest uns
das gleiche entgegnen und am Ende sagen: Was plappert ihr Jünger der Nacht
daher und wollt mir Dinge glauben machen, die ihr nie gesehen und gefühlt habt?
Schaffet daher eher ein Licht auf den Tisch und betrachtet es und gebet alles
genau an, was ihr sehet und bemerket, so werde ich es euch leicht glauben
können; denn eurer Lampen Schein wird auch erhellen mein Kämmerlein. – Siehe,
ebenalso zünde du zuvor selbst ein Licht an, bevor du predigest, alsdann werden
auch wir glauben, daß das wahr ist, was du uns nun in der vollsten Nacht
glauben machen willst.
[HiG.03_49.04.06,05] Daher sei hier nicht nur
allen, die eines besseren Willens sind und der Lehre vom wahren Leben bedürfen,
sondern auch allen Lehrern gesagt, daß sie alle ihre Lämpchen nun reinigen
sollen und sie versehen reichlich mit gutem Öle; und so die Lämpchen mit Öl
reichlich versehen sind, daß sie dann auch sogleich angezündet werden und
gestellt auf den gastlichen Tisch der rechten Einsicht und Erkenntnis. Denn der
Tag ist herangerückt, an dem die letzte große Verheißung in die Erfüllung gehen
wird!
[HiG.03_49.04.06,06] Es steht geschrieben von
dieser Zeit, wie sie beschaffen sein wird, und sehet, die vorhergesagten
Erscheinungen sind nun da im Vollmaße; wer kann sie verkennen?
[HiG.03_49.04.06,07] Sind aber nun
allerunzweideutigstermaßen die vorhergeweissagten Erscheinungen eingetroffen,
wer mag noch fernerhin zweifeln daran, daß nun nicht auch in der Bälde jener
große Tag eintreffen werde, der eine abermalige größte, letzte und daher
bleibende Ankunft Dessen mit sich bringen wird, von Dem die beiden Engel aus
den Himmeln an der Stelle, an der Er hinauffuhr in Sein Reich, aussagten zu
denen, die Ihm nachweinten: „Was weilet ihr nun traurig da und schauet Dem
nach, der aufgefahren ist in Sein Reich? Seid getröstet und ziehet nach Hause;
denn dieser Jesus, den ihr nun gesehen habet auffahren in die Himmel aller
Himmel, wird einst so, wie Er nun aufgefahren ist, wieder herniederkommen und
richten alle Geschlechter der Erde! Wohl denen, die Er als gerecht finden wird;
diese werden Seine Kinder und Er ihr Herr und Vater sein. Wehe hingegen aber
allen, die in aller Ungerechtigkeit verharrt sind; wahrlich, ihre Verantwortung
wird ihnen zum Mühlsteine am Halse werden!“ – –
[HiG.03_49.04.06,08] Was diese beiden Engel
Gottes und was Ich als der Herr und Gott Selbst von der einstigen Wiederkunft
Christi vorhergesagt habe, das ist nun zur Reife gekommen und wird geschehen in
der Bälde; denn die Vorbereitungen sind nun schon beinahe alle ins Werk gesetzt
worden. Der Menschen Herzen sehen nun aus wie diese Zeiten mit ihren grauenhaften
Erscheinungen. Sie sind voll Herrschsucht, Geiz, Neid, Fraß, Völlerei und
Hurerei, voll Hader, Zank, Schmähsucht, voll Raub, Krieg, Mord und Pestilenz
jeglicher Art. Der Unfrieden und die Lieblosigkeit und vollste Unbarmherzigkeit
hat sich ihrer bemächtigt, und dadurch ist nun auch solch eine Trübsal über die
Erde gekommen, wie ihresgleichen ebendiese Erde noch nicht getragen, gefühlt
und geschmeckt hat. Es ist daher nötig, daß dieser trübseligsten Zeit bald ein
Ende gesetzt werde, da sonst noch jene, die bisher zu den Auserwählten gezählt
wurden, Schiffbruch leiden könnten.
[HiG.03_49.04.06,09] Bevor aber Ich als der
Herr und Schöpfer alles Lebens wiederkommen kann, muß der Erdboden von allem
Unkraute gar fein gereiniget werden; und diese Reinigung geht soeben auf allen
Punkten der Erde vor sich. – Wer nun an seiner Seele wissentlich krank ist und
nicht trachtet, daß seine Seele gesund werde, der wird nicht lange machen, bis
er zugrunde gehen wird!
[HiG.03_49.04.06,10] Die Zeit der Reinigung
aber wird dauern kürzestens vier Wochen; denn es wird nun Stunden geben, in
denen mehr geschehen wird als ehedem in einem Jahrhundert. – Ein längerer
Termin ist gesetzt auf vier Monate; denn es wird nun Tage geben, von denen
einer mehr bedeuten wird als ehedem ein volles Jahrhundert. – Noch ein weiterer
Termin ist gesetzt auf vier Vierteljahre; denn es wird nun in einer Woche mehr
geschehen als in der Vorzeit in einem vollsten Jahrhundert. – Und noch ein
weitester Termin ist gesetzt auf vier Jahre und noch eine Kleinigkeit der Zeit
hinzu; denn es werden nun Monde kommen, in denen mehr geschehen wird als in der
Vorzeit in sieben Jahrhunderten!
[HiG.03_49.04.06,11] Diese Zeit aber ist nun
wie ein Morgenrot zu jenem Tage, der da kommen wird entweder zum Heile für die
Gerechten und für alle jene, die eines sanften und guten Herzens sind und
liebhaben ihre Brüder und Schwestern in Meinem Namen; aber dieser Tag wird auch
kommen wie ein Dieb über alle jene, die Meiner nicht achten und haben ein
hartes und stolzes Herz und halten sich für besser und angesehener als ihre
Brüder in was immer und wegen was immer.
[HiG.03_49.04.06,12] Wer aus euch in was und
wegen was immer sich für besser hält als seinen Bruder, der wird an diesem
kommenden Tage gar sehr zuschanden werden; denn von diesem Tage an soll aller
äußere Unterschied aufhören, und in großen Ehren werden nur stehen, die nun um
Meines Namens willen verachtet oder gewisserart nur mitleidig als ehrliche
Menschen geduldet werden, aber so sie in irgendeiner Gesellschaft etwa auch
etwas gelten wollten, da werden sie sogleich in ihre nichtssagenden Schranken
zurückgewiesen. Solche Menschen werden aber an diesem Tage groß und glorreich
hervorgehen, während die gegenwärtigen Honoratioren in was immer sehr klein
werden bedacht werden. Meine Erwählten aber werden glänzen mehr als die Sonne
am Mittage!
[HiG.03_49.04.06,13] Es zeigt aber ein
natürliches Morgenrot keinen günstigen schönen Tag an, denn man sagt: Des
Morgens Rot ist des Tages Not und des Abends Tod! – Aber also wird es beim
geistigen Morgenrot nicht sein, wohl aber ganz umgekehrt; denn wie das
natürliche Morgenrot alle Herzen erquickt, so wird dies geistige große
Morgenrot alle Herzen mit großer Furcht und Bangigkeit erfüllen; denn es wird
seine Farbe vom Blute und vom großen Brande der Welt, darunter zu verstehen
sind die großen und kleinen Kriege, nehmen.
[HiG.03_49.04.06,14] Aber wie das natürliche
Morgenrot ein ungünstiges Zeichen für den darauffolgenden Tag ist, so wird aber
das an sich selbst schlimme geistige Morgenrot nur als ein sehr günstiger
Vorläufer des kommenden großen Tages des Heils zu betrachten und zu nehmen
sein.
[HiG.03_49.04.06,15] Dieses alles habe Ich so
eingerichtet und lasse nun alles also geschehen, wie es geschieht. Wer aus euch
aber will Mir in den Weg treten und sagen: Herr! Du bist ein grausamer Gott,
hast eine Freude am Blute der vielen Hingeschlachteten und handelst wie ein
ewiger Tyrann?
[HiG.03_49.04.06,16] Zu dem sei es gesagt:
Der Meister ist nicht da, daß Ihn da richteten Seine Werke; sondern Er wird sie
richten recht und gerecht. – Ihr sollet daher auch nicht sagen: Siehe, dies
Volk hat recht und jenes hat unrecht; und dieser oder jener Feldherr tut
Fluchwürdiges oder seine Vorgänge sind gesegnet. – Also sollet ihr auch weder
eine Freude noch eine Trauer haben, so ihr erfahret, daß diese oder jene Partei
entweder gesiegt hat oder weidlichst geschlagen wurde. Überhaupt sollet ihr
euch gar nicht viel kümmern, ob das, was nun geschieht, recht oder unrecht sei;
denn Ich lasse alles das also geschehen, wie es geschieht, und Ich meine, daß
Ich doch Herr genug dazu bin und bin weise genug und bin gut genug! –
[HiG.03_49.04.06,17] Wer aus euch aber nun
anders denken und urteilen will, der muß daher aber auch mehr Herr sein wollen,
als Ich es bin, und muß notwendig weiser und besser sein als Ich. So aber
jemand das zu sein wähnt, wenn auch gerade nicht in seinen Gedanken, aber
dennoch durch seine Reden und Taten, der bändige aber hernach auch die
Elemente, zeichne den Sternen ihren Gang vor, gebiete den Winden, dem Meere und
dem mächtigen Feuer im Inneren der Erde; er gebiete den Wolken und schaffe der
Sonne und dem Monde, daß sie besser der Erde dienen, als wie es manchmal der
Fall ist.
[HiG.03_49.04.06,18] Denn wer sich für
hinreichend weise hält, den Bewegungen der freien Menschen sein Urteil
anzupassen und mit einer gewissen hartnäckigen Bestimmtheit zu sagen: „Die
Herrschaft Österreichs ist arg und böse, seine Kriege, Siege und Gesetze sind
eine Schmach; Rußland handelt unter aller Kritik; nur von Frankreich und
Deutschland hängt das Heil der Völker ab“ – o zu dem sage Ich: Gut, gut! Weil
du so weise bist und gar so gründlich alle Handlungen, Gesetze, Verfügungen,
Verhältnisse und Bewegungen der verschiedenen Völker zu beurteilen imstande
bist, was sogar für die weisesten Engel schwerer ist, als ein ganzes
Sonnengebiet in der strengsten Ordnung zu erhalten, so solle so ein
verständigster und weisester Richter über alle Völker denn sich auch an die
Leitung der Sonne und des Mondes machen; er solle den lästigen Winter
abschaffen und solle auch das Loch verstopfen, von wannen die kalten Winde
herkommen.
[HiG.03_49.04.06,19] So ihm aber die Sonne im
Sommer doch etwas zu warm werden sollte, da wird seine Weisheit ja doch auch
imstande sein, ein Mittel zu finden, um der Sonne ihre zu große Hitze
auszutreiben. – Ist ihm die zu starke Anhäufung des Polareises etwa zuwider,
nun – so kann er ja das unterirdische Polarfeuer recht anfachen, und das wird
schon seine alten auflösenden Dienste tun!
[HiG.03_49.04.06,20] Und wenn am Ende etwa
doch Altersschwäche oder andere Krankheiten so affront sein sollten und
beschleichen den Leib eines solchen Völkerweisen, nun, das wird für ihn etwa
doch ein wahrer Spaß sein, sich augenblicklich wieder zu verjüngen und sein Fleisch
unsterblich zu machen.
[HiG.03_49.04.06,21] Sollten aber solche
weise Völkerrichter bei sich etwa doch verspüren, daß ihnen die Leitung und
Besorgung des Universums unausführbar sein solle, was gegen die Leitung der
freien Völker freilich wohl nur etwas ganz Leichtes wäre, da sollen sie dann
aber auch ganz demütig in ihre sündige Haut zurückkriechen und sagen: Herr! Ich
habe gar gewaltig gesündigt vor Dir; sei mir armem Sünder gnädig und
barmherzig! – Da sollen sie dann aber auch wieder Gnade und Erbarmung finden,
und es solle ihnen ein rechtes Licht gegeben werden, das sie auf der rechten
Erkenntnis Tisch stellen sollen und auch stellen werden, bei welchem Lichte sie
aber dann auch bald und leicht erkennen werden, ob ihre Urteile über die
verschiedenen Völker recht oder unrecht waren.
[HiG.03_49.04.06,22] Ich sage euch: Menget
euch in nichts und bleibet fein zu Hause, auf daß, so Ich in der Bälde kommen
werde, Ich euch auch daheim antreffe, euch tröste, stärke und aufnehme in Mein
neu zu gründendes Reich auf Erden und in allen Sternen! –
[HiG.03_49.04.06,23] Aber so Ich euch nicht
daheim antreffen werde, so möget ihr es euch dann selbst zuschreiben, so ihr an
dieser Meiner größten und letzten Ankunft entweder gar keinen oder nur einen
sehr geringen Teil haben werdet.
[HiG.03_49.04.06,24] Ich sage euch: Ich
allein bin der Herr der ganzen Unendlichkeit, und sonst gibt es ewig keinen! –
Was ihr sehet, denket, wahrnehmet, empfindet und fühlet und noch endlos mehr,
was vor euch verborgen ist, das alles ist allein Mein Werk.
[HiG.03_49.04.06,25] Bedenket – denn also
spricht der Herr Jehova Zebaoth: Was könnet ihr Mir sagen, wenn Ich es mit
denen halte, die ihr verachtet? – Was wollt ihr Mir sagen, so Ich eine Hure an
Mein Herz drücke und eine betschwesterliche fromme Sitten- und Sündenrichterin von
Mir weise? – Was wollt ihr Mir sagen, so Ich in der Zukunft bei lauter
Zachäussen einkehren werde und werde allen sogenannten Gottesdienern den Rücken
kehren? – Was werdet ihr Mir ferner sagen können, so Ich künftighin, wie es
auch vorher war, eure wohlerzogenen Töchter von Meiner Türe weisen werde und
werde dafür die gemeinsten Gassendirnen aufnehmen und sie zu Meinen
Gesellschafterinnen machen?
[HiG.03_49.04.06,26] Ja wahrlich, Ich sage es
aller Welt: Eine Martha, eine Magdalena, eine Ehebrecherin, ein samaritisches
Weib und eine Hure, die sich zehntausendmal hat beschlafen lassen, wird Mir
angenehmer sein als alle die fein und überaus sittlich erzogenen Töchter, die
bloß deshalb keine Huren sind, weil das vor der Welt eine Schande wäre; denn
was würde die Welt dazu sagen?! – Wenn die Welt so etwas erführe, da wäre es ja
nur zu sicher um das erhoffte irdische Glück geschehen. – Oh, so es aber auf
Mich ankäme und die Welt vor den Augen der Menschen kein gültiges Richteramt
ausübte, dann wäret ihr mit euren Kindern bei weitem nicht so heikel als nun!
[HiG.03_49.04.06,27] Ich sage euch aber das
nicht etwa darum, als hielte Ich dafür, daß es schlecht wäre, die Kinder fein
und sittsam zu erziehen – o nein, das will Ich damit gar nicht gesagt haben;
aber daß ihr eure Kinder viel mehr der Welt als Meinetwegen fein und sittlich
erziehet und bringet ihnen dadurch eine bei weitem zu große Überschätzung ihres
sogenannten besseren Menschenwertes bei, welche Überschätzung eine Grundwurzel
allen Hochmutes ist, das ist vor Mir ein Greuel! – Und da muß Ich offen und
klar gestehen, daß Mir eine von aller Welt verachtete und von allen
Fleischsünden stinkende Hure bei weitem lieber und angenehmer ist, als eine
ganze Million eurer allerfeinst und allersittlichst gebildeten Töchter und
Söhne.
[HiG.03_49.04.06,28] Ich will damit aber auch
nicht sagen, daß Mir die Hurerei etwa lieber sei, als ein tugendhafter reiner
Lebenswandel; denn nichts Unreines kann in Mein Reich eingehen! Aber das sage
Ich, daß, so mit der feinen und zarten Sitten- und Religionsbildung zugleich
ein die geringere Menschheit geringschätzender, ja manchmal sogar verachtender
Hochmut in der engsten Verbindung steht, Mir jede bis zur letzten Zehenspitze
herab verachtete und unter alle Kloaken hinab gedemütigte Hure um sehr vieles
lieber und angenehmer ist, als eure vor der Welt hochansehnlichen Kinder. So
wie Mir auch jener Hauptlump von einem Zöllner – der in den Tempel kam, allda
sein schmähliches Leben nur zu sehr fühlte an geheiligter Stätte und darum bei
sich gewisserart also sprach: „Nein, ich bin doch ein zu heilloser Lump für
diesen geheiligten Ort! Gar nicht würdig bin ich, meine zu sündhaften Augen
dort hinauf zu erheben, wo die Gerechten sich freuen vor dem Heiligtume Gottes;
daher ist es auch billig, daß ich diesen Ort sogleich verlasse und ihn nicht
entheilige!“ – lieber war, als jener mit sich überaus zufriedene Pharisäer, der
Gott nicht genug loben und preisen konnte, weil Er ihn gar so rein und
fehlerfrei gemacht habe.
[HiG.03_49.04.06,29] Ich sage es hier nun
allen der vollsten Wahrheit gemäß, die allein jeden Menschen wahrhaft frei
machen kann: Es gibt vor Mir im Grunde des Grundes nur so ganz eigentlich eine
einzige Sünde, welche die Mutter aller anderen Sünden ist, und diese Sünde
heißt: Hochmut!
[HiG.03_49.04.06,30] Aus dem Hochmute aber
geht dann alles andere, was nur immer Sünde heißt, hervor – als da ist die
Selbstsucht, Herrschlust, Eigenliebe, Neid, Geiz, Wucher, Betrug, Dieberei,
Raub, Zorn, Mord, Trägheit zur rechten Arbeit, der süße Müßiggang auf Kosten
der unhochmütigen Arbeiter, Hang zum Wohlleben und Großtun, Geilheit des
Fleisches, Unzucht, Hurerei, Gottesvergessenheit und endlich wohl auch oft eine
gänzliche Gottlosigkeit und mit dieser der vollste Ungehorsam gegen alle
Gesetze, mögen sie göttlichen oder bloß politischen Ursprunges sein.
[HiG.03_49.04.06,31] Betrachtet jede dieser
aufgezählten Hauptsünden für sich ganz analytisch, und ihr werdet am Grunde
einer jeden den Hochmut ersehen. Wer dann aller seiner vermeintlichen tausend
Sünden wie mit einem Schlage los sein will, der sehe allein darauf, daß er
seines wie immer gearteten Hochmutes ledig werde, so wird er auch ledig sein
aller seiner anderen Sünden. Denn viele Sünden sind ohne Hochmut gar nicht
denkbar, und das darum, weil er der alleinige Grund dieser Sünden ist.
[HiG.03_49.04.06,32] Sünden aber, die ohne
Hochmut begangen werden, sind keine Sünden, weil sie den Grund zur Sünde nicht
in sich bergen. – –
[HiG.03_49.04.06,33] Es würde aber jemand
sein, der sonst gerecht wäre und niemand zu ihm sagen könnte: Siehe, dieser und
jener Sünden hast du dich schuldig gemacht, – aber er täte sich darauf viel
zugute und achtete sich für viel besser als jene, die er als grobe Sünder
erkennt. Wahrlich, da nützete ihm alle seine Gerechtigkeit nichts. Denn da er
sich auf seine Gerechtigkeit und Unbescholtenheit etwas zugute täte, so wäre er
schon vom Hochmute befangen und somit vor Mir schlechter als einer, der sein
Leben lang – aber natürlich ohne allen Hochmut – in seinem Fleische gesündigt
hätte, was an und für sich wohl auch eine starke Sünde ist, aber selbst mit dem
geringsten Hochmute in gar keinem Vergleiche steht.
[HiG.03_49.04.06,34] Daher lasse sich aber
nun auch ein jeder durch dieses Morgenrot ganz scharf durch und durch
erleuchten und spüre ja sorgfältigst in seinen erleuchteten Lebenswinkeln und
Kammern fleißig nach, ob er nicht irgendwo etwas antreffen möchte, was so mit
dem Hochmute irgendeine Ähnlichkeit haben könnte. Trifft er so etwas in seinem
Inneren an, so verabscheue er es augenblicklich und strebe alsbald mit allen
Kräften danach, daß er seines noch so gering scheinenden Hochmutes loswerde,
sonst wird dieser mit der Zeit zu wachsen anfangen wie eine Schmarotzerpflanze
am sonst gesunden Aste eines Fruchtbaumes und den sonst edlen Menschen ebenso
zugrunde richten geistig, wie die Schmarotzerpflanze den sonst ganz gesunden
Baum.
[HiG.03_49.04.06,35] Der Hochmut, wie immer
geartet er auch sein möchte und von wo immer er seinen Ursprung nehmen mag, ist
für Seele und Geist eine allergiftigste Stickluft aus der Hölle, durch die in
kurzer Zeit alles Leben zugrunde gehen muß. Daher noch einmal für tausendmal
gesagt:
[HiG.03_49.04.06,36] Hütet euch vor allem nur
vor dem Hochmute, wollt ihr vor Mir als gerecht und gerechtfertigt erscheinen –
und wollt ihr am kommenden großen Tage euch Meiner sichtbaren Gegenwart
erfreuen!
[HiG.03_49.04.06,37] Aber so nur ein Atom
irgendeines Hochmutes in euch verbleibt, so werdet ihr von Mir zwar sagen
hören, daß Ich auf der Erde zu Meinen Freunden gekommen bin; so ihr aber rufen
werdet: „Herr! Herr! Komme auch zu uns!“ – da werde Ich dennoch nicht zu euch
kommen, dieweil ihr nicht allem Hochmute entsagt habt.
[HiG.03_49.04.06,38] Wohl wisset ihr vieles,
was Millionen nicht einmal zu ahnen vermögen; aber darum seid ihr nicht um ein
Haar besser als jene, die von alldem keine Ahnung haben, was bei euch schon ein
erfahrungsreiches Wissen, ja manchmal sogar ein förmliches Schauen geworden
ist. – Aber so ihr mit eurem Wissen auch die rechte Demut vereiniget, dann wird
euch freilich das tiefe Wissen im Bereiche des rein Geistigen von einem
unberechenbar großen Nutzen sein.
[HiG.03_49.04.06,39] Auf daß sich aber ein
jeder Mensch richten kann und erforschen sein ganzes Wesen, so will Ich zu dem
Behufe eine sonderheitliche Anleitung geben, nach der man gar leicht wird
ersehen können, an welche Eigenschaften sich der schändlichste Hochmut beim
Menschen anklebt und allda fortwuchert. –
[HiG.03_49.04.06,40] Manche Menschen
beiderlei Geschlechts haben gewisserart von Geburt an ein züchtigeres Fleisch
und enthalten sich demnach auch um vieles leichter von all den sinnlichen
Gelüsten des Fleisches. Diese Menschen triumphieren dann aber gewöhnlich nicht
über sich selbst, sondern hauptsächlich über ihre Nebenmenschen, deren Natur
nicht aus so keuschen Substantialspezifiken zusammengesetzt ist. – Diese also
um vieles leichter keusch lebenden Menschen aber verachten dann gewöhnlich
diejenigen, die es wirklich einen großen Kampf kostet, um sich der
fleischlichen Werke zu enthalten. Ja, solche Menschen können oft beim besten
Willen nicht das in die Ausführung bringen, was den andern ein leichtes ist.
[HiG.03_49.04.06,41] Wenn nun solche sich der
fleischlichen Werke leicht enthaltenden Menschen über die in diesem Punkte
Schwachen sich lustig machen, sie schmähen, oft verfluchen und ihnen die Hölle
an den Hals schleudern, da sie sich natürlich für besser und unfehlbarer halten
als ihre schwächeren Brüder und Schwestern, – da verfallen solche fleischlich
ohne ihr besonderes Verdienst Reineren schon dem Hochmute und sind dadurch
schon bei weitem größere Sünder in sich selbst als ihre schwachen
Nebenmenschen. Denn jedes sich für Mehr-, Höher-, Besser- und
Vorzüglicherhalten als seinen Nebenmenschen in was immer rührt schon vom
Hochmute her und ist an sich vor Mir schon schlechter, als was ein Hochmütiger
in was immer als schlecht bezeichnen möchte. Denn schon die geringste Art des
Hochmutes ist bei weitem ärger, als jede andere Sünde für sich.
[HiG.03_49.04.06,42] Denn jede Sünde, einfach
für sich genommen, ist nur wie das Fleisch eines Apfels oder einer Pflaume oder
einer Birne, das an und für sich keiner Fortpflanzung und Vermehrung fähig ist.
Aber der Hochmut ist das Samenkorn oder die fabelhafte Büchse der Pandora, aus
dem wie aus dieser alle erdenklichen Übel erwachsen können und sich dann aber
auch also vermehren wie das Gras auf dem Erdboden und der Sand im Meere. Denn
wer von sich selbst in was immer eine zu gute Meinung hat, der verlangt, daß
auch andere von ihm das meinen sollen. – –
[HiG.03_49.04.06,43] Nun aber setzen wir den
Fall – der sich leider nur gar zu oft ergibt –, daß andere solch eine ihre
eigenen Fähigkeiten überwiegende Vortrefflichkeit anerkennen und sehr beloben,
so wird dann der vortreffliche A noch lobbegieriger. Er wendet bald alles an,
um seine Vortrefflichkeit noch mehr zu heben. Es gelingt ihm, er wird ein
Virtuose, will dann schon viel mehr Weihrauch. Man streut ihm Blumen und
Kränze. Er fühlt sich als eine Art Gott, wird am Ende selbst von Bewunderung
über sich, sozusagen, ganz hingerissen. Und wenn dann aber etwa doch jemand so
keck wäre und sagte zu ihm: „Freund! Du überschätzest dich, es ist nicht soviel
an dem, was du bist und leistest. Siehe, einige interessierte Lobhudler und
Weihrauchstreuer haben dich mit ihrem ganz leeren Lobgequake trunken und
verwirrt gemacht, und du warst so uneinsichtig und nahmst ein glänzendes
wertloses Geflitter für bares gediegenes Gold an. Werde aber nun nüchtern und
beschaue deine vermeinte außerordentliche Vortrefflichkeit mit klaren Augen,
und du wirst finden, daß daran neun Zehntel rein zu verwerfen sind.“ – –
[HiG.03_49.04.06,44] Auf solch eine recht
weise Belehrung wird dann der vortreffliche A erbost und wird dem recht weisen
Belehrer auf eine Art übers Maul fahren, wie man zu sagen pflegt, daß sich
dieser für alle Zeiten den Gusto wird vergehen lassen, ihm je wieder einmal mit
einer weisen Belehrung zu kommen. – Und seht, so wuchert dann der Hochmut fort
und verzehrt endlich alles Edle, was sonst der Geist vermöge seiner besseren
und ausgezeichneteren Talente hätte zum Frommen vieler schwächer begabten
Menschen zustande bringen können. – –
[HiG.03_49.04.06,45] Wenn jemand recht viel
gelernt hat und hat seinen Verstand mit recht tüchtigen Wissenschaften
ausgerüstet, so daß andere, ungelehrte Menschen im Fache des Wissens als bare
Nullen gegen ihn sich verhalten, und wenn es nun einem Ungelehrten einfiele,
dem Hochgelehrten gegenüber zu behaupten, daß er auch etwas verstehe und es
sogar eine Schande wäre, so jemand, der etliche zwanzig Jahre nichts als
studiert hat und sich mit Wissenschaften über Wissenschaften beschäftigte,
nicht mehr verstünde als einer, der dazu weder Vermögen noch Gelegenheit hatte,
– ja da wäre es aus beim Herrn Doktor! Der würde so einem naseweisen Lümmel ganz
kurios begegnen und ihm zeigen, ob er das Recht habe, ihm gegenüber solch
impertinente Bemerkungen zu machen.
[HiG.03_49.04.06,46] Seht, das ist schon
wieder Hochmut, der aus dem Herrn Doktor statt des Segens nur einen Fluch für
die arme Menschheit zieht. Wieviel Gutes könnte ein demütiger Gelehrter
stiften, und wie gesegnet wären alle seine Arbeiten, die er mit Mir zum Frommen
der armen Menschheit vollführte! Wie würde er wahrhaft geschätzt, geliebt und
gesucht sein!
[HiG.03_49.04.06,47] Ja, je weniger er aus
sich machte, desto mehr würden die anderen aus ihm machen. – Aber nein, der
Hochmut als Eigendünkel der meisten Gelehrten versengt und verbrennt all das
Edle und Gute, das aus ihnen hätte hervorgehen können, da er sie, je älter und
größer er wird, für die arme und und bedürftige Menschheit ganz unzugänglich
macht.
[HiG.03_49.04.06,48] Desgleichen steht es
auch mit den meisten Beamten, die gewöhnlich auf ihre Amtswürde ein so großes
Gewicht legen, daß sie die anderen, ihnen untergeordneten Menschen nicht selten
für nahe weniger als nichts betrachten. Diese nicht mit dem Amt, das etwas
Nützliches ist, verbundene, sondern eigenmächtig geschaffene Amtserhabenheit
des Beamten ist gleichfalls wieder nichts als ein barster Hochmut, der dem Amte
nie einen Segen, sondern allezeit nur ganz notwendig den Fluch bereitet. – Wer
kann da aufstehen und sagen, daß es nicht also sei?
[HiG.03_49.04.06,49] Der Priester, der ein
Vorbild aller Demut sein sollte, bildet sich Himmel und Erde ein, hascht nach
Gold und Silber, um sein vermeintes himmlisches Ansehen auf einen Glanz zu
stellen, vor dem sogar die Sonne, so es möglich wäre, sich weidlichst schämen
müßte.
[HiG.03_49.04.06,50] Ein Lehrer oder
Professor der Jugend macht nicht selten förmliche Studien, wie er den jungen
Würmern so recht handgreiflich zeigen könnte, was Außerordentliches da hinter
ihm stecke. Es liegt ihm meistens weniger daran, daß seine Schüler von der
Nützlichkeit seiner Stellung überzeugt werden möchten, als daß sie nur zittern
vor ihm und seiner professorlichen Amtsautorität.
[HiG.03_49.04.06,51] Es ist allerdings wahr,
daß bei manchen Kindern ein ziemlicher Ernst angewandt werden muß, um sie vom
Nutzen und von der Notwendigkeit dessen, was sie lernen müssen, zu überzeugen
und sie dadurch mit Liebe zu den zu erlernenden Gegenständen zu erfüllen. Aber
es ist demgegenüber auch das sehr wahr, daß ein Lehrer, der seine Schüler mit
der rechten uneigennützigen Liebe zu behandeln versteht, mit ihnen bei weitem
mehr ausrichten wird als ein Ehren- und Ansehenschnapper.
[HiG.03_49.04.06,52] Ich sage euch: Suchet,
sei es in was immer, nie die Ehre der Welt; denn diese ist eine Pest für Seele
und Geist, und ihre Folgen kommen früher oder später, die Erde verheerend, zum
Vorschein.
[HiG.03_49.04.06,53] Betrachtet die
gegenwärtigen Kriege, in denen sich viele Tausende der Ehre wegen müssen
totschlagen lassen. Wenn Herrscher, Heerführer und ihre was immer für Namen
habenden Völker anstatt des Hochmutes der lieben himmlischen Demut dienten, –
würden oder könnten die Völker je zu solch einer gegenseitigen Wut entflammt
werden? – Wahrlich, bei demütigen Völkern wäre ein Krieg eine allerpurste
Unmöglichkeit!
[HiG.03_49.04.06,54] Da aber bei diesen
Völkern anstatt der Demut nur der alleinige Hochmut großgewachsen ist,
demzufolge sich ein Volk für besser, angesehener, älter, berechtigter und wer
weiß es, für was noch alles hält, so sind auch diese gegenwärtigen, alles
verheeren wollenden Kriege eine ganz natürliche Folge der gegenwärtigen Großzucht
des Hochmutes. Denn ein Krieg ist im Großen das, was im Kleinen die sogenannten
Raufhändel sind, die auch gewöhnlich viel seltener aus irgendeiner haltbaren
Ursache herrühren, als meistens bloß aus gekränkter Ehre. Denn kommt unter eine
Gesellschaft ein Dieb oder ein Betrüger oder ein bekannter Räuber, so wird die
Gesellschaft mit derlei gefährlichen Individuen ohne alle Händel und blutigen
Exzesse fertig werden. Man wird sie mit vereinter Kraft gefangennehmen und sie
dem ordentlichen Gericht überliefern.
[HiG.03_49.04.06,55] So aber einer in einer
Gesellschaft etwa einem Großtuer zu nahe tritt, da gibt es dann nur zu bald und
gewiß einen beleidigenden Wortwechsel. Diesem folgen bald ganz ernstliche
Drohungen und diesen als ganz natürliche Folgen eines gereizten Hochmutes
Schläge aller Art, blutige und oft sogar tödliche. Denn da will dann ein jeder
mit der Faust oder mit dem Stocke seine Ehre retten und stiftet dadurch
Feindschaften, Rachedurst und eine Menge Übel aller Art auf lange Zeiten in
einer Gegend oder oft in einem ganzen Lande.
[HiG.03_49.04.06,56] Ah, etwas ganz anderes
ist es, so irgend ein äußerer habsüchtiger oder mutwilliger Feind in ein
friedliches, von lauter demütigen und untereinander sehr verträglichen Menschen
bewohntes Land oder Reich einfiele, um allda eine Beute zu machen. Da hätten
freilich wohl die Bewohner solch eines Landes oder Reiches das Recht, einen
solchen schändlichen Feind mit allem Ernste zu empfangen und ihn auf das
empfindlichste zu züchtigen, bei welcher Gelegenheit Ich als der Herr Himmels
und der Erde Mich dann aber auch sogleich an die Spitze stellen möchte; und der
arge Feind würde da nur zu geschwind erfahren, welches Lohnes seine Handlung
wert war. – Schwerlich dürfte er je wieder den Mut fassen, ein solches Land
heimzusuchen. – –
[HiG.03_49.04.06,57] Aber leider ist nun dem
nicht also. Ein Volk will nun größer sein als das andere, also auch ein Reich
größer und mächtiger als das andere.
[HiG.03_49.04.06,58] Der Deutsche will der
Erste sein. Der Slawe spricht dieses Recht für sich an. Den Franzosen darf man
schon gar nicht mehr fragen, welche Nation auf der Erde etwa doch die erste,
gebildetste und in jeder Hinsicht die erste wäre. Der Russe mißt mit dem
größten Maßstabe nur sich; alles andere ist für ihn eine kaum beachtenswerte
Bagatelle.
[HiG.03_49.04.06,59] Der Engländer hat
bereits die Einbildung der Chinesen und Japaner im höchsten Grade überflügelt.
Denn hält der Chinese und Japaner auch dafür, daß sich sein Reich in der Mitte
aller Reiche der Erde befinde, so ist der Engländer de facto gewisserart der
Gesetzgeber und Vorteile-Einsauger der nun bekannten ganzen Erde, – und ist er
gerade schon auf der ganzen Erde und in all ihren Reichen es nicht ganz, so
bildet er sich aber dennoch ein, als wäre er es. Und findet er irgendwo
Verletzungen dieser seiner Meinung, so wird er gewiß alles aufbieten, um das zu
verwirklichen, was bei ihm bis jetzt nur eine großartige Einbildung war.
[HiG.03_49.04.06,60] Der Amerikaner
betrachtet europäische Staaten kaum für soviel, wie einige Gassenjungen, die
das Pflaster einer großen Stadt betreten, zu deren Erbauung sie freilich nie
auch nur ein Sandkörnchen beigetragen haben, die auf den Alleebäumen hie und da
vorfindlichen Spatzennester. Er braucht nur mit einer amerikanischen Flotte
sich dem winzigen Europa bloß auf hundert deutsche Meilen zu nahen, so muß
dasselbe schon untergehen.
[HiG.03_49.04.06,61] Der Afrikaner hält nur
sich für einen Menschen, und da selbst nur den Reichen, Starken und somit auch
Mächtigen. Alles andere ist bei ihm menschenähnliches Lasttier und kann wie
jedes andere Vieh verkauft werden.
[HiG.03_49.04.06,62] Frage nun bei den
obwaltenden Verhältnissen zwischen Völkern und Völkern, Reichen und Reichen,
Staaten und Staaten, in denen der Hochmut solche Entzweiungen hervorgerufen
hat, die die Erde selbst vor der Sündflut nicht gekannt hat, jeder sich selbst,
ob es wohl noch möglich wäre, daß Ich als der Herr Himmels und der Erde solchen
Greueln noch länger hätte ganz ruhig zusehen sollen oder können?! – –
[HiG.03_49.04.06,63] Der Herr spricht: Nein,
das war nicht mehr möglich! Der Hochmut der Völker hat alles Maß überschritten,
bis in den höchsten Himmel stieg schon der Dampf der Hölle! Die Erde selbst bat
Mich, daß Ich die arge Brut des Satans doch endlich einmal ausmerzen solle. –
Und sehet, die Zeit ist da; sie ist nun enthüllt vor euren Augen: ein Volk
zieht wider das andere; und fraget ihr, warum? – so sage Ich es euch: Aus purem
Hochmute!
[HiG.03_49.04.06,64] Denn von einer Not oder
Notwendigkeit war da nirgends eine Spur; denn hätten die Menschen sich
gedemütigt – natürlich alle ohne Ausnahme, wie es die Niniviten einst getan
haben, so hätten alle an allem zur Übergenüge. Aber weil sie alle der Hochmut
aufgetrieben hat, wie einst zu Jerusalem das verfluchte Wasser diejenigen, die
es zur Probe ihrer Schuld oder Unschuld trinken mußten und dabei aber schuldig
waren, – so ist es denn aber nun ja auch wohl ganz naturmäßig gerecht, daß sie
nun alle an dem Pestwasser ihres Hochmutes zugrunde gehen!
[HiG.03_49.04.06,65] Denn Ich sage es euch:
Die Zeiten sind aus, wo das Schwert zwischen Ehre und Schande, wie zwischen
Tugend und Untugend den Schiedsrichter machte; denn das Schwert war nie eine
Waffe der Demut, sondern allezeit nur der Ehre und des Ansehens, wie leider
auch nur zu oft einer tyrannischen Herrschaft.
[HiG.03_49.04.06,66] Aber forthin solle es
nicht mehr also sein! In der Zukunft wird nur die Demut mit den Waffen der
Liebe die Völker beherrschen, d.h. freilich jene Völker nur, die für diese
Waffe aus den Himmeln für würdig befunden werden. Die Unwürdigen aber werden in
dieser Zeit schon ohnehin den Lohn erhalten, den sie sich schon lange verdient
haben. Ich werde zwar wohl noch immer dem besseren und gerechteren Teile den
Sieg zuteil werden lassen; aber so er darauf erbost und hochmütig wird, dann
wehe auch ihm!
[HiG.03_49.04.06,67] Denn von nun an soll
niemand mehr geschont werden, der nur einen Funken Hochmutes als Triebfeder
seiner Handlungen in sich besitzt. – Jede Handlung, wobei nur irgend etwas von
einem Ehrgeiz sich verspüren läßt, soll ohne allen Segen fortan verbleiben.
Jede Handlung aber, die bloß der Nützlichkeit wegen begangen wird mit demütigem
Gemüte, soll von Mir über und über gesegnet werden.
[HiG.03_49.04.06,68] Von nun an muß eine
andere Ordnung unter den Menschen eingeführt werden. Die sich aber diese
Ordnung nicht werden von ganzem Herzen gefallen lassen und werden dabei noch
immer alte verrostete Bedenklichkeiten in sich auftauchen lassen, denen sollen
die bittersten Folgen ehestens die genügendste Kunde verschaffen, ob sie
dadurch für oder wider Meine Ordnung waren.
[HiG.03_49.04.06,69] Man sagt nun häufig: Ich
möchte dies und jenes wohl tun, denn ich machte mir nichts daraus; aber was
würde die Welt dazu sagen? Dieser würde sich vor Galle umkehren, jener ein
Zetergeschrei anfangen, und so würde mein guter Hausname darunter einen großen
Schaden leiden.
[HiG.03_49.04.06,70] Ich als der Herr Himmels
und der Erde sage dir nichts als das: Alles, was Welt heißt, das ist Hölle!
[HiG.03_49.04.06,71] Was ist ein guter
Hausname vor der Welt? – Ich sage es dir und will und muß es dir sagen: Sieh,
du blinder Tor! Ein guter Hausname, von dem die Welt sagt: „Das ist ein gutes
Haus“ – ist ein Zeugnis aus der Hölle. Denn die Welt kann doch unmöglich etwas
gutheißen, was ihr nicht zusagte. Was aber der Welt zusagt, da lies nur das
reine Evangelium, ob dieses irgendwo sagt, daß das auch vor Gott etwas gelte.
Steht es nicht geschrieben: „Was immer vor der Welt groß ist, das ist vor Gott
ein Greuel.“
[HiG.03_49.04.06,72] So ihr aber das doch mit
überaus klaren Worten in der Schrift leset, wie möglich kann da jemand, der mit
der Schrift vertraut ist, sagen: Ich für mich würde wohl ohne alles Bedenken
dies und jenes tun; aber was würde die Welt dazu sagen? – –
[HiG.03_49.04.06,73] Ich aber sage es euch
nun in dieser Zeit: Wer nun dies und jenes Gute der Welt wegen zu tun
unterlassen wird, der tue also der Welt wegen, was ihm gut dünkt. So er aber
dann zu Mir kommen wird mit dem guten Weltzeugnisse, werde Ich zu ihm sagen:
Der dir dies gute Zeugnis gegeben hat, zu dem gehe auch hin und verlange deinen
Lohn; denn Mein Name steht in diesem Zeugnisse nicht geschrieben! Ich kenne
dich nicht, denn du hast der Welt wegen dies und jenes getan und wolltest nicht
die Mir allein wohlgefälligen Wege der wahren christlichen Demut wandeln. Es
gefiel dir und schmeichelte deinem Ehrgeize, so die Welt von dir sagte: „Siehe,
das ist ein Ehrenmann!“ – So wird es dir auch gefallen müssen, daß du in Meinem
Reiche wahrlich zu sehr geringen Ehren gelangen wirst.
[HiG.03_49.04.06,74] Ich will aber damit
nicht sagen, als solle da jemand also handeln, daß die Welt mit Fingern auf ihn
zeigte und sagen solle: „Sieh, das ist ein böser Mensch; er ist ein Hurer, ein
Ehebrecher, ein Betrüger, ein Lügner, ein Gottesleugner, er hält in seinem
Hause die schlechteste Ordnung und Zucht und ist ein Lump und ein Schwelger.“ –
O das verlange Ich ewig nicht! Aber das verlange Ich, daß ihr das wahrhaft Gute
– und möge die Welt dazu sagen, was sie wolle – ohne die geringste Scheu vor
ihr vollbringen sollt. Und das darum, weil es gut ist, und weil Ich es also
haben will! – –
[HiG.03_49.04.06,75] So ein vermögliches
Elternpaar einen Sohn hat, der schon erwachsen ist, und dieser, da er ein Amt
überkommt mit einem erklecklichen Auskommen, will ein armes Mädchen zum Weibe
nehmen aus Liebe, weil ihm das Mädchen wohlgefällt, – da er aber dieses seinen
Eltern kundtut, so fangen diese sogleich einen Mordsspektakel an und sagen zu
ihrem Sohne: „Aber Sohn! Pfui der Schande! Was ist dir denn da um Himmels
willen eingefallen? So ein hundsgemeines Bauernmensch willst du, der du von
einem so guten Hause abstammst, zum Weibe nehmen? Bedenke doch, sie hat nichts
außer ihr bißchen bäuerisches Affengesicht. Ihre Eltern sind ganz gemeine,
rohe, ungebildete, nach Ochsen- und Kuhmist stinkende Leute. Und ihre Tochter
respektive schon eine Hure von Geburt an, wird doch nicht etwa gebildeter sein
als ihre ochsenmistigen Eltern? – Wir wollten aber wegen der Bildung und ihrer
allfälligen Aufführung noch nicht soviel sagen, – aber bedenke deine und dann
ihre Geburt! Pfui, wo denkst du hin?! – Wir müßten uns ja noch im Grabe
schämen! Du ein Edler von – und jene ein gemeinstes Kuhmistmensch!“
[HiG.03_49.04.06,76] Ich aber werde zu
solchen Eltern sagen: „Pfui der ewigen Schande mit euch! Wie habt ihr als
Menschen je so tief herabsinken können, daß ihr auch nur einen Augenblick des
großen Wertes eines jeden Menschen habt vergessen können? Wer ist die für euch
zu gemeine Bauerntochter, die eures Sohnes gar so unwürdig war? – Sehet und
höret! Sie ist Mein Kind, Meine allerhöchsteigene Tochter; und diese war euch
zu schlecht, zu gemein und zu gering?!
[HiG.03_49.04.06,77] Habt ihr denn nie
gelesen, daß fürs erste Ich als der urewige allmächtige Schöpfer aller Himmel
und aller Welten, aller Engel und Menschen Selbst nur im Kleide der größten
Niedrigkeit in diese Welt kam und lehrte die Menschen durch lebendige Worte und
durch die klarsten Taten, daß sie gleich Mir – so sie Meine Kinder sein wollen
– die Welt mit all ihrer Größe und Pracht fliehen sollen und sollen nicht die
breite Straße des irdischen Glanzes, der allezeit vergeht, sondern den schmalen
Pfad der Demut, der zum ewigen Leben führt, wandeln?
[HiG.03_49.04.06,78] Und daß fürs zweite
alles, was vor der Welt groß ist, vor Mir ein Greuel ist? Daß Ich nur das
Kleine und von der Welt Verachtete ansehe, das Große aber für ewig von Mir
weise?
[HiG.03_49.04.06,79] Wenn ihr das je gehört
habt und wußtet, welchen Weg Ich Selbst allen Meinen wahrhaftigen Kindern zur
treuen Nachahmung vorangegangen bin, da saget Mir nun, aus welchem vor Mir dem
Herrn alles Lebens allein gültigen Grunde habt ihr es nimmer zugegeben, daß das
arme Bauernmädchen eures Sohnes Weib geworden wäre? – Ihr stehet nun stumm und
abermals stumm vor Mir und wisset nun nichts zu erwidern auf Meine Frage.
[HiG.03_49.04.06,80] Nun denn, da ihr Mir
nichts zu erwidern wißt und euer himmelschreiendes Unrecht einseht, so will Ich
euch zwar nicht richten und verdammen also, wie ihr Meine Tochter gerichtet und
verdammt habt; aber für jede Minute eures irdischen Lebens sollet ihr hier im
Reiche der armseligsten Geister ein komplettes irdisches Jahr in der größten
Niedrigkeit weilen. Und ebendiejenige Meine Tochter, die ihr auf der Erde so
tief verachtet habt, soll – so sie will – euch in ihre himmlische Wohnung
aufnehmen. Da sollet ihr erst allertiefst beschämt diejenige vollkommen
kennenlernen, die ihr auf der Erde für euren Sohn gar so unwürdig gefunden
habt, – und nun weichet von Mir an den Ort, der für euch bestimmt ist!“ – –
[HiG.03_49.04.06,81] Ich sage euch: Wahrlich,
wahrlich, also wird es in der jüngsten Zeit sein schon hier und ganz besonders
jenseits. Und so sie, die auf der Welt gar soviel auf ihr sogenanntes gutes
Haus hielten, Mich bitten werden und sagen: „Herr! Herr! Das wußten wir ja
nicht so, wie wir es nun wissen und einsehen, denn wir waren ja von unseren
Eltern selbst also erzogen und gebildet; daher lasse uns Gnade für Recht
ergehen“ – da werde Ich aber zu ihnen sagen: „Ich weiß, wie es mit der Bildung
eures Herzens steht. Wäret ihr allein schuld daran, daß es so hart und
hochmütig war, da wäre euer Los die Hölle; denn diese ist erbaut aus dem
Hochmute und aus des Herzens Härte! – Da ihr aber nicht ganz selbst schuld an
solch schmählicher Verbildung eures Herzens seid, so ist euch eben aus purer
Gnade das beschieden, was Ich als euer Gott und Herr über euch ausgesprochen
habe. Denn bevor nicht das letzte Atom des Hochmutes eure Herzen verlassen
wird, sollet ihr Mein Antlitz nicht zur Anschauung bekommen. Und so hebet euch
von hinnen!“
[HiG.03_49.04.06,82] Ich sage euch: Wahrlich,
wahrlich, also wird es sein! Jeder Sünder soll von Mir nachsichtiger behandelt
werden, als wie einer, der in was immer einen ersichtlichen Hochmut nur einmal
an den Tag gelegt hat, hat aber denselben nicht sogleich aus seinem Herzen mit
wahrer Reue und tiefster Verabscheuung verbannt für immer. Denn wie schon öfter
bemerkt:
[HiG.03_49.04.06,83] Es gibt vor Mir nur eine
wahrhaft verdammliche Sünde, und diese ist der Hochmut. –
[HiG.03_49.04.06,84] Denn so ihr Sünden
hättet so viel, als es da gibt des Grases auf der Erde und des Sandes an den
weiten Ufern des Meeres, und hättet aber dabei keine Spur von einem Hochmute,
so wären alle diese Sünden wie gar keine vor Mir! Denn wo kein Hochmut ist, da
ist die Liebe, die in sich birgt alle Demut; Liebe und Demut aber tilgen alle
Fehler und Sünden, so ihrer noch so viele wären, – denn Liebe und Demut töten
alle Sünden! – Aber so nur ein Atom des Hochmutes hinter den anderen Sünden
steckt, die die Menschen begehen in der Zeit der Probe ihrer Freiwerdung, so
belebt dieses Atom alle Sünden, ja sogar die kleinsten. Und solche Geister
werden einst, wie auch schon hier, sehr gewaltig zu kämpfen haben, um auch nur
eines Atoms des Hochmutes loszuwerden.
[HiG.03_49.04.06,85] Es läßt sich aber der
Hochmut der Menschen nirgends in einem so hohen Grade merken als gerade dort,
wo es sich um die Vergebung des vermeintlichen Standesansehens handelt.
[HiG.03_49.04.06,86] Ich könnte eine Million
und abermals eine volle Million Menschen vorführen, die sogar recht sanft,
liebreich, mildtätig und voll Gerechtigkeit sind. Ja, ihr Gerechtigkeitssinn
geht oft so weit, daß sie es für ein großes Verbrechen hielten, jemanden auch
nur um eine Sperrnadel Wertes zu hintergehen; aber nur bei der Ehre ihres
Standes darf sie beileibe niemand angreifen – dann ist es aus!
[HiG.03_49.04.06,87] Vergeben sie aus einer
Art Großmut dem Betaster ihrer Ehre auch sozusagen ganz und gar, so bleibt aber
dennoch etwas zurück, das dem Betaster ihrer Ehre heimlich denn doch gemerkt
wird. Und wäre er auch ehedem des Hauses bester Freund gewesen und hätte die an
ihrer Ehre Gekränkten auch tausendmal um Vergebung gebeten, so wird er aber
dennoch nimmermehr ganz imstande sein, jenen Fleck vollkommen auszulöschen, den
er entweder durch eine Unbesonnenheit oder auch im Wege früherer zu intimer
Vertrautheit dem Hause zugefügt hatte.
[HiG.03_49.04.06,88] Man will zwar darüber
ganz hinausgehen und tun, als wäre da nie etwas vorgefallen, aber
dessenungeachtet wird man im Reden doch kürzer gefaßt. Man macht sich nicht
mehr soviel daraus, so der Freund auch längere Zeit nicht ins Haus kam. Man
erkundigt sich seltener nach seinem Befinden und dergleichen mehr.
[HiG.03_49.04.06,89] Worin liegt aber da der
Grund von solch einem Benehmen? Sehet, daran sind bloß drei Atome Hochmutes
schuld, und diese drei Atome genügen, daß Ich bei solchen Menschen, mögen sie
sonst auch von einer sehr schätzbaren Art sein, so lange nicht werde einziehen
können, als bis nicht das letzte Atomchen Hochmutes aus ihren Herzen weichen
wird.
[HiG.03_49.04.06,90] Darin liegt besonders in
dieser Zeit auch der Grund, daß da gar so wenige Mich zu Gesichte bekommen und
von Mir Selbst gelehrt und zu Meinen Kindern gezogen werden können. –
[HiG.03_49.04.06,91] So gibt es auch gute
Häuser, was soviel ist als wohlhabende Familien. Diese Familien tun den Armen
recht viel Gutes und haben ein recht teilnehmendes und mitleidiges Herz; aber
wenn ein solcher Armer denn zufällig doch einmal seine Guttäter durch irgend
etwas beleidigen möchte, ja da weiß Ich Selbst nicht, wie es ihm bei einer
solchen Familie erginge. Da käme es wirklich nur auf das Temperament des
beleidigten Wohltäters an, ob der Beleidiger entweder bloß mit einigen
Verweisen und mit der Beschränkung der genossenen Wohltat oder sogar mit
einigen Prügeln und mit dem gänzlichen Verluste der Wohltat davonkäme.
[HiG.03_49.04.06,92] Aber wie ganz anders
stünde es mit diesen Wohltätern bei Mir, so sie dem gewöhnlich nicht boshaften,
sondern nur zu wenig besonnenen Beleidiger aus dem Herzen heraus sagten:
„Lieber Freund! Wir haben Sie sehr lieb und sind bereit, Ihnen alles zu tun,
was nur in unserem Vermögen steht. Aber seien Sie auch gegen uns so gut und tun
Sie in Zukunft nicht mehr, was uns nicht angenehm sein kann. Wir sind aber
deshalb durchaus nicht etwa böse auf Sie. Im Gegenteil werden wir Ihnen die
gleiche Freundschaft ungeschmälert angedeihen lassen, und Sie dürfen uns zu
Ihren herzlichst allerbesten und unveränderlichsten Freunden rechnen. Aber tun
Sie auch uns das, was vor Gott und allen guten Menschen recht und billig ist.“
[HiG.03_49.04.06,93] Seht, wenn der sonst
gewöhnlich gutmütige Arme solch eine sanfte Zurechtweisung von seinen
Wohltätern vernehmen wird, wie wird er ergriffen und gerührt werden, und
schwerlich wird er je wieder einer solchen Familie etwas Unannehmliches
verursachen. Und sollte er sich denn doch etwa noch einmal so weit vergessen,
nun – so soll die Familie das gar nicht beachten und denken, wie gar leicht und
oft die besten Menschen fehlen können vor Mir, und dennoch lasse Ich Meinen
Feinden so wie Meinen Freunden alle Wohltaten des Lebens ungeschmälert
zukommen. Warum sollen dann die Menschen alles auf die Haarwaage legen?
[HiG.03_49.04.06,94] Wahrlich, wer aus euch
so denken und handeln möchte, bei dem würde Ich doch sicher täglich aus und ein
gehen und würde ihm tun, wie er tut den armen Brüdern. Aber Menschen, die es
die Armen fühlen lassen, so diese manchmal einen halben Tritt über die Schnur
der Gebührlichkeit getan haben, sind noch sehr fern von der Gnade, daß Ich Mich
als Gast bei ihnen einfinden möchte, und werden auch noch lange zu warten haben
jenseits, bis Ich Mich bei ihnen einfinden werde! – –
[HiG.03_49.04.06,95] Also gibt es noch ferner
wirklich recht gute Menschen, die das Glück haben, mit recht guten und schönen
Kindern begabt zu sein. Auf diese Kinder, besonders so sie schon erwachsen
sind, bilden sie sich aber dann schon einen solchen Fleck ein, daß es gerade
aus ist. Solche Kinder finden dann nach der starken Einbildung ihrer Eltern
schon kaum wo ihresgleichen. Sind die Eltern, was sehr oft der Fall ist, auch
noch recht wohlhabend dazu, dann haben sie natürlich einen desto größeren Wert.
[HiG.03_49.04.06,96] Aber solche
Überschätzung der Kinder ist nicht Meiner Ordnung gemäß und daher Mir nicht im
geringsten wohlgefällig; denn die rechte Liebe der Eltern zu ihren Kindern
solle sein wie ein rechtes Licht und die Liebe zu den armen Kindern anderer,
armer Eltern wie ein großer Feuerbrand, dann wird sie sich Meines allzeitigen
und ewigen Wohlgefallens und Segens zu erfreuen haben. Aber solch eine Liebe,
wie sie oben gezeigt wurde, ist Mir sehr zuwider, daher Ich sie auch nie segnen
werde weder hier noch dort.
[HiG.03_49.04.06,97] Wer von euch Menschen
aber ein Amt hat, der bilde sich darauf ja nichts ein als Mensch, sondern er
versehe das Amt nach der Instruktion demütig, getreu und gewissenhaft und
gehorche seiner Amtsvorstehung ohne Murren. Sollte die Amtsvorstehung aber hie
und da Unbilliges verlangen, was gar wider Meine Gesetze der Ordnung wäre, so
kann der Beamte ihr in aller Achtung und Liebe gegründete Vorstellungen machen.
Gibt sie diesen Gehör, so ist es wohl; gibt sie ihnen aber aus Hochmut kein
Gehör, so handle der Beamte zwar nach dem Verlangen der Amtsvorstehung – er
wird vor Mir ohne Schuld dastehen; aber Ich und die Amtsvorstehung werden
sogleich miteinander Rechnung halten. Aber das Amt solle kein Beamter
verlassen, bis Ich es ihm nicht abnehme.
[HiG.03_49.04.06,98] Also solle sich auch
keiner außer in den ersichtlich dringendsten Fällen pensionieren lassen; denn
ein zu frühzeitiger Pensionist ist gewöhnlich entweder ein Verächter seines
Dienstes, weil er keine höhere Stufe erreichen kann, oder er ist ein fauler
Knecht in Meinem Weinberge, scheut die Arbeit, und das rechtliche Wohl seiner
Brüder liegt ihm nicht am Herzen. Solche Diener werden in Meinem neuen Reiche
einen schlechten Lohn erhalten.
[HiG.03_49.04.06,99] Lachet auch nicht zu
gewaltig über so manche Dummheit der Schwachen; denn auch in einem solchen
Lachen liegt der eigene Hochmut versteckt und erbittert das Herz des
Ausgelachten oft mehr als eine ganz ernste Rüge. Also seid auch keine Freunde
von den sogenannten Bonmots und anderen beißenden Reden und Bemerkungen,
wodurch bestimmte Menschen heruntergemacht werden. Denn darin liegt auch wieder
Hochmut als ein Grundübel aller Übel.
[HiG.03_49.04.06,100] Wollt ihr aber schon
Dummheiten und Schwächen der Menschen lächerlich machen, so redet im
Allgemeinen, zu einzelnen aber nie anders als unter vier Augen. Und nützt das
nicht, dann nehmt erst einen oder zwei, höchstens drei Zeugen hinzu; und sollte
das auch noch nichts nützen, dann kann solches erst einer Gemeinde kundgetan
werden. Aber bei keiner Rüge solle je die Person eines Menschen, sondern lediglich
nur seine Dummheit, Schwäche oder Sünde zwar wahr, aber sonst so schonend und
gelinde als möglich gerügt werden.
[HiG.03_49.04.06,101] Die vollste Liebe und
stete Achtung des Menschen muß überall wie eine Sonne hervorleuchten. –
[HiG.03_49.04.06,102] Saget auch nicht: Dies
Haus, dieser Grund und dieses Vermögen gehört mir. In meinem Hause bin ich der
Herr, und auf meinem Grunde habe ich zu schaffen. – Seht, in solchen Äußerungen
steckt eine große Portion Hochmut! Wahrlich, die also denken, reden und
handeln, bei denen werde Ich nimmer Einzug halten, weil sie nicht Mich als den
Herrn, dem allein alles wahrhaftigst und vollkommenst zu eigen ist, sondern nur
sich als den Herrn ihrer ihnen von Mir nur auf eine sehr kurze Zeit geliehenen
Sache ansehen. O darin liegt ein großer Hochmut, der der alleinige Erzeuger
aller Kriege im Kleinen wie im Großen ist.
[HiG.03_49.04.06,103] In Meinem künftigen
Reiche wird das alles ganz anders gestaltet werden müssen: denn da wird es
keinen Haus- noch Grundherrn mehr geben; denn da werde Ich sein Alles in Allem.
Und am besten wird der daran sein, bei dem Ich Wohnung nehmen werde!
[HiG.03_49.04.06,104] Aber das sage Ich euch
nun auch, daß vor Meiner Ankunft auf dieser Erde noch sehr viel Unkraut und
dürres Gras und allerlei untaugliches und unfruchtbares Gestrüpp wird mit der
größten Gerichtsschärfe vertilgt werden; denn wo zwei sind, wird schier einer
angenommen und der andere ausgeschieden werden – also eine gewaltige Sichtung
bis über die Hälfte!
[HiG.03_49.04.06,105] Noch einmal aber warne
Ich euch gar ernstlich, daß ihr Mir in dieser Zeit ja nicht weder links noch
rechts Parteigänger macht! Denn wer zum Kampfe gerufen wird, der kämpfe dort,
wo er gerufen ist, nicht auf eigene Faust etwa gar verräterisch, sondern auf die
Faust dessen getreu, der ihn in den Kampf gerufen, – aber wer da siegen solle,
und wer da siegen wird, das steht allein in Meiner Hand!
[HiG.03_49.04.06,106] Niemand aus euch sage:
Dieser kämpft mit Recht und jener mit Unrecht, also verräterisch an jenem, der
nach eurem Urteile das Recht haben soll, sondern eure Sache sei, zu beten für
Freund und Feind; was darüber ist, ist Sünde! Denn durch solche Parteigängerei
zieht ihr den Hochmut derjenigen Partei, die nach eurem Wunsche siegen solle,
in euch und wünschet dann aus diesem Hochmute dem Widerpart den vollen
Untergang. – Fraget aber dabei euer Herz, ob die, welche untergehen sollen,
nicht ebensogut eure Brüder sind wie jene, denen ihr den Sieg wünscht?
[HiG.03_49.04.06,107] Wie verträgt sich aber
solch ein Wunsch, der voll geheimer Rachgier und Schadenfreude ist, mit Meinem
Worte, da Ich Selbst alle Menschen doch ausdrücklichst lehrte, für die zu
beten, die euch hassen, die zu segnen, die euch fluchen, und denen Gutes zu
tun, die euch Übles wollen?
[HiG.03_49.04.06,108] Daher noch einmal
gesagt: Laßt sie kämpfen, die da kämpfen! Betet für alle und habt nie Freude
weder an der einen noch an der anderen Niederlage, so werdet ihr Meinen Engeln
im Himmel gleichen, die ihr Antlitz verhüllen, so ihre Brüder auf der Erde sich
erwürgen; denn die Gefallenen sind ja doch ebensogut eure Brüder wie die
Sieger, welcher Partei sie auch immer angehören mögen.
[HiG.03_49.04.06,109] Das merket euch aber:
Dies Morgenrot vor Meiner Ankunft wird noch viel röter werden, als es jetzt
ist; und es wird sich erst am Ende alles Würgens zeigen, daß weder die eine
noch die andere Partei der nun Kämpfenden einen eigentlichen Sieg erkämpfen
wird, – denn der rechte Sieger wird erst kommen! – –
[HiG.03_49.04.06,110] Denn wo nun der Hochmut
kämpft, da wird dann die Demut zu kämpfen anfangen, und ihrem Schwerte wird
kein Wüterich entrinnen und kein Richter, der sein Ansehen mit dem Blute
harmloser Gefangener auf den größten Glanz herzustellen bemüht war. – Wer auf
dem Felde kämpft mit Gegenkämpfern, dem solle das Blut der Gefallenen nicht
angerechnet werden; aber verflucht sei der, welcher waffenlose Gefangene tötet,
und dreimal verflucht die Kindermörder! Ihr Los soll ein erschreckliches sein!
[HiG.03_49.04.06,111] Ich als euer guter
Vater, der Ich schon so vieles gegeben habe, gebe euch nun auch dieses für euer
künftiges Wohl und Heil allerwichtigste Wort. Haltet es getreu und genau, so
werdet ihr alles Wohl zeitlich und ewig finden. Werdet ihr es aber, wie schon
so manches andere von Mir euch Gegebene, nur so für etwas Gewöhnliches
annehmen, daran ihr euch mit der Zeit schon gewisserart gewöhnt habt, und dabei
aber dennoch tun nach eurer alten Gewohnheit und Sitte, so werdet ihr es euch
dann nur selbst zuzuschreiben haben, so ihr an Meiner Wiederkunft entweder nur
einen sehr geringen oder aber wohl auch gar keinen Teil haben werdet.
[HiG.03_49.04.06,112] Denn was hier
geschrieben steht durch Meinen Knecht, das wird unwiderruflich in Erfüllung
gehen.
[HiG.03_49.04.06,113] Wohl euch und jedem,
der diese und auch andere ähnliche Mahnungen nicht in den Wind schlagen wird, –
wahrlich, in dessen Hause werde Ich Einzug halten hie und da! Wer aber dieser
Mahnung und Belehrung – und dieser ähnlich in vielen anderen Orten – wenig
Gehör und Willen schenken wird, in dessen Hause wird es nur zu bald sehr öde,
traurig und verlassen aussehen, – denn so Ich komme, da werde Ich nur zu den
wahrhaft Meinen kommen und werde sie segnen leibhaftig über und über für ewig!
–
[HiG.03_49.04.06,114] Wehe aber dem, dessen
Hauses Flur Meine Füße nicht betreten werden; sein Anteil wird bloß das
traurige und verhängnisvolle Morgenrot sein und bleiben, aber die heiligen
Strahlen des kommenden großen Tages werden nicht über ihn kommen amen. – Das
sage Ich, der da kommen wird amen, amen, amen!
Der Toten Rache. – 29. August 1849.
[HiG.03_49.08.29] O Herr! Nun wären nach
vielem Blutvergießen unsere Kriegssachen zu Ende, und mit Recht erhoffen wir
nun wieder den goldenen Frieden und dessen geistige wie auch – insoweit es das
Heil unserer Seelen zuläßt – physische Vorteile. Werden unsere Hoffnungen in
der Tat gerechtfertigt werden? Oder sollte etwa alles das nur ein jammervolles
Vorspiel zu einem größeren Weltschreckensdrama sein? – Oder wird der Friede
etwa dem im Kerker oder wohl gar dem im Grabe gleichen? Kurz, o Herr! Was steht
uns bevor? Was haben wir zu erwarten? – Gott, Herr und Vater! Dein Name werde
geheiligt, und Dein allein heiliger Wille geschehe! –
[HiG.03_49.08.29,01] Schreibe! Wer auf Mich
baut und vertraut, dem solle kein Haar gekrümmt werden weder geistig noch
leiblich. Alle aber, sie mögen sein, wer sie wollen: hoch oder nieder, König
oder Bettler, die auf ihre eigene Macht bauen und auf die Selbsthilfe
vertrauen, werden untergehen, und es wird heißen: Heute mir, morgen dir! – Die
in den Gräbern liegen, werden aus denselben erstehen und werden heimsuchen
alle, die sie ins Grab gestürzt haben! – Wer Augen hat, der sehe, und wer Ohren
hat, der höre! – Das wird sein eine rechte Erstehung der Toten aus den Gräbern
ihres leiblichen und geistigen Todes.
[HiG.03_49.08.29,02] Wehe aber dann allen,
die an ihrem Tode Schuld getragen! Sie werden nicht so sehr mit Feuer und
Schwert, aber dafür mit desto mehr freigelassenen Teufeln zu tun haben, und wir
werden dann sehen, wie sie mit diesen ohne Meine Hilfe fertig werden. Am Morgen
werden sie aufstehen und werden tun nach ihrem Belieben – aber der Abend wird
sie nicht wieder sehen.
[HiG.03_49.08.29,03] Wer sind denn die
Feinde? – Siehe, sie sind Menschen! – Und wer sind denn die Freunde? – Siehe,
sie sind auch Menschen. Die Menschen aber sollen sein wie Brüder und
Schwestern. Aber sie wüten wie Panther, Hyänen, Tiger und Löwen, und der
Stärkere rühmt sich der Niederlage seiner Brüder, die er erwürgt hat. Und aus
den Gräbern dampft Fluch und Pest den Siegern zu Meinen Himmeln empor und
schreit: Rache, Rache, Rache und Vergeltung allen, die mit dem Blute ihrer
Brüder gefrevelt haben!
[HiG.03_49.08.29,04] Und Ich sage dazu amen;
denn wer nicht mit Mir sammelt, kämpft und siegt, der zerstreut und mordet und
siegt zu seinem eigenen Verderben, gleichwie es tut die Hölle von Urbeginne
her. – Ich aber sage weder Ja noch Nein; denn wie sie sich betten, so werden
sie auch schlafen. – –
[HiG.03_49.08.29,05] Ich gab den Menschen ein
Gesetz, und das heißt Liebe! – Sie aber lachen darüber und morden und
schlachten ihre Brüder der Welt willen. Daher wird sie auch die Welt richten
und die Erde sie verschlingen in der Bälde! Denn Ich bin mit denen nicht, die mit
Mir nicht sind.
[HiG.03_49.08.29,06] Wer wird sie erhalten,
so Ich sie loslassen werde? – Ich und Mein Wort aber sind Eins, und des Wortes
Laut bin Ich, und das Gesetz bin Ich. Wer nicht nach Meinem Worte handelt, der
handelt wider Mich und wider Mein Gesetz, das da ebenfalls Ich bin! – Kann Ich
wohl mit dem sein, der wider Mich ist im Bekenntnisse, im Worte und in der Tat?
[HiG.03_49.08.29,07] Wenn Ich den Krieg
gleichwie die Liebe, Demut und wahre einfältige Sanftmut geboten hätte, da
würde Ich sein Werk auch segnen; aber da der Krieg von Mir aus nie geboten
ward, außer gegen die Hölle, so diese Mein Heiligtum bedräut, so wird er von
Mir aus sich auch ewig keines Segens zu erfreuen die Ursache haben!
[HiG.03_49.08.29,08] Daher freue sich auch
niemand des Sieges, denn dessentwegen solle keine Kreatur gesegnet werden; denn
was das Schwert gewann, das und noch viel mehr wird das Schwert auch wieder
verzehren.
[HiG.03_49.08.29,09] Glaube ja niemand, daß
die im Grabe verwesen, tot sind – o nein! Sie leben tausendfach mächtiger, als
da sie das Grab noch nicht verschlungen hatte! Wohl mögen Schwert und Feuer der
Erde furchtsames Gewürm darniederhalten; aber die in den Gräbern leben ein
Leben des Hasses, des Zornes und der ewigen Rache, die hält und fesselt keine
irdische Macht mehr! – Ich allein nur kann sie halten und zähmen. So Ich sie
aber freilasse, sage, vor welcher Waffe werden sie noch beben und von welchem
Feuer sich darniederhalten lassen? – Die Herren der Erde geben ihren Waffen die
Ehre für die erfochtenen Siege, und der Soldat ist nun die Stütze und die
Zierde der Throne. Meiner aber gedenkt man wenig oder gar nicht! – Gut, wir
werden es sehen, wenn die Toten kämpfen werden, welche Stütze die Soldaten den
Thronen ohne Mich gewähren werden.
[HiG.03_49.08.29,10] Ich habe alle Menschen
samt ihren Herrschern nun hart heimgesucht, und ein jeder hätte darin die
handgreifliche Mahnung finden sollen zur wahren Buße und Besserung. Aber dem
ist leider nicht also, sondern man tut noch, wie man getan hatte. Der Große und
der Reiche sieht den Armen nicht und läßt ihn darben. Und mit Meinem verdrehten
Worte will man die Völker wieder in den Kerker der Nacht und des Todes werfen!
[HiG.03_49.08.29,11] Aber diesmal sage Ich:
Nur eine sehr kurze Frist sei euch noch gegönnt! Wohl euch, Menschen der Erde,
so ihr diese zur rechten lebendigen Erhebung der Herzen der Völker benützen
werdet, da solle über die grausamsten Werke des Krieges eine versöhnende Decke
gezogen werden. Aber so die Großen die Kleinen am Geiste werden zu erdrücken
beginnen, um dadurch ihrer desto leichter Meister zu sein, dann gebet aber wohl
acht, welches Feuer der Rache aus allen Gräbern über die ganze Erde sich wird
auszubreiten beginnen! – Und es solle dies ebendasselbe Feuer sein, von dem es
geschrieben steht, daß durch dasselbe die Erde ein letztes Gericht wird zu
bestehen haben.
[HiG.03_49.08.29,12] Betet aber, ihr alle
Meine Kinder, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet und euch das Heer aus den
Gräbern keinen Schaden zufügen möge, so es zu erstehen genötigt sein sollte;
denn die mit Mir wandeln, die werden auch bei Mir den gerechten Schutz finden
amen. – Das spricht der Herr, der Wahrhaftige, amen, amen, amen! – – –
Ankündigung der Lichterscheinungen am 9., 13.
und 27. November 1849. – 1. Oktober 1849.
[HiG.03_49.10.01,01] Merket den 9., 13. und
27. November dieses Jahres. In der Nacht dieser Tage werden seltene
Erscheinungen vorkommen, wie auch in der Zwischenzeit. Wer sie beobachten wird,
soll eine Stärkung überkommen amen. –
[HiG.03_49.10.01,00] NB. Laut Abendblatt der
Grazer Zeitung vom 22. November 1849 zeigte sich in Wels am 15. November 1849
um 7 Uhr abends ein leuchtender Meteor, der trotz eines dichten Nebels eine
große Helle wie ein starker Brand über die dortige Gegend verbreitete. – Am 27.
November 1849 hatte es abends 6 Grad Kälte, und der Mond hatte einen großen Hof
in Lämmerwolken. – In der Sonne zeigten sich im November 1849 bei 20 große
Sonnenflecken in der Nähe des Zentrums.
Wehe den rachsüchtigen Siegern. – 13. Oktober
1849.
[HiG.03_49.10.13,01] Mein lieber Freund und
Bruder Ans. H. W.! – Nicht unbekannt ist es Mir, deinem dich sehr liebenden
Bruder, Vater und Herrn, daß am heutigen Tage du deines Leibes Geburtstag
feierst, und Ich habe daran Selbst eine rechte Freude darum, weil du selbst in
Mir eine Freude hast. Ich segne dich und dein Haus und werde den heutigen Tag
vorzüglich in deiner Gesellschaft und in deinem Hause zubringen. So Mich deines
Fleisches Augen auch nicht sehen werden, da wird Mich aber doch dein Herz sehr
wohl wahrnehmen, wie es Mich schon am Morgen dieses Tages wahrgenommen hat,
denn Ich Selbst war es, der dich heute vom Schlafe weckte.
[HiG.03_49.10.13,02] Heute ist dein Haus von
guten Wächtern umgeben und ihm widerfährt ein großes Heil. Darum sei du froh
und heiter, denn wo Ich bin, da dürfen keine Tränen fließen außer
Freudentränen, und diese sind ein Segen des Herzens und sind der Seele ein
belebender Tau aus Meinen Himmeln.
[HiG.03_49.10.13,03] Was aber zieht Mich denn
heute so sehr an dich? – Siehe, es ist dein wahres Mitgefühl mit dem Elend der
Elenden, das da in dieser Zeit groß ist. Aber glaube es Mir: Die da nun
gerichtet werden und erschossen und gehängt, sind bei weitem so elend nicht wie
jene, die sie richten, hängen und erschießen lassen. Aber ärgere dich auch über
diese Elenden nicht, denn siehe, Ich stehe ihnen schon am Genicke. Ihr
hochmütigster Rachedurst wird sie brennen wie ein unauslöschliches Feuer, und
dies Gericht wird niemand von ihnen nehmen.
[HiG.03_49.10.13,04] Verflucht sei, wer da
tötet seine Brüder, und verflucht der Richter, der seinen Bruder zum Tode
verurteilt, und verflucht sei auch der, der ein Gesetz eigenmächtig gab und
gibt, nach dem Menschen von Menschen ein Todesurteil überkommen dürfen! – Vor
dem Schwerte der Herren der Welt sind solche Gesetzgeber und Richter wohl
geschützt; aber vor Meinem Gesetz, das ewig bleibt, und vor Meinem Schwerte
wird sie wohl niemand schützen können!
[HiG.03_49.10.13,05] Mein Gesetz heißt: Liebe
auch gegen die Feinde! – Ich untersagte jedes Gericht und verfluchte, die da
fluchen, und verdammte, die da verdammen, und machte keine Ausnahme außer bei
denen, die da ob ihrer zu niedrigen Bildungsstufe nicht wußten, was sie taten.
–
[HiG.03_49.10.13,06] Diese Gesetze sind heute
noch dieselben für Kaiser und Könige, wie für jeden anderen Menschen. Wer sich
gegen dieselben versündigt, ist verdammt, weil er selbst aus eigener Macht
verdammt hat. Und dieser Mein Urteilsspruch wird ewig währen und nimmer
abgeändert werden, – und so kannst du auch mit aller Ruhe deines Herzens stets
auf Mich schauen und dir dabei denken: was dein Mir ergebenes Herz fühlt bei
all diesen Greueln, das fühlt auch das Meine. Und darum wird auch ehestens ein
schwerstes Gericht über diese Herrscher und alle ihre herzlosesten Richter und
Willensvollstrecker aus allen Sternen darniederstürzen!
[HiG.03_49.10.13,07] Wie sie nun, um ihre
Weltherrlichkeit zu schützen und zu erhalten, allenthalben den ärgsten,
allerunmenschlichsten und von Mir in die unterste Hölle verfluchten
Belagerungszustand proklamieren und denselben nicht eher aufheben wollen, als
bis sie ihre beleidigte Größe mit Tausenden blutiger Opfer werden gesühnt
haben, – ebenso erkläre Ich heute an diesem deinem Geburtstage über sie einen
ewigen Belagerungszustand, dem schwerlich je eine Amnestie folgen wird!
[HiG.03_49.10.13,08] Himmel und alle Welten
können vergehen, aber Meine Worte und die Menschen ewig nimmer!
[HiG.03_49.10.13,09] Sie werden es nicht
lange machen, weil sie als Sieger kein Ziel und kein Maß ihrem Rachedurste
setzen können und sich gar so entsetzlich übernehmen in ihrem Übermute. So
solle es über sie aber auch ehestens kommen, daß man hernach fragen wird: Wo
sind sie? – und sie werden nicht mehr sein.
[HiG.03_49.10.13,10] Siehe an die Türken,
diese alten Fanatiker! Sie sind aber Menschen – und Mir darum einer lieber denn
zehntausend solcher Christen. Sieh an die kalten Russen, sie fühlen Erbarmen
über den Besiegten! Sieh an die Chinesen und Japaner, sie sind duldsam, streng
und nach ihrer Art gerecht, und Rache ist ihnen fremd. Die Großmut ist eine
Hauptzierde ihres Charakters, daher sie Mir als Halbheiden lieber sind um
tausend Male, denn solche Christen!
[HiG.03_49.10.13,11] Wahrlich sage Ich dir:
Wer einen solchen einen ‚christlich Gesinnten‘ nennt, begeht nun eine grobe
Sünde wider den Heiligen Geist! Denn wie soll der eine christliche Gesinnung
haben oder etwa gar selbst ein Christ sein, der seine Brüder, die sich gegen
ihn versündigt haben, verdammt und tötet ohne alle Erbarmung?! – Ob er ein
Kaiser, König oder Bettler ist, das ist vor Mir gleich, denn Ich habe für alle
ohne Unterschied des irdischen Standes nur ein Gesetz ohne die allergeringste
Ausnahme gegeben; wer sich gegen dasselbe versündigt, der ist schon gerichtet
durch Mein ewiges Wort in ihm.
[HiG.03_49.10.13,12] Lasse sie daher nur
toben und wüten; Ich sage es dir: Wahrlich, wahrlich, sie werden bald
ausgewütet und ausgetobt haben, und jenseits erwartet sie ein Los, das Ich dir
durch Meinen schwachen und irdisch armen Knecht in keiner Geisterszene
beschreiben möchte! Aber denke ja nicht, daß Ich ihnen ein solches Los
bereithalte – o das tue Ich nimmer! Aber sie selbst bauen und bereiten es sich
durch ihre Taten. Mein Gesetz der Liebe verhöhnen sie; was bleibt ihnen dann
übrig, als das Gericht und die Verdammung? Was sie wollen und tun, das solle
ihnen auch zuteil werden.
[HiG.03_49.10.13,13] Dies treue und offene
Bekenntnis aus Meinem höchst eigenen Munde nimm du, Mein lieber Freund und
Bruder, als ein gutes Angebinde hin – und nimm es dir zu Herzen, so wird es dir
leichter werden in deiner Seele; denn Ich schlafe nicht und sehe alle die
Greuel! – Die Guten sollen gesegnet sein amen; und Mein Segen dir amen, amen,
amen. –
Thema: 1850. – 5. November 1849.
[HiG.03_49.11.05] (Die Endreime sind gegeben)
[HiG.03_49.11.05,01] Was ist es wohl, das
sonderbar mein Auge sah / an einem düstern, grauumwölkten nahen Ort? / War etwa
schon des Zeitenstromes Ende da? – / O nein, das kann nicht sein, ich sah ja
Menschen dort!
[HiG.03_49.11.05,02] Die einen kamen heiter,
fröhlich mir ganz nah; / die andern standen düster, ein'ge eilten fort. / Des
Zeitenstromes Feuerende ist nicht da, / ich sehe ja ein reges Treiben hier wie
dort.
[HiG.03_49.11.05,03] Doch horch! Ich hör' wie
ferner Klänge Hall! Ah, ah! / Es kommt der Hall herüber ja vom düstern Nord, /
und doch so hehr! – Nein, nein, das Ende ist nicht da; / im Reich der Toten –
keine Harmonien dort!
[HiG.03_49.11.05,04] Es ist ja nur des
Zeitenstromes Panama, / das beiderseits der Enge bietet sichern Hort. / Der
Brandung Feuer, das sich zeiget hie und da, / bewirkt der Zeiten Ende weder
hier noch dort.
[HiG.03_49.11.05,05] Die noch so rasche Flut,
des Feuerlands Lava / vernichtet nicht der weiten Ufer sichern Port; / und so verbleibet
gleich der Zeiten Waltung da, / wie in den fernsten Gottesschöpfungsräumen
dort! –
Lichterscheinungen. – 11. November 1849.
[HiG.03_49.11.11] Jakob Lorber sah am 9.
November 1849 in der Nacht vom Schloßberg aus mehrere sehr flüchtige Lichterscheinungen
am Himmel zwischen 8 und 10 Uhr. Auf seine Anfrage über die Bedeutung dieser
Erscheinungen erhielt er nachstehende innere Antwort:
[HiG.03_49.11.11,01] Diese wie die noch
kommenden Erscheinungen haben eine sehr großwichtige Bedeutung für die Menschheit
der Erde und sind also in geistiger Hinsicht viel denkwürdiger als in
natürlicher. Aber Ich werde dir die Erklärung erst dann geben, wenn du sie alle
– also auch die am 13. und 27. bis 28. dieses Monats wirst beobachtet haben.
Vorderhand aber begnüge dich bloß damit, daß sie ebenso großwichtige und
außerordentliche Dinge anzeigen, als wie großwichtig und außerordentlich ihr
Einfluß auf die Natur der Erde selbst ist, den aber die Gelehrten dieser Erde
noch lange nicht zu bemessen verstehen werden.
[HiG.03_49.11.11,02] Naturmäßigerweise aber
kommen, wie es dir schon bekannt ist, alle diese in der obersten Atmosphäre der
Erde vorkommenden Lichterscheinungen aus der Sonne, darunter einige sich mit
der größten Schnelligkeit fortbewegen. Ihre Reise von der Sonne bis zur
Erdatmosphäre dauert oft kaum etliche 20 bis 30 Minuten. – Ihre verschiedene
Richtung hat einen geistigen Grund und sehr wenig Naturgemäßes.
[HiG.03_49.11.11,03] Das die Einleitung, das
Ausführliche kommt später. – –
Geistesdruck und seine Folgen. – 8. März 1850
(in Jahring).
[HiG.03_50.03.08,01] Die Menschen haben sich
seit langer Zeit eine schlechte Ordnung zusammengestellt, die das Gepräge des
ägyptischen Kastenwesens nur zu deutlich an sich trug. Die Menschheit aber
fühlte und ward inne, daß ihr Wert nicht in den Kastenstufen, die von den
Regenten geschaffen wurden, sondern nur in der Ausbildung ihrer inneren
geistigen Kräfte liege. Und es fing die Menschheit darob über die Großen und
Regenten zu murren an; aber die Großen und die Regenten wollten dies gerechte
Murren nicht verstehen und stopften gewaltsam jedem den Mund, der es mit seinem
Murren zu offen und zu laut trieb. Dies eigenmächtige Geschäft der Großen und
der Regenten nannte die Menschheit Geistesdruck und ward sehr erbost über solche
Eigenmächtigkeiten der Großen und der Regenten.
[HiG.03_50.03.08,02] Da die Menschheit mit
ihrem Murren nicht weiterkam und sah, daß die Großen und Regenten gar nicht
darauf achteten, so fing die Menschheit laut zu klagen an und verwünschte
tausendfältig die rücksichtslosen Eigenmächtigkeiten der Großen und Regenten.
Aber diese hatten ihre Ohren mit ihren vielen Soldaten verstopft und achteten
nicht darauf. – Da ward grimmig die Menschheit, trat keck, den Tod verachtend,
vor die Großen und Regenten hin und forderte mit gewaltiger Stimme ihr
urangestammtes Recht. Da erbebten die Großen und diese Regenten am meisten, die
es sich zu einem Grundsatze gemacht hatten, die Menschheit bis aufs Blut zu
drücken und zu verdummen durch jedes Mittel, dem sie nur irgendeinen
scheinbaren allgemeinen Zweck unterschieben konnten.
[HiG.03_50.03.08,03] Einige Große und
Regenten speisten ihre Völker mit eitlen Versprechungen ab, und diese gaben
sich halbwegs zufrieden. Wieder andere wollten auch nichts versprechen, und die
Folge davon war, daß sie vom Volke von ihren goldenen Herrscherstühlen
vertrieben wurden und bis zur Stunde noch auf fremdem Boden herumirren müssen.
– Aber nun kommt es auf jene Großen und Regenten, die ihren Völkern allerlei
beschwichtigende Versprechungen gemacht haben, von denen aber bis zur Stunde
noch keine in der Art als erfüllt folgte, wie sie in der bedrängten Stunde
gegeben wurde.
[HiG.03_50.03.08,04] Nun fängt allenthalben
das Volk wieder an zu fragen und sagt: Was ist das wohl? Weiß hat man uns
versprochen, und nun sehen wir, daß anstatt Weiß nur überall Schwarz gegeben
wird. Man enthob uns zwar des lästigen Kastenwesens, aber dafür will man uns
nun allgemein mit Sklavenketten belegen. Man gibt uns Religionsfreiheit ohne
Religion. Also gibt man uns auch eine Menge hochgestellter und gut besoldeter
Beamter; aber ein weises Gesetz bleibt unterwegs, und das, was noch kommt, ist
so gestellt wie ein delphischer Orakelspruch, den man so und so brauchen kann.
[HiG.03_50.03.08,05] Die Regierung besteht
nun aus einem Kaiser, der den Stein der Weisen noch nicht gefunden hat, oder
aus einem Könige, Herzoge oder Fürsten. Diese gekrönten Häupter erwählen dann
ein Ministerium selten wie es sein soll, sondern lediglich nach ihrer Gunst
nach dem alten Sprichwort „Des Regenten Gunst macht den Philister zu einem
Minister“. – Und dann wird oft ein Schmiedemeister Minister der Schneiderzunft,
obschon ihm dies Handwerk ganz fremd ist, und ein Lederer wird Minister über
die Bäcker, ein Schuster Minister über die Juweliere, ein Politiker wird
Minister der Justiz und ein Advokat wird Minister im Fache der Politik, und so
beinahe durch die Bank ein jeder in etwas anderem, als dem er gewachsen ist.
Daraus folgt aber dann auch eine notwendig allgemeine Unzufriedenheit, weil in
einer solchen Verfassung die gröbsten Ungereimtheiten ans Tageslicht gefördert
werden müssen, deren Durchführung beinahe ebensowenig möglich ist, als so da
Blinde den Sehenden Unterricht in der Farbenmischung und deren Effekte geben
wollten.
[HiG.03_50.03.08,06] Solange solche Meister
nicht stützig werden und den Sehenden auch etwas gelten lassen, so frettet
(windet) sich die Sache noch so durch, als wie da jemand in einem Bette
schläft, das voll Flöhe und Wanzen ist. Werden aber die Meister dann stützig
und behaupten auf Leben und Tod, daß von nun an das Weiß schwarz ist und das
Schwarz weiß und daß der Arme nicht arm und der Reiche nicht reich sei und
dergleichen allerevidenteste widersinnigste Dinge mehr, – dann wird bei solch
einer Regierung von A bis Z alles unzufrieden und am Ende verwegen, wild und
toll.
[HiG.03_50.03.08,07] Was aber daraus in
jüngster Zeit, so solchem Übelstande nicht ehestens abgeholfen wird, schon für
Folgen entstehen müssen, kann ein jeder sehr leicht an den Fingern nachzählen.
Aufstände, allerlei Renitenzen bei Groß und Klein, Raub, Mord und Totschlag
werden von Tag zu Tag allgemeiner; die Gewissenlosigkeit muß überhandnehmen;
das Eigentum der Wohlhabenden wird stets mehr und mehr gefährdet.
[HiG.03_50.03.08,08] Die äußeren Mächte
werden Kenntnis erhalten von solch üblen Zuständen eines so unklug bestellten
Staates und werden dessen Schwäche nur zu gut zu ihren Gunsten zu benutzen
verstehen. Und ehe man sich's noch recht versehen wird, da wird auch schon
alles drunter und drüber gehen, und niemand wird da dem andern raten können und
sagen, tue dies oder jenes, und es wird dir besser bekommen. – –
[HiG.03_50.03.08,09] Darum ihr wenigen, die
ihr noch an Mir hanget, klammert euch künftig kräftiger an Mich durch die Liebe
zum Nächsten, durch Worte und Taten nach Meinem Worte, so sollet ihr zeitlich
und ewig vor jedem Schaden verwahrt werden. Und wo tausendmal Tausende verlieren
werden, sollet ihr gewinnen, und wo der schwarze Tod seine Ernte halten wird,
sollet ihr verschont werden, und wo das Schwert rasen wird und die Kugeln
sausen, werdet ihr mit heiler Haut durchkommen.
[HiG.03_50.03.08,10] Aber das müsset ihr alle
getreu beachten und euch Meines Wohlgefallens würdig bezeigen, – dann solle
euch auch Mein Schutz in der Fülle zuteil werden amen. In Meinem Namen amen,
amen, amen. –
Geistige Gewitterschwüle. – 25. Mai 1850
[HiG.03_50.05.25,01] Schreibe nur, Ich kenne
dein Anliegen. – Vor großen Gewittern wird die Luft gewöhnlich am ruhigsten,
aber zugleich auch drückend schwül. Hie und da nur bemerkt der forschende
Wanderer über der mit lästigem Staube überfüllten Straße kleine Windspielereien
in unscheinbarer Wirbelform. Kaum achtend dieser luftigen Spielereien geht er,
obschon vom Schweiße triefend, beinahe ganz sorglos seinen staubigen Weg fort;
denn von einem Gewitter kann ja doch noch lange keine Rede sein, da er keine
schweren Wolken am Himmel entdeckt.
[HiG.03_50.05.25,02] Aber siehe da, ruhiger
und schwüler wird es von Minute zu Minute. Ein dröhnender Knall dringt auf
einmal an des Wanderers Ohr, und ehe er sich's versieht, entwurzelt ein
mächtigster Orkan hinter des Wanderers Rücken schon die schwersten Eichen und spielt
mit ihnen in hoher Luft wie das Abendlüftchen mit leichten Blütenfäden in den
abendlichen letzten Strahlen der untergehenden Sonne.
[HiG.03_50.05.25,03] Der Wanderer erschrickt
unnennbar stark und fängt an zu beben vor Angst und großer Bangigkeit. Er will
fliehen, ängstlich nach einem festen Orte mit seinen müden Augen spähend; aber
zu spät!
[HiG.03_50.05.25,04] Er achtete eher der
kleinen Windspielereien nicht; nun sind sie plötzlich zu einem mächtigsten
Orkane angewachsen, der zu sehr große und verheerende Schritte macht. Dem zu
entfliehen oder ihm gar Einhalt tun zu können, ist wohl keine Möglichkeit mehr,
denn zu mächtig und zu pfeilschnell ist sein Zug.
[HiG.03_50.05.25,05] ‚Der Wanderer‘ aber sind
die eigentlichen Weltmenschen und hauptsächlich die Lenker des sogenannten
Staatsruders; sie wandern auf ihren staubvollsten Systemen einher, nicht
achtend jener Stimmen, die sich hie und da warnend vernehmen lassen. Aber über
sehr kurz vereinen sich diese zu einem furchtbarsten Massengeschrei, und um die
Wanderer ist es geschehen. –
[HiG.03_50.05.25,06] Was nun auf der Erde am
sogenannten politischen Horizonte geschieht, gleicht den obbesagten wirbelnden
Windspielereien. Diese sind an und für sich wohl freilich von keiner Bedeutung;
aber nur aufgepaßt! Sie werden bald einen ganz anderen Charakter annehmen; dann
aber wehe allen Harten und allen gefühllosen Wanderern! O wie plötzlich doch
werden sie dem Orkane zur Beute!
[HiG.03_50.05.25,07] Ich sage es dir: Bisher
war noch keine Flucht dagewesen, aber nun wird sie kommen in der Bälde, von der
in den Evangelien mehrmals die Rede ist. – Verstehe aber das wohl! Ich lasse
Meine Kinder wohl prüfen, aber verschmachten und verzweifeln lasse Ich sie
nimmer amen. Das sagt der Herr amen, amen, amen! – – –
Kriegsgewölk. – 2. Dezember 1850,
nachmittags.
[HiG.03_50.12.02] Wie, wann, was, warum,
jetzt, morgen, übermorgen? –
[HiG.03_50.12.02,01] Ich sehe, du möchtest es
von Mir erfahren: Wie, wann, was, warum, jetzt, morgen, übermorgen? – Aber Ich
bin gerade heute nicht aufgelegt, dir das alles so ganz auf ein Haar
vorauszusagen, was da nun aus all diesen Vorbereitungen, die unverkennbar nach
einem blutigsten Kriege riechen, am Ende herauskommen wird. Aber Ich will dir
hauptsächlich deiner und Meiner Freunde wegen ganz kurze Andeutungen geben, aus
denen ihr wohl, so ihr Ohren zum Hören und Augen zum Sehen habt, klug werden
möget.
[HiG.03_50.12.02,02] Frage die Millionen voll
Unzufriedenheit in ihren Herzen! Sie beten nicht und segnen nicht; aber dafür
fluchen sie desto mehr. Nur in der Schweiz beten sie, riechen den Braten und
haben bereits im geheimen dreihundertvierundvierzigtausend (344000) Mann
kriegsfertig auf den Beinen; aber die Kabinette haben davon kaum eine dumpfe
Kenntnis. – Sardinien und Frankreich aber beten weniger, fluchen aber eben auch
nicht zu übermäßig. Sardinien aber hat bereits auch über zweihunderttausend
Mann geheim schlagfertig in Bereitschaft, – und Frankreich eben auch ganz
geheim sechsmalhunderttausend Mann als sich schlagfertig zu halten konsigniert.
– Wozu wohl etwa solch eine Rüstung dienlich sein soll?
[HiG.03_50.12.02,03] Wie Österreich und
Rußland und ganz Deutschland sich rüsten, ganz besonders Preußen, das wisset
ihr bereits. Zu was? – Österreich fürchtet nicht Preußen, und Preußen fürchtet nicht
Österreich; beide aber samt Rußland fürchten die massenhaft von Tag zu Tag sich
mehrenden Demokraten, für deren Werkstätte die Schweiz und Frankreich und
Sardinien angesehen werden.
[HiG.03_50.12.02,04] Wer Ohren hat, der höre,
und mit offenen Augen schaue er! Das alles aber ist ein Werk des Drachen, der
alles ausgerottet haben will, was nicht zu seiner Fahne schwören und halten
will. – –
[HiG.03_50.12.02,05] Die düsteren Tage aber
sagen euch auch, wie es nun steht. – Man verflucht die Wahrheit der Himmel und
flieht und verbietet das Licht; dafür aber geizt und sorgt man sich um die
Schätze der Motten und des Rostes. – Oh, oh, diese Frucht wird bald ihren Segen
ernten zur mißlichsten Reife!
[HiG.03_50.12.02,06] Ich wollte es nicht,
habe aber dennoch müssen mit Meinen Füßen an die Erde stoßen, und das wird ihr
zu einem Gerichte werden, weil sie den Tritt Meiner Füße nicht beachtet hat.
[HiG.03_50.12.02,07] Wehe allen, die sich an
die Welt halten; sie werden eine schlechte Ernte machen. Wohl aber denen, die
ungeschwächt sich an Mich halten – wahrlich, ihre Ernte wird so gesegnet sein,
wie seit dem Beginne der Welt noch nie eine gesegnet war! – Denn nun solle der
Unterschied zwischen Meinen Kindern und den schwarzen Kindern der Welt und der
Hölle ein klarer werden.
[HiG.03_50.12.02,08] Ich sage es euch aber
nicht, wie, wann, was, – sondern wer da Ohren hat, der höre, und mit offenen
Augen schaue er, und er wird es finden. Über Rom aber solle es zu lesen sein
mit klarer Schrift. Meine Knechte in England werden die Schreiber sein.
[HiG.03_50.12.02,09] Ich sage es euch: Dies
finstere Gewölk wird nicht vergehen, bis ein gewaltiger Sturm von Oben kommen
wird. – Die aber, die da beherrschen der Erde Gewässer, haben bereits den Hebel
in die große Schleuse gesteckt. – So ihr einen fernen Donner in der Nacht
vernehmen werdet, wird der Hebel seinen Dienst getan haben. – Merket, das hat
euer Vater euch gesagt aus den Himmeln amen! – – –
Staatsbürgerlicher Opfersinn. – 6. Dezember
1850. Nachmittag.
[HiG.03_50.12.06,01] Murret nicht über so
manche bittere Erscheinungen und Erfahrungen, die ihr nun zwar nicht so sehr
mit eurer Haut, als vielmehr nur mit eurem Geiste mitgemacht habet. Ich sage
euch, an allem dem schuldet die Härte der Menschen. Wären die Menschen weich,
sanft und wohltätig, so gäbe es keine Teuerung, keinen Mangel und sicher keinen
Unfrieden in der Welt.- So wie aber ein Wucherer zehn Wucherer gebiert, zehn
Hunderte, hundert Tausende und Tausende Zehntausende, also zieht auch ein Wohltätiger
Wohltätige in stets verzehnfachtem Maßstabe nach sich.
[HiG.03_50.12.06,02] Wozu esset ihr mit
silbernen Löffeln? Der Staat benötigt nun dieses Metalls. Bringet dem Staate
ein Opfer, und ihr werdet demselben und im selben am meisten euch selbst eine große
Wohltat erweisen. Was jemand frei tut, das macht ihm Freude und Ehre. So er
aber später zu etwas genötigt wird, so wird ihm das viel Kummer, Verdruß,
Sorgen und Ärger machen, und es wird dabei viel geflucht werden. Dem Fluche
aber folgt nie ein Segen, sondern allezeit nur ein noch ärgerer Fluch.
[HiG.03_50.12.06,03] Ihr sorget euch wohl um
eure Kinder und saget: Wir können und dürfen unsere Kinder nicht verkürzen des
Staates wegen, – aber wie wird es denn hernach sein, wenn der Staat
notgedrungen euch und eure Kinder gar gewaltig zu verkürzen gedrängt sein wird?
– Machet also, daß da mehrere mit einem guten Beispiele lobenswert vorangehen,
und es wird sich bald eine Menge Nachahmer finden in allen Landen, und ihr
werdet die Ehre haben, Großes und Gutes zum Besten aller im Staate getan zu
haben. – So ihr wollt, so tut das; an Meinem Segen solle es nicht fehlen amen.
–
Neujahrssegen. – 31. Dezember 1861.
[HiG.03_61.12.31,01] Also schreibe! – Am
Schlusse des Jahres gebe Ich euch, die ihr an Mich noch haltet und glaubet, ein
Fünklein dahin, was das kommende Jahr bringen wird.
[HiG.03_61.12.31,02] Das Beste ist, daß alle,
die ihr an Meinem Namen haltet, Meine stete Liebe und Gnade zu gewärtigen haben
sollet. Wer aber das hat, der sehe nicht auf die Welt, was diese tut und tun
will; denn Ich allein bin wahrhaft der Herr, und alle Geschicke der Menschen,
ob groß oder klein, reich oder arm, mächtig oder ohnmächtig, liegen in Meiner
Hand und Macht.
[HiG.03_61.12.31,03] Die Wolke, aus der nun
der alles durchleuchtende Blitz vom Aufgange bis zum Untergange allwaltend in
einem fort von neuem ausfahret, steht unverwandt am Firmamente des Geistes, und
der alte babylonische Aberglaube und dessen Lüge und Trug sinkt unaufhaltsam in
den Abgrund. Muß Ich nicht durch die Not die Regenten dahin führen, daß auch
sie erleuchtet werden und dann dem Reiche der Finsternis, des Gerichtes und des
Todes keinen Schutz mehr zu leisten vermögen? Darum lasset euch denn auch eine
noch ganz kurze Zeit der Not gefallen! In wenigen Monden wird alles ein ganz
anderes Gesicht haben, vor dem ihr nicht erschrecken werdet.
[HiG.03_61.12.31,04] Denket nur, daß Ich
alles also geschehen lasse wie den heutigen Tag, der euch auch nicht gefällt,
aber dabei doch voll Segens für diese Erde ist. Kurz und gut, wer sich in
Meinem Lichte befindet, der hat auch nichts zu besorgen! –
[HiG.03_61.12.31,05] Ich aber will und werde
nun den Hochmut und die arge Hoffart auf eine Weise heimsuchen, an die noch
niemand gedacht hat, – sie wird sich in ihrer Überbietung selbst zugrunde
richten müssen gleichwie die alte Hure Babels; denn beide sind Kinder eines und
desselben Geistes und müssen sich selbst zugrunde richten.
[HiG.03_61.12.31,06] Alle aber, die ihr da
mühselig und mit allerlei unnötiger Furcht beladen seid, kommet im Herzen
beladen mit der Liebe zu Mir, und Ich werde euch alle erquicken! – Nehmet mit
diesem Worte Meinen Segen für das kommende Jahr und für noch länger und für
ewig hin Amen. – Das sage Ich euch. – – –